Ich will euch trösten

Gott sieht meinen Schmerz – eine Bibelarbeit zu Jesaja 66,13

Die Jahreslosung für 2016 ist nicht nur etwas für kleine Mädchen, die sich bei der Mama ausheulen, sondern auch etwas für harte Jungs, die so schnell nichts umhaut. Diese Jahreslosung, die so emotional vom Trösten spricht, zeigt uns, wie unendlich wertvoll wir Menschen für Gott sind. So wertvoll, dass er uns trösten will. Die Bibelarbeit gibt Ideen, wie dieses Thema „trösten“ mit der Lebenswelt von Jugendlichen in Verbindung gebracht werden kann.

1. Gedanken zum Text

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13). Diese Worte haben für Jugendliche vielleicht nicht nur eine positive Bedeutung. Denn, wer will sich noch von der Mutter trösten lassen wie ein Kleinkind? Und es ist auch die Frage, ob die Mutter überhaupt noch etwas davon erfährt, wenn sich ihr Kind nach Trost sehnt. Im besten Fall gibt es Freundinnen und Freunde, die trösten. Jugendliche hören diesen Vers vielleicht anders als Erwachsene, die sich durch das hochemotionale Gottesbild, das diese Worte transportieren, angesprochen fühlen.

Um zu entdecken, wie Jugendliche einen Zugang zum Thema von Jesaja 66,13 bekommen können, ist es hilfreich, den biblischen Hintergrund dieser Worte in den Blick zu nehmen.

Jesaja 66,13 zeigt, wie Gott ist

Im Buch Jesaja schließt sich mit dem Wort über die tröstende Mutter der Kreis von Trostworten, die davon erzählen, wie Gott seine Menschen tröstet. Der zweite Teil des Jesajabuches beginnt in Jesaja 40 mit den Worten „Tröstet, tröstet mein Volk“.

Das hebräische Wort für „trösten“ meint nicht nur: Jemandem gut zureden nach dem Motto „wird schon wieder“, sondern es bedeutet: „Jemandem zu helfen, wieder durchatmen zu können“.

Dahinter steht die Vorstellung, dass die Last von Traurigkeit und Verzweiflung einem die Luft zum Atmen nimmt und alle Kraft raubt. Trösten im Sinn der Bibel heißt dann: Einem Menschen so zu begegnen, dass er wieder Lebensmut bekommt und mit neuer Kraft in die Zukunft geht.

Es ist sehr eindrücklich, dass – vor allem im zweiten Teil des Jesajabuches – Gott als einer beschrieben wird, der tröstet. Der tiefe Wunsch Gottes ist, dass wir neu durchatmen können und die Last weicht, die unsere Seele niederdrückt.

Gott sagt eben nicht: „Augen zu und durch, jetzt hab dich nicht so“, sondern er sieht den Schmerz unseres Herzens, nimmt ihn ernst und hilft uns, getröstet und geborgen unseren Lebensweg zu gehen.

Dass Gott mit einer Mutter verglichen wird, ist sehr erstaunlich. Damals wurden die Götter der anderen Völker entweder als mächtige Kämpfer mit Blitzen in der Hand dargestellt oder als Frauen, die für Fruchtbarkeit zuständig waren.

Die Bibel spricht so ganz anders von Gott. Er ist der große Gott, der allmächtig ist, gerecht und heilig. Und zugleich kann die Bibel in sehr emotionaler Weise mit zärtlichen Worten von Gott als Mutter sprechen, die für ihre Kinder da ist (Jesaja 66,13; Psalm 131,2). Gott ist einer, der keine Träne übersieht, die geweint wird (Psalm 56,9).

Gott tröstet wie eine Mutter – wie tröstet eigentlich eine Mutter? Unsere dreijährige Tochter lehrt mich immer wieder, was es heißt, zu trösten. Da kommt sie tränenüberströmt her, streckt ihre kleinen Arme zu Mama oder Papa aus und schluchzt: „Mich trösten. Meine Tränen abwischen.“ Und trösten meint für sie, sich so eng an Mama oder Papa zu kuscheln, dass ihr deren volle Aufmerksamkeit sicher ist.

Wahrscheinlich kommt dies dem biblischen Bild von der Mutter, die tröstet, sehr nahe. Wer tröstet, der schenkt dem anderen seine volle Aufmerksamkeit und öffnet sein Herz für den, der Trost braucht.

So ist Gott, dass er sein Herz für uns Menschen öffnet.

