KON 1.2019 sichtbar

KON 01.2019 »sichtbar«: Eine Themenreihe mit Artikeln für Mitarbeiterinnen, Bibelarbeiten, Andachten, Stundenentwürfen und Kreativangeboten, ausgedacht für Mädchen von 12 bis 17, meistens aber auch in gemischten Gruppen zu verwenden.

Das Nicht-Sichtbare sichtbar machen – im Grunde ist das eine Beschreibung dessen, was wir in unserer Mädchen- und Jugendarbeit ansatzweise versuchen: diesen Gott, den man erstmal nicht sehen kann, in irgendeiner Weise für die Jugendlichen sichtbar und erfahrbar werden zu lassen.

Außerdem geht es darum, wie Gott uns sieht, wie wir uns gegenseitig und uns selbst sehen, um neue Sichtweisen und Perspektiven – Kreatives zum Thema sichtbar rundet das Angebot ab.

Zum Einstieg probiert ihr mit den Teilnehmerinnen verschiedene Brillen auf – entweder aus eurer Gruppe, wenn ihr sowieso einige Brillenträgerinnen unter euch habt, oder ihr leiht euch im Vorfeld einige Modelle im Bekanntenkreis aus. Vor allem stärkere Lesebrillen sind vielleicht eine ungewohnte Erfahrung. Wahrscheinlich wird es einige Lacher geben. Probiert aus, was ihr in der Ferne (nicht) erkennen könnt, oder ob ihr einen klein gedruckten Text direkt vor euch entziffern könnt.

Frage: Wie ist das, wenn man plötzlich nicht mehr scharf sehen kann, wenn das Auge keinen Fokus findet? Oder wenn man etwas direkt vor der eigenen Nase plötzlich nicht mehr lesen kann?

Wer von euch schon mal beim Augenarzt war, hat das dort vielleicht besonders krass erlebt: Um das Auge gründlich untersuchen zu können, verabreicht der Arzt manchmal Augentropfen, die die Pupille maximal weiten, damit er das Augeninnere besser sehen und prüfen kann. Diese Tropfen haben aber zur Folge, dass man in den nächsten Stunden vor allem im Nahbereich nicht mehr scharf sehen kann – in dieser Zeit darf man z. B. dann auch kein Auto fahren. Ein ganz merkwürdiges Gefühl: So sehr man sich auch anstrengt – das Auge will und will einfach nicht scharfstellen, vor allem nicht die Dinge, die sich direkt vor meiner Nase befinden.

Dieses Phänomen beschreibt auch die Bibel an einer Stelle: dass wir manchmal das Naheliegende einfach nicht erkennen können (oder wollen) – wobei das in diesem Fall nicht an irgendwelchen Augentropfen liegt.

»Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Mitmenschen zu ziehen.« (Matthäusevangelium 7,3+5)

Ein ziemlich plastisches Bild, das leicht zu übersetzen ist: Der »Splitter« im Auge eines anderen Menschen, das sind seine Macken, seine Fehler, das, was mich an ihm oder ihr nervt – all das fällt mir sofort auf, ist für mich nicht zu übersehen. Mein inneres Auge hat etwas, worauf es sich fokussieren kann. Und praktischerweise stellt dieses innere Auge dann im Nahbereich nicht mehr scharf – und übersieht so den riesigen Balken in meinem eigenen Auge: meine eigenen nicht zu knappen Fehler und Macken.

So ist das beim menschlichen Auge: Es kann entweder den Nahbereich scharfstellen oder die Ferne. Probiert’s mal aus: Haltet eure Hand mit ausgestrecktem Arm vor euch. Ihr könnt entweder die Hand fokussieren, dann ist der Hintergrund unscharf, oder umgekehrt. Manchmal braucht es eine bewusste Entscheidung. Das gilt wohl auch für das, was ich bei anderen oder bei mir selber wahrnehme. Und manchmal brauchen wir auch eine »Sehhilfe«, eine Brille, die uns hilft, beide Bereiche in den Blick zu nehmen und klar zu sehen.

Herr, es ist so leicht, die Fehler von anderen Menschen zu sehen, und unsere eigenen blenden wir gerne mal aus. Du siehst in unser Herz. Und du siehst uns liebevoll an. Schenk uns diesen liebevollen Blick auch für die Macken der anderen, und einen barmherzigen, aber klaren Blick für das, was bei uns selbst nicht in Ordnung ist. Amen.

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