Leben in Gemeinschaft – Einführung

Einheit: Leben in Gemeinschaft

Wo ist mein Platz in der Gemeinschaft und wie kann ich ihn finden? Wo gerate ich an die Grenzen anderer Menschen und wie gehe ich mit Konflikten um?

Kein Mensch lebt für sich allein. Mit anderen zusammenleben, das bringt große Freude, kann aber auch zu Konflikten führen. Die Einheit widmet sich der Frage, wie Individuen, einzelne Ichs, mit ihren Stärken und Schwächen, Freiheiten und Grenzen zu einer Gemeinschaft finden können und welche Hürden sie auf dem Weg dorthin überwinden müssen. Zusammenleben, das ist sowohl im Kleinen, in der Familie, im Verein oder in Schulklassen als auch im gesellschaftlichen großen Rahmen relevant. Konflikte, so unsere Überzeugung, gehören mit zum Leben in Gemeinschaft dazu. Sie weisen uns auf unsere Grenzen hin, eröffnen aber im besten Fall auch Möglichkeiten, wie wir besser und anders miteinander umgehen können. Deshalb lohnt es sich, dass sich Jugendliche auch mit diesen scheinbaren Schattenseiten der Gemeinschaft auseinandersetzen und daraus Ideen für einen guten Umgang mit ihnen finden lernen. Weil sich über Zusammenleben viel reden lässt, aber zwischen Sagen und Tun häufig ein großer Unterschied liegt, geht es uns um das Erleben. Deshalb werden in dieser Einheit viele erlebnispädagogische Elemente eingebracht. Zwei Wege zur Gemeinschaft scheinen dabei zielführend: der Beginn bei der kritischen Selbstreflexion, die sich vor der Offenlegung von Unvollkommenheiten nicht scheut, und die Einübung in den Umgang mit der Andersartigkeit des anderen.

Was Jugendliche mitbringen

Vom ersten Tag ihres Lebens an sind Menschen in ein Geflecht von Beziehungen zu anderen Menschen eingebunden. Als Jugendliche sind Menschen dann in der Lage, sich auch kritisch und distanzierend mit dem Beziehungsgeflecht, das sie umgibt, auseinanderzusetzen. Gleichzeitig erleben Jugendliche in ihren unterschiedlichen Lebens- und damit Beziehungskontexten wie z. B. in Schule, Familie und vor allem im Freundeskreis, wie existenziell Beziehungen für ihr Leben sind.

Das Zusammenleben in einer Gesellschaft ist nicht nur harmonisch. Diese Erfahrung bringen auch Jugendliche mit. Täglich erleben sie große und kleine Konflikte mit Eltern, Lehrern, Geschwistern, Freunden. Die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung und die Angst vor dem Gefühl (im realen und virtuellen Leben) nicht dazuzugehören und als Außenseiter oder Außenseiterin nicht akzeptiert und damit sozial isoliert zu werden, kennen sie. Die Erfahrung, sich fremd zu fühlen – in der neuen Klasse, während eines (schulischen) Auslandsaufenthalts, im Umgang mit dem eigenen Körper –, ist für Jugendliche gut nachzuvollziehen. Unserer Erfahrung nach prägen diese Gefühle das Erleben und Verhalten von Jugendlichen stark. Daher greifen die Methoden dieser Einheit auf spielerische Weise diese Erfahrungen auf (Dilemma live). Eng verbunden mit den geschilderten Emotionen ist die Frage, wer man ist und wie man in diese Gesellschaft passt. Weitere Methoden zu diesem Themenkomplex finden sich im Kapitel „Wer bin ich?“. Ein Selbstbild zu formen, das für einen selbst und für die Welt gut ist – auf diesem Wege können Jugendliche begleitet werden. Ein konstruktiver und positiver Umgang mit Konflikten kann dazu beitragen, diese Entwicklungsaufgabe erfolgreich zu bewältigen.

Auch eine Tagung oder Freizeit ist kein konfliktfreier Raum. Unsere Erfahrung ist deshalb, dass bereits vor der Tagung/Freizeit vorhandene Gruppenkonflikte und/oder auf der Tagung selbst entstandene oder entstehende Konflikte stets im Blick behalten und bearbeitet werden sollten.

Was wir Jugendlichen mitgeben wollen

Die vorliegende Einheit „Leben in Gemeinschaft“ beschäftigt sich mit der Gruppe als Einheit, mit der Zusammenarbeit ihrer Mitglieder und deren Zusammenhalt, aber auch mit ihren Konflikten und Prozessen der Auseinandersetzung. Dabei soll die Sicht des Einzelnen auf die Gruppe und seine Position und Rolle in der Gruppe nicht zu kurz kommen. Voraussetzung dafür ist die Annäherung an die eigene Rolle im Beziehungsgeflecht. Dazu beschäftigen sich die Jugendlichen reflektierend und spielerisch mit ihrem Selbstbild und erhalten Rückmeldung über die Wahrnehmung der anderen (siehe Kapitel „Wer bin ich?“). Sie sollen darüber nachdenken, wie Selbstbild und Fremdbild zustande kommen und ob und inwiefern sie bereit sind, ihr Bild von sich und anderen zu verändern. Ein positives Erleben der eigenen Rolle stärkt auch die Gemeinschaft. Die Frage nach der Rolle oder Position innerhalb der Gemeinschaft kann z. B. durch erlebnispädagogische Spiele bearbeitet werden.

Gruppen, die sich mit dieser Themeneinheit beschäftigen, tun das meist nicht ohne Grund. Häufig brechen auf den Tagungen Konflikte auf, die schon vorher unterschwellig existierten. Die Mitarbeitenden haben die wichtige Aufgabe, Konflikte zur Sprache zu bringen und zu moderieren. Elementar sind in diesem Zusammenhang eine solide Vertrauensbasis in der Gruppe und eine hohe Sensibilität im Erkennen und Thematisieren von Konflikten. Die Lösung von lange schwelenden Konflikten ist im Rahmen einer Freizeit/Tagung in aller Regel nicht möglich. Eine Tagung gibt aber den Rahmen, Dinge zur Sprache zu bringen, damit der Weg der Klärung angetreten werden kann. Aber auch funktionierende und gut zusammenarbeitende Gruppen können von den Bausteinen profitieren, gestärkt und unterstützt werden.

Die Rolle der Mitarbeitenden

Mitarbeitende stellen mit ihrem Handeln Orientierungspunkte für die Jugendlichen dar. Sie sollten deshalb im Blick behalten, dass ihr Handeln in der Gruppe und damit auch ihr Umgang mit Konflikten von den Jugendlichen sehr genau beobachtet werden. Nicht nur Jugendliche kennen die Angst vor der sozialen Isolation. Auch als Mitarbeiterin und Mitarbeiter möchte man „sympathisch rüberkommen“ und einen Draht zu den Jugendlichen aufbauen. Unserer Erfahrung nach gelingt dies am besten, wenn die Mitarbeitenden dabei authentisch und damit glaubwürdig bleiben. Dies bedeutet auch, als Mitarbeitende zu unseren Schwächen zu stehen und um Vergebung bzw. Entschuldigung bitten zu können.

