Für unsere Vorfahren war es wichtiger, den Säbelzahntiger im Gebüsch zu entdecken, als schöne Blumen zu bewundern. Aber was hat diese Erkenntnis der Evolution mit unserem heutigen Medienkonsum zu tun?
Wissenschaftler*innen sehen darin eine Ursache für das sogenannte Doomscrolling. Mit dieser Wortschöpfung aus dem englischen Wort Doom – das unter anderem Unheil bedeutet – und Scrolling, ist der ständige Konsum von negativen Nachrichten gemeint. Das kann zu einer regelrechten Sucht werden und starke Auswirkungen haben. Doomscrolling verursacht zum Beispiel Angst, Stress und Schlafstörungen, verstärkt psychische Erkrankungen und vermittelt uns allgemein ein negatives Weltbild.
Doch woher kommt das? Unser Gehirn nimmt negative Nachrichten besser auf als positive. Das liegt an unserer Entwicklung. Für unsere Vorfahren konnten Informationen über potenzielle Gefahren den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Heute kann das zu einem ungesunden Umgang mit schlechten Neuigkeiten führen.
Glücklicherweise lässt sich etwas gegen Doomscrolling tun: Zuerst sollte man den eigenen Medienkonsum hinterfragen. Springe ich von einer schlechten Nachricht zur nächsten und geht es mir danach mies? Helfen können feste Nachrichten- und Bildschirmzeiten, ein Digital Detox am Morgen, mehr Aktivitäten in der realen Welt oder der bewusste Konsum konstruktiver Nachrichten. Sucht doch einfach mal gezielt nach „Good News”.
Was sind eure Strategien gegen zu viele negative News?
https://www.wdrmaus.de/hoeren/good-news.php5
Jede Form des Extremismus (z.B. Rechtsextremismus) ist für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit eine Herausforderung, seien es Teilnehmende, die extremistische Aussagen äußern, oder Anfeindungen von außen gegenüber Kirchengemeinden, CVJMs und Jugendgruppen. Daher ist eine Verständigung über den Umgang damit wichtig, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Diese Karten sind als Startpunkt für Diskussionen in Leitungsgremien, mit Jugendlichen, in Mitarbeitendenteams auf Freizeiten, sowie für Interessierte der Kinder- und Jugendarbeit konzipiert. Durch Impulse und Beispielsituationen wird im Laufe des Gesprächs bzw. der Karten dazu aufgefordert, selbst Standpunkte zu bilden und zu beziehen. Außerdem werden mögliche angemessene Handlungsweisen, besonders im Falle rechtsextremistischer Äußerungen oder Anfeindungen, diskutiert.
Hinweise zum Einsatz der Karten:
Wir haben uns dem Thema “Umgang mit politischem Extremismus und Populismus” angenommen.
Zum aktuellen Zeitpunkt sind besonders die Gefahren des erstarkenden Rechtsextremismus bemerkbar, daher fokussieren wir uns in den Beispielen mehrfach auf Rechtsextremismus, was an der aktuellen politischen Lage liegt.
Zudem verlinken wir Methoden und Hinweise, die in der Praxis anwendbar sind. Ausgearbeitet wurden die Karten durch den AK Jugendpolitik im EJW.
Jede Form des Extremismus ist für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit eine Herausforderung, weshalb eine Verständigung über den Umgang damit wichtig ist.
Diese Karten sind als Startpunkt für Diskussionen in Leitungsgremien, mit Jugendlichen, in Mitarbeitendenteams auf Freizeiten, sowie für Interessierte der Kinder- und Jugendarbeit, u.v.m. gedacht.
Durch Impulse und Beispielsituationen wird im Laufe der Denkwerkstatt dazu aufgefordert, selbst Standpunkte zu beziehen und es soll über angemessene Handlungsweisen im Falle extremistischer Äußerungen diskutiert werden.
Selten hat ein Hintergrundtext von mir so den Puls der Zeit berührt wie in diesem Fall. Ich hatte vermutet, dass dieses Thema in der Gesellschaft immer mehr Raum einnehmen würde – aber die Veröffentlichung der Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ehemann Christian Ulmen hat es noch einmal auf eine ganz andere Ebene gehoben. Klar, der Fall Gisèle Pelicot hat die Gesellschaft schon erschüttert – auch hier bei uns. Und trotzdem gab es da immer noch Menschen, die das weggeschoben haben: »Naja, das ist in Frankreich gewesen. Bei uns gibt es so etwas ja nicht!«
Doch schon im letzten Jahr, schon in den letzten Jahren, wurden die Stimmen immer lauter, die gesagt haben: »Doch. Frauenfeindlichkeit gibt es auch hier. Auch in Deutschland erleben Frauen sexualisierte Gewalt. Psychische Gewalt. Sind sie gefährdet. Durch Männer.« Und durch den Mut von Collien Fernandes wurde auf einmal ein heller Scheinwerfer auf etwas gerichtet, was nicht nur unser Bundeskanzler Friedrich Merz mit seiner Stadtbild-Debatte und dem ungelenken »Fragen Sie doch mal Ihre Töchter« gerne ausblenden möchte: Die Gefahr für Frauen geht nicht von Menschen mit Migrationsbiografie, von Zugewanderten oder Geflüchteten aus – sondern von Männern allgemein . Von Männern, die glauben, ein »Recht« auf Frauen zu haben. Egal, ob in einer Partnerschaft oder nicht. Der gefährlichste Ort für Frauen ist das eigene Zuhause und soziale Umfeld. Doch warum ist das so? Versuchen wir eine Spurensuche. Und schauen wir, warum es so wichtig in unserer Arbeit ist, zu diesem Thema sprachfähig zu sein und eine Haltung zu entwickeln.
Die Gesellschaft, in der wir leben, ist seit Jahrhunderten geprägt durch das Patriarchat. Das bedeutet, dass unsere Werte und Normen, die Fragen unserer sozialen Beziehungen durch Männer geprägt werden, die als Väter, Ehemänner und Männer der Gesellschaft diese Verhaltensmuster repräsentieren, einfordern und deren Einhaltung auch kontrollieren.
Das hat z. B. dazu geführt, dass Frauen in Deutschland erst seit 1958 ihren Führerschein machen dürfen, ohne vorher ihren Mann um Zustimmung zu bitten. Arbeiten gehen, ohne vorher darüber nachzudenken, ob das mit den Pflichten von Ehe und Familie zu vereinbaren ist, dürfen Frauen erst seit 1977. Vorher konnte der Ehemann das verbieten. Und erst seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar.
Wir merken also: Obwohl die Frauen seit 1949 laut dem Grundgesetz gleichberechtigt zu den Männern sein und leben sollen, spricht das alltägliche Erleben der Frauen dagegen. Alexandra Zykunov zeigt in ihren Büchern sehr deutlich auf, was Frauen stattdessen durchmachen. Gerade ihr Buch »Was wollt ihr denn noch alles« zeigt anhand von Zahlen und Studien, dass diese strukturelle (weil patriarchal geprägte) Benachteiligung nicht nur z. B. das Risiko von Altersarmut bei Frauen drastisch erhöht, sondern auch ein echtes (Über-)Lebensrisiko darstellt.
Doch diese Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen sind definitiv kein neuzeitliches Problem, sondern ziehen sich durch die Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte. Immer wieder mussten Frauen erleben, dass sie im Vergleich zu Männern benachteiligt wurden – das fing nicht erst beim Zugang zur Bildung an und endete leider auch nicht damit, dass man(n) Frauen um ihre Lebensleistung betrog und z. B. bahnbrechende Erkenntnisse der Wissenschaft für sich beanspruchte. Das Buch »Beklaute Frauen« von Leonie Schöler zeigt an einigen Lebensgeschichten, mit was für Herausforderungen sich Frauen auch schon vor Jahrhunderten herumschlagen mussten. Und manche davon haben die Frauen dann auch das Leben gekostet.
