Ich träume von einer Gemeinde …

1. Erklärungen zum Text und Bedeutung für heute

Der Hebräerbrief ist eine Art Predigt an eine jüdische Gemeinde. Ermutigung, Kraft zum Durchhalten, bis Jesus wiederkommt und viele Hinweise auf das Alte Testament durchziehen das ganze Buch.

V.19-21: In das Heiligtum des Tempels durfte im Alten Testament nur einmal im Jahr der Hohepriester (am großen Versöhnungstag), um Israel von seiner Sünde zu befreien (3. Mose 16,30 ff.). Diesen Zugang hat Jesus geöffnet durch seinen Tod – durch sein Blut. Der Vorhang zerriss in dem Moment, als Jesus starb (Mt 27,51). Aber es geht nicht nur um diesen Vorhang – Jesus selbst ist wie ein Vorhang, wie eine Tür, durch die wir direkt zum Vater gehen können. Der Hohepriester ging im Alten Testament stellvertretend für das Volk zu Gott – Jesus stirbt auch stellvertretend für uns und schenkt uns Vergebung, einen Neuanfang – mit Gott, mit Menschen, mit uns selbst.

-> Es ist unglaublich, dass wir nicht nur einmal im Jahr, sondern täglich zu diesem Gott kommen dürfen. Viele Menschen um uns herum wünschen sich Befreiung von ihrer Schuld, von Dingen, die sie belasten, von Fehlern, die sie verfolgen. Und wir dürfen durch Jesus zu Gott gehen. Und er schenkt uns immer wieder einen Neuanfang. Wirklich unglaublich!

V.22: Weil Jesus für uns gestorben ist, dürfen wir vor Gott (den Allmächtigen, der Urgewalt, dem Herrscher aller Herrscher) kommen. Mit wahrhaftigem Herzen, voller Glaubensgewissheit. Unser Herz wurde besprengt (wie das Allerheiligste – der Gnadenstuhl – im AT: 3. Mose 16,14.15). Das, was sich viele Menschen wünschen: Reinigung des Gewissens, frei werden von Schuld und Fehlern, noch einmal neu anfangen können – das ist durch Jesu Tod möglich und wird sichtbar und spürbar in der Taufe.

-> Die Taufe ist eines der zentralen Handlungen der Christen, die uns Jesus aufgetragen hat. Durch die Taufe wird deutlich: Weil Jesus für uns gestorben ist, geschieht Vergebung. Wir werden gereinigt. Wir steigen als Sünder in das Wasser hinein – und steigen befreit von Sünde wieder aus dem Wasser heraus (Röm 6,4).

V.23: Dranbleiben, festhalten: Hoffnung ist das, was uns Menschen durchhalten lässt, auch wenn es unglaublich schwierig ist. Wenn Leid, Anfechtung, Not über uns kommen – Gott ist treu. Das hat er bewiesen. Im Umgang mit dem Volk Israel, aber auch im Umgang mit uns. Darauf dürfen wir uns 100%ig verlassen – und das ist Hoffnung!!!

-> In einer Zeit, in der Kriege und Anschläge unsere Welt in Angst und Schrecken versetzen, ist Hoffnung das einzige, was noch eine Perspektive bietet. Unsere Sicht als Christen geht über diese Zeit hinaus: Wir stehen mit beiden Beinen auf der Erde – aber unser Blick ist auf die Ewigkeit gerichtet. Auf einen Gott, der 100%ig zu seinem Wort steht.

V.24.25: Und wieder eine Aufforderung: Lasst uns füreinander da sein. Das ist es, was eine vertrauensvolle Gemeinschaft ausmacht: Umeinander kümmern, aber auch herausfordern, nicht stehenzubleiben, den Blick nach außen zu richten. (So soll Gemeinde sein!!)

Diese Stärke der Gemeinschaft erlebt man nur, wenn man dabei bleibt – auch wenns schwerfällt. Deshalb ist es wichtig, sich gegenseitig zu ermahnen und zu ermutigen (und das auch anzunehmen). Denn wir haben ein Ziel: Dabei zu sein, wenn Jesus uns zu sich holt – am Tag des Herrn. Die damaligen Christen lebten in der Erwartung, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten zurückkommen würde. Jede Generation muss neu diesen Begriff füllen: „Bereit sein, wenn Jesus wiederkommt“. Diese Ausrichtung auf das Ewige verändert meine Haltung und Taten auf dieser Welt.

