Nicht mehr – aber auch nicht weniger / Die Berufung der Jünger

Einstieg

Es ist wichtig mit den Teens zu klären, was eigentlich Berufung ist. Je nachdem, mit welchen Teens ihr es zu tun habt, gehört der Begriff irgendwie dazu (eher fromme Teens) oder ist total komisch. Manche Leute kennen den Begriff nur noch aus den Nachrichten, wenn im Rahmen einer Gerichtsverhandlung von „Berufung“ die Rede ist. Das heißt, wenn ein Urteil angefochten wird und eine höhere Instanz „angerufen“ wird. Wieder andere kennen Berufung von der Nationalmannschaft. Wenn der Bundestrainer bestimmte Spieler in den Kader der Nationalmannschaft „beruft“. Und hier sind wir voll beim Thema. In die Nationalmannschaft berufen zu werden ist mit das Größte, was einem Sportler passieren kann. Die Teens sollen Kriterien benennen, die notwendig sind, um in die Nationalmannschaft berufen zu werden. Dabei wird ziemlich sicher herauskommen, dass man in vielem richtig gut sein muss, um berufen zu werden.

Gruppenphase

Die Teens können in kleinen Gruppen (2 – 3 Personen) verschiedene Bibelstellen aufschlagen, die mit den Jüngern zu tun haben. Cool wäre es, wenn die Teens eine Art Steckbrief zu einigen Jüngern erarbeiteten: Beruf, Herkunft, Familie, was aus ihnen geworden ist. Vielleicht helfen da auch kopierte Einträge aus Bibellexika o. Ä. weiter.

Anschließend stellen die Gruppen ihre Steckbriefe vor.

Andacht

1. Jesus beruft – wen

Wer die Steckbriefe anschaut, dem wird schnell klar, dass Jesus hier keinen einzigen Nationalspieler berufen hat. Das waren alles einfach irgendwelche Typen. Petrus war ein Fischer, vermutlich ein einfacher Mann, der vielleicht nicht mal richtig lesen und schreiben konnte. Matthäus war ein Zollbeamter, ein Außenseiter der Gesellschaft, mit dem eigentlich keiner etwas zu tun haben wollte. Zöllner haben mit den Römern zusammengearbeitet und wurden deshalb von der Bevölkerung verachtet. Und dann gab es da noch eine ganz spezielle Person, nämlich Simon, den Zeloten. Er war in einer sehr radikalen Partei, die auch vor Gewaltakten nicht zurückgeschreckt hat. Alles in allem eine sehr kunterbunte Truppe, die sich Jesus da zusammensucht. Warum beruft Jesus ausgerechnet diese Leute? Warum nimmt er niemanden, der höher qualifiziert wäre?

Jesus nimmt niemanden, der anders oder besser ist, weil es einfach nicht um das geht, was wir Menschen bringen können. Jesus beruft nicht irgendwelche Leute, die vor Intelligenz oder Muskeln nicht mehr laufen können. Er beruft Menschen mit Fehlern und Schwächen und vielen Macken. Eben solche Leute, wie du und ich es sind. Menschen, die darauf angewiesen sind, dass da jemand ist, der sich auskennt. Der den richtigen Weg weiß. Und das ist Jesus. Jeder dieser Leute, die Jesus berufen hat, wusste: „Ich bin nicht der große Weltveränderer.“ Und Jesus wusste das auch. Und trotzdem hat er jeden Einzelnen genommen, so wie er war.

2. Jesus beruft – wozu

Jesus beruft diese Männer zu einer einzigen Sache. Er beruft sie dazu, ihm nachzufolgen. Das ist ja ganz spannend, Jesus sagt nicht: „Hey wir gehen jetzt mal los und verändern die Welt.“ Sondern Jesus sagt einfach nur: „Komm folge mir nach.“

Komm folge mir nach, einfach so. Die Männer, die Jesus berufen hat, mussten nichts Besonderes machen, sondern einfach nur Jesus hinterherlaufen. Es gab keine Bedingungen, die erfüllt werden mussten. Es gab einfach nur diese Einladung. Nicht mehr. Als Jesus sagte: „Folge mir nach“, da sagte er: „Ich möchte, dass du den ganzen Tag bei mir bist. Ich möchte, dass du die gleichen Dinge siehst, die ich sehe, dass du dieselben Wege gehst wie ich. Ich möchte, dass du erlebst, was ich tue und was ich sage. Ich will, dass du ein Teil von meinem Leben wirst.“

Krasser Gedanke! Es geht nicht darum, dass Jesus Teil von meinem Leben wird, sondern darum, dass ich voll und ganz ihm gehöre. Jesus lädt die Jünger ein ihm nachzufolgen, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!

Die Einladung von Jesus ist völlig radikal. Am deutlichsten wird das, wenn man sich die Berufung von Petrus anschaut, wie sie Matthäus berichtet (Mt. 4,18-21). Jesus sieht Petrus und seinen Bruder und sagt: „Folge mir nach“ (mehr nicht) und die beiden lassen ihre Netze liegen und folgen ihm nach. Die Netze, das war ihr Beruf. Die beiden waren bereit ihren Beruf aufzugeben, um Jesus nachzufolgen, um zu entdecken, was er mit ihrem Leben vorhat. Sie waren bereit ihre eigenen Vorstellungen vom Leben aufzugeben und sich auf eine ganz neue Zukunft einzulassen.

3. Jesus beruft – und jetzt?

Die Einladung von Jesus hat das Leben der zwölf Jünger völlig verändert. Keiner dieser Männer hat ein „normales“ Leben gehabt. Diese Männer sind mit Jesus losgezogen und sie haben völlig faszinierende Sachen erlebt. Sie waren dabei, wie Jesus Menschen geheilt und sogar Tote auferweckt hat. Petrus ist sogar selbst auf dem Wasser gelaufen (jedenfalls eine Zeit lang). Sie haben mit eigenen Augen gesehen, wie Jesus einen Sturm zum Schweigen gebracht hat und noch vieles mehr. Die Jünger haben aber auch miterlebt, wie Jesus grausam am Kreuz gestorben ist und sie haben nicht verstanden, wieso. Erst nach einiger Zeit haben sie begriffen, dass das größte Wunder nicht die Sturmstillung oder eine Krankenheilung war. Das größte Wunder war (und ist), dass Jesus am Kreuz gestorben ist und damit alle Schuld vergeben ist. Dass dadurch der Weg zu Gott frei ist.

Und diese Botschaft hat die Jünger dann wirklich angetrieben. Diese Nachricht hat das Leben der Jünger noch einmal völlig auf den Kopf gestellt. Als sie das verstanden haben, sind sie in die ganze Welt losgezogen, weil sie wussten, jeder Mensch muss genau das hören. Jeder Mensch muss hören, dass Jesus am Kreuz gestorben ist und alle Schuld der Welt auf sich genommen hat.

Die Jünger haben das erst für sich ganz persönlich angenommen und es dann weitergegeben.

Abschluss

Je nach Gruppe kann man den Abschluss unterschiedlich gestalten:

Variante 1 – für Teens, die mit dem Glauben noch nicht so viel am Hut haben:

Die Teens bekommen einen Zettel ausgeteilt, der sie mit folgenden Fragen konfrontiert.

  • Warum sind die Jünger Jesus nachgefolgt?
  • Warum folgst du Jesus nach? Warum nicht?
  • Was bedeutet es für dich, Jesus nachzufolgen?

Variante 2 – für Teens, die im Glauben schon ein Stück unterwegs sind:

Die Teens bekommen einen Zettel ausgeteilt, der sie mit verschiedenen Fragen konfrontiert, die sie für sich selbst beantworten sollen. Die Teens können sich über einen Aspekt Gedanken machen, aber auch über alle.

  • Was bedeutet es für dich, Jesus nachzufolgen?
  • Was muss ich aufgeben, um Jesus wirklich ganz nachfolgen zu können?
  • Was hält mich davon ab, manche Dinge in meinem Leben aufzugeben?
  • Was muss passieren, damit ich so wie die Jünger losgehe und anderen von Jesus erzähle?
  • Was wünsche ich mir für mein Leben mit Jesus?

Natürlich können beide Varianten auch gemeinsam im Gespräch erarbeitet werden.

Gott ist Gut?!?

Lied im Gottesdienst

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Er, der mein Herz regiert
Sei mein Fels und sei mein Schutz
Der Quell aus dem ich trink
Oh, er ist mein Lied
Er, der mein Herz regiert
Sei der Schatten, der mich birgt
Mein Retter allezeit
Oh, er ist mein Lied
Du bist GUT, GUT, oh
Du bist GUT, GUT, oh
Du bist GUT, GUT, oh
Du bist GUT, GUT, oh

Sonntag, 09. Januar 2022 – Tote und Verletzte in Brasilien – Felswand stürzt auf Ausflugsboote –

Die Menschen, die ums Leben kamen, waren alle auf dem gleichen Boot, das den Namen „Jesus“ trug.

„Hiobsbotschaft“
Da brauste ein Sturm aus der Wüste heran. Der packte das Haus an den vier Ecken. Es stürzte über den jungen Leuten zusammen. Alle kamen dabei ums Leben. Hiob 1,19

Wie kann Gott angesichts des Bösen und des Leides in der Welt zugleich allmächtig, gerecht und gut sein?

Hiob wird sich bei näherem Hinsehen und einer ernsthaften Auseinandersetzung als ein Trostbuch erweisen. (Rüdiger Lux)

„Und Hiob starb alt und lebenssatt. (Hiob 42,17)

„Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“ (Hiob, Joseph Roth)

Entstehung & Aufbau des Buches Hiob

CHRISTLICHER KANON: Poetische Lehrbücher: Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger, Hoheslied

HEBRÄISCHER KANON: Ketuvim (TaNaK: Tora, Neviím, Ketuvim)

NAME: Ijob איוב„ = Wo ist der (göttliche) Vater? o. „Der von Gott Angefeindete“

URTEXT: Griechisch 2.Jh.v.Chr. Aramäisch 100 v.Chr., Syrisch 2.Jh.n.Chr. Hebräisch 900‐950 n.Chr.

Entstehung des Buches Hiob

Einzigartiges Buch in der Bibel:

  • spielt in Uz, weit weg von Israel
  • alle Charaktere sind keine Israeliten
  • es gibt keine klare historische Einordung

Der Punkt: Der Autor möchte, dass wir uns auf die Fragen konzentrieren, die durch Hiobs Leben aufgeworfen werden.

  • ZEITANGABEN: Fehlanzeige (nachexilisch, 5.‐2. Jhd.v.Chr oder ältestes Buch/Zeit der Erzväter?)
  • GESCHICHTLICHE EINORDNUNG: Fehlanzeige (Verbindung AT: Hesekiel)
  • ORT: Uz („im Osten“: arabische Halbinsel?, Edom?, …)
  • AUTOR: Fehlanzeige (Weisheit, nachexilisch, Prozess)
  • ADRESSATEN: Fehlanzeige
  • TEXTGATTUNG: Poetisches Lehrbuch, Novelle („kleine Neuigkeit“, kurze geradlinige Erzählung mit Ziel) & Dialogdichtung („Drama in Versform“)

Kennzeichen einer symbolhaften Personifaktion
In einer Person wird die Geschichte von vielen erzählt. Hiob als Modell.

