Segenregen

1. Erklärungen zum Text

Ungefähr ein Jahr und zwei Monate sind seit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten vergangen (vgl. 4. Mose 1,1). Die Zehn Gebote hatte das Volk Israel bereits nach drei Monaten Wanderung in der Wüste Sinai erhalten (2. Mose 19). Die Stiftshütte ist so gut wie fertiggestellt und wird in Kapitel 7 eingeweiht. Kurze Zeit später bricht das Volk – begleitet durch die Wolken- und Feuersäule – auf und setzt seine Wanderung fort (Kap. 10). In den vorangegangenen Kapiteln hat Gott zunächst einige Ordnungsregeln aufgestellt. Bei der Größe des Volkes war dies kein Wunder: In 4. Mose 1,45 werden als Ergebnis einer Volkszählung über 600.000 wehrfähige Männer genannt. Man geht davon aus, dass das Volk Israel insgesamt mehr als 2,5 Mio. Personen umfasste.

Nun erhalten Aaron, der in 2. Mose 40,12-16 auf Gottes Geheiß hin von Mose zum ersten Hohepriester gesalbt wurde, und seine Kinder als Erben dieses Amtes das Vorrecht des Segensvollzugs. Der Zuspruch des Segens im Namen Gottes gehörte dadurch zu den grundlegenden Aufgaben des israelitischen Priestertums (vgl. 5. Mose 10,8; 21,5; 1. Chr 23,13). Folgerichtig wurde der Segen auch ein Bestandteil des Kults in Israel.

Gerade der aaronitische Segen hatte im Tempelgottesdienst seinen festen Platz. Ausschließlich in diesem Rahmen – beim Erteilen des Segens durch fünf Priester im täglichen Morgengottesdienst im Tempel – wurde der Gottesname Jahwe ausgesprochen. Dabei ist der Segen klar vom Gebet zu unterscheiden. Der Segnende spricht zum anderen und nicht zu Gott. Das lateinische Wort für Segen „benedictio“ bedeutet „von jemandem gut sprechen“. Und auch „signum“, also Zeichen, steckt im Wort „Segen“. Gott sah die vielen Jahrzehnte, die sein Volk noch in der Wüste vor sich hatte und wusste um ihren Wunsch und ihre Notwendigkeit des Zuspruchs seiner Nähe, des Zeichens seiner Zuwendung. Daher ist der Zeitpunkt ziemlich zu Beginn der Wüstenwanderung von ihm bewusst gewählt.

Heute wird der Segen im Judentum sowohl von den Priestern als auch im Rahmen der Sabbatfeier vom Vater über jedes Kind gesprochen. Die dabei vorgeschriebene Hand- und Finger-Haltung soll den hebräischen Buchstaben Sin darstellen. Er ist der erste Buchstabe des Wortes (El) Shaddai (der Allmächtige).

2. Bedeutung für heute

Im aaronitischen Segen bittet der Segnende dreimal um Gottes Nähe und Zuwendung. Im zweiten Halbsatz wird es jeweils konkret. Das „und“ kann also mit „und zwar“ oder „indem“ übersetzt werden.

2.1 Der Herr segne dich und behüte dich

Ein Segen ist keine Prophetie, die auf jeden Fall geschieht. Daher heißt es „segne“ und nicht „segnet“. Er ist vielmehr ein Wunsch, der einschließt, dass Gott auch nicht segnet, wenn Gründe dagegensprechen, wenn der andere z. B. Wege geht, die Gott nicht segnen kann und will. Gott segnet durch Menschen, aber die Segensworte gehen erst einmal über seinen Thron.

Behütet sein heißt beschützt leben. Die jüdische Auslegung denkt dabei auch ganz konkret an den Schutz des Eigentums vor Dieben. Gott segnet den Menschen mit guten Gaben und er bewahrt sie auch. Wenn du der Gesegnete bist, geht es im ersten Satz des aaronitischen Segens also darum, dass du Schutz erfährst und materiell versorgt bist mit allem Lebensnotwendigen.

2.2 Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig

Wenn Gott an dich denkt, soll ihm das Herz aufgehen und er soll sich über dich freuen. Es ist kein müdes oder mitleidiges Lächeln, sondern ein kräftiges Strahlen. Diese Überwindung der Distanz zwischen ihm, dem Allmächtigen, und uns begründet sich darin, dass er gnädig ist. Gnade erfahren heißt von Gott angenommen sein. Hier geht es also um deine Beziehung zu Gott.

2.3 Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden

Dieser strahlende Gott soll dir seine volle Aufmerksamkeit zuwenden. Trotz der Tatsache, dass die Weltbevölkerung 7,4 Mrd. Menschen umfasst – Gott hat dich und die Beziehungen, in denen du lebst, im Blick. Frieden erleben heißt in Sicherheit sein, in Harmonie mit anderen leben und zufrieden, gelassen sein können.

2.4 Nomen est omen

Der Name JHWH = „Ich bin da (für dich)“, der Name, mit dem Gott sich Mose am brennenden Dornbusch vorstellt (2. Mose 3,14), deutet schon darauf hin: Wir können uns Gott mit unseren materiellen Sorgen ebenso anvertrauen, wie mit unseren Glaubenszweifeln oder zwischenmenschlichen Problemen. Auf alle drei Bereiche (materiell, spirituell und sozial) wird der Name Gottes gelegt (V.27). Es geht beim Segnen darum, Menschen (wieder) in die Nähe Gottes zu rücken, darum zu bitten, dass Gott ihnen sein Angesicht zuwendet, dass alle Dimensionen ihres Menschseins von seinem Licht erleuchtet werden.

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Brainwriting

Jeder bekommt zum Einstieg ein Blatt Papier, auf das er innerhalb einer halben Minute alles das aufschreibt, was er mit Segen verbindet. Dann wird das Blatt an den jeweiligen Nachbarn weitergegeben, der das Geschrieben ergänzt. Das wird so lange wiederholt, bis das Papier wieder am Ausgangspunkt angelangt ist. Vermutlich sind eure Assoziationen sehr facettenreich. Tauscht euch darüber aus: Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema „Segen“ gemacht? Wo wurdet ihr bisher persönlich gesegnet und wo wurden euch andere Personen zum Segen durch das, was sie getan oder gesagt haben?

3.2 Gedicht von Jörg Zink

Jörg Zink hat zum aaronitischen Segen ein Gedicht verfasst: „Unser Gott, der Mächtige, Ursprung und Vollender aller Dinge“. Jede einzelne Zeile des Segens wird dort mit starken Worten ausgelegt. Eine schöne Möglichkeit, den Segen einmal in einer ausführlichen Version zuzusprechen oder zum Schluss in schriftlicher Form mitzugeben. Lasst euch beim Vorlesen Zeit und jede Zeile in Ruhe auf euch wirken.

3.3 Von der Theorie in die Praxis

Sprecht euch gegenseitig den Segen Gottes zu. Dazu ist es hilfreich – hängt aber von dem Vertrauen innerhalb eurer Gruppe ab – wenn ihr euch gegenseitig erzählt, für welche Situation oder Beziehung ihr euch gerade besonders Gottes Nähe und seine Zuwendung wünscht. Legt euch gern dazu als sichtbares Zeichen die Hände auf.

3.4 Kraft in Gottes Namen

Im Neuen Testament lesen wir in etlichen Geschichten, dass Kranke in Jesu Namen geheilt werden, Dämonen beim Aussprechen des Namens Jesu ihre Macht verlieren und sich geschlagen geben müssen. In dem Namen des dreieinigen Gottes liegt also eine unvergleichbare Macht, die zur Entfaltung kommt, wenn wir – wie Gott es Aaron und seinen Söhnen in Vers 27 aufträgt – seinen Namen auf sein Volk legen. Inwieweit bist du dir dieser Kraft bewusst?

3.5 Segens-Seifenspender

Ihr könnt nur das weitergeben, was ihr selbst empfangen habt. Wir funktionieren also wie ein Seifenspender, in dem zunächst Seife eingefüllt wird, um sie anschließend an alle, die sie nötig haben, wieder abzugeben. Jeder bekommt deshalb einen Seifenspender geschenkt, auf dem der aaronitische Segen gedruckt ist. Bei jeder Nutzung wirst du daran erinnert, dich immer wieder von Gott füllen zu lassen, um ein Segensspender für andere sein zu können.

3.6 Zitat

Pfarrer Paul Deitenbeck hat einmal folgendes gesagt: „Gott segnet uns nicht dazu, dass wir in Ruhestellung gehen; er hat immer Absichten, dass das, womit er uns segnet, auch anderen zugutekommen soll.“ Was meint er wohl damit? Wo stimmst du ihm zu und wo bist du anderer Meinung? Was heißt das konkret für dein Leben?

3.7 Lied

Vermutlich ertappst du dich auch immer wieder dabei, wie du Lieder, die du gut kennst, einfach so heruntersingst. Nimm das Lied „Der Herr segne dich“ (Feiert Jesus! 3, Nr. 238) zur Hand, schreibe Zeile für Zeile ab und komme mit Gott darüber ins Gespräch. So machst du dir den Inhalt wieder neu bewusst. Und vielleicht stößt du sogar auf Textpassagen, die du bisher überlesen oder besser „übersungen“ hast. Welche Zeilen sprechen dich zudem ganz besonders an, weil sie momentan zu deinen Lebensumständen passen?

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