-> Die Gemeinde ist eines der genialsten Geschenke, die Gott uns gegeben hat. Eine Gruppe von Menschen, in der ich so sein kann, wie ich bin. Dort erfahren wir Korrektur, Liebe, Anerkennung, dass Menschen für uns beten, usw. Aber es ist wichtig, dabei zu bleiben. Nicht wegzulaufen, wenn es schwierig wird. Gerade in Zeiten, in denen manche Leute von einer Gemeinde zur anderen laufen, um endlich „ihre Gemeinde“ zu finden, ist das eine echte Herausforderung.

2. Methodik für die Gruppe

Der Bibeltext lässt sich in drei Teile teilen

Die Voraussetzung: Wir haben …

  • … freien Zugang zu Gott selbst (V.19.20).
  • … Jesus – einen Priester – der uns vor Gott vertritt (V.21).

Wozu wir als Gemeinde aufgefordert werden, Teil 1:

Wir wollen …

  • … vor Gott treten (V.22).
  • … an der Hoffnung festhalten (V.23).
  • … uns umeinander kümmern (V.24).

Wozu wir als Gemeinde aufgefordert werden, Teil 2:

Wir sollen …

  • … die Gemeindeversammlungen nicht verlassen (V.25a)
  • … einander Mut machen / ermahnen (V.25b).

Ablauf der Bibelarbeit

  1. Schreibe alle sieben Punkte auf Karteikarten (DIN-A6).
  2. Lese die obigen Erklärungen vor (oder verwende eigene Worte) – und lege die Karten während der Ausführungen Stück für Stück auf dem Tisch aus.
  3. Fragen an die Gruppe:
    Jeder, der will, kann 1-2 Sätze über einen oder mehrere der ausgelegten Punkte sagen.
    • Was spricht dich am meisten an?
    • Was fordert dich heraus?

4. Danach werden Gruppen gebildet (bei 4 Leuten kann man auch 2 Zweiergruppen bilden usw.)
Jede Gruppe darf sich 1-2 Karten nehmen und sich in 15 Minuten überlegen, was dieser Punkt ganz praktisch bedeutet, wie er umgesetzt werden könnte: im Jugendkreis, im Hauskreis, in der Gemeinde.

5. Danach treffen sich alle wieder und tauschen das Erarbeitete gegenseitig aus.

6. Zum Abschluss kannst du noch vorlesen: „Ich träume von einer Gemeinde“.

Ich träume von einer Gemeinde …

Vor einigen Jahren war ich Pastor einer Gemeinde, in der nicht alles gut war. Wir waren Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und es gab auch manche Reibungspunkte und auch einige Reibungsverluste. Ich dachte immer, dass diese Gemeinde ein besonders schwieriger Fall sei – bis ich dann durch meine Arbeit als Jugendreferent eine ganze Reihe anderer Gemeinden kennenlernte. Plötzlich merkte ich, dass die Herausforderungen, in denen ich damals stand, in fast allen Gemeinden vorhanden sind.

Bereits in meiner alten Gemeinde schrieb ich eine Vision auf, die mich seitdem bewegt. Immer wieder habe ich sie in verschiedene Themen und Vorträgen eingebaut. Diese Vision ist ein Wunsch, der mich umtreibt, der mich begeistert, der mich herausfordert. Und diesen Wunsch habe ich für jede Gemeinde, jeden Jugendkreis, jede Mitgliederversammlung und jedes Mitarbeiterteam.

Ich habe einen Traum …
Ich träume von einem Ort, an dem man sich wirklich kennt und sich trotz aller Schwächen und Fehler liebt.
Ich träume von einem Ort, an dem man mit seinen Sorgen und Nöten verstanden wird.
Ich träume von einem Ort, an dem man sich auch mal „auskotzen“ kann, ohne schief angesehen zu werden.
Ich träume von einem Ort, an dem Fehler gemacht werden dürfen, weil Fehler einfach zum Leben gehören.
Ich träume von einem Ort, an dem man sich umarmt und miteinander lacht.
Ich träume von einem Ort, an dem man selbst gehalten wird – und an dem man auch selbst für andere zum Halt wird.
Ich träume von einem Ort, an dem man sich so geben kann, wie man ist – ohne den anderen etwas vorzuspielen.

Diesen Ort gibt es wirklich! Es ist die Gemeinde, in der Jesus der Mittelpunkt ist. Jesus hat schon längst die Grundlage für diesen Ort gelegt. Er ist gestorben und auferstanden, dass genau so ein Ort entstehen kann, wo sich eine Gemeinschaft von begnadeten Sündern trifft. Und in vielen Gemeinden gibt es diesen Ort – auch wenn er manchmal verschüttet ist.
Dort, wo sich zwei Menschen verletzlich, ehrlich und offen begegnen – dort entsteht dieser Ort.

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