Manches Mal brechen in außeralltäglichen Situationen wie einer Tagung oder Freizeit bereits im Vorfeld schwelende Konflikte auf. Der Umgang mit diesen erfordert von den Mitarbeitenden ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, kritischer Selbstprüfung (Bin ich der richtige Ansprechpartner / die richtige Ansprechpartnerin?) und Sensibilität für die Bedürfnisse der am Konflikt Beteiligten.

Der Bezug zum Glauben

Der christliche Glaube fußt im Vertrauen darauf, dass unser Leben auf eine Gemeinschaft hin ausgelegt ist. Gott sucht den Menschen, weil er in eine Beziehung mit seinem Geschöpf treten möchte. Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Der gemeinsame Glaube an einen sich den Menschen zuwendenden Gott stiftet rückwirkend auch wieder Gemeinschaft zwischen den Menschen. Das Neue Testament findet dafür das Bild eines Leibes mit vielen Gliedern (1. Kor 12). Aber auch innerhalb dieses Leibes, dieser Gemeinschaft gibt es Streit, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. Dennoch hoffen wir darauf, dass es in diesem Leib mit seinen vielen unterschiedlichen Gliedern auch immer wieder Vergebung, Versöhnung, Akzeptanz und einen respektvollen Umgang mit (andersgläubigen) Mitmenschen geben kann, weil Gott, der Versöhnung möglich macht, diesen Leib „zusammengesetzt“ hat.

Leider weckt der Gedanke an Religion im Kontext von Konflikten auch viele negative Assoziationen. Das Thema des Glaubens als Ursache von Krieg und Gewalt sollte deshalb ebenfalls angemessen aufgegriffen werden.

Wir vertrauen darauf, dass gelingendes Leben in Gemeinschaft, trotz aller Unvollkommenheit dieser Welt, möglich ist. Deshalb wollen wir dazu ermutigen, die eigenen Haltungen, Überzeugungen und Handlungen immer wieder kritisch zu reflektieren. Dabei dürfen wir darauf vertrauen, dass Vergebung jederzeit möglich ist.

Der rote Faden im Thema

Die Idee dieser Themeneinheit ist der Weg vom „Ich“ zum gelingenden „Wir“. Jugendliche üben zunächst in einer ersten Phase, Bedürfnisse von sich und anderen wahrzunehmen als essenzielle Voraussetzung für den Umgang mit Konfliktsituationen.

Zunächst wird die Eigenwahrnehmung, die eigene Rolle in der Gruppe betrachtet. Methoden, die das Selbstbild des oder der Einzelnen stärken und ihn oder sie für seine eigene Wahrnehmung sensibel werden lassen, eignen sich deshalb besonders zu Beginn dieser Themeneinheit. Die eigene Rolle in der Gruppe lässt sich besonders eindrücklich bei erlebnispädagogischen Spielen erfahren, die sowohl Zusammenarbeit (z. B. Hausbau der Kulturen) als auch Konflikte (Menschenschach) thematisieren. Auch andere hier nicht erwähnte kooperative oder konfliktlösende Spiele/Übungen aus der Erlebnispädagogik können eingebaut werden. Wir empfehlen den Balltransport oder eine andere kooperative Übung aus der Erlebnispädagogik.

Davon ausgehend wird anschließend in einer zweiten Phase die Wahrnehmung eigener, aber auch fremder Bedürfnisse untersucht, die beim Aufeinandertreffen verschiedener Gruppen durchaus im Widerspruch stehen und zu Konflikten führen können. Das Interkulturelle Mau-Mau eignen sich als Methoden dafür sehr gut. Im Dilemma live kann dann umgekehrt auch hautnah erfahren werden, wie eine Gruppe den Einzelnen beeinflussen kann. Abschließend soll theoretisch im Gespräch und praktisch in Rollenspielen erprobt und reflektiert werden, wie sich Konflikte bewältigen lassen.

Einheit: Leben in Gemeinschaft

„Oh ha, das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass du dem so sehr zustimmst“, meint Helena zu ihrer besten Freundin. „Ich hätte jetzt eher gedacht, du stehst vielleicht so in der Mitte irgendwo.“ – „Da siehst du mal, du weißt halt doch noch nicht alles von mir“, entgegnet Susi und rückt eher noch ein Stückchen weiter zur Wand.

ZielDie Jugendlichen werden mit verschiedenen Aussagen zu den Themen Akzeptanz / Toleranz / Konflikte usw. konfrontiert und sollen sich dazu zustimmend oder ablehnend verhalten. Anschließend sollen sie ihre Position begründen.
Gruppengröße10 bis 30 Teilnehmende
Material1 Seil oder Kreppklebeband; Plakat mit „Ich stimme zu“; Plakat mit „Ich stimme nicht zu“; Aussagen/Statements, zu denen sich die Teilnehmenden positionieren sollen
Dauerca. 30 Minuten (je nach Anzahl der Statements und Diskussionsfreude der Gruppe)

Durchführung

Einführung

Was macht man mit einem Thermometer? (Frage in die Runde) Richtig, man misst die Temperatur. Ein Thermometer kann man auch im übertragenen Sinn verwenden, um die „Stimmung“ zu messen. Wir wollen jetzt quasi die „Stimmung in diesem Raum“ zu bestimmten Aussagen, die irgendwie den Themenkomplex Akzeptanz / Toleranz / Konflikte berühren, messen. Dazu befindet sich unser „Thermometer“ in Form dieses Seils auf dem Boden. An diesem Ende des Seils wird die Stimmung „Ich stimme voll zu“ angezeigt. Am anderen Ende steht „Ich stimme überhaupt nicht zu“. Eure Aufgabe ist es jetzt, euch zu den Aussagen, die ich gleich in den Raum stellen werde, auf diesem Thermometer zu positionieren.

Thermometermessung

Das Seil wird in der Mitte des Raumes (oder draußen) auf den Boden gelegt. Es markiert eine Skala von „Ich stimme voll zu“ am einen Ende des Seils bis „Ich stimme überhaupt nicht zu“ am anderen Ende. Die Seilenden können zur besseren Orientierung auch mit beschrifteten Plakaten markiert werden. Die Leitung ruft nun verschiedene Aussagen in den Raum, zu denen sich die Jugendlichen entlang des Seils positionieren sollen. Anschließend werden die Jugendlichen von einem „Reporter“ befragt, warum sie sich genau an dieser Stelle des Seils positioniert haben. Die Methode eignet sich sehr gut als Einstieg in einen Themenkomplex oder eine Diskussion.

