Wie werde ich Schuld los? Mit Kindern über Schuld redenWie werde ich Schuld los? Mit Kindern über Schuld reden

Wie werde ich Schuld los? Mit Kindern über Schuld reden

Hintergrund/ Grundsatz

Verband: EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Zeitbedarf: 10-15 Min. (Vorbereitung: 5-10 Min.)
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Kinder, Kinder/ Pre-Teens (10-13 Jahre)
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Schulung
Redaktion: Jungscharleiter

Schuld ist ein Thema, dass nicht nur Erwachsene betrifft und beschäftigt. Hintergrundwissen und wie man mit Kindern über das Thema ins Gespräch kommen kann – damit befasst sich dieser Text.


Vorschau:

Einige Worte vorweg

Ein Phänomen, das zwangsweise zu unserem menschlichen Dasein gehört ist die Tatsache, dass wir an uns selbst und an anderen schuldig werden. Irgendwie scheint es in unserer Natur zu liegen, uns immer wieder gegenseitig zu verletzen, zu belügen, zu bestehlen, keine Rücksicht aufeinander zu nehmen bzw. in irgendeiner Art und Weise zu versagen. Im Hinblick auf die Arbeit mit Kindern stellt sich die Frage, was wir über das Thema „Schuld“ aus Sicht der Heranwachsenden wissen sollten, wie wir mit jungen Leuten über (ihre) Schuld (-gefühle) ins Gespräch kommen können und welche praktischen Möglichkeiten es in der Jungschar gibt, Kindern dabei zu helfen, Belastendes loszuwerden. Dabei kann es bei einem so komplexen Thema wie „Schuld“ nur um eine ausschnittsweise und exemplarische Darstellung gehen.

Was versteht man unter „Schuld“?

Es gibt verschiedene Bedeutungen/Definitionen für „Schuld“.
Zunächst handelt es sich um einen strafrechtlichen Begriff: Demnach wird schuldig, wer in zurechnungsfähigem Zustand gegen eine geltende Rechtsnorm (ein Gesetz) verstößt. Dabei kann die oder der Betroffene vorsätzlich (willentlich) oder fahrlässig (unabsichtlich) gehandelt bzw. nicht gehandelt (z. B. unterlassene Hilfeleistung) haben. Aus ethisch-moralischer Sicht versteht man unter Schuld einen Verstoß gegen die innerhalb einer Gemeinschaft allgemein anerkannten Wertvorstellungen, der auf einer eigenen Entscheidung beruht. In diesem Sinne hieße schuldig zu werden zum Beispiel, andere Menschen unter Druck zu setzen, jemanden lächerlich zu machen, andere zu belügen oder dem Leid eines Mitmenschen keine Beachtung zu schenken. Eng mit der moralischen Schuld hängt unser Gewissen zusammen: Nicht selten plagt uns ein schlechtes Gewissen, wenn wir uns nicht „normgerecht“ verhalten haben. Die Psychologie beschäftigt sich insbesondere mit dem „Schuldgefühl“. Dieses entsteht, wenn man davon überzeugt ist, Erwartungen enttäuscht zu haben – die eigenen oder diejenigen anderer Menschen. Ein Erklärungsmodell besteht in der Annahme, dass die Schuldgefühle Folge eines inneren Konfliktes sind, nämlich zwischen dem, was man will und dem, was man eigentlich soll. Psychologisch gesehen können diese Gefühle auch krank machen, wenn sie dauerhaft verdrängt werden. Aus christlicher Perspektive kann man Schuld als eine „Verfehlung gegen Gott“ (www.wissen.de/lexikon/schuld-philosophie) oder als „Übertretung seiner Gebote“ beschreiben.

Schuld und Sünde

Luther hat den griechischen Begriff „harmatia“ mit dem Wort „Sünde“ übersetzt. „Harmatia“ beschreibt ursprünglich eine (Ziel-) Verfehlung, einen Irrtum: „Der Mensch verfehlt das Ziel, das Gott ihm gesetzt hat“ (Grünzweig et al. 1992, 334): Die Gemeinschaft mit ihm selbst. Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen der Sünde als Zustand und der Sünde als Gedanke oder Handlung. Ersteres beschreibt die Trennung des Menschen von Gott. Menschen werden also schuldig, weil sie die Gemeinschaft mit Gott ablehnen, ihm misstrauen und ihr Leben ganz alleine meistern wollen. Dabei ist der Zustand der Sünde aus biblischer Sicht vom Prinzip her lebensfeindlich: Die Konsequenz der Gottesferne ist der Tod (Röm 6,23). Aus diesem Leben ohne Gott folgen wiederum die „Sünden“: Wir werden an uns selbst und aneinander schuldig, weil wir uns immer wieder von Gottes Liebe abwenden und dadurch „lieblos“ werden. Wir denken oft nur noch an uns, weil …

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  • Autor / Autorin: Selina Polenske
  • © EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg

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