Herztransplantation

Ablauf der Gruppenstunde:

  • Ankommen: Begrüßen und beten
  • Einstieg: Was bedeutet der Begriff »Herz«?
  • Annäherung an den Bibeltext mit der »Echolesen«-Methode
  • Auslegung/Input: den folgenden Text könnt ihr in etwa so vorlesen
  • Transfer: (Wie) muss mein Herz »transplantiert« werden?
  • Abschluss: Was nehme ich mit? Und beten.

Ankommen:

Wir beginnen die Gruppenstunde mit einem Gebet. Thematisch wollen wir an unser Herz denken. Wir können danken für Bewahrung des Herzens usw. Wir können bitten für Heilung des Herzens (z. B. bei Herzschmerz wegen Lovestorys), gebrochener Herzen usw. Oder wir bitten auch darum, dass Gott unsere Herzen von Wut und Bitterkeit oder Neid befreit.

Als Idee für Musik eignet sich der Song : »Give me faith« von »Elevation Worship« (falls nicht gesungen wird, genau hinhören). Darin beschreibt die erste Strophe genau das, was im Bibeltext gemeint ist: „Ich brauche dich, um mein Herz weicher zu machen und mich »aufzubrechen«, damit du durch die Dunkelheit gehen kannst und jeden Bereich meines Seins erleuchten kannst.“

Einführung:

Woraus besteht dein Herz? Natürlich aus Fleisch und Blut.

Wenn möglich, kannst du an dieser Stelle ein Stück Fleisch (aus dem Supermarkt o.ä.) als Anschauungsmaterial präsentieren (evtl. die Vegetarier vorwarnen, falls es zu „ekelig“ wird).

Mit »Herz« sind in unserem Bibeltext nicht die medizinischen Aspekte des Herzens gemeint, sondern der Begriff bedeutete damals den »Sitz des Verstandes und des Willens«1. Die Menschen der Bibel kannten das Herz als seelisch-geistliches Zentrum des gesamten Lebens.2

»Hält man sich vor Augen, dass im Herzen der Ausgangspunkt allen menschlichen Tuns liegt, so begreift man, warum Gott sein Gebot in das menschliche Herz schreibt (Jer. 31,33; Hebr. 8,10), dem Glaubenden ein neues, fleischernes Herz geben will (Hes 36,26), damit all sein Denken, Wollen und Tun von Gottes Namen und Willen bestimmt wird (Ps 86,11).2

Bedeutung von »Herz« aus dem Bibellexikon von Bibelkommentare.de

Dein Herz ist sozusagen die »Kontrollzentrale« über deinen Verstand, also was du denkst und verstehst. Aber auch dein Wille entspringt deinem Herzen. So, wie dein Herz, wie du im tiefsten Inneren eingestellt bist, wirst du dich entscheiden.

Funfact: »Schon in der Steinzeit galt das Herz als Sitz der Gefühle im Körper und war sogar wichtiger als das Gehirn. Auch im alten Ägypten balsamierte man das Herz ein und legte es zur Mumie, während man das Gehirn eines Toten wegwarf.«4

Annäherung an den Bibeltext mithilfe der Methode »Echolesen«5

Wichtig zu beachten: In der Methode wird von einem ganzen Bibeltext gesprochen und man soll sich einen Vers aussuchen. Da der Text dieser Bibelarbeit nur einen Vers hat, könnte man auf ein einzelnes Wort zielen.

»Vorbereitung: Für diese Methode brauchen alle dieselbe Bibelübersetzung (vorher für alle kopieren oder ausreichend viele Bibeln bereitlegen).

  1. Beginnt mit einem Gebet.
  2. Lies [(du als Mitarbeitende)] den Text laut vor.
  3. Danach lesen alle den Text leise für sich durch und überlegen: An welchem Vers bleibe ich hängen? Welcher Vers spricht mich besonders an? Welchen Vers will ich gerne hinterfragen?
  4. Lies den Text ein zweites Mal laut vor. [Jede] spricht den Vers, den [sie] sich ausgesucht hat, laut mit, wenn du ihn liest.
  5. Tauscht euch über eure Verse aus:
    1. Warum bist du an diesen Versen hängen geblieben?
    2. Was hat dich an diesem Vers angesprochen?
    3. Was willst du an diesem Vers gerne hinterfragen?
  6. Lies den Text ein drittes Mal laut vor und wieder spricht jede beim ausgesuchten Vers mit.
  7. Sagt Gott zum Abschluss, was euch bewegt.«

Auslegung/Input

Herztransplantation. Austausch. Das ist heute unser Thema.

Hast du beim Gedanken an dein Herz vielleicht schonmal gedacht: »Ich hätte gern ein Neues, bisschen anders und etwas besser.«? Oder auch: »Mein Herz ist verletzt und schwer, es kann nicht mehr. Ich will das so nicht mehr.« Hast du manchmal das Gefühl, dein Herz ist schwer? Dich belastet etwas? Vielleicht sind es auch die allgemeinen Umstände, die dir innerlich ein Unwohlsein bescheren. Oder hast du eine schmerzhafte Erfahrung machen müssen und jetzt ist dein Herz verletzt? Wenn möglich kannst du an dieser Stelle einen Stein neben das »Herz« (Stück Fleisch) legen, um den Unterschied zu verdeutlichen.

In solchen Situationen wäre es doch echt super, wenn man unser Herz einfach austauschen könnte, oder? Aber leider ist es nicht ganz so »einfach«. Auch eine medizinische Transplantation ist nicht gerade die simpelste Operation, die es für einen Arzt gibt. Es muss alles stimmen (Blutgruppe etc.) und bei der Operation darf auch nichts schief gehen, kein falscher Schnitt, keine böse Überraschung.

Allerdings glaube ich schon, dass eine Transplantation in Form einer »geistlichen Operation« möglich ist. Man sieht sie nicht. Aber du wirst es spüren. Es wird einen Unterschied geben, wenn Gott dein Herz austauschen darf.

Im Bibeltext schreibt eine Person aus der Ich-Perspektive. Es ist Gott. Er spricht durch den Propheten Hesekiel/Ezechiel zum Volk: »Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.«

Okay, so wirklich aus Stein kann das Herz der Menschen damals auch nicht gewesen sein. Was meint Gott da also? Wir haben in der Einführung ins Thema schon gemerkt, dass der Begriff »Herz« viel mehr das Verstandes- und Willenszentrum bedeutete als heute. Was kann dann ein steinernes Herz gewesen sein?

Wenn wir um den Text herum lesen dann scheint es, als würde das Volk damals ziemlich fies und ungehorsam gewesen sein. Die Menschen haben sich Götzen gemacht und ihnen gedient, anstatt Gott alle Ehre zu geben. Sie wurden »unrein«, weil sie sich von Gott entfernt hatten, um ihr eigenes Ding durchzuziehen.
Das ist ziemlich weit weg von heute, also versuchen wir mal, die Taten (Wille und Verstand) der Menschen damals auf heute zu übertragen:

Wie würdest du ein steinernes Herz beschreiben? (Hier könnte eine kleine Sammlung der Gedanken stattfinden.)

Ein steinernes Herz kann voller Schmerz und Enttäuschung sein. Es kann mit Wut, Neid und Gier gefüllt sein. Dies alles zieht uns von Gott weg, denn er will ein friedliches Leben für uns und uns eigentlich mit seiner Liebe füllen. Damit das aber möglich ist, müssen diese negativen »steinernen« Anteile unseres Herzens weg, denn die wenigsten Menschen können mit zwei Herzen leben ;-). Und das schafft Gott durch eine Transplantation auf geistlicher Ebene.

Mir gefällt sehr, dass dort steht: »Ich WILL« – also Gott WILL bzw. wollte den Menschen das steinerne Herz nehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben.

Ein Herz aus Fleisch und Blut – das ist lebendig! Das kann sich bewegen, pumpt die Energie durch den ganzen Körper und hält ihn am Leben. Es erscheint mir sehr wichtig, dass unser Herz nicht steinern ist – also nicht schwer beladen mit Hass und Wut etc. gefüllt ist, sondern dass es lebendig sein soll. Gott möchte, dass wir mit leichtem Herzen leben.

Und noch mehr! Interessanterweise steht im Text nicht nur, dass er ein neues Herz in das Volk geben will, sondern sogar einen neuen Geist! Die Basisbibel beschreibt an dieser Stelle: es ist die »Lebenskraft, die dem Menschen von Gott gegeben wird.« 6

Stell dir mal vor: Dein Herz (bzw. dein Verstand und dein Wille) ist aus Stein: hart, kalt, totenstarr (in der Basisbibel steht auch das Adjektiv »tot«). Und jetzt könnte Gott in dein Leben kommen und genau dieses steinerne Herz austauschen mit einem lebendigen, weichen, friedvollen Herzen. On top kommt noch der Heilige Geist, der dir neue Lebenskraft schenkt – wieder mehr Mut, Motivation und Energie für dein Leben!

Also deinen Verstand und deinen Wille möchte Gott mit neuer Lebenskraft füllen, damit du ein neues Leben führen kannst und ihm wieder näher sein kannst.

Transfer: (Wie) muss mein Herz „transplantiert“ werden?

Erste Frage, um wieder konkret zu werden: Muss mein Herz überhaupt ausgetauscht werden?

Eigentlich gibt es auf die Frage nur zwei Antwortmöglichkeiten: Ja oder nein. In den allermeisten Fällen müssten wir aber bei »Ja, es muss ausgetauscht werden« landen, denn jede von uns hat doch zumindest »steinerne« Anteile im Herzen. Deshalb lasst den sicheren Rahmen offen für ehrliche Antworten und nehmt an, was auch immer die Mädchen gerade loswerden wollen.

Um diese Frage zu beantworten, die sehr persönlich ist, sollte ein safe space entstehen. Die Mädchen der Gruppe brauchen einen guten Rahmen, um sich wohl zu fühlen und über ihre Herzen zu sprechen. Hierbei ist Feingefühl wichtig und es ist gut, wenn die Teamerinnen noch mal betonen, dass nichts, was hier besprochen wird, den Raum verlässt.

