Hoffnungsloser Fall?

1. Erklärungen zum Text

Jesaja 35 bildet den Abschluss einer Reihe von Gerichtsworten über Völker aus dem Umfeld Judas. Gott wirft ihnen vor, dass sie ihren eigenen Weg gegangen sind. Deshalb geht er mit ihnen ins Gericht. Auch auf das Volk Gottes hat das abgefärbt. Sie haben die Verhaltensweisen ihres Umfeldes teilweise angenommen. Sie sind ihren eigenen Weg gegangen und haben menschliche Lösungen gesucht, ohne auf Gott zu vertrauen. So hat König Hiskia im Kampf gegen die Assyrer zunächst auf die Hilfe der Ägypter gesetzt, anstatt sich auf Gott zu verlassen (vgl. Jes 30,1-7). Und Gott ruft sein Volk zur Umkehr auf (Jes 31,6).

Jesaja 35 steht am Ende dieser Gerichtsreden. Jesaja stellt an den Anfang das Bild von Wüste, Steppe und Einöde. Dieses dürre Land ist den Menschen in Juda sehr vertraut. Sie leben in einem solchen Land, wo die guten Wachstumsbedingungen fehlen. Aber Gott verheißt Hoffnung auf unterschiedlichen Ebenen:

Gott verheißt eine Perspektive des Wachstums (Jes 35,1.2)

Gott verspricht seinem Volk, dass er Herrlichkeit, Pracht und Blüte in ihrer Wüste schaffen wird.

Gott verheißt den Sieg gegen die Assyrer (Jes 35,3.4)

Trotz aller Verzagtheit im Angesicht der Bedrohung macht Gott seinem Volk Mut. Er verspricht seine Hilfe, wenn auf ihn geschaut wird. Dies tut König Hiskia und die wunderbare Rettung nimmt ihren Lauf. Der Engel des Herrn fällt in das Lager der Assyrer ein und schlägt 185.000 Mann (vgl. Jes 37,36-38).

Gott verheißt eine messianische Heilszeit (Jes 35,5-7)

Gott weitet den Blick über die gegenwärtige Situation hinaus und verheißt eine messianische Heilszeit, welche in Jesus ihre Erfüllung findet. Jesus selbst bezieht diesen Text auf sich und sein Wirken. Als der Täufer seine zweifelnde Anfrage an Jesus richtet, begründet dieser seine Messianität mit Bezug auf Jesaja 35,5 (vgl. Mt 11,1-6).

Gott verheißt ewiges Heil (Jes 35,8-10)

Noch einmal weitet Gott den Blick und verheißt, dass diejenigen, die geradlinig auf seinem heiligen Weg gehen, in ein neues Zion kommen werden. Dieses Zion wird von völlig neuer Qualität und Herrlichkeit sein. Offenbarung 21–22 greift dieses Bild auf und konkretisiert die fragmentarische Schau Jesajas.

2. Bedeutung für heute

Die Situation von Jesaja zu heute hat sich unwesentlich verändert. Noch immer steht das Volk Gottes in der Gefahr, auf sich zu schauen und menschliche Lösungen für Probleme zu suchen. Doch wer menschliche Lösungen sucht, hat auch nur menschliche Möglichkeiten. Diese kommen oftmals an ihre Grenzen. Konfrontiert mit Krisen, Schicksalsschlägen und Katastrophen erleben viele Menschen Wüstenzeiten, gerade da, wo Jesus, das lebendige Wasser, außer Acht gelassen wird. Doch heute wie damals eröffnet Gott neue Perspektiven.

Blühende Wüste

Wo dein Glaube im Laufe der Zeit zur Wüste geworden ist, weil ihm das lebendige Wasser fehlt, da will Gott neue Frucht aufbrechen lassen. Oft sind es gerade Wüstenzeiten, die neues Wachstum ermöglichen.

=> Frage: Wo hast du Wüstenzeiten erlebt oder erlebst sie gerade? Wie handelt Gott?

Gottes Möglichkeiten

Wo du auf dich und deine Möglichkeiten geschaut hast, da richte deinen Blick wieder auf Gott und seine Möglichkeiten. Er macht dir die gleichen Zusagen wie damals dem Volk.

=> Frage: Wie geht es dir damit, dich voll auf Gott zu verlassen?

Jesu Wirken

Wo Jesus in dein Leben tritt, beginnt seine messianische Heilszeit. Er verheißt seinen Jüngern die Kraft seines Geistes (Apg 1,8). Dort, wo diese Kraft (dynamis) wirksam wird, entsteht eine neue Dynamik. Blinde sehen, Taube hören, Lahme springen und Stumme jubeln.

a) Wer ist blind?

These: Blind ist, wer nur sieht, was er sehen will. Wir sind Meister im Wegsehen. Jesus will uns seine Augen schenken!

=> Frage: Wo solltest du hinsehen?

b) Wer ist taub?

These: Taub ist, wer nur das hört, was er hören will. Wir sind Meister im Weghören. Jesus will uns seine Ohren schenken!

