Verändernde Gnade

1. Erklärungen zum Text

1.1 Evangelium

Vor (Röm 6,6-10) und in diesem Abschnitt geht es um das Evangelium: Das Gesetz klagt den Menschen an, aber Jesus spricht uns frei von der Anklage des Gesetzes, das unseren Tod fordert (Röm 6,14).

1.2 Missverständnis

Paulus hat gehört, dass einige in der Gemeinde der Meinung sind, dass sie aufgrund der Gnade sündigen könnten oder sogar sollten, um die Gnade noch größer zu machen. Je größer die Sünde und die Anklage, desto größer auch die Gnade (vgl. V.1 und 15). Paulus weist diese Ansicht energisch zurück, weil das bedeuten würde, die Gnade gründlich misszuverstehen (V.15).

1.3 Verändernde Gnade

Paulus zeigt auf, was es für einen Sklaven bedeutet, seinen bisherigen Herrn zu verlassen und einem neuen zu gehören. Dann ist er nur noch dem neuen Herrn unterstellt.

So ist es auch beim Evangelium: Durch Jesus sind wir mit Gott versöhnt, er wohnt in uns und wir gehören nur noch ihm. Zur Gnade gehört neben dem Freispruch von der Anklage des Gesetzes auch die Befreiung von der Herrschaft der Sünde und eine sich daraus ergebende Veränderung des Lebens. Die Gnade wäre schwach, wenn sie nur vergeben, aber den Christen heillos unter der Macht der Sünde zurücklassen würde.

Paulus entlarvt die Sünde in ihrem Unwesen, wie sie alles daran setzt, den Menschen kaputt zu machen. Im Gegensatz dazu will die Gerechtigkeit Gottes das Leben. Wer in Sünde gefangen ist, bleibt seinen Begierden ausgeliefert, er muss in Unfreiheit unter der Sünde leben – mit dem Tod als Endergebnis. Dagegen will das Evangelium gutes und befreites Leben schenken; die Begierden sollen nicht mehr den Menschen, sondern der Mensch die Begierden kontrollieren – sodass die Gnade Gottes in ihrer verändernden Kraft verherrlicht wird.

Die Leser gehören zu Christus und dadurch sind sie tot für die Sünde, weil sie mit Jesus gestorben und wieder auferstanden sind (Röm 6,3-10). Die Sünde hat kein Anrecht mehr auf sie, da sie einen neuen Herrn haben (V.17f. 21f).

1.4 Neues Leben

Wer das als Christ erkennt, der kann eigentlich nicht mehr anders, als sich radikal von der Sünde abzuwenden und stattdessen sich ganz für ein Leben im Dienst der Gerechtigkeit zu entscheiden. Genau das will Paulus bei seinen Lesern erreichen.

2. Bedeutung für heute

2.1 Gottes Gnade und die Sünde

Immer wieder hört man unter Christen Sätze wie: „Egal, was auch immer wir tun und wie viel wir auch sündigen mögen, Gott vergibt uns immer.“ Das ist ein angemessenes Lob der Gnade Gottes, wenn einer unter seiner Sünde leidet, sie bekennt und den Wunsch hat, weniger zu sündigen. Dieser Satz aber schmälert die Gnade Gottes, wenn einer resigniert denkt, dass keine Veränderung möglich bzw. nötig sei. In Christus, in der Gnade Gottes gehören Rechtfertigung und Heiligung untrennbar zusammen. Christus will unser Leben gemäß Gottes Willen erneuern. Wie sollte die Gemeinschaft mit Jesus ohne positive Wirkung auf uns bleiben, wenn schon die Liebe eines Menschen zu uns ausstrahlt auf unser Leben und Verhalten!

2.2 Neue Identität und neues Leben

Was hilft uns, weniger sündigen zu wollen und der alltäglichen Sünde nicht zu erliegen? Der Appell an sich selbst: „Jetzt kämpfe ich gegen die Sünde“ reicht nicht aus. Paulus zeigt in Kolosser 3,12 einen besseren Weg: „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld …“. Christus spricht uns zu, wer wir sind: von ihm erwählt, ihm kostbar, seine geliebten Töchter und Söhne sind wir, vor all unserem Tun (Rechtfertigung). Aus dieser liebenden Verbindung mit Gott heraus erwächst Lust und fester Wille zum Guten (Heiligung). Durch die entschiedene Ausrichtung auf das Gute (vgl. 1Thess 5,15.22) und durch die Einsicht in die zerstörerische Wirkung der Sünde (Röm 6,12ff) können wir die Versuchung zur Sünde überwinden.

Als „alter Adam“ sind wir zu jeder Sünde fähig. Noch spüren wir den Drang zu sündigen, aber wir sind nicht mehr nur der „alte Adam“. Wir haben ihn noch, aber wir sind in Christus eine neue Kreatur. Heiligung geschieht prozesshaft, durch schmerzliche Selbsterkenntnis hindurch, durch Fallen und Aufstehen, in geschwisterlicher Ermutigung und Korrektur. Dabei sind wir auf Schwestern und Brüder angewiesen, die uns spiegeln, wie wir wirklich leben und uns anderen gegenüber verhalten. Unsere Wirklichkeit müssen wir anschauen, wenn sich etwas verändern soll. Darüber hinaus sind wir aufgefordert, uns ganz auf Jesus auszurichten.

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Lesen des Bibeltexts

Zunächst wird der Bibeltext gemeinsam laut gelesen.

Danach folgt eine Lese- und Denkzeit für jeden Einzelnen (etwa 7 Min.) in Vorbereitung auf ein anschließendes Gespräch mit mehreren Fragen (siehe 3.2 und 3.3). Die Fragen nicht alle auf einmal stellen, sondern jeweils für die Phasen genügend Zeit lassen. Die Ideen werden gesammelt und auf einzelne Zettel geschrieben und für alle sichtbar ausgelegt oder an eine Stellwand o.ä. angeheftet. Es folgt ein Gespräch zu den verschiedenen Überlegungen.

3.2 Frage- und Gesprächsphase 1

„Warum soll ich weniger sündigen? Ich bin doch erlöst!“

  • Wie sieht das Paulus in diesem Abschnitt und wie begründet er seine Sicht? Wie denkt ihr darüber?
  • Was nehmt ihr heute, in eurem Leben und Umfeld, konkret wahr: Was entsteht aus der Sünde?
  • Welche Konsequenzen hat unser Handeln?
  • Wie wirkt sich das Evangelium im Leben aus, was bewirkt es bei Glaubenden?

3.3 Frage- und Gesprächsphase 2

Paulus erwartet und verlangt, dass Christen der Sünde widerstehen und sich nicht von ihr beherrschen lassen.

  • Wie wird das möglich?
  • Was gibt Christen die Kraft, nicht zu sündigen?
  • Wie können wir weniger sündigen?
  • Was kann mir heute persönlich helfen, weniger zu sündigen, das Gute zu tun und damit gottgefälliger zu leben?

3.4 Vertiefungsphase

Ziel: Der Einzelne soll für sich überlegen, wo er weniger sündigen will, wo er konkret Gutes tun kann. Jeder Einzelne soll zu einem klaren Entschluss finden können.

In dieser Phase sollte darauf geachtet werden, dass kein Druck entsteht und dass positive Annäherungsziele formuliert werden, d.h., was ich tun will und nicht, was ich nicht mehr tun will. Eine Fixierung auf das zu Vermeidende schwächt die Kraft zum Guten.

Auch Raum für Bedenken und Zweifel lassen, weil jeder schon erlebt hat, dass er trotz eines Entschlusses, weniger zu sündigen, dennoch wieder gesündigt hat.

Wer versagt, ist, wie die anderen, weiterhin ein Sünder, der durch die Gnade Gottes gerechtfertigt ist. Wer es lernt, mehr und mehr über die Sünde zu herrschen und dem Guten nachzujagen, erfährt eine herrliche Freiheit und wird Gottes Größe und Güte immer mehr sehen.

Wichtig: Auch zu kleineren Schritten und Zielen ermutigen, gleichzeitig aber auch Mut machen, sich ruhig auch Großes zuzutrauen.

Beim Gespräch können die Zettel aus Frage- und Gesprächsphase 2 genutzt werden.

Wege der Zielfindung:

(1) Jeder schreibt die Ziele für sich auf Moderationskarten. Es wird von Anfang an klar kommuniziert, dass darüber nicht gesprochen wird, sondern jeder seinen Entschluss mit nach Hause nimmt, um sich immer wieder damit zu vergewissern.

(2) Die Ziele werden in der Gruppe ausgesprochen, und man kann für sich beten lassen.

3.5 Schlussgebet

(schriftlich allen mitgeben, so dass es regelmäßig als Abendgebet verwendet werden kann):

Lieber Gott ich danke dir, dass du in Jesus auf die Erde gekommen, gestorben und wieder auferstanden bist. In deiner Gnade hast du dich in Treue mit mir verbunden; ich gehöre zu dir und will dir gehorchen. Danke, dass deine Gnade so groß ist und du mir nicht nur vergibst, sondern mich auch von der Herrschaft der Sünde mehr und mehr befreist.

Hilf mir, Gutes zu tun und stark zu bleiben und der Versuchung zur Sünde nicht nachzugeben. Danke für die Gemeinschaft mit anderen Christen, in der andere mir und ich ihnen helfen können. Amen.

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