Weil ich ein Mädchen bin?

Feministische Impulse zu geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen, Diskriminierung und positiven Rolemodels für die Jugendarbeit.

Warm Up – Aufstehrunde (10–20 Minuten)

Beschreibung:

Die Teilnehmenden sitzen im Stuhlkreis, die Gruppenleitung liest Fragen vor. Bei Zustimmung stehen die jeweiligen TN auf, bei keiner Zustimmung bleiben sie sitzen.

Fragen:

  • Meine Geschlechtszugehörigkeit beeinflusst meinen Alltag.
  • Meine Geschlechtszugehörigkeit ist mir wichtig.
  • Meine Geschlechtszugehörigkeit fühlt sich manchmal einsperrend an.
  • Ich mag pink und lila.
  • Ich mag Dinosaurier.
  • Ich mag Handwerken.
  • Ich mag Glitzer.
  • Ich höre gern Rapmusik.
  • Ich mag gern tanzen.
  • Ich bin laut.
  • Ich bin leise.
  • Ich kann einen Tisch tragen.
  • Ich mag kochen.
  • Ich gehe gern ins Stadion.
  • Ich habe schon mal als Babysitter gejobbt.
  • Ich habe schonmal eine Waschmaschine angestellt.

Reflexionsfragen im Anschluss:

  • Wie fandet ihr die Fragen?
  • Was ist euch aufgefallen?
  • Wurden eure Annahmen bestätigt?
  • Was hat euch überrascht?

Einstieg – Zeitstrahl (30–45 Minuten)

Beschreibung:

Die Teilnehmenden spielen in zwei oder mehreren Gruppen gegeneinander. Ein oder mehrere Zeitstrahl(en) werden ausgelegt oder auf den Boden geklebt. Den Gruppen werden die Ereigniszettel ausgeteilt. Diese müssen sie möglichst richtig auf den Zeitstrahl sortieren. Dabei sollen die Gruppen untereinander in den Austausch kommen.

Zeitstrahl von 1900 bis heute.

Ereigniszettel:

1908    Vereinsfreiheit für Frauen

1911    1. Mal Internationaler Frauentag

1918    Einführung des Wahlrechts für Frauen

1919    Frauen dürfen erstmals wählen und gewählt werden (Wahl zur Nationalversammlung)

1933    Gleichschaltung und Auflösung der freien Frauenverbände. Frauen werden offiziell auf die Rolle            „Kinder, Küche, Kirche“ reduziert. Berufliche und politische Rechte werden stark eingeschränkt

1949    Frau und Mann werden laut Artikel 3 des Grundgesetztes gleichgestellt

1950    DDR: Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau → Recht auf Arbeit,    gleiche Bezahlung gesetzlich festgeschrieben

1962    Frauen dürfen ohne Zustimmung ihres Mannes ein Konto eröffnen

1972    1. Bundesfrauenkongress in Deutschland

1977    Frauen dürfen ohne Zustimmung ihres Mannes berufstätig sein

1980    Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die ‚Gleichbehandlung von Männern und Frauen am       Arbeitsplatz

1987    Erste Frauenbeauftragte werden in Behörden eingesetzt

1990    Deutsche Einheit → Unterschiedliche Regelungen wie z. B. Schwangerschaftsabbruch müssen   angeglichen werden

1992    Die Synode der nordelbischen evangelisch- utherischen Kirche wählt Maria Jepsen zur ersten    lutherischen Bischöfin der Welt, im Sprengel Hamburg

1993    Die Finanzministerin Heide Simonis (SPD) wird die erste Ministerpräsidentin

1997    Vergewaltigung in der Ehe wird eine Straftat

2001    Einführung des Rechts auf Elternzeit für Mütter und Väter.

2001    Eingetragene Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare.

2005    Angela Merkel ist die erste Kanzlerin in Deutschland

2007    Einführung des Elterngelds

2015    Einführung der gesetzlich verbindlichen „Frauenquote“ für Aufsichtsräte

2017    Ehe für Alle

2017    Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit (Entgelttransparenzgesetz)

2018    divers im deutschen Pass

2022    §219a (Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche) wird vollständig gestrichen.