Der Aufbau des Buches Hiob

Kapitel 1-2: Prolog –> Erde – Himmel

Kapitel 3-37: Hiob und seine Freunde –> Elihu 19%, Zofar 6%, Bildad 5%, Elifas 13%, Hiob 57% –> 10 Reden, 1 Klage & 9 Antworten incl. Kap. 28 Lied der Weisheit

Kapitel 36-41: Gottes Antwort –> Hiob 8%, Gott 92%

Kapitel 42: Epilog –> Hiob, Gott-Freunde, Gott-Hiob

Insgesamt: Novelle-Rahmen 5%, Poesie-Redeanteil 95%

Der Prolog

  1. Stichwort: Gutes Leben (Segen = Reichtum, Glück), Hiobs früheres Glück –> schuldlos, gerecht, ehrt Gott
  2. Stichwort: Wohlstandsevangelium
  3. Stichwort: … ein geläufiges BILD Hofstaat Gottes
  4. Stichwort: Satan –> Hebr.: Ankläger, Widersacher

„Wo kommst du her? Ich habe die Erde hin und her durchzogen.“ (1,7 + 2,2)

Unterscheidung: verschiedene Formen des Leidens:

a) Von Menschen verursacht
b) Schicksalhaft (Krankheit, Umweltkatastrophe …)
c) Verschiedenste Mischungen von a) und b) (Unfall, Verhalten über Generationen …)

Liebe & Freiheit

  • Gott lässt Leid zu
  • Gegenteil von Liebe ist Kontrolle, nicht Hass!

Warum? Wir nehmen an, das Buch beantwortet die Frage, warum Gott Leid zulässt.

Aber: Das tut es nicht …

Die wirklichen Fragen: Ist Gott gerecht? Regiert er die Welt in Gerechtigkeit?

Rolle von Hiobs Frau

a) Eva‐Rolle als Versucherin, „törichtes Weib“?
b) Fürsorge, wünscht ihm dass er sterben kann? Hiobs „österliche“ Antwort: Das ganze Leben ist eine Mischung aus Freude und Leid, und wir müssen beides akzeptieren.“

Hervorragende Seelsorge der Freunde

  • sehen Hiob
  • leiden und trauern mit Hiob
  • schweigen 7 Tage und Nächte mit ihm
  • „sein Schmerz war sehr groß“

Hiob und seine Freunde

Auftakt im Kapitel 3: Mit Hiob beten lernen

Klage heißt meine Gefühle und Gott ernst zu nehmen Schweigen Gottes aushalten (37 Kapitel sagt Gott nichts!)

Hiobs Diskussion mit seinen Freunden:

1. Ist Gott gerecht? 2. Regiert Gott die Welt nach dem strengen Grundsatz der Gerechtigkeit? 3. Wie kann Hiobs Leiden erklärt werden?

Hiobs Freunde: Menschliche Logik zerbricht

Mechanistisches Weltbild:
Tat – Ergehen (Kausalitätsdenken stimmt und stimmt nicht!)
„Wer Unheil sät, erntet es auch.“ „Der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil.“ Elifas 4,8 + 5,7
Gnadenlose Seelsorge
„Ihr seid Lügentüncher und seid alle unnütze Ärzte“ Hiob 13,4

Grundannahme:

Menschliches Handeln = Weise & Gut –> Erfolg & Belohnung = Gottes Gerechtigkeit Menschliches Handeln = Böse & Dumm –> Unglück & Bestrafung = Gottes Gerechtigkeit

Hiob und seine Freunde

Gefährdungen Hiobs

• Opferrolle, Selbstmitleid
• Selbstgerechtigkeit – späte Erkenntnis: „Darum hab ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.“ 42,3

Hiob: Argument: Ich bin schuldig! –> Folge: Mein Leind ist keine göttliche Strafe –> Schlussfolgerunge A: Gott regiert die Welt nicht in Gerechtigkeit ODER Schlussfolgerung B: Gott ist ungerecht

Die Freunde: Argument: Gott ist gerecht –> Folge: Gott regiert die Welt in Gerechtigkeit –> Schlussfolgerug: Hiob „muss“ gesündigt haben

Gottes Antwort

Richard Rohr:
„Unser grundlegendstes theologisches Problem besteht darin, dass Gott Gott ist und wir nicht. Die meisten von uns regen sich im Grunde furchtbar darüber auf, dass sie nicht Gott sind. Es macht uns fertig, dass irgendjemand anders als wir die Fäden in der Hand hat, dass wir nichts weiter sind als Geschöpfe.“

Warum gibt es Leid in der Welt? –> Wir leben in einer wunderbaren Welt, die im Moment nicht dazu ausgelegt ist, Leid zu verhindern.

Hiob: Du bist ungerecht –> Gott: Du bist nicht in der Position, mich anzuklagen

Hiob: Ich verlange eine Erklärung! –> Gott: Ich lade dich ein, meiner Weisheit zu vertrauen

Hiob und sein Bruder Christus

Gott durchbricht endgültig den Zusammenhang von Tat‐Ergehen
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen …“ Psalm 22 & Mt 27,46

Philipper‐Christushymnus Phil 2,6‐11

Jesus ist das Ineinanderfallen der Gegensätze: Ein unendlicher Gott, der die Endlichkeit angenommen hat.

„Wenn wir wirklich einen schmerzlichen Verlust erlitten haben, verlieren Aussagen wie: ´Gott hat einen größeren Plan´ ihren Sinn.“

Der Epilog

Hiob – eine Bekehrungsgeschichte

Hiob hat neu gelernt zu glauben, zu vertrauen in allem Widerstand, in aller Klage – zuletzt in aller Demut.

Das Hiobbuch ist in hohem Maß riskant: Gott riskiert Hiob zu verlieren. Hiob riskiert Gott zu verlieren.

Aber Hiob hat gelernt: Ein Abschied von Gott löst nicht die Probleme


Hiob – Eine Einladung, Gottes Weisheit zu vertrauen

Hiob 19,25: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.

Hiob 28,20 ff: Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht? … Gott weiß den Weg zu ihr. … Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht

Jesus nimmt schon zu seiner Geburt alles mit, was sich an Chaos, Krisen und Katastrophen bietet

Wenn ich die Wahl habe, mag ich es eigentlich ganz unkompliziert. Gut, ich habe keine Angst vor Problemen – wobei ich sie lieber „Herausforderungen“ nenne, weil ich das motivierender finde. Das etwas schwierig werden könnte, kann mich aber nicht von meinen Ideen abhalten. Das Komplett-Paket, dass Jesus schon alleine zu seiner Geburt an Chaos, Krisen und Katastrophen mitnimmt, ist allerdings auch für mich eine ganz besonders große „Herausforderung“ und hätte mich schon zum Nachdenken gebracht.
Natürlich wissen wir, dass alle Begleitumstände rund um die Geburt kein Zufall waren, sondern in ihrer Bestimmung schon von Zeitrechnung an ein besonderes Ziel verfolgen. Inmitten der stimmungsvollen, emotionsgeladenen Advents- und Weihnachtszeit, in der wir so nach „Liebe“, „Besinnlichkeit“ und „Perfektion“ streben, kann dieses Wissen aber schon mal unter den Tisch fallen. Es kann uns sogar etwas unangenehm sein, dass sich unsere romantische Vorstellung mit dem Baby in der Krippe schlecht unter einen Hut bringen lässt mit der kalten schmerzhaften Realität eines Neugeborenen, das von der jungen Mutter ohne irgendeine (geschweige denn medizinische) Unterstützung auf die Welt gepresst wurde – und dazu statt in einem weichen Bett in einer dreckigen Futterkrippe seine erste Schlafstätte fand. „Holder Knabe“? Das stelle ich mir aber anders vor …

Zu den Bibeltexten:

Lukas-Evangelium

Wer der Verfasser des Lukas-Evangeliums ist, lässt sich nicht genau sagen. Einige sind sich sehr sicher, dass es sich dabei um einen Arzt namens Lukas handelte, der als enger Mitarbeiter des Paulus viel gesehen, erfahren und gehört hat. Andere bezweifeln diese These deutlich. Zwar erkennen auch diese Wissenschaftler an, dass es sich zweifellos bei dem Autor um einen sehr gebildeten Mann gehandelt haben muss – aber gerade in der Verwendung der medizinischen Fachbegriffe bleibt der Autor stets im Bereich des Allgemeinwissens. Aufgrund seiner Ausdrucksweise scheint der Verfasser jedoch nicht nur umfassende Kenntnisse im Bereich jüdischer Traditionen, sondern zudem auch eine griechische (Aus-)Bildung genossen zu haben, die ihm andere Blickwinkel auf Fragen von Wissen, Kultur und Werte ermöglichte. Dass das Lukas-Evangelium im Bereich 90 n. Chr. entstanden ist, darüber sind sich die meisten Wissenschaftler einig.
Im Lukas-Evangelium gehört die Geschichte von der Geburt Jesu zu einem der wichtigsten Erzähl-Stränge neben der Passions- und Ostergeschichte. In keinem anderen Evangelium wird so ausführlich über die Geburt und die frühen Jahre Christi geschrieben.

Matthäus-Evangelium

Die Frage nach dem Autor des Matthäus-Evangeliums scheint ebenso unklar zu sein wie die bei Lukas. Es gibt Stimmen, die in Matthäus den ehemaligen Zöllner Levi sehen, der quasi aus direkter Erfahrung heraus seine Eindrücke über Jesus zusammengeschrieben hat. Andere halten das für sehr unwahrscheinlich und vertreten die Meinung, dass sich hinter dem Autor ein anonymer gebildeter Christ steht, dem man erst nachträglich die Rolle des Matthäus zugeschrieben hat.
Aufgrund des Aufbaus des Evangeliums, dem Umgang mit den jüdischen Texten im Alten Testament und der Verwendung von Symbol(zahlen) wird es als wahrscheinlich angesehen, dass es sich bei dem Verfasser um einen Schriftgelehrten gehandelt haben könnte, der für eine judenchristliche Gemeinde geschrieben hat.
Immer wieder, auch in den Geschichten rund um die Geburt Jesu, gibt es literarische Rückbezüge auf AT-Texte, die verdeutlichen sollen, dass Jesus der von den Juden erwartete Messias ist.

