Maxim: Rückspiegel

Songandacht

Egal, ob du einen Führerschein hast oder nicht – du kennst die Situation: Du bist als Fahrer oder Mitfahrer in einem Auto unterwegs. Am Straßenrand taucht vor dir diese Person auf – sie hält den Daumen oder ein Pappschild raus und wartet auf eine Mitfahrgelegenheit. Kurz schießt dir der Gedanke in den Kopf: „Eigentlich doch kein Problem, jemanden mal ein paar Kilometer mitzunehmen.” Beim Vorbeifahren treffen sich eure Blicke durch die Windschutzscheibe. Unsicher, fragend. Doch ehe du den Gedanken zu Ende denken, geschweige denn ihn aussprechen kannst, rollt das Auto an der Person am Straßenrand vorbei. Mit einem komischen Gefühl im Bauch schaust du in den Rückspiegel. Die Person steht immer noch da – sie schaut in deine Richtung. „Mist! Chance verpasst!”, seufzst du in dich hinein.

Eben diese Situation beschreibt Maxim in seinem Song Rückspiegel. Es geht um verpasste Chancen. Möglichkeiten, die man vielleicht nur einmal im Leben bekommt. Chancen, die man nicht ergreift. Vielleicht die Möglichkeit, für ein paar Wochen zum Schüleraustausch ins Ausland zu gehen, bei einem Konzert oder Festival dabei zu sein oder sich auf einen Job zu bewerben. Das alles sind Chancen, die man entweder nutzen oder vertun kann.

Vielleicht erkennst du dich in diesem Songtext selbst wieder. Du fragst dich: „Was wäre gewesen, wenn ich mich doch anders entschieden hätte? Wäre vielleicht sogar mein ganzes Leben anders verlaufen?” Und du ärgerst dich und sagst dir selbst: „Shit! Vertan! Ich habe diese einmalige Chance nicht genutzt. Hätte ich damals doch nur nicht so lange gezögert, wäre mutiger gewesen, …”

In der Bibel findest du kaum etwas über verpasste Chancen. Denn es liegt auf der Hand: Geschichten über verpasste Chancen schreiben nur die wenigsten auf – außer vielleicht Maxim in einem Songtext. Denn vor allem genutzte Chancen hinterlassen Spuren – bringen uns weiter, lassen uns neue Erfahrungen machen. Trotzdem findet man in der Bibel einen Text, der den Sachverhalt noch einmal in ein neues Licht stellt. In Prediger 3 heißt es immer wieder, dass alles seine Zeit hat. Viele Beispiele werden da aufgeführt: Da geht’s ums Suchen und Verlieren, ums Weinen und Lachen oder ums Behalten und ums Wegwerfen.

Und damit geht es letztlich auch darum, mutig Chancen zu ergreifen oder sich in einer Situation auch einmal zurückzuhalten und ganz relaxed eine Chance verstreichen zu lassen. Alles hat seine Zeit. Und somit gibt es in deinem Leben Zeiten, in denen du mutig vorangehst und Chancen ergreifst. Aber genauso gibt es auch Zeiten, in denen du zurückhaltender und abwartender sein darfst. Gott kennt dich. Er kennt deine Wünsche, Ängste und Sehnsüchte. Deinen Ärger, aber auch deine Freude. Er weiß genau, was du brauchst und was gut für dich ist. Und das sogar, bevor du es aussprechen kannst (vgl. Mt 6,8).

Den kompletten Plan für unser Leben, den zeigt uns Gott nicht. Er überlässt jeder und jedem selbst die Entscheidung, eine Chance zu ergreifen oder dies auch nicht zu tun. Aber genauso, wie es Maxim im letzten Refrain seines Songs beschreibt, dürfen wir heute und morgen in der Hoffnung und Zuversicht leben, dass Gott unserem Leben eine Richtung gibt, sodass wir am Ende sagen können: „Alles ist okay!”

Songandacht

Wünschen sich die Beginner in die Steinzeit zurück? Haben sie etwas gegen Technik und Fortschritt? Ich glaube, dass es ihnen nicht darum geht, sich in die Rauchzeichenzeit zurückzuwünschen. Es geht ihnen darum, auf die negativen Folgen dieser Entwicklung hinzuweisen. Wir leben in einer Zeit der völligen Freiheit und trotzdem haben wir vor so vielem Angst. Ich habe Angst. Zum Beispiel habe ich Angst davor, aussortiert zu werden. Menschen werden abgehängt. Wer nicht mit der Zeit geht, kann sein Leben von der Datenautobahnbrücke schmeißen. Du bist raus, wenn du nicht mitmachst. Raus zu sein, nicht mehr dazuzugehören, das macht mir Angst.

Angst habe ich auch davor, bei anderen Leute unten durch zu sein. Wenn sie mich ablehnen. Ich glaube, es geht vielen so ähnlich. Darum motzen sie sich online ordentlich auf, zeigen nur ihre Schokoladenseiten. Alles, was nicht passt, wird rausgeschnitten, überabeitet, weggelassen. Wo sind die Menschen, die zu ihren Pickeln und zu ihren schiefen Zähnen stehen? Das ist leichter gesagt als getan. Wer will schon seine Macken zeigen, wenn er sie auch überdecken kann? Allerdings erschaffen wir so eine Scheinwelt. Wir machen uns gegenseitig vor, wie toll wir sind, und belügen uns dabei. „Wir pumpen mit Fotos unsre großen Egos auf, doch sind innerlich so leer wie’n Schokonikolaus.”