2024    Selbstbestimmungsgesetz

Im Anschluss folgt eine gemeinsame Auflösung und gleichzeitige Diskussion und Reflexion.

Vertiefung – Rollenerwartungen (30–45 Minuten)

Beschreibung:

Die Aufgabe ist eine Gruppenarbeit. Jede Gruppe sucht sich ein Themenfeld aus. Bei mehreren Gruppen lohnt es sich, dass alle Themenfelder von unterschiedlichen Gruppen bearbeitet werden. Dann kann zum Abschluss noch eine kurze Blitzlichtrunde durchgeführt werden, bei der jede Gruppe kurz ihr Thema präsentiert und die Hauptdiskussionspunkte benennt.

Die Materialien müssen nicht alle genutzt werden. Entweder sucht die Gruppenleitung vorab ein oder zwei Materialien aus oder die Teilnehmenden entscheiden selber.

Beispiel »Tradwifes«:

Deutschlandfunk Kultur Artikel https://www.deutschlandfunkkultur.de/tradwife-hausfrau-social-media-trend-100.html

ZDF Reportage (27 min) https://www.zdf.de/play/reportagen/37-grad-leben-102/tradwives-100

ZDF Info Dokumentation (24 min) https://www.youtube.com/watch?v=kvjuod-drRs

Diskussionsfragen

  • Was sind Tradwifes?
  • Welche Bilder und Szenen werden im Artikel/in der Reportage beschrieben und gezeigt?
  • Welche Geschlechterbilder werden hier beschrieben? Und was denkst du darüber?
  • Was macht den Tradwife-Lifestyle auf den ersten Blick attraktiv – und was daran findest du problematisch, gefährlich oder unrealistisch?
  • Welche Gruppen von Menschen werden in diesem Weltbild eher ausgeschlossen oder abgewertet?

Beispiel »Insta-Moms/Momfluencer«:

ARD Reportage Y- Kollektiv (26 min) https://www.ardmediathek.de/video/y-kollektiv/insta-moms-das-familienbusiness/ard/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlL2Y4ZjA5OTA4LTVjZDAtNDRkMy1hMzUxLTRjZDMzNWZlZTBmMi9lcGlzb2RlL3VybjphcmQ6c2hvdzo2MjA5YjVhYmQ4ODZhN2Fj

Carolin Kebekus Show (13 min) https://www.youtube.com/watch?v=8YS-absSZ_I

Diskussionsfragen

  • Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
  • Wie wirken die »Insta-Moms« auf dich?
  • Welche Geschlechterbilder werden hier beschrieben? Und was denkst du darüber?
  • Wie beeinflusst die Darstellung von Müttern in sozialen Medien die gesellschaftlichen Erwartungen an die Rolle von Frauen und Müttern in der Familie?
  • Was bedeuten diese Darstellungen von Geschlechterbilder für Queers, Nichtbinäre, Inter- und Trans-Personen?

Beispiel 50/60er-Jahre-Werbespots:

Youtube »Die Lebensfragen einer Frau« (1 min) https://www.youtube.com/watch?v=sw4PeMXyqRg  Youtube »Mit Frauengold wirst du wieder glücklich« (2 m) https://www.youtube.com/watch?v=VhQ7j29Jd-4

Youtube »Hauptrolle Hausfrau« (2 m)  https://www.youtube.com/watch?v=MURBzEOf1Sg

Youtube »Die ideale Frau« (3 min) https://www.youtube.com/watch?v=ZsU3_9pILuE

Diskussionsfragen

  • Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
  • Welche Geschlechterbilder werden hier beschrieben? Und was denkst du darüber?
  • Welche Rolle spielt Konsum in der Darstellung von Glück und Zufriedenheit für Frauen?
  • Wo siehst du Unterschiede zu heute? Und wo Gemeinsamkeiten?

