Wie mit Anderen umgehen? – Ein Update zum barmherzigen SamariterWie mit Anderen umgehen? – Ein Update zum barmherzigen Samariter

Wie mit Anderen umgehen? - Ein Update zum barmherzigen Samariter

Erzählung

Verband: buch+musik , ejw-service gmbh
Zeitbedarf: 10-20 Min. (Vorbereitung: 10 Min.)
Materialart: Erzählung
Zielgruppen: Jugendliche, Junge Erwachsene, Mitarbeitende
Einsatzgebiete: (Jugend-)Gottesdienst, Freizeiten, Gruppenstunde
Themenstellungen: Abendabschluss, Weitere Programm-Elemente
Redaktion: jugonet
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Start

Stellt euch mal vor, ihr seid von der Schule auf dem Weg nach Hause. Vor euch läuft eine alte Frau. Sie geht ganz gebückt, weil sie schwere Einkaufstaschen trägt. Plötzlich reißt eine der Plastiktüten, und alles kullert davon: Äpfel, Karotten und alles, was sonst noch in der Tasche war. Was würdet ihr machen? (Zeit für „stille Antworten“ lassen)
Die Situation noch verschärfen und fragen: Und was, wenn die alte Frau eure unfreundliche Nachbarin ist, die euch früher immer geschimpft hat, weil ihr zu laut wart oder euer Ball beim Spielen in ihren Garten geflogen ist? Würdet ihr dann auch helfen? Oder was wäre, wenn ihr ganz dringend nach Hause müsstet, weil ihr noch einen Termin beim Zahnarzt habt?

Story

Heiß ist es – und ganz still. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel auf einen staubigen Weg. Zwischen den braun roten Steinen und verdorrten Büschen bewegt sich etwas. Es ist ein Mann, der dort liegt und gerade mühsam die Augen öffnet. Stöhnend versucht er sich aufzusetzen, doch vor Schmerz schreit er auf. Jede Bewegung schmerzt. Sein linker Fuß scheint gebrochen zu sein. Wie ist er hierher gelangt? Was ist passiert? Er versucht sich zu erinnern. „Mein Name … ist Aram…“, denkt er und ist froh, dass er sich zumindest das noch ins Gedächtnis rufen kann. Heute morgen hatte er sich in aller Frühe aufgemacht, um nach Jericho zu reisen. Voll gepackt waren die Satteltaschen seines Esels mit wertvollen Gewürzen, schönen bunten Stoffen, Schmuck und anderen Waren, die er in Jerusalem gekauft hatte.

Sein Esel! Erschreckt schaut Aram sich um. Doch um ihn herum türmen sich nur rauhe Felsen auf. Von seinem Esel ist weit und breit nichts zusehen. Aram wendet suchend den Kopf. Das schmerzt! Er betastet seine Stirn. Eine riesige Beule ist zuspüren, und als er die Finger wieder wegzieht, merkt er, dass die Wunde blutet. Er schaut an sich hinunter und stellt fest, dass er nur ein paar zerrissene Kleidungsstücke trägt. Die Mittagssonne brennt auf seiner Haut. Wie ist er nur in diese Lage geraten? Hat der Esel ihn etwa abgeworfen und ist davongelaufen? Angestrengt denkt Aram nach. „Ich bin hier auf dem Weg geritten …“, murmelt er vor sich hin, „… und dann… da, hinter dem Fels, da war jemand! Ich habe gerufen, aber niemand ist herausgekommen…“

Aram wird es ganz mulmig. Langsam fällt ihm wieder ein, wie es weiterging: Er war näher an den Felsen geritten, als plötzlich ein paar Männer hervorsprangen. Sie schwangen große Knüppel. Sein Esel wollte erschreckt lospreschen, doch da hatten die Männer schon die Zügel gefasst und ihn heruntergezerrt. „Lass mal sehen, was du dabei hast! Her mit deinen Sachen!“, riefen sie, und schon prasselten die Schläge auf ihn ein. Das Letzte, woran er sich erinnern kann, ist ein besonders harter Knüppelhieb auf den Kopf und Schritte, die sich eilig entfernen. Dann: Dunkelheit. „Ein Überfall… ich bin überfallen worden…“, murmelt Aram fassungslos.

Er tastet nach dem kleinen Beutel mit Geld, den er immer am Gürtel trägt, doch der ist verschwunden. Sein Mantel, seine Schuhe, sein ganzes Gepäck – alles wurde gestohlen! Nicht einmal seine Wasserflasche ist ihm geblieben. Notdürftig reißt Aram ein Stück von seinem zerfetzten Gewand ab und legt es auf die blutende Wunde am Kopf. Mehr kann er nicht tun.