Warum verbiegen wir uns so oft vor anderen Menschen? Aus Angst davor, out zu sein! Aus Angst davor, nicht gemocht zu werden! Ich habe für mich beschlossen, dass ich da nicht mehr mitmachen will. Ich will mich nicht mehr verbiegen. Ich will nicht mehr von dieser Angst, out zu sein, bestimmt werden. Ich will nicht Angst davor haben, nicht gemocht zu werden. Dabei hilft mir der Glaube an Gott. In Psalm 56,12 (Lu) sagt einer: „Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir Menschen tun?” Mir hilft die Beziehung zu Gott, meine Ängste zu überwinden. Ich vertraue ihm. Ich rede mit ihm über meine Ängste und es tut mir gut, weil er mich ruhig macht. Er schenkt mir Gelassenheit, weil er mich so annimmt, wie ich bin. Ihm muss ich nichts vormachen und trotzdem bin ich ihm wichtig.

Ich mache dir Mut, es genauso zu machen. Stehe zu dir selbst! Sei du selbst! Sei echt! Du bist, so wie du bist, genial und einzigartig! Egal, was andere sagen oder schreiben, Gott findet dich großartig, wie du bist. Mach dich nicht von der Meinung anderer abhängig. Rede mit Gott und erzähle ihm von deinen Ängsten. Vertraue auf Gott und fürchte dich nicht! Du bist großartig!

Songandacht

Da bekommst du es mit der Angst zu tun. Über deinem Kopf schlägt das Wasser zusammen. Mit Mühe kämpfst du dich an die Wasseroberfläche zurück. Dein einziges Ziel ist es, nicht zu ertrinken. Du versucht, nach Hilfe zu rufen. Du fürchtest dich davor unterzugehen. Es ist ein Kampf, der für dich alles entscheidet.
Manchmal scheint es, als würdest du den Boden unter den Füßen verlieren. Du streitest dich mit deinem besten Freund, du wirst von deinen Klassenkameraden gemobbt oder du verlierst einen geliebten Menschen. In solchen Momenten fühlst du dich allein gelassen. Du spürst nichts von Gottes Gegenwart. Das, woran du geglaubt hast, ergibt plötzlich keinen Sinn mehr. Stattdessen bleiben nur noch Fragen: Wo ist dieser Gott? Ist Gott nicht ein liebender Vater? Verspricht uns Gott in der Bibel nicht, dass er mich nie allein lassen wird? Wieso kann ich ihn nicht mehr spüren? Die Zweifel werden zu Wellen, die über dir zusammenschlagen. Du hast Angst darin zu ertrinken.

Oliver Sykes, der Sänger von „Bring Me The Horizon”, schreit in seinem Lied „Drown” solche Fragen der Verzweiflung: „Who will fix me now? Dive in when I’m down?” – Wer kann mir helfen und mich jetzt noch heilen? Wer macht sich die Mühe und springt ins Wasser, wenn ich schon bis zum Grund gesunken bin? Der Sänger bringt seine Zweifel deutlich zum Ausdruck und verschafft ihnen Gehör. Gerade in seiner Verzweiflung beschließt er nicht aufzugeben, sondern diese Fragen dem Zweifel zum Trotz zu stellen. Er möchte nicht aufgeben, sondern um Antworten ringen.

Mich erinnert dieses Schreien und dieses Kämpfen sehr an Jakobs Kampf am Fluss Jabbok (1. Mose 32,23-33). Als Jakob den Fluss überqueren möchte, gerät er in einen Kampf mit einem Unbekannten. Die ganze Nacht ringt Jakob mit dieser Person, kann sie aber nicht besiegen. Obwohl Jakob verletzt wird, gibt er nicht auf, sondern zwingt seinen Gegner, ihn zu segnen. Da offenbart sich dieser Unbekannte als Gott selbst und segnet Jakob. Für Jakob ist es ein Kampf, dessen Ausgang für ihn alles bedeutet. Er sehnt sich nach dem Segen Gottes. Dafür ist er bereit, alles zu geben und eine Verletzung in Kauf zu nehmen. Jakob ringt mit Gott. Er fordert von Gott das ein, wonach er sich sehnt.

Wie gehen wir damit um, wenn wir drohen in unseren Fragen zu ertrinken? Kämpfen wir darum nicht unterzugehen? Es ist wichtig, dass wir unseren Zweifeln Raum und Gehör verschaffen. Zu jedem Glauben gehört auch der Zweifel dazu. In den Psalmen wird deutlich, dass es normal ist, an Gott und seiner Nähe zu zweifeln. Doch entscheidend ist, dass wir uns bewusst sind, an wen wir unsere Zweifel richten können. Wir dürfen uns sicher sein, dass es bei Gott einen Platz dafür gibt.

Wenn du an Gottes Liebe und seiner Nähe zweifelst, möchte ich dich einladen, mit Gott zu kämpfen. Gib nicht auf, wenn dir die Zweifel die Luft abschnüren! Schreie Gott deine Fragen und Zweifel zu. Halte dich an Gottes Versprechen fest, dass er dir nahe sein möchte, selbst wenn du zweifelst. Fordere Gott dazu auf, sein Versprechen wahr zu machen. Ich möchte dich ermutigen: Zweifle laut, denn solange du noch zweifelst und fragst, hast du diesen Kampf noch nicht aufgegeben.