  1. Text: Lukas 1, 26–28 Maria erfährt, dass sie schwanger werden wird
  2. Text: Matthäus 1, 18–25 Josef möchte Maria verlassen, bleibt nach Gottes Botschaft
  3. Text: Lukas 2, 1–20 Maria und Josef sind „Binnenflüchtlinge“, Geburt & Stall
  4. Text: Matthäus 2, 13–23 Die Familie flieht nach Ägypten, sind Flüchtlinge in der Fremde

Auslegung

Es ist zutiefst menschlich, dass wir uns gerade um schutzbedürftige Wesen kümmern. Besonders Babys mit ihren großen Augen, ihrer Hilflosigkeit und ihrer ganzen Art rühren unsere Herzen – nicht nur wenn wir selber (ihre) Eltern sind, sondern grundsätzlich. Auch viele Tierbabys sind in der Lage, „harte Herzen“ zum Schmelzen zu bringen und Menschen zum helfenden Handeln zu bewegen.
Weil wir Menschen so geschaffen wurden, fällt es uns besonders schwer zu ertragen, wenn diesen zarten unschuldigen Wesen Gewalt angetan wird, sie Not erfahren und dem Leid begegnen. Gleichzeitig haben wir kein Problem damit, die offenkundige Notlage des neugeborenen Jesus auszublenden und der Geburt im Stall sogar noch einen romantischen Deckmantel zu verpassen.
Die Liste der Gründe, warum es diese kleine, heilige Familie bereits von Anfang an schwer hatte, ist irre lang:

  • die emotionale Situation zwischen Josef (der seine Maria fast verlassen hätte) und seiner Verlobten
  • das Gerede der Menschen in der Heimat, die die Schwangerschaft sicher schon längst bemerkt hatten
  • die Anstrengungen auf dem langen Weg von Nazareth nach Bethlehem
  • die Angst einer jungen Frau vor der Geburt
  • die Schmerzen einer Geburt ohne (medizinische) Hilfe

Und sie ist ja mit der Geburt nicht vorbei:

  • die Anstrengungen der Flucht nach Ägypten
  • das Leben in der Fremde
  • die Ungewissheit wie es weitergeht

Das Leben hätte definitiv freundlicher mit dem Sohn Gottes umgehen können. Auf der anderen Seite wird genau auf diese Weise der Grundstein gelegt für das, was Jesus ausmacht: Er KENNT deine Not, weil er selber Not gelitten hat.
Er KENNT deine Angst, weil er selber Angst erlebt hat.
Er KENNT deine Träume, weil er selber geträumt hat, damals als Kind in der Freme: von einem Leben frei von Angst und dafür voll von Freude. Jesus kennt das Leben mit all seinen Schattenseiten, mit seinem Hass, mit seiner Verlogenheit – und hat trotzdem nie aufgehört zu lieben, den Menschen in Liebe zu begegnen, die Menschen zur Liebe zu ermutigen.
Ich hätte mir sehr gut überlegt, ob ich mir dieses „Komplett-Paket“ zugemutet hätte, dass bereits von Anfang an voll war mit Chaos, Krisen und Katastrophen – aber für Jesus war es der einzige Weg um dorthin zu kommen wo er hinwollte: in dein Leben, in dein Herz.

Ablauf:

Einstieg

• gemeinsam singen und beten
• Collagen aus vorhandenen Zeitschriften/Werbeblättern zu der Frage: Was verbinde ich mit Weihnachten?
• Austausch zu den erstellten Collagen

Hauptteil

  • Austausch zu den Fragen: „Was verbindest du mit …
    1. … Teenagerschwangerschaft
    2. … Flucht
    3. … Ausgrenzung
    4. … Lebensgefahr
    5. … Heimatlosigkeit
    6. Wo steckt darin Weihnachten?
  • Verteilen der Bibelstellen und lesen
  • Austausch zu den Fragen:
    • Was steckt hier „Schweres“ drin?
    • Was hat Jesus damals schon erlitten?
    • Wo hat Jesus damals schon Gutes erlebt?

Schluss

  • Auslegung
  • Abschlussgebet

Bibelarbeit zur Jahreslosung 2023 (1. Mose 16,13)

Ziemlich am Ende

Verzweifelt, ausgepowert, einsam, mittellos und auf sich allein gestellt, sitzt Hagar mitten in der Wüste der Halbinsel Sinai. Glücklicherweise hat sie eine Oase gefunden, so dass sie sich stärken kann. Hagar fühlt sich ausgenutzt, gemobbt, verraten und total elend. Sie ist am Ende ihrer Kräfte und obendrein noch schwanger. Die Einsamkeit und Verlassenheit der Wüstenlandschaft spiegelt ihre innersten Gefühle. Zu kraftlos, um wütend zu sein. Scheinbar endlose Traurigkeit überfällt sie. Doch wie ist es so weit mit ihr gekommen?

Um Hagars aktuelle Situation zu verstehen, müssen wir ein Stück in der Geschichte zurückschauen (1. Mose 12 ff):
Es geht um Hagar, Sara und Abraham. Hagar ist die persönliche Sklavin von Sara. Es geht um Kinderlosigkeit, ausgebliebene Erben, fehlendes Vertrauen, Angst und um Gottes große Möglichkeiten. Es geht darum, dass Gott sich um jeden kümmert, besonders um die, die am Ende sind.

Text lesen: 1. Mose 16,1–16

Problem und Vorgeschichte

Gott verheißt Abraham und Sara einen leiblichen Sohn.

Gott hat Abraham beauftragt, in ein unbekanntes Land zu ziehen. Abraham ist gehorsam und geht mit allem was er hat los, obwohl er das Ziel nicht kennt. Er hat viele Knechte und Mägde, die für ihn und Sara arbeiteten, manche sind Sklaven, so auch Hagar. Sie ist Saras persönliche Magd. Außerdem hat er viele Tiere und ist reich an Silber und Gold (1. Mose 13,2).

Gott zeigt Abraham eine geniale Perspektive auf:

„Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle (Geschlechter) Generationen auf Erden.“ (1. Mose 12, 2+3)
Daran erinnert sich Abraham später, als er schon lange mit Gott unterwegs ist und viel mit ihm erlebt hat. Gott spricht erneut zu ihm. Er erinnert Abraham daran und bestätigt ihm, dass ER selbst sein „Beschützer und sehr großer Lohn ist“.

Abraham ist inzwischen älter geworden und es scheint, dass er müde geworden ist. Der verheißene Erbe bleibt aus.Und so reagiert er auf Gottes Worte resigniert: „Herr, was willst du mir geben? Ich habe keine Kinder und keine Erben….wo soll das große Volk herkommen, das du mir verheißen hast? Letztendlich wird irgendeiner meiner Knechte meinen Reichtum erben und man wird mich vergessen!“. Abraham ist k.o. Aber Gott verspricht ihm wiederholt einen leiblichen Sohn. Er nennt sogar schon seinen Namen: „Isaak“.

Gott möchte, dass Abraham und Sara ihm vertrauen, aber Gottes Zeit ist noch nicht gekommen. Beide sind schon über 90. Wie sollte jetzt noch ein leiblicher Sohn geboren werden? Sara ist längst über die Wechseljahre hinaus und Abraham steht auch nicht mehr in voller Blüte. Aber wieder sagt Gott ihm zu, dass seine Nachkommen so zahlreich sein werden, wie die Sterne am Himmel – unzählbar! Abraham glaubt seinem Gott, auch wenn es ihm in diesem Alter sicher schwer fällt.

Ungeduld und fehlendes Vertrauen

Mittlerweile ist Sara ungeduldig geworden, denn ihre Lebenszeit läuft ab. Deshalb nimmt sie nun selbst das Heft in die Hand. Frauen sind ja manchmal etwas praktischer und weitsichtiger veranlagt. Doch diesmal denkt sie zu kurz und vertraut Gott nicht.

Durch ihre Ungeduld drängt sie Abraham dazu, mit ihrer Magd Hagar zu schlafen. Sara hat folgende Idee: Hagar würde quasi zur Leihmutter werden und den ersehnten Nachkommen zur Welt bringen. Und so geschieht es: Abraham lässt sich überreden, geht mit Hagar ins Bett und siehe da: sie wird schwanger. Nach 9 Monaten kommt der ersehnte Nachkomme zur Welt: „Ismael“ (hebr. „Gott erhört“).

Auch wenn Hagar nur eine Sklavin ist, so ist sie dennoch mit diesem Deal einverstanden. Sie würde dadurch Abrahams Nebenfrau und somit in der Hierarchie aufsteigen. Ihre spätere Reaktion Sara gegenüber bestätigt dies. Denn als Hagar merkt, dass sie von Abraham schwanger ist, triumphiert sie über Sara, ihrer Herrin. Sie weiß ja, dass Sara keine Kinder bekommen kann. Als Mutter und als Nebenfrau Abrahams würde sie nun mehr Anerkennung finden. So denkt sie…
Im Bibeltext steht dazu (1. Mose 16,4) : „Als sie nun sah, dass sie schwanger geworden war, achtete sie ihre Herrin gering.“ Hagar, die ehemalige Sklavin, wird übermütig – und Sara wird stinksauer. Das Verhalten ihrer Sklavin passt Sara überhaupt nicht, also beschwert sie sich bei Abraham. Er erlaubt ihr, Hagar zurecht zu weisen und ihr die Meinung zu sagen.

Ungehorsam und Schuld mit Rattenschwanz

Gott gefällt diese ganze Sache nicht. Er hat Abraham und Sara einen leiblichen Nachkommen verheißen und nicht einen Nachkommen von einer Leihmutter. Es soll ein echter, leiblicher Nachkomme sein. Gott will letztlich, dass Sara und Abraham ihm voll und ganz vertrauen. Diese Idee Saras ist gründlich in die Hose gegangen. Durch ihren Ungehorsam und das fehlende Vertrauen hat sich viel Schuld bei Sara und Abraham angesammelt:
• Sie haben Gottes Verheißung nicht mehr vertraut
• Sie reagieren selbst und werden ungehorsam
• Sie bedienen sich aus Verzweiflung einer Leihmutter und ziehen eine unschuldige junge Frau mit hinein

Die Folge: Unfrieden

• Hagar nutzt ihre neue Stellung und erhebt sich über ihre Herrin
• Sara demütigt Hagar aus Eifersucht.
• Durch Ungehorsam und Vertrauensverlust Gott gegenüber entsteht auf beiden Seiten viel unnötiges Leid.
Hagar ist letztendlich die Benachteiligte. Ihre Situation ist durch Menschen, die zu Gott gehören, aber schuldig geworden waren, herbei geführt worden.

Kleine Gesprächsrunde:

• Wo bin ich an anderen schuldig geworden, weil ich eigene Interessen verfolgt habe?
• Wo bin ich ungeduldig geworden und habe Gott nicht mehr vertraut?

Als Hagar merkt, dass sie nicht als Nebenfrau Abrahams anerkannt wird und Sara sie demütigt, sieht sie keinen Ausweg mehr und flieht sie in die Wüste. Sie läuft vor lauter Angst davon – ungeschützt als Frau und obendrein noch schwanger. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Scham, Hilflosigkeit, Bitterkeit und Hass auf Sara und Abraham machen sich breit. Sie ist komplett am Ende. Kein Licht am Ende des Tunnels.

Hier schließt sich der Kreis (siehe Anfang). Hagar sitzt nun mitten in der Wüste im Sinai. Sie fühlt sich so wie sie heißt, denn ihr Name bedeutet „Fremde“ (in Anspielung auf ihre Herkunft: Ägypten).