Wenn mehr oder weniger alle bei einem »Ja« angekommen sind, kann in der Runde gesammelt werden, wie die Mädchen sich das vorstellen könnten. (= Wiederholung des Inputs). Am Ende muss Gott das Herz austauschen – und das will er ja auch (das darf gerne oft betont werden!) Aber ich glaube, dass wir Menschen uns zu ihm hinwenden können und ihn bitten, unser Herz zu verändern. Wir können sozusagen selber »in den Operationssaal« gehen. Dieser »Operationssaal« könnte tatsächlich in dieser Gruppenstunde eröffnet werden. Vielleicht habt ihr sogar ein paar Stellwände oder etwas ähnliches, um zu zweit (Eine Teilnehmerin und eine Mitarbeiterin) etwas abgeschirmt in Ruhe zu beten. Oder diejenigen, die für sich beten lassen möchten, dass Gott ihr Herz austauscht, können in einen anderen Raum gehen. Das ist wieder etwas Persönliches und muss nicht vor der ganzen Gruppe geschehen.

Diejenigen, die gerade nicht für sich beten lassen, können z.B. auf einem Flipchart-Blatt o. ä. zusammentragen , wie sie anderen vielleicht dabei helfen können Gott einzuladen, ihr Herz »auszutauschen«. Oder sie sammeln noch mehr Eigenschaften des »fleischernen Herzens«, um sich mehr vor Augen zu führen, wie sie innerlich sein können und wonach sie streben können.

Abschluss: Was nehme ich mit?

Wenn diese Gebetszeit vorbei ist wäre es schön, wenn vielleicht ein spezieller Aspekt oder Gedanke hängen geblieben ist. Reihum kann jede Teilnehmerin kurz sagen, was bei ihr hängen blieb.

Als Gebets-Form bietet sich zum Abschluss das Popcorn-Gebet an: Wie Popcorn sagt jede, die möchte, nur einen kurzen Satz, nur ein Wort, oder einen Namen (sozusagen für jemanden beten). Nach einer Zeit spricht die Gruppenleiterin einfach nur »Amen«. Und man vertraut darauf, dass Gott schon verstanden hat, worum es geht.

Verliebt zu sein ist doch im Grunde nicht nur ein Gefühl, sondern ein ganzes Potpourri an Emotionen, die sich entweder in einer rasenden Geschwindigkeit abwechseln oder sogar gleichzeitig auftreten – so, als wenn einem zur selben Zeit heiß und kalt ist. Obwohl es eine so aufregende Sache ist, deren Ausgang man immer schlecht abschätzen kann, gehört es zu unserer DNS. Das ist der Ursprung der Menschen.

Schon in der Bibel finden wir Liebesgeschichten, die nicht einfach nur von der Vernunft her geführt wurden und in die Ehe mündeten. Es gibt auch solche, wo sich zwei Herzen wirklich gefunden und dann auch Widerstände überwunden haben, um miteinander glücklich zu werden. Eine davon schauen wir uns gemeinsam an.

Zum Text

(1. Mose 29, 13-30, BasisBibel)

Die Geschichte von Jakob, Lea und Rahel finden wir in Genesis 29. Damit gehört diese Geschichte in den Rahmen der »Erzeltern-Erzählungen«, die den Leser auf die Lebensreise verschiedener Menschen und ihrer Erfahrungen, die sie dabei mit Gott machen, mitnimmt.

Während es zu Beginn des 1. Buch Mose in den »Urgeschichten« um Themen geht, die allgemein die gesamte Menschheit betreffen, geht es jetzt um die Differenzierung der Verheißungen, die Gott seinem Volk schenkt – beispielhaft an den einzelnen Lebensbildern bzw. -wegen, die die Protagonisten der Geschichten gehen.

Allen Geschichten gemein ist aber eine Erfahrung: Egal, wie chaotisch der Lebensweg auch ist, Gott begleitet seine Menschen im Hintergrund und führt sie zu einem guten Ziel.

Auslegung

Was für eine Geschichte! Da rettet sich der Betrüger Jakob (ihr wisst ja bestimmt um seinen Betrug an seinem älteren Bruder Esau) zu seinem Onkel Laban und verliebt sich unsterblich – und dann wird er selbst betrogen und übers Ohr gehauen. Statt nach sieben Jahren endlich seine große Liebe Rahel zu heiraten, wird ihm in der Hochzeitsnacht die große Schwester Lea ins Bett gelegt.

Warum hat er das nicht bemerkt? Wenn ich es richtig verstanden habe, hatten Jakob und Rahel wohl ein gemeinsames Geheimzeichen vereinbart, das Rahel ihrer Schwester verraten hat. Darüber hinaus haben die Bräute damals einen Schleier getragen und wurden erst am Abend, nach der langen Feier, im Dunklen vom Vater zum Bräutigam gebracht. Da konnte Jakob die Frau an seiner Seite wohl nicht mehr richtig sehen. Vielleicht hat er auch einfach vorher ein bisschen zu viel gefeiert und Wein getrunken. So ganz lässt es sich vielleicht nicht erklären – auch weil Gott seine Hände damals mit im Spiel hatte. Denn alle drei – Jakob, Lea und Rahel – werden in ihrer ganz eigenen Lebensgeschichte Dinge mit Gott erleben, die auch für uns heute noch Beispiel-Charakter haben.

Wir schauen besonders auf Jakob und Rahel, die so eine tiefe Liebe füreinander hatten, dass Jakob bereit war, insgesamt 14 Jahre für seinen Onkel zu arbeiten, bevor er endlich Rahel heiraten durfte. Und auch Rahel hat 14 Jahre lang darauf gewartet, dass es endlich zur Hochzeit kommt. In dieser langen Zeit hat sie bestimmt den einen oder anderen Bewerber abgewiesen und darauf vertraut, dass auch Jakob es sich nicht anders überlegt.

Daraus lassen sich für mich zwei Dinge ableiten: Für die große Liebe lohnt es, sich anzustrengen und zu arbeiten – und große Liebe verdient Geduld und Vertrauen.

Wir sind leider nicht immer bereit, uns für unsere Beziehung anzustrengen, z. B. an unseren Macken zu arbeiten, den anderen zu unterstützen, auch mal selbst mit seinen Ideen zurückzustecken und Kompromisse einzugehen. Uns fehlt manches Mal auch die Geduld mit dem/der anderen, wenn die Beziehung sich nicht in dem Tempo entwickelt, wie wir es gerne hätten. Oder wir glauben nicht daran, dass unser Gegenüber es wirklich ernst meint. Stattdessen lösen wir lieber die Beziehung und machen uns erneut auf die Suche nach dem »perfekten Gegenüber« – und denken nur ganz selten darüber nach, dass wir selbst ja auch nicht perfekt sind.

In unserer Beziehung mit Gott sieht es manchmal ähnlich aus. Aber hier haben wir einen entscheidenden Vorteil: Gott sieht die Sache anders! Gott hat sich nämlich schon entschieden, er hat sich für dich entschieden!

Und er hat in Jesus auch schon gezeigt, dass er bereit ist, für diese Beziehung zu dir »all in« zu gehen. Er hat alles eingesetzt, um deinen Weg zu ihm von allem zu befreien, was irgendwie im Weg stehen könnte. Er verliert mit dir nie die Geduld, sondern ist bereit, dir jeden Tag aufs Neue ungeteilt Vertrauen zu schenken – weil er dich so liebt!

Und wir wissen ja: wo die Liebe hinfällt …

Ablauf

VorbereitungDekoriere den Raum passend zum Thema mit Herzen u.ä.
StartGemeinsames Ankommen, Singen
Sammeln auf einem FlipChart »Was für Träume habt ihr?«
(z. B. besondere Dinge wie Handy, PC, Roller, … oder immaterielles wie gute Noten, Freunde, Liebe, …)
HauptteilAlle suchen sich eine dieser Sachen aus und überlegen, was sie dazu beitragen könnten, es zu bekommen,
z. B. arbeiten, um Geld zu verdienen, oder lernen, um gute Noten zu schreiben …

Frage: Was kann/muss ich tun, um Liebe zu bekommen, z. B. einen bestimmten Menschen für mich zu gewinnen?
Antworten auf Karten schreiben lassen und sammeln
Nachfragen: Ist das schwerer, als andere Träume zu erreichen? Warum?

Sammelt auf einem Flipchart: »Was für Traumpaare kennt ihr?«
Fragen für gemeinsame Gespräche:
Was macht die Leute zu Traumpaaren?
Sind alle noch zusammen?
Was ist aus ihnen geworden?
Warum gehen Traum-Beziehungen auseinander?
AbschlussAndacht
gemeinsam singen und beten

Fragen zum Einstieg:

Eine offene Runde, in der die Jugendlichen von ihren Erlebnissen mit Gottes Wort und Worten von anderen Menschen erzählen können:

  • Fällt es dir leicht oder schwer, gut zuzuhören?
  • Haben Worte von anderen in deinem Leben mal eine Veränderung bewirkt?
  • Was berührt dich?

(Wichtig ist, dass sich niemand gezwungen fühlt, etwas sagen zu müssen. Vielleicht gibt es ein paar Mutige, die sich trauen eine persönliche Geschichte zu erzählen.)

Einleitung:

Heute geht es um ein spannendes Detail in einer sehr bekannten Bibelgeschichte, der Weihnachtsgeschichte, Jesu Geburt. (Die Geschichte könnt ihr ganz kurz nacherzählen)

Kaiser Augustus rief anhand eines Gebots zur Volkszählung auf. Josef zog mit seiner schwangeren Verlobten Maria los nach Bethlehem. Dort brachte sie in einem Stall Jesus zur Welt. Engel kamen zu Hirten auf dem Feld und verkündeten ihnen, dass der Messias geboren wäre. Sie erklärten ihnen, wie sie das Jesus-Kind dort antreffen würden. Die Hirten gingen los und trafen alles so an, wie es die Engel gesagt hatten. Die Worte gaben sie allen im Stall weiter.

Und dann lesen wir den Vers: „Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ (Lukas 2, 18+19)

Hauptteil:

In dieser Bibelarbeit soll der Fokus auf Maria liegen. Ihre Reaktion wird in Vers 19 beschrieben: Sie »behielt« die Worte und »bewegte« sie in ihrem Herzen. Aber was bedeutet das?

In einer anderen Übersetzung steht: „Maria aber bewahrte all das Gehörte in ihrem Herzen und dachte viel darüber nach.“ (GNB)

Oder aus der Übersetzung „Hoffnung für alle“: „Maria aber merkte sich jedes Wort und dachte immer wieder darüber nach.“

(Die unterschiedlichen Übersetzungen der Bibelverse können für die Einbeziehung der Jugendlichen auch von ihnen vorgelesen werden – entweder von Zetteln, die vorher mit den einzelnen Versen verteilt wurden oder direkt aus der Bibel aufgeschlagen werden.)

Maria merkte sich alle Worte. Sie war aufmerksam und fand sie so interessant, dass sie immer wieder darüber nachdachte und sie in ihrem Herz bewegte.