Songandacht

Dir ist das Glück ins Gesicht geschrieben. Noch nie zuvor hast du dich so beschenkt gefühlt wie gerade in diesem Moment. Du hast das Gefühl, jede Mauer überwinden zu können, und nichts kann dich dabei aufhalten. Aber nicht, weil du irgendein materielles Geschenk bekommen hast, sondern weil du den Weg nicht mehr allein bestreiten musst.

Während die Sportfreunde Stiller in ihrem Lied „Das Geschenk” eher eine Beziehung oder eine enge Freundschaft zwischen Menschen besingen, beschreibt der Song doch auch unsere Beziehung zu Gott. Er mit dir und du mit ihm. Du bist ein Teil von ihm. Dass Gott immer an dich denkt und jeden deiner Schritte sieht, ist ein unverdientes Geschenk. Weil du ihm so viel bedeutest!

Kennst du das Gefühl, dass dein Leben ein Stück reicher geworden ist, weil du gerade ein unglaubliches Erlebnis mit Gott hattest? Denn mit Gott ist nichts unmöglich. Er ist der, der unserem Leben Farbe gibt und daraus „Tante Emmas wundervollen Fantasienladen” macht. Plötzlich sprudeln die Glücksgefühle einfach nur so in dir hoch, weil du erkennst, dass du mit Gott ein so erfülltes Leben haben kannst. „Er gibt dir in deinem Leben viel Gutes – überreich bist du beschenkt” (Ps 103,5a NGÜ)! Auf diesen Zuspruch kannst du jeden Tag aufs Neue bauen. Aber wie nimmst du dieses Geschenk überhaupt an? Du kannst es ja nicht einfach irgendwo abholen und dann, zu Hause angekommen, nutzen. Also, wie beanspruchst du das Geschenk eines erfüllten Lebens für dich?

Ein aktives Leben mit Gott ist der wichtigste Schritt in die richtige Richtung, denn es liegt in Gottes Natur, uns zu beschenken. Ein Vater will seine Kinder glücklich sehen, er will, dass sie alles Wundervolle in ihrem Leben mitnehmen, was sie nur können. Und nicht anders ist es bei Gott. Er will, dass du in seiner Geschenkekiste kramst und jeden Tag neu daraus überrascht wirst.

Aber was ist mit den Tagen, an denen alles schiefläuft und einfach wirklich nichts Gutes zu entdecken ist? Hat Gott dich an diesen Tagen vergessen? Absolut nicht! Gott kann dich gar nicht vergessen. Du bist in sein Herz gemeißelt, immer präsent in seinen Gedanken. An solchen Tagen entscheide dich dafür, dass du das Geschenk eines erfüllten Lebens in Anspruch nehmen willst, und sei dankbar für die winzig kleinen Dinge, die an diesem Tag gut gelaufen sind. Versuche, dir ein paar Dinge ins Gedächtnis zu rufen, für die du auch an diesem nicht so glücklichen Tag dankbar sein kannst. Mit jeder Sache, für die du Gott Danke sagen wirst, hat dich „das Glück im Visier” und der Tag wird reicher werden, als er es davor war. Es liegt an dir, das Geschenk eines überreich beschenkten Lebens in Anspruch zu nehmen.

Songandacht

Da singt Sarah Connor ein Lied über den Tod. Das ist ja schon mal ziemlich freaky, denn schließlich ist sie noch nicht mal 40 Jahre alt. Aber noch krasser ist, wie sie sich ihre Beerdigung vorstellt: Die Menschen, die sie liebt, sollen nicht trauern, sondern sich freuen, sie sollen feiern, tanzen und lächeln. Aber geht das überhaupt? Wenn wir einen Menschen verlieren, den wir lieben, dann können wir doch nicht so tun, als wäre das schön! Gerade dann sind wir doch einfach traurig. Weil uns dieser Mensch unendlich fehlt und weil wir vielleicht Angst vor der Zukunft ohne diesen lieben Menschen haben.

Aber die Idee, dass wir auf Beerdigungen auch lachen, dass wir dankbar sind für das Leben und die gemeinsamen Erinnerungen, das ist keine neue Idee. Es gibt sogar noch einen guten Grund, neben all der Trauer auch wieder Hoffnung zu schöpfen, auch wenn es um den Tod geht. Christen glauben nämlich, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass das Leben stärker ist als der Tod. Weil Jesus, der Sohn Gottes, vom Tod auferstanden ist. Der Tod ist nicht mehr das schreckliche Ende eines Lebens, sondern der Start in ein neues, anderes Leben in Gottes Unendlichkeit. Dafür gibt es keine Beweise. Aber wir können es glauben und manchmal auch spüren. „Niemand von uns lebt für sich selbst und niemand stirbt für sich selbst. Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Wir gehören dem Herrn im Leben und im Tod” (Röm 14,7-8 GNB). So steht es in der Bibel. Das heißt: In dem Moment, in dem wir zu Gott gehören, kann uns nichts von ihm trennen. Nicht mal der Tod. Auch wenn wir die Menschen, die gestorben sind, nicht mehr um uns haben, so sind wir doch durch Gott mit ihnen verbunden. Der Bibeltext geht noch weiter: „Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um Herr zu sein über alle, Tote wie Lebende” (Röm 14,9 GNB).

Trotzdem fühlen wir den Tod natürlich oft als endgültige Trennung von einem Menschen. Und es ist auch richtig, zu trauern, zu weinen und zu klagen. Aber es bleibt von einem Menschen auch immer viel zurück: in den Erinnerungen, aber auch weil Menschen uns selbst prägen. Und es bleibt die Hoffnung, dass es kein endgültiger Abschied ist, weil wir uns in Gottes Ewigkeit wiedersehen. Auch wenn das unsere Vorstellungskraft übersteigt, kann es ein Trost für uns sein. Gott verspricht: Das Leben in seiner Welt wird gut und vollkommen. Es gibt dort keine Schmerzen, keinen Streit, keine Tränen. Wow! Und auch deshalb können wir neben aller Angst und Trauer so etwas wie hoffnungsvolle Freude und Trost fühlen. Denn der Tod ist nicht das Ende.