Die Zeit der »Hexenverbrennung« war im Grunde nichts anderes als eine dunkle Zeit der Geschichte, in der Frauen dafür verbrannt wurden, dass sie anders waren: zu laut, zu unangepasst, zu fordernd, zu selbstbewusst, zu wissend … Aber mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte möchte man(n) sich nur ungern beschäftigen – und darum sprechen wir auch heute noch lieber von »Hexenverbrennung« als von »Mord an Frauen«. Die Autorin Tara Luise Wittwer hat sich in ihrem Buch »Nemesis Töchter« intensiv damit auseinandergesetzt. Sie zeigt auf, dass wir es in unserer Gesellschaft sogar schaffen, die althergebrachten Vorstellungen aus der Antike so umzudeuten, dass aus Nemesis und den Furien männerhassende Frauenbilder werden, die mit den ursprünglichen Mythen nichts mehr zu tun haben. Und sie erklärt, warum »female rage« ein wichtiges Gefühl und Instrument ist, um den Zustand der Gesellschaft zu verändern.
Der Zustand der Gesellschaft, das sind wir und was wir (er-)leben. Als Frau gehöre ich lt. www.destatis.de am 07.04.2026 zu den 42,3 Millionen Frauen dieses Landes – die andere Hälfte der Bevölkerung sind die 41,2 Millionen Männer. Wir stellen fest: Der Zensus, dem diese Zahlen zugrunde liegen, ist nach wie vor in der binären (Geschlechter-)Welt unterwegs. Sei’s drum. Frauen machen also etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus.
Aber woran erkennen wir das in der Gesellschaft und der Politik? In einem Bundestag, dessen Frauenquote aktuell bei 32,4 % liegt, sicher nicht. Auffällig ist dabei, wie groß der Unterschied der einzelnen Parteien ist. Während bei Bündnis 90/die Grünen der Anteil bei 61,2 % liegt, sind bei der AfD nur 11,8 % der Abgeordneten weiblich. Und das hat etwas damit zu tun, in welche Richtung sich eine Partei entwickeln will, in welche Richtung eine Partei unser Land entwickeln will.
Es ist keine persönliche Meinung von mir, sondern lässt sich durch zahlreiche Zitate von AfD-Mitgliedern bzw. deren Parteiprogramm einerseits und dem Parteibild von Bündnis90/die Grünen andererseits belegen. Die Grünen tun viel dafür, dass Frauen sich in der Politik engagieren (z. B. gibt es die Regel, dass alle ungeraden Listenplätze bei Wahlen von Frauen besetzt werden und alle Gremien mindestens zur Hälfte von Frauen besetzt sind). Die AfD dagegen vertritt ein Frauenbild, dass sich an dem traditionellen der 1950er Jahre orientiert: Die Frau ist Hausfrau und Mutter, die Gleichstellung von Männern und Frauen wird abgelehnt.
Es gibt also Parteien, die sich stark machen für die Gleichberechtigung der Geschlechter (vor allem Bündnis 90/die Grünen und die Linken) und andere, die ein sehr rückwärtsgewandtes und traditionelles Rollenklischee bedienen (hier besonders die AfD und die Union).
Es ist vermutlich auch kein Zufall der Geschichte, dass es gerade in der Zeit des Nationalsozialismus schon mal eine Rückwärtsrolle bei den Frauenrechten gegeben hat und alle Errungenschaften, die Frauen sich bis dahin erkämpft hatten, zurückgenommen wurden. Und es ist vermutlich auch kein Zufall, dass gerade die Parteien, die sich gegen die Gleichberechtigung von Frauen und Männern aussprechen, auch ein Problem mit Diversität und queeren Lebensrealitäten haben. Das geht sogar so weit, dass sich sowohl von Alice Weidel (AfD) als auch von Jens Spahn (CDU) Zitate finden lassen, sie seien wohl durchaus lesbisch bzw. schwul, aber eben nicht queer.
Und dass ein im November 2022 beschlossener Aktionsplan »Queer leben«, der die Zielsetzung hatte, die Lebenssituation queerer Menschen in Deutschland zu verbessern, von der neuen Bundesregierung direkt wieder eingestampft wurde. Wer sich an die »Zirkuszelt«-Aussage von Friedrich Merz zum CSD 2025 (Christoper Street Day) in Berlin und dem Klöckner-Verbot, dazu eine Regenbogenfahne am Bundestag aufzuhängen, erinnert, wird nicht überrascht sein. Den wird es auch nicht verwundern, dass die CSDs in unserem Land zunehmend in Bedrängnis geraten. Auf der einen Seite stiegen die Zahlen der Angriffe durch rechte Kräfte auf CSDs 2025 auf ein Rekordhoch, auf der anderen Seite kommt aus dem politisch rechtskonservativen Lager zunehmend Gegenwind, wenn z. B. die sächsische Landesregierung dem CSD Dresden das Merkmal einer politischen Versammlung abspricht.
Doch warum ist das wichtig? Es ist wichtig, weil es unser Zusammenleben deutlich verändern wird. Das bedeutet nichts anderes, als dass es Strömungen in unserer Gesellschaft gibt, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollen: Die zurückdrehen wollen, dass sich queere Menschen (und es mag sie überraschen, aber auch Alice Weidel und Jens Spahn gehören dazu!) in der Öffentlichkeit bewegen und als queer erkennbar sind. Und tatsächlich geben jetzt schon immer mehr queere Menschen an, sich in der Öffentlichkeit nicht mehr sicher zu fühlen, weil die Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen immer weiter zunehmen.
Die zurückdrehen wollen, dass Frauen niemandem gehören, sondern selbstbewusst den Raum in der Gesellschaft einnehmen, der ihnen zusteht und zunehmend laut einfordern, dass ihre Themen behandelt werden. Und dass, obwohl Frauen die Hälfte der Bevölkerung in diesem Land ausmachen und es nur unser gutes und im Grundgesetz festgeschriebenes Recht ist, dass wir neben den Männern gleichberechtigt sind. Die zurückdrehen wollen, dass sich die Welt verändert: dass wir frei leben, lieben und glauben, wie wir es wollen. Wir als Frauen, wir als Teil einer queeren Community, wir als Menschen der Gesellschaft. Denn all das bedeutet, dass sich die patriarchalen Strukturen verändern. Verändern müssen. Dass Männer sich verändern müssen. Und auch wenn es im Zusammenhang mit Tätern immer wieder heißt »Not all men« so muss es doch heißen »alle Männer«.
Es muss »alle Männer« heißen, weil alle Männer patriarchal geprägt wurden und werden. Weil alle Männer Teil dieser Gesellschaft sind. Und weil es einfach nicht genügt, nicht selber Täter zu sein. Sondern weil es mehr sein muss: eine männliche Stimme der Gegenrede, wenn frauenverachtend gesprochen wird – auch wenn es »nur ein Spaß« ist. Denn Sprache schafft Wirklichkeit. Eine männliche Stimme, die für Frauen spricht, die bedrängt werden. Die nicht mitmacht, wenn der Kumpel für sein Deepfake-Porno über die Ex gefeiert wird. Die dagegen hält, wenn Incels ihre kruden Gedanken ausbreiten. Die Raum gibt. Frauen ernst nimmt. Betroffenen von sexualisierter Gewalt glaubt. Und nicht fragt, was sie denn getragen haben.
Und auch wir Frauen müssen uns verändern. Dürfen uns verändern. Wir dürfen den Raum einfordern, der uns zusteht. Wir dürfen uns wehren, wenn uns Unrecht geschieht. Wir dürfen laut werden. Wir dürfen Grenzen setzen. Wir dürfen Nein sagen. Und wir müssen laut werden. Für die, die es nicht können. Für die, die ebenfalls Gewalt erfahren. Für die, die anders sind als wir – und ungleich schwerer am Patriarchat leiden. Darum liegt es auch an uns, wie sich die Gesellschaft verändert. Indem wir jene stärken und ermutigen, die ihre Stimme einsetzen für ein gleichberechtigtes Miteinander – und auch selber unsere Stimme erheben, berufen durch Sprüche 31,8: »Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind«. Indem wir nicht nur darauf schauen, Töchter zu ermahnen – sondern auch, Söhne zu erziehen. Indem wir Männer in die Verantwortung nehmen, Veränderungen zu ermöglichen. Patriarchale Strukturen zu verändern, wird am Ende nicht nur den Frauen helfen, sondern allen Menschen zugutekommen.