Wie geht es dir, wenn du jemandem zuhörst? Wenn dir jemand aus seinem Leben erzählt? Bist du aufmerksam oder bist du mit dem Kopf schon wieder weiter und gar nicht richtig dabei? Mir geht es bei Gesprächen zwischen Tür und Angel oft so, dass ich das Gesagte schneller vergesse, als es mir lieb ist. Deshalb spricht mich an, was über Maria in dem Vers steht. Sie merkte sich die Worte, hat sie nicht schnell vergessen und hat noch oft darüber nachgedacht.

Lassen wir uns durch Worte von anderen so zum Nachdenken bringen? Dafür müssen wir zuallererst richtig zuhören und mit dem Kopf dabei sein. Wir müssen uns das Gesagte merken, sodass wir im Nachhinein auch nochmal darauf eingehen können, bei der Person nachfragen oder auch für das Erzählte beten können.

Manchmal können Worte von anderen auch so in unser Leben sprechen, dass dadurch eine Veränderung angestoßen wird – weil uns die Worte oder die Berichte von anderen so berühren, dass wir uns das ebenfalls wünschen und deshalb darüber nachdenken, wie das geschehen kann.

Wenn wir von anderen hören, was sie beispielsweise mit Gott erlebt haben, kann es sein, dass wir uns auch danach sehnen. Durch die persönlichen Geschichten vom Anfang kommen wir vielleicht auch ins Nachdenken, wie wir ähnliche Momente mit Gott erleben können. Das ist super, weil wir uns dadurch auf die Suche nach Gott machen.

Was bewegt euer Herz? Gibt es Dinge, die ihr euch wünscht? Manche Dinge liegen nicht in unserer Hand. Gesundheit können wir uns zwar wünschen, aber wir haben nicht so viel Einfluss darauf. Oder vom perfekten Partner können wir träumen, aber ob wir ihn finden, hängt nicht nur von uns ab. Vielleicht habt ihr auch Dinge, die euer Herz bewegen, die in eurer Hand liegen, ihr aber noch nicht verwirklicht habt.

  • Was machen wir mit so Dingen, die wir schon lange in uns bewegen?
  • Was machen wir mit Gehörtem?
  • Bewirkt es eine Veränderung bei uns?

Die Hirten wurden durch die Worte des Engels bewegt. Sie sind nach dem, was ihnen gesagt wurde, losgegangen und haben das Jesus-Kind gesucht und gefunden. Die Worte, die von den Engeln zu ihnen gesagt wurden, haben dann auch Maria bewegt. Was sie damit gemacht hat, wissen wir nicht, wir wissen nur, dass sie viel darüber nachdachte. Was es konkret verändert hat, lesen wir nicht in dem Bibeltext.

Ich habe mich gefragt, wie die Info überhaupt in die Bibel kam. Gedanken treten nicht automatisch nach außen. Irgendetwas muss passiert sein, damit der Schreiber des Bibeltextes wusste, dass Maria sich die Worte so sehr einprägte. Vielleicht hat sie die Worte immer wieder weitererzählt, weil sie so berührt war und es nicht nur in ihrem Inneren behalten konnte.

Wie gehen wir mit Gottes Worten um? Die Hirten haben sich davon ermutigen lassen, loszugehen. Sie haben ihre Schafe zurückgelassen und sich auf den Weg gemacht. Wie gehen wir mit Worten in Predigten, Andachten, aus dem Jugendkreis oder von Erlebnissen anderer um? Verändern sie etwas bei uns?

In der Bibel steht, dass wir Gottes Wort hören und glauben sollen. Wir sollen unser Handeln darauf abstimmen. Wie können wir das tun?

Erstmal müssen wir Gottes Wort kennen – zum Beispiel dadurch, dass wir es im Gottesdienst oder im Jugendkreis hören oder selbst in der Bibel lesen. Und dann sollen wir danach leben. So werden wir, wie Jesus es in der Bergpredigt selbst sagt, glücklich: »Glücklich sind alle, die das Wort Gottes hören und danach leben.“ (Lukas 11,28)

InLukas 8,21 geht Jesus sogar noch weiter und erwidert seiner eigenen Mutter und seinen Brüdern: „Alle, die die Botschaft Gottes hören und sich nach ihr richten, sind meine Mutter und meine Brüder.“ Wir werden also nicht nur glücklich, sondern gehören sogar zu seiner Familie, wenn wir sein Wort hören und danach leben.

Fragen für die Kleingruppe:

  • Was bewegt dich in deinem Herzen?
  • Was beschäftigt dich und bist du noch nicht angegangen?
  • Möchtest du in der nächsten Zeit etwas angehen, was dir wichtig wurde?

Abschluss:

Ich möchte euch ermutigen, euch durch Worte, die euch berühren, auch bewegen zu lassen, sodass wir nicht nur ewig darüber nachdenken, sondern dass wir Dinge angehen, wenn sie uns auf dem Herz liegen. Gott selbst kann Dinge in uns hineinlegen, die wir angehen sollen. Es sind dann nicht unsere eigenen Ideen, sondern Gottes Ideen, die wir hier auf der Welt umsetzen dürfen.

Ich hoffe, dass wir die Anliegen Gottes nach dem Hören auf sein Wort erkennen, im Herzen bewegen und umsetzen, auch wenn es Mut erfordert. So wie Maria mutig Jesus großzog und Gottes Auftrag erfüllt hat.

Zu den Hirten wurde zu Beginn von den Engeln „Fürchtet euch nicht!“, gesagt. Das gilt auch uns. Wir dürfen den meist geschriebenen Satz in der Bibel für unsere persönliche Situation nehmen: „Fürchte dich nicht!“

(Johannes-Evangelium)

1.    Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14,6)

Einstieg in den Kontext; Johannes 14,1-6: Als Jesus zum letzten Mal gemeinsam mit seinen Jüngern zusammen saß, bei einem Essen, kündigte er an, dass er bald gehen müsse. Er sagte ihnen, dass er zu seinem Vater gehen würde (und die Jünger wussten, dass er Gott den Vater meint). Er erklärte ihnen, dass er dorthin gehen würde, um für sie eine Wohnung vorzubereiten, damit sie nachkommen könnten. Sie sollten ihm also folgen und er sagte, dass sie den Weg ja kennen. Daraufhin waren die Jünger etwas verwirrt. Könnt ihr euch vorstellen, warum?

Ihnen war das gar nicht so klar, wie sie dorthin gelangen könnten. Wisst ihr das denn?

Daraufhin sagte Jesus diesen Vers: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kann zum Vater kommen als nur durch mich.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Jünger sich in einem großen Labyrinth stehen sahen und Jesus wartet am Ausgang. Und sie fragten sich, wie sie denn genau den Weg zu ihm finden sollten?

Fragen und Gespräch:

  • Seid ihr schon mal durch ein Labyrinth gelaufen, z.B. aus Büschen oder in einem Maisfeld?
  • Woher wusstet ihr, welchen Weg ihr nehmen müsst?
  • Was könnte Jesus gemeint haben, dass er der Weg zum Vater ist?

Jesus selbst gibt auf diese Frage die Antwort, nämlich in Johannes 17,3. Dort sagt er, dass dieser Weg, über den die Jünger rätselten, darin besteht, Gott als Gott zu erkennen. Wir sollen erkennen, dass Jesus Christus in die Welt gesandt wurde, um uns zu retten. Man könnte auch kurz zusammenfassen, dass der Weg zum Vater „Glaube“ ist! Es ist der Glaube an Jesus, der uns an das Ziel bringt, wo Jesus auf uns wartet.

Viele andere Religionen suchen auch nach Gott. Doch sie irren durch das Labyrinth und geraten in die vielen Sackgassen. Habt ihr eine Idee, was Menschen alles tun, damit Gott sie annimmt?
Manche Menschen meinen, ihre guten Werke würden sie retten, oder folgen dem Weg, der am schönsten aussieht. Manche Menschen streben nach Ruhm, möchten sich selbst verwirklichen oder verfallen falschen Religionen, die nicht zu Gott führen. Aber Jesus macht klar, dass nur er allein der Weg ist, der zum Vater führt. Nur wer glaubt, dass Jesus der Retter ist, der an unserer Stelle für unsere Übertretungen starb, wird den richtigen Ausgang des Labyrinths finden. Und um diesem Weg folgen zu können, brauchen wir den Heiligen Geist, der uns in alle Wahrheit leitet (Johannes 16,13).

Kreativangebot:

Bastelt mit den Kindern ein Magnetlabyrinth. Ihr braucht:

  • Labyrinth-Vordrucke aus dem Internet in verschiedenen Schwierigkeitsgraden z.B. hier: https://www.raetseldino.de/
  • Ein Stück Pappe oder eine Schachtel mit niedrigem Rand (Format sollte zu den ausgedruckten Labyrinthen passen)
  • Klebestifte
  • Heißklebepistole
  • Spielfiguren (z.B. kleine Holzfiguren wie von „Mensch ärgere dich nicht“)
  • Kleine, aber starke Magnete, die in etwa so groß sind, wie die Unterseite der Spielfiguren.

Anleitung:

Die Kinder suchen sich ein Labyrinth (ihrem Alter entsprechend) aus. Klebt das Labyrinth auf die Pappe oder in die Schachtel. Ihr könnt die Wege auch bemalen.

Dann braucht jedes Kind 2 Figuren und 2 Magnete. Auf die Unterseite der Figuren werden mit dem Heißkleber (durch einen Erwachsenen!) die Magnete festgeklebt, aber achtet darauf, dass sich die Pole der beiden Magnete an den Figuren gegenseitig anziehen, so dass sich die „Füße“ der beiden Figuren anziehen!

Dann stellt ihr eine Figur auf das Labyrinth. Das sind wir, die wir unseren Weg zu Gott durch das Labyrinth suchen. Die andere Figur wird von der Unterseite der Pappe an die andere Figur gehalten, so dass die Figuren durch die Pappe hindurch aneinanderhaften. Diese zweite Figur ist der Heilige Geist. Die Kinder können dann mit der unteren, nicht sichtbaren Figur die Spielfigur auf dem Labyrinth leiten, wie der Heilige Geist uns durch das Labyrinth des Lebens leitet, damit wir bei Jesus ankommen.

Dabei kann man mit den Kindern darüber ins Gespräch kommen, dass unser Leben uns auch manchmal wie ein Labyrinth erscheint, und wir den richtigen Weg nicht finden. Wir wissen vielleicht nicht, was wir machen sollen. Aber Jesus hat uns den Heiligen Geist versprochen, der uns leitet, wie die nicht sichtbare Spielfigur, durch eine nicht sichtbare Kraft (Magnetismus) die andere Figur sicher durch das Labyrinth leitet. So leitet uns der Heilige Geist durch unser Leben. Wir können ihn darum bitten, dass er uns den Weg zeigt. Und er wird uns sicher an das Ziel bringen, wo wir dann bei Jesus in unsere vorbereitete Wohnung einziehen werden.