Impulsfragen:
Hast du dir schon mal Gedanken über den Tod gemacht?
Was stellst du dir vor, was kommt nach dem Tod?
Wie fühlt sich die Idee an, dass am Grab gefeiert, getanzt, gelächelt wird?
Wenn du an deinen Tod denkst, dann …

Filmtipps:
About a girl
7 Leben
Das Beste kommt zum Schluss
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Das Leben ist nichts für Feiglinge
Wer früher stirbt, ist länger tot
Serie: Club der roten Bänder

Songandacht

Wer wünscht sich nicht so eine Person? Egal, ob als Partner, Partnerin oder als besten Freund, beste Freundin. Jemanden, mit dem du die ganze Nacht wach liegen und in den Himmel starren kannst. Der dich einfach in den Arm nimmt und dich nah an sich drückt, sodass du deine Probleme vergessen kannst und sich alles um dich herum friedlich anfühlt. Weil du weißt, dass niemand dich besser kennt, niemand dich besser versteht, niemand besser weiß, was gerade in dir vorgeht als diese Person. Und niemand findet bessere Worte, um dich zu trösten und zu ermutigen, als sie.

Nach diesem unglaublichen Gefühl der Vertrautheit zu einer anderen Person – der Verbundenheit zu einem Freund, einer Freundin, wie man sie zu niemandem sonst auf der Welt hat – suchen fast alle Menschen. Deshalb beschreiben so viele Lieder, Gedichte und Filme, wie Menschen auf der Suche nach dieser tiefen Liebe sind, die glücklicher macht als alles andere. Und es gibt auch die Geschichten von Menschen, die diese Person gefunden haben, der man so vertrauen kann. Etwa den besten Freund, den man seit der 1. Klasse kennt, oder die eigene Ehefrau, die man früher noch nicht mal anzusprechen traute.

Doch egal, ob du nach diesem Gefühl, von dem Jasmine Thompson singt, suchst oder nicht, ein anderes Gefühl hast du wahrscheinlich schon erlebt. Und zwar das genaue Gegenteil von Vertrauen und Liebe: Betrug, Angst und Verletzungen. Am schlimmsten sind diese Gefühle, wenn gerade die Person dich anlügt und hinter deinem Rücken über dich redet, von der du dachtest, dass ihr die vertrauensvollste und die liebevollste Beziehung habt, die es gibt. Selbst die glücklichsten Paare müssen manchmal schwierige Phasen in ihrer Beziehung überstehen – und manchmal scheitern sie auch daran. Diese ideale Traumvorstellung einer Freundschaft mit tiefer Liebe, unglaublichen Gefühle und intimem Vertrauen, wie sie in diesem Lied besungen wird, scheint es in der echten Welt nicht zu geben – zumindest nicht ohne gelegentliche Schwierigkeiten.

„Ain’t Nobody” ist nicht das einzige Lied, das von einer perfekten Beziehung spricht. Auch der Singer-Songwriter König David besingt in Psalm 139 genau so eine Traumbeziehung. Dabei geht es nicht um zwei Menschen. Es geht um die Beziehung zwischen dir und Gott. In diesem Lied geht es nicht um eine träumerische Wunschvorstellung, sondern um tatsächliche Realität! David schreibt davon, dass Gott dich durch und durch kennt. Er weiß genau, was du gerade tust, und er versteht auch, warum du denkst, was du denkst. Er kann nachvollziehen, warum du das tust, was du tust, und bei all dem begleitet und beschützt er dich.

Der Wunsch nach einer Person, der man blind vertrauen und alles um einen herum vergessen kann, sich beschützt und verstanden fühlt, kann bei Gott gestillt werden. David beschreibt auch, warum gerade Gott diese Idealbeziehung mit dir führen kann: Er hat dich geschaffen. Er hat seine ganze Leidenschaft und Begeisterung genutzt, um dich so zu machen, wie du bist. Daher kennt er dich nicht nur am besten, sondern dadurch hat er zu dir eine Beziehung aufgebaut, die auf vollkommener Liebe gründet. Niemand liebt dich besser, macht dich glücklicher, kann dir besser dieses Gefühl des Vertrauens geben als Gott.

Songandacht

Immer der gleiche Trott: aufstehen, To-do-Liste abarbeiten, Verantwortung übernehmen, essen, trinken, wieder schlafen gehen. Wünschst du dir manchmal auch, aus deinem „alten” Leben auszubrechen, alles hinter dir zu lassen, was dich einengt? Mutig sein und ausbrechen, so wie Tim Bendzko im Video zu seinem Lied „Keine Maschine”. Einfach so weitermachen ist keine Option für ihn. Es ist Zeit, das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Mal ehrlich: Hast du diese Option? Kannst du aus dem ausbrechen, was dein Leben bestimmt und ausmacht? Strukturen geben immerhin auch Halt und Sicherheit. Du bist in deiner Familie und mit Freunden verwurzelt. Du hast deine Hobbys. Das macht dich glücklich und prägt dein Leben. Trotzdem erwarten andere auch etwas von dir. Deine Freunde wollen Zeit mit dir verbringen. Die Eltern erwarten eine vielversprechende Karriere. Selbst in der Freizeit wird Leistung gefordert, sonst spielt man schnell nur die zweite Geige.

