Stürmische Zeiten

1. Erklärungen zum Text

Der Schwerpunkt dieser Bibelarbeit liegt auf der Geschichte von der Bootsfahrt der Jünger über den See Genezareth (V.45-52). Dieses Ereignis wird auch in Matthäus 14,22-33 (hier mit dem „sinkenden Petrus“) und Johannes 6,16-21 erzählt. Eine ganz ähnliche Begebenheit wird bereits in Markus 4,35-41 berichtet, mit dem Unterschied, dass dort Jesus selbst mit an Bord ist.

V.45-47: Der Bericht schließt sich direkt an die „Speisung der 5000“ an. Nach einem so großen Wunder hätte man Freude und Feier erwartet, jedoch „drängt“ Jesus seine Jünger zum Aufbruch: Sie sollen schon ohne ihn mit dem Boot ans andere Ufer vorfahren. Für die Jünger, von denen einige erfahrene Fischer waren, ist dies keine unzumutbare Aufgabe. Jesus bleibt also zurück und verabschiedet die Menschenmenge, um dann sich dann – ganz allein – zum Beten zurückzuziehen, wie er es oft vor oder nach besonderen Herausforderungen getan hat.

V.48.49: Der See Genezareth ist auch heute noch für seine plötzlich aufkommenden Winde bekannt. Die Fahrt für die Jünger wird nun durch Sturm und Wellen erschwert: Sie kommen nicht mehr richtig voran. Jesus sieht ihre Mühe aus der Ferne. In der „vierten Nachtwache“, d. h. zwischen 3 und 6 Uhr morgens, kommt er zu ihnen. Die Zeit der Morgendämmerung ist nach alttestamentlicher Auffassung die Zeit der Hilfe Gottes (vgl. Ps 46,6). Da haben die Jünger sich bereits stundenlang abgemüht und Jesus scheint auch noch an ihnen vorbeigehen zu wollen. Er „geht“ auf dem See, was nach alttestamentlicher Ansicht nur Gott kann (vgl. Ps 77,20 und Hiob 9,8). Das Hauptereignis ist also gar nicht das „Naturwunder“, sondern die Aussage, dass Jesus Gottes Fähigkeiten hat. Die Jünger (und zwar alle) halten Jesus für eine Spukerscheinung, da sie mit ihm so nicht gerechnet hatten. Auch für einen erfahrenen Fischer ist das nun zu viel. Die Reaktion ist Angst und Chaos.

V.50-52: Mitten im Chaos gibt Jesus sich zu erkennen. Damit möchte er ihnen einerseits Mut zusprechen. Aber die Aussage „Ich bin es“ hat noch eine viel tiefere Bedeutung, da es an die Worte bei Gottes Selbstoffenbarung im brennenden Dornbusch erinnert. Damit sagt Jesus nicht nur „Ich bin bei euch“, sondern er zeigt auch hier wieder, dass er Gott (der „Ich-bin-der-ich-bin“ vgl. 2. Mose 3,14) ist. Jesus steigt ins Boot und ganz nebenbei geschieht ein weiteres Wunder: Der Sturm legt sich – die Jünger sind gerettet. Die äußeren Umstände sind damit wieder geordnet, aber innerlich bleiben die Jünger fassungslos. Wie öfters im Markusevangelium wird auch hier das Unverständnis, das „verschlossene Herz“ der Jünger, betont. Trotz aller Erlebnisse sind sie unfähig, Jesus als Gott zu erkennen und lehnen den Glauben an ihn ab.

2. Bedeutung für heute

Wir können uns gut in die Lage der Jünger hineinversetzen. So lässt sich unser eigenes (Glaubens-)Leben und seine Herausforderungen mit dieser Bootsfahrt über den See vergleichen.