Kleingruppenzeit mit Kindern zu den Petrus-Geschichten

Eine Vertiefung ist nichts anderes, als eine Kleingruppenzeit, in der man nochmal gemeinsam über die biblische Geschichte laut nachdenken kann. Nach jedem Anspiel trifft man sich mit ca. 6-8 Kindern, um die biblische Geschichte vertiefen. Auf Freizeiten treffen sich die Kinder meist mit ihren Zeltmitarbeitenden vor oder im Zelt. Hier kann die Gruppe zusammenwachsen, indem sie ihre offenen Fragen teilen können. Die Kleingruppe bietet hier große Chancen, dass Vertrauen zueinander wachsen kann.

Die Mitarbeitenden leiten und begleiten die Gruppe in der Vertiefung. Es geht weniger darum, einen Ablauf und Aussagen „abzuarbeiten“. Vielmehr sollen die Kinder mit ihren Fragen zur biblischen Geschichte und zum Leben einen Raum bekommen. Manchmal kommen hier auch Sorgen und Ängste zum Ausdruck. Hier braucht es Feingefühl, auf die Kinder und ihre Anliegen einzugehen.

Um ein Kleingruppengespräch nicht vorzeitig abbrechen zu müssen, ist es gut, wenn man nach hinten etwas Zeit einbaut. Man kann beispielsweise noch 15 Minuten Zeit einbauen bis zum Mittagessen. Die Spielvorschläge davor und danach bieten zusätzlichen Puffer.

Es gibt auch Tage, da haben Kinder überhaupt keine Lust, zu reden oder Inhalte zu vertiefen. Auch hier soll dann kein stockendes Gespräch künstlich verlängert werden. Vielleicht wirkt die Geschichte in den Kindern nach oder es ist eben genug.

Anbei nun die Vertiefungsvorschläge (jeweils Theorieteil für Mitarbeitende + Vertiefungen in der Kleingruppe). Man sollte in der Vorbereitung nochmal durchdenken, ob die einzelnen Vertiefungsteile zu den Kindern der jeweiligen Kleingruppe vom Alter her passen (6 Jahre im Gegensatz zu 12 Jahren!) und entsprechend anpassen.

Manchmal bin ich mit der Kraft am Ende Kennst du das auch? Wenn die Zeit irgendwie einfach nicht reichen will, um alles gut zu schaffen? Die Schule bzw. Uni, den Sport, die Musik, die Mitarbeit im CVJM oder der Gemeinde …

Und dann mag man sich ja vielleicht auch nochmal »einfach so« mit seinen Freunden treffen: ins Kino gehen, zusammen kochen, einen Spieleabend veranstalten, bummeln …

Wenn es mir so geht, würde ich am liebsten alles hinwerfen. Mein Plan B? Socken stricken lernen und auf dem Markt verkaufen. Soweit ist es aber nicht gekommen – und ich möchte sagen: Gott sei Dank! Es gibt Mittel und Wege, dem Burn-Out zu entkommen – und wir schauen uns einen an:

1. Könige 19, 1-8

1 Ahab berichtete Isebel alles, was Elija getan und dass er alle Propheten Baals umgebracht hatte. 2 Da schickte Isebel einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: »Die Götter sollen mich strafen, wenn ich dich morgen um diese Zeit nicht ebenso umbringen werde, wie du meine Propheten umgebracht hast!« 3 Da packte Elija die Angst und er floh, um sein Leben zu retten. In Beerscheba an der Südgrenze von Juda ließ er seinen Diener zurück 4 und wanderte allein weiter, einen Tag lang nach Süden in die Steppe hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte den Tod herbei. »HERR, ich kann nicht mehr«, sagte er. »Lass mich sterben! Ich bin nicht besser als meine Vorfahren.«

5 Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Aber ein Engel kam, weckte ihn und sagte: »Steh auf und iss!« 6 Als Elija sich umschaute, entdeckte er hinter seinem Kopf ein frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder schlafen. 7 Aber der Engel des HERRN weckte ihn noch einmal und sagte: »Steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!« 8 Elija stand auf, aß und trank und machte sich auf den Weg. Er war so gestärkt, dass er vierzig Tage und Nächte ununterbrochen wanderte, bis er zum Berg Gottes, dem Horeb, kam.

Zum Text:

Elia war ein Prophet, der zur Zeit König Ahabs (870-851 v. Chr.) als wandernder Prophet umherzog und sich gegen die Verehrung Baals aussprach, auch wenn ihn das in eine Auseinandersetzung mit dem Königshaus, und dort vor allem mit der Frau des Königs, Isebel, treibt. Bei einem Konflikt mit ihren Baals-Propheten gelingt es ihm mit Gottes Hilfe, 450 davon zu töten.

Elia gilt als der erste der Gerichtspropheten, der von Gott dazu beauftragt wurde, dem Volk Israels die Zeit des Gerichts anzukündigen.

Impuls:

Es ist manchmal total krass: da gibt man alles, um in einer Sache zu bestehen – und am Ende fühlt es sich nicht wie ein Sieg an, sondern wie eine Niederlage, eine Bedrohung.

So muss es Elia ergangen sein. Gerade für Gott den großen Sieg über die Baals-Propheten errungen, wird er von der Königin mit dem Leben bedroht und muss fliehen. Ich kann verstehen, dass er keine Lust mehr hat. Da setzt man sich so für eine gute Sache ein und muss dann am Ende das Gefühl haben, allein zu sein. So etwas will niemand.

Und nicht immer findet man aus so einem emotionalen Loch gut wieder heraus. Aber im Text finden wir drei Dinge, die in so einer Situation helfen – ganz banale Sachen, über die du wahrscheinlich gar nicht so nachdenkst.

Schlafen

Es ist so unendlich wichtig, ausreichend zu schlafen. Das hat ganz entscheidende Auswirkungen für den Körper – und für den Geist. Wenn ich müde bin, kann ich Dinge nicht mehr richtig einschätzen/beurteilen. Im Schlaf verarbeitet der Geist die Dinge, die im Tagesverlauf passiert sind. Und so »verschläft« man nicht einfach seine Probleme in der Hoffnung, dass es morgen besser aussieht. Sondern: weil ich mir die Pause des Schlafes gönne, kann ich die Sachen am nächsten Morgen anders beurteilen.

Essen und Trinken

Die Nahrungsaufnahme versorgt nicht nur Elia mit neuer Kraft und Energie, sondern das geschieht heute noch genauso. Darum: Vergiss nicht, in solchen stressigen/harten Zeiten zu essen – und zwar idealerweise ausgewogen & gesund, davon hat dein Körper am meisten. Auch wenn ich hier nicht weiter auf den Aspekt eingehe: sich mit einer guten Ernährung auseinander zu setzen, trägt nicht nur durch schlechte Tage, sondern auch gut durchs ganze Leben.

Engel – Freunde

»Es müssen nicht Männer mit Bärten sein, die Engel« – so geht ein altes Lied. Aber es hat recht: Zum Engel kann dir jeder werden, der dir in schweren Zeiten zur Seite steht. Dich an die einfachen, aber wichtigen Dinge erinnert: schlafen, essen und trinken. Der zu dir kommt, wenn du dich zurückziehst. Der dir Mut macht. Der dich sieht.

Das kann deine beste Freundin sein, dein guter Kumpel. Jemand hier aus der Gruppe. Ein Teamer. Oder deine Eltern. Oder auch jemand ganz fremdes. Gott kann jeden einsetzen, um dir in dieser Situation zu begegnen und dir zu helfen. Schau genau hin.

Ablauf:

Einstieg

  • Gemeinsames singen
  • Brainstorming: Helden gesucht
    • Was für Superhelden kennst du?
    • Was war deren größte Meisterleistung?
    • An welcher Stelle haben sie einen Tiefpunkt erlebt?
    • Wie sind sie aus dieser Situation wieder rausgekommen?

Hauptteil

  • Übertragung auf „biblische Helden“ (gleiche Fragen)
  • Hinführung auf Elia, kurze Infos zur Person
  • Lesung des Bibeltextes
  • Kurzes Blitzlicht dazu – Vote by your feet (jede*r stellt sich zwischen zwei Polen auf, um seine Meinung zu zeigen, Einzelne können dann zu ihrem Standpunkt befragt werden)
    • Kennst du das Gefühl der Enttäuschung so wie Elia? (ja – nein)
    • Warst du auch schon mal so völlig kraft- und mutlos? (ja – nein)
    • Wärst du in Elias Lage wütend auf Gott? (ja – nein)

Abschluss

  • Impuls
  • zwei Blitzlicht-Fragen
    • Hast du schon einmal einen »Engel« getroffen, der dir beistand?
    • (ja – nein)
    • Glaubst du, dass du schon einmal für jemanden zum Engel geworden bist? (ja – nein)
  • Gebet und singen

War Jesus selbst mal in Not? Kennt er Not? Wie ist Jesus mit Not umgegangen?

Um diese Fragen und was wir von Jesus und seinem Umgang mit Not lernen können, geht es in dieser Bibelarbeit.

Wir starten mit einer Kleingruppenarbeit an verschiedenen Bibeltexten. Lasst die Teilnehmenden gern selbst entscheiden, mit welchem Text sie sich näher beschäftigen möchten und nutzt die so entstehenden Gruppen, die jedoch nicht mehr als 3-4 Personen umfassen sollten. (Es müssen nicht zwingend alle Texte vergeben werden.)

Jede Gruppe bekommt dieselben Aufgaben:

  1. Lest eure Bibeltexte gemeinsam
    • Überlegt: Was passiert dort?
    • Wer ist in Not?
    • Wie reagiert Jesus auf die Not?
  1. Formuliert passend zu eurem Text einen Notfall-Skill (max. 2) und notiert ihn, damit er im Gruppenraum aufgehängt werden kann und alle ihn nutzen können.
  2. Überlegt euch eine Situation aus eurem Alltag bzw. der heutigen Zeit, die vergleichbar ist. Probt dazu eine kleine Szene, so dass ihr diese Situation den anderen Gruppen vorspielen könnt.

Auf diese Weise stellt ihr den anderen Gruppen dar, was ihr aus eurem Text von Jesus lernen konntet.