„Hilfe!“, ruft er, erst leise, dann immer lauter. „Hilfe! Hilfe! Ist denn da niemand? Ich brauche Hilfe!“ Ihm kommt es vor wie eine kleine Ewigkeit, als er endlich gegen die Sonne auf dem Weg eine Person sieht. Er hebt die Hand und beschattet seine Augen. Ein Mann ist es, der auf einem hübschen Esel reitet. Er trägt eine weiße Kopfbedeckung und hat ein buntes Gewand an. Das ist ein Priester! Erleichtert sinkt Aram zurück. Jetzt wird er Hilfe bekommen. Der Priester reitet näher und betrachtet den Verletzten. Er streicht sich mit der Hand durch den Bart und murmelt etwas, das Aram nicht versteht. Plötzlich zieht er am Zügel, und der Esel trabt eilig mit ihm davon. „He! Du kannst mich doch hier nicht einfach liegen lassen! Komm zurück!“, ruft Aram entsetzt. Vergeblich! Bald schon ist von dem Priester und seinem Esel nichts mehr zu sehen. Aram kann es nicht glauben. Der Priester hat ihn einfach hier liegen lassen! Er sinkt zurück und schließt die Augen. Was jetzt? In der Zwischenzeit ist es bereits Nachmittag. Aram hat seit Stunden nichts gegessen und getrunken, und sein ganzer Körper schmerzt. Seine Stimme hört sich vom vielen Schreien schon ganz heiser an, doch Aram will nicht aufgeben. „Hilfe! Hilfe!“, ruft er wieder. Erschöpft versucht er, nicht wegzudösen, sondern den Weg im Auge zu behalten. Und seine Hoffnung erfüllt sich: Ein zweiter Mann erscheint mit zügigen Schritten. Er scheint ganz in Gedanken versunken und bemerkt Aram erst, als er schon beinahe an ihm vorbei ist. Aram will erklären, was passiert ist, aber seine Stimme versagt, und er kann nur noch wimmern. Er sieht den Mann nur an, doch dieser blickt schnell weg, schaut sich unruhig um und windet nervös die Hände. Schließlich geht er schnell weiter, ohne Aram zu helfen. An der Kleidung erkennt Aram, dass der Andere ein Levit war, ein Tempeldiener, der dafür zuständig ist, den Priestern zu helfen und mit Musik und Gesang Gott zu loben. „Warum hat er mir nur nicht geholfen?“, denkt Aram verzweifelt.

Zoom

  • Der Priester und der Levit sehen den Verletzten, aber sie helfen ihm nicht. Welche Gründe könnten sie haben?
  • Hast du auch schon mal gehofft, dass andere dir helfen, aber nichts ist passiert?
  • Wo würdest du helfen, auch wenn dich das selbst in Gefahr bringen würde?

Der Priester und der Levit wissen nicht, was sie tun sollen. Vielleicht denken sie, der Verletzte wird zu Recht bestraft. Sie kennen ihn ja gar nicht. Oder sie haben Angst, dass die Räuber noch in der Nähe sind und auch sie überfallen könnten. Vielleicht ist das nur eine Falle und der Verletzte gar nicht wirklich verletzt?! Oder sie wollen sich am Blut des Überfallenen nicht verunreinigen. Der Priester kommt aus Jerusalem, er hat im Tempel gearbeitet und geht nach Hause. Wahrscheinlich ist er müde. Der Levit geht zum Tempel. Wenn er Blut oder gar einen Toten berührt, wird er unrein und darf dort nicht arbeiten.

Die Sonne steht schon tief. Aram hat Schmerzen und seine Kehle ist vor Durst ganz ausgetrocknet. Er kann keinen klaren Gedanken mehr fassen und verliert immer wieder das Bewusstsein. Plötzlich fühlt er eine Hand, die das Tuch von seiner Kopfwunde wegnimmt. Erschrocken reißt er die Augen auf und blickt in ein fremdes Gesicht. In der Dämmerung kann er nicht viel von dem Anderen erkennen. Doch der Fremde redet beruhigend mit ihm und lässt ihn aus seiner Wasserflasche trinken. Das tut gut! Dann umwickelt er die Kopfwunde mit einem sauberen Tuch. Auf die schlimmsten Verletzungen träufelt er Wein, damit sie sich nicht entzünden. Vorsichtig macht er auch etwas Öl darauf, und Aram spürt, wie gut das tut.
Alles kommt ihm vor wie im Traum. „Wahrscheinlich habe ich Fieber und bilde mir das gerade nur ein“, denkt er. Doch als der andere ihn auf seinen Esel hievt und ein zuckender Schmerz durch sein Bein fährt, weiß er, dass ihm tatsächlich endlich jemand hilft. Aram klammert sich mit Mühe an dem Esel fest, während der Fremde schweigend nebenher läuft und das Tier führt. Es wird immer dunkler und schließlich sind die ersten Sterne am Himmel zu sehen. In der Ferne hören sie Hundegebell. Bald erreichen sie ein Dorf.