Kann es sein, immer nur funktionieren zu müssen? Möchtest du in solchen Momenten auch protestieren: „Ich bin doch keine Maschine. Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut.” Tim Bendzko beschreibt kurz, aber eindrücklich, was das heißt: Als Mensch mache ich Fehler, bin wütend und euphorisch. Das stimmt! Manchmal entdeckt man so einige Fehler an sich. Einen Knopf zum schnellen Abschalten gibt es oft nicht. Die Umstände im eigenen Leben und die Situation in der Welt – mit Krieg und Terror, Hunger und Verfolgung – können wütend machen. Und dann gibt es wieder ganz andere Tage: Man sprüht vor Euphorie, weil man lieben Menschen begegnet und seine Ziele erreicht. Kurz gesagt: Man genießt das pure Leben. So wie man es immer spüren will. Diese Seiten zusammenzubringen, gelingt nicht immer!

Was muss ich tun, um noch mal von vorne anfangen zu können? Wie kann ich mein Leben verändern? Wer sagt mir, wie es geht?
„Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon „neue Schöpfung”. Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen” (2. Kor 5,17 GNB). Paulus – er hat den 2. Korintherbrief geschrieben – sagt hier nicht, was wir tun müssen, damit alles neu wird. Er erzählt, was Gott getan hat, damit wir neu werden. Gott schafft, was wir selbst nicht tun können. Gott geht auf uns zu. Er versöhnt uns mit sich selbst durch Jesus Christus. Gott sagt: „Mit deinen Fehlern gehst du mir nicht auf die Nerven. Deine Wut und deine anstrengenden Seiten stoßen mich nicht ab. Ich sehe den Menschen aus Fleisch und Blut, wenn dein Lehrer oder dein Vorgesetzter ihn übersieht.” Jesus setzt andere Maßstäbe: nicht reich, schön, erfolgreich ist gefragt. Entscheidend ist der Glaube. Vertraue auf Gottes Zusage: Du bist eine neue Schöpfung. Du bist ein einzigartiger Mensch mit seinem ganz speziellen Umfeld und Möglichkeiten.

Du musst nicht aus deinem Leben ausbrechen. Jesus bricht in deinen Alltag hinein. Das verändert alles. Das verändert den Blickwinkel auf dein Leben. Das macht deinen Alltag spannend. In allen Bereichen bist du mit Jesus und für Jesus unterwegs.

Songandacht

Ich renne täglich durch meine Welt, muss so viel erledigen. Das eine gelingt mir, das andere misslingt. Ich habe Glücksgefühle, absolute Hochs. In der nächsten Sekunde erlebe ich Enttäuschungen, Zurückweisungen, sie werden zu Tiefs. Ich habe noch so viel zu tun. Und dann ist da dieser Moment, in dem ich denke: „Und wo bin ich?” In diesen Momenten fehlt mir ein starker Partner an meiner Seite, jemand, der zu mir hält. Der für mich da ist in den schönen Momenten, aber auch dann, wenn es anstrengend und schwierig wird. „Wo bist du jetzt?”

Viel zu oft lasse ich mich in meinem Glauben erschüttern. Eigentlich weiß ich doch, dass Gott an meiner Seite ist. Ich habe schon so oft erlebt und gespürt, wie er mir in schweren Situationen zur Seite stand. Und doch sind da diese Zweifel. „Wo bist du jetzt? War das alles nur eine Fantasie von mir? Wo bist du jetzt? Warst du nur Einbildung? Wo bist du jetzt?” Vermutlich kennt jede und jeder diese Momente des Alleinseins, des Verlassenseins, des nicht mehr Weiterwissens. Aber da sind wir wohl in guter Gesellschaft. Ich, du, wir sind nicht die Ersten, die an sich selbst und an ihrem Glauben zweifeln.

Es gibt in der Bibel einige Kapitel, in denen Menschen zweifeln, an sich, an ihrem Leben, an Gott. Petrus ist so ein Zweifler. In Matthäus 14,28-31 zweifelt er zum einen an der Wahrhaftigkeit Jesu („Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser”, V. 28 Lu), zum anderen vertraut er nicht auf die Macht Jesu und beginnt zu sinken.
Eine weitere Bibelstelle, die mich sehr bewegt, steht in Matthäus 27,46 (Lu). Jesus hängt am Kreuz und schreit laut: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Verlassen sein, einsam sein, nicht wissen, wie es weitergehen kann – ein Gefühl, so alt wie die Menschheit. Aber was machen wir daraus?

Ich glaube, wir machen uns oftmals eigene Pläne, die dann enttäuscht werden. Wir erwarten von Gott, dass Dinge so laufen sollen, wie wir es uns wünschen und uns vorgenommen haben. Aber ist das Gottes Plan für uns? Zum Propheten Elia sprach Gott, dass er weder durch einen Sturm, ein Erdbeben noch durch ein Feuer, sondern durch einen ganz leisen Hauch kommt (vgl. 1. Kön 19,11-13). Ich glaube, wir müssen unsere Augen, unsere Ohren und unser Herz öffnen und unsere Sinne schärfen, um Gottes Einschreiten in unserem Leben zu erkennen. Blicke einmal zurück: Wo in deinem Leben hast du dir gewünscht, dass sich etwas ändert? – Hat es sich zum Guten gewendet? Aber eigentlich so ganz anders, als du es dir erhofft hast?