Mögliche Statements können im Zusammenhang des Themenkomplexes Akzeptanz / Toleranz / Konflikte sein:

  • Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
  • Probleme sind da, um sie zu lösen.
  • Es gibt für alles eine Lösung. Man muss sie nur finden.
  • Wer Konflikten aus dem Weg geht, kommt darin um.
  • Durch verschiedene Erfahrungen mit Menschen und Orten wächst die Toleranz.
  • Toleranz ist was für schwache Menschen.
  • Wer sich zu sehr anpasst, verliert sich selbst.
  • Integration bedeutet, voneinander zu lernen.
  • Man kann alle Menschen annehmen, wie sie sind.
  • Wenn man sich anstrengt, kommt man mit allen Menschen irgendwie zurecht.
  • Wissen und Bildung über andere Kulturen baut Vorurteile ab.
  • Reisen führt zu größerer Toleranz und Akzeptanz.
  • Manche Verhaltensweisen anderer kann ich einfach nicht tolerieren.
  • „Echte Toleranz ist nicht möglich ohne Liebe.“ (Albert Schweitzer)
  • „Toleranz ist gut, aber nicht gegenüber den Intoleranten.“ (Wilhelm Busch)
  • „Toleranz ist die Tugend des Mannes, der keine Überzeugungen hat.“ (Gilbert Keith Chesterton)

Besonderheiten, Schwierigkeiten, Unvorhergesehenes

  • Manche Aussagen sind sehr provokant und können die Stimmung sehr aufheizen. Vorab sollte betont werden, dass niemand aufgrund seiner Meinung (verbal) angegriffen werden darf. Ein respektvoller und sensibler Umgang mit den (eventuell gegensätzlichen) Positionierungen der anderen muss, vor allem bei einem solch heiklen Thema, gewährleistet sein.
  • Es sollten nicht zu viele Aussagen zur Diskussion gestellt werden. Nach ca. acht Aussagen verliert die Methode ihren Reiz.

Varianten

  • Alternativ können die Ecken eines Raumes mit verschiedenen Positionen belegt werden.
  • Die Methode lässt sich auch hervorragend mit Statements zu anderen Themenkomplexen, wie z. B. Liebe oder Zukunft, verwenden.

Einheit: Leben in Gemeinschaft

Lara zieht und zerrt an einem Baumstamm, den sie im Unterholz entdeckt hat. Allein schafft sie es einfach nicht. Währenddessen sind Julia, Klemens und Natascha damit beschäftigt, das Dach mit Schnüren festzumachen: „Sollen wir nicht doch eher das Dach wie ein Zelt machen?“ – „Nee, nicht stabil genug. Und außerdem reicht die Schnur nicht ganz.“ – „Der Pflock an der Seite ist nicht fest.“ Sam und Mary sammeln trockenes Gras, um den Boden in der Ruheecke auszupolstern. Eine andere Gruppe macht aus gleich langen Stöcken einen Zaun, um das Gelände abzugrenzen. „Wir lassen eine Seite offen, damit wir das Haus zur Not noch vergrößern können.“ Klaus, der bislang still und beobachtend am Wegrand gestanden hat, sieht, wie sich Lara abmüht, und kommt ihr zu Hilfe. Gemeinsam tragen sie den Baumstamm zur Gruppe.
Am Ende sind alle mit dem Bauwerk zufrieden. Lisa erzählt dem Reporter der Zeitung: „Ich hätte nie gedacht, dass wir das hinkriegen.
Am Anfang waren unsere Pläne so verschieden. Aber gemeinsam haben wir ein Haus konstruiert, das für alle offen ist und noch ausgebaut werden kann.“ Und Mark ergänzt: „Wir sind immer flexibel geblieben, hatten zwar Baugruppen, die für was Bestimmtes zuständig waren. Aber wir haben einander auch geholfen, wo es nötig war.“ Das Zeichen am Eingang aus Rinde und Blumen ist ein Symbol der Freundschaft. „Alle sind in unserem Haus willkommen, egal, welcher Kultur oder Religion sie angehören.“

ZielEin gemeinsames Bauprojekt, das Kompromisse und eine gute Zusammenarbeit erfordert, wird geplant und durchgeführt.
Gruppengröße15 bis 30 Teilnehmende
MaterialBaumaterial, z. B. unterschiedlich lange Seile, Schnur, Scheren, Plane aus Plastik, Hammer, Nägel, Pflöcke, eine Säge, Holzbretter (je weniger Zusatzmaterial, umso schwieriger die Aufgabe); als Planungsmaterial Stifte und DIN-A3-Papier
Dauerca. 2 Stunden

Vorbereitung

Die Materialien für die Planungs- und Bauphase werden auf einem geeigneten Bauplatz ausgelegt. Dieser Ort kann im Wald oder auf freiem Feld sein. Spannender wird der Bau auf freiem Feld, weil Material erst beschafft werden muss. Im Wald können Bäume für den Bau mitgenutzt werden.

Durchführung

Einführung

Manchmal muss man miteinander diskutieren, Kompromisse machen und zusammenarbeiten. Jetzt bekommt ihr als Gruppe die Aufgabe, ein Haus der Gemeinschaftskultur zu bauen. Dazu habt ihr bestimmtes Baumaterial zur Verfügung. Bevor ihr loslegt, braucht ihr erst einmal einen Plan, den ihr in Kleingruppen entwerfen sollt. Welche Idee verkörpert euer Haus? Ist es einladend für andere? Gibt es verschiedene Bereiche zum Wohlfühlen, Ausruhen, Gemeinschaft erleben? Heißt euer Haus andere willkommen? Ist es flexibel und ausbaufähig oder eine feste sichere Burg? Danach sollt ihr euch in der Gruppe auf einen Plan einigen und ihn umsetzen. Für den Bau habt ihr insgesamt eine Stunde Zeit.

Planungsphase (20 Minuten)

Die Gruppe wird in drei bis vier gleich große Kleingruppen unterteilt. Jede Gruppe erhält Papier und Stifte und soll einen Entwurf gestalten. Die Baumaterialien dürfen dazu besichtigt werden.

Diskussionsphase (20 Minuten)

Im Plenum muss sich die Gruppe jetzt auf einen Entwurf einigen. Jede Kleingruppe präsentiert dazu ihre Idee des Hauses. Anschließend wird diskutiert, welche Vor- und Nachteile die Pläne haben bzw. wo sich am ehesten Zustimmung findet. Mischformen zwischen zwei Entwürfen sind ebenfalls denkbar. In der Planungszeit können auch Zuständigkeiten für den Bau bzw. Baugruppen ausgehandelt werden. Die Gruppe soll selbst organisieren, wer welche Aufgabe übernimmt. Wichtig ist es, hier nur begrenzte Zeit zur Verfügung zu stellen. Falls in dieser Zeit keine Einigung entsteht, wird das Signal zum Bau dennoch gegeben. Zwischenmeldungen zum Zeitstand helfen der Gruppe bei ihrer Einigung. Die Leitung greift in der Planungszeit nicht ein.

