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Gottes weites Herz für Fremde

Gottes weites Herz für Fremde

Fremdsein ist ein Thema, das viele Menschen zurzeit bewegt. Wie gehen wir damit um, dass Flüchtlinge in Deutschland Zuflucht und Heimat suchen? Fremd sind sie und brauchen offene Herzen und Türen. Die Erfahrung, fremd zu sein, kennen Jugendliche auch. Nicht fremd im anderen Land, sondern fremd in einer neuen Klasse, fremd und anders in der Clique der Kumpels und Freundinnen. Die Bibelarbeit über Apostelgeschichte 10,21–36 zeigt, dass Gott ein Herz für Fremde hat. Das zu wissen, kann helfen, sich selber und andere anzunehmen.

Biblisch-theologische Gedanken

1. Gott macht keine Unterschiede

Da wird vom römischen Hauptmann Kornelius erzählt. Ein Engel erscheint ihm und gibt ihm einen Auftrag. Er soll den Jesusjünger Petrus holen lassen, damit dieser ihm das Evangelium von Jesus Christus sagt.

Gott macht keine Unterschiede. Das ist es, was Petrus im Haus des römischen Hauptmanns erfährt:

„Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht!” (Apg. 10,34).

Im Haus des Hauptmanns Kornelius begreift Petrus, was er im Kopf vielleicht schon länger gewusst, aber im Herzen nicht gefühlt hatte: Gott macht keine Unterschiede zwischen Menschen. Bisher war für Petrus eines immer völlig klar gewesen: Da ist auf der einen Seite das Volk Gottes, die Israeliten, und auf der anderen Seite sind die Heiden, mit denen Gott nichts zu tun haben will. Nicht einmal das Haus eines Römers betritt ein frommer Jude. Nun begreift Petrus: Alle, Juden und Heiden, sind Menschen, für die Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist.

Es ist gewiss nicht nur die Erfahrung von Petrus, dass Unterschiede zwischen Menschen gemacht werden. Vielleicht haben wir das Gefühl, dass unsere Eltern Unterschiede machen zwischen den Kindern. Das haben sie vielleicht nie so gesagt, doch insgeheim hatten wir immer das Gefühl, dass die Geschwister uns vorgezogen wurden. Jugendliche kennen diese Erfahrung auch aus der Schule: Manche kommen gut an, und andere stehen am Rand in der Klasse. Wenn wir es sind, die am Rand stehen, spüren wir vielleicht noch nach Jahren den Stich im Herzen.

Menschen machen Unterschiede. Aber Gott nicht.

„Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.” (Apg. 10,34+35).

Wörtlich übersetzt heißt dieser Satz: „Nun begreife ich in Wahrheit, dass Gott keiner ist, der auf das Gesicht achtet.“ Diese Formulierung „auf das Gesicht achten“ kannten die Menschen damals nur zu gut: Ein König, ein Herrscher, achtete auf das Gesicht seiner Untertanen, so sagte man es damals: Wer dem König gefiel oder wer ihn mit Geschenken bestechen und gnädig stimmen konnte, dem war er wohlgesonnen. Auch wir kennen ja die Redewendung: „Mir gefällt das Gesicht von jemandem“ oder „ich kann sein Gesicht nicht mehr sehen“. Aber so ist Gott nicht.

2. Bei Gott sind alle willkommen

Gottes Herz steht offen – für alle – ohne Unterschied. An manchen Haustüren hängen Schilder, auf denen steht „Willkommen“ oder auf Englisch „Welcome“. Jeder, der eintritt, darf sich willkommen fühlen. Für mich ist dies ein Bild dafür, wie Gott zu uns steht: Willkommen! Als die Menschen, die wir sind, sind wir willkommen. Mit unserer Lebensgeschichte, mit aller Schuld und allen Lebenswunden. Ganz gleich, wer wir sind und aus welcher Familie wir kommen. Vielleicht tauchen in uns Erinnerungen auf an Situationen, in denen Menschen uns das Gegenteil spüren ließen: Du bist mir nicht willkommen. Aber Gott sagt: „Du bist mir willkommen, über dein Gesicht freue ich mich!“ Jesus steht für dieses „Willkommen“, das Gott zuspricht. So willkommen sind wir, dass Gott als Fremder in unsere Welt kommt und durch Jesus selber alles aus dem Weg räumt, was uns von ihm trennt.

3. Unser Auftrag – einander willkommen heißen

Gott spricht uns zu: „Du bist willkommen bei mir.” Und zugleich gibt Gott uns den Auftrag, den damals auch Petrus erhalten hat: Dass wir nicht trennen und Unterschiede machen zwischen Menschen, sondern dass wir verbinden sollen. Es war gewiss kein leichter Schritt für Petrus, die Schwelle zum Haus des Hauptmanns Kornelius zu überschreiten. So wie es nie leicht ist, auf Menschen zuzugehen, von denen uns manches trennt. Vielleicht gibt es auch in unserem Leben Türschwellen, die wir seit langem nicht mehr überschritten haben. Vielleicht gibt es Häuser, bei denen wir uns geschworen haben, sie nie wieder zu betreten. Oder im Bild gesprochen, wir bringen es nicht übers Herz, die Schwelle zum Herzen eines anderen Menschen zu überschreiten. Gott fordert nicht von uns, dass wir uns zusammenreißen sollen und eben über unseren Schatten springen. Mancher Unterschied, manche Trennung ist zu tief. In der Geschichte von Petrus und dem Hauptmann Kornelius bereitet Gott selber liebevoll alles vor. Da betet Kornelius immer wieder, dass Gott ihm begegnet. Und Gott schickt einen Engel zu ihm. Auch mit Petrus geht Gott seinen Weg. In einem Traum zeigt Gott ihm, dass er zum Hauptmann gehen und ihm von Jesus erzählen soll.

Gott hat damals liebevoll die Wege geebnet. Nur er kann diese Wege auch in unserem Leben ebnen. Da mag es für uns ein erster Schritt sein, wie der Hauptmann Kornelius zu beten und darum zu bitten, dass Gott uns begegnet. Und dass wir ihm die Trennungslinien unseres Lebens bringen. Dass wir ihm von den Wunden erzählen, von den schmerzhaften Unterschieden unseres Lebensweges. Es ist ein erster Schritt, dass wir ihm im Gebet diese Menschen nennen, denen wir nicht aus eigener Kraft begegnen können. In Jesus Christus ist er selber Mensch geworden, um uns mit sich selber und miteinander zu verbinden. Gott gibt uns den Auftrag, Menschen mit seinen Augen zu sehen und willkommen zu heißen: Als Menschen, für die Jesus gestorben und auferstanden ist.

Die konkrete Umsetzung

1. Einstieg

Eine kurze Spielszene (z. B. erster Tag in neuer Klasse usw.) könnte an das Thema „Fremd sein“ heranführen und zugleich vor Augen stellen, dass sich nicht nur Ausländer fremd fühlen, sondern dass dies eine Erfahrung ist, die wohl alle irgendwie kennen. Eine Alternative zu dieser Szene könnte ein Ausschnitt aus dem Film „Willkommen bei den Sch’tis“ sein (es könnte sich eine Szene zu Beginn des Films eignen, in der völlig überzogen erzählt wird, wie furchtbar das Leben in Nordfrankreich ist).

2. Gesprächsphase

Der Abschnitt aus der Apostelgeschichte wird gelesen. Es ergibt Sinn, dass einer der Mitarbeitenden die ganze Geschichte von Petrus und Kornelius aus Apostelgeschichte 10 kurz erzählt (zum Lesen ist sie zu lang): Petrus wird ins Haus des Hauptmanns gerufen, zuerst möchte er nicht, aber Gott bringt ihn am Ende doch dazu, zum römischen Hauptmann zu gehen.

Mögliche Fragen / Aufgaben zum Text:

  • Gefühle-Detektor: Welche Gefühle gehen im Laufe der Geschichte in Petrus vor (gemeinsam eine Gefühlskurve in ein Koordinatensystem einzeichnen).
  • Was verändert sich an der Einstellung von Petrus, während er im Haus des römischen Hauptmanns ist?
  • Was entdeckt Petrus darüber, wie Gott über „Fremde“ denkt?
  • „Das kenne ich“ – Wo entdecke ich mich im Text wieder? Wann habe ich mich schon fremd gefühlt? Wann hatte ich schon das Gefühl, dass Menschen Unterschiede machen und ich mich nicht angenommen fühlte?
  • Gibt es Menschen, die für mich fremd sind/ mit denen ich mir schwer tue? Wie könnte ich auf sie zugehen?

Interview

Das Gespräch über den Bibeltext kann in ein Interview münden, das ein Mitarbeitender mit Petrus, dem Hauptmann und einem der Diener des Hauptmanns führt. Als nettes Ambiente dienen vier Sessel oder zumindest vier Stühle mit kleinem Beistelltisch (z. B. mit Gummibärchen bestückt). In die Rollen der Interviewgäste schlüpfen drei Teilnehmende. Sie antworten in „Ich-Rede“ auf die Fragen des Moderators und versuchen, sich in die Person hineinzuversetzen, die sie darstellen. Wenn sie keine Antwort mehr wissen oder nicht mehr die Rolle weiterspielen wollen, können sie einen anderen Jugendlichen benennen, der die Rolle weiterspielt. Wichtig ist hierbei zum einen, dass der Moderator seine Fragen an die Interviewgäste gut vorbereitet hat. Zum anderen wird es ein wenig dauern, bis die Jugendlichen bereit sind, sich auf dieses Interview einzulassen. Meine Erfahrung ist, dass dies aber erstaunlich gut klappt, weil die Spielenden selber Spaß an ihren Rollen gewinnen.

3. Bündelung und Andacht

Dieser Impuls könnte den drei Gedanken des Bibeltextes folgen:

1. Gott macht keine Unterschiede

2. Bei Gott sind alle willkommen

3. Unser Auftrag: einander willkommen heißen

4. Kreative Vertiefung

Die Idee ist, dass die Jugendlichen etwas zur Erinnerung gestalten, dass sie in aller Unterschiedlichkeit bei Gott willkommen sind. Jeder Teilnehmende gestaltet für sich einen kleinen „Spiegel“ (z. B. von IKEA „Malma“, 1,99 Euro). Der Spiegel kann mit Acrylfarbe bemalt und mit Glitzersteinen oder anderem Dekomaterial verziert werden. Als Erinnerung an den Bibeltext wird darauf geschrieben: „Du bist bei Gott willkommen“ oder die Kurzversion „Du bist willkommen“. Dekomaterial gibt es z. B. günstig in 1-Euro-Läden.

 

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