Das Leben ist kein gerader, einfacher Weg. Und es wird immer Höhen und Tiefen geben. Momente, in denen alles perfekt ist, und Zeiten, in denen man zweifelt und einsam ist. Da wirkt Gott verblichen (faded), fast nicht anwesend. Man selbst fühlt sich wie ein Schatten, die eigenen Träume versunken wie Atlantis unten im Meer.

Aber sei dir gewiss, „unter dem hellen, aber verblassenden Licht, hast du mein Herz in Flammen gesetzt”, singt Alan Walker. Gott ist bei dir. Trägt dich. Führt dich. Mit ihm kannst du viel erreichen. Wenn du ihm vertraust!

Einheit: Leben in Gemeinschaft

Wo ist mein Platz in der Gemeinschaft und wie kann ich ihn finden? Wo gerate ich an die Grenzen anderer Menschen und wie gehe ich mit Konflikten um?

Kein Mensch lebt für sich allein. Mit anderen zusammenleben, das bringt große Freude, kann aber auch zu Konflikten führen. Die Einheit widmet sich der Frage, wie Individuen, einzelne Ichs, mit ihren Stärken und Schwächen, Freiheiten und Grenzen zu einer Gemeinschaft finden können und welche Hürden sie auf dem Weg dorthin überwinden müssen. Zusammenleben, das ist sowohl im Kleinen, in der Familie, im Verein oder in Schulklassen als auch im gesellschaftlichen großen Rahmen relevant. Konflikte, so unsere Überzeugung, gehören mit zum Leben in Gemeinschaft dazu. Sie weisen uns auf unsere Grenzen hin, eröffnen aber im besten Fall auch Möglichkeiten, wie wir besser und anders miteinander umgehen können. Deshalb lohnt es sich, dass sich Jugendliche auch mit diesen scheinbaren Schattenseiten der Gemeinschaft auseinandersetzen und daraus Ideen für einen guten Umgang mit ihnen finden lernen. Weil sich über Zusammenleben viel reden lässt, aber zwischen Sagen und Tun häufig ein großer Unterschied liegt, geht es uns um das Erleben. Deshalb werden in dieser Einheit viele erlebnispädagogische Elemente eingebracht. Zwei Wege zur Gemeinschaft scheinen dabei zielführend: der Beginn bei der kritischen Selbstreflexion, die sich vor der Offenlegung von Unvollkommenheiten nicht scheut, und die Einübung in den Umgang mit der Andersartigkeit des anderen.

Was Jugendliche mitbringen

Vom ersten Tag ihres Lebens an sind Menschen in ein Geflecht von Beziehungen zu anderen Menschen eingebunden. Als Jugendliche sind Menschen dann in der Lage, sich auch kritisch und distanzierend mit dem Beziehungsgeflecht, das sie umgibt, auseinanderzusetzen. Gleichzeitig erleben Jugendliche in ihren unterschiedlichen Lebens- und damit Beziehungskontexten wie z. B. in Schule, Familie und vor allem im Freundeskreis, wie existenziell Beziehungen für ihr Leben sind.

Das Zusammenleben in einer Gesellschaft ist nicht nur harmonisch. Diese Erfahrung bringen auch Jugendliche mit. Täglich erleben sie große und kleine Konflikte mit Eltern, Lehrern, Geschwistern, Freunden. Die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung und die Angst vor dem Gefühl (im realen und virtuellen Leben) nicht dazuzugehören und als Außenseiter oder Außenseiterin nicht akzeptiert und damit sozial isoliert zu werden, kennen sie. Die Erfahrung, sich fremd zu fühlen – in der neuen Klasse, während eines (schulischen) Auslandsaufenthalts, im Umgang mit dem eigenen Körper –, ist für Jugendliche gut nachzuvollziehen. Unserer Erfahrung nach prägen diese Gefühle das Erleben und Verhalten von Jugendlichen stark. Daher greifen die Methoden dieser Einheit auf spielerische Weise diese Erfahrungen auf (Dilemma live). Eng verbunden mit den geschilderten Emotionen ist die Frage, wer man ist und wie man in diese Gesellschaft passt. Weitere Methoden zu diesem Themenkomplex finden sich im Kapitel „Wer bin ich?“. Ein Selbstbild zu formen, das für einen selbst und für die Welt gut ist – auf diesem Wege können Jugendliche begleitet werden. Ein konstruktiver und positiver Umgang mit Konflikten kann dazu beitragen, diese Entwicklungsaufgabe erfolgreich zu bewältigen.

Auch eine Tagung oder Freizeit ist kein konfliktfreier Raum. Unsere Erfahrung ist deshalb, dass bereits vor der Tagung/Freizeit vorhandene Gruppenkonflikte und/oder auf der Tagung selbst entstandene oder entstehende Konflikte stets im Blick behalten und bearbeitet werden sollten.

Was wir Jugendlichen mitgeben wollen

Die vorliegende Einheit „Leben in Gemeinschaft“ beschäftigt sich mit der Gruppe als Einheit, mit der Zusammenarbeit ihrer Mitglieder und deren Zusammenhalt, aber auch mit ihren Konflikten und Prozessen der Auseinandersetzung. Dabei soll die Sicht des Einzelnen auf die Gruppe und seine Position und Rolle in der Gruppe nicht zu kurz kommen. Voraussetzung dafür ist die Annäherung an die eigene Rolle im Beziehungsgeflecht. Dazu beschäftigen sich die Jugendlichen reflektierend und spielerisch mit ihrem Selbstbild und erhalten Rückmeldung über die Wahrnehmung der anderen (siehe Kapitel „Wer bin ich?“). Sie sollen darüber nachdenken, wie Selbstbild und Fremdbild zustande kommen und ob und inwiefern sie bereit sind, ihr Bild von sich und anderen zu verändern. Ein positives Erleben der eigenen Rolle stärkt auch die Gemeinschaft. Die Frage nach der Rolle oder Position innerhalb der Gemeinschaft kann z. B. durch erlebnispädagogische Spiele bearbeitet werden.

