Zwischen den vielen Wundern, die Jesus getan hat und von denen im Neuen Testament berichtet wird, sticht für mich eine Geschichte besonders hervor: die von der Speisung der Fünftausend. Zum einen sind bei diesem Ereignis die Jünger in besonderer Weise am Geschehen beteiligt, und zum anderen entdecke ich in dieser Geschichte bei genauerem Hinsehen neben dem großen, geheimnisvollen Ereignis der Brotvermehrung eine ganze Reihe kleinerer Wunder, die ebenfalls Anlass zum Staunen sein können und mich zu einer neuen Perspektive ermutigen.
In kurzen Abschnitten wollen wir den Bibeltext miteinander entdecken und die kleinen und großen Wunder darin aufspüren – teilweise unterstützt durch eine Aktion oder einen Impuls.
Lest dazu zunächst gemeinsam die Geschichte aus Lukas 9,10–17. Für den Abschluss später braucht ihr für alle dieselbe Bibelübersetzung. Daher ist es gut, wenn ihr für alle Teilnehmerinnen die gleiche Bibelausgabe zur Verfügung habt oder den Text für alle als Kopie bzw. Ausdruck mitbringt.
Was machst du, wenn du gerade eine richtig anstrengende Zeit hinter dir hast? Wie erholst du dich? Was tut dir gut? Vermutlich »ticken« wir in dieser Beziehung alle ganz unterschiedlich: Die eine muss sich beim Sport austoben, die andere hört ihre Lieblingsmusik, vertieft sich in etwas Kreatives oder ein Buch; manche entspannen am besten im Kreis von Freunden und wieder andere wollen einfach nur ihre Ruhe.
Überleitung zum Bibeltext:
Jesus sucht mit seinen Jüngern zunächst die Ruhe, weg von der Menschenmenge, mit der sie die letzten Tage verbracht haben. Aber als er merkt, dass die Menschen Hunger haben – nach ihm, nach Gottes Wort, nach Heilung, nach Nahrung für ihre Seele – da entzieht er sich nicht oder igelt sich ein, sondern wendet sich denen zu, die auf der Suche sind.
Das ist für mich schon das erste Wunder: Jesus hat ein offenes Ohr und offenes Herz für unsere Sehnsucht, unseren Hunger nach »Seelenfutter«, unser Suchen und Fragen, für das, was uns belastet und uns das Leben schwer macht. Wenn wir uns damit an ihn wenden, wird er uns nicht die Tür vor der Nase zuschlagen. – Seht mal nach in Lukas 11,10, was Jesus selbst uns verspricht.
Nicht nur Jesus, auch die Jünger sorgen sich um die Menschen und ihre Bedürfnisse. Auch wenn man den Eindruck haben könnte, die Jünger kommen hier nicht ganz so gut weg, weil sie so nervös reagieren und nicht so gelassen an die Sache rangehen wie Jesus – ich finde es klasse, dass sie die vielen Menschen im Blick haben und sich Gedanken darum machen, was sie jetzt brauchen. Das ist doch ein Geschenk, wenn Menschen nicht nur ständig gucken, dass sie selbst nicht zu kurz kommen oder dass ihre eigenen Bedürfnisse befriedigt werden, sondern auf andere achten und sich darum kümmern, was ihre Mitmenschen brauchen.
»Gebt ihr ihnen zu essen!«, sagt Jesus ganz überraschend. Ich könnte mir vorstellen, dass die Jünger ganz unterschiedlich auf diesen unerwarteten Auftrag reagiert haben.
Was meint ihr – welche verschiedenen Reaktionen hat diese Aufforderung von Jesus wohl bei den Jüngern hervorgerufen? Wie hättet ihr reagiert?
Aktion: Ihr könnt das veranschaulichen, indem ihr z. B. zwölf Playmobil-Figuren als Stellvertreter für die Jünger nehmt und dann gemeinsam jeder Figur ein kleines Pappschild oder Klebeetikett schreibt mit einer typischen Reaktion, z. B. der Ängstliche (»Huch! Wer – ich???«), der Kalkulierende (»Wieviel haben wir noch in der Gemeinschaftskasse? Das reicht nicht!«), der Mutige/Übermotivierte (»Tschakka! Wir rocken das! Oh …«), der Skeptiker (»Das klappt im Leben nicht!«), der Feige (»Ich versteck mich mal, dann kann ich nichts falsch machen.«), der Praktiker (»Alles klar, lass uns erstmal eine Strategie entwickeln.«), der Misstrauische (»Das ist doch bestimmt wieder so ein Trick von Jesus.«), der Neugierige (»Na, da bin ich ja mal gespannt, was jetzt passiert.«) usw.
Wenn ihr keine Playmobilfiguren zur Verfügung habt, könnt ihr auch einfach ein paar hand-flächengroße Figuren aus Pappe ausschneiden und sie gemeinsam beschriften.
Egal, ob sie ängstlich reagieren, motiviert oder pragmatisch: Die Jünger müssen nicht lange nachdenken, um festzustellen, dass das, was sie haben oder besorgen können, niemals für diese Menschenmenge reichen wird.
Jesus hätte das Problem ja im Grunde auch ganz einfach und schnell alleine lösen können, und doch hat er den Auftrag an seine Freunde weitergegeben – obwohl er doch wissen musste, dass sie das nicht schaffen können.
Austauschrunde: Was meint ihr, warum Jesus seine Jünger beauftragt und sie zu dieser Selbsterkenntnis geführt hat: »Was wir haben, das reicht doch nicht!«? Blamieren wollte er sie ja vermutlich nicht. Könnt ihr in dieser ehrlichen Bestandsaufnahme auch etwas Wunderbares versteckt sehen?