Stell Dir vor, jemand heißt Dich herzlich willkommen und versperrt Dir gleichzeitig den Weg! Nicht anders ist es, wenn wir online kommunizieren und Barrierefreiheit im digitalen Raum vergessen.
Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites und digitale Dienste so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen genutzt werden können – unabhängig davon, ob sie körperliche oder geistige Beeinträchtigungen haben. Auch ältere Menschen, Personen mit Sprachbarrieren oder temporären Einschränkungen – etwa nach einem Unfall – profitieren davon.
Dazu gehört, dass sich eine Website auf dem Handy automatisch an den Bildschirm anpasst und ausreichend Farbkontrast und logische Struktur vorhanden ist. Untertitel in Videos, Alternativtexte für Bilder und einfache Sprache machen Inhalte zugänglicher.
Wenn Du Dir die Grenzen und den Abbau derer immer wieder bewusst machst, wird es leichter, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken. Vieles ist schnell gemacht und dank KI wird die Umsetzung in Zukunft immer einfacher.
Wer Barrieren abbaut, zeigt: Alle sind willkommen! Ich finde es gerade im kirchlichen Kontext wichtig, dass niemand außen vor bleibt.
Prüfe doch mal Deinen nächsten Post! Wer kann ihn lesen, hören, verstehen – oder eben nicht?
Alle reden über Intelligenz – aber was meinen Psychologie und Informatik eigentlich damit? Für Psycholog:innen heißt Intelligenz: Aus Erfahrung lernen, Probleme lösen, Wissen in neuen Situationen einsetzen.
Einige Menschen sprechen von einer allgemeinen Intelligenz. Andere unterscheiden verschiedene Intelligenzarten – sprachlich, sozial, musikalisch usw. Allerdings: Intelligenz ist immer mit Bedeutung, mit Verstehen verbunden.
Für die Informatik bedeutet ‚Künstliche Intelligenz‘: Muster in Daten erkennen, Wahrscheinlichkeiten berechnen, Zuordnungen vornehmen. Ob regelbasiert oder mit Hilfe von neuronalen Netzen. Die KI versteht weder die Eingaben noch das, was sie ausgibt. Die Antworten haben nur eine bestimmte Wahrscheinlichkeit wahr zu sein.
Das Gehirn versteht Bedeutung. KI erkennt Muster. Beide wirken ‚intelligent‘ – sie funktionieren aber sehr unterschiedlich. Wenn wir von künstlicher Intelligenz sprechen, werten wir den Menschen, der zu echter Intelligenz in der Lage ist ab und stellen ihn mit Maschinen auf eine Stufe, die letztlich nur statistische Berechnungen durchführen. Frage an deine Jugendgruppe: Wann handelt jemand wirklich intelligent – braucht es dafür nicht ein Bewusstsein, besser noch ein Selbstbewusstsein, über das KI-Systeme nicht verfügen?
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8108480
https://www.iks.fraunhofer.de/de/themen/kuenstliche-intelligenz.html
https://www.transcript-verlag.de/shopMedia/openaccess/pdf/oa9783839444689.pdf?utm
Stratmann, J. (2025). Künstliche Intelligenz im interdisziplinären Dialog und ihre Potentia-le für die Hochschullehre aus einer lerntheoretischen Betrachtung. In Preiss, F., Reichle, H. & Wendorff , J. (Hrsg.), Dynamische Hochschule entwickeln – ein multiperspektivischer Ansatz. Waxmann
Wo ist mein Platz in der Gemeinschaft und wie kann ich ihn finden? Wo gerate ich an die Grenzen anderer Menschen und wie gehe ich mit Konflikten um?
Kein Mensch lebt für sich allein. Mit anderen zusammenleben, das bringt große Freude, kann aber auch zu Konflikten führen. Die Einheit widmet sich der Frage, wie Individuen, einzelne Ichs, mit ihren Stärken und Schwächen, Freiheiten und Grenzen zu einer Gemeinschaft finden können und welche Hürden sie auf dem Weg dorthin überwinden müssen. Zusammenleben, das ist sowohl im Kleinen, in der Familie, im Verein oder in Schulklassen als auch im gesellschaftlichen großen Rahmen relevant. Konflikte, so unsere Überzeugung, gehören mit zum Leben in Gemeinschaft dazu. Sie weisen uns auf unsere Grenzen hin, eröffnen aber im besten Fall auch Möglichkeiten, wie wir besser und anders miteinander umgehen können. Deshalb lohnt es sich, dass sich Jugendliche auch mit diesen scheinbaren Schattenseiten der Gemeinschaft auseinandersetzen und daraus Ideen für einen guten Umgang mit ihnen finden lernen. Weil sich über Zusammenleben viel reden lässt, aber zwischen Sagen und Tun häufig ein großer Unterschied liegt, geht es uns um das Erleben. Deshalb werden in dieser Einheit viele erlebnispädagogische Elemente eingebracht. Zwei Wege zur Gemeinschaft scheinen dabei zielführend: der Beginn bei der kritischen Selbstreflexion, die sich vor der Offenlegung von Unvollkommenheiten nicht scheut, und die Einübung in den Umgang mit der Andersartigkeit des anderen.
Vom ersten Tag ihres Lebens an sind Menschen in ein Geflecht von Beziehungen zu anderen Menschen eingebunden. Als Jugendliche sind Menschen dann in der Lage, sich auch kritisch und distanzierend mit dem Beziehungsgeflecht, das sie umgibt, auseinanderzusetzen. Gleichzeitig erleben Jugendliche in ihren unterschiedlichen Lebens- und damit Beziehungskontexten wie z. B. in Schule, Familie und vor allem im Freundeskreis, wie existenziell Beziehungen für ihr Leben sind.
Das Zusammenleben in einer Gesellschaft ist nicht nur harmonisch. Diese Erfahrung bringen auch Jugendliche mit. Täglich erleben sie große und kleine Konflikte mit Eltern, Lehrern, Geschwistern, Freunden. Die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung und die Angst vor dem Gefühl (im realen und virtuellen Leben) nicht dazuzugehören und als Außenseiter oder Außenseiterin nicht akzeptiert und damit sozial isoliert zu werden, kennen sie. Die Erfahrung, sich fremd zu fühlen – in der neuen Klasse, während eines (schulischen) Auslandsaufenthalts, im Umgang mit dem eigenen Körper –, ist für Jugendliche gut nachzuvollziehen. Unserer Erfahrung nach prägen diese Gefühle das Erleben und Verhalten von Jugendlichen stark. Daher greifen die Methoden dieser Einheit auf spielerische Weise diese Erfahrungen auf (Dilemma live). Eng verbunden mit den geschilderten Emotionen ist die Frage, wer man ist und wie man in diese Gesellschaft passt. Weitere Methoden zu diesem Themenkomplex finden sich im Kapitel „Wer bin ich?“. Ein Selbstbild zu formen, das für einen selbst und für die Welt gut ist – auf diesem Wege können Jugendliche begleitet werden. Ein konstruktiver und positiver Umgang mit Konflikten kann dazu beitragen, diese Entwicklungsaufgabe erfolgreich zu bewältigen.
Auch eine Tagung oder Freizeit ist kein konfliktfreier Raum. Unsere Erfahrung ist deshalb, dass bereits vor der Tagung/Freizeit vorhandene Gruppenkonflikte und/oder auf der Tagung selbst entstandene oder entstehende Konflikte stets im Blick behalten und bearbeitet werden sollten.