Vertiefung/Kreatives – Vorbilder/Rolemodels (30–90 Minuten)

Beschreibung

Möglich als Einzel- oder Partner*innen-Arbeit.

Such dir/sucht euch eine Person aus den 22 vorgeschlagenen aus. Lest und recherchiert über diese Person anhand der angegebenen Quellen. Beschäftigt euch dabei mit folgenden Fragen:

  • Was ist die Motivation dieser Person? Wofür setzt sie sich ein?
  • Gibt es etwas, das dich an der Person inspiriert, beeindruckt oder irritiert?
  • Gibt es eine Message oder einen wichtigen Begriff, die bzw. den du mit dieser Person verbinden kannst?

Kreative Gestaltungsidee

Das Wort oder die Message aus der dritten Frage kann gestaltet werden:

  • als Powerarmband mit Buchstabenperlen
  • als eigener Text in Form von Gedicht oder Slam
  • als Bild/als Collage aus Worten und Fotos/Bildern aus Zeitungen und Magazinen

Anmerkung: Die meisten der ausgewählten Personen setzen sich für mehr ein als für Frauen*rechte (BiPoC, Behinderung, Sintezza, Jüdin, queer) – Intersektionalität/ Mehrfachdiskriminierungen

Personen: (Quelle: Kalender des Missy Magazine 2025)