Der Fremde pocht an die Tür eines Gasthauses. Gemeinsam mit dem Wirt zieht er Aram von seinem Esel herunter und trägt ihn hinein. Aram merkt noch, dass er in ein sauberes und bequemes Bett gelegt wird und dass jemand beginnt, seine Wunden zu verbinden. Doch dann fällt er in einen tiefen Schlaf.

Zoom

  • Warum hilft der Fremde dem Überfallenen?
  • Das Mitleid des Fremden hat Aram gerettet. Wessen Not berührt dich?
  • Wer hat dir schon mal so geholfen, von dem du es gar nicht erwartet hättest?

Am nächsten Morgen wird Aram von Gemurmel vor seiner Zimmertür geweckt. „Ich muss weiter“, hört er die Stimme seines Retters sagen. Eine andere Stimme, wahrscheinlich der Wirt, fragt: „Und was soll aus dem Verletzten werden?“ Erschrocken hält Aram die Luft an und lauscht auf die Antwort. „Kümmere dich um ihn!“, sagt die Stimme des Mannes, der ihm geholfen hat. Er hört Münzen klirren. „Hier, das gebe ich dir, damit du ihn gut versorgst. Wenn du mehr Kosten hast, ersetze ich dir das Geld, wenn ich beim nächsten Mal wieder hier bin.“ Aram hört Schritte und Stimmen, die sich entfernen.

Erleichtert schließt Aram die Augen und schläft wieder ein. Es ist schon Nachmittag, als er aufwacht. Die Sonne scheint freundlich in sein Zimmer, vor seinem Fenster sieht er blauen Himmel und Palmblätter, die sich im Wind wiegen. Er hört aufgeregte Rufe von Reisenden und das Blöken von Kamelen. Es klopft an seiner Tür. Ein kleiner, ziemlich dicker Mann mit freundlichen Augen kommt herein. Er stellt sich als der Wirt des Gasthauses vor. Er versorgt Arams Wunden, flößt ihm frisches Wasser ein und hat leckere Datteln, Käse und Brot dabei.
Aram kaut hungrig, während er dem Wirt erzählt, was ihm passiert ist. Dieser blickt ihn nachdenklich an: „Ich habe mich schon gewundert, dass du mit einem Samariter unterwegs warst. Aber anscheinend kanntest du den Mann gar nicht, der dir geholfen hat.“ „Nein“, bestätigt Aram. „Aber – Moment mal! Er ist ein Samariter, sagst du?“ „Ja, das ist er“, bestätigt der Wirt. „Ich kenne ihn gut. Er ist ein Händler und kommt bei seinen Reisen immer wieder in meinem Gasthaus vorbei.“

„Ein Samariter? “, hakt Aram fassungslos nach. „Aber – die Samariter mögen uns Juden nicht. Und wir mögen sie auch nicht. Wusste er denn nicht …warum hat er…?“ „Ich weiß nicht, warum er dir geholfen hat“, antwortet der Wirt und zuckt mit den Schultern. „Er hat nur gesagt, dass er dich verletzt am Wegrand liegen sah und Mitleid mit dir hatte. Sei froh! Er hat auch Geld dagelassen für deine Verpflegung. Du kannst hier bleiben, bis du wieder ganz gesund bist. Ich werde mich gut um dich kümmern. Jetzt muss ich aber zurück zu meinen anderen Gästen, sonst bekomme ich noch Ärger mit meiner Frau, wenn ich sie die ganze Arbeit allein machen lasse!“, sagt er lächelnd und verabschiedet sich. „Ein Samariter! Dass er mir einfach so geholfen hat … ich kann es noch immer nicht fassen“, sagt Aram zu sich selbst.

Zoom

  • Der Samariter hilft jemandem, den er eigentlich nicht leiden kann. Was denkst du, wenn du das hörst?
  • Jesus erzählt diese Geschichte in der Bibel. Warum legt er Wert darauf, dass ausgerechnet ein Außenseiter hilft?
  • Der Samariter hat konkret geholfen. Wie kann ich helfen? Was kann ich heute tun?

Erstveröffentlichung dieser Nacherzählung in Matthias Kerschbaum, Antje Metzger (Hg.): Bei dir – Gott, Ich und die anderen. Ein Glaubenskurs für YoungTeens; buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart 2015, S.86-90. Originaltitel dort: „Wie gehe ich mit anderen um? Ich in berührt. Jesus leidet mit.“

  • Autor / Autorin: Stefanie Weinmann, Stuttgart
  • © buch+musik , ejw-service gmbh