Die vorliegende Einheit „Leben in Gemeinschaft“ beschäftigt sich mit der Gruppe als Einheit, mit der Zusammenarbeit ihrer Mitglieder und deren Zusammenhalt, aber auch mit ihren Konflikten und Prozessen der Auseinandersetzung. Dabei soll die Sicht des Einzelnen auf die Gruppe und seine Position und Rolle in der Gruppe nicht zu kurz kommen. Voraussetzung dafür ist die Annäherung an die eigene Rolle im Beziehungsgeflecht. Dazu beschäftigen sich die Jugendlichen reflektierend und spielerisch mit ihrem Selbstbild und erhalten Rückmeldung über die Wahrnehmung der anderen (siehe Kapitel „Wer bin ich?“). Sie sollen darüber nachdenken, wie Selbstbild und Fremdbild zustande kommen und ob und inwiefern sie bereit sind, ihr Bild von sich und anderen zu verändern. Ein positives Erleben der eigenen Rolle stärkt auch die Gemeinschaft. Die Frage nach der Rolle oder Position innerhalb der Gemeinschaft kann z. B. durch erlebnispädagogische Spiele bearbeitet werden.
Gruppen, die sich mit dieser Themeneinheit beschäftigen, tun das meist nicht ohne Grund. Häufig brechen auf den Tagungen Konflikte auf, die schon vorher unterschwellig existierten. Die Mitarbeitenden haben die wichtige Aufgabe, Konflikte zur Sprache zu bringen und zu moderieren. Elementar sind in diesem Zusammenhang eine solide Vertrauensbasis in der Gruppe und eine hohe Sensibilität im Erkennen und Thematisieren von Konflikten. Die Lösung von lange schwelenden Konflikten ist im Rahmen einer Freizeit/Tagung in aller Regel nicht möglich. Eine Tagung gibt aber den Rahmen, Dinge zur Sprache zu bringen, damit der Weg der Klärung angetreten werden kann. Aber auch funktionierende und gut zusammenarbeitende Gruppen können von den Bausteinen profitieren, gestärkt und unterstützt werden.
Mitarbeitende stellen mit ihrem Handeln Orientierungspunkte für die Jugendlichen dar. Sie sollten deshalb im Blick behalten, dass ihr Handeln in der Gruppe und damit auch ihr Umgang mit Konflikten von den Jugendlichen sehr genau beobachtet werden. Nicht nur Jugendliche kennen die Angst vor der sozialen Isolation. Auch als Mitarbeiterin und Mitarbeiter möchte man „sympathisch rüberkommen“ und einen Draht zu den Jugendlichen aufbauen. Unserer Erfahrung nach gelingt dies am besten, wenn die Mitarbeitenden dabei authentisch und damit glaubwürdig bleiben. Dies bedeutet auch, als Mitarbeitende zu unseren Schwächen zu stehen und um Vergebung bzw. Entschuldigung bitten zu können.
Manches Mal brechen in außeralltäglichen Situationen wie einer Tagung oder Freizeit bereits im Vorfeld schwelende Konflikte auf. Der Umgang mit diesen erfordert von den Mitarbeitenden ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, kritischer Selbstprüfung (Bin ich der richtige Ansprechpartner / die richtige Ansprechpartnerin?) und Sensibilität für die Bedürfnisse der am Konflikt Beteiligten.
Der christliche Glaube fußt im Vertrauen darauf, dass unser Leben auf eine Gemeinschaft hin ausgelegt ist. Gott sucht den Menschen, weil er in eine Beziehung mit seinem Geschöpf treten möchte. Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Der gemeinsame Glaube an einen sich den Menschen zuwendenden Gott stiftet rückwirkend auch wieder Gemeinschaft zwischen den Menschen. Das Neue Testament findet dafür das Bild eines Leibes mit vielen Gliedern (1. Kor 12). Aber auch innerhalb dieses Leibes, dieser Gemeinschaft gibt es Streit, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. Dennoch hoffen wir darauf, dass es in diesem Leib mit seinen vielen unterschiedlichen Gliedern auch immer wieder Vergebung, Versöhnung, Akzeptanz und einen respektvollen Umgang mit (andersgläubigen) Mitmenschen geben kann, weil Gott, der Versöhnung möglich macht, diesen Leib „zusammengesetzt“ hat.
Leider weckt der Gedanke an Religion im Kontext von Konflikten auch viele negative Assoziationen. Das Thema des Glaubens als Ursache von Krieg und Gewalt sollte deshalb ebenfalls angemessen aufgegriffen werden.
Wir vertrauen darauf, dass gelingendes Leben in Gemeinschaft, trotz aller Unvollkommenheit dieser Welt, möglich ist. Deshalb wollen wir dazu ermutigen, die eigenen Haltungen, Überzeugungen und Handlungen immer wieder kritisch zu reflektieren. Dabei dürfen wir darauf vertrauen, dass Vergebung jederzeit möglich ist.
Die Idee dieser Themeneinheit ist der Weg vom „Ich“ zum gelingenden „Wir“. Jugendliche üben zunächst in einer ersten Phase, Bedürfnisse von sich und anderen wahrzunehmen als essenzielle Voraussetzung für den Umgang mit Konfliktsituationen.
Zunächst wird die Eigenwahrnehmung, die eigene Rolle in der Gruppe betrachtet. Methoden, die das Selbstbild des oder der Einzelnen stärken und ihn oder sie für seine eigene Wahrnehmung sensibel werden lassen, eignen sich deshalb besonders zu Beginn dieser Themeneinheit. Die eigene Rolle in der Gruppe lässt sich besonders eindrücklich bei erlebnispädagogischen Spielen erfahren, die sowohl Zusammenarbeit (z. B. Hausbau der Kulturen) als auch Konflikte (Menschenschach) thematisieren. Auch andere hier nicht erwähnte kooperative oder konfliktlösende Spiele/Übungen aus der Erlebnispädagogik können eingebaut werden. Wir empfehlen den Balltransport oder eine andere kooperative Übung aus der Erlebnispädagogik.
Davon ausgehend wird anschließend in einer zweiten Phase die Wahrnehmung eigener, aber auch fremder Bedürfnisse untersucht, die beim Aufeinandertreffen verschiedener Gruppen durchaus im Widerspruch stehen und zu Konflikten führen können. Das Interkulturelle Mau-Mau eignen sich als Methoden dafür sehr gut. Im Dilemma live kann dann umgekehrt auch hautnah erfahren werden, wie eine Gruppe den Einzelnen beeinflussen kann. Abschließend soll theoretisch im Gespräch und praktisch in Rollenspielen erprobt und reflektiert werden, wie sich Konflikte bewältigen lassen.
Landtagswahl in Baden-Württemberg – und wieder einmal müssen wir über Medien sprechen. Warum? Ganz einfach: Weil junge Menschen heute vor allem online entscheiden, wem sie vertrauen!
Am 8. März wird der baden-württembergische Landtag gewählt und zum ersten Mal dürfen auch 16- und 17-Jährige ihr Kreuzchen setzen. Viele von diesen jungen „Neuwähler:innen“ informieren sich über die sozialen Medien, stolpern dabei über Wahlwerbung, Memes, Meinungen und Desinformation. Und genau da kommst du ins Spiel. Du musst kein Medienprofi sein, um junge Menschen auf ihre demokratische Teilhabe vorzubereiten, aber du kannst ihnen helfen, den Überblick zu behalten.
Hier kommen drei einfache Tipps, wie du Jugendliche im digitalen Raum fit für die Wahl machen kannst:
1. Nicht alles verteufeln, was auf Social Media passiert. Viele politische Infos, Meinungen und Diskussionen gelangen zu jungen Menschen heute über Instagram, TikTok oder YouTube. Frag doch einfach mal: Welche politischen Inhalte bekommt ihr eigentlich in eurem Feed angezeigt – und welche Reaktionen rufen sie bei euch hervor? Was spricht euch an, was nicht? Was weckt Begeisterung, was lässt euch kalt, was ärgert euch vielleicht auch?