=> Frage: Wo solltest du zuhören?

c) Wer ist lahm?

These: Lahm ist, wer nur dahin geht, wo er hingehen will. Wir sind Meister der Unbeweglichkeit, obwohl wir im Zeitalter grenzenloser Mobilität leben. Jesus will uns seine Beine schenken.

=> Frage: Wohin solltest du gehen?

d) Wer ist stumm?

These: Stumm ist, wer nur das redet, was alle hören wollen. Wir sind Meister im Schweigen. Jesus will uns seine Stimme geben!

=> Frage: Wo und wann sollte ich nicht länger schweigen?

Ewige Perspektive

Über das hinaus schenkt Gott uns eine ewige Hoffnung. Er eröffnet die Tür des ewigen Lebens. Diese Gewissheit trägt uns gerade in den dunkelsten Stunden des Lebens und Sterbens.

3. Methodik für die Gruppe

Jesaja 35 bietet jede Menge Inhalt und eine Fülle von Anknüpfungen. Daher würde ich empfehlen, Schwerpunkte zu setzen.

Blühende Wüste

  • Möglicher Einstieg: Wüstenbild
  • Frage zum Einstieg: Was verbinden die Teilnehmenden mit Wüste?
  • Übertrag ins geistliche Leben: Wüste als geistliche Situation. Doch die Wüste ist kein Bild der Hoffnungslosigkeit. Dort, wo Wasser auf die Wüste fällt, erwacht diese zu neuem Leben.
  • Kreativelement: „Die Rose von Jericho“. Diese Wüstenpflanze fängt wieder an zu grünen, wenn sie mit Wasser übergossen wird. Allerdings dauert dies seine Zeit.

Doch wie kommt das lebendige Wasser Gottes in unser Leben?

Jeder Mensch ist anders und hat einen anderen Zugang zu Gott. Dazu hat Bill Hybels einen lesenswerten Artikel geschrieben (7 Zugänge zu Gott). Auch das Buch „Neun Wege, Gott zu lieben“ von Garry L. Thomas geht in diese Richtung. Es ist wichtig, sich selbst zu reflektieren und zu schauen, was ich investieren kann, dass der Glaube nicht austrocknet.

Gottes Möglichkeiten

  • Möglicher Einstieg: Identifikation schaffen mit dem Volk, welches eigene Lösungsmöglichkeiten sucht.

Im Film „Indiana Jones – der letzte Kreuzzug“ gibt es dazu eine passende Filmszene. Indiana steht vor einer tiefen Schlucht, doch irgendwo muss es eine unsichtbare Brücke geben. Erst in dem Moment, wo er im Glauben den ersten Schritt geht, wird die Brücke erlebbar. Genauso erlebe ich oft meinen Glauben. Es ist immer wieder ein mutiger Schritt ins Ungewisse. Doch wenn ich diesen Schritt gehe, kann ich erleben, wie Gott hält, führt und sicher ans Ziel bringt.

Jesu Wirken

Zur Vertiefung bieten sich ein Predigtimpuls oder ein Gruppengespräch mit Stationen an. Diese Stationen könnten die vier Punkte (blind, taub, lahm, stumm) aufgreifen.

Station 1 – blind

Die Augen öffnen, die Welt bewusst wahrnehmen und aktiv dafür eintreten.

Aktion: Tagesschau in 100 Sekunden anschauen oder Bilder mit Schlagzeilen zu aktuellen Ereignissen. Anschließend kann dafür gebetet und als Symbol eine Kerze angezündet werden.

Aktiv helfen: Spendenprojekt – z. B. EC Indienhilfe

Station 2 – taub

Hören auf Gott in der Stille.

Aktion: Nehmt euch Zeit für hörendes Gebet. Was sagt dir Gott in der Stille?

Station 3 – lahm

Im Leben gibt es immer wieder Dinge, die lähmen, ausbremsen, festbinden. Es gilt, diese zu reflektieren und bei Gott loszuwerden.

Aktion: Auf ein laminiertes Blatt kann mit Folienstift etwas draufgeschrieben und danach im Wasser abgewaschen werden. Alternativ kann man auch auf Gelatineplatten schreiben und diese dann in warmem Wasser auflösen.

Station 4 – stumm

Sagen, was gesagt werden muss.

Aktion: Auf Plakatwände werden verschiedene Themen geschrieben und die Teilnehmenden können ihre Meinung zu diesen Themen aufschreiben (z. B. Abtreibung, Mobbing, Antisemitismus, …)

Für was lohnt es sich, vielleicht auch einmal auf die Straße zu gehen?

Ewige Perspektive

Die Advents- und Weihnachtszeit bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Aktion Weihnachtsmarkt: Vor zwei Jahren sind wir, verkleidet in einem Osterhasenkostüm, über den Weihnachtsmarkt gegangen und haben Schokoladeneier verteilt. Ziel war es, mit den Menschen über die Frage: „Was hat Ostern mit Weihnachten zu tun?“ ins Gespräch zu kommen.

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