Hoffnung macht sich breit

Ein Engel des Herrn findet sie in der Oase. Gott ist ihr nachgelaufen. Er kennt sie und weiß genau, was in ihr vorgeht. Gott hat sie im Blick und interessiert sich für sie. Der Engel fragt woher sie kommt und wohin sie will. (Hier wird deutlich, dass Gott auch die Menschen im Blick hat, die durch Christen oder wie in unserer Geschichte durch Leute Gottes verletzt, gedemütigt oder vergessen werden).
Hagar gibt dem Engel des Herrn ehrliche Auskunft. Sie sagt ihm, dass sie Saras Magd ist und vor lauter Angst weg gelaufen ist. Der Engel hört ihr zu und empfiehlt ihr, wieder zurück zu gehen. Und er macht ihr eine große Ankündigung (1. Mose 16,11): „Der Herr hat dein Elend gehört …du wirst sehr viele Nachkommen haben!“ Gott hat dich im Blick. Er weiß um deine ganze verkorkste Situation, für die du selbst am wenigsten kannst. Gott sieht deine große Verzweiflung und Traurigkeit. Er hat dich gehört. Deshalb sollst du deinen Sohn „Ismael“ nennen, das heißt „Gott hört“.
Wow!! Plötzlich keimt Hoffnung in ihr auf, und Hagar erlebt einen lebendigen und fürsorglichen Gott. Sie bekommt neuen Mut und Zuversicht, denn sie erkennt, dass dieser Gott 100 Prozent vertrauenswürdig ist. Das kannte sie von den vielen Göttern ihrer Heimat Ägypten nicht.
Deshalb sagt sie voller Dankbarkeit und Hoffnungsperspektive zu Gott: „DU BIST EIN GOTT; DER MICH SIEHT!“ Sie ist nicht mehr allein, denn da ist jemand, der ihre Angst und ihr Elend sieht und sie versteht.

Gott hat jede und jeden Einzelnen im Blick

Gott sieht auch uns. Er läuft uns nach. Weil er ein lebendiger Gott ist, sieht er unsere Hoffnungslosigkeit, Sorge, Angst, Trauer, Verzweiflung und alles, was uns kaputt machen will.
Zur Zeit erlebe ich das selbst und kann nur bestätigen: Gott sieht mich! Er sieht meine Sorgen und Probleme. Vor 8 Monaten ist mein Ehemann Michel verstorben. Wir waren ein gutes Team und gingen viele Jahre gemeinsam durch dick und dünn.Von Geburt an war Michel krank. Durch die Begegnung mit Jesus wurde er ein fröhlicher Christ und konnte seine Behinderung akzeptieren. Er war witzig, freundlich und soweit es ihm möglich war, immer für Jesus im Einsatz – im CVJM, in der Kirche etc. Er war mein Gegenüber und meine zweite Hälfte. Nun bin ich alleine. Wir haben keine Kinder.
Manchmal geht es mir wie Hagar und ich fühle mich einsam und k.o. Und doch erlebe ich jeden Tag, dass Gott mich im Blick hat. Er stellt mir Menschen in den Weg und traut mir neue Herausforderungen zu. Auch wenn ich immer wieder traurig bin, so kann ich doch von Herzen mit Hagar sagen: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ Gott hat mich liebevoll im Blick – in meiner Trauerwüste – und ich darf ihm vertrauen.

Perspektive und Ermutigung:

Hagar geht wieder zurück zu Sara. Wir wissen nicht, wie das Verhältnis der beiden danach geworden ist. Aber Hagar ist im Vertrauen auf Gott gegangen, der ihr in der Wüste begegnet ist. Die Wüstenzeit wird Hagar letztendlich zum Segen.
Auch wenn unsere Umstände noch so schlimm sind oder uns das Weltgeschehen Angst macht, so dürfen wir wissen: Gott hat jeden Menschen unendlich lieb. Er läuft uns nach und interessiert sich für unsere Probleme, egal wie sie aussehen. Gott möchte, dass wir ihm glauben und vertrauen, weil er unser Leben im Blick hat – so wie bei Hagar.

Impulse für eine abschließende Gesprächsrunde:

• Gibt es Situationen in meinem Leben, in denen ich mich so fühle wie Hagar?
• Was hat mir in solchen Zeiten geholfen?
• Wie können wir uns in »einsamen Wüstenzeiten« gegenseitig helfen, ermutigen, stärken?

Wer zulässt, dass Gott zu ihm reden darf und erkennt, dass Gott ihn voller Liebe im Blick hat, der muss keine Angst vor der Zukunft haben. Deshalb können wir mutig in das neue Jahr 2023 gehen in dem Wissen: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“

Von Kamelen und tierisch schweren Entscheidungen

Zum Einstieg: ein Experiment

Sucht eine Freiwillige aus der Gruppe, die bereit ist, sich auf ein kleines Experiment einzulassen. Je nachdem, wie ihr eure Teilnehmerinnen einschätzt, kann es vielleicht auch besser sein, vorher gezielt jemanden zu fragen.

Legt euch im Vorfeld eine Sammlung verschiedener Kisten, Kartons, Taschen etc. zurecht – sie können leer oder voll sein, das spielt keine Rolle, nur zu schwer sollten sie nicht sein. Je nach Größe braucht ihr 12 bis 20 Stück (je kleiner, desto mehr). Außerdem braucht ihr ein schön als Geschenk verpacktes Paket (eher groß).

Die Freiwillige stellt sich vor die Gruppe. Nun werft ihr die Frage in den Raum: „Was ist wichtig in unserem Leben? Was brauchen wir alles zum Leben?“ Für jede Sache, die von den Teilnehmerinnen genannt wird (Essen, Trinken, Freunde, Zuhause, Geld …), drückt ihr der Freiwilligen einen Gegenstand in die Hand; das kann auch jeweils das Mädchen machen, das den Begriff genannt hat. Sammelt immer weiter, so dass die Kandidatin mit der Zeit ordentlich Mühe hat, alles festzuhalten und zu balancieren. Wenn die Antworten langsam versiegen, animiert noch mal mit Nachfragen: „Was macht das Leben lebenswert? Auf was würdet ihr nicht verzichten wollen?“

Wenn ihr den Eindruck habt, dass sie jetzt wirklich nicht noch mehr festhalten kann, holt ihr das Geschenkpaket hervor und reicht es ihr mit den Worten: „Aber EINE Sache möchte ich dir noch geben, das musst du unbedingt haben – es ist das allerwichtigste im Leben!“

Nun wird es spannend sein zu sehen, wie sie reagiert – ob sie tatsächlich die anderen Sachen alle ablegt, um das Geschenk entgegennehmen zu können.

Zur Auswertung: ein paar Fragen:

  • Wie ging es der Kandidatin bei ihrer Aufgabe? War das am Ende eine Zwickmühle, sich zu entscheiden?
  • Wie hätten die anderen Teilnehmerinnen sich an ihrer Stelle verhalten?
  • Und vor allem: Was könnte das wohl in dem letzten Paket sein – das „Allerwichtigste“?
  • Was müsste drin sein, damit es sich lohnt, die anderen Dinge abzulegen, es also gegen alles andere einzutauschen?

Zum Wundern: eine Geschichte aus der Bibel

Eine Geschichte, in der es genau um dieses „Allerwichtigste“ geht: die Geschichte vom reichen Jüngling (Mk 10,17–27).

Im Grunde hatte er alles, was man sich wünschen kann. Obwohl er noch so jung war, hatte er es wirklich zu was gebracht im Leben: Er war erfolgreich. Er hatte eine Karriere gemacht, von der andere nur träumen konnten. Das Bankkonto war angenehm gefüllt, er konnte sich schöne Urlaube leisten und seinen Freunden großzügige Geschenke machen. Seine Eltern waren stolz auf ihn, und seine Verlobte bewunderte ihn. Eigentlich war alles bestens.

Aber er machte sich Sorgen. Manchmal, wenn er in seinem geschmackvoll eingerichteten Haus saß und nach einem langen Arbeitstag die Füße hochlegte, kroch diese Frage in ihm hoch, die schon lange an ihm nagte. Und er wusste: Solange diese Frage nicht geklärt war, würde er keine Ruhe finden, niemals wirklich glücklich werden. Er hatte so viel geschafft, aber diese eine Frage war immer offen geblieben.

Und dann kam der Tag, auf den er gewartet hatte, der Tag, an dem er seine große Frage endlich stellen konnte: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen? Wie komme ich in den Himmel?“ – Wenn einer diese Frage beantworten konnte, dann Jesus! Noch nie hatte der reiche junge Mann jemanden so klar von Gott reden hören, niemand sonst konnte so faszinierend predigen, niemand sonst schien so viel vom Leben und vom Reich Gottes zu verstehen.

„Das ewige Leben? Nun, du kennst doch sicher die Gebote – du sollst nicht stehlen, nicht ehebrechen, nicht töten …“ – „Ja, ich weiß, natürlich, die kenne ich doch schon von klein auf! Und ich habe mich immer daran gehalten!“ – „Das ist gut“, sagt Jesus, „aber eins fehlt dir: Verkaufe alles, was du hast, gib das Geld den Armen, und folge mir nach.“

Alles? Das geht doch nicht! Wirklich ALLES? Das ist zu viel! Das geht nicht. Das kann er nicht. Das schafft er nicht. Als er das merkt, dreht sich der junge Mann traurig um und geht weg.

Und traurig ist auch Jesus. Weil er sieht, wie dieser arme reiche Kerl mit sich selber kämpft. „Und deswegen“, sagt er, als er die entsetzten Blicke seiner Jünger sieht, „deswegen ist es so schwer für einen reichen Menschen, zu Gott zu kommen, versteht ihr? Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass es ein Reicher in den Himmel schafft!“

Zum Ärgern: ein krasser Anspruch

Eine schlimme Geschichte! Eine der schlimmsten in der Bibel. Kaum auszuhalten, wie das ausgeht. Hier würde sich doch jeder ein Happy End wünschen: dass der reiche Mensch merkt, dass ihn sein Geld nicht glücklich macht; dass er spontan sagt: „Genau! Weg mit dem ganzen Plunder!“, und dann macht er sich auf die Socken und geht mit Jesus mit.

Oder noch viel besser: Jesus ist einfach nicht so anspruchsvoll! Alles weggeben – das ist doch viel zu viel verlangt! Er soll ihm einfach eine leichtere Aufgabe stellen, meinetwegen ein elftes Gebot erfinden, an das der Typ sich dann halten kann, und alles wird gut.

Aber so krass ist Jesus: Auf die existentielle, lebenswichtige Frage dieses Menschen gibt er keine platte, einfache Antwort. Es geht um alles, nämlich das ewige Leben, und deswegen verlangt er auch „alles“. „All in“, könnte man sagen – ganzer Einsatz! Der reiche junge Kerl dachte, er hätte alles und ihm fehlt nur noch das letzte bisschen, das i-Tüpfelchen, die letzten Meter bis zur Ziellinie. Aber Jesus macht ihm klar: Ja, du hast vieles, aber im Grunde fehlt dir alles!

Und warum soll dieser arme reiche Kerl alles loslassen, alles hergeben?

Stimmt vielleicht doch diese alte Befürchtung: Wenn ich Christ werde, darf ich nichts mehr, darf keinen Spaß mehr haben, nichts Schönes oder Schickes besitzen – eigentlich kann ich gleich ins Kloster gehen? Ist es denn Sünde, reich zu sein?

„Sünde“ heißt ja ursprünglich Trennung von Gott – und was ist, wenn mich mein Reichtum von Gott trennt? Wenn all das, was ich habe, mich von dem trennt, was er mir schenken will? „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“, sagt Jesus an anderer Stelle (Mt. 6,21), oder wie Martin Luther es formuliert hat: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Könnte es sein, dass das, woran ich mein Herz hänge, mich von Gott trennt?

In der Geschichte geht es konkret ums Geld, aber es geht auch um alles andere, was ich habe, besitze, im Griff habe, an dem ich (mich) festhalte.

Was könnte das bei mir sein?