Das große Wunder in dieser Geschichte kann nur passieren, weil jemand bereit war, zu teilen, was er hatte. Angesichts der großen Menschenmenge war das ja im Grunde nur ein Krümel, aber für den- oder diejenige, die es hergibt und zur Verfügung stellt, war es vermutlich nicht wenig – vielleicht die Verpflegung für die eigene Familie für diesen Tag. Im Johannesevangelium, in dem diese Geschichte auch berichtet wird, ist von einem kleinen Jungen die Rede, der die Lebensmittel zur Verfügung stellt (Johannes 6,9). Der musste sicher damit rechnen, zuhause Ärger zu bekommen – und trotzdem wagt er es, großzügig zu sein und zu teilen, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.
Aktion: Nehmt euch Zeit zu überlegen, was jede von euch hat und einbringen kann – in Freundschaften, in eure Gruppengemeinschaft – auch wenn es vielleicht gar keine spektakulären Dinge oder Fähigkeiten zu sein scheinen. Ermutigt euch gegenseitig. Und was könnt ihr als Gruppe vielleicht auch in euren CVJM, eure Gemeinde, euren Ort einbringen? Was könnt ihr mit anderen teilen? Haltet es fest und überlegt, was ihr daraus machen könnt!
Es scheint zunächst eher nebensächlich, dass die Leute sich in Gruppen zu je 50 hinsetzen sollen – aber auch das ist eine wirklich wunderbare Nebensache: Zum einen wird es für viele ein eindrückliches Erlebnis gewesen sein, bei so einer großen Versammlung dabei zu sein und gespannt zuzuhören, wie Jesus ihnen das Reich Gottes in bunten Farben vor Augen malt. Aber in so einer riesigen Menge kann man sich auch ziemlich einsam und verloren vorkommen. Und ich finde die Idee wunderbar, dass Jesus sie sich in überschaubaren Gruppen lagern lässt. Dort können sie sich über das Gehörte austauschen, ihre Fragen und das, was sie beschäftigt, loswerden – und miteinander das Essen teilen und Gemeinschaft zelebrieren.
Aktion: Hockt euch zu dritt zusammen und nehmt euch Zeit für eine kleine Austauschrunde – darüber, wie es euch heute geht, was ihr diese Woche erlebt habt, was euch vielleicht bisher an diesem Bibeltext aufgefallen oder wichtig ist.
Zwischen »Jesus nahm …« und »Jesus gab ihnen …« hat das Wunder der Vermehrung stattgefunden. Dazwischen steht ein einfaches Tischgebet. Das ist keine Zauberformel oder Rätsel, das man lösen könnte – und doch ist das anscheinend der Punkt, an dem das Wunder passieren kann: wo die Jünger das Wenige, das sie haben, auch ihre Unzulänglichkeit, in seine Hand geben. Und Jesus segnet es, dankt Gott dafür, hält es ihm hin – damit sie es anschließend wieder aus seiner Hand nehmen können. Die Jünger geben etwas aus der Hand und können so neu beschenkt werden. Eine tiefe Erfahrung, die schon viele Christen gemacht haben: »Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich ihm ganz überließen.« (-Ignatius von Loyola)
Aktion: An dieser Stelle wäre es toll, wenn jemand von euch (vielleicht eine Mitarbeiterin oder sogar eines der Mädchen) zeugnishaft von einer Situation erzählen könnte, wo sie vielleicht mit ihren Möglichkeiten am Ende war oder sich ganz bewusst auf Gott verlassen hat, ihr Weniges ihm dankbar anvertraut hat, damit er etwas daraus machen kann. Gegebenenfalls könnt ihr euch natürlich dafür auch jemanden von außen einladen, aber es soll gar nicht spektakulär sein, sondern lebensnah – daher wäre es sicher am eindrücklichsten, wenn es jemand aus eurer eigenen Runde wäre.
Was für eine wunderbare Erfahrung, die die Menschen in der Geschichte machen: Obwohl man bei den Menschenmassen eigentlich Angst haben muss, nichts abzubekommen, bekommt nicht nur jeder ein bisschen ab, sondern am Ende werden alle satt. Es ist genug da. Jede und jeder bekommt, was er oder sie braucht.
Aktion: Essen teilen – das könnt ihr nun ganz praktisch tun. Ein einfaches Essen mit Fladenbroten/Baguette oder Brotchips, ein paar verschiedenen Dips, und Trauben oder Cherrytomaten könnt ihr gut miteinander teilen und dabei üben, darauf zu achten, dass niemand zu kurz kommt.
… und es blieben 12 Körbe voll übrig – ein Vielfaches von dem, womit sie angefangen hatten. Auch so eine wunderbare Seite Gottes: Wenn wir uns ihm anvertrauen, auch mit unserem Mangel und unserer Bedürftigkeit, dann schenkt er meistens mehr als nur das Allernötigste. Jesus sagt selbst: »Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben.« (Joh. 10,10, oder wie Psalm 23 es ausdrückt: »Du schenkst mir voll ein.« Gott gibt volle Kanne! Wie wunderbar.
Aktion: Zum Schluss lest den Bibeltext nochmal als so genanntes Echo-Lesen: Alle haben den Text vor sich und suchen sich ein Wort oder einen Satz aus, der ihnen wichtig geworden ist heute. Eine Mitarbeiterin liest den Text langsam vor, und an »ihrer« Stelle liest jede jeweils laut mit. So teilt ihr eure »Brocken« aus dieser Wundergeschichte.
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