Bauphase (60 Minuten)

Mit dem selbst gesuchten und dem bereit gestellten Material wird nun das Haus gebaut. Die Mitarbeitenden beobachten den Prozess genau und nutzen die Beobachtungen in der Auswertungsphase.

Interview-Auswertung (20 Minuten)

Ein „Reporter“ der lokalen Zeitung besucht das Bauteam und befragt es nach dem Haus selbst und nach der Zusammenarbeit. Vorschläge für Interviewfragen:

  • Ein tolles Haus ist eurem Team gelungen. Wie würdet ihr eure Zusammenarbeit beschreiben?
  • Gab es Konflikte auf dem Weg zum fertigen Haus?
  • Welche Idee steckt im Konzept und wie wurde sie umgesetzt?
  • Wurden die Aufgaben in verschiedener Weise verteilt?
  • Wer hat welche Rolle übernommen?
  • Was war schwierig in der Planungsphase und wie habt ihr Schwierigkeiten
  • überwunden?
  • Übertragung auf den Alltag: Was habt ihr für eure Zusammenarbeit
  • als Gruppe gelernt?
  • Rückblick: Was würdet ihr im Nachhinein in der Planungs- und Bauphase
  • anders machen?

Besonderheiten, Schwierigkeiten, Unvorhergesehenes

  • Manchmal kommt es beim Hausbau selbst zu Konflikten. Die Gruppe sollte diese selbst lösen. Wenn der Bau stagniert, kann ein kleines Zwischeninterview eingefügt werden, in dem Ideen zur Verbesserung der Zusammenarbeit gesammelt werden.
  • Manche beteiligen sich anfangs nicht oder kaum an Bau und Planung. Auch hier sollte der Gruppe überlassen werden, diese Jugendlichen zu integrieren.
  • Verletzungsgefahr beachten: Je nach Alter sollten die Gerätschaften zum Bau ausgewählt werden. Die Leitung muss alle Jugendlichen gut im Blick haben und notfalls einschreiten können. Erste-Hilfe-Kenntnisse sind notwendig.
  • Besonders wichtig ist die gute Auswertung am Schluss und eine Übertragung auf den Alltag: Was hat die Gruppe gelernt? Welche Schwierigkeiten sind aufgetreten, und was könnte man noch verbessern?

Varianten

  • Bei schlechtem Wetter kann der Hausbau auch im geschlossenen Raum stattfinden. Hier sollten die Materialien verändert werden, z. B. kann man Stühle, Kissen, Decken, große Kartons nutzen.
  • Miniatur-Haus: Die Gruppe erstellt ein Miniaturhaus aus Papier, Karton, Strohhalmen, kleinen Stöcken usw. Dafür ist nur eine begrenzte Menge an Material vorhanden. Der Ablauf bleibt gleich.

Einheit: Leben in Gemeinschaft

„Spielen wir noch mal Menschenschach?“, fragen mich ein paar Jugendliche in der Mittagspause. Andere rufen aus dem Hintergrund: „Oh nee, nicht schon wieder!“ Wie so oft. Bei Menschenschach gehen die Meinungen auseinander. Mir leuchtet das ein, denn einerseits erfordert das Spiel hohe Konzentration und Kommunikationsfähigkeit. Andererseits bietet Menschenschach auch einen Wettbewerb. Und so werden die belohnt, die es schaffen, ohne Worte eine Gewinnstrategie zu entwickeln.
Ich habe das Spiel gern noch mal gespielt. Es eignet sich etwa als Warm-up für eine Gruppe, die sich schon kennt. Es eignet sich auch als Einstieg in das Thema „Leben in Gemeinschaft“. Am Ende der Einheit schlage ich einige Impulsfragen vor, die die Jugendlichen zum Diskutieren anregen sollen.

ZielDie Jugendlichen werden mit verschiedenen Aussagen zu den Themen Akzeptanz / Toleranz / Konflikte usw. konfrontiert und sollen sich dazu zustimmend oder ablehnend verhalten. Die Jugendlichen kommunizieren in einer Wettbewerbssituation ohne Worte, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.
Gruppengröße10 bis 16 Teilnehmende, ein Team besteht aus 5 bis 8 Jugendlichen. Bei einer Schulklasse bietet es sich an, 4 Teams zu bilden, die auf
2 Feldern gegeneinander spielen.
MaterialKlebeband / Seil / Kreide, um das Feld zu markieren
Dauerca. 30 Minuten

Vorbereitung

Vor der Durchführung wird ein rechteckiges Feld markiert, das eine Größe von etwa fünf mal zehn Meter umfasst. Die Jugendlichen werden in zwei Teams aufgeteilt.

Durchführung

Einführung

Wir spielen Menschenschach. Ihr seid die Schachfiguren. Zwei Teams treten gegeneinander an. Jedes Team stellt sich an einer kurzen Seite des Rechtecks auf. Euer Team gewinnt, wenn ein Teammitglied die Grundseite der anderen Mannschaft erreicht oder ihr alle gegnerischen Teammitglieder abschlagt.
Dafür gilt:

  • Ihr dürft während des ganzen Spiels nicht reden. Das gilt auch für die geschlagenen Teammitglieder.
  • Ihr könnt springen. Die Teams sind abwechselnd am Zug. Es springt je ein Teammitglied in beliebiger Abfolge. Ihr dürft nach vorne/hinten oder nach links/rechts springen, aber nicht schräg. Ihr müsst mit beiden Füßen aufkommen.
  • Ihr könnt schlagen. Wenn jemand nach dem Sprung ein gegnerisches Teammitglied berührt, ohne dabei umzukippen (!), ist das Teammitglied geschlagen und stellt sich an den Rand. Ihr könnt so mehrere Personen zugleich schlagen.

Spiel

Es wird ausgelost, welches Team beginnt. Das Spiel wird nach den oben beschriebenen Regeln durchgeführt. Damit diese eingehalten werden, benötigt es unbedingt eine unparteiische Schiedsrichterperson. Entweder übernimmt diese Rolle eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter oder eine Jugendliche / ein Jugendlicher. Werden Regeln nicht eingehalten, schlage ich folgende Konsequenzen vor:

  • Wer schräg springt oder nicht mit beiden Füßen aufkommt, geht zurück an die Grundlinie.
  • Ebenso geht zurück, wer umkippt.
  • Wer redet, wird disqualifiziert und gilt als geschlagenes Teammitglied.