Zur Erinnerung: unser Experiment

Erinnert euch an unser Experiment ganz am Anfang: All die Dinge, die wir gesammelt haben, sind wichtig zum Leben und haben ihren Platz – aber am Ende hatte unsere Kandidatin keine Hand mehr frei für das „Allerwichtigste im Leben“. Die einzige Möglichkeit sich beschenken zu lassen bestand darin, erstmal das loszulassen, was sie so fest im Griff hatte.

Der reiche junge Mann dachte, Jesus wolle ihm alles wegnehmen – dabei wollte er ihm alles schenken!

Jesus hat so viel Unglaubliches für uns bereit – wir würden staunen! Aber oft genug haben wir keine Hand dafür frei, weil wir uns an alles mögliche andere klammern.

Da ist all das, was ich ganz alleine auf die Reihe kriegen möchte, all das, worauf ich nicht mehr verzichten will und woran ich mich gewöhnt habe, all das, worauf ich mein Leben aufbaue – und Jesus sagt: Komm, lass mal los, und du wirst staunen, was ich dir alles schenken will. Mir zu folgen macht dich nicht ärmer, sondern du entdeckst erst den ganzen Reichtum von Gottes Welt!

Zum Dampfablassen: eine Austauschrunde

An dieser Stelle könntet ihr den Teilnehmerinnen Gelegenheit geben, auf diese provokante Geschichte zu reagieren, vielleicht zu widersprechen oder sie mit konkreten Beispielen zu ergänzen.

Zum Glück: eine ganz andere Möglichkeit

Zum Glück endet die Geschichte nicht einfach nur in der Sackgasse mit diesem traurigen Schluss, dieser Unmöglichkeit: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr …“ Als die Jünger fragen, wer denn dann überhaupt in den Himmel kommen kann, öffnet Jesus eine Tür, eine Chance, eine Hoffnung: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!“

Gott wünscht uns das Leben und die Freiheit. Wir müssen keine Angst haben, bei Gott zu kurz zu kommen, weil er uns womöglich nichts gönnt. Natürlich dürfen wir Dinge besitzen, aber die Dinge sollen nicht UNS besitzen!

Und deshalb ist es gut, hin und wieder mal zu probieren, ob ich auch loslassen kann. Das kann bedeuten: teilen, verzichten, schenken, nicht haben müssen. Und Gott bitten, mir offene Hände zu schenken – offen zum Abgeben, und dann auch wieder offen zum Empfangen.

Zum Weiterspinnen: Der Weg durchs Nadelöhr

Je nachdem, ob und wie es für eure Gruppe passt, könnt ihr zur Vertiefung auch eines der folgenden Elemente einbauen:

  • Wie es mit dem reichen jungen Mann weiterging, erzählt die Bibel leider nicht: Ist er mit seiner Entscheidung glücklich gewesen? Wem hat er vielleicht von dieser Begegnung mit Jesus erzählt? Hat ihn das Thema weiter beschäftigt? Hat er vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt seine Entscheidung überdacht, sich nochmal um-entschieden? Und hätte Jesus ihm noch eine zweite Chance gegeben?
  • Angenommen, er hätte Jesu Einladung bzw. Herausforderung angenommen, hätte alles aufgegeben und wäre mit ihm mitgegangen … Schreibt (aus seiner Sicht) einen Brief an seine Eltern, in dem er seinen lebensverändernden Entschluss erklärt, oder führt ein Interview mit ihm, wie es ihm mit dieser Entscheidung zum „All in“ gegangen ist.
  • Wenn es für eure Gruppe passt, nehmt euch Zeit, um persönlich zu überlegen: Was trennt mich eigentlich von Jesus? Was hält mich davon ab, ihm mit Haut und Haaren nachzufolgen? Auf was möchte ich nicht verzichten? Was müsste mir ein Leben mit Jesus bieten, damit es sich lohnt, alles auf diese Karte zu setzen? Was würde mir helfen, ihm mehr oder ganz zu vertrauen?

Zum Schluss: ein Gebet

Guter Gott, danke für alles, was unser Leben bunt und reich und spannend und schön macht! Danke, dass du dir mit so viel Phantasie so viel Schönes für uns ausgedacht hast. Du weißt, dass uns diese Dinge manchmal wichtiger werden als du selber, und uns von dem Weg mit dir abhalten.Wir bitten dich um offene Hände und ein leichtes Herz, wenn wir mit dir unterwegs sind. Schenk uns das Vertrauen, dass wir bei dir nicht zu kurz kommen, und die Freiheit, uns ganz auf dich zu verlassen. Zeig uns den Weg durchs Nadelöhr und zum Leben. Amen.

1. Erklärung zum Text

Auf den Weg von Galiläa nach Jerusalem erzählte Jesus zahlreiche Gleichnisse, unter anderem auch das Gleichnis über den verlorenen Sohn. Unser Gleichnis wird mit zwei anderen Gleichnissen in Kapitel 15 verpackt. Die ersten beiden Gleichnisse sollen uns zeigen, wie sehr sich Gott darüber freut, wenn ein schuldbeladener Mensch zu ihm zurückkehrt (siehe Verse 7 und 10). Ebenso geht es auch im dritten Gleichnis um die große Freude des Vaters über die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Doch diesmal handelt es sich beim Verlorenen nicht um einen Gegenstand, sondern um einen Menschen. Das dritte Gleichnis wirft nochmal ein anderes Licht auf die große Liebe Gottes zu den Verlorenen. Um die Situation zu verstehen, beginnen wir mit den Versen 1 und 2. Jesus ist dafür bekannt, dass er keine Berührungsängste mit Zolleinnehmer oder Sünder hat. Es handelt sich hier aus jüdischer perspektive, um verachtete Bevölkerungsgruppen mit denen er sich abgibt. Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, weil sie ein lasterhaftes Leben führen. Sie waren in den Augen der Juden Gesetzeslose, mit denen man keinen Kontakt wollte. Aber Jesus war nicht nur von den sogenannten Sündern umgeben, sondern auch von den Pharisäern. Das waren Schriftgehlehrte, die die Tora in und auswendig kannten und denen die Gesetze sehr wichtig waren. Die gesetzesliebenden Pharisäer können die Sünder daher nicht ausstehen und verstehen nicht, warum Jesus sich mit ihnen beschäftigt. Und da beginnt Jesus mit seinen 3 Gleichnissen.

Im Gleichnis über den verlorenen Sohn gibt es 3 Hauptfiguren: der Vater, der jüngere Sohn und der ältere Sohn.

Der jüngere Sohn verlangt zu Beginn des Gleichnisses seinen Erbteil vom Vater und entscheidet sich, sein Zuhause zu verlassen (V.11-12). Diese Entscheidung, sich vom Vater abzuwenden, führt zu schwerwiegenden Konsequenzen. Von seinem Erbe bleibt schließlich nichts mehr übrig (V.13-15). Er sinkt tiefer und tiefer, bis er hungernotleidend über seine Fehler nachzudenken beginnt. Er bereut, was er getan hat und würde es gerne rückgängig machen. Doch er erkennt, dass er es nicht mehr vollständig rückgängig machen kann und kehrt demütig zum Vater zurück (V.16-20).

Der Vater handelt durchgehend barmherzig, liebevoll und geduldig. Und das sieht man im Gleichnis, wie er dem jüngeren verlorenen Sohn entgegenläuft und ihn herzlich umarmt (V.20). Bevor der jüngere Sohn irgendetwas sagen kann, wird er mit Liebe überhäuft. Ohne Tadel, ohne Wenn und Aber begegnet der Vater dem Sohn. Seine Freude über die Rückkehr ist größer als jeder Groll.

Der ältere Sohn taucht erst später im Gleichnis auf. Er fühlte sich ungerecht behandelt. Er war schließlich der, der den Regeln des Vaters gefolgt ist, nicht sein Bruder. Er war der, der nicht abgehauen ist oder sein ganzes Geld verprasst hat. Eigentlich sollte ihm eine solche Party gebühren (V.25-31).

Der Vater begegnet dem älteren Sohn ebenso liebevoll und barmherzig wie dem jüngeren Sohn. Er lädt ihn ein, sich für seinen Bruder zu freuen (V.31-32).

Springen wir nochmal zurück zu Vers 2. Dort beschweren sich die Pharisäer, dass Jesus sich mit den Sündern abgibt. Und daraufhin erzählt Jesus das Gleichnis vom verlorenen Sohn, wo beide, Pharisäer und Gesetzlose, in einer verschlüsselten Botschaft vorkommen. Der jüngere Sohn soll ein Bild für die Gesetzlosen sein. Der ältere Sohn ist das Bild für die Pharisäer. Beide Söhne wenden sich vom Vater ab, nur auf unterschiedliche Arten und Weisen. Der eine wendet sich vom Vater ab, indem er ein zügelloses Leben führt. Der andere wendet sich ebenso vom Vater ab, indem er die Einhaltung der Gebote über die Liebe stellt. Beide blicken weg vom Vater. Der eine blickt auf sein scheinbar erschwingliches freies Leben (wie die Gesetzeslosen) und der andere klammert sich an die scheinbar freimachenden Gebote (wie die Pharisäer). Doch in Wirklichkeit machen beide Wege nicht frei und tragen schwerwiegende Folgen mit sich. Beide, der Gesetzeslose und der Pharisäer, stehen am Ende als Sünder da. Beide haben ihren Fokus verloren.  Die dritte Hauptfigur des Gleichnisses ist der Vater. Immer wenn von ihm die Rede ist, tritt er als versöhnender liebender Vater auf. Ein Vater, der nicht zuerst an Tadel denkt, wenn sein Sohn etwas falsch gemacht hat. Nein, er ist ein Vater, der seine Söhne überhäuft mit Liebe und Barmherzigkeit. Ohne Wenn und Aber. Er begegnet dem älteren und dem jüngeren Sohn liebevoll und versöhnend. Das bedeutet, Gott begegnet den Pharisäern und den Gesetzeslosen gleichermaßen ohne Wenn und Aber mit all seiner Liebe. Und das möchte Jesus seinen Zuhörern klar machen: Keiner ist ohne Schuld. Nicht einmal die Pharisäer. Aber es gibt Hoffnung für beide. Denn der Vater möchte sich mit beiden Versöhnen.

2. Bedeutung für Heute:

Zunächst finden wir Versöhnung zwischen dem Vater und dem jüngeren Sohn. Blicken wir auf das Handeln des jüngeren Sohns, können wir einiges für unser heutiges Leben lernen. Sein Handeln kann man in 3 Abschnitte teilen:

  1. Sünde: Er wendet sich vom Vater ab. Es folgen im Gleichnis eine Reihe von Fehlschlägen bis hin zu Hungersnot. Auch wir wenden uns oft von Gott ab, gehen falsche Wege und meinen, es selbst besser zu wissen. Am Ende bemerken wir auch, dass so ziemlich viel schiefläuft.
  2. Buße: „Buße tun“ – Was für ein altes Wort. Aber genau das macht der jüngere Sohn. Er erkennt, dass sein Handeln falsch war. Noch mehr, er erkennt, dass er sich von Gott und dem Vater abgewandt hat. Er erkennt, dass es ihm nicht guttut, ohne Gott und ohne den Vater unterwegs zu sein. Wir nennen es oft „schlechtes Gewissen“, wenn wir unser eigenes Handeln bereuen. Am liebsten wollen wir es rückgängig machen, doch wir wissen, dass die Zeit nicht zurückgedreht werden kann.
  3. Versöhnung: Nach der Zeit des Umdenkens folgt ein Fest. Ein Fest? Keine Strafe? Keine Standpauke? Nein, der Vater wartet auf den jüngeren Sohn mit offenen Armen. Und überhäuft ihn mit all seiner Liebe, weil er sich über die Rückkehr freut. Genau diese Liebe kommt uns auch entgegengestürmt, wenn wir unsere Fehler einsehen, wenn wir unseren Blick wieder auf Gott richten.

