Passamahl – Erleben, was verbindet

Mit Jesus und seinen Jüngern am Tisch: Gründonnerstag einmal anders

Das Abendmahl ist für viele Jugendliche wahrscheinlich kein besonders tiefgehendes Erlebnis, bei dem sie sich Gott nahe fühlen. Dieser Praxisentwurf stellt die Idee vor, mit Jugendlichen in die Entstehungssituation des Abendmahls einzutauchen. Als Jesus das Abendmahl einsetzt am Vorabend seines Todes, hat er mit seinen Jüngern das Passamahl gefeiert. Die einzelnen Elemente der Abendmahlsfeier erinnern an das Passamahl. In der Feier dieses Passamahls können Jugendliche erleben, was es bedeutet, dass Gott sich mit uns Menschen verbindet durch den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus.

1. Als Christen das Passamahl feiern – geht das überhaupt?

Das Passafest ist eines der Feste des Judentums, in dem die Geschichte der Israeliten symbolisch vergegenwärtigt wird. Die Bibel erzählt, dass das Passafest eingesetzt wurde, um an den Auszug aus Ägypten zu erinnern – daran, dass die Israeliten überstürzt aufbrechen mussten und das Blut von Lämmern an die Türpfosten der Häuser gestrichen wurde, um den Todesengel Gottes abzuhalten (2. Mose 12). Durch die Jahrhunderte hindurch wurde das Passafest immer als Fest der Befreiung gefeiert. Die jüdischen Menschen, die Passa feiern, sehen sich eng verbunden mit den Israeliten, die damals aus Ägypten befreit wurden. Diese Befreiung ist nicht nur etwas längst Vergangenes, sondern hat Auswirkungen auf das Leben jetzt. Wer Passa feiert, feiert den Gott, der Menschen befreit aus dem, was sie knechtet.

Ihr sollt diesen Tag haben zum Gedächtnis und sollt ihn feiern dem Herrn zum Fest, ihr und alle Nachkommen, zur ewigen Weise. (2. Mose 12,14)

Das Passamahl ist also kein christliches Fest! Wenn wir als Christen das Passamahl feiern, dann haben wir sozusagen immer unsere christliche Brille auf. Wir erinnern uns nicht nur an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, sondern daran, dass Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, um uns zu befreien. Und wir erinnern uns daran, dass Jesus das Abendmahl am Vorabend seines Todes eingesetzt hat, als er mit seinen Jüngern das Passamahl feierte. Die Elemente des Abendmahls – das gebrochene Brot, der Wein, die Worte „das ist…“ – erinnern an Elemente, die im Ablauf des Passamahls vorkommen.

Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passahlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis dass es erfüllt werde im Reich Gottes. (Luk 22,15-16)

Wenn wir Passamahl feiern sind wir also ganz nah an der Situation dran, in der Jesus das Abendmahl eingesetzt hat. Nun hat Jesus aber seinen Jüngern nicht den Auftrag gegeben, das Passamahl zu feiern, sondern das Abendmahl. Zuerst haben die Christen das Abendmahl im Rahmen einer gemeinsamen Mahlzeit gefeiert (vgl. 1. Kor 11), später dann ist das Abendmahl unabhängig von einem Gemeinschaftsessen gefeiert worden. Der Gründonnerstag ist der Tag in der Passionszeit, in der wir uns besonders daran erinnern, dass Jesus am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern das Passamahl gefeiert und das Abendmahl eingesetzt hat.

Das Passamahl zu feiern kann uns Christen helfen, das Abendmahl und die damalige Situation besser zu verstehen, als Jesus mit seinen Jüngern zusammen aß, bevor er in den Garten Gethsemane ging (lies z. B. Mk 14,12–25). Folgendes scheint mir wichtig zu sein: Wir sollten als Christen nicht meinen, dass wir „das Passamahl“ feiern wie es Juden feiern, sondern wir empfinden das jüdische Passamahl christlich nach.

2. Passamahl mit Jugendlichen

In Anlehnung an den Werbeslogan eines Telefonanbieters „Erleben, was verbindet“, soll das gemeinsame Passamahl dazu dienen, nicht nur zu hören, sondern zu erleben, in welcher Situation Jesus das Abendmahl eingesetzt hat und seine Bedeutung besser zu begreifen.

Voraussetzung für die Feier eines Passamahls mit Jugendlichen ist, dass die Jugendgruppe sich auf solch ein Experiment einlässt. Das bedeutet vor allem, dass die Elemente des Passamahls nicht als fremd belächelt oder Zielscheibe von Witzen werden – schon aus Respekt vor der jüdischen Tradition des Passafestes. Zudem ist die gemeinsame Feier des Passamahls von einer eher meditativen Atmosphäre geprägt, mit Phasen der Stille und Gebeten. Wenn sich die Jugendlichen darauf einlassen, kann es eine bereichernde Gemeinschaftserfahrung sein, die erleben lässt, wie gemeinsames Essen verbindet und wie die Worte der Liturgie und die Speisen die Situation des Gründonnerstags lebendig werden lassen.

