Gott zuhören … – von Freund zu Freund

Einstieg

Reihum soll jede/r tief einatmen, dann ausatmen. Nach dem Ausatmen wird die Zeit bis zum nächsten Einatmen gestoppt. Alle werden merken, dass man es nicht lange ohne Einatmen aushält. Das Ausatmen hingegen kann man sehr viel länger hinauszögern.

Freundschaft: Reden und Hören

Wir starten mit einer kurzen Kleingruppenphase, in der sich jede Gruppe mit der Frage beschäftigt: Was macht eine gute Freundschaft aus? Im Anschluss daran werden die Stichworte der Gruppen im Plenum auf Zetteln gesammelt und schließlich nach Zusammengehörigkeit geordnet. Wir überlegen zusammen, bei welchen Stichworten Kommunikation unerlässlich ist. Es wird sich zeigen, dass ohne Reden und Hören viele wichtige Elemente einer Freundschaft (gemeinsame Interessen, Vertrauen, gemeinsame Unternehmungen, etc.) nicht funktionieren. Für eine Freundschaft braucht es das Reden, aber auch das Hören: Ich erzähle aus meinem Leben, frage nach und bitte um Hilfe. Völlig klar, dass ich dann auch höre. Was hat mir mein Freund/meine Freundin zu erzählen, wie beantwortet er/sie meine Frage und wie reagiert er/sie auf meine Bitte? Martin Buber hat recht, wenn er sagt, dass Freundschaft (oder nach Buber „Beziehung“) Gegenseitigkeit bedeutet, d. h. Freundschaft nur bestehen kann, wenn beide Seiten reden und hören, sei es im alltäglichen Gespräch, im Telefonat, per Mail, SMS, Chat oder Skype. Freundschaft ist wie das Atmen: Es braucht das Ausatmen (= Reden), aber vor allem auch das Einatmen (= Hören).

Eine Freundschaft mit Gott

Schon das Alte Testament spricht von einer Freundschaft mit Gott. In 2. Mose 33,11 wird Mose als „Freund“ Gottes bezeichnet, interessanterweise deshalb, weil Gott mit ihm spricht und Mose zuhört. Freundschaft mit und Beziehung zu Gott bedeutet also hier schon: Gott zuhören. Auch das Neue Testament kennt die Freundschaft zwischen Gott, oder etwas genauer, zwischen Jesus und seinen Jüngern. Aber damit nicht genug. Wie das Alte Testament, so weiß auch Jesus, worum es in einer Freundschaft geht: „Ich nenne euch Freunde und nicht mehr Diener. Denn ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut; ich aber habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh. 15,15). Auch für Jesus geht es in seiner Freundschaft zu uns Jüngern vor allem darum, dass wir Zeiten des Zuhörens einplanen. Gebet sollte deshalb nicht nur ein Reden mit Gott, sondern auch ein Zuhören sein. Was möchte Gott mir sagen? Wenn wir Gott zuhören, ist das wie das Einatmen. Meine Freundschaft zu ihm kann nicht lange bestehen, wenn ich ihm nicht regelmäßig zuhöre.

Hörendes Gebet. Was sagt die Bibel?

Das Gebetsbuch der Bibel sind die Psalmen. Bei den Psalmen handelt es sich in den meisten Fällen um Gebete, die zu ihrer Entstehungszeit in manchen Fällen auch gesungen und mit Instrumenten begleitet wurden. Da Menschen diese Psalmen aufgeschrieben haben, liegt es in der Natur der Sache, dass die Psalmen zum großen Teil das Reden eines Menschen zu Gott widerspiegeln. Aber hin und wieder wird das Reden unterbrochen und der Beter wird aufgefordert, Gott zuzuhören, so beispielsweise in Psalm 50,7. Dort unterbricht Gott selbst das Gebet Asafs und spricht: „Höre, mein Volk, lass mich reden.“ Und ganz ähnlich in Psalm 81,9: „Höre, mein Volk, ich will dich ermahnen. Israel, du sollst mich hören!“ Manchmal sehnt sich der Beter auch intensiv nach einer Antwort Gottes und wartet auf sein Reden (Ps. 85,9). Auch David kennt das hörende Gebet: „Lass mich schon früh am Morgen deine gnädige Antwort hören, denn auf dich vertraue ich. Lass mich den Weg wissen, den ich gehen soll, – meine Seele sehnt sich nach dir“ (Ps. 143,8).In den Psalmen begegnet uns das hörende Gebet nicht sehr oft (was eben an dem Charakter der Psalmen hängt), aber immerhin an einigen Stellen. Dort, wo wir es vorfinden, handelt es sich um eine Zeit mit Gott, in der sich der Betende bewusst und mit Freude darauf ausrichtet, was Gott ihm oder dem Volk Israel sagen möchte.

Hörendes Gebet. Wie mache ich das?

Wie aber soll das hörende Gebet heute in meinem Leben praktisch aussehen? Wie mache ich das? Zunächst einmal ist es sinnvoll, sich einer Gefahr bewusst zu werden: Die Gefahr, meine eigenen Gedanken als Worte Gottes an mich auszugeben. Geschieht das, dann wird das hörende Gebet zum Selbstgespräch und damit zur Selbsttäuschung. Deshalb hier ein paar Tipps für das hörende Gebet: Schaffe dir einen kurzen Moment der Stille vor Gott! Lass dich in dieser Zeit ganz bewusst von Gott lieben! Lass dir von Gott zusagen, dass er dich liebt und dir treu ist! Schweige und freue dich an Gott! Lies einen Bibeltext oder einen einzelnen Bibelvers langsam und mehrmals. Überlege dir dann: Wo komme ich mit meinem Leben in dem Text vor? Welche Versprechen macht Gott mir in diesem Text? Wo will Gott mich korrigieren? Wo tröstet er mich? Worauf will er mich durch den Text hinweisen? Nimm diese Gedanken mit in die Stille vor Gott! Schau dir ein Bildband an und lies die kurzen Texte dazu! Gott wird zu dir durch die Bilder und Texte sprechen. (Hier eignet sich beispielsweise Christina Brudereck, Durchatmen. In der Stille vor Gott, Asslar 2010) Lies dir ein kleines Kärtchen mit persönlichen Zusagen Jesu an dich durch! Höre sie als Gottes Wort an dich! (Hier eignen sich Fotokarten mit Texten von Sarah Young, Asslar 2010 oder Bibelspruchkarten, Hünfeld 2011) Gibt es ein Lied, durch das Gott dich anspricht? Höre es dir an! Wie spricht Gott zu dir durch den Text, und wie durch die musikalische Umsetzung? Erinnerung: Was hat er dir bisher in deinem Leben Gutes getan? Wo und wann hat er dich bewahrt und gesegnet? Lass dich an der Hand Gottes durch dein Leben führen und höre, wie er im Rückblick zu dir spricht! Jeder sucht sich einen dieser Tipps aus oder hat eine eigene Idee für das hörende Gebet. Anschließend hat jede(r) einige Minuten Zeit, für sich persönlich hörendes Gebet praktisch auszuprobieren (die entsprechenden Karten, Bücher, Bibeln, Texte, Bilder etc. sollten mitgebracht werden). Vorher sollte noch Zeit für Rückfragen, Unklarheiten, Ergänzungen, aber auch für mögliche Kritik sein. Falls das Thema zur Sprache kommt, kann auch überlegt werden, wie man herausfindet, ob Gott eine persönliche Wegweisung für mein Leben hat. Bibel: Diese Wegweisung steht nicht im Gegensatz zur Bibel. Gemeinde: Diese Wegweisung wird von anderen Christen bestätigt?

Wiederholung: Bestätigt Gott seine Wegweisung noch einmal zu einem anderen Zeitpunkt?

Abschluss

Wer will, darf von seinen Erfahrungen mit dem hörenden Gebet erzählen. Diese werden möglichst nicht kommentiert. Abschließend liest der Leiter/die Leiterin einen Segenszuspruch Gottes vor.

Quellen

Verena Beckmann: [Be]greifbar nah. 80 Andachten zum Einstieg, BORN-VERLAG Kassel 2003.Martin Buber: Ich und Du, Stuttgart 2009.Reinhard Deichgräber: Gebet, in: Grundbegriffe des Glaubens, Michael Diener, Christoph Morgner, Theo Schneider (Hrsg.), Giessen/Basel 2011, 79-90.Ideenheft. Anregungen für Mitmacher und Multiplikatoren, Jahr der Stille 2010. Gottes Lebensrhythmus entdecken.

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