Schließlich erkennt man auch einen Versöhnungsversuch zwischen dem Vater und dem älteren Sohn. Der Vater sieht, wie verbittert der ältere Sohn die Gerechtigkeit des Vaters kritisiert. Sein Verhalten zeigt, dass am Ende die äußere schön geputzte Fassade bröckelt und die Liebe zu kurz kommt. Auch er benötigt die liebende Hand des Vaters entgegengestreckt. So geht es auch uns manchmal. Wir setzen uns für die Gemeinde ein, gehen jede Woche in die Kirche, sind bei jeder Jugendstunde aktiv dabei und versuchen die 10 Gebote zu halten. Genau in den Momenten, wo wir dann erschöpft von der Arbeit dasitzen und man womöglich keine Anerkennung spürt, genau da fängt es in uns zu brodeln an. Im Gleichnis begegnet der Vater dem älteren Sohn barmherzig und ohne Tadel. Und so begegnet er auch uns in solchen bitteren Situationen. Wir wissen nicht, wie der ältere Sohn sich entschieden hat. Aber ich wünsche uns, dass wir in solchen Situationen mit dem Vater auf die Versöhnungs-Party gehen und feiern. Solch eine Liebe übersteigt menschlichen Verstand.

3. Methodik für die Gruppe

Einstieg: Brainstorming

Ihr könnt gemeinsam Brainstormen und euch mit der Frage auseinandersetzen: „Was ist Versöhnung?“ Die Antworten können auf ein Blatt Papier oder auf eine Flipchart gesammelt werden.

Bibeltext gemeinsam lesen

Entweder liest einer den gesamten Text vor oder man liest der Reihe nach ein paar Verse.

Austausch

In Kleingruppen wird der Bibeltext nochmal gemeinsam gelesen und anschließend wird über folgende Fragen diskutiert (Dauer ca. 30 Min):

  • Wie kommt der jüngere Sohn auf seine neuen Gedanken? Was bewegt ihn? (V. 17-19)
  • Mit welcher inneren Einstellung kehrt er zum Vater zurück?
  • Aus welchen Gründen wird der ältere Bruder zornig? Ist es berechtigt?
  • Sucht alle Verse, in denen der Vater handelt oder redet. Wie reagiert er auf den jüngeren und auf den älteren Sohn?
  • Was war bisher der Tiefpunkt in deinem Leben? Bei welchen „Schweinen“ bist du vorbeigekommen? (finanziell, schulisch, Beziehungskrise, Tod, Glaubenskrise etc.)
  • Wo stehst du gerade in deiner Beziehung zu Gott? Und was hat Gott zu geben, das du bisher noch nicht angenommen hast? (V. 31)

Anschließend kann über die Entdeckungen im Plenum gesprochen werden.

Ergänzendes Material:

  • Falls Begriffe wie Sünde, Buße, Versöhnung, Pharisäer, Gesetz nicht ganz klar sind, kann im Bibelserver nachgeschlagen werden (https://www.bibleserver.com/)
  • Liedvorschläge aus „Feiert Jesus 5“
    • Nr. 73 Guter Vater / Good Good Father
    • Nr. 21 Krüge aus Ton / Broken Vessels
    • Nr. 22 Die Liebe des Retters
    • Nr. 68 Gnade, so wunderbar / This is amazing Grace

Bibelarbeiten werden von mir mit Stuhlkreisen, Moderationskarten und einem dicken Buch auf dem Schoß assoziiert. Aber so muss das nicht sein. Hybride Formate, die digitale Elemente in präsentische Treffen integrieren, bringen neue Möglichkeiten. Bibelarbeiten brauchen kein Buch mehr, die Moderationskarten sind überflüssig. Man muss nicht mal im gleichen Raum sein. Dieser Artikel stellt drei Möglichkeiten vor Bibelarbeiten mit der KonApp zu gestalten.

Was ist die KonApp?

Durch die KonApp können Gruppen einfach und sicher miteinander interagieren und haben kostenlosen Zugang zur Bibel. Die App wird vor allem in der Konfi-Arbeit eingesetzt, kann aber auch in anderen Gruppen und Veranstaltungen eingesetzt werden. Die KonApp wurde von der EKD und der Deutschen Bibelgesellschaft entwickelt. Die KonApp hält die strengen Datenschutzvorgaben der EKD ein und verwendet kein Tracking und keine Analyse der Nutzung der Teilnehmenden.

Mit der KonApp starten

Die Gruppenleitung braucht einen Zugang zum Verwaltungsportal www.konapp.de, diesen erhält sie über die Registrierung Ihrer Institution. Im Verwaltungsportal werden Gruppen erstellt und verwaltet. Die Teilnehmenden bekommen Zugang zur Gruppe in dem sie mit der KonApp einen QR Code scannen oder einen Link zugesandt bekommen. Die Moderation und Steuerung der Gruppe erfolgt durch die Gruppenleitung. Eine ausführliche Anleitung der Funktionen der KonApp finden Sie hier: https://www.konapp.de/service/tutorials.html

Grundsätzliches

Hybride Bibelarbeiten brauchen eine gute Moderation. Den der Wechsel zwischen analoger und digitaler Ebene ist nicht immer selbstverständlich und muss klar angesagt werden. Umfragen, Aufgaben und Nachrichten mit Links müssen von der Leitung erstellt und verschickt werden.

Die digitalen Elemente eignen sich am besten als Brücke in ein Gespräch. Das Gespräch selber ist im persönlichen und präsenten Kontext am besten möglich. Jedoch kann gerade für Jugendliche der 1:1 Chat mit der Leitung ein guter Weg zur persönlichen Vertiefung sein, denn Jugendlichen sprechen über manche Punkte lieber im Chat.

Mit der KonApp lassen sich schnell Gruppen für Events bilden. So kann auch auf Veranstaltungen ein digitaler Austausch entstehen. Der Vorteil der digitalen Kommunikation ist, dass er in der App erhalten bleibt und über die Veranstaltung hinausgeführt werden kann.

Methode 1: Bibel teilen

Die Methode des „Bibel teilens“ setzt darauf, dass die Teilnehmenden selbst einen Text lesen und schauen, was sich in ihnen dazu regt. Kommen Fragen auf? Wird man durch eine Aussage provoziert? Oder identifiziert man sich mit einer Person aus der Bibelgeschichte? Diese Aspekte werden in der Gruppe geteilt und können der Einstieg in ein Gespräch bieten.

Durchführung
  1.  Einleitung: Die Methode wird der Gruppe erklärt, mit Hinweis darauf welche Elemente digital ablaufen werden. Es kann hilfreich sein, eine kurze Hinführung zum Bibeltext zu geben. Was hat Jesus davor mit den Jüngern erlebt? Warum schreibt Paulus diesen Brief an diese Gemeinde?
  • Lesen: Jetzt wird der Text gelesen. Damit alle den Text nicht erst suchen müssen, wird die Bibelstelle in der KonApp gepostet. So haben alle gleichzeitig die richtige Bibelstelle, welche sich durch Antippen öffnet. Zu Beginn liest jemand den Text laut vor. Danach geht jeder für sich den Text durch und spürt dem nach, was in ihm ausgelöst wird.

Tipp: Die KonApp stellt kostenlos die BasisBibel zur Verfügung. Die BasisBibel eignet sich für dieses Format besonders, da sie Kurzerklärungen zu vielen Begriffen bietet. Die Erklärungen können durch Antippen der farblich hinterlegten Begriffe geöffnet werden. Sie helfen sich den Text schneller selbst zu erschließen und in die Welt und Sprache der Bibel einzutauchen.

  • Teilen: Die verschiedenen Reaktionen auf den Bibeltext werden jetzt in der KonApp Gruppe geteilt. Hierbei ist es jedem überlassen, wie viel er von sich preisgibt und was er teilt. Die persönliche Resonanz kann mit dem jeweiligen Bibelvers geteilt werden. Dies funktioniert über das „Teilen“-Symbol oberhalb des Bibeltextes. Hier kann dem Bibelvers noch eine kurze Nachricht mit der Frage oder Reaktion auf diese Stelle hinzugefügt werden. Alternativ können die Reaktionen unter einer Aufgabe gesammelt werden,

Tipp: Jugendliche kommunizieren gerne über Emojis. Diese Symbole können auch bei der schnellen Wahrnehmung der Beiträge helfen. Darum könnte man die Regel aufstellen, dass jeder an den Anfang der Nachricht einen Emoji setzt, der zum folgenden Beitrag passt.

Screenshot Reaktionen

  • Teilen: Nun kann jeder die Reaktionen der anderen sehen und man kann zusammen ins Gespräch kommen. Wo teilt man die Ansichten von anderen? Wo kann man eine Antwort auf eine Frage anbieten? Wo kann man Entdeckungen und Zuspruch teilen?

Tipp: Zur Vertiefung kann bei Fragen das Bibellexikon in der KonApp zu Rate gezogen werden.

  • Gebet: An dieser Stelle schlage ich ein digitales Gebet vor. Die Moderation erstellt in der KonApp eine Aufgabe mit dem Text: „Gemeinsam beten wir. Wir teilen mit Gott unseren Dank und unsere Bitten. Poste dein Gebet – ausformuliert oder in Stichpunkten – als Antwort zu dieser Aufgabe.“ Die Teilnehmenden posten ihre Anliegen. Durch Erstellung der Aufgaben, sind die Gebete nur unter der Aufgabe zu finden und füllen nicht den Gruppenchat.

Methode 2: Klein Klassiker

Die Bibel ist voller Geschichten und niemand kennt sie alle. Für die Fastenzeit 2022 wurde ein Fastenkalender erstellt, der unbekannte Geschichten der Bibel vorstellt. Diese werden jeweils in einem kurzen Video erzählt und zum Nachlesen verlinkt. Darüber hinaus sind Anregungen zum weiteren Gespräch dabei. Ein Beispiel sieht so aus:

Screenshot Fastenkalender oder Mock Up

Weiterführend geht man über eine Umfrage und Aufgabe mit der Gruppe ins Gespräch:

Umfrage: Was war das Schlimmste, dass du gemacht hast, als du wütend warst?
Antworten: Etwas kaputt gehauen, jemanden beschimpft, geschrien, abgehauen, 300 Füchse
mit Fackel losgeschickt, …
Aufgabe: Wut ist ein starkes Gefühl, das auch zerstörerische Kraft entwickeln kann. Aber wie kann man seine Wut gut rauslassen, ohne etwas zu zerstören? Hast du einen Tipp aus deiner Erfahrung?

Sind sie selbst neugierig geworden diese Geschichten zu entdecken? Alle Beiträge finden Sie hier.

Der Fastenkalender funktioniert vollkommen unabhängig von präsentischen Treffen. Damit ein Austausch in der Gruppe zustande kommt, ist es aber hilfreich, wenn sich die Gruppe kennt und ein gewisses Vertrauensverhältnis besteht.