Auswertung

Nach dem Spiel können folgende Fragen von den Jugendlichen diskutiert werden:

  • Was ist euch gut / weniger gut gelungen?
  • Wie habt ihr ohne Worte kommuniziert?
  • Welches Team war erfolgreicher? Warum?
  • Welche Rolle hast du eingenommen?
  • Wie beurteilt ihr die anderen – hat jemand die Führung übernommen oder habt ihr demokratisch eine Strategie entwickelt?
  • Welche Konflikte sind in eurem Team aufgekommen?
  • Was könnt ihr als Team verbessern?

Besonderheiten, Schwierigkeiten, Unvorhergesehenes

  • Die Jugendlichen testen die Grenzen der Regeln aus. Diese sind deshalb unbedingt einzuhalten, damit das Spiel auch aus Perspektive der Jugendlichen fair verläuft. Besonders wichtig dabei: mit beiden Füßen aufkommen, nicht umkippen, nicht reden!
  • Es bietet sich an, das Spiel zu unterbrechen und gemeinsam Konsequenzen festzulegen, wenn Regeln nicht eingehalten werden. Meine Vorschläge dazu habe ich oben beschrieben. Konsequenzen können aber auch zu Anfang von den Mitarbeitenden festgelegt und bei der Instruktion kommuniziert werden.
  • Unter den geschlagenen Teammitgliedern kommt oft Unmut auf. Es gilt trotzdem, dass auch diese nicht reden dürfen. Sie können eingebunden werden, indem sie von der Seitenlinie Zeichen geben.

Varianten

  • Das Spiel ist herausfordernd, weil es eine gemeinsame Strategie zu entwerfen gilt, ohne dabei zu reden. Eine Strategie braucht es, um das Spiel zu gewinnen. Ich kann mir vorstellen, dass …
  • … den Teams vor oder während des Spiels Zeit eingeräumt wird, sich zu beraten.
  • … jedes Team eine Person wählt, die reden darf.
  • … alle geschlagenen Teammitglieder reden dürfen.

Einheit: Leben in Gemeinschaft

Alle schweigen dabei, doch das ist nicht das Ungewöhnlichste. Einer scheint bei jeder Karte, die er legt, die anderen um Erlaubnis zu bitten. Ein anderer gestikuliert wild vor sich hin. Er scheint seinen Mitspielern und Mitspielerinnen etwas mitteilen zu wollen, doch diese beachten ihn kaum. An einem anderen Tisch bekommt eine Spielerin einen Stein als Zeichen, dass sie gewonnen hat. Sie wirkt sehr überrascht. Nach und nach finden sich alle damit ab, dass sie zu Beginn verschiedene Regeln vorgesetzt bekommen haben, und entwickeln Routinen und Kompromisse für ein gemeinsames Spiel. Doch bald müssen erneut von jedem Tisch zwei Personen aufstehen und am nächsten Tisch weiterspielen. Was erwartet sie dort? Nach welchen Regeln wird dort gespielt? Können sie ihre Regeln behalten oder müssen sie sich anpassen? Sind die Kompromisse, die eben geschlossen wurden, auch hier tragfähig?

ZielDie Jugendlichen erleben Konfliktsituationen, die entstehen, wenn Menschen unterschiedlichen Regeln folgen und somit verschiedene Verhaltensweisen an den Tag legen. Ohne zu sprechen suchen sie nach Kompromissen und Handlungsmöglichkeiten. Sie können ihre eigene Reaktion beobachten und verschiedene Lösungsstrategien ausprobieren, analysieren und reflektieren. So können sowohl Konfliktlösungs- als auch interkulturelle Kompetenzen gefördert werden.
Gruppengröße12 bis 20 Teilnehmende
Material4 verschiedene Spielregeln für Mau-Mau (siehe Anhang); 4 Skatkartensätze; kleine Steinchen oder Ähnliches für Gewinnerinnen und Gewinner; 4 Tische mit Stühlen
Dauerca. 30 bis 45 Minuten

Vorbereitung

Im Raum werden vier einzeln stehende Tische mit Stühlen bereitgestellt. Auf jedem Tisch liegen ein Skatkartensatz und eine Spielregel.

Durchführung

Einführung

Manchmal muss man miteinander diskutieren, Kompromisse machen und zusammenarbeiten. Jetzt bekommt ihr als Gruppe die Aufgabe, ein Haus der Gemeinschaftskultur zu bauen. Dazu habt ihr bestimmtes Baumaterial zur Verfügung. Bevor ihr loslegt, braucht ihr erst einmal einen Plan, den ihr in Kleingruppen entwerfen sollt. Welche Idee verkörpert euer Haus? Ist es einladend für andere? Gibt es verschiedene Bereiche zum Wohlfühlen, Ausruhen, Gemeinschaft erleben? Heißt euer Haus andere willkommen? Ist es flexibel und ausbaufähig oder eine feste sichere Burg? Danach sollt ihr euch in der Gruppe auf einen Plan einigen und ihn umsetzen. Für den Bau habt ihr insgesamt eine Stunde Zeit.

Planungsphase (20 Minuten)

Die Gruppe wird in drei bis vier gleich große Kleingruppen unterteilt. Jede Gruppe erhält Papier und Stifte und soll einen Entwurf gestalten. Die Baumaterialien dürfen dazu besichtigt werden.

Diskussionsphase (20 Minuten)

IDas interkulturelle Mau-Mau braucht keine ausführliche Einführung. Im Gegenteil: Es lebt von der Überraschung, die beim Aufeinandertreffen der verschiedenen Spielregeln entsteht.
Ihr dürft gleich gemütlich Mau-Mau spielen. Teilt euch bitte in vier Gruppen auf. Jede Gruppe bekommt von mir eine schriftliche Anleitung, nach welchen Regeln sie spielt. Lest sie euch ganz genau durch, denn während der gesamten Spielzeit dürft ihr nicht reden! Wer gewonnen hat, meldet sich bitte, ich gebe euch dann so ein kleines blaues Steinchen. Danach mischt ihr die Karten neu und fangt noch mal von vorne an. Viel Spaß beim Spielen!

Erste Spielrunde

Nachdem die Regeln von allen gelesen wurden, werden sie wieder eingesammelt. Wichtig ist, dass die Jugendlichen wirklich still bleiben und nicht sprechen. Die Jugendlichen beginnen nach den gemeinsamen Regeln zu spielen.