Die vorgeschlagenen Bibelstellen

Die kursiv gedruckten Zeilen sind kurze Gedanken dazu für dich als Teamer*in in der Vorbereitung. Diese Stichpunkte sollen dir dazu dienen, den Inhalt der Texte kurz zu erfassen. Sie sollen den Gruppen aber nicht mitgegeben werden.

Da die Texte sehr ungleich lang sind, können manche Gruppen evtl. auch 2  kürzere Texte bearbeiten.

Lk 2,1-10 und Mt 2,1-15: Jesu Geburt und die Flucht nach Ägypten

Jesus wird als hilfloses Baby im Stall oder einer Höhle geboren.
Er kommt bei einfachen, nicht besonders wohlhabenden Menschen zur Welt und muss mit seiner Familie als erstes ins Ausland fliehen.

Joh 4, 1-42 : Jesus und die Frau am Brunnen

Jesus kennt die Not der Frau, ohne dass sie ihm davon erzählt hat.
Jesus behandelt die Frau ohne Vorurteile.

Mt 5-7: Jesus lehrt (z.B. auf dem Berg – die Bergpredigt)

Jesus erklärt den Menschen, wie sie sich verhalten sollten, um Not zu lindern oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Lk 8, 40-56 : Jesus erweckt Tote wieder zum Leben und heilt Kranke

Jesus kann die Not wenden.
Jesus nutzt die Macht, die er hat zum Wohle aller.

Mt 14,13-21: Jesus gibt allen zu Essen

Jesus kümmert sich.
Er entwickelt Ideen, lässt alles zusammentragen, was da ist, um es allen zur Verfügung zu stellen

Mt 19,13-15: Jesus mag die Kinder (Kranken, Armen …)

Jesus sieht und hört die, die von der Gesellschaft nicht ernst genommen oder ausgeschlossen werden.
Er setzt sich für sie ein, für ihn sind sie wichtig

Lk 22, 63- 23,49: Jesus stirbt

Jesus kennt Schmerzen, er erlebt sie selbst am Kreuz in Extremform.

Lk 22,39-46: Jesus betet

Jesus kennt Angst und Not.
Er zieht sich zurück, sucht die Ruhe und das Gebet/das Gespräch mit Gott, um von Gott neue Kraft und Beistand zu erbitten.

Diese Gruppenarbeit ist intensiv und benötigt sicher mindestens 30-45 Minuten Zeit. Anschließend präsentieren sich die Kleingruppen zuerst ihre aktuellen Szenen und im Anschluss daran jeweils ihre Notfall-Skills. Die Skills könnt ihr im Gruppenraum aufhängen, damit sie für alle sichtbar sind.

Eine andere Möglichkeit ist, sie auf kleine Notfall-Kärtchen zu schreiben, die dann alle mit nach Hause nehmen können und so griffbereit haben, wenn sie gebraucht werden.

Beschließt eure Gruppenstunde mit einem gemeinsamen Lied und Segen.

Was wir von der Geschichte Hiobs für uns und unseren Glauben lernen können

Im Leben müssen wir immer wieder auch Rückschritte und Niederlagen verkraften. Das tut weh und lässt einen nicht selten zweifeln, ob man mit seinem Leben überhaupt noch auf dem richtigen Weg ist. Dabei kann auch die Frage aufkommen, ob man überhaupt mit Gott noch auf dem Weg ist – oder ob Gott einen nicht schon längst verlassen hat.

Fragen wie diese sind so alt wie die Geschichte Gottes mit den Menschen. Schon Noah in seiner Arche hat sich vielleicht manche lange Nacht im Stillen gefragt, ob das überhaupt alles so richtig ist. Auch das Volk Israel hat auf seiner Wanderung durch die Wüste nicht selten gezweifelt und geschimpft und wäre am liebsten wieder zurück in die Sklaverei nach Ägypten gegangen.

Ein besonderes Beispiel für die innere Zerrissenheit, die beim Erleben persönlicher Katastrophen ganz natürlich ist und dabei auch mal Gott in Frage stellen kann, ist jedoch Hiob. Dieser Mann hat alles verloren – und doch nicht den Kontakt zu Gott abgebrochen. Was können wir davon für uns lernen?

Einstieg

  • Begrüßung
  • Gemeinsames singen
  • Mindmap bzw. Brainstorming: »Was weißt du schon über Hiob?«

Hauptteil

Vorstellung der Person Hiob und Einordnung des Buches in die Literatur-Arten in der Bibel (TIPP: dazu gibt es tolle YouTube-Videos, z. B. vom »BibleProject«)

Unterschiedliche Bibelverse von Hiob an die Mädels verteilen

Fragen dazu beantworten lassen in Still-Arbeit

  • Womit wird Hiob konfrontiert?
  • Wie geht er damit um?

Was ist Hiobs wichtigste Charaktereigenschaft?

Jede stellt ihre Textstelle anhand der Fragen vor.

Bezug zum eigenen Leben:

  • Wie hättet ihr an seiner Stelle reagiert?
  • Wie seid ihr bisher mit schwierigen Situationen umgegangen?
  • Was war damals hilfreich?
  • Worauf bzw. auf wen könnt ihr euch stützen?

Gemeinsame Mindmap erstellen »Was kann in schlechten Zeiten helfen?«

Impuls

Abschluss

  • Vorlesen einer geistlichen Mutmach-Geschichte, z. B. „Spuren im Sand“ von Margaret Fishback Powers
  • Gemeinsames Singen

Zum Text

Eine erste Besonderheit des Buches »Hiob« ist, dass es nicht nach seinem Verfasser, sondern nach seiner Hauptfigur benannt wurde. Im hebräischen Original schreibt sich dieser Name noch »Ijob«, erst bei Luther ändert er sich in »Hiob«.

Zu Beginn der Geschichte wird deutlich, dass die Person Hiob keine historische Person ist, die man biografisch darstellt, sondern als eine Art »Modell« für einen beispielhaft frommen und ethisch verantwortlichen Menschen gilt.

Im »himmlischen« Aufeinandertreffen von Satan und Gott gilt es, eine Grundsatzfrage zu beantworten: ob der Glaube an Gott Folge, Ursache oder unabhängig von Glück ist. In der Folge wird Hiob alles genommen, was er besitzt, und er klagt über sein Leben und Schicksal. Er bekommt Besuch von drei Freunden, die ihm ins Gewissen reden wollen. Dabei geht es vor allem um vier Gedankengänge:

  1. Gott vergelte jederzeit gerecht
  2. Leiden sei eine zeitlich befristete Strafe Gottes
  3. Im Leiden sei Buße nötig und Gottes gnädige Zuwendung möglich
  4. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Handeln des Menschen und Gottes Reaktion

Nach Gottes Gegenrede erkennt Hiob, dass Gottes Allmacht unabhängig vom Handeln des Menschen ist – und es tatsächlich unschuldiges Leiden geben kann. Für seine Treue zu Gott wird Hiob von diesem am Ende wieder reich gesegnet.

Impuls

Für mich war Hiob immer eine zutiefst tragische Person in der Bibel. Die Vorstellung, dass all das Leid nur auf ihn kam, weil Gott und Satan quasi um ihn und seine Glaubenstreue gewettet haben, machte mich immer wütend. Und da tröstet mich das HappyEnd zum Schluss auch nicht wirklich.

Die Einordnung, wie dieser Text literarisch zu verstehen ist, bot auch nur wenig Trost. Denn im Grunde sind die Erfahrungen, die Hiob macht, Alltag für so viele Menschen – auch heute noch. Nur, dass nicht alle am Ende noch so einen Segen erfahren, wie Hiob es erlebte.

Gleichzeitig habe ich großen Respekt davor, dass Hiob sich nie von Gott abwandte.

Ja – er hat gehadert.
Ja – er hat Gott all sein Unverständnis und seine Verletztheit verbal vor die Füße geworfen.
Aber – er hat sich nicht abgewandt.

Und Gott? Er hat das ausgehalten. Er hat sich nicht von Hiob abgewandt.

Ja – er hat ihm harsch geantwortet.
Ja – er hat ihm deutlich den Macht-Unterschied vor Augen geführt.
Aber – er hat ihn nicht verlassen.

Mir macht das eins deutlich: ich darf auch mit all meinem Frust, meiner Wut, meinem Unverständnis, meinen Fragen, meinen Zweifeln und all dem, was mich sonst belastet, zu Gott gehen. Ich darf dabei auch deutlich sein. Ich muss meine Worte nicht sorgfältig wählen, sondern es darf auch einfach aus mir »herausbrechen«. Ungefiltert. Gott kann das ab. Er erträgt es. Und liebt mich trotzdem weiter.

Was ist die klarste und vollnächtigste Predigt wert, wenn am Ende der Hörer darüber entscheidet, was du gesagt hast und was nicht?! 
Sollte diese konstruktivistische Einsicht beherzigt werden, ginge es darum, beteiligungsorientiert zu verkündigen: Die Feiernden im Gottesdienst sollten zu Wort kommen und Reaktionsraum bekommen können. Was wurde wie gehört und verstanden? 
Kartensets, im Handel erhältlich, mit Reflexions- und Gesprächsimpulsen können hier eine große Hilfe sein. Wie genau, zeigt dir dieser Artikel auf.

1. Gespräche eröffnen: mit mir selbst, in kleiner Gruppe, im Plenum

Offene Bilder und offene Fragen sind eine ganz eigene Sprache: Sie können in uns tiefere Schichten und Zellen anstoßen als (nur einbahnstraßige) Worte, Texte, Lesungen und Reden. Eine ganzheitlichere symbolische Kommunikation wird durch sie unterstützt, die wiederum sehr persönlich Menschen aufschließen und verwickeln kann. Das Evangelium bekommt „Fleisch“ – und Gott wird als ein persönlicher Gott erfahren. 
Fragen und Bilder dienen dann als Impulse, die das Gespräch eröffnen – still mir mir selbst, geschützt in einer kleinen Gruppe, als persönliche Statements im Plenum. Auch im Gottesdienst.
Und dies muss dann nicht unbedingt ernst und tief verhandelt werden – auch eine Leichtigkeit im Umgang mit dem Thema und miteinander ist durchaus möglich!

2. Aufschlussreiche Unterscheidungen

Wo immer in diesem Artikel von „Karten“ gesprochen wird, sind alle Arten von Karten im Blick bzw. der Einsatz aller Karten möglich, und es brauchen keine weiteren Unterscheidungen beachtet werden. Wird hingegen präzisiert in „Wahlkarten“ und „Zufallskarten“, dann aus funktional-inhaltlichen Gründen.
Folgende Weisen können beim Einsatz von Karte grundsätzlich unterschieden werden:

1. „Zufallskarten“ sind zufällig gezogene Karten. Sie sorgen für Überraschungen, Perspektivwechsel, emotionale Veränderung. Kurz: Sie triggern. 

2. „Wahlkarten“ sind selbstgewählte Karten und führen die eigene Person in die Tiefe hinsichtlich des vorhandenen Themas. Dies sollte stets in einer behutsamen geschützten Atmosphäre geschehen – und immer freiwillig!

Beide Umgangsweisen können die Mitfeiernden direkt ins Gespräch miteinander bringen – oder man belässt es bei einem stillen Zwiegespräch der Person mit sich selbst oder mit Gott (Gebet).


In Bezug auf die im Handel befindlichen Impulskarten können folgende Motiv-Kategorien unterschieden werden: 

1. Fotokarten
z.B. Sinnbildbox, buch+musik

2. Comic-Karten / Gefühlskarten
z.B. Gemischte Gefühle. Die bunte Welt der Gefühle in 46 Karten, befo-Verlag

3. Textkarten / Fragekarten
z.B. Talkbox diverse Volumina, Neukirchner Aussaat / Stärken-Schatzkiste für Therapie und Beratung, Beltz-Verlag / Mit Fragen Konflikte managen, Beltz-Verlag / Zitate-Box: 200 Zitate im Postkartenformat, Campus Verlag

Grundsätzlich:
Karten können Gesprächsimpulse setzen, die die Tür zum eigenen und zum anderen Herzen öffnen, ohne übergriffig zu werden. Dabei werden die jeweiligen Statements von anderen nicht bewertet, nicht als „gut“, „falsch“ oder „stark“ oder „schräg“ (dis)qualifiziert, sondern stets durch offene hinhörende Ohren respektiert. Dabei kann ich mir wiederum im stillen Zwiegespräch  auf die Spur kommen: Warum sehe ich dies ganz anders? Wo sind die Verbindungen und Brücken zwischen unseren Wahrnehmungen?

Im Gruppengespräch sind demnach lediglich Nachfragen angemessen, gut und sinnvoll. Ebenso Impulse beispielsweise in dieser Gestalt: Welche Fragen schenkt mir der Blickwinkel dieser Person (z.B. in Bezug aufs Thema)? – Das Gottesdienstfeiern gewinnt so deutlich an Spannung!

3. Frageimpulse für die Kartensuche

Bildimpulse lassen ein Bild aufpoppen, Textimpulse eine Idee, Frageimpulse eben Fragen: Die einen bieten der Person die Übersetzung einer tiefen persönlichen Stimmung ins Bild an und machen so diese anschaulich und kommunizierbar, die anderen öffnen das Denken und bringen geistig in Bewegung durch eine für die Person relevante Fragestellung oder Aussage.

Grundsätzlich sind die hier aufgeführten Impulsrichtungen für alle Karten zielführend, müssen aber je nachdem evtl. abgeändert werden. Beispiel:
Wer ist Gott für dich? Welche Karte würdest du für deine Antwort auswählen? 
-> Gott ist für mich wie… (Bildkarte) / Wenn ich an Gott denke, stellt sich mir diese Frage… (Fragekarte)

Stets handelt es sich aber um offene Fragen, die zum Aufbrechen und Stöbern motivieren.
Hier ein nicht vollständiger Überblick über sinnvolle Frageimpulse im Gottesdienst, die zu einem Auswählen jeweiliger Karten anstiften:

  • Gott ist für mich wie… / Wenn ich an Gott denke, stellt sich mir diese Frage… 
  • Glück im Leben zeigt sich mir so…
  • Ein Ort, an dem ich mich pudelwohl fühle…
  • Die Beziehungen zu meinen besten FreundInnen sehen im Moment so aus…
  • Wenn ich an unseren Gottesdienst denke, dann sehe ich…
  • Wenn ich an das Thema denke, dann breitet sich in mir solch eine Stimmung aus…
  • Jetzt wäre für mich klasse…
  • Jetzt bräuchte ich…
  • Wenn ich an die vergangene Woche denke…
  • Was mich traurig stimmt…
  • Womit ich gar nicht umgehen kann…
  • Damit habe ich gerne zu tun…
  • Was mich jetzt zum Singen brächte…
  • Die Botschaft hat in mir geweckt…
  • Unsere Gemeinde ist für mich oft so…
4. Kartenimpulse im gottesdienstlichen Verlauf einsetzen

Versteht man das gottesdienstliche Feiern als einen Weg mit den vier Abschnitten 

  • Ankommen
  • Verkündigen
  • Verkosten (sinnlich vertiefen)
  • Senden 

dann bieten sich folgende Impulse in diesen vier Phasen an:

Ankommensphase: hineinfinden
Warming up zu Anfang oder bei der Begrüßung mit einer Zufallskarte 
Fragen z.B.: Wie bin ich da? Mit welcher Stimmung? Meine Erwartungen an diese Veranstaltung, meine Gefühle jetzt zu Beginn?

* sich ggs. vorstellen, kennenlernen mit einer Zufallskarte oder Wahlkarte
Fragen z.B.: In welchen Situationen freut mich dieses Kartenmotiv? In welchen Situationen hast du besonders angenehme Gefühle? Was erinnert dich an deinen letzten großen Erfolg? Wenn die Karte ein Gefühl in dir weckt: Wo erlebst du dieses immer wieder? Was machst du besonders gerne? 

* inhaltliche Hinführung zum Thema mit einer Wahl- oder Zufallskarte
Frage für Wahlkarte: Was poppt bei mir auf, wenn ich an das Thema denke? Bei Zufallskarte: Was hat dieser Impuls mit dem Thema zu tun?

Verkündigungsphase: erkennen – benennen – unterbrechen
den Inhalt mit- bzw. weiterbearbeiten mit einer Zufallskarte
– Fragen-Beispiele bei Zufallskarten: Was weckt die Karte in mir in Bezug auf das Gehörte? Was trägt die Karte für dich zum Thema bei? Wie würdest du durch diese Karte das bisher Gehörte weiterspinnen? Welchen Impuls für eine Problemlösung setzt diese Karte?

– Fragen-Beispiele bei Wahlkarten: Welchen Impuls provoziert das Thema / das Gehörte in mir? Was will ich noch beantwortet haben, was ist für mich noch offen bei diesem Thema?

Verkostungsphase: vertiefen und gestalten
eigene Befindlichkeiten erkunden und austauschen/ausdrücken/darauf reagieren mit einer Wahlkarte
Fragen z.B.: Zu welcher Karte bewegt mich das Gehörte? Und wie würden meine Freunde / Eltern die Karte sehen/verstehen? (im Zweiergespräch:) Wie verhalten sich unsere Karten auf das Gehörte zueinander? Welcher Kartenimpuls schenkt dir eine weitere Frage zum Thema? Wenn ich keine Worte zu Beten fände, mit welcher Karte würde ich Gott jetzt etwas anvertrauen, ein Signal geben wollen?

* das Gehörte „aufscheuchen“ mit einer Zufallskarte
Fragen z.B.: Was bewirkt die Karte in Bezug auf das Gehörte? In welcher Verbindung steht die Karte mit dem Gehörten – in gegensätzlicher? Wie würde ich anhand dessen, was ich gehört habe, nun ggü. dieser Karte reagieren, wie mich zu dieser Karte stellen? 

* wenn am Anfang schon eine Wahlkarte erhalten wurde: 
Wie verändert das Gehörte an der Karte? Was hat sich an meiner Wahrnehmung ggü. der Karte nun am Ende des Weges geändert? (neue Motive, Farben etc.?) Was würde ich ergänzen oder wegradieren wollen?

Sendungsphase: beenden und mitnehmen
* Aufbruchs-Stimmungen erkunden mit einer Wahlkarte
Fragen z.B.: Wie gehe ich jetzt nach Hause? Was sind meine Gefühle jetzt beim Aufbrechen? Was für eine Karte täte mir jetzt noch gut? Was nehme ich mit? Welche gute und wertvolle Einsicht begleitet mich? 

* Segnen mit einer Wahlkarte
Fragen z.B.: Wie hoffe ich, dass Gottes Segen mich begleitet? Welche Karte wünsche ich dir, meinem Nachbarn/in, für deinen Weiterweg? Welche Karte soll dir ein Segen sein?

* wenn am Anfang schon eine Wahlkarte erhalten wurde:
Was hat sich an meiner Wahrnehmung ggü. der Karte nun am Ende des Weges geändert? (neue Motive, Farben etc.?) Was würde ich ergänzen oder wegradieren wollen?

TIPP zum Abschluss: In großen Gruppen werden eine bis max. vier Fragen, Text- bzw. Bildmotive auf die Leinwand projiziert. Sie sollten sich stark genug unterschieden hinsichtlich ihrer Motive / Inhalte, so dass eine größere Breite für die Mitfeiernden zur Auswahl steht. 

Alles Liebe… oder was?

Eine Auslegung der Jahreslosung 2024 (1. Kor 16,14)



Übersetzungen und Übertragungen von 1. Korinther 16,1


πάντα ὑμῶν ἐν ἀγάπῃ γινέσθω (Novum Testamentum Graece)


Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. (Einheitsübersetzung)

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen. (Luther 2017)

Omnia vestra in caritate fiant. (Biblia Sacra Vulgata)

Bei allem, was ihr tut, lasst euch von der Liebe leiten. (Hoffnung für alle)

Alles bei euch geschehe in Liebe! (Elberfelder)

Egal was ihr macht, Hauptsache, euer Grundmotiv ist die Liebe! (Volxbibel)

Let all your things be done with charity. (King James Version)

Zusammengefasst

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“
Am Beginn jedes Jahres erscheint eine neue Jahreslosung. Das anstehende Jahr wird quasi unter ein Motto gestellt. Und in vielen Kirchen und Gemeinden beginnt das neue Kalenderjahr mit einer Predigt zur Jahreslosung.
Jahreslosungen sind Worte zum Anfang. Auch mit der 95. Jahreslosung wird das so sein. Sie ruft ja auch dazu auf, aktiv zu werden. Sie ist also besonders geeignet, um einen Startpunkt zu setzen. Dabei ist sie ursprünglich eher ein Schlusssatz. Eine Zusammenfassung. Wichtige abschließende Worte. Sie steht am Ende des 1. Korintherbriefes, den Paulus im Jahr 54./55. n. Chr. verfasst hat.
Nachdem er der Gemeinde in fünfzehn Kapiteln viele theologische Themen ausführlich dargelegt hat, nachdem er über theologische und ethische Fragen gestritten und gerungen hat, nachdem er ermahnt und ermutigt hat, da fasst er nochmal zusammen: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“

Was bisher geschah…

Paulus hatte die Gemeinde in Korinth auf seiner 2. Missionsreise (ca. 50 n. Chr.) gegründet. Das bedeutet, er kam in die Stadt und begann – als jüdischer Gelehrter – in der Synagoge zu predigen. Er las also einen Text aus dem Alten Testament und legte diesen aus. Jedesmal, wenn Paulus das tat, dann sprach er von Jesus: Wie er in Israel lebte, wie er am Kreuz gestorben war und dass er vom Tod auferstanden ist und ihm, Paulus, sogar leibhaftig begegnet war. So kamen Menschen zum Glauben an Jesus Christus und es entstanden kleine Hausgemeinden. Sie luden ihre Nachbarinnen und Nachbarn und Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen ein, so dass nach und nach eine größere christliche Gemeinde in der Stadt entstand. Paulus lehrte die Gemeinde, was es bedeutet, als Christin oder Christ zu leben. Aber nach einigen Monaten zog er weiter in die nächste Großstadt, um noch mehr Gemeinden zu gründen. Um in Kontakt zu bleiben, schrieb Paulus immer wieder Briefe an die Gemeinden, die er kannte. Zwei Briefe an die Korinther sind uns bis heute erhalten geblieben. Eine andere Möglichkeit, um auf dem Laufenden zu bleiben, bestand darin, Mitarbeitende in die Gemeinde zu schicken, damit sie nach den jungen Gemeinden sehen sollten. Und wenn es auf dem Weg lag, kam Paulus auch selbst vorbei. Wir wissen, dass er manche Gemeinden öfters besuchte.

Wenn die Katze aus dem Haus ist…

Wenn Paulus grade einmal nicht in der Gemeinde war, dann war die Christinnen und Christen in Korinth auf sich selbst gestellt. Sie mussten sich also an dem orientieren, was Paulus ihnen über das Christsein beigebracht hatte. In vielen neuen Situationen mussten sie sicher auch eigenständige, mündige Entscheidungen treffen. Natürlich waren sie da dankbar, wenn ein christlicher Lehrer (es waren damals quasi nur Männer) wie z. B. Paulus, sein Schüler Timotheus oder sogar der Apostel Petrus höchstpersönlich sie besuchte. Solche Lehrer konnten der Gemeinde in schwierigen theologischen Fragen, aber auch bei Alltagsproblemen oft weiterhelfen. Sie erzählten Geschichten von Jesus, oder von anderen Gemeinden, die dann im Gottesdienst weitererzählt und verwendet werden konnten. Solche Lehrer waren Ermutiger für die Gemeinden. Aber jeder Lehrer hatte eben auch seinen eigenen Stil und sogar seine eigenen theologischen Überzeugungen. Auch unter den ersten Christen gab es bereits große theologische Meinungsverschiedenheiten. Nachdem nun ein paar solcher christlichen Lehrer die Gemeinde in Korinth besucht hatten, bildeten sich kleine Grüppchen in der Gemeinde. Jede und Jeder schloss sich der „christlichen Richtung“ seines Lieblingslehrers an: Ein paar blieben bei der Lehre von Paulus, ein paar standen eher auf den rhetorisch geschulten Apollos, wieder andere waren Anhänger von Petrus und ein paar sagten: Wir haben den Heiligen Geist, wir brauchen keine anderen Lehrer.

Unzufrieden mit der Gesamtsituation

Paulus befindet sich im Jahr 54./55 gerade in Ephesus, als ihn Menschen aus der Gemeinde in Korinth besuchen kommen. Sie erzählen ihm, was passiert war und von den Spaltungen. Nicht nur die Grüppchenbildung ist ein Problem, sondern auch theologische Fragen und ethische Probleme sind in der Zwischenzeit aufgetaucht. Paulus schreibt daraufhin den 1. Korintherbrief und geht darin auf die konkreten Erzählungen und die Ereignisse in Korinth ein.

Dem 1. Korintherbrief zufolge geht es in der Gemeinde um folgende Themen:

  • Unterschiedliche Gruppierungen in der Gemeinde (1 Kor 1,10-17)
  • Verbotene sexuelle Beziehungen (1 Kor 5)
  • Rechtsstreit unter Christen (1 Kor 6)
  • Ehescheidung und Ehelosigkeit (1Kor 7)
  • Essen von Götzenopferfleisch (1Kor 8; 10,14–11,1)
  • Feier des Abendmahls (1 Kor 11,17-34)
  • Geistesgaben (Charismen) und deren Gebrauch (1Kor 12–14)
  • Die Auferstehung von den Toten (1 Kor 15)

Paulus macht sich Sorgen um die Gemeinde. Er weiß um die Gefahr, dass Gemeinden sich trennen und dass Menschen über solchen Streitigkeiten auseinandergehen. Mit seinem Brief versucht Paulus die Gemeinde vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren. Er ruft sie zur Einheit.

Ein wilder Haufen

Das war bei den Korinthern aber keine so leichte Angelegenheit. Denn die Stadt und ihre Bewohner war an sich bereits sehr verschieden. Die griechische Stadt Korinth lehnte sich im Jahr 146. v. Chr. gegen die Macht Roms auf, wurde jedoch besiegt und vollkommen zerstört. Die Bewohner wurden getötet oder in die Sklaverei verkauft. Fast 100 Jahre später, im Jahr 44. v. Chr. gründete Julius Cäsar die Stadt neu und baute sie wieder auf. Das lag wohl auch an der besonderen Lage von Korinth, das direkt am sog. Isthmus von Korinth liegt, einer Landenge, welche die Peleponnes mit dem griechischen Festland verbindet. Zusätzlich zur Landverbindung nähern sich an dieser Stelle der Korinthische und der Saronische Meerbusen auf sechs Kilometer an, weshalb Korinth zwei Häfen hatte und auch für Schiffsgüter einen optimalen Umschlagplatz bot. Als Handelszentrum konnte Korinth in früheren Jahrhunderten sogar mit Athen konkurrieren. Da es nach der Zerstörung keine ursprüngliche Bevölkerung Korinths mehr gab, wurden freigelassene Sklavinnen und Sklaven und ehemalige Gefängnisinsassen aus dem gesamten römischen Reich dort angesiedelt. Die Aussicht auf Reichtum war in einer solchen Handelsmetropole mehr als ein leeres Versprechen. So kamen im 1. Jh. v. Chr. Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Religionen in das neu gegründete Korinth. Und die Stadt blühte auf, wurde sogar zur Hauptstadt Griechenlands und zum Sitz des römischen Statthalters. Dementsprechend ist Korinth im Jahr 54. n. Chr. das Zentrum für Handel und kulturelle, religiöse und soziale Vielfalt.

Gemeindesituation

Dementsprechend bestand die christliche Gemeinde in Korinth aus Menschen mit völlig verschiedenen Hintergründen und Prägungen. Neben Christinnen und Christen, die zuvor zur jüdischen Gemeinde gehört hatten, bestand die Gemeinde hauptsächlich aus Heidenchristen – Menschen, die den Glauben an heidnische Götter abgelegt hatten und nun Christinnen und Christen geworden waren. Aber auch wenn Jesus in deinem Herzen wohnt, wohnt der Opa doch in den Knochen. Entsprechend vielfältig war das Sozialverhalten, die Gewohnheiten, kulturelle Festzeiten, Familienbräuche, Frömmigkeitsstile, usw. Zudem bestand ein großer sozialer Unterschied in der Gemeinde. Während manche Gemeindeglieder als Sklavin oder Sklave arbeiten mussten, konnten andere ihre Häuser, Anwesen und ihren Wohlstand zur Feier des Gottesdienstes und der gemeinsamen Mahlfeiern zur Verfügung stellen. Diese Differenzen führten auch immer wieder zu Spannungen (vgl. 1 Kor 11).
Der Slogan der Stadt Korinth war womöglich: „Alles ist mir erlaubt.“ Paulus nimmt auf diesen Satz mehrfach Bezug und ergänzt den Satz um einen wichtigen Gedanken. (1. Kor 6,12; 10,23).

Geisterfüllt

Die Gemeinde war außerdem sehr pneumatisch geprägt. Das bedeutet, der Heilige Geist spielte eine entscheidende Rolle im Gottesdienst und in der alltäglichen Lebensführung. Paulus geht im Korintherbrief ausführlich darauf ein (1 Kor 12-14) und ermahnt die Korinther, dass sie nicht hochmütig werden, weil sie eine Fülle an Geistesgaben in der Gemeinde haben. Im Gegenteil, das Wirken des Geistes soll immer der Erbauung in der Gemeinde dienen (1. Kor 14,26).

Einen anderen Grund kann niemand legen

Wie soll in so einer Gemeinde jemals Einheit zustande kommen? Paulus sieht nur eine Möglichkeit. Die Basis jedes einzelnen Gemeindeglieds, die Basis der Identität jeder Christin und jedes Christen in Korinth muss Jesus Christus sein. „Einen anderen Grund kann niemand legen, als den der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Kor 3,11). Die Gemeinde muss sich von Jesus her als Einheit verstehen und sich von Jesus her in ihren Entscheidungen führen lassen. Andernfalls wird sie sich zerstreiten und sich spalten. Auch das Bild des Leibes, das Paulus verwendet (1 Kor 12,12-31), sagt, dass jede und jeder unterschiedliche Aufgaben hat, aber das Haupt des Leibes ist Jesus Christus. Er lenkt den ganzen Leib. Was er entscheidet tragen die verschiedenen Teile des Leibes mit. Für Paulus ist klar: Christliche Gemeinde gelingt nur dann, wenn Jesus Christus das Fundament ist.

What is Love ?