2. Gemeinsam hirnen statt alleine predigen. Schaut gemeinsam unterschiedlichen politischen Content an und stellt dabei diese Fragen: Wer spricht oder schreibt? Was wird gesagt? Und was will die Person oder die Partei mit diesem Inhalt bezwecken?
3. Fake News entlarven. Zeig den Menschen, mit denen du unterwegs bist, einfache Faktencheckseiten wie „Korrektiv“, „Mimikama“, „Quellencheck“ oder die Angebote der Zentralen für politische Bildung. Das regelmäßige Prüfen von Inhalten fördert oft erstaunliche Ergebnisse zutage. Menschen vergessen leicht, dass man auch deutlich schlauer lügen kann als so mancher US-Politiker mit roter Basecap.
Und ganz wichtig bei alledem: Am besten, soweit es geht, neutral bleiben. Deine Aufgabe sollte nicht sein, Meinungen anderer zu formen, sondern Räume zu öffnen, in denen Jugendliche und junge Erwachsene valide Informationen erhalten, ein sprachfähiges Gegenüber erleben und so eine Grundlage schaffen können für die Entwicklung von eigenen Standpunkten. Das heißt natürlich nicht, dass du zum rückgratlosen Werkzeug werden musst. Wenn es um Spaltung, Menschenfeindlichkeit und Hetze geht, sind nämlich klare Worte von Bezugspersonen unerlässlich. Gerade wenn man als Christ oder Christin in dieser Welt unterwegs ist, steht man hier – meiner Auffassung nach – in einer ganz klaren Verantwortung.
Jugendgerechtes Erklärvideo zum Ablauf der Landtagswahl in BW 2026 von der Landeszentrale für politische Bildung.
https://www.youtube.com/watch?v=3r2jby0Lpzc
Gruppenstunden-Entwurf zum Thema Landtagswahl BW 2026 vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg.
https://www.jugendarbeit.online/dpf_thema/nutze-deine-stimme/
Seite zur Kampagne „Spaltung Sucks“ vom Landesjugendring BW – Für Zusammenhalt und Solidarität in Baden-Württemberg.
https://spaltung-sucks.de
Wahlprogramm-Check der antretenden Parteien für die Landtagswahl BW 2026 vom Landesjugendring BW.
https://www.ljrbw.de/kampagnen/visionen-2026-bis-2031/detail/wahlprogramm-check-zur-landtagswahl-2026
Gestaltungsvorlagen für Jugend-Bildungs-Einheiten zum Thema Landtagswahl BW 2026 von der „Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg“ (SKJB).
https://kinder-jugendbeteiligung-bw.de/angebote/wahlalter-16/landtagswahl-bw-2026/
Sonderseite der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Landtagswahl BW 2026 inklusive Kampagnen-Templates („Für Alle – mit Herz und Verstand“).
https://www.elk-wue.de/gesellschaft/landtagswahl-2026#c84127
Erstwähler-Guide der Initiative „Medien-Fokus BW“.
https://www.medienfokus-bw.de/landtagswahl-2026-ein-guide-fuer-erstwaehler/
Wahl-O-Mat zur Landtagswahl BW (Zwar nicht explizit für Jugendliche – aber sehr verständlich formuliert).
https://wahl-o-mat.de/bw2026
Wofür setze ich meine Zeit ein? Wofür würde ich mir gern mehr Zeit nehmen? Wie kann ich meine Zeit gut einteilen? Wie kann ich lernen, gut mit Stress umzugehen?
Oft erwarten die Jugendlichen, von einer Tagung/Einheit „Meine Zeit”, ein Stressbewältigungsseminar. „Wie kann ich lernen, besonders schnell ‚runterzukommen‘, zu entspannen, um neue Kraft und Energie zu gewinnen, um noch schneller und effizienter arbeiten zu können?“ oder „Wie kann ich meine Zeit noch effizienter nutzen, noch besser vorankommen?“ sind häufig gestellte Fragen.
Diese Einheit hat jedoch eine andere Schwerpunktsetzung, die auf zwei Grundpfeilern ruht:
Viele Jugendliche erleben ihren Alltag als stressig. Daher kann mit dem Thema „Meine Zeit“ eng an die Erfahrungswelt der Jugendlichen angeknüpft werden. Zu den Stressfaktoren
zählt häufig die Schule: Etliche leben unter einem enormen Leistungsdruck, den sie sich selbst aufbauen oder der von anderen an sie herangetragen wird. Der Lebenslauf
sollte möglichst perfekt, geradlinig und lückenlos verlaufen – so ist es oft zu hören. Insbesondere Jugendliche vor dem Abitur klagen häufig über die hohe Arbeitsbelastung.
Manche Jugendliche erfahren sich auch als fremdbestimmt. Sie haben viele Verpflichtungen – sowohl in der Schule als auch außerhalb – und hätten gern mehr Zeit für Hobbys und Freundschaften. Andere hingegen würden am liebsten den ganzen Tag chillen und reagieren genervt auf Anforderungen und vorgegebene Aufgaben.
Auf der anderen Seite bringt die heutige Zeit auch viel Freiheit in der Lebensgestaltung mit sich. Dies geht allerdings mit der Verantwortung einher, selbst Prioritäten zu setzen, sein Leben zu gestalten und gut mit der zur Verfügung stehenden Zeit umzugehen. Nicht alle Jugendlichen können gut mit dieser Freiheit und Verantwortung umgehen.
Ein wichtiges Thema ist außerdem der Umgang mit Medien und mit der kommunikativen Vernetzung, die dadurch möglich ist: Viele Jugendliche sind permanent online, immer erreichbar und ständig zur Kommunikation bereit. Zeit für sich zu haben und das Smartphone für einen bestimmten Zeitraum abzugeben (kann in Absprache mit den Jugendlichen angeboten werden) kann für einige eine neue und eindrückliche Erfahrung sein.
Die in dieser Einheit vorgestellten Methoden haben nicht zum Ziel, dass die Jugendlichen effektiver und zielgerichteter in ihrer Zeiteinteilung werden. Vielmehr sollen sie dazu angeregt werden, sich Gedanken über die eigene Person, die eigenen Wünsche und Prioritäten im Leben zu machen. Sie sollen ein Gespür dafür bekommen, wofür sie im Alltag wieviel der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit einsetzen. Dieser „Realitäts-Check“ kann dann mit dem Wunschbild abgeglichen werden. Oftmals erschrecken die Jugendlichen über die Abweichungen und über manche Zeitfresser wie z. B. Computerspiele, Smartphone usw. In manchen Gruppen kann es sich anbieten, dass sich die Jugendlichen am Ende der Tagung zwei oder drei konkrete Vorsätze mitnehmen, um besser mit ihrer Zeit umzugehen und mehr Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung zu übernehmen.
Beim Thema „Meine Zeit“ ist auch der Umgang mit Stress zu berücksichtigen, da sich viele Jugendliche gestresst fühlen. Die Mitarbeitenden sollten darauf achten, dass der von den Jugendlichen empfundene Stress ernst genommen wird. Zugleich sollte deutlich werden, dass Stress zunächst einmal subjektiv ist. Stressoren sind oft Erwartungen, Leistungsdruck oder Versagensangst. Stress hat bis zu einem gewissen Maß zunächst einmal auch positive Auswirkungen, z. B. nimmt die Leistungsfähigkeit zu. Ab einem gewissen Maß und einer bestimmten Dauer wirkt sich Stress jedoch negativ aus, insbesondere wenn er mit Schlaflosigkeit, Angstzuständen oder Ähnlichem einhergeht. Ziel sollte deshalb zunächst einmal sein, ein Gespür für das eigene Stresslevel zu bekommen. Anschließend kann dann Raum dafür gegeben werden, dass die Jugendlichen den verschiedenen Stressoren in ihrem eigenen Leben nachgehen und sich die Frage stellen, woran es liegen könnte, dass sie gerade an dieser Stelle und Situation Stress empfinden. Hier kann das Thema „Erwartungen“ eine wichtige Rolle spielen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Jugendlichen Strategien zu entwickeln, wie sie mit dem empfundenen Druck umgehen können. Wichtig ist in diesem Kontext auch die Frage, wie Freiräume und Pausen geschaffen werden können. Den Jugendlichen sollte das Gefühl gegeben werden, dass sie der Zeit nicht nur ausgeliefert sind, sondern dass sie selbst mitbestimmen und Schwerpunkte setzen können. In manchen Fällen kann hier auch ein Einzelgespräch mit einem Mitarbeitenden sinnvoll sein.
