Wenn es in Kindern dunkel istWenn es in Kindern dunkel ist

Wenn es in Kindern dunkel ist

Hintergrund/ Grundsatz

Verband: EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppe: Mitarbeitende
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Offenes Angebot, Schule + Jugendarbeit, Schulung
Redaktion: Jungscharleiter
Bibelstelle: Psalm 119,105

Verlust, Leid und Trauer machen auch vor Kindern nicht halt. Was es in diesen Situationen zu beachten gilt und wie wir mit trauernden Kindern umgehen können, wird hier beschrieben.


Vorschau:

Warum sind Kinder traurig?

Manchmal sind es einschneidende Lebensereignisse, welche die Kinder beschäftigen und traurig machen: Ein Schulwechsel steht an, die Eltern trennen sich, die Familie zieht in eine fremde Umgebung, ein geliebtes Tier ist weggelaufen oder ein nahestehender Mensch ist gestorben. Darüber hinaus gibt es immer wieder kleinere, für Außenstehende vielleicht eher unbedeutende Anlässe, die bewirken können, dass Kinder traurig sind: Ein lieb gewonnenes Spielzeug zerbricht oder geht verloren, die Eltern verbieten etwas, in der Schule gab es Streit mit einer Freundin oder einem Freund, die Ferien neigen sich dem Ende zu usw.
Traurigkeit wird meist von Erlebnissen ausgelöst, die mit kleineren oder größeren Verlusten, Trennungen und Abschieden zu tun haben – und zwar von Personen, Tieren, Gegenständen oder Werten, die man liebgewonnen bzw. zu denen man eine enge seelische Bindung aufgebaut hat. „Und weil sich Kinderherzen an sehr viel Verschiedenes hängen können, sind die Anlässe für Kindertrauer auch sehr unterschiedlich und bunt.“ (Specht-Tomann 2008, S. 55) Abschied nehmen, sich von jemandem oder von etwas trennen, fällt den meisten Menschen schwer, es tut weh und macht traurig. Kinder lernen im Laufe ihres Lebens, mit den kleinen alltäglichen Abschieden (notwendig z.B. durch Kindergarten- oder Schulbesuch) zurechtzukommen. Sie erfahren, dass nach den meisten Trennungen ein Wiedersehen erfolgt. In täglichen Situationen üben sie sozusagen, Abschied zu nehmen. Die Trauer hilft ihnen dabei, mit den Verlustsituationen des Alltags zurechtzukommen. So lernen junge Menschen zunehmend, in Alltagssituationen Abschied zu nehmen, was sie wiederum darauf vorbereitet, endgültige Trennungen (z.B. durch den Tod eines geliebten Menschen) verarbeiten zu können. Neben den angesprochenen Verlusterfahrungen können auch bestimmte Ereignisse, die zumindest nicht direkt mit persönlichen Verlusten zu tun haben, die Kinderwelt mehr oder weniger stark erschüttern und Traurigkeit auslösen: In der Mathearbeit gab es schon wieder eine schlechte Note, Papa ist krank und hat Schmerzen, zum Geburtstag bekam man nicht das erhoffte Geschenk oder Ähnliches.

Wie Kinder trauern

Bei Ereignissen, die von den Betroffenen emotional als weniger einschneidend empfunden werden, ist das Gefühl der Traurigkeit oft nur von kurzer Dauer. Manchmal kann sich aber die schwermütige Stimmung über lange Zeit hinziehen, insbesondere wenn Kinder bzw. ihre Familien von Schicksalsschlägen heimgesucht werden. Wie schnell bzw. wie die betroffenen Kinder Verlusterfahrung verarbeiten können, hängt auch davon ab, wie die Erwachsenen in ihrem Umfeld darauf reagieren: Wird über das Erlebte gesprochen oder wird es tabuisiert? Zeigen die Erwachsenen offen ihre eigene Verunsicherung oder versuchen sie, diese zu verstecken? Sehen sie eine Zukunft oder versinken sie in Hoffnungslosigkeit? Die Erwachsenen fungieren also als Vorbilder und als „Stimmungsüberträger“ beim Umgang mit Verlusterfahrungen. Kinder gehen ganz unterschiedlich mit Schwierigkeiten, Unstimmigkeiten oder Verlusten um. Manche lassen sich von herausfordernden Situationen nicht so schnell unterkriegen, andere wiederum können diese nur mit großer Mühe verarbeiten. Ob junge Menschen mit großem Optimismus oder eher mutlos durch das Leben gehen, hängt vor allem damit zusammen, in welchem Maß sie in ihrer frühen Kindheit Geborgenheit und Halt erlebt haben und somit mehr oder weniger Vertrauen zu anderen Menschen, zur …

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  • Autor / Autorin: Hanna Weber
  • © EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg