Auslegung
Das Motiv zur Jahreslosung ist mitten aus dem Leben gegriffen: Likes gehören zu unserem Leben. Wir liken und werden geliked – nicht nur auf Social Media. Tag für Tag müssen wir unzählige Entscheidungen treffen, von morgens bis abends. Mit jeder Entscheidung, die wir treffen, setzen wir bildlich gesprochen ein Like: Müsli oder Brot, Bahn oder Auto, Buch oder PlayStation und und und. Über diese kleinen Dinge des Lebens hinaus gibt es große Themen, bei denen wir eine Entscheidung treffen müssen: im Blick auf unser Leben, auf unsere Gesellschaft und unsere Welt. Wie wollen wir leben und was ist uns z. B. wichtig im Miteinander von Menschen, in der Gesellschaft oder im Blick auf einen nachhaltigen Lebensstil? Sind wir religiös oder nicht? Und die Frage ist dann immer auch, was wir uns die Entscheidungen kosten lassen, die wir treffen. Ein Like als Reaktion auf einen Social Media-Post kostet uns nicht viel, aber andere Likes, die wir bei grundlegenden Lebensfragen setzen, können uns wirklich etwas kosten: Engagement, Geld, Zeit oder Kraft. Doch gerade solche Entscheidungen, die uns etwas kosten, können einen heilsamen Unterschied machen für andere und für uns.
Die Jahreslosung von 2025 öffnet einen Raum der Freiheit. Es geht nicht um das Umsetzen von Regeln und Vorschriften, sondern darum, frei zu prüfen und zu entscheiden.
Gott traut uns zu, selbst zu beurteilen, was gut ist. Gott traut es uns zu und mutet uns zugleich zu, Entscheidungen zu treffen. Wir können uns nicht wegducken, sondern müssen selbst entscheiden. Weil es unser Leben ist und niemand anderes dieses Leben für uns leben kann. Gut ist in der Bibel nicht nur das, was mir selbst guttut und für mich selbst gut ist, sondern „gut“ ist immer ein Beziehungsbegriff. „Gut“ bedeutet: Das, was gut für mich ist, muss zugleich für andere gut sein. Die Leitlinie für ein solches Leben, das anderen und zugleich uns selbst guttut, findet sich in vielen Texten der Bibel. Die Zehn Gebote erzählen davon und die Worte von Jesus. Auch das Buch Micha formuliert prägnant: „Es wurde dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Das Rechte tun, Nachsicht mit anderen haben und bewusst den Weg mit deinem Gott gehen“ (Micha 6,8 BB).
Gut zu leben, hat demnach mit unserer Beziehung zu Gott und mit unseren Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu tun. Gut ist, was guttut: anderen, unserer Erde und uns selbst.
Diese biblischen Texte wie z. B. aus dem Buch Micha bilden den Rahmen für ein „gutes“ Leben. Innerhalb dieses Raums der Freiheit kennt die Bibel aber kein Klein-Klein von Vorschriften. Sondern in der Verantwortung vor Gott und vor anderen treffen wir Entscheidungen darüber, wie wir unser Leben gestalten. Und darum können Christinnen und Christen in manchen Fragen der Lebensgestaltung und der Ethik auch zu unterschiedlichen Einstellungen kommen.
Dem christlichen Glauben wird manchmal vorgeworfen, er würde Menschen klein machen und einengen. Die Jahreslosung für 2025 zeigt das Gegenteil: Gerade die Beziehung zu Gott öffnet einen Raum der Freiheit. In der Verantwortung vor Gott können wir aufrecht und selbstbewusst leben. Weil Gott uns das Leben anvertraut, es zu gestalten.
Die Frage ist: Wo setzen wir unsere Likes? So, wie es das Motiv zur Jahreslosung zeigt, mit den verschiedenen Icons: Geballte Faust oder Herz – wollen wir vergeben oder zurückschlagen? Wollen wir Gutes über andere erzählen oder sie schlechtmachen? Wollen wir den gewohnten Luxus ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen auf Kosten des Klimas oder sind wir bereit, unseren Lebensstil zu ändern?
Der Zusammenhang der Jahreslosung im 1. Thessalonicherbrief macht deutlich: Wenn wir das Gute behalten, dann hat dies eine heilsame Wirkung auf unser Leben. In 1. Thessalonicher 5,24 Lu wird ein Segenswunsch formuliert: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.“
Gut ist also das, was dazu dient, dass unser Leben gut und heil und unversehrt in Gottes Augen ist. Oder anders formuliert: Gut ist, was unsere Seele heil macht. Dass ein Leben heil wird in und trotz allem, was an Rissen und Brüchen in unserem Leben ist, das ist Gottes Geschenk. Wenn die Bibel von Vergebung spricht, dann meint sie genau das: Gott macht das, was wir zerbrechen, gut und schenkt neues Leben.
Wir können das Gute behalten, wenn wir selbst gehalten sind von Gott. Die Beziehung zu Gott ist das Koordinatensystem, das unseren Blick dafür schärft, was für andere und für uns selbst heilsam und gut ist.
Prüft alles und behaltet das Gute – oder anders formuliert: Überlege dir genau, wo du im Leben deine Likes setzt!
Pausen-Los! Die neue KON-Einheit möchte Mut machen, immer wieder die Pausentaste zu drücken in einer Zeit, in der man pausenlos unterwegs ist – online und offline – und nichts verpassen will.
Selbst Jesus brauchte Pausen und hat wirksame Tipps, energiegeladen und mit ausreichend Power die Herausforderungen des Lebens zu meistern – ganz ohne Energy-Drinks.
Themenartikel, Stundenentwurf und interaktive Bibelarbeiten zeigen Lösungen, wie es gelingen kann, dranzubleiben und durchzuhalten und im »Digital Detox« bei Micro-Abenteuern richtig Spaß zu haben.
Ein langer Schultag – viel zuhören, das Hirn anstrengen, möglichst die Augen nicht zufallen lassen… und dann klingelt es ENDLICH zur großen Pause! Durchschnaufen, wenigstens ein paar Minuten, einmal an die frische Luft, Energie rauslassen, ins Pausenbrot beißen, mit anderen quatschen … und dann ein bisschen erfrischt in die nächste Runde starten.
Pausenzeiten sind heiß ersehnt, manchmal leben wir richtig darauf hin:
Nach einer langen und vollen Woche am Wochenende endlich mal ausschlafen, ein bisschen gammeln, tun was mir Spaß macht und was im Alltag immer zu kurz kommt. Pause.
Vielleicht einmal im Jahr sich einen Urlaub leisten – andere Umgebung, andere Menschen, Zeit für Hobbies haben, entspannen, ein paar Sorgen für eine Woche oder zwei vergessen … Pause.
Die Sehnsucht nach Pausenzeiten steckt in uns allen. Nach Anstrengung und Anspannung brauchen wir die Aussicht, dass dann eine Zeit für Entspannung und Erholung folgt, damit wir wieder weitermachen können und den Anforderungen gewachsen sind. Selbst Hochleistungssportler planen solche Pausenzeiten ein, zum Beispiel, indem sie bei der Tour de France zwischendurch einen Ruhetag einlegen, an dem nur leichtes Training stattfindet.
Wir Menschen sind nicht dafür gemacht, pausenlos durchzupowern. Und wenn man immer wieder durchmacht bis der Akku komplett leer oder sogar im Minus ist, bekommt man irgendwann die Quittung dafür.
Dass das so ist, dass wir Menschen Pausen brauchen, ist kein Zufall. Es ist von Anfang an in unserem „Bauplan“ mit eingebaut.