Von Jesus her stellt sich somit auch die Frage danach, was Paulus unter Liebe versteht. Wenn Paulus von der Liebe spricht, dann meint er nicht das, was im Alltag als Liebe bezeichnet wird. Das griechische Wort für Liebe (agape) bezeichnet im NT die Liebe Gottes. Eine Liebe, die sich das Liebenswerte erwählt und es dadurch kostbar macht. Die nicht liebt, weil das Gegenüber so attraktiv (anziehend) ist, sondern einfach, weil es das Gegenüber lieben will. Für Paulus ist das die Liebe, die Gott uns in Jesus Christus gezeigt und geschenkt hat (vgl. Röm 8,39). Gott ist der Ursprung und die Quelle aller Liebe (vgl. 1 Joh 4,16). Die Liebe Gottes zu uns Menschen sieht uns mit unserer Sünde und Schuld und kann nicht anders, als die Komfortzone zu verlassen und sich für uns zu opfern. Jesus gibt sich selbst in den Tod, er ist bereit alles zu geben für uns Menschen. Das ist Gottes Liebe. Gott opfert sich lieber selbst, als dass wir verloren gehen. 
Diese göttliche Liebe, die sich für uns hingibt, ist die Grundlage aller Liebe, die in der Gemeinde gelebt werden kann. In dieser Liebe etwas zu tun, bedeutet, sich dieser Liebe jederzeit bewusst zu sein. Das bedeutet, dass wir zuallererst Empfangende der Liebe Gottes sind, bevor wir sie weitergeben können. Wir müssen erst einmal wissen, wovon wir reden. Deshalb müssen wir die Liebe Gottes kennenlernen, damit wir in Liebe leben können. Aus diesem Grund erinnert Paulus die Gemeinde an die Liebe Gottes, die er in Jesus Christus gezeigt hat (1 Kor 1-2).

Ein kleiner Übersetzungsfehler

Wenn wir in den griechischen Urtext der Jahreslosung schauen, dann bemerken wir, dass sich ein kleiner Übersetzungsfehler in der Version der Jahreslosung eingeschlichen hat. Wörtlich übersetzt steht da: „Alles bei euch geschehe in Liebe.“ Es steht eigentlich nichts vom „Tun“ im Text.
Aber geht es nicht eigentlich darum, dass Liebe konkret wird und für andere in Taten erfahrbar? Doch, das möchte die Jahreslosung auch nicht bestreiten. Aber vielleicht ist es nicht immer nur liebevoll, etwas zu tun, sondern auch vielleicht einmal, etwas zu lassen. Paulus argumentiert im Korintherbrief mehrfach dafür, dass die Korinther aus Liebe Dinge lassen sollten: Götzenopferfleisch nicht zu essen, aus Liebe zum Nächsten (1 Kor 8,9), aus Liebe zum Nächsten nicht über ihn richten (1 Kor 4,5) oder aus Liebe zum Vater nicht mit der Schwiegermutter schlafen (1 Kor 5,1).

Die Jahreslosung fordert nicht nur zum Tun auf, sondern sie fragt auch: Ist es vielleicht an der Zeit, aus Liebe einmal etwas zu lassen? Vielleicht den letzten Tagesordnungspunkt auf die nächste Sitzung verschieben, aus Liebe zu den zeitlichen Ressourcen von Ehrenamtlichen? Vielleicht aus Liebe zu uns selbst nicht bei allen Aktionen dabei sein zu müssen? Vielleicht auch einmal das Reden zu lassen, gegenüber den Menschen, die vielleicht eine ganz andere Meinung haben als ich?

Auch wenn die Übersetzung der Jahreslosung an sich nicht „falsch“ ist, so verengt sie doch den Text. Lieben kann auch bedeuten: Dinge zu lassen. Gerade in allen kirchlichen Veränderungen, die wir derzeit durchlaufen, wäre das an mancher Stelle vielleicht angebracht.

Liebe als Wesensmerkmal

Was unzweifelhaft zum Text gehört ist das kleine Wörtchen „alles“. Alles in der Gemeinde soll in Liebe geschehen. Paulus bringt damit zum Ausdruck, dass die Liebe so etwas wie die Gemeinde-DNA sein sollte. Auch Jesus hat die Liebe zum Erkennungsmerkmal der Christinnen und Christen erhoben (vgl. Joh 13,35). In allem, was geschieht, im Umgang untereinander, im Miteinander, im Umgang mit Teilnehmenden, in der Verkündigung und im Leben der Christinnen und Christen soll Gottes Liebe erkennbar werden.

Eine ständige Überforderung

Kann Paulus das wirklich ernst meinen? Ist das nicht eine maßlose Überforderung, dass wirklich alles, jedes kleinste Gespräch, jeder Blick, jedes noch so kleine unwichtige Tun in Liebe geschehen soll? Wir sind doch alle bloß Menschen. Da passiert es halt mal, dass wir etwas Liebloses tun. Dass wir uns beschweren, dass wir schimpfen, dass wir über andere lästern, dass wir wütend werden (und du kannst die Liste bestimmt noch lang fortsetzen). Wie soll das alles in Liebe passieren? Ich glaube, dass Paulus sehr wohl um die Situation von uns Menschen weiß. Er will mit seinem Satz auch nicht ermahnen, so nach dem Motto: „Checkt genau, ob ihr auch das Zähneputzen in Liebe macht!“ Er möchte, dass wir uns als Christinnen und Christen an dem einen orientieren, der in allem, was er tut, die Liebe ist, nämlich Gott. Wir sollen uns von seinem Geist erfüllen lassen und von ihm lernen, wie er die Menschen sieht, nämlich voller Liebe. „Alles in Liebe“ bedeutet dann: Zu versuchen, alles so zu machen, wie Gott es machen würde.

Anders als die Welt das macht

Paulus betont mit seinem Satz auch, dass „bei euch“ alles in Liebe geschehen soll. Das heißt, dass es an anderen Stellen nicht üblich ist. Als Christinnen und Christen sind wir dazu aufgerufen uns von dem zu unterscheiden, wie es in der Welt zugeht: Egal, ob es sich dabei um kriegerische Auseinandersetzungen, die knallharten Gesetze der Wirtschaft, Hasskommentare im Internet, oder die Spaltung in unserer Gesellschaft handelt. In Korinth gab es vergleichbare Situationen, aber Paulus sagt: Bei euch soll es anders sein! Und die Liebe muss die Grundlage von euch Christinnen und Christen sein. Nur auf ihrer Basis kann es eine Einheit geben.

Liebe, die Unterschiede aushält

Jetzt könnte man meinen, dass das bedeutet, dass alles immer sehr harmonisch zugehen muss. „Alles in Liebe“ bedeutet so viel wie: „Alle sind immer nett zueinander“. Aber das meint Paulus nicht. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, dass Paulus geradezu der Meinung ist, dass die Liebe uns dazu auffordert auch unsere Differenzen auszutragen. Der gesamte 1.Korintherbrief ist voll davon, dass Paulus mit den Überzeugungen in Korinth streitet! Er weiß, er ist ganz anderer Meinung als manche. Er weiß, dass er Gemeindemitglieder damit ganz schön bloßstellt und herausfordert. Lies bspw. mal 1. Kor 5. Aber das führt nicht dazu, dass Paulus sagt: „Mit euch bin ich fertig!“, sondern im Gegenteil, er geht ins Gespräch und versucht die Korinther mit guten Argumenten zu gewinnen.

Auch unter Christinnen und Christen heute gibt es große Meinungsverschiedenheiten: Egal ob über geistliche, ethische oder politische Fragen. Leider passiert es nur selten, dass in Gemeinden „liebevoll gestritten“ wird. Stattdessen grenzt man sich voneinander ab und es entstehen Spaltungen. Die Liebe, von der Paulus erfüllt ist, sie kann Unterschiede aushalten. Sie kann auch mit Menschen im Gespräch bleiben, die ganz anders ticken als ich selbst. Die Jahreslosung könnte eine Ermutigung sein, dass wir als Christinnen und Christen miteinander reden statt übereinander. Dass wir aufeinander hören und voneinander lernen, dass wir streiten und uns danach wieder vertragen, weil wir wissen, dass wir zum gleichen Herrn gehören: Jesus Christus, in dem sich Gottes Liebe zu uns gezeigt hat.

Einer meiner Lehrer im Studium sagte mal: „Kein Mensch braucht weniger als 100% der Gnade Gottes.“ Wenn wir uns das zum Vorbild nehmen, dann können unsere Gemeinden Orte werden, wo verschiedene Meinungen zu einem fruchtbaren Ganzen geformt werden.

Liebe als Aufruf zum Losgehen

Alles in Liebe ist auch ein Aufruf zum Losgehen! Als Christinnen und Christen sind wir dazu aufgefordert, auf andere Menschen zuzugehen. Gottes Liebe ist in unsere Herzen ausgegossen (Röm 5,5), das bedeutet, sie fließt über und geht über uns hinaus. Gottes Liebe ist nicht zum Bunkern da, sondern zum Weitergeben. Es ist keine warme Kuschelliebe, in die wir uns einwickeln und dann gemütlich am Ofen einschlummern. Gottes Liebe bringt uns dazu, rauszugehen, an die Orte, wo keine Liebe ist. Wo es kalt ist. Warum sollten wir das tun? Weil wir die Quelle der Liebe kennen, weil Gottes Liebe uns erfüllt. Deshalb sollen wir anderen Menschen von diese Liebe Gottes erzählen und sie diese Liebe erfahren lassen. Jesus schickt seine Jüngerinnen und Jünger in die Welt, damit sie von der Liebe Gottes weitererzählen und damit sie diese Liebe leben – untereinander und gegenüber Menschen, die Gott nicht kennen. Das verändert die Welt!

Liebe als bleibende Herausforderung

So ein Lebensstil in der Liebe – mich von der Liebe Gottes erfüllen lassen und die Liebe weiterzugeben – das kostet mich etwas. Er fordert mich heraus, jeden Tag. Aber das ist der Weg, den Gott gewählt hat. Seine Liebe hat ihn alles gekostet. Deshalb mutet er auch uns Liebe zu. Jesus sagt: „Liebe deinen Nächsten!“ (Mk 12,31) Das ist ein Imperativ, also ein Befehl. Das bedeutet: Nicht nur, wenn dir grade danach ist sollst du andere lieben, sondern weil du von Gott geliebt bist, weil seine Liebe in dein Herz ausgegossen ist, deshalb mutet es Gott dir zu, andere zu lieben.

Was, wenn es nicht geht? Was, wenn du mit manchen Menschen einfach nicht grün wirst? Dann versuch doch einmal, der anderen Person etwas Gutes zu tun. So, als ob du sie lieben würdest. Denn jedesmal, wenn du das tust, einfach, weil Gott diesen anderen Menschen auch liebt, dann verändert sich etwas in dir. Fange mit etwas Kleinem an, einer kleinen Geste, einer kleinen Überraschung. Und bete für diese Person. Das verändert dein Herz und Gottes Liebe gewinnt Raum in dieser Welt. Und darum geht es: Dass Gottes Liebe in dieser Welt sichtbar wird, solange, bis einfach alles in Liebe geschieht!

Verwendete Literatur:

NESTLE, E., ALAND, K. & ALAND, B.: Novum Testamentum Graece Stuttgart28 2012.
Herbst, M., Lebendig! Vom Geheimnis mündigen Christseins, Holzgerlingen 2018.

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