2.1 Der Auftrag: Jesus schickt uns los

Zu Beginn der Geschichte steht eine wichtige Tatsache: Zum Genießen der gerade gemachten Glaubenserfahrung bei der „Speisung der 5000“ bleibt keine Zeit, denn Jesus schickt seine Jünger los. Er mutet ihnen damit auch bewusst die nachfolgende Situation von Dunkelheit und Sturm zu. Auch für uns sind besondere Highlights für den Glauben wichtig und gut, aber auch wir sollen uns nicht darauf ausruhen. Wie schnell vergessen wir, dass Christsein eigentlich kein gemütliches Sit-in ist, sondern vielmehr „Unterwegs sein“ bedeutet. Und auf diesem Weg gibt es nicht nur Sonnenseiten, sondern manchmal eben auch Finsternis und Gegenwind. Jesus mutet uns diese Herausforderungen nicht zu, um uns zu ärgern, sondern damit wir wieder neue Glaubenserfahrungen machen. Große Erfolge im Glauben sind meist mit großen Gefahren verbunden. Und oft erkennen wir erst im Nachhinein, dass wir gerade durch die Herausforderungen am meisten gewachsen sind.

2.2 Die Angst: Wenn Probleme auftauchen

Manchmal mühen wir uns ab und haben das Gefühl, dass es kein Vorwärtskommen gibt. Und wir fragen: „Jesus, siehst du nicht, wie es mir geht?“ „Wo bist du, wenn ich dich am meisten brauche?“ „Warum hast mich hierher geschickt?“ Dabei kann es hilfreich sein, weniger die Frage nach dem WARUM und mehr nach dem WOZU zu stellen, denn damit richtet sich unser Blick wieder nach vorn, anstatt nur nach hinten zu schauen. Wenn wir uns verlassen und überfordert fühlen, bekommen wir Angst. Das ist eine normale menschliche Reaktion. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber! Sie hindert uns daran, klar zu denken und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und spätestens dann ist unsere Sehnsucht groß, dass Gott ein Wunder tut. Und wir dürfen, ja, wir sollen ihn darum bitten. Den Zeitpunkt, wann Gott eingreift, können wir jedoch nicht bestimmen. Es bleibt ein Geheimnis, WANN er das tut. Aber: Gott hilft spätestens rechtzeitig!

2.3 Der Trost: Durch Jesus ist Gott uns nah

Gott fordert uns heraus, aber er überfordert nicht. So wie Kinder etwas lernen (z. B. Radfahren) und herausgefordert werden müssen, indem sie allein etwas tun, aber die Eltern doch notfalls in der Nähe sind. So sieht Jesus auch unsere Not. Und mitten im größten Chaos ist er ganz nah. Nur erkennen wir das nicht, wenn Angst und Sorgen unseren Blick vernebeln. Jesus will uns trösten und Mut machen: „Ich bin doch da. Ich bin der Herr, ich bin Gott. In dieser Welt habt ihr Angst. Aber verliert nicht den Mut: Ich habe diese Welt besiegt!“ (vgl. Joh 16,33) Und wenn wir dann Gottes Handeln erleben, ist uns zu wünschen, dass wir – anders als die Jünger – unser Herz öffnen und Gott wieder ein Stück mehr vertrauen.

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg

Variante 1 – Gruselgeschichte

Der Erzähler sorgt für eine ruhige und möglichst dunkle (Kerzenlicht) Atmosphäre und kündigt eine Gruselgeschichte an. Dann erzählt er folgendes:

Ein Mann fährt mit seinem Auto in einer einsamen Waldgegend. Da bekommt sein Auto eine Panne und er kann nicht mehr weiterfahren. Fernab der Straße sieht er ein Licht im Wald. Er wartet einige Zeit, ob ein anderes Auto vorbeikommt, denn er hat kein Telefon dabei. Aber er bleibt allein. So fasst er den Entschluss, Hilfe zu suchen. Er geht also in den Wald hinein und auf das Licht zu. Er geht ziemlich lange durch das Unterholz, bis er plötzlich vor einem sehr alten Herrenhaus steht. Nach einigem Zögern klopft er an, worauf er drinnen Schritte hört. Mit einem hörbaren Knarren öffnet sich die Tür. Da steht ein alter buckeliger Butler und sagt, nachdem der Mann ihn um Hilfe gebeten hat: „Dies ist ein sehr altes Haus. Ein Telefon haben wir nicht, aber Sie können hier übernachten und morgen Hilfe holen.“ Der Mann nimmt dankend an und wird in ein großes Zimmer geführt, wo ein bequemes, altes Bett steht. Dort legt er sich hin und schläft bald ein. Mitten in der Nacht wacht er auf. Auf dem Flur hört er merkwürdige Geräusche. Tapp! Tapp! Tapp! Der Mann fasst sich ein Herz und geht auf den Flur. Im düsteren Licht steht jemand. Es ist ein kleines Mädchen, das sehr blass aussieht. Er fragt das Mädchen: „Was machst du denn mitten in der Nacht auf dem Flur?“ Das Mädchen antwortet: „Ich? Ich spiele hier nur mit meinem kleinen roten … BALL!“