Weitere Spielrunden

Nach drei bis vier Minuten müssen je zwei Jugendliche pro Tisch an den nächsten Tisch aufrücken. Hier spielen sie für ca. fünf Minuten weiter. Danach müssen wieder zwei weiterrücken. Dabei ist darauf zu achten, dass sich die Gruppen immer stärker mischen und nicht so nachgerückt wird, dass die Ausgangsgruppen wiederhergestellt werden. Gewinnt jemand, bekommt er oder sie ein kleines Steinchen (oder Ähnliches). Nach vier Spielphasen dürfen die Spielerinnen und Spieler endlich ihr Schweigen brechen.

Auswertung

Direkt nach Spielende haben die Jugendlichen ein enormes Mitteilungsbedürfnis. Unverstandenes wird nachgefragt, Frust endlich ausgesprochen, aber auch über manches Missverständnis gelacht. Dem sollte Raum gegeben werden, bevor es zur gemeinsamen Reflexion kommt. Dabei kann beim Thema „Konflikte“ stärker auf entstandene Konfliktsituationen und Lösungsstrategien eingegangen werden. Geht es um interkulturelle Kompetenzen, kann das Spiel stärker auf verschiedene Kulturen mit unterschiedlichen Verhaltensweisen übertragen werden.

Besonderheiten, Schwierigkeiten, Unvorhergesehenes

  • Je nach Persönlichkeit und Konfliktkompetenz kann dieses Spiel die Jugendlichen sehr aufwühlen und Konflikte erzeugen. Dies sollte unbedingt in der Auswertung aufgefangen werden.
  • Es empfiehlt sich, nach dem Spiel eine Pause einzuplanen und dann einen Programmpunkt folgen zu lassen, der die Stimmung wieder ausgleicht.

Varianten

  • Das Prinzip kann auch auf andere Spiele wie z. B. Mensch ärgere dich nicht, UNO® … übertragen werden. Dabei ist es wichtig, dass es genügend Unterschiede und auch Widersprüche zwischen den Regelvarianten gibt.
  • In größeren oder kleineren Gruppen kann die Anzahl der spielenden Gruppen angepasst werden. Ggf. muss eine weitere Variante der Spielregeln geschrieben werden. Drei bis fünf Spieler pro Gruppe sind ideal.

Bei dieser Themeneinheit können sich Jugendliche anhand von Spielen, Workshops oder Übungen mit (interkultureller) Gemeinschaft auseinandersetzen.

2. Bileam – Offene Augen, gerader Weg

Bibeltext(e): 4. Mose 22,21–35  

Zeitbedarf: ca. 60–75 Minuten  

Für Mitarbeitende: Einführung 

Zwischen  Druck von außen und eigener Agenda verlieren Teens leicht den klaren Kurs. Gott öffnet Bileam die Augen.  

Zielgedanke (Big Idea)

Teens lernen: Gottes Reden kann überraschend und korrigierend kommen – er will unser Herz gerade ausrichten.  

Kernaussagen
  • Gott kann durch Unerwartetes sprechen – die Frage ist: Bin ich bereit, mich stoppen zu lassen?  
  • Segen lässt sich nicht verkaufen: Integrität > Vorteil.  
  • Umkehr ist kein Scheitern, sondern Gehorsam in Echtzeit. 
  • Wir dürfen auch auf die Dinge achten, die uns vermeintlich ausbremsen.
Andacht

Hört euch den Bibeltext 4. Mose 22,21–35  gemeinsam an (zum Beispiel kostenlos über diese Seite: Altes Testament zum Anhören – Die Hörbibel (letzter Zugriff 15.01.2026) oder jeder liest den Text für sich.

Dann geht es weiter mit diesem Input:

Was für eine dichte Geschichte.

Eine dieser Erzählungen, die auf den ersten Blick fast fremd wirken – und beim zweiten Lesen erstaunlich nah kommen. Eine Geschichte voller Bewegung, Widerstand, Blindheit und Rettung. Und voller Gedanken, die sich leise in den Alltag schieben.

Manchmal merken wir gar nicht, wie nah wir an einer Grenze sind. Wir sind unterwegs, überzeugt von unserem Weg, innerlich vielleicht sogar gut begründet. Wir haben nachgedacht, abgewogen, vielleicht gebetet. Und trotzdem spitzt sich etwas zu. Der Körper wird müde, der Ton schärfer, das Herz enger. Warnsignale tauchen auf – leise, unscheinbar. Eigentlich gut zu übersehen.

In dieser Geschichte wird plötzlich von einem Schwert gesprochen. Nicht als Drohkulisse, sondern als Realität: Der Weg, den Bileam geht, hätte ihn das Leben gekostet. Nicht, weil Gott ihn bestrafen wollte, sondern weil er blind geworden ist für das, was ihn schützen sollte. Das Schwert steht für eine Grenze, die nicht verhandelbar ist. Für einen Punkt, an dem es nicht einfach nur anstrengend wird, sondern gefährlich.

Vielleicht kennen wir solche Schwerter auch heute. Nicht sichtbar, aber spürbar. Ein Burnout, der sich lange ankündigt. Beziehungen, die zerbrechen, weil wir nie angehalten haben. Entscheidungen, die uns innerlich verhärten. Ein Leben, das äußerlich funktioniert, aber innerlich immer leerer wird. Das Schwert ist dann nicht Gottes Wille zum Schaden, sondern das Bild dafür, dass unser Weg so nicht weitergehen kann, ohne uns zu zerstören.

Die Eselin wird zur Rettung, weil sie stehen bleibt. Weil sie ausweicht. Weil sie sich widersetzt. Und genau das ist das Verstörende: Das, was Bileam aufhält, bewahrt ihn vor dem Schlimmsten. Und das, was er bekämpft, rettet ihm am Ende das Leben.

Ich wünsche dir, dass du die leisen Stopps in deinem Alltag nicht übergehst. Dass du dem, was dich bremst, wenigstens einen Moment Aufmerksamkeit schenkst. Und dass du den Mut findest, dort anzuhalten, wo Anhalten dich bewahrt. Nicht aus Angst – sondern aus Vertrauen, dass Gott manchmal gerade durch das Stoppen schützt.

Gesprächsimpulse
  • Welche „rote Ampel“ hat dich zuletzt innerlich gestoppt?  
  • Wo bist du versucht,  deinen Vorteil über Integrität zu stellen?  
  • Wie könnte „offene Augen“ als Haltung in der Schule/online aussehen?  

Aktionsteil

„Esel-Alarm“ – Stoppsignale entdecken (15–20 Min.)  

Material:  Karten in Rot/Gelb/Grün, Beispiele aus dem Alltag (Zettel mit Situationen), Klebeband  

Durchführung:  

  1. In drei Ecken des Raums je eine Ampelfarbe mit farbigen Karten markieren.  
  2. Situationen vorlesen (z.B. „Weiterleiten von peinlichem Video“). Die Gruppe positioniert sich (Grün= go, Gelb= prüfen, Rot= stopp) und begründet.  
  3. Transfer: Wie höre ich Gottes Warnungen? Welche Checks helfen mir (Bibel, Freunde, Gebet)?  
Challenge

„Augen-offen-Check“: Drei Tage lang jeden Abend Antworten zu drei Fragen notieren:

  • Wo spürte ich ein Stopp?
  • Was habe ich getan?
  • Was wäre Gottes gerader Weg gewesen?