Mich beeindruckt es, wie emotional, ja zärtlich die Bibel von Gott sprechen kann. Der allmächtige Gott, der die Welt geschaffen hat und größer ist als alles, was wir uns vorstellen können, der schenkt mir in meiner Verzweiflung und meiner Traurigkeit seine Aufmerksamkeit.

Auch im Neuen Testament begegnet uns Gott als der, der tröstet. In 2. Korinther 1,3 spricht Paulus von Gott als dem „Gott allen Trostes“. Gott verteilt nicht billige Trostpflaster, sondern er kommt hinein in unsere trostlose Welt. In Jesus Christus erlebt er selbst, was es heißt, trostlos und verzweifelt zu sterben. Der tröstende Gott redet also nicht wie der Blinde von der Farbe. Sondern er hat alles eingesetzt, um wirklich trösten zu können. Gott tröstet, indem er uns in unserem Leben nicht allein lässt, sondern hineingeht in die Dunkelheit und Trostlosigkeit unseres Lebens. So unendlich geliebt sind wir, dass Gott alles daran setzt, um uns zu trösten.

Jesaja 66,13 zeigt, wie wir Menschen sind

Wir brauchen Trost. So ehrlich spricht die Bibel von unserem Leben. Wir brauchen Trost, weil jeder seinen eigenen Schmerzen im Leben hat. Jeder hat wunde Punkte im Leben, jeder trägt Verletzungen mit sich, die das Leben zugefügt hat. Nur sprechen wir oft nicht darüber. Wir polieren unsere Fassade, wie der Autofreak seinen Wagen, und doch ist hinter dieser Fassade oft ein verwundetes Herz, das sich danach sehnt, getröstet zu werden.

Auch Jugendliche tragen oft ihren eigenen kleinen oder großen Schmerz mit sich. Vielleicht überspielen sie diesen mit ihrer Coolness, aber im tiefsten Inneren ist er dennoch da. Dieser Schmerz reicht von der Sehnsucht, gut anzukommen und dabei oft zu scheitern, bis hin zu traurigen Erfahrungen in der Familie oder im Freundeskreis.

In einer der wichtigen Bekenntnisformulierungen der Reformationszeit, dem „Heidelberger Katechismus“ findet sich ganz am Anfang ein Satz, der es auf den Punkt bringt, wie trostbedürftig wir als Menschen sind:

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich nicht mein, sondern meines Herrn Jesus Christus eigen bin.“

Was tröstet mich, wenn mein Leben so ganz anders verläuft, als ich es mir erhoffe? Was gibt mir wirklichen Trost in den Sorgen und Nöten meines Lebens und tröstet mich nicht nur oberflächlich über manches hinweg?

Die Antwort des Heidelberger Katechismus ist klar: Nur Jesus tröstet. Die tiefe Gewissheit tröstet, zu Jesus zu gehören und bei ihm für immer geborgen zu sein. Weil er den Schmerz unseres Lebens kennt. Und weil er uns nicht allein lässt, sondern uns ganz nahe kommt.

Jesaja 66,13 ermutigt, dem tröstenden Gott zu vertrauen

Das Wort „Trost“ ist sprachgeschichtlich mit dem Wort „trotzen“ verwandt. Wer getröstet ist, der kann dem „trotzen“, was ihm das Leben schwer macht. Getröstet zu sein, bedeutet: Trotz dem, was mir im Herzen weh tut, nach vorne zu blicken und Schritte ins Leben zu wagen. Wenn Gott tröstet, dann wischt er nicht alles weg, was uns „runterzieht“. Sondern Gott schenkt die Kraft, „trotzdem“ zu leben.

Jesaja 66,13 ist eine Einladung Gott zu vertrauen, der tröstet und uns nahe ist in den Tiefen des Lebens.

Was es heißt, zu vertrauen, ist mir im Urlaub in den Bergen neu klar geworden. Auf viele Berge führt eine Bergbahn mit Gondeln hinauf. Mit unseren vier Kindern in so eine Gondel einzusteigen, ist kein leichtes Unterfangen: Kinder und Kinderwagen in die Gondel verfrachten und schauen, dass kein Kind vergessen wird an der Station. Es war immer ein leicht seltsames Gefühl, wenn die Gondel Fahrt aufgenommen hat, den Berg hinauf gezogen wurde und der Boden unter den Füßen verschwand. Was hat uns gehalten und davor bewahrt, in die Tiefe zu stürzen? Das Stahlseil und die Aufhängung der Gondel. Das hat uns „getröstet“, dass diese Aufhängung unsere Gondel hält. Glaube heißt: Ich vertraue mein Leben Jesus Christus an, so wie wir unser Leben dieser Gondel und der Stahlkonstruktion der Bergbahn anvertrauten. Es kann Situationen im Leben geben, die uns alle Sicherheit rauben, die uns vielleicht auch im Glauben den Boden unter den Füßen wegziehen. Entscheidend ist, dass wir uns mit aller Trostlosigkeit unseres Lebens dem tröstenden Gott anvertrauen. Mit allen Zweifeln und aller Unsicherheit. Entscheidend ist, dass Jesus Christus uns hält.

