Die Beichte / Freiheit erfahren – Vergebung erleben

1. Vorbemerkungen

„Beichte“ ist in den Köpfen und Vorstellungen der meisten jungen Menschen etwas Altmodisches, etwas, das zur katholischen Kirche gehört. Eine Einrichtung, mit der die Kirche Druck auf ihre Gläubigen ausübt, etwas, zu dem junge Menschen eher gezwungen werden. Wenn man nicht gerade katholisch aufgewachsen ist, kennt man diese Praxis vielleicht noch aus Filmen, in denen der Sünder in einem dunklen Raum einem Priester, ebenfalls in einem dunklen Raum, durch ein kleines vergittertes Fenster seine Sünden „beichtet“ und dieser dem Bekennenden zur Wiedergutmachung einige fromme Aufgaben aufträgt (z. B. das Beten von zehn „Vaterunsern“).

Dass in der Bibel die Beichte, also das Bekennen seiner Schuld vor einem Zeugen und die konkrete Zusage der Vergebung Gottes, als eine konkrete Hilfe im Leben als Nachfolger Jesu beschreibt, ist den meisten nicht bekannt.

Die persönliche Beichte hilft, Vergebung Gottes nicht nur theoretisch zu kennen, sondern konkret zu erfahren.

Der Abend kann eine Hilfe sein, dass junge Menschen konkret ein Leben mit Jesus starten. Daher sollten Mitarbeiter sich besonders auf Gespräche und Gebete mit den Jugendlichen vorbereiten.

2. Zielgedanke

Jugendlichen und Teenagern soll Mut gemacht werden, durch eine persönliche Beichte die Freiheit der Vergebung Gottes nicht nur intellektuell zu verstehen und zu kennen, sondern auch zu erfahren.

Dabei wird es auch innerhalb des Stundenentwurfes einen „Praxisteil“ geben.

3. Einführung

Anmerkungen/Erklärungen zum 1.Johannesbrief 1, 5-10:

Grundsätzliches: Wenn hier über „Sünde“ geredet wird, dann hat das immer zwei Bedeutungen. Zum einen redet die Bibel von Sünde als dem Zustand der Trennung von Gott, also dem „Verloren-sein“, aus dem Jesus retten möchte und das durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung möglich geworden ist. In Vers 6 und 7 geht es um eben diese Bedeutung.

In den Versen 8 bis 10 meint „Sünde“ die „Tat Sünde“, also das Verhalten, das nicht dem Willen Gottes entspricht. In dieser Art von Sünde werden wir solange wir leben verstrickt sein. Aber auch für diese Sünde ist Christus am Kreuz gestorben.

Konkret:

Vers 5: Licht ist das Gegenteil von Finsternis. Dabei steht Licht in der Bibel für Gerechtigkeit, Gnade, Güte, für Freundlichkeit, für Hoffnung und Liebe, für das Gute an sich. Finsternis hingegen steht für das Böse, für Sünde, für das, was den Menschen von Gott trennt. Wenn es heißt: Gott ist Licht und es gibt in ihm keine Spur von Finsternis, dann bedeutet das: Gott ist ohne Sünde, er ist absolut rein, Liebe in Person, er ist das Gute an sich.

Vers 6 und 7: Ein Leben als Christ, also in der Verbindung mit Gott, kann nicht in der Finsternis stattfinden, sondern das Wesen Jesu wird auch den Christen immer mehr bestimmen. Es ist also nicht egal, wie wir leben. Ein Leben in der Verbindung zu Jesus wird unser Verhalten prägen und auch wir werden immer mehr im Licht leben. Ein Leben als Christ bedeutet immer auch ein Leben aus der Vergebung. Diese ist möglich, da Jesus selbst für unsere Sünde, für die Trennung von Gott, gestorben ist und wir damit eben genau diese Gemeinschaft mit ihm leben können. Das bedeutet aber auch, dass er jede einzelne Verfehlung am Kreuz auf sich genommen hat und uns dafür vergeben will.

Vers 8: Wenn wir glauben, dass wir ein perfektes Leben nach dem Willen Gottes führen können, dann lügen wir. Auch als Christen werden wir schuldig. Und auch als Christen brauchen wir Vergebung. Hier ist kein Mensch besser oder schlechter.