  • Izzy: »Ich bin nicht mutig, mir ist heiß.«
    • »Schaut man sich Izzys Social-Media-Kanäle an, kann man nur schwer glauben, dass es mal Zeiten gab, in denen die Wahlberlinerin sich am liebsten in Luft aufgelöst hätte. Sich heute so selbstbewusst vor der Kamera präsentieren zu können, ist jedoch das Ergebnis eines langen Weges hin zur Selbstakzeptanz, den das Model gehen musste. Als dicker Mensch in einer fett-feindlichen Gesellschaft wurde Izzy (bürgerlicher Name: Ezgi Tarhan) schon als Kind eingeredet, dass sie nicht gut genug sei. Diäten und das Gefühl, es nicht wert zu sein, Glück zu empfinden, waren ihre ständigen Begleiter. Zu lernen, dass ein erfülltes Leben nicht mit dem Körpergewicht einhergeht, war deshalb ein Prozess, der Izzy Jahre gekostet hat. Dabei musste sie feststellen, dass es zwar schwer ist, sich selbst zu akzeptieren, wenn man von der »Norm« abweicht, doch noch schwerer war und ist es für ihr Umfeld zu akzeptieren, dass sie jetzt mit sich selbst an einem guten Ort ist – ohne Diäten oder Gewichtsverlust. Eine bittere Erkenntnis, die Izzy nur darin bestätigt hat, sichtbarer und lauter zu werden und denen, die ihr jahrelang ein schlechtes Gefühl gegeben haben, zu zeigen, dass sie sehr wohl ein glückliches Leben verdient hat – und das jetzt auch einfordert.«
  • Abby Stein: »Wenn alle Menschen mit weniger privilegiertem (…) Status zusammenkommen (…), gibt es nichts, was wir nicht erreichen können!«
    • »Abby Stein ist eine US-amerikanische Transgender-Aktivistin und Bloggerin. Sie ist eine direkte Nachfahrin des Begründers des chassidischen Judentums, Baal Schem Tov, und die erste bekennende Transfrau, die in einer chassidischen Gemeinschaft aufgewachsen ist. Stein engagiert sich in verschiedenen Organisationen für Trans-Menschen, insbesondere mit jüdisch-orthodoxem Hintergrund.«
  • Ceija Stoijka: »Ich nahm einen Stift in die Hand, weil ich mich öffnen musste, um zu schreien.«
    • »Ceija Stojka war eine österreichische Schriftstellerin und Künstlerin. Sie gehörte den Lovara-Roma an, die besonders in Zentral- und Osteuropa leben, und überlebte als Kind drei nationalsozialistische Konzentrationslager.
    • Als Kind wuchs Ceija Stojka in einer Familie auf, die als Pferdehändler durch Österreich reiste. Nach der Deportation ihres Vaters 1941 nach Dachau, wurde der Rest der Familie in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. 1943 wurde sie mit ihrer Mutter und Schwester ins KZ Auschwitz-Birkenau geschickt, wo Stojka in der Nähstube arbeiten musste. 1944 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter und Schwester, getrennt von den jüngeren Brüdern, ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück gebracht. Kurz vor Kriegsende kamen alle drei nach Bergen-Belsen, wo sie 1945 befreit wurden. Von der Großfamilie, die etwa 200 Personen umfasste, überlebten nur sechs Personen.
    • 1988 schrieb sie ihr erstes Buch »Wir leben im Verborgenen« und machte als eine der ersten auf das Schicksal ihres Volkes in den Konzentrations- und Vernichtungslagern aufmerksam.
  • Zadie Smith: »Ich bin nicht hier, um jemanden zu repräsentieren. Mein Job ist es, über Dinge nachzudenken und diese in Sprache auszudrücken.«
    • »Zadie Smith ist eine britische Schriftstellerin und Hochschullehrerin. Sie wuchs in einer Arbeitergegend im Nordwesten Londons auf. Ihre Mutter, die Schriftstellerin und Psychotherapeutin Yvonne Bailey-Smith, stammte aus Jamaika und kam 1969 nach England. Ihr Vater Harvey Smith war weißer Engländer. Nach dem Schulabschluss schrieb sich Zadie Smith, am King’s College, Universität Cambridge, im Fach Englische Literatur ein. Während des Studiums veröffentlichte sie eine Reihe von Kurzgeschichten. Ein Verleger erkannte ihre Begabung und bot ihr einen Vertrag an. Ihr erstes Buch »White Teeth« (dt. »Zähne zeigen«) wurde kurz nach der Veröffentlichung zum Bestseller. Es wurde international gepriesen und erhielt eine Reihe von Preisen. Mittlerweile ist es in über zwanzig Sprachen übersetzt. »Zähne zeigen« erzählt die Geschichten dreier Familien unterschiedlicher ethnischer Herkunft, die im Londoner Stadtteil Willesden leben, dort die ganze Bandbreite gesellschaftlicher Problemfelder erfahren und um ihre Identität ringen.“
  • Tu Youyou: »Jede*r Wissenschaftler*in träumt davon, etwas zu tun, das der Welt helfen kann.«