Gruppen, die sich mit dieser Themeneinheit beschäftigen, tun das meist nicht ohne Grund. Häufig brechen auf den Tagungen Konflikte auf, die schon vorher unterschwellig existierten. Die Mitarbeitenden haben die wichtige Aufgabe, Konflikte zur Sprache zu bringen und zu moderieren. Elementar sind in diesem Zusammenhang eine solide Vertrauensbasis in der Gruppe und eine hohe Sensibilität im Erkennen und Thematisieren von Konflikten. Die Lösung von lange schwelenden Konflikten ist im Rahmen einer Freizeit/Tagung in aller Regel nicht möglich. Eine Tagung gibt aber den Rahmen, Dinge zur Sprache zu bringen, damit der Weg der Klärung angetreten werden kann. Aber auch funktionierende und gut zusammenarbeitende Gruppen können von den Bausteinen profitieren, gestärkt und unterstützt werden.

Die Rolle der Mitarbeitenden

Mitarbeitende stellen mit ihrem Handeln Orientierungspunkte für die Jugendlichen dar. Sie sollten deshalb im Blick behalten, dass ihr Handeln in der Gruppe und damit auch ihr Umgang mit Konflikten von den Jugendlichen sehr genau beobachtet werden. Nicht nur Jugendliche kennen die Angst vor der sozialen Isolation. Auch als Mitarbeiterin und Mitarbeiter möchte man „sympathisch rüberkommen“ und einen Draht zu den Jugendlichen aufbauen. Unserer Erfahrung nach gelingt dies am besten, wenn die Mitarbeitenden dabei authentisch und damit glaubwürdig bleiben. Dies bedeutet auch, als Mitarbeitende zu unseren Schwächen zu stehen und um Vergebung bzw. Entschuldigung bitten zu können.

Manches Mal brechen in außeralltäglichen Situationen wie einer Tagung oder Freizeit bereits im Vorfeld schwelende Konflikte auf. Der Umgang mit diesen erfordert von den Mitarbeitenden ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, kritischer Selbstprüfung (Bin ich der richtige Ansprechpartner / die richtige Ansprechpartnerin?) und Sensibilität für die Bedürfnisse der am Konflikt Beteiligten.

Der Bezug zum Glauben

Der christliche Glaube fußt im Vertrauen darauf, dass unser Leben auf eine Gemeinschaft hin ausgelegt ist. Gott sucht den Menschen, weil er in eine Beziehung mit seinem Geschöpf treten möchte. Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Der gemeinsame Glaube an einen sich den Menschen zuwendenden Gott stiftet rückwirkend auch wieder Gemeinschaft zwischen den Menschen. Das Neue Testament findet dafür das Bild eines Leibes mit vielen Gliedern (1. Kor 12). Aber auch innerhalb dieses Leibes, dieser Gemeinschaft gibt es Streit, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. Dennoch hoffen wir darauf, dass es in diesem Leib mit seinen vielen unterschiedlichen Gliedern auch immer wieder Vergebung, Versöhnung, Akzeptanz und einen respektvollen Umgang mit (andersgläubigen) Mitmenschen geben kann, weil Gott, der Versöhnung möglich macht, diesen Leib „zusammengesetzt“ hat.

Leider weckt der Gedanke an Religion im Kontext von Konflikten auch viele negative Assoziationen. Das Thema des Glaubens als Ursache von Krieg und Gewalt sollte deshalb ebenfalls angemessen aufgegriffen werden.

Wir vertrauen darauf, dass gelingendes Leben in Gemeinschaft, trotz aller Unvollkommenheit dieser Welt, möglich ist. Deshalb wollen wir dazu ermutigen, die eigenen Haltungen, Überzeugungen und Handlungen immer wieder kritisch zu reflektieren. Dabei dürfen wir darauf vertrauen, dass Vergebung jederzeit möglich ist.

Der rote Faden im Thema

Die Idee dieser Themeneinheit ist der Weg vom „Ich“ zum gelingenden „Wir“. Jugendliche üben zunächst in einer ersten Phase, Bedürfnisse von sich und anderen wahrzunehmen als essenzielle Voraussetzung für den Umgang mit Konfliktsituationen.

Zunächst wird die Eigenwahrnehmung, die eigene Rolle in der Gruppe betrachtet. Methoden, die das Selbstbild des oder der Einzelnen stärken und ihn oder sie für seine eigene Wahrnehmung sensibel werden lassen, eignen sich deshalb besonders zu Beginn dieser Themeneinheit. Die eigene Rolle in der Gruppe lässt sich besonders eindrücklich bei erlebnispädagogischen Spielen erfahren, die sowohl Zusammenarbeit (z. B. Hausbau der Kulturen) als auch Konflikte (Menschenschach) thematisieren. Auch andere hier nicht erwähnte kooperative oder konfliktlösende Spiele/Übungen aus der Erlebnispädagogik können eingebaut werden. Wir empfehlen den Balltransport oder eine andere kooperative Übung aus der Erlebnispädagogik.