Wenn wir in die Schöpfungsgeschichte in der Bibel schauen, den Anfang von Allem, dann wird dort schon beschrieben, wie Gott die Welt erschafft in verschiedenen Abschnitten, die als Tage beschrieben werden – und jedes Mal, wenn ein Abschnitt fertig ist, hält Gott kurz inne, schaut sich sein Werk an, das er geschaffen hat, stellt fest, dass es sehr gut ist, und macht dann weiter mit der nächsten Etappe. Lauter klitzekleine Pausen, für den Rückblick und für die Würdigung dessen, was in diesem Abschnitt lag.
Und dann kommt noch eine Besonderheit: Nachdem Gott am sechsten Tag den Menschen erschaffen hat, steht dort: „Und Gott ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn.“ (1. Mose 2,2-3a).
Nach sechs Tagen voller Energie und Schaffenskraft legt Gott eine Pause ein. Er ruht, heißt es – zumindest in der Luther-Übersetzung. In manchen anderen Versionen heißt es auch „er ruhte aus“ von all seinen Werken, aber das trifft es eigentlich nicht. Denn es ist kein Ausruhen, wie wenn man nach so viel Arbeit erschöpft ist, sondern er „ruht von allen seinen Werken“ – das heißt, er unterbricht seine schöpferische Tätigkeit für eine Weile, er lässt die Arbeit ruhen. Das heißt nicht, dass der Schöpfer erschöpft ist und eine Erholungspause braucht!
Das Spannende ist ja, dass Gott am Tag vorher den Menschen erschaffen hat. Und somit ist dieser siebte Tag, der Ruhetag, gleichzeitig der erste volle Tag, den der Mensch erlebt. Auch wenn der Mensch vielleicht voller Tatendrang ist und sofort richtig loslegen will: das Erste, was er erlebt, ist die Pause, die Gott eingeläutet hat. Der Mensch ruht, bevor er tut.
Fühlt sich erstmal komisch an, oder? Wir sind es eher gewohnt, dass die Pause zur Erholung da ist nach getaner Arbeit; dass man erstmal was leisten muss, bevor man sich ausruhen darf. In Gottes Schöpfungsreihenfolge ist es genau umgekehrt: ERST die Ruhe, DANN die Aktion.
Den Gedanken finde ich klasse: Dass wir uns die Pause nicht erst verdienen müssen – denn dann wäre ja auch die Frage, wieviel man leisten muss, um sich eine Pause zu verdienen -, sondern dass Gott uns ERST die Ruhe schenkt und gönnt, damit es danach mit Schwung losgehen oder weitergehen kann. Ich stelle mir das ein bisschen vor wie ein Vorzeichen in der Musik: Das steht ganz am Anfang einer Zeile, und es verändert alles, was danach kommt. Wenn man das Vorzeichen nicht mitspielt, klingt alles andere irgendwie schräg.
Wenn wir die Pausen, die Gott für seine Geschöpfe mit eingeplant hat, nicht ernst nehmen, kann es ganz schön schräg werden. Deshalb: Gönn dir! Und zwar nicht erst hinterher, wenn du so richtig k.o. bist, sondern vielleicht ganz bewusst auch mal vorher, bevor die Action losgeht. Es könnte sein, dass Arbeit, aktiv sein und Reinpowern ganz anders anfühlen, wenn wir frisch aus einer Pause und aus der Ruhe kommen.
Guter Gott, danke, dass du dir als Schöpfer so gut überlegt hast, was uns guttut. Dass du die Idee von der Pause hattest, noch bevor wir irgendetwas geleistet haben. Bitte erinnere uns doch immer mal wieder daran, dass du diese besondere Zeit geschaffen hast, den Ruhetag, wo wir nicht das sind was wir leisten, sondern einfach nur deine Geschöpfe und Kinder, die du geschaffen hast als dein Gegenüber.
Guter Gott, danke für die Pause.Amen.
Gleich geht’s los, mach dich startklar!
Wie sieht das bei dir aus? Schuhe an, Rucksack schnappen? Oder zum Beispiel Ärmel hochkrempeln, damit die Hände frei sind? Schnell noch die langen Haare mit einem Scrunchie bändigen, damit sie nicht deine Sicht beeinträchtigen? Die letzten Hindernisse aus dem Weg räumen, damit die Bahn frei ist? Alle Störfaktoren ausschalten, damit du dich gleich voll konzentrieren kannst?
In der Bibel gibt es einen interessanten Ausdruck dafür, sich startklar zu machen. Dort heißt es „seine Lenden gürten“. Klingt erstmal fremd und etwas komisch, ist aber recht einfach zu erklären: Die Lenden sind der Bereich des Körpers in etwa auf Höhe der Taille, also das untere Ende des Rückens (der Begriff „Lendenwirbel“ ist vielleicht bekannt, das ist der untere Teil der Wirbelsäule).
Zu biblischen Zeiten trugen viele Menschen, auch die Männer, lange Gewänder und um die Taille oft einen Gürtel oder eine Kordel, um alles zusammenzuhalten. Wenn man sich nun bereit machen wollte, schnell irgendwohin zu laufen, oder vielleicht sogar in einen Kampf zu ziehen, oder auch einfach auf dem Feld zu arbeiten, dann war das lange Gewand natürlich hinderlich. Um nicht womöglich zu stolpern, raffte man also die losen Enden des Stoffes zusammen, klappte sie hoch, so dass die Knie frei waren, und stopfte die Stoffenden in den Gürtel – so hatten die Beine freie Bahn, um einigermaßen unfallfrei schnell und wendig unterwegs zu sein.
Der Ausdruck „Gürte deine Lenden!“ heißt also so viel wie „Mach dich startklar!“ – räum alles weg, was dich hindern oder deine Konzentration stören könnte, oder worüber du unterwegs stolpern könntest und was dich dann zu Fall bringt.
In der Bibel taucht dieser Ausdruck an verschiedenen Zusammenhängen auf – zum Beispiel im Alten Testament, als Gott den Propheten Jeremia beruft und ihm einen wichtigen Auftrag gibt, eine Botschaft an die Menschen. Da heißt es: „So gürte nun deine Lenden und mache dich auf und rede mit ihnen alles, was ich dir gebiete.“ (Jeremia 1,17). Hier heißt es: Los geht’s, hau rein, hab keine Angst vor den Menschen – ich bin bei dir!
Noch spannender finde ich eine Stelle im neuen Testament, da heißt es: „Darum umgürtet eure Lenden und stärkt euren Verstand, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade.“ (1. Petrus 1,13).
Das bedeutet so viel wie: macht euren Verstand startklar, konzentriert eure Gedanken, lasst euch nicht ablenken (zum Beispiel von dem, was Leute über euch sagen und was alles vermeintlich wichtig ist im Leben, oder lasst euch nicht die Hoffnung rauben, sondern behaltet Gottes Gnade im Blick, seine bedingungslose Liebe zu euch. Wenn ihr das im Fokus behaltet, dann stolpert ihr nicht so leicht über jede Kleinigkeit, die euch davon ablenken könnte.
Was für ein interessantes Bild für das, was Glaube heißen kann: meinen Gedanken startklar machen für das, was vor mir liegt und was wirklich zählt und wichtig ist.
Und – wenn man es noch etwas weiterdenkt – auch: startklar sein für die Aufgabe, die Gott für mich hat. Bereit sein für das, was er mit mir und mit uns vorhat. Und dabei fällt mir noch eine Redewendung ein, die ich wirklich gut kenne und die mir nicht so fremd ist wie das etwas altmodische „Gürte deine Lenden“: den Ausdruck „sich aufraffen“! Ich vermute, dass der aus einem ähnlichen Zusammenhang entstanden ist – die langen Gewänder aufraffen, die mich schwerfällig machen und am Vorankommen hindern, und endlich loslegen. Manchmal brauche ich jemanden, der mich daran erinnert und mir (auch im Glauben) hilft, mich aufzuraffen – weil Glauben ein Tu-Wort ist. Also: Gürtel um, Ärmel hoch, den Verstand am Start und die Gnade im Blick – los geht’s!
Material: ein stabiler Gürtel oder eine dicke Kordel/Stück Seil; evtl. zusätzlich eine längere Stoffbahn als Gewand/Umhang
80 Kinder in der Sporthalle. Zwei Tage Sportworkshops, Impulse und jede Menge Action. Kids aus allen gesellschaftlichen Milieus, mit und ohne Einwanderungshintergrund, ob arm oder reich, sportlich oder nicht. So war es beim SportCamp für Kinder und Jugendliche. Ein Ort des Sports, der Menschen verbindet, ganz egal woher sie kommen oder was sie aus ihrem Leben mitbringen. Dazu kommt mir das Gleichnis vom großen Festmahl in den Sinn. Es ist eine Ermutigung und Herausforderung zugleich. Jesus erzählt die Geschichte auf die Frage, welche Gäste man einladen soll.
Ein reicher Mann lädt seine Bekannten zu einem Fest. Aber sie haben alle etwas Besseres zu tun. Da wird er wütend und in seiner Wut tut er etwas Erstaunliches. Er trägt seinem Mitarbeiter auf, Arme, Gebrechliche und am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen einzuladen. Und sie kommen und es ist immer noch Platz. Und nochmals schickt er seinen Mitarbeiter los an die Straßen und Zäune. Denn sein Ziel ist, dass sein Haus voll wird. (nach Lukas 14, 15ff)
Was für ein schönes Bild ist das, wenn wir diese Kultur im Sport leben. Kurz gesagt: bedingungslose Teilhabe. Denn das Gleichnis erzählt Jesus als Zeugnis davon, wie Gott uns in sein Haus einlädt. Alle sind eingeladen, um in seiner Nähe zu sein. Dass Gottes Haus voll sein soll. Was muss das in der Geschichte für ein unglaublich cooler Abend gewesen sein, mit so vielen verschiedenen aber beschenkten und glücklichen Menschen. Unvorstellbar schön. Wie können wir Kindern und Jugendlichen eine Anbindung zur Gemeinschaft bieten, die sie vielleicht sonst nicht finden? Vielleicht müssen wir umdenken, neue Wege gehen.
In jedem Fall mache ich Mut dazu, sich für eine wertvolle Arbeit im Sport einzusetzen und in ihm das gemeinsame Sporttreiben und das Teilen von Glauben und Leben hochzuhalten. Und Menschen einzuladen, die wir nicht auf dem Schirm haben. Die am Rande der Gesellschaft stehen. Auch sie sind Kinder Gottes und sie sind dankbar über seine Nähe und die Nähe von anderen Menschen.
Was passiert, wenn man auf einem einigermaßen ebenen und öffentlich zugänglichen Platz einen Fußball hinlegt? Es wird gespielt. Egal, ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene vorbeikommen, der Ball bleibt nicht einfach liegen. Er scheint Menschen aller Altersgruppen magisch anzuziehen. Selbstvergessen und voller Hingabe wird plötzlich gedribbelt oder versucht, den Ball ohne Bodenberührung in der Luft zu halten. Alle Sinne geraten in Bewegung.
Sepp Herberger hat diese Anziehungskraft auf eine schlichte Ursache zurückgeführt: „Der Ball ist rund.“ Das Runde verleitet, ja verführt zum Spiel. Unterwirft oder entzieht sich der Ball meiner Kontrolle? Der Körper spielt, probiert sich mit Hilfe dieses runden Etwas aus, empfindet Lust an gelungenen Bewegungsabläufen. In Vollendung lässt sich das an südamerikanischen Fußballmannschaften beobachten. Die Beherrschung des Körpers und des Balls scheint allemal wichtiger zu sein als einfach ein Tor zu erzielen. Diese Lust und Freude springen dann über auf das Publikum.
Es ist sicher kein Zufall, dass die brasilianischen Fans als die friedfertigsten und ausgelassensten der Welt gelten. Siegen und Verlieren scheint zweitrangig zu sein. Im Mittelpunkt steht das schöne Spiel. Das Spiel ist elementar Dank für Gottes Schöpfergaben, ein Lobpreis mit dem Körper. Dagegen kann man in europäischen Fußballstadien öfter den Eindruck haben, das Spiel oder besser der Kampf ginge auch weiter, wenn der Ball plötzlich verschwunden wäre. Vielleicht bedarf eine selbstvergessene Spielwiese tatsächlich so etwas wie ein ursprüngliches Gottvertrauen. Wo jeder Spieler intuitiv weiß, dass Gott spricht:
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht“ Josua, 1,5.
Thomas Müller vom FC Bayern München hat einen speziellen Spielstil. Er ist kein echter Mittelstürmer, kein echter Flügelspieler, kein echter 10er. Eigens für ihn haben sich die Sportjournalisten eine Funktion ausgedacht: Thomas Müller ist „Der Raumdeuter“.
Im Fußball geht es darum, vorauszusehen, was gleich passieren wird. Sich in den richtigen Raum zu bewegen und wenn genug Platz da ist, das Spiel voranzutreiben. Thomas Müller kann das wie kaum ein zweiter. Er erkennt den offenen Raum, sucht sich seinen Weg, den niemand vorhersagen kann und kommt er dann erstmal im freien Raum an den Ball, kann etwas Großes passieren.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, betete David im Psalm 31.
Er wusste damals nicht was gleich passieren würde. Den nächsten Spielzug seines Lebens sah er noch nicht vor sich und in welchen Raum er starten sollte und könnte war ihm schleierhaft.
Aber auf eines setzte er sein ganzes Vertrauen, denn er hatte es schon oft erlebt: Gott wird meinen Fuß in den freien, weiten Raum stellen. Er lässt mich erkennen wohin ich mich bewegen soll. Nämlich dahin, wo ich den nächsten Spielzug vorantreiben kann, dahin wo großes passiert.
Auch wenn ich vor lauter Gegenspielern den freien Raum oft nicht sehen kann, auch wenn ich nicht weiß was die nächsten Spielminuten meines Lebens mit sich bringen, bin ich sicher: „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“
Die Schweißperlen rinnen von der Stirn. Mein Körper ist voll Adrenalin. Alles ist weit weg. Ich gehe in diesem Augenblick voll auf. Die Welt könnte stillstehen. Was für ein Flow! Nur zu gut, dass es solche starken Momente der Freude beim Sporttreiben gibt. Und das Verrückte ist, dass sowas ganz unabhängig von sportlichen Erfolgen geschieht. Kennst du das?
Für mich hat dieses Gefühl der Hochstimmung oft mit anderen Sportler:innen zu tun. Denn als Teamsportler geht es nicht ohne ein Gegenüber. Zum Sport – und im speziellen zum Ballsport – gehören einfach Partner:innen, die mit mir auf dem Spielfeld stehen. Wenn dem nicht so wäre, würde niemand lange Freude – beispielsweise am Handball, Fußball oder Volleyballsport – haben. Die Liebe zur Sportart und sportliche Leidenschaft wird über die Beziehung zum Mitspielenden geweckt und erhalten. Waren es in jungen Jahren meist meine Mannschaftskameraden, so wurde es mir persönlich zum Gewinn, als ich zunehmend erkannte, dass nicht nur sie es sind, die mir gute Sport-Momente bescheren. Denn das eigentlich Spannende ist, wenn du im Wettkampf entdeckst, dass es die „Gegner“ sind, die solche Erlebnisse erst ermöglichen. Und das ganz einfach dadurch, dass sie da sind, so wie ich auch. Diese Menschen, die dieselbe Leidenschaft haben, sind entscheidend, dass ich alles geben kann. Diesen Blick auf den Nächsten zu schulen bereichert. Den Gegner genauso zu wertschätzen, wie meine Mitspieler:innen, öffnet neue Horizonte. Sich für dieses Miteinander im Sport einzusetzen lohnt.
Machst du mit?
„Lobe den Herrn, meine Seele! Und vergiss nicht das Gute, das er für dich getan hat!“ Psalm 103,2 (BasisBibel)
Sport verbindet, das erleben wir z.B. bei den Olympischen Spielen, bei denen sich Sportler:innen unterschiedlichster Nationen beglückwünschen oder abklatschen.
Auch im Kleinen ist mir das schon oft begegnet. Viele Jahren verbrachten wir unseren Sommerurlaub auf einem Campingplatz im Süden Frankreichs. Niederländer, Briten, Franzosen, Deutsche, Tschechen und Italiener schwitzten gemeinsam bei unterschiedlichsten Sportarten in der südlichen Sonne. Unsere Jungs stürzten jedes Jahr gleich nach der Ankunft auf den Fußballplatz und verabredeten sich dort mit anderen Jugendlichen zum abendlichen Fußballspiel. Hier spielte die Nationalität kaum eine Rolle, wenn man mal von den bunten Fußballtrikots absieht, die schon etwas über Herkunft und favorisierten Verein aussagten. Jeden Abend wurden neue Mannschaften gebildet, je nachdem, wer eben da war. Da kicken Engländer, Deutsche und Niederländer in einer Mannschaft und anschließend wurde mit Händen und Füßen gefachsimpelt. Natürlich war auch Ehrgeiz dabei, aber die Leistung der Mannschaft zählte und nicht die einer einzelnen Nation.
Und auch die konfessionelle Grenze verschwindet. Seit über 20 Jahren finden jeden Sommer 5-tägige Sportexerzitien im Kloster Reute in Oberschwaben statt. Hier wird gemeinsam gebetet, in der Bibel gelesen, Gottesdienst gefeiert und natürlich auch viel Sport getrieben. Als ich zu Beginn meiner Tätigkeit bei der DJK am Ende dieser Woche in die Runde fragte, wer katholisch und wer evangelisch sei, outete sich mindestens ein Drittel der Teilnehmer:innen als nicht katholisch. Und das ist bis heute glaube ich (nachfragen tue ich nicht mehr) so geblieben. Bewegung und Besinnung stehen im Vordergrund und ich finde: das ist gut so!
Als junger Mensch mit Handicap gewinne ich durch den Rollstuhl die Möglichkeit für ein völlig freies und selbstbestimmtes Leben. Der Radsport bietet mir die großartige Möglichkeit, entweder allein oder mit anderen Radlern:innen an der frischen Luft zu schwitzen. Auf meinem Weg begegne ich anderen Menschen sitzend, oder liegend. Entweder im Rollstuhl oder als Radfahrer im Handbike.
Vor jeder Radelrunde begegnet mir zu allererst der berühmte Schweinehund. Diesen überwunden kurbel ich durch zwei recht volle und lebendige Orte. Und dann: Bin ich mitten in der Natur angekommen – Bäume, Wiesen und Felder fliegen an mir vorbei. Ich muss gestehen ich halte selten während des Trainings an und genieße die tolle Aussicht und sauge die Gerüche des Waldes in mich auf. Wenn ich es doch mal tue, kommt es auch vor, dass ich eine Glücksträne verdrücken muss.
„Die Himmel erzählen von Gottes Herrlichkeit. Das Sternenzelt verkündet das Werk seiner Hände.“ Psalm 19,2
Wie dankbar bin ich junger Mensch, der genau in diesem Moment diesen perfekten Kosmos durchfahren darf, in dem alles perfekt abgestimmt ist und wo der eine ganz genau hinschaut und ich keinen Fehler im System finde! Wie cool ich es finde, dass ich am Ende meiner Trainingsrunde immer einen langen, je nach Tagesform zähen Berg hinaufradeln muss. Ich muss mir den Heimweg erarbeiten, werde durch die körperliche Leistung äußerlich ganz ruhig. In diesem Moment ist ein stressiger Tag vergessen, all mein Gedanken ordnen sich, ich bin bereit für den kommenden Tag. Gott sei Dank!
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