Methode 3: Emojis

Mit Emojis lassen sich Bibelvers und ganze Geschichten nacherzählen. Diese Möglichkeit lässt sich vielfältig in Bibelarbeiten einsetzen:

  • Bibelverse übersetzen: Alle Teilnehmenden oder auch kleine Gruppen übersetzen jeweils einen Vers oder Abschnitt von der Textform in Emojis. Zum Abschluss einer vorangegangenen Beschäftigung mit einem Bibeltext kann die Aufgabe verfeinert werden, in dem die Emojis die Bedeutung des Textes für heute hervorheben sollen.
  • Ratespiel: Jede Kleingruppe bekommt einen Bibelvers zugewiesen, der übersetzt werden soll. Die Emojis werden für die anderen Gruppenteilnehmenden in der Gruppe gepostet und diese müssen erraten, welche Aussage der Vers macht. Dies eignet sich gut für thematische Betrachtungen bei denen über mehrere Bibelstellen gesprochen wird.
  • Einstieg für Profis: Die Leitung postet einen Hinweis auf den Bibeltext. Die Gruppe kann raten, um welchen Text es gehen wird.

Weitere Anregungen zum Einsatz der KonApp findest Du hier: https://www.konapp.de/service/einheiten.html

Bei Fragen, Rückmeldungen und zum Teilen neuer Ideen schreibe gerne an: konapp@dbg.de

Licht im Angesicht von Jesus Christus.
Kraft von allen Seiten.
Leiden im Angesicht des Todes.
Ich glaube, dass Gott auferweckt.
Gottes Gnade wird immer lauter – jeden Tag.“


Dieser Auferstehungstext steht in der Bibel. Du kennst ihn nicht? 2. Korinther 4! Zugegeben: im Original stehen dort noch jede Menge mehr Wörter… Der Text ist mit Hilfe einer Methode entstanden, die sich Blackout Poetry nennt. Dabei nimmt man einen bestehenden Text und schwärzt alle Wörter ein – außer denen, die einen ansprechen. Die übrig gebliebenen Worte bilden einen neuen Text ; oft mit überraschender lyrischer Qualität. Blackout Poetry lässt sich mit Zeitungstexten betreiben, aber auch mit Romanen, Gedichtbänden oder eben biblischen Texten.

So funkioniert’s

Zunächst benötigst du einen Text – in unserem Fall eine (kopierte) Seite der Bibel. Du liest ihn grob durch und schaust, welche Worte dich spontan ansprechen oder interessieren. Diese Wörter umrandest du mit einem Bleistift. Schau sie dir bewusst an. Gibt es vielleicht ein Thema, zu dem die Wörter und Satzteile passen? Brauchst du dafür noch weitere Worte oder möchtest du einige der ausgewählten streichen?

Wenn du deine endgültige Auswahl getroffen hast beginnt der spaßige Teil :-). Mit eine schwarzen Filzstift löschst du alle Wörter; mit Ausnahme der von dir ausgewählten. Kleiner Tipp: manche decken die augesuchten Wörter hierfür vorübergehend mit Korrekturband, um sie nicht versehentlich einuzfärben. Alternativ kannst du auch die ausgesuchten Wörter herausstellen, indem du sie umrandest, farblich hervorhebst, etwas daneben malst oder mit einer Linie verbindest (auf diese Weise kannst du auch die Leserichtung beeinflussen).

Wenn du fertig bist kannst du deinen Text mit dem Original vergleichen. Dieser Schritt spielt bei der „normalen“ Blackout Poetry keine Rolle, weil dort der Inhalt des Originaltexts nicht relevant ist und der Text nu als „Wortlieferant“ dient. Bei einem Bibeltext kann es aber spannend sein, den kompletten Text dem „Auswahltext“ gegenüber zu stellen und zu schauen, welche Aussagen sich verstärkt oder verändert haben und welche Aspekte dir vielleicht ganz neu aufgefallen sind. Und dann: teile dein Werk – digital geht das z.b. mit #blackoutpoetry, #plackoutpoem oder #verstvers (steht für „versteckte Verse“). Analog kannst du das gestaltete Papier z.B. aufhängen oder verschenken.

Wir wollen dich ermutigen, diese Methode nicht nur für dich selbst zu nutzen, sondern auch als unkomplizierte und flotte Bibellesemethode z.B. in einem Hauskreis, einer Jugendgruppe oder einem Jugendgottesdienst.

Ja, aber…

…einen Bibeltext streicht man doch nicht durch!
Manche fühlen sich etwas unwohl damit, einen Bibeltext auszulöschen. Wenn es dir auch so geht hilft dir vielleicht folgender Gedanke: die Bibel ist kein heiliges Buch in dem Sinn, dass das Papier oder die Buchstaben unantastbar sind. Die Worte durchzustreichen bedeutet nicht, dass man sie zensier oder den Inhalt ablehnt. Die Textfülle zu reduzieren ist eine Art, sich bewusst auf weniges zu fokusieren. Die konzentrierte Arbeit mit dem Text berührt immer wieder ganz überraschend. Und noch zwei praktische Tipps:
1. Arbeite mit kopierten Texten oder schaffe dir z.B. eine Bible Art Journaling Bibel mit dickerem Papier an, die du bewusst für solche Textintensive Methoden verwenden kannst. Du musst nicht deine Lieblingsbibel dafür verwenden!
2. Wenn es dir dennoch widerstrebt, Wörter durchzustreichen nutze einfach den anderen Weg und markiere nur die Wörter, die dir wichtig sind oder streiche mit einer helleren Farbe durch, die den Originaltext weiterhin lesbar lässt.

was, wenn ich etwas falsch mache?
Das Gute ist: das geht gar nicht! Genau die Worte, die du aussuchst, sind in dem Moment die richtigen. Was einmal durchgestrichen ist kannst du nicht wieder zurückbringen – das ist eine gute Übung gegen Perfektionismus! 🙂

…meine Jugendlichen schreiben keine Gedichte!
Bist du sicher? Ich kann mir vorstellen, dass du keine Begeisterung erntest, wenn du sie mit Stift und Papier in den Wald schickst und beauftragst, vier Verse im Kreuzreim über den Sonnenuntergang zu schreiben. Aber das Gute bei Blackout Poetry ist: hier kreieren wir Gedichte, ohne dass Reimschemata oder Grammatik eine Rolle spielen – und ohne ein einziges Wort schreiben zu müssen! Man muss nur Worte wegnehmen und löschen und hat auch nur die Worte zru Verfügung, die eben da sind. Probier es einfach selber mal aus – wenn es DIR Spaß macht bin ich ziemlich sicher, dass auch deine Teilnehmenden sich darauf einlassen! Helfen kann auch, wenn du im Vorfeld klar kommunizierst, was mit den Ergebnissen passiert – z.B. dass alle ihren Text nur zeigen, wenn sie das möchten, oder dass ihr die Texte anonym zur Betrachtung auslegt.

Das Leben ist nicht immer einfach. War es nie und wird es nie werden. Das gilt auch für Menschen, die in einer ganz besonderen Weise mit Gott verbunden sind. Galt auch für Simson, eine sehr streitbare Person, über die wir im Buch der Richter lesen können. Von Gott mit besonderer Stärke gesegnet, aber zugleich jähzornig – und hübschen Frauen verfallen. Aber der Reihe nach …

Wir lesen von Simson im Buch der Richter. In diesem biblischen Buch geht es um die Geschichte des Volkes Israels in der Zeit, nachdem sie das Land Kanaan eingenommen hatten bis hin zu dem Zeitpunkt, als das Volk mit Saul seinen ersten König bekommt. Insgesamt 12 Richter sind es, die über einen kürzeren oder längeren Zeitraum die Geschicke des Volkes lenken – besonders bekannt dürften Gideon, Samuel und Debora sein, letztere übrigens die einzige Frau in dieser Riege.

Es gibt einen Grund-Tenor, dem alle Richtergeschichten folgen: Der Ungehorsam des Volkes Israel gegenüber Gott führt zu seiner Strafe, meist in Form fremder Eroberer, die das Volk unterdrücken. Dem folgt die Errettung durch Gott und eine Zeit der Harmonie, bevor das Volk Israel sich dann erneut abwendet.

Das Besondere an Simson mag sein, dass er genau diesen Grund-Tenor auch in seinem eignen Leben folgt: Nach seiner Erwählung durch Gott entfremdet er sich im Laufe des Lebens immer mehr von ihm und seinen Geboten – bis dahin, dass er sein Geheimnis wider besseren Wissens an eine Frau des Feindes verrät. Er erfährt seine Bestrafung in Form von Gefangennahme, Verstümmelung und Sklavendienst.

Aber Simson erlebt auch eine besondere Form der „Rettung“, denn in seinem Sterben gelingt es ihm, dank Gottes erneuter Hilfe, seiner Berufung gerecht zu werden und noch einmal viele Feinde zu vernichten. So stirbt Simson in der Ausübung seiner Berufung und kann dadurch einiges von dem, was er zu Lebzeiten verbockt hat, wieder ausgleichen und erneut zu Ehren kommen.

Der Text

Richter 15,14–19 (Gute Nachricht Bibel)

Auslegung

Simson wurde als Sohn von Manoach geboren, dessen Frau als unfruchtbar galt und der ein Engel erschien und ihr die bevorstehende Schwangerschaft und Geburt eines Sohnes prophezeite. Dieser Engel machte aber auch deutlich, dass Simson ein gottgeweihter Mensch sein soll, der später genauso einige Regeln zu beachten hatte wie bereits seine Mutter während der Schwangerschaft. Die wichtigste Regel für Simson war später, sich unter keinen Umständen die Haare schneiden zu lassen – seit seiner Geburt wuchsen sie als Zeichen für die Weihe Gottes.

Simsons Beauftragung war, sein Leben dem Kampf gegen die Philister zu widmen – dem Volk, dass damals brutal über das Volk Israels herrschte. Allerdings war es Simson, der sich mit seinen Entscheidungen immer wieder von Gott und seinen Geboten entfernte und so in Schwierigkeiten brachte.

Er heiratete eine Philisterin, was ihn zwar auf die richtige Spur seiner Beauftragung brachte, indem er gegen die Philister kämpfte – und damit ja genau Gottes Plan entsprach. Aber im weiteren Verlauf nahmen seine scheinbaren Fehlentscheidungen Überhand und er entfernte sich immer mehr von Gott.

Simson besuchte Prostituierte, ging Kämpfen gegen die Philister aus dem Weg, verriet sein heiliges Geheimnis seiner gottgegebenen Kraft an seine neue Liebe (ebenfalls einer Philisterin, die ihn aber nach Strich und Faden belog und betrog) – alles Dinge, die ihn von Gott trennten. Und es kam, wie es kommen musste: Die Frau verriet sein Geheimnis gegen Geld und schnitt ihm selbst die Haare ab, so dass die Philister Simson endlich überwinden konnten. Er geriet in Gefangenschaft, wurde geblendet und musste anschließend blind erniedrigende Sklavenarbeit verrichten.

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende: In der Zeit der Gefangenschaft wuchs sein Haar wieder. Als es zu einem großen Fest kam, wo ihn die Philister wieder auf’s Schlimmste verspotteten, bat er Gott noch ein letztes Mal um die unbändige Kraft, die er verloren hatte. Vielleicht ist das der Moment der größten Stärke: die Erkenntnis, dass es immer Gottes Kraft ist, die wirkt – und selbst Simson von Gott abhängig ist. Gott gewährte ihm diese Bitte und in einem letzten dramatischen Akt brachte Simson das Gebäude zum Einsturz, in dem er sich mit mehr als 3000 Philistern befand.