Nächste Woche:  Kurzsharing in der Gruppe.

Gebet

Kurze Gebetszeit in 2–3er-Gruppen:
1) Danke für Gottes Reden,
2) Bitte um Mut zum nächsten Schritt
3) Segen zusprechen  

Varianten und Hinweise

Skalierung: Kleingruppen (6–8 Personen) oder Großgruppe. 
Sensibel mit persönlichen Themen umgehen;  Alternativen ohne Zwang anbieten. 

In dieser Themenreihe stellen wir euch fünf unterschiedliche Gottesbegegnungen aus dem Alten und Neuen Testament vor.

Alle haben eins gemeinsam: Nach ihrer Begegnung mit Gott sind sie und ihr Leben nicht mehr dieselben wie vorher.

Durch Aktionen und Challenges können die Teens und Jugendlichen praktisch erleben, wie auch sie Gott begegnen können und sich ihr Leben verändern kann.

5. Paulus – Vom Boden auf – neu ausgerichtet

Bibeltext(e):  Apostelgeschichte 9,1–19  

Zeitbedarf: ca. 60–75 Minuten 

Für Mitarbeitende: Einführung 

Radikale Meinungen prallen im Alltag aufeinander. Paulus erlebt Demut, Begleitung durch Hananias und eine neue Mission.  

Zielgedanke (Big Idea)

Teens begreifen: Begegnung mit dem auferstandenen Jesus stellt Weltbilder in Frage und richtet neu aus – in Beziehung und Auftrag.  

Kernaussagen
  • Jesus stellt sich vor: „Ich bin Jesus“ – Begegnung ist persönlich und real.  
  • Blindzeiten können heilsam sein – Gemeinschaft hilft beim Neuanfang.  
  • Sendung passiert im Team (Hananias, spätere Mitarbeitende).  
Andacht

„Ich bin Jesus“ – Die Begegnung, die alles verändert

Apostelgeschichte 9,1–19 (vorlesen)

Jesus begegnet Paulus persönlich – mitten in seinem Chaos

Paulus war komplett auf dem falschen Weg. Er war überzeugt, für Gott zu kämpfen – dabei tat er genau das Gegenteil. Und genau da, auf diesem zerstörerischen und falschen Weg, stellt sich Jesus ihm in den Weg. Nicht erst, als Paulus sein Leben sortiert hat. Jesus kommt mitten ins Unperfekte, Harte, Verbohrte hinein.

Für mich heißt das, dass ich nicht erst perfekt oder gut genug glauben muss für eine Begegnung mit Jesus. Jesus findet uns genau da, wo wir gerade sind – Stress, Zweifel, Fehler inklusive.

„Ich bin Jesus“ – keine Idee, sondern eine Person

Jesus stellt sich Paulus nicht als Regelwerk oder Religion vor. Er sagt: „Ich bin Jesus.“

Damit macht Jesus klar:

  • Ich bin real.
  • Ich spreche persönlich.
  • Ich kenne dich beim Namen.

Glaube ist kein Pflichtprogramm, sondern Beziehung. Jesus sagt auch zu dir: „Ich bin Jesus – ich sehe dich.“

Blindzeiten können heilsam sein

Paulus wird blind – drei Tage lang. Diese Zeit war kein „Strafe-Modus“, sondern heilsam: Still werden. Nachdenken. Alte Muster loslassen. Neu hören lernen. Manchmal sind Phasen, in denen du nicht weiterweißt, nicht sinnlos. Gott kann genau diese Zeiten nutzen, um dich neu auszurichten.

Vielleicht probierst du das mal aus. Nimm dir eine Auszeit und versuche ruhig zu werden. Runterzukommen. Nimm deine Bibel zur and und lass dich von Gott beschenken mit dem was er dir durch sein Wort zuspricht. Nimm dir Zeit zum Beten und zum Hören. Da wo wir entdecken was Gottes Weg für uns ist kann sich viel Verändern was vorher schwer, hart oder vielleicht sogar unmöglich erschienen ist. Bei mir war das zum Beispiel die Frage nach der zweiten Ausbildung zum Jugendreferenten. Soll ich wirklich meinen guten Job aufgeben und nochmal eine Ausbildung machen? Mir hat da eine Auszeit mit Gott sehr bei der Entscheidung geholfen.

Gemeinschaft hilft beim Neuanfang

Paulus wird in dieser (ja nicht ganz freiwilligen) Pause nicht alleine gelassen. Wahrscheinlich wäre seine Auszeit ohne die Unterstützung von Ananias steckengeblieben. Gott schickt ihm jemanden, der für ihn betet, ihn stärkt, für ihn da ist. Du musst Glaubensschritte nicht allein gehen. Es tut gut, Fragen, Ideen oder Dinge, die in den Auszeiten auftauchen, mit jemanden zu teilen und zu besprechen. Menschen um dich herum können Gottes Geschenk sein – Mutmacher, Beter, Freunde. Das ganze führt bei Paulus sogar dazu, dass er im Team neu durchstarten kann. Er startet nicht als Einzelheld. Er beginnt im Team – mit Hananias, später mit Barnabas, Silas, Timotheus. Jesus verändert nicht nur Paulus’ Herz, sondern schenkt ihm ein Netzwerk von Mitarbeitenden.

Gott beruft dich nicht zum Solo-Christsein. Er ruft dich in eine Crew, die gemeinsam etwas bewegen kann. In deiner Familie, in deinem Ort. Team ist kein Extra – es ist Gottes Idee.

Diese Begegnung von Paulus mit Jesus und anderen Christen verändert. Aus Hass wird Hoffnung, aus Stolz wird Berufung.

Wenn Jesus in Leben kommt, wenn er dich anspricht, entsteht Neues: Mut. Klarheit. Ein Auftrag. Gottes Segen beim Entdecken, was ER mit dir vorhat und beim gemeinsamen Losgehen im Team Jesus.