Der Erzähler hat zum Ende der Geschichte immer leiser gesprochen. Das Wort „BALL“ wird aber ohne jede Vorwarnung so laut wie möglich gebrüllt! Die inhaltlich völlig harmlose Geschichte leitet so über zu Variante 2.

Wähle eine Frage zum Einstieg aus:

  • Wovor hattest du als Kind am meisten Angst (z. B. Dunkelheit, Ungeziefer, Wasser …) Ist das heute auch noch so?
  • Wurdest du schon einmal von einem Sturm oder einer Naturkatastrophe bedroht?

3.2 Begegnung mit dem Text

Bibeltext lesen

Lies den Bibeltext Markus 6,45-52 langsam und deutlich vor.

Bibeltext visualisieren

Die Geschichte lässt sich gut darstellen, um noch tiefer in den Text einzusteigen. Dazu brauchst du: Ein blaues Tuch, ein Papierboot und Spielbrettfiguren (12 Jünger, Jesus). Während du den Bibeltext nochmal vorliest, stellen die Teilnehmer die Szene mit den Gegenständen nach.

3.3 Vertiefung

Anhand folgender Fragen kommt ihr über den Bibeltext ins Gespräch. Es kann mit Impulsen aus 1. und 2. ergänzt werden. Die Visualisierung (s. o.) wird dabei nochmal aufgegriffen. Stell dazu das Boot mit den Figuren nochmals auf das Tuch.

  • Wie hättest du reagiert, wenn du Jesus auf dem Wasser gesehen hättest?
  • Was versäumten die Jünger bei der Speisung der 5000 zu lernen, das ihnen hier hätte helfen können?
  • Wo hast du schon einmal lange auf Gottes Eingreifen warten müssen?
  • Wo in deinem Leben erlebst du gerade eine Herausforderung / einen Sturm? Jeder bekommt kleine Zettel und Stifte und kann dort seine Herausforderungen aufschreiben und auf das blaue Tuch um das Boot herum legen.
  • Wo brauchst du es also, dass Jesus sagt: „Ich bin es. Hab keine Angst!“?
  • An welcher Stelle muss dein Herz weicher werden, d. h. wo willst du Gott mehr vertrauen?

3.4 Abschluss

Wähle eine Variante oder eine Kombination der Varianten aus:

Variante 1

Macht eine Lobpreiszeit mit einigen Liedern, in denen es v. a. um Vertrauen geht, z. B.:

Aus: Feiert Jesus! 4

  • Nr. 22 Du allein rettest mich
  • Nr. 71 Nichts soll uns erschüttern
  • Nr. 85 Im Sturm sing ich zu dir
  • Nr. 140 Still

Aus: Feiert Jesus! 3

  • Nr. 82 Du allein
  • Nr. 97  You Shine

Aus: Feiert Jesus! 1

  • Nr. 198 Jesus wir sehen auf dich

Variante 2

Spiel das Lied „Lege deine Sorgen nieder“ (CD Feiert Jesus 18, Nr. 7) als Zuspruch vor.

Variante 3

Lege ein paar verschiedene Bibelverse mit Zusprüchen aus. Jeder darf sich einen Vers aussuchen und ihn sich von jemandem zusprechen lassen.

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