Insgesamt sollte die Einheit zum Thema „Meine Zeit“ den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich sowohl in der Gruppe, als auch individuell mit dem Thema auseinandersetzen zu können.
Die Mitarbeitenden sollten auf jeden Fall für Gespräche und eventuelle Seelsorge zur Verfügung stehen, da beim Umgang mit dem Thema Ängste und Verletzungen aufbrechen können. Wichtig dabei ist, dass sie die Stresssituationen, die die Jugendlichen einbringen, ernst nehmen.
Auch für die Mitarbeitenden selbst kann eine solche Tagung stressig sein. Unvorhergesehene Zwischenfälle kann es viele geben. Gut ist es deshalb, wenn sich die Mitarbeitenden im Vorfeld selbst Gedanken zu den eigenen Stressoren und ihrem Umgang mit Zeit gemacht haben.
Das eigene Leben und die zur Verfügung stehende Zeit sind ein kostbares Geschenk Gottes. In diesem Bewusstsein kann eine Wertschätzung und eine Dankbarkeit für das eigene Leben gelernt werden. Passend ist in diesem Kontext das Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Peter Strauch). Zudem kann Raum für Meditation und Gebet gegeben werden.
Viele Jugendliche sehnen sich nach einem Freiraum, nach einem Ort, an dem sie sein können, wie sie sind, nach einem Platz, an dem sie einfach da sein können und angenommen werden und sich nicht beweisen müssen. Jesus Christus nimmt jede und jeden an und liebt bedingungslos. Er misst nicht am Erfolg, macht keinen Leistungsdruck. Mit allen Problemen können die Jugendlichen zu ihm kommen. Im Glauben kann ein solcher Zeit- und Freiraum erfahren werden. Der Glaube bietet die Möglichkeit, aus dem vielen Tun des Alltags auszusteigen und beim Sein anzukommen, alle Stressoren ruhen zu lassen und so mehr zu Gott und zu sich selbst zu finden.
Als spielerischer und bildhafter Einstieg eignet sich die Methode Traum-Zeit – Alltags-Zeit. Es bietet sich an, mit der Methode Stress-Barometer zur Bestimmung des persönlichen Stresslevels fortzufahren. Die Jugendlichen können so zu Beginn der Einheit ein Bewusstsein dafür entwickeln, ob und durch was sie sich gestresst fühlen. Es können gut einige Stress-Spiele folgen, die den Jugendlichen helfen, sich selbst in einer Stresssituation zu erleben. Dies kann auch eine Grundlage für die weitere Arbeit bieten. Anschließend können sich die Jugendlichen mit ihrer persönlichen Zeiteinteilung befassen. Hierbei helfen Zeit im Glas sowie der Workshop Zeitmanagement. Das Ressourcen-Karussell stellt verschiedene Möglichkeiten zur Entspannung und zum Umgang mit Stress vor und eignet sich als Abschluss der Einheit/Tagung. Es kann sich eine Reflexionsrunde anschließen.
Was glaubst du eigentlich? Hast du deinen Glauben schon einmal hinterfragt? Und wie gehst du mit anderen Glaubensüberzeugungen um?
Um sich über diese Fragen auszutauschen und so richtig tief in die Diskussion darüber einzutauchen, wurde Dive Deep entwickelt. Die Fragen sind eingeteilt in 12 Fragekategorien:
Im Folgenden stellen wir eine Methode und je eine Frage pro Fragekategorie zur Verfügung. Weitere Methoden und Fragen sowie jede Menge Tipps für gelingende Diskussionen findest du im Kartenset.
Du kannst dieses Kartenset für deine persönliche Glaubensreflexion verwenden. Dafür hast du zwei Möglichkeiten: Entweder suchst du dir spontan eine Frage aus, die dich anspricht, oder – besonders, wenn du das Kartenset regelmäßig nutzt – du legst eine Reihenfolge fest, in der du die Fragen beantworten möchtest.
Du kannst zum Beispiel alle Fragen einer Kategorie nacheinander bearbeiten oder abwechselnd Fragen aus verschiedenen Kategorien ziehen. Für jede Reflexionszeit empfehle ich dir jedoch, dich
intensiv nur mit einer Frage zu beschäftigen. So kannst du dich besser auf das Thema einlassen und deine Gedanken vertiefen.
Folgende Fragen können dir bei deiner Reflexion helfen:
























Wie bin ich geworden, wie ich bin? Wie kann ich mich selbst neu entdecken? Wie sehen mich andere? Wer bin ich in meinem Netz aus Beziehungen?
Das Fragen nach der und die Ausbildung der eigenen Identität ist zentral im Entwicklungsprozess von Jugendlichen und Jungen Erwachsenen. Entsprechend zentral ist auch die Aufgabe der Unterstützung und Förderung der Identitätsbildung in der Jugendarbeit. Die Beschäftigung mit diesem Thema soll Jugendlichen auf der Suche nach der eigenen Identität Räume eröffnen, sich mit identitätsbestimmenden Faktoren wie Beziehungen, Lebensgeschichten und -entwürfen, Charaktereigenschaften, Werten usw. und schließlich auch religiös-weltanschaulichen Überzeugungen auseinanderzusetzen. Warum ist gelingende Identitätsbildung heute besonders wichtig? Wie können Jugendliche bei der Suche nach Identität unterstützt werden? Wie lässt sich das methodisch gestalten?
Wer bin ich, wer sind wir heute? Eine Frage, die sich nicht nur Jugendliche, sondern Menschen jeden Lebensalters seit Tausenden von Jahren stellen. Verhältnismäßig neu ist jedoch in unserer Zeit die Betonung und zentrale Stellung des Ich in dieser Frage. Die Emanzipation des einzelnen Menschen aus Traditionszusammenhängen und gesellschaftlichen Normen wie etwa Geschlechterrollen, Berufs- und Gesellschaftsschichten und Religionszugehörigkeiten hat ihm ermöglicht, seinen ganz eigenen Weg zu gehen, sein Leben in einer multikulturellen und pluralen Welt mit unzähligen Möglichkeiten, Chancen und Angeboten selbst zu bestimmen und zu entfalten. Auch wenn viele der Angebote zur eigenen Lebensgestaltung im Gewand in Stein gemeißelter oder natürlicher Gesetzmäßigkeiten normativ, bisweilen auch autoritativ auftreten – etwa seitens der Eltern, Lehrer, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Freunde oder religiösen und anderen Gemeinschaften –, wird heute in unserer Gesellschaft jedem Menschen das Recht und die Freiheit zugesprochen und zugemutet, selbst zu wählen und zu entscheiden, wie er oder sie leben und wer er oder sie sein möchte. Wir können frei wählen und das ist gut so. Es ist uns überlassen selbst zu entscheiden, wo wir leben, welchen Beruf wir ergreifen, wen und ob überhaupt wir heiraten, womit wir unsere Freizeit verbringen, wofür wir uns einsetzen und engagieren möchten.
Die Kehrseite dieser Freiheit ist, dass auch die Verantwortung für das eigene Leben auf den Einzelnen und die Einzelne konzentriert ist. Freiheit geht Hand in Hand mit der Verantwortung und der Erwartung, selbst etwas aus seinem Leben zu machen. Nicht von ungefähr nehmen individuelle Leistung und Erfolg in allen Lebensbereichen, sei es in Beruf und Karriere, in der Familie oder in der Freizeit, einen zentralen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Auch darüber, was wir tun, was wir aus uns machen wollen, dürfen wir nicht nur, sondern müssen wir selbst entscheiden, und das ohne einen festen Rahmen, der uns klare Wege bereits vorgibt, an die wir uns halten können. Auch wenn wir tun, was etwa unsere Eltern, Lehrerinnen und Lehrer oder Freunde und Freundinnen vorschlagen, weil sie es für erstrebenswert halten, bleibt es letztlich unsere eigene Entscheidung. Denn die Verantwortung dafür, was wir aus unserem Leben machen, können sie uns nicht abnehmen. Weil heute im Zeichen individueller Freiheit und Würde allgemein normative Autoritätsansprüche von Traditionen nicht mehr als verbindlich erachtet werden können, ist auch die Antwort auf die grundlegende Frage „Was ist ein gutes Leben, was ist eigentlich gut, was ist das Gute?“ ganz in individuelle „Ver-Antwortung“ gebracht. Antworten darauf gibt es so viele, wie es Menschen gibt. Dies beschreibt die plurale Grundsituation heute, die in ihrer Freiheit und Offenheit zugleich auch eine Überforderung individueller Freiheit und Verantwortung darstellt.
Diese Situation nehmen wir im Alltag glücklicherweise kaum oder nur selten wahr. Hier überwiegt meist eine positive Bewertung. Wir können heute freier über unser Leben bestimmen und sind dabei in ein Beziehungsnetz von Familie, Freunden, Kolleginnen und Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschülern, Lehrerinnen und Lehrern usw. eingebunden, von denen einige direkte Rollenvorbilder sein können, das jedoch vor allem als Ganzes Halt und Orientierung im Leben geben kann. Ebenso gibt es nach wie vor auch Institutionen und Traditionen – nicht nur religiöse –, die uns leiten und Verlässlichkeit bieten. Jedoch bleibt, dass es im Zeitalter von Pluralität und Individualität wichtig ist, sich seiner selbst, seiner Identität, der eigenen Freiheit und Verantwortung zusammen mit deren Grenzen und Einschränkungen bewusst zu werden, um am Leben teilhaben und es aktiv und „gut“ gestalten zu können. Ebenso kann eine selbstbewusste Identität davor schützen, aus dem Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung auf fundamentalistische Parolen und Ideologien jedweder Art hereinzufallen. Die Suche nach Identität birgt also gleichzeitig Chancen wie Herausforderungen für den einzelnen Menschen.
Die Adoleszenz ist eine Lebensphase, die durch Identitätsfindung und -bildung gekennzeichnet ist. Zwischen Kindheits- und Erwachsenenalter stellt sie eine Zeit sowohl körperlicher als auch psychischer Veränderungen und Umbrüche dar, die nicht selten von Krisen, Rebellion und Selbstzweifeln begleitet wird. Während die Kindheit eine prägende Zeit ist, in der sich viele Persönlichkeits- und Charaktereigenschaften ausbilden, stellt die Adoleszenz die Phase dar, in der diese bewusst als die eigenen im Unterschied zu anderen angeeignet werden und weitere darauf aufbauend ausgebildet werden. Jugendliche werden sich hier zunehmend ihres Selbsts bewusst, ihrer eigenen unverwechselbaren Identität, Person und Würde, die als solche Gehör und Achtung einfordern darf. Ihre Identität ist dabei immer auch durch funktionale und relationale Rollen bestimmt (Schüler der Klasse 10b, Auszubildende im Elektrofachbetrieb Maier, Söhne oder Töchter, Geschwister, Freunde, Fußballer, Christen, Atheisten usw.). Es weist vieles darauf hin, dass es nicht, wie man denken könnte, ein unveränderlicher innerer „Identitätskern“ ist, der die Eigenart einer Person bestimmt. Stattdessen entsteht die eigene Persönlichkeit in und aus den Beziehungen zu anderen Menschen, in verschiedenen Rollen und aus der besonderen Art, wie man in dieses Beziehungsgeflecht eingebunden ist.
Weitere wichtige Faktoren für die Identitätsbildung stellen Erwartungen und spezifische Rollenbilder der Gesellschaft dar, die durch Medien an uns herangetragen werden, aber auch traditionell vermittelt sein können über Familie, Kirche, Schule, Vereine, Ortsgemeinschaften, Peergroups und Milieus, in denen wir aufwachsen und in denen eine bestimmte Weltsicht maßgeblich ist.
Die eigene Identität auszuprobieren und zu erkunden geht Hand in Hand mit dem Versuch, sich selbst zu erkennen und sich irgendwie zu verstehen. Die Phase der Identitätsbildung bringt so auch Verwirrung und Verunsicherung mit sich. Aber aus dieser Selbsterkundung entwickeln sich auch eigene Positionen und Ansichten in Übereinstimmung mit oder im Gegenüber zu unseren Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und vielem von dem, was wir als Kinder ungeprüft übernommen haben, und es bilden sich Selbstsicherheit und Selbstvertrauen aus. Manchmal kann dies allerdings auch zu übersteigerten Formen führen. Jugendliche und Junge Erwachsene – und nicht nur sie – sind dann der festen Überzeugung und Gewissheit, sie hätten nun verstanden, was die Welt im Innern zusammenhält, wüssten nun, „wie der Hase läuft“, hätten ihr eigenes Selbst samt Welt „fest in der Hand“. Auf der Suche nach dem eigenen Platz in der gemeinsamen Welt spielt sich der Identitätsbildungsprozess schwankend zwischen den Polen großer Verunsicherung und übersteigertem Selbstbewusstsein ab.
Besonders wichtig für die Ausbildung der eigenen Identität in der Jugendzeit ist die in jeder sozialen Situation zum Tragen kommende Selbst- und Fremdwahrnehmung. Der Entwicklungspsychologe Erik Erikson hat herausgestellt, dass besonders Jugendliche einen permanenten Abgleich ihres Selbstbildes mit dem Fremdbild, das sie von außen (von Freunden, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern usw.) gespiegelt bekommen, durchführen. Im Abgleichen können Übereinstimmungen verbunden, aber auch Abgrenzungen erforderlich und Handlungsbedarf angezeigt werden: „So wie mich andere wahrnehmen, sehe ich mich nicht.“ Oder: „Tatsächlich, das stimmt ja und ist mir bisher gar nicht aufgefallen.“ In beiden Situationen kann eine Einsicht wie „So will ich nicht sein“ oder „So will ich nicht wahrgenommen werden“ folgen. Grundlegend geht es darum, dass eine Übereinstimmung von Selbst- und Fremdwahrnehmung angestrebt wird. Es ergeben sich Fragen, weshalb man so wahrgenommen wird („Bin ich vielleicht doch so?“), und dann schließlich, wie man denn sein und wahrgenommen werden will.
Zur Frage, wie man sein will, gehört auch die Frage, wie man dahin kommt und was man tun kann, um so zu werden, wie man gern wäre. Die selbstkonstruierte Identität basiert auf Bestimmungen und Bildungen der Identität durch eigene Entscheidungen. Anders als im Fall der Identitätsbildung findet hier eine Reflexion auf die bereits gebildete Identität statt, die aus verschiedenen Gründen veränderungsbedürftig und -fähig erscheint: vielleicht deshalb, weil man unzufrieden ist mit sich oder bestimmten Eigenschaften und das Bedürfnis nach Veränderung verspürt, oder weil man sich beruflich und persönlich weiterentwickeln will. In jedem Fall setzt die Identitätskonstruktion die Erkenntnis voraus, dass man hier selbst handeln kann. Kein Mensch muss einfach hinnehmen, wie er nun mal ist, sondern für jede und jeden besteht die Möglichkeit, aktiv sowohl darüber zu entscheiden, welchen Menschen er sich anschließt, welchen Beruf, Sport, Verein usw. er oder sie wählt, als auch worauf er seine Charakter- und Persönlichkeitsbildung ausrichten will.
Die Förderung der Selbstbestimmungsfähigkeit der eigenen Identität ist daher eine wichtige Aufgabe der Arbeit mit Jugendlichen. Dass Jugendliche Vertrauen in sich selbst und in ihre Fähigkeiten gewinnen, dass sie zuversichtlich und mutig ein eigenständiges und eigenverantwortliches Leben in einer pluralen Welt führen und dass sie für ihre Überzeugungen und Ziele sowohl einzustehen als auch diese und deren Herkunft immer wieder kritisch zu reflektieren lernen, ist ein zentrales Ziel der Beschäftigung mit der eigenen Identität. Die Jugendlichen sollen dazu ermutigt werden, sich auszuprobieren und Neues zu entdecken. Nur so kann man etwas über sich erfahren. Fehler zu machen und zeitweise in die falsche Richtung zu gehen, gehört ebenso zum Leben, wie sich Fehler einzugestehen und neue Wege einschlagen zu dürfen. Hierin können Jugendliche ihre Stärken und Schwächen, Fähigkeiten und Neigungen erkennen und weitere Schritte zu deren Akzeptanz oder Veränderung gehen. Schließlich sollen Jugendliche sich selbst wie auch andere annehmen, tolerieren und respektieren lernen sowie sich selbst wie anderen die Freiheit geben, die eigene Identität zu entdecken, zur Entfaltung zu bringen und selbst mitzubestimmen.
Jeder Jugendliche und jede Jugendliche ist anders, jeder Lebensweg ist individuell. Sollte man das für die Jugendarbeit generell im Hinterkopf behalten, so besonders bei einer Tagung zum Thema „Wer bin ich?“. Die Mitarbeitenden können bei der Identitätssuche eine begleitende und unterstützende Rolle einnehmen, abschließende Antworten geben können sie jedoch nicht. Aber sie können für sie individuell zentral gewordene identitätsstiftende Faktoren, Werte, Überzeugungen und Erfahrungen mitteilen und so den Jugendlichen Möglichkeiten der Orientierung und Selbstentfaltung aufzeigen.
Insgesamt geht es für die Mitarbeitenden darum, Jugendliche dazu zu ermuntern und zu ermutigen, sich auch in neuen und vielleicht befremdlich wirkenden Rollen auszuprobieren und selbst zu entdecken, sowie darum, durch Bestätigung und Annahme dazu zu befähigen, Selbstvertrauen auszubauen und sich selbst anzunehmen. Wenngleich die Ausbildung der eigenen Identität charakteristisch für die Jugendzeit ist, ist sich dennoch kein Mensch, egal welchen Alters, jemals vollständig im Klaren darüber, wer er ist. Wir alle erleben Zeiten, in denen wir nicht wissen, was wir tun sollen oder wer wir sind: Zeiten des Umbruchs, der Unterbrechung und Veränderung, der Um- und Neuorientierung, Zeiten der Herausforderung, aber zugleich auch immer der Chancen.
Der Glaube spielt für Jugendliche nach wie vor eine große Rolle. Allerdings sind es meist nicht mehr traditionell religiöse Gemeinschaften und deren Praxis, die dabei im Zentrum stehen, sondern zunehmend individualisierte Glaubensformen. Besonders in einer scheinbar aus den Angeln gehobenen heutigen Welt wird die grundlegend haltgebende Rolle des Glaubens für die Lebensorientierung sichtbar. Dies gilt insbesondere für den christlichen Glauben, da es hier gerade allein der Glaube ist, der Freiheit schenkt und wirkt. Der Glaube an Jesus Christus befreit den Menschen von der Last, dem eigenen Leben selbst einen Sinn geben und sich selbst verwirklichen zu müssen, woran jeder Mensch ultimativ nur scheitern kann. Er gibt demgegenüber Mut und Zuversicht zur freien Selbstbestimmung, die etwas anderes ist als Selbstverwirklichung: Indem ich mich im Glauben als vor all meiner Eigenaktivität geliebt und bereits von Gott sehr gut „verwirklicht“ erfahre, erfahre ich mich zugleich auf dem Boden dieser von Gott getragenen Wirklichkeit dazu befreit, mich frei selbstzubestimmen. Der Glaube kann für Jugendliche als Freiraum erfahren werden, in dem sie sich entdecken können und in dem der Glaube identitätsstiftend wirkt. Im Glauben können Jugendliche die Erfahrung des Geliebt- und Angenommenseins vor aller Infragestellung durch die und in der Welt machen und so mutig und offen auf die Welt und auf andere Menschen zugehen lernen.
Gleichzeitig kann der Glaube auch zu Unsicherheiten führen. Hierzu gehören Zweifel am Glauben selbst wie „Stimmt das, kann das überhaupt sein?“, aber auch Fragen, die das soziale Umfeld betreffen, wie „Bin ich uncool, wenn ich glaube?“ oder die eigene Herkunft, wie „Bin ich Zufall oder gewollt?“, und schließlich auch aufs Ganze gehende Fragen wie etwa, ob der Mensch überhaupt frei oder alles vorherbestimmt ist. Wie diese Fragen auch beantwortet werden, wichtiger ist es verständlich zu machen, dass kritische Fragen im Glauben nicht nur erlaubt, sondern gewollt sind. Der Glaube will und muss ebenso erwachsen werden wie die Jugendlichen selbst.
In der Praxis hat sich ein dreigliedriges Grundgerüst für den Aufbau einer Einheit zum Thema „Wer bin ich?“ bewährt. Es nimmt wesentliche Aspekte der Identitätsbildung und Identitätskonstruktion auf und konzentriert sich auf die Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdwahrnehmungen (1. Phase), identitätsprägenden und -bestimmenden Faktoren (2. Phase) und der Aufgabe und Möglichkeit der Selbstbestimmung (3. Phase).
In der ersten Phase wird die Selbst- und Fremdwahrnehmung zum Thema: Wie sehe ich mich, wie sehen mich die anderen? Als Einstieg bietet sich das Eigenschaftenspiel als eine gute Möglichkeit an, sich damit auseinanderzusetzen, wie man von anderen wahrgenommen wird. Im Anschluss kann ein Persönlichkeitsfragebogen als weitere Methode der Selbstwahrnehmung dienen. Insgesamt sollen Selbst- und Fremdwahrnehmung in Bezug gesetzt werden.
In der zweiten Phase geht es um identitätsprägende und -bestimmende Faktoren: Was ist mir wichtig? Was prägt mich? In diesem Teil sollen sich die Jugendlichen mit den ihr Leben prägenden und bestimmenden Werten und Wünschen sowie Beziehungen und äußeren Faktoren auseinandersetzen. Der Lebens-Lauf bietet hier eine gute Möglichkeit zur biographischen, erlebnishaften Vergegenwärtigung bedeutender Stationen im Leben. Der Solospaziergang unterstützt einen reflektierenden Blick auf die eigene Gegenwart in ihrem Zusammenspiel von Vergangenheit und Zukunft, Wünschen, Werten, Beziehungen und Fähigkeiten.
Die dritte Phase behandelt die Selbstbestimmung: Wer will ich sein? Was kann und will ich tun? Dass Veränderung in sozialen Rollen möglich ist und auch in die eigenen Hände genommen werden kann, zeigt der Baustein Rollenwechsel. Ein Brief an sich selbst mit Post für mich! kann vielfältig eingesetzt werden. Hier kann er helfen, sich bestimmte Ziele und Wünsche für die eigene Entwicklung vorzunehmen, um später, bei Erhalt des Briefes, einen erneuten Reflexionsprozess anzuregen.
Die Identitätsbildung im Prozess des Erwachsenwerdens ist eine anspruchsvolle und kritische Herausforderung für alle Jugendlichen. Es ist nicht garantiert, dass sie dahingehend gelingt, dass die entwickelte Identität auch tatsächlich dem Leben in seinem ganzen Verlauf zuträglich ist. Eine aktive und reflektierende Beschäftigung mit der eigenen Identität im Rahmen einer Tagung oder Freizeit hilft Jugendlichen dabei, ihre eigene Identität selbstbewusst und lebensdienlich auszubilden.
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