Gesprächsimpulse
  • Welche Überzeugung würdest du Jesus bereitwillig zur Prüfung hinlegen?  
  • Wer ist dein/deine „Hananias“ – wer könnte dich begleiten?  
  • Was wäre ein erster kleiner Schritt deiner neuen Ausrichtung?  
Aktionsteil

72 Stunden „On/Off“-Fasten (Planung in 15 Min.)  

Material: Handys/Notizzettel, Elterninfo bei Minderjährigen (optional), Gruppenchat  

Durchführung:  

  1. Gruppe plant eine 72h-Off-Phase mit bewusstem Verzicht (z.B. Social Media/Streaming) und fügt drei „On“-Zeitfenster hinzu (Beten, Bibel, Gespräch).  
  2. Zweier-Teams als „Hananias-Buddies“ bilden – tägliches 2-Minuten-Check-in  
  3. Nach der Woche: Kurzberichte sammeln; Dank- und Segensrunde.  
Challenge

Aufbauend auf der Andacht:
Wohin/wozu sendest du mich, Jesus?“ 

Mit einem konkreten Schritt beginnen (Person ansprechen, Gruppe starten, Versöhnung). Mit Buddy teilen und Termin setzen.  

Gebet

Kurze Gebetszeit in 2–3er-Gruppen:
1) Danke für Gottes Reden
2) Bitte um Mut zum nächsten Schritt
3) Segen zusprechen

Varianten und Hinweise

Skalierung: Kleingruppen (6–8 Personen) oder Großgruppe.
Sensibel mit persönlichen Themen umgehen; Alternativen ohne Zwang anbieten.  

4. Zachäus – Gesehen, geliebt, verändert

Bibeltext(e): Lukas 19,1–10 

Zeitbedarf: ca. 60–75 Minuten 

Für Mitarbeitende: Einführung 

Viele Teens kennen das Gefühl, „zu klein“ zu sein – übersehen oder verurteilt. Jesu Einladung verändert Identität und Verhalten. 

Zielgedanke (Big Idea)

Teens verstehen: Jesu Blick hebt Scham auf und führt zu neuer Gerechtigkeit und Großzügigkeit. 

Kernaussagen
  • Jesus sieht den/die Einzelne/n mitten in der Menge. 
  • Zugehörigkeit (Gastfreundschaft Jesu) kommt vor Veränderung – und bewirkt sie. 
  • Echte Umkehr hat soziale Konsequenzen (Wiedergutmachung, Großzügigkeit). 
Andacht

Erzähle kurz in deinen eigenen Worten, worum es in dem Bibeltext Lukas 19,1-10 geht.

Zachäus ist jemand, der klein war. Bei “klein” denken wir direkt an die Körpergröße. Aber Zachäus war wohl auch jemand, von dem dachte man klein. Klein bedeutete damals auch klein im Geist!

Zachäus gibt aber nicht klein bei, er ist jemand der es allen beweisen wollte. Und das hat er.

[veranschaulicht das Ganze evtl. mit einer Leiter. Diese Leiter symbolisiert gleichzeitig die versuchten Aufstiege und erzwungene oder nötige Abstiege]

Er ist nicht nur die Leiter auf den Baum geklettert, sondern auch die Karriereleiter rauf.

Vielleicht trägst du eine Sehnsucht in dir, dass du gesehen wirst. Die Sehnsucht, dich von den anderen abzuheben, etwas Besonderes zu sein. Und du fragst dich: „Was muss ich dafür bringen?“ Du bist bereit, einiges dafür in Kauf zu nehmen und du weißt, was du leisten musst. So verstrickst du dich in Leistungsdruck und auch in Schuld.

Wir klettern nach oben und haben keinen Halt. Jederzeit könnten wir abstürzen und tun das oft genug. Wir holen uns Schrammen und manchmal ernsthafte, lebensgefährliche Verletzungen. Jesus ist das Seil, in das du dich einhängen kannst. Er lässt dich nicht fallen. Er rettet dich.

Und Jesus sieht den, den alle blöd finden. Jesus blickt Zachäus an. Er sieht ihn dort auf seinem Baum sitzen und lädt sich bei ihm zum Essen ein. Jesus sieht auch dich in der Masse, er kennt deinen Namen, er fragt dich, ob er bei dir sein darf. Jesus fragt dich nicht nur, Jesus sehnt sich nach dir. Für ihn ist es nicht entscheidend, was du zu bringen hast, ob du’s bringst und was du zu geben hast. Er lädt sich bei dir ein. Und Jesus sieht den, den alle blöd finden. Dich!

Steig schnell ab! Komm runter von der Karriereleiter. Komm runter von deinem Leistungstrip. Komm runter davon etwas Besonderes sein zu müssen. Denn!

Dazu gibt es immer noch eine Begründung. Zachäus soll nicht nur runter kommen. „Denn“…. Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.

Ich lade euch ein, euch dieses DENN in eure Bibel zu schreiben. Vers 5.

Denn du musst jetzt nichts mehr leisten.  Denn du kannst dich entspannen. Denn du wirst frei sein von aller Schuld, die an dir klebt. Denn ich möchte bei dir wohnen. Denn ich möchte, dass du mich in dein Haus in dein Leben lässt. Denn ich will bei dir sein.

Und dann bemerkt Zachäus, was er gewonnen hat, so dass er alles wiedergutmachen möchte. Wie genial, was passiert, wenn Jesus in einem Menschen Heimat findet. Öffne Jesus auch deine Tür und lass ihn rein, denn er möchte bei dir, mir dir, in deinem Alltag sein. Jesus lädt sich bei dir ein! Amen

Gesprächsimpulse
  • Wo versteckst du dich (innerlich/online)? Was wäre Jesu Blick auf dich? 
  • Welche „Wiedergutmachung“ wäre bei dir/uns dran? 
  • Wie kannst du diese Woche jemandem ungewohnt großzügig begegnen? 
Aktionsteil

„Zu Gast bei dir“ – Tischgemeinschaft (20 Min.) 

Material: Tische, einfache Snacks, Becher, Tischkarte „Heute muss ich in deinem Haus einkehren“ (1 pro Tisch)

Durchführung: 

  1. Kurze Tischrunde in Kleingruppen: jede/r erzählt 1× von einem Moment, in dem er/sie sich gesehen fühlte. 
  2. Impulse am Tisch: Was wäre „Wiedergutmachung“ heute? Gruppe sammelt konkrete Schritte. 
  3. Gemeinsam beschließen: 1 Akt der Großzügigkeit als Gruppe in den nächsten 7 Tagen. 
    Challenge

    „4×Z“: Zehn Minuten Zeit mit Jesus an vier Tagen:

    1) gesehen
    2) geliebt
    3) entschieden
    4) geteilt
    Am Ende eine konkrete Wiedergutmachung/Spende/Entschuldigung umsetzen. 

    Gebet

    Kurze Gebetszeit in 2–3er-Gruppen:
    1) Danke für Gottes Reden
    2) Bitte um Mut zum nächsten Schritt
    3) Segen zusprechen. 

    Varianten und Hinweise

    Skalierung: Kleingruppen (6–8 Personen) oder Großgruppe. 
    Sensibel mit persönlichen Themen umgehen; Alternativen ohne Zwang anbieten

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