Und in seinem Sterben erfüllte er den Auftrag Gottes, gegen die Philister zu kämpfen, in einem weitaus größeren Maß, als es ihm zu Lebzeiten je gelang.

Was können wir aus dieser Geschichte für uns mitnehmen?

Für mich ist es zum einen ganz klar die Mahnung, dass ich mich niemals „zu sicher“ fühlen darf. Klar, Gott liebt mich – aber wenn ich mich von ihm entferne, nimmt mein Leben unter Umständen einige Wendungen, die mir nicht gefallen werden. Denn das Leben, dass Gott mir verspricht, erlebe ich halt nur an seiner Seite – und nicht, wenn ich mich von ihm abwende. Wenn ich mich also entferne, darf ich mich nicht wundern, wenn es in meinem Leben noch schwieriger wird als es eh schon ist, einfach weil mir Gottes Nähe fehlt.

Eine andere Mahnung ist, dass ich nie vergessen sollte, meine Begabungen und Talente so einzusetzen, wie Gott es geplant hat: ihm zur Ehre und den anderen zur Hilfe/Freude/Unterstützung – aber niemals, um selbst gut dazustehen.

Es schenkt mir aber auch den Trost, dass Gott sich niemals von mir abwenden wird, nur weil ich in meiner Beauftragung versage – nicht einmal, wenn ich es dermaßen provoziert hätte, wie Simson damals. Gott steht zu mir, wenn ich mich ihm zuwende, seine Größe anerkenne und auf ihn vertraue, statt auf mich selbst.

Und Gott kümmert sich um mich, wenn ich im Dienst für ihn an meine Grenzen komme. Er wird mich mit neuer Kraft erfüllen, wenn ich mich schwach fühle und lässt nicht zu, dass ich unter der Last seines Auftrages zerbreche. Darauf darf ich mich verlassen. Heute, morgen und in Ewigkeit. AMEN

Ablauf:

Einstieg

  • gemeinsam singen und beten
  • über folgende Fragen ins Gespräch kommen:
    • Was ist für dich Stärke?
    • Wann ist jemand stark in deinen Augen?
    • Was ist deine Stärke?
    • Kann auch Schwäche eine Stärke sein?

Hauptteil

  • Steckbriefe verschiedener „starker“ Persönlichkeiten lesen (z. B. Anne Frank, Desmond Tutu, Angela Merkel, Mutter Theresa, … aber auch Menschen aus der Region: Pfarrerin, Küster, Bestatter, …)
  • miteinander ins Gespräch kommen:
    • Was macht diese Personen zu „starken Persönlichkeiten“
    • Was ist die jeweilige Stärke dieser Menschen?
    • Kann man als starke Persönlichkeit auch Schwächen haben und darunter leiden?
  • Gemeinsames Lesen des Bibeltextes
  • Farbliches Markieren des Textes:
    • Wo ist Simson stark? (Farbe 1)
    • Wo ist Gott stark? (Farbe 2)
    • Was macht Simson stark? (Farbe 3)

Schluss

  • Auslegung
  • Austausch: Wo hat Gott mir schon einmal Kraft geschenkt?
  • Abschlussgebet mit Dank über das bereits Erlebte

Bibelarbeit zur Tempelreinigung

1. Einführung

Seid ihr schonmal so richtig ausgerastet? In welchen Situationen ist das passiert? Auch Jesus kann richtig ausrasten und um diese Geschichte aus der Bibel geht es heute.

2. Bibeltext gemeinsam lesen

Gute Nachricht, Johannes 2,13–22; evtl. Begriffe/Fragen klären

3. Gesprächsimpulse

  • Die Menschen im Tempel konnten sich gar nicht auf ihr Gebet/ihr Gespräch mit Gott konzentrieren. Geht es dir auch manchmal so? Was für Situationen kommen dir in den Sinn?
  • Gott möchte, dass wir ihn von ganzem Herzen lieben. Dazu gehört auch, dass wir uns wirklich Zeit (für ihn) nehmen, dass wir von ihm lernen wollen. Was kannst du tun, um fokussierter zu werden?
  • Wie verhält man sich im Tempel/in der Kirche? Wie verhältst du dich? Wie möchtest du, dass andere sich verhalten?
  • Jesus ging auf einen der Geldwechsler zu und stieß den Tisch um. Das ganze Geld rollte auf den Boden. Er ging zum nächsten Händler und stieß auch seinen Tisch um. Die Händler und Geldwechsler waren so überrascht, dass sie nicht wagten, Jesus aufzuhalten. Kannst du die Reaktion der Händler nachvollziehen? Wie hättest du dich verhalten? Was geht wohl in den Händlern vor?
  • Als nächstes nahm Jesus eine Peitsche aus Stricken und trieb damit die Tiere zum Tempel hinaus. Das war ein Chaos. Die ganzen Schafe blökten laut und drängten zum Ausgang. Jesus öffnete die Käfige von den Taubenhändlern, so dass die Tauben in die Freiheit fliegen konnten. Kannst du Jesu krasse Reaktion verstehen? Wann ergeht es dir mal so, wie es Jesus im Tempel ergangen ist?

4. Auslegung

Die vielen Händler*innen und Geldwechsler*innen kamen nicht in den Tempel, weil sie Gott von ganzem Herzen liebten. Sie liebten nämlich noch etwas anderes sehr: das Geld. Sie wollten viel Geld verdienen. Hier gab es eine gute Möglichkeit. Jede*r schrie laut, um die Leute auf seine Tiere aufmerksam zu machen. Jede*r wollte, dass die Leute bei ihm/ihr kauften oder Geld wechselten. Die Menschen, die hierher gekommen waren, um Gott anzubeten, fanden gar keine Ruhe. Sie konnten kaum in Ruhe beten, denn überall waren Händler und Tiere und es war ein richtiger Lärm dort. Sie versuchten, sich zu konzentrieren, aber sie wurden immer wieder abgelenkt.

Jesus sah, wie es den Leuten im Tempel ging. Er schaute sich um und er wurde richtig zornig, denn eigentlich war hier das Haus Gottes. Aber jetzt war es ein richtiger Marktplatz. Jesus ging auf einen der Geldwechsler zu und stieß seinen Tisch um. Das ganze Geld rollte auf den Boden. Er ging zum nächsten Händler und stieß auch seinen Tisch um. Die Händler und Geldwechsler waren so überrascht, dass sie nicht wagten, Jesus aufzuhalten.

Als nächstes nahm Jesus eine Geißel aus Stricken und trieb damit die Tiere zum Tempel hinaus. Das war ein Chaos. Die ganzen Schafe blökten laut und drängten zum Ausgang. Jesus öffnete die Käfige von den Taubenhändlern, so dass die Tauben in die Freiheit fliegen konnten.

Jesus wollte nicht, dass etwas zwischen den Menschen und Gott stand. Er wollte, dass die Menschen im Tempel Gott von ganzem Herzen anbeten konnten.

Jesus hatte im Tempel aufgeräumt. Viele Leute hatten das mitbekommen. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten waren wütend. Sie trauten sich nicht, irgendetwas gegen Jesus zu sagen, beschlossen sie, dass Jesus sterben musste. Die Juden im Tempel wunderten sich darüber, dass Jesus sich so etwas traute. „Wieso hast du das Recht, so etwas zu tun?“, wollten sie von ihm wissen. „Gib uns ein Zeichen dafür.“

„Ich werde euch ein Zeichen geben“, erwiderte Jesus. „Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn wiederaufrichten.“ Das verstanden die Juden nicht. Der Tempel war ein riesiges Bauwerk. 46 Jahre lang war daran gebaut worden. Und Jesus wollte ihn in drei Tagen wieder aufbauen? Das konnte doch nicht sein. Aber Jesus sprach von etwas ganz anderem. Er sprach davon, dass er bald sterben würde. Und wenn er gestorben ist, wenn der „Tempel seines Lebens“ abgerissen wurde, dann wird er drei Tage später wieder auferstehen und lebendig sein. Dann werden die Menschen wissen, dass er Gottes Sohn ist und dass er das Recht hat, in Gottes Haus, aufzuräumen.

Jesus räumte in Gottes Haus, dem Tempel, auf und er möchte auch bei dir und bei mir aufräumen. Er möchte, dass wir Gott wieder von ganzem Herzen lieben können.

Wir sind uns der inneren Gegenwart Gottes so oft nicht bewusst und müssen uns immer wieder neu dafür öffnen. Bildlich gesprochen müssen auch wir die Händler*innen, die mit ihrem (Klein-)Kram in unseren Tempel hereinkommen und sich niederlassen wollen, zur selben Tür hinausbegleiten, durch die sie gekommen sind. Es geht dabei nicht um fromme Gefühle, die sind zweitrangig, es geht um die Verbindung mit Gott.

Loslassen kann ich aber nur, wenn ich weiß, dass ich nicht ins Nichts falle. Ich brauche also das Vertrauen, im Letzten gehalten zu sein. Das kann ich nicht einfach machen, aber doch immer wieder einüben und neu versuchen.

5. Spielideen

Standbild: Jesus wirft die Tische um (Personen: Händler, Geldwechsler, Jesus)
Fragen zum Standbild an die einzelnen Personen: Wie fühlst du dich?

Vertrauensübung: Auf Gott vertrauen und sich auf den Glauben besinnen – das ist wie sich fallen lassen. Die Teammitglieder stellen sich zu weit hintereinander. Eine lässt sich nun nach hinten in die Arme ihrer Mitspielerin fallen – evt. sogar mit verschlossenen Augen.

Zick-Zack-Kreis: Alle stehen im Kreis und halten sich fest an den Händen. Jeder zweite lässt sich einmal nach hinten fallen während die anderen sich nach vorne fallen lassen. Anschließend umgekehrt. Die Füsse bleiben unbewegt.

Entspannungsübung: Die Bauchatmung

Kaum etwas ist so effektiv zum Entspannen wie bewusstes Atmen. Diese Übung kannst du im Alltag einfach zwischendurch machen. Oder du nutzt sie als kleines Ritual um runterzukommen, wenn du abends nach Hause kommst.

Atme tief durch die Nase in den Bauch hinein, so dass sich dein unterer Bauch nach außen wölbt. Tue dies ganz bewusst und konzentriere dich darauf, wie sich dein Bauch immer mehr mit frischer Luft füllt. Am besten schließt du dabei deine Augen.

Halte die Luft für einige Sekunden an und atme dann langsam durch den Mund wieder aus. Du kannst ruhig auch einmal dabei schnaufen. Stelle dir vor, wie alle Anspannung beim Ausatmen von dir abfällt.

Wiederhole diese Atmung 5 Mal und zähle dabei deine Atemzüge. Beginne mit 5 und zähle hinunter bis 1. Spüre ganz bewusst, wie du mit jedem Atemzug ruhiger und konzentrierter wirst.

Gebet zur Entspannung:

Schreibe ein Kurz-Gebet/eine Fürbitte auf, dass/die dir hilft, dich zu fokussieren. Vielleicht kann dies auch dein Mantra werden, wenn du mal wieder merkst, dass zu viel Unruhe in „deinem Tempel“ herrscht.

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