Vers 9: Gottes konkreter Lösungsvorschlag, wie wir mit der Sünde, die uns und andere belastet, umgehen sollen. Die Sünde bekennen bedeutet, zu ihr zu stehen, sie auszusprechen, dann wird Gott sie vergeben. Er wird uns „von allem Unrecht reinigen“, das bedeutet, sie ist wirklich weg. Sie belastet nicht mehr. Es gibt zwar Dinge, deren Folgen wir weiterhin tragen müssen (Dinge, die wir kaputt gemacht haben, werden nicht immer wieder heil), aber die Sünde ist vergeben.

Vers 10: Hier wird noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Gottes Wahrheit über unser Leben zu akzeptieren: Wir werden es nicht schaffen, ein Leben ohne Schuld und Unrecht zu leben, sondern immer abhängig von der Vergebung Gottes bleiben.

Anmerkungen/Erklärungen zu Jakobus 5, 16:

Hier wird Mut gemacht, dass wir „einander“ unsere Sünden bekennen sollen und füreinander beten sollen. 

Anmerkungen/Erklärungen zu Johannes 5, 23:

Jesus selbst gibt seinen Jüngern den Auftrag und die Vollmacht, im Namen Jesu Sünden zu vergeben. Als Nachfolger Jesu gilt uns selbst dieser Auftrag. Wir dürfen der Person, die ihre Sünde bekennt, konkret zusagen, dass Gott die Sünde vergeben hat.

4. Methodik für die Gruppe

Verkündigung in großer Gruppe, Kleingruppen, Einzelarbeit, Angebot des persönlichen Gebetes mit einem Mitarbeiter.

4.1 Einstieg

Fragen an die Gruppe:

  1. Habt ihr schon einmal jemandem etwas „beichten“ müssen?
  2. Was für Erfahrungen habt ihr gemacht? War es befreiend oder belastend?

4.2  Hauptteil

  • Berichtet von eigenen Erfahrungen zum Thema Beichte. Erzählt, wo ihr jemandem ein eigenes Versagen bekennen musstet und jemanden um Vergebung gebeten habt. Erzählt davon, wie gut es getan hat, wenn euch vergeben wurde. Erzählt auch, wie schwer es ist, wenn das Gegenüber nicht bereit ist, zu vergeben.
  • Diese Beispiele sollen deutlich machen, wie befreiend eine „Beichte“ und „Vergebung“ sein kann.
  • Ich möchte euch heute vorstellen, wie befreiend es sein kann, wenn man seine Schuld tatsächlich vor Gott und einem Zeugen ausspricht, und dieser Zeuge einem die Vergebung Gottes konkret zuspricht. Nichts anderes ist übrigens die „Beichte“.
  • Beichte ist eine Möglichkeit, Vergebung besser in unserem Leben wahrzunehmen. Was hilft es, wenn wir theoretisch zwar wissen, dass uns vergeben ist, uns aber in der Praxis immer wieder über unser Versagen ärgern, ja manchmal sogar richtig Schwierigkeiten haben, uns selbst zu vergeben.
  • Es ist tatsächlich eine große Hilfe, wenn wir auf den Kopf zugesagt bekommen, dass die Sünde, die wir gerade ausgesprochen, bekannt haben, nun tatsächlich vergeben ist.
    • Wichtig: Die persönliche Beichte ist eine Hilfe, keine Pflicht.
  • Erklärt den Teilnehmern den Unterschied zwischen Sünde als Trennung von Gott, also der Beschreibung des Zustandes des Verlorenseins und der Tat-Sünde, der wir auch als Christen ausgeliefert sein werden.
  • In diesem Sinne werden wir uns tatsächlich selbst betrügen, wenn wir sagen, dass wir ohne Sünde sind, also immer alles richtig machen.
  • Gott um Vergebung bitten ist eine Sache. Wenn wir das tun, dann vergibt Gott.
  • Um Vergebung wirklich in unserem Leben erfahrbar zu machen, tut es tatsächlich gut, sie vor jemandem auszusprechen und von ihm die Vergebung zugesprochen zu bekommen.
  • Vorteile des Aussprechens vor einem Seelsorger:
    • Mir wird selbst klar, was für einen Fehler ich gemacht habe.
    • Mir fällt auf, wenn ich gar nicht so genau weiß, was eigentlich falsch war. Hier hilft das Gespräch mit jemandem, der mir helfen kann, zu erkennen, was der eigentliche Fehler war.
    • Manchmal begehen wir immer wieder dieselbe Sünde und merken gar nicht, dass die eigentliche Schuld etwas ganz anderes ist.
    • Der Seelsorger kann mir deutlich machen, wann ich „Schuldgefühle“ habe und wann es sich um wirkliche Schuld handelt.
    • Ein Seelsorger kann mir in der Beichte die Wahrheit Gottes zusagen, dass ich ein geliebtes Kind Gottes bin und dass er gerne vergibt.
  • Wer kann Seelsorger sein?
    • Jemand, der selbst mit Jesus unterwegs ist und „aus der Vergebung“ lebt.
    • Jemand, der selbst bereit ist, vor Gott und einem Menschen seine Sünde zu bekennen.
    • Jemand, der verschwiegen ist und dem man vertrauen kann.
  • Wie läuft eine Beichte praktisch ab?
    • Der Seelsorger fragt, was du möchtest.
    • Der Seelsorger spricht ein kurzes Gebet („Jesus, danke dass du da bist, dass du für unsere Schuld gestorben bist und dass du dich freust, dass wir mit den Dingen, die uns belasten, zu dir kommen. Danke, dass wir das dürfen. Bitte schenk … Mut, die Dinge auszusprechen, die ihm wichtig geworden sind und die ihn von dir trennen.“)
    • Dann sprichst du ein einfaches Gebet: „Jesus, ich bekenne dir, dass ich … Ich bitte dich um Vergebung.“
    • Vielleicht fragt dich der Seelsorger noch, ob du noch etwas sagen möchtest. Wenn nicht, dann wird der Seelsorger ein Gebet sprechen:
    • „Jesus, danke, dass …  dein Kind ist. Du hast gehört, was er dir bekannt hat. Du bist für seine Schuld gestorben, bist ans Kreuz gegangen und hast die Schuld ein für alle Mal besiegt. Deswegen sage ich dir, … , jetzt im Namen Jesu: Deine Schuld ist dir vergeben! Und nichts und niemand, auch nicht du selbst, darf dich dafür verklagen. Er hat deine Schuld vergeben! Du bist nun frei!“
    • Der Seelsorger kann dich fragen, ob er dir dabei die Hände auflegen darf. Wenn du das möchtest, wird er es gerne tun.
    • Manchmal tut es gut, im Anschluss daran noch ein kurzes Gebet zu sprechen und Gott zu danken.
  • Anmerkungen:
    • Der Seelsorger ist zum Schweigen verpflichtet. Allerdings gibt es Ausnahmen. Bei Gefährdung des eigenen Lebens (also wenn jemand beichtet, dass er sich umbringt oder selbst verletzt oder verletzen möchte, wenn jemand missbraucht wird und immer noch eine akute Gefährdung besteht) oder wenn jemand anderes gefährdet ist (wenn jemand beichten möchte, dass er vor hat, jemanden umzubringen), wird der Seelsorger mit fachlich qualifizierten Menschen reden müssen. Daher gilt: Du kannst dich einem Seelsorger anvertrauen, denn er wird verantwortlich mit dem Gehörten umgehen. Er wird dir aber nicht pauschal zusichern können, dass er mit niemandem über das Gehörte reden wird.

4.3 Abschluss

Wie kann ich herausfinden, was ich denn beichten sollte? Bei welchen Dingen kann mir eine Beichte eine Hilfe sein? Diese Frage ist berechtigt. Am besten: Fragt Jesus selbst!

Hier könnt ihr ein kleines „Experiment“ mit den Jugendlichen machen. Gebt ihnen einen leeren Zettel und einen Stift und zwanzig Minuten Zeit, mit sich und Gott allein zu sein. Gebt ihnen folgende Frage mit: „Jesus, was läuft in meinem Leben falsch? Wo habe ich Dinge getan, die du nicht gut findest? Wo sehnst du dich danach, mir Vergebung zuzusprechen?“

Im Anschluss an dieses Experiment könnt ihr den Jugendlichen anbieten, bei euch als Mitarbeitern zu beichten (dabei ist es wichtig, dass Jungs zu Männern gehen und Mädchen zu Frauen).

Ansonsten baut einen Schredder auf, in dem die Jugendlichen den Zettel vernichten können. Bietet ihnen an, dies betend zu tun.

Wichtig: Kein Jugendlicher ist besser als der andere, wenn er das Angebot der Beichte annimmt. Für manch einen ist dies eine große Hilfe, zu verstehen, was Gott für einen getan hat.

Hinweis für Mitarbeiter: Wenn ihr merkt, dass Jugendliche beichten wollen, aber keine Ahnung haben, wer Jesus ist, nutzt die Chance, ihnen von Jesus zu erzählen und macht ihnen das Angebot, Christ zu werden.

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