Davon ausgehend wird anschließend in einer zweiten Phase die Wahrnehmung eigener, aber auch fremder Bedürfnisse untersucht, die beim Aufeinandertreffen verschiedener Gruppen durchaus im Widerspruch stehen und zu Konflikten führen können. Das Interkulturelle Mau-Mau eignen sich als Methoden dafür sehr gut. Im Dilemma live kann dann umgekehrt auch hautnah erfahren werden, wie eine Gruppe den Einzelnen beeinflussen kann. Abschließend soll theoretisch im Gespräch und praktisch in Rollenspielen erprobt und reflektiert werden, wie sich Konflikte bewältigen lassen.

Einheit: Leben in Gemeinschaft

„Oh ha, das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass du dem so sehr zustimmst“, meint Helena zu ihrer besten Freundin. „Ich hätte jetzt eher gedacht, du stehst vielleicht so in der Mitte irgendwo.“ – „Da siehst du mal, du weißt halt doch noch nicht alles von mir“, entgegnet Susi und rückt eher noch ein Stückchen weiter zur Wand.

ZielDie Jugendlichen werden mit verschiedenen Aussagen zu den Themen Akzeptanz / Toleranz / Konflikte usw. konfrontiert und sollen sich dazu zustimmend oder ablehnend verhalten. Anschließend sollen sie ihre Position begründen.
Gruppengröße10 bis 30 Teilnehmende
Material1 Seil oder Kreppklebeband; Plakat mit „Ich stimme zu“; Plakat mit „Ich stimme nicht zu“; Aussagen/Statements, zu denen sich die Teilnehmenden positionieren sollen
Dauerca. 30 Minuten (je nach Anzahl der Statements und Diskussionsfreude der Gruppe)

Durchführung

Einführung

Was macht man mit einem Thermometer? (Frage in die Runde) Richtig, man misst die Temperatur. Ein Thermometer kann man auch im übertragenen Sinn verwenden, um die „Stimmung“ zu messen. Wir wollen jetzt quasi die „Stimmung in diesem Raum“ zu bestimmten Aussagen, die irgendwie den Themenkomplex Akzeptanz / Toleranz / Konflikte berühren, messen. Dazu befindet sich unser „Thermometer“ in Form dieses Seils auf dem Boden. An diesem Ende des Seils wird die Stimmung „Ich stimme voll zu“ angezeigt. Am anderen Ende steht „Ich stimme überhaupt nicht zu“. Eure Aufgabe ist es jetzt, euch zu den Aussagen, die ich gleich in den Raum stellen werde, auf diesem Thermometer zu positionieren.

Thermometermessung

Das Seil wird in der Mitte des Raumes (oder draußen) auf den Boden gelegt. Es markiert eine Skala von „Ich stimme voll zu“ am einen Ende des Seils bis „Ich stimme überhaupt nicht zu“ am anderen Ende. Die Seilenden können zur besseren Orientierung auch mit beschrifteten Plakaten markiert werden. Die Leitung ruft nun verschiedene Aussagen in den Raum, zu denen sich die Jugendlichen entlang des Seils positionieren sollen. Anschließend werden die Jugendlichen von einem „Reporter“ befragt, warum sie sich genau an dieser Stelle des Seils positioniert haben. Die Methode eignet sich sehr gut als Einstieg in einen Themenkomplex oder eine Diskussion.

Mögliche Statements können im Zusammenhang des Themenkomplexes Akzeptanz / Toleranz / Konflikte sein:

  • Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
  • Probleme sind da, um sie zu lösen.
  • Es gibt für alles eine Lösung. Man muss sie nur finden.
  • Wer Konflikten aus dem Weg geht, kommt darin um.
  • Durch verschiedene Erfahrungen mit Menschen und Orten wächst die Toleranz.
  • Toleranz ist was für schwache Menschen.
  • Wer sich zu sehr anpasst, verliert sich selbst.
  • Integration bedeutet, voneinander zu lernen.
  • Man kann alle Menschen annehmen, wie sie sind.
  • Wenn man sich anstrengt, kommt man mit allen Menschen irgendwie zurecht.
  • Wissen und Bildung über andere Kulturen baut Vorurteile ab.
  • Reisen führt zu größerer Toleranz und Akzeptanz.
  • Manche Verhaltensweisen anderer kann ich einfach nicht tolerieren.
  • „Echte Toleranz ist nicht möglich ohne Liebe.“ (Albert Schweitzer)
  • „Toleranz ist gut, aber nicht gegenüber den Intoleranten.“ (Wilhelm Busch)
  • „Toleranz ist die Tugend des Mannes, der keine Überzeugungen hat.“ (Gilbert Keith Chesterton)

Besonderheiten, Schwierigkeiten, Unvorhergesehenes

  • Manche Aussagen sind sehr provokant und können die Stimmung sehr aufheizen. Vorab sollte betont werden, dass niemand aufgrund seiner Meinung (verbal) angegriffen werden darf. Ein respektvoller und sensibler Umgang mit den (eventuell gegensätzlichen) Positionierungen der anderen muss, vor allem bei einem solch heiklen Thema, gewährleistet sein.
  • Es sollten nicht zu viele Aussagen zur Diskussion gestellt werden. Nach ca. acht Aussagen verliert die Methode ihren Reiz.

Varianten

  • Alternativ können die Ecken eines Raumes mit verschiedenen Positionen belegt werden.
  • Die Methode lässt sich auch hervorragend mit Statements zu anderen Themenkomplexen, wie z. B. Liebe oder Zukunft, verwenden.
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