Was glaubst du?Was glaubst du?

Was glaubst du?

Hintergrund/ Grundsatz

Verband: EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppe: Mitarbeitende
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Schulung
Redaktion: Jungscharleiter

Mit Kindern über den Glauben sprechen

Vorbemerkungen

Was ich glaube, ist etwas sehr Persönliches. Davon etwas mitzuteilen, macht mich verletzbar. Zugleich ist es kostbar, weil ich damit für die Kinder „greifbar“ werde. Ich bin als Mitarbeitender ein Vorbild – in vielen Dingen. Deshalb interessiert sie auch die Art und Weise, wie ich über Gott und das Leben denke. Kinder haben Fragen nach Gott und dem Sinn des Lebens. Sie suchen nach Orten, wo sie diese ansprechen können. Mir ist es ein Anliegen, dass die Kinder erfahren, was mir im Leben wichtig ist. Deshalb ist es gut, wenn ich für „meine“ Kinder bete und Gott darum bitte, dass er mir Gelegenheiten und angemessene Worte schenkt, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen.

Räume schaffen

Es geht nicht darum, jede Gelegenheit zu ergreifen, um mit den Kindern über den Glauben zu sprechen. Es kann zwanghaft werden, wenn überall ein Bezug zum Glauben hergestellt wird. Doch oft geschieht das Gegenteil: der Glaube spielt nur an fest definierten Punkten eine Rolle, z.B. bei der Andacht am Anfang und danach nicht mehr. Entscheidend ist, eine offene Haltung gegenüber den Kindern einzunehmen. Das Kind möchte sich in einem Orientierungsraum bewegen, der ihm Sinnentwürfe (worin sehen Menschen den Sinn des Lebens?) und Sinnerfahrungen (wie ist dieser Sinn erfahrbar?) bietet. Damit unsere Gruppen solche Räume sein können, müssen wir sensibel dafür sein, was die Kinder „mitbringen“, was sie beschäftigt. Gespräche können während einer Andacht oder biblischen Geschichte entstehen, aber auch beim Spielen oder Basteln. Bedeutende Fragen brechen oft in Situationen auf, wo keiner damit rechnet.

Eigene Klärungen

Um ansprechbar für die Fragen der Kinder zu sein, ist es gut, sich über Fragen des Glaubens selbst Gedanken gemacht zu haben. Ich muss nicht über jedes theologische Thema ein Buch gelesen haben – das überfordert jeden Mitarbeitenden. Und doch hilft es, für sich selbst durchzubuchstabieren, was man glaubt. Das kann in der Tat mit einem guten Buch geschehen (z.B. mit YOUBE. Evangelischer Jugendkatechismus, Basel 2015) oder noch besser im Rahmen eines Glaubenskurses, der Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch bietet.

Freiheit des Kindes

Bei Gesprächen über den Glauben darf es nicht darum gehen, dass wir als Erwachsene versuchen, die Kinder nach unserem Bilde und dem Bild unserer Erwartungen zu formen. Janusz Korczak hat vor fast 100 Jahren formuliert: „das Recht des Kindes, zu sein, was es ist“. Das gilt auch für die Gespräche über den Glauben. Wir verfügen nicht über die Kinder und ihren Glauben. Stattdessen sollten wir die Selbstbestimmungsfähigkeit des Kindes stützen. Es ist gut, wenn wir selbst einen Standpunkt beziehen. Es ist schlecht, wenn wir dem Kind unseren Standpunkt aufzwingen. Wenn wir Kinder in ihrem Glauben(-sweg) ernst nehmen, äußert sich das in unserer Haltung und Sprache. Das Kind darf anders denken und glauben als wir (und es wird nie so sein, dass zwei Menschen genau gleich denken und glauben).

Über den Glauben sprechen

Die Bedeutung des Gesprächs ist daher enorm wichtig, weil in ihm das partnerschaftliche Verhältnis zum Ausdruck kommt. Es ist kein Vortrag, in dem der eine redet und der andere nur zuhört. Die Kinder suchen das Gespräch mit uns Mitarbeitenden. Aber es sind oft leise, vorsichtige Fragen, die leicht überhört werden. Wir sind herausgefordert, diese Fragen wahrzunehmen. Oft lohnt es sich, vorsichtig nachzufragen und das Kind dabei zu unterstützen, seine Fragen deutlich zu stellen.

Im Gespräch bringe ich als Mitarbeitender meinen Glauben auf natürliche Weise mit ein. Wenn ich von eigenen Erfahrungen erzähle (wichtig: ohne in fromme Sprache abzuweichen), wird für die Kinder konkret, wie Glaube aussehen kann.

Doch es ist nicht so, dass wir nur abwarten müssen, bis Kinder alle wichtigen Fragen des Lebens selbst finden und stellen. Wenn wir Kindern biblische Geschichten erzählen, enthalten diese von sich aus „Sinn-volle“ Anstöße. Das Kind denkt über Situationen und Erfahrungen nach, die dem eigenen Leben nah sind, aber auf die es vielleicht nicht selbst gekommen wäre: Streit unter Geschwistern, Trauer über den Verlust eines Menschen, Freude über eine Gebetserhörung, Versöhnung usw. Fragen geben dem Kind Gelegenheit, sich zum Gehörten zu äußern, sie führen weiter und helfen, sich mit Fragen des Lebens und des Glaubens auseinanderzusetzen. Ebenfalls kann ich an dieser Stelle zeugnishaft erzählen, wie es mir selbst in einer ähnlichen Situation ergangen ist.

Das Leben verkündigt

Neben dem, was ich den Kindern erzähle, spricht etwas noch viel lauter als meine Worte: mein Leben. Die Kinder erleben mich in und außerhalb der Gruppe bzw. Freizeit und achten darauf, wie ich mich verhalte. Stimmen meine Worte damit überein, wie ich lebe? Rede ich nur über Feindesliebe oder erleben sie auch, dass ich jemandem vergeben kann? Sage ich den Kindern nur, dass sie einmalig sind, oder erleben sie auch, dass ich sie wahrnehme und mich für sie interessiere, wenn ich sie zufällig außerhalb der Jungscharstunde treffe?

Kinder suchen nach Bezugspersonen außerhalb von Familie und Schule. Sie suchen nach Beziehungen zu Menschen, die authentisch leben. Bin ich als Mitarbeitender bereit, mit den Kindern eine Beziehung einzugehen? Wie denke ich und rede ich über „meine“ Kinder? Kenne ich die Kinder überhaupt?

Es lohnt sich, mit den Kindern eine Beziehung einzugehen, die zwischen den anderen Bezugspersonen wie Eltern, Lehrern und gleichaltrigen Freunden liegt. So kann ich für die Kinder eine wichtige Ansprechperson für Fragen des Lebens und des Glaubens werden. Und ich will ihnen von mir erzählen, wenn sie mich fragen: „Was glaubst du?“

  • Autor / Autorin: Johanna Mecke
  • © EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg