Kennen – und doch nicht Erkennen…

1. Erklärungen zum Text

1.1 Begriffserklärung

Pharisäer: Angehöriger einer jüdischen Glaubensgruppe, die die biblischen Gesetze sehr ernst nahmen. Sie setzten sich mit leidenschaftlichem Eifer für das genaue Einhalten aller Gesetze ein. Sie waren davon überzeugt so dazu beitragen zu können, dass Gott ihnen den versprochenen Retter, den Messias, schickt.

Sünde: Die durch fehlerhaftes Verhalten bewirkte Trennung von Gott.

Menschensohn: Besondere Bezeichnung für Jesus. Der Begriff „Menschensohn“ kommt aus dem Hebräischen, wo er zunächst einfach „Menschenkind“, also Mensch bedeutet.

diese Welt: Wenn im Neuen Testament von „dieser Welt“ die Rede ist, dann ist damit die Menschenwelt gemeint, die sich von Gott abgewandt hat.

1.2 Zusammenfassung

Jesus sagt den Juden, dass er weg geht, während sie ihn vergebens suchen werden. Dahin, wo er geht, können sie nicht mitkommen. Dieser Satz verunsichert die Juden und sie fragen sich, ob Jesus sich vielleicht selbst umbringen möchte. Jesus verdeutlicht ihnen erneut, er sei von Gott aus dem Himmel geschickt worden und nicht von der Welt, die ohne Gott lebt. Noch einmal warnt Jesus sie vor dem Tod im Unglauben, wenn sie nicht glauben wollen, dass er der Sohn Gottes ist, der als Retter geschickt wurde. Daraufhin fragen die Leute ihn, wer er denn sei. Jesus antwortet ihnen nicht direkt, sondern weist darauf hin, dass er die Antwort bereits gegeben habe und sich daran auch nichts geändert hätte. Die Juden verstehen aber immer noch nicht, dass Jesus auch von „ihrem“ Gott spricht. Wiederholt erklärt Jesus, wie wichtig es ist, ihn zu erkennen. Sein einziges Ziel ist die Verkündigung des Wortes Gottes. Gott hat ihn beauftragt und weil er Gottes Plan erfüllt, steht Gott ihm auch zur Seite und lässt ihn nicht allein.

1.3 Auffälliges im Text

Die Pharisäer erkennen Jesus nicht als Sohn Gottes, als denjenigen, der ihnen die versprochene Erlösung, die Rettung bringen soll. In ihrer Vorstellung muss der Sohn Gottes ein großer, starker, mächtiger König sein, der mit einer glänzenden Rüstung bekleidet erscheint. Jesus hingegen ist nach ihrem Verständnis arm und schwach. Dieses Unverständnis wird beson­ders in den Versen 21, 25 und 28 deutlich. Immer wieder hat Jesus erklärt und gezeigt, dass er der verheißene Messias ist und sich diese Tatsache nicht än­dern wird. Jesus betont insgesamt drei mal (V. 21 und 2x in V. 24), dass „sie“ im Unglauben sterben werden. Mehrmals spricht Jesus von einem „Standort“ – von einem anderen Ort (V. 21), von „unten und oben“ (V. 23) und von „dieser Welt“ (V. 26). Damit will Jesus verdeutlichen, wie sehr er sich als Sohn Gottes doch von den Menschen unterscheidet. Jesus kommt aus einer Welt, wo nicht die Menschen bestimmen, was gerade „angesagt“ ist, was zählt, sondern Gott. Jesu Herz ist nicht gefüllt von menschlichem Denken und Wollen, sondern von Gottes Plänen für ihn. Je­sus will die Glaubwürdigkeit seines Vaters betonen und schweigt aus Gnade, ein Hauptmerkmal seines Vaters, zu den Verfehlungen der Pharisäer (V. 26).

2. Bedeutung für den heutigen Hörer

2.1 Zu Jesus kommen. Aber wie?

„Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich.“ (Vers 28)

Jesus verweist hier auf seinen Vater, den sie erst erkennen könnten, wenn sie Jesus ans Kreuz geschlagen hätten. Jesus sieht sich also auch hier selbst als Weg, als Brücke zum Vater. In Johannes  14,6 sagt Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Wenn die Pharisäer also den Weg zu Gott dem Vater finden wollen, müssen sie den Weg zu Jesus finden. Aber wie? Wie finde ich den Weg zu Jesus?

Zuerst einmal kann man diejenigen beruhigen, die versuchen, aus eigener Kraft Jesus dadurch kennenzulernen, dass sie möglichst viel in Büchern lesen, um sich Wissen anzueignen. Es ist nicht zu leugnen, dass man Jesus auch auf diese Art und Weise ein Stück weit kennenlernen kann, dennoch geht es erst einmal nicht darum, den Lebenslauf dieses Menschen zu kennen. Es geht um die Erfahrbarkeit Jesu im eigenen Leben.

Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, selbst möglichst nahe an Jesus herankommen zu wollen. Wir können ihn zwar unentwegt überall suchen, z.B. im Gottesdienst, beim Bibellesen oder in der Gemeinschaft mit an­deren. Den Schritt, den wir allerdings nicht für Jesus gehen können, ist seine Offenbarung uns gegenüber. Es liegt in Jesu Entscheidung, ob er sich uns sichtbar und erfahrbar macht oder nicht. Doch sollen wir nicht aufhören ihn dar­um zu bitten: „Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (Mt 7,8)

Will mich Jesus dann nicht, wenn er sich mir nicht in irgendeiner Art und Weise zeigt?

Jesus will uns als seine Nachfolger haben (Mt. 28,23-25). Aber womöglich sind wir oft so selbstbezogen, dass wir gar nicht mitbekommen, wenn uns Jesus – bildlich gesprochen – täglich bis nach Hause hinterher geht und nur darauf wartet, dass wir uns zu ihm umdrehen…

2.2 Wie kann ich Jesus erkennen?

Um Jesus kennenzulernen, müssen wir wieder sensibel werden. Jesus steht jeden Tag neu vor unserer Tür zum Herzen und klopft immer wieder an. Überhören wir es vielleicht manchmal im Trubel des Alltages? Wo bzw. wann haben wir stille Zeiten, um einfach nur hinzuhören, was Jesus uns sagen möchte? Wenn wir diese kleinen Zeichen, die uns Jesus im Leben schenkt, hören und sehen lernen, dann werden uns die Augen geöffnet für die Herrlichkeit, die uns Jesus zuspricht (vgl. Joh. 12,46). „Glaube“ ist ein Geschenk Gottes, welches er durch Jesus an uns weitergeben will. Es liegt an uns, dieses persönliche Geschenk wahrzunehmen und schließlich anzunehmen.

2.3 Was bringt´s?

Jesus macht uns eine wunderbare Zusage: Wenn wir uns einmal für ihn ent­schieden haben, lässt er uns nicht mehr los. Es werden sicherlich auch schwere Zeiten auf uns zukommen, in denen wir einiges nicht verstehen und sogar unseren Glauben und Jesu Anwesenheit anzweifeln. Doch seine Zusage bleibt!

Diesen Schritt auf Jesus zuzugehen und es mit ihm zu versuchen scheint wo­möglich gar nicht so schwer, dennoch weigern sich die Juden in unserem Text. Sie wollen zum Vater, in sein Reich und wollen es nicht glauben, dass Jesus dafür der einzige Weg ist. Der Schritt zu bekennen, scheint klein und dennoch hat er eine so große Wirkung für die, die ihn wagen!

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg

Entweder:

Verschiedene Gewürze oder Düfte in Filmdosen geben. Die Teilnehmer dürfen der Reihe nach schnuppern (oder evtl. auch probieren) und sollen dann raten, um welches Gewürz bzw. um welchen Duft es sich handelt.

Oder:

Bekannte Gegenstände werden unter eine Decke gelegt. Wer möchte, kann hier auch gut auf Gegenstände zurückgreifen, die etwas mit dem Thema „Erkennen“ zu tun haben (z.B. Brille, Fotoapparat, Personalausweis,…). Nun geht es darum, welcher Teilnehmer oder welche Gruppe mehr Gegenstände richtig ertasten und nachher aufschreiben kann.       

3.2 Überleitung

Genau wie beim Einstieg geht es auch beim Thema des Bibeltextes um das „Erkennen“ – wenn auch im übertragenen Sinn, denn hier sind nicht Augen oder Hände gemeint, sondern eine Erkenntnis, die von Herzen kommen muss…

3.3 Bibeltext gemeinsam lesen

3.4 Fragen zum Bibeltext und fürs Gespräch

  • „Dann sag uns, wer du bist!“ (V. 25) – Wer ist Jesus für dich?
  • „Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, wer ich bin…“ (V. 28) – Wie und wann hast du Jesus als „Menschensohn“, als Sohn Gottes erkannt?
  • Was hat dir persönlich dein JA zu Jesus gebracht?
  • Wie und wo spürst du Jesu Nähe besonders stark?
  • Was waren Situationen, in denen du Jesu Wirken erst im Nachhinein erkannt hast?

3.5 Liedvorschläge (aus FJ 4)

  • Nr. 14: Be still an know that he is God
  • Nr. 59: Du bist, der du bist
  • Nr. 12: Our God saves
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