Mein Vorschlag ist, die Pfarrerin/den Pfarrer vor Ort mit einzubeziehen. Zum einen kann sie/er vielleicht Tipps geben, wie die Passafeier gestaltet werden kann und zum anderen wird dadurch der Eindruck vermieden, dass hier eine Jugendgruppe für sich allein Abendmahl feiert.

3. Der Ablauf des Passamahls

a) Die Vorbereitung

Da das Passamahl ein Festessen ist, braucht die Vorbereitung viel Zeit. Der Raum wird festlich dekoriert und der Tisch ebenfalls festlich gedeckt. Die Speisen müssen im Vorfeld vorbereitet werden. Dieser Praxisentwurf stellt eine vollständige Liturgie des Passamahls vor. Wenn ein Mitarbeitender schon einmal eine Passafeier erlebt hat, ist das sehr hilfreich. Wichtig ist, dass die Mitarbeitenden mit der Liturgie und dem Ablauf des Abends vertraut sind und sich sicher damit fühlen.

b) Die Speisen

Beim Passamahl hat der so genannte „Sederteller“ zentrale Bedeutung. Das hebräische Wort „Seder“ kann mit „Ordnung“ übersetzt werden. Es geht bei diesem Teller, auf dem verschiedene Speisen angeordnet sind, also um die „Ordnung“ des gemeinsamen Essens.
Das Passamahl orientiert sich in seiner „Ordnung“ bzw. seinem Ablauf an diesen Speisen. Sie haben jeweils symbolische Bedeutung und erinnern an den Auszug aus Ägypten.

Auf dem Sederteller sind folgende Speisen angeordnet:
1. Lammknochen – erinnert an das Passalamm.
2. Charosset (Fruchtmus aus Äpfeln, Nüssen, Wein, Zimt) – erinnert an den Lehm, aus dem die Israeliten Ziegel formen mussten.
3. Maror (Bittere Kräuter, scharfer Meerrettich) – erinnern an die bitteren Zeiten der Sklaverei.
4. Grüne Kräuter oder Salat (Petersilie/Stangensellerie) – erinnern an die Hoffnung auf neues Leben/Früchte des Landes Kanaan.
5. Ei – drückt die Trauer über die Zerstörung Jerusalems aus.
6. Salzwasser – erinnert an die Tränen, die in Ägypten geweint wurden.
7. Mazzen (ungesäuertes Brot) – erinnert daran, dass in der Eile des Aufbruchs die Israeliten kein gesäuertes Brot mehr herstellen konnten. Man benötigt auf jeden Fall drei Mazzen für die Liturgie.
8. Wein – Symbol der Freude (für Jugendliche Traubensaft nehmen; es werden vier Becher pro Person benötigt).

c) Der Ablauf des Passamahls

Ein Mitarbeitender übernimmt die Leitung und führt durch die Liturgie, verschiedene Sprechtexte können an Jugendliche verteilt werden.
Zu Beginn wäre es gut, zu klären, was das Passamahl mit dem Abendmahl zu tun hat. Eventuell könnte auch ein Austausch über eigene Erfahrungen mit dem Abendmahl am Anfang stehen. Die Jugendlichen werden kurz über den Ablauf des Abends informiert, damit sie ungefähr wissen, was auf sie zukommt.

d) Der Weg der Liturgie

1. Suche nach Sauerteig – Vorbereitung der Herzen für Passa
2. Anzünden der Kerzen – Die Gegenwart des Herrn willkommen heißen
3. Der erste Becher – Becher der Heiligung
4. Das Waschen der Hände – Einander dienen
5. Die Kräuter – Neues Leben geboren aus Tränen
6. Brechen der mittleren Mazze – Jesus gebrochen für die Welt
7. Wiedererzählen der Geschichte – Die Offenbarung des Lammes
8. Das Brechen der Mazzen – Durch viel Leiden
9. Das Mahl – Es ist ein Fest
10. Der Afikoman – „Das ist mein Leib, gebrochen für euch!“
11. Der dritte Becher – „Dies ist mein Blut, vergossen für euch!“
12. Elia, der Prophet – Das Ausgießen des Heiligen Geistes in den letzten Tagen
13. Der vierte Becher – Der Becher des Lobes
14. Nächstes Jahr in Jerusalem – Betet für den Frieden Jerusalems

Mit Jugendlichen ein Passamahl zu feiern, erfordert eine hohe Motivation und viel Zeit von den Mitarbeitenden. Gemeinsam einzutauchen in die Welt von Jesus und seinen Jüngern ist auf jeden Fall ein Gemeinschaftserlebnis, das sehr berühren kann. Die Chance eines solchen Abends liegt in seiner Ganzheitlichkeit – also darin, dass er die Emotionen und Sinne anspricht. Er kann und will erlebbar machen, dass Gott ein Gott der Freiheit ist. Damals für das Volk Israel aus Ägypten und heute für uns, von der Macht der Sünde in unserem Leben.

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