    • »Tu Youyou ist eine chinesische Pharmakologin und Nobelpreisträgerin. Sie isolierte den zur Behandlung der Malaria eingesetzten sekundären Pflanzenstoff Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß. Tu studierte an der Fakultät für Pharmazie der Medizinischen Universität Peking. Seitdem ist sie am »Institute of Materia Medica« der Chinesischen Akademie für traditionelle chinesische Medizin tätig, zuletzt als Professorin.“
  • Farce: »Ich bin lieber gaymous als famous.«
    • »Veronika König (alias FARCE) redet schnell. Die Hälfte auf Deutsch, die andere machen popkulturelle Wendungen auf Englisch aus, wie das bei jungen Millennials ist.
    • Mit fünf Jahren bekam König, Tochter eines Klarinettisten und einer Geigerin, ihre erste Ikea-Sperrholz-Gitarre und wurde schnell zum Kind mit Hemdchen und Anzughose, das klassische Gitarre bei Wettbewerben spielte. In ihrer Jugend hielt dann die E-Gitarre Einzug ins Kinderzimmer. Statt Bach interessierte sich König nun für Harsh Noise, Black Metal und jede Musik, die »so schlimm war, wie es irgendwie geht«. Sie spielte dann in einigen Bands und hatte mit der Formation »Boden«, die eine Mischung aus Black Metal und Shoegaze machte, früh Erfolg.
    • Irgendwann ertrug sie den Lärm nicht mehr. »Wenn du dir ab dem Alter elf jeden Tag Musik anhörst, in der dich Männer anschreien, dann macht das etwas mit dir.« König packte mit 18 ihre sieben Sachen, zog zum Studium nach Wien und dachte sich: »Scheiß auf alle anderen, it’s me and my laptop from now on.« Statt schreiender Männer, statt Noise Pop hörte sie nun verstärkt Beyoncé, statt mit Band versuchte sie es allein.“
  • Hanna Esther Veiler: »Was Jüdinnen*Juden statt Selbstinszenierung (…) brauchen, ist eine Gedenkkultur, (…) [die] die Verantwortung der gesamten Zivilbevölkerung hervorhebt.«
    • Hanna Veiler war zwei Jahre lang Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland. »Frau Veiler, am Sonntag war Bundestagswahl. Was waren Ihre Gedanken, als Sie um 18 Uhr die erste Hochrechnung sahen?
    • Überrascht war ich von dem Ergebnis nicht, ernüchtert aber schon. Jeder Fünfte in Deutschland hat die AfD gewählt. So viele Menschen, mit denen ich im Supermarkt an der Kasse stehe, mit denen ich zusammen zur Uni gehe, die meine Nachbarn sind, haben wissentlich einer in großen Teilen gesichert rechtsextreme nPartei ihre Stimme gegeben. Ich mache mir Sorgen um meine Eltern, die nicht deutsch aussehen und einen Akzent haben, und um meine Großmutter, die abgeschoben werden könnte, sollte ihr Aufenthaltstitel einmal nicht verlängert werden. Für mich ist mit dieser Bundestagswahl eine rote Linie überschritten, und mein Entschluss steht fest: Ich werde Deutschland verlassen.
    • Wohin wollen Sie gehen?
    • Das ist eine gute Frage. Ich habe schon mal jeweils ein Jahr in Israel und in Frankreich gelebt. Auch Belgien habe ich aus beruflichen Gründen ins Auge gefasst, auch wenn dort der Antisemitismus noch schlimmer ist als hierzulande. Es geht vor allem darum, dass ich Abstand von Deutschland brauche. In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich sehr von diesem Land entfremdet.
    • Einen Rechtsruck gibt es aber vermutlich auch unter jungen Jüdinnen und Juden in Deutschland.
    • Das beobachte ich auch, und wundern müssen wir uns darüber nicht: Rechte Ideologien verfangen vor allem dort, wo Menschen verunsichert sind. Für die jüdische Gemeinschaft gilt das in besonderem Maße. Gerade die jungen Jüdinnen und Juden haben zu Recht das Gefühl, von der Politik vernachlässigt worden zu sein, vor allem seit dem 7. Oktober 2023. Dennoch bin ich überzeugt, dass die wenigsten von ihnen die AfD gewählt haben. Die Brandmauer in der jüdischen Gemeinschaft steht, auch wenn sie vielleicht kleine Risse bekommen hat.«
  • Melina Borčak: »Der letzte Genozid an Bosniak*innen, mehr als 100.000 tote Menschen in Bosnien und Zehntausende mehr in Kosovo, scheint vergessen.«
    • »Melina Borčak ist eine bosnisch-deutsche Journalistin, Autorin und Filmemacherin. Sie arbeitet zu Themen wie: antimuslimischer Rassismus, Medienkritik, muslimischer Feminismus und diskriminierungssensible Sprache. Seit 2015 lebt sie wieder in Deutschland, nachdem sie zuvor fast zwei Jahrzehnte in Bosnien verbracht hat. Ihre journalistischen Beiträge erscheinen unter anderem bei internationalen Medienhäusern wie CNN, ARD, arte und Deutsche Welle.«
  • Tessa Ganserer (und Nyke Slawik): »Ich identifiziere mich nicht als Mensch – ich bin ein Mensch. Es geht nicht um Identitätsfindung.«
    • »Tessa