2. Die konkrete Umsetzung

Einstieg: Was tröstet?

Es liegen Gegenstände aus, die mit dem Thema „trösten“ zusammenhängen:
Taschentücher, ein Handy (für Trostbotschaften), ein Kuscheltier, Schokolade, das Bild eines weinenden Kindes, das getröstet wird, eine CD mit Musik oder eine DVD mit einem emotionalen Film, ein Liederbuch/Gesangbuch, eine Bibel usw.

Die Gruppenteilnehmer wählen sich einen Gegenstand aus, der für sie zu „trösten“ passt und erzählen, was ihnen zu diesem Gegenstand einfällt.

Die eigene Lebensbiographie als Trostgeschichte

Es werden auf dem Boden in Form eines Weges Zahlen ausgelegt von 1–20 (wenn es ältere Gruppenteilnehmer gibt, sollte die höchste Zahl dem gegenwärtigen Lebensalter entsprechen). Die Zahlen symbolisieren die Lebensjahre der Gruppenteilnehmer. Diese haben die Aufgabe, farbige DIN-A5-Blätter zu den Lebensjahren zu legen, mit denen sie eine besondere Trosterfahrung verbinden. Hat ein Jugendlicher z. B. mit 11 Jahren die Erfahrung gemacht, dass ihn jemand in einer schwierigen Situation getröstet hat, legt er sein Blatt zur Zahl 11. Die Gruppenteilnehmer können auf die Blätter kurze Stichworte notieren. Wer das Blatt verdeckt legt, signalisiert damit, dass er nicht über diese Situation reden will. Diese Möglichkeit, nicht alles erzählen zu müssen, sollte gegeben sein, damit sich jeder ehrlich mit seinem eigenen Leben beschäftigen kann. Ein Gespräch über die Trosterfahrungen schließt sich an.

Gespräch über den Text und Andacht

Impulsfragen fürs Gespräch könnten sein:
– Wie tröstet eine Mutter?
– Welche Erfahrung habe ich damit gemacht, getröstet zu werden: Was hat mir geholfen, was nicht?
– Warum wird Gott mit einer Mutter verglichen, ist Gott etwa eine Frau?
– Wie tröstet Gott, denn ich sehe und höre ihn doch nicht?
– Was bringt mir dieser Bibelvers für mein Leben?

Eine Hilfe, über Jesaja 66,13 ins Gespräch zu kommen, könnten Karten zur Jahreslosung 2016 sein.

Um über die Karte ins Gespräch zu kommen, bieten sich folgende Fragen an:
1) Was ist mein erstes Gefühl, wenn ich die Karte sehe?
2) Was sehe ich eigentlich?
3) Welche der Karten gefällt mir am besten? Welche drückt für mich am besten aus, was der Vers bedeutet?

Die Andacht ist als Impuls gedacht, der das Gespräch bündelt und zum Weiterdenken anregen will.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich die Andacht in drei Teile gliedert, wie sie unter 1. stehen:
1. Jesaja 66,13 zeigt, wie Gott ist.
2. Jesaja 66,13 zeigt, wie wir Menschen sind.
3. Jesaja 66,13 ermutigt, dem tröstenden Gott zu vertrauen.

Meine Trostkiste

Jeder Gruppenteilnehmer bekommt eine kleine Schuhschachtel (am besten von Kinderschuhen) und gestaltet sie mit Geschenkpapier usw.

In diese Kiste werden Dinge gepackt, die in schwierigen Situationen des neuen Jahres als „Trösterle“ dienen können: Bibelverse, Karten mit schönen Motiven, eine kleine Tafel Schokolade, Traubenzucker, Taschentücher, die Telefonnummer von einem wichtigen Menschen, die Gruppenteilnehmer können einander auch Trostbotschaften und aufmunternde Sprüche schreiben, die dann auch in die Kiste gepackt werden.

Eine weitere Idee ist, Menschen in die Gruppenstunde einzuladen, die davon erzählen, wie Gott sie in schwierigen Lebenssituationen getröstet hat. Dies würde die Botschaft von Jesaja 66,13 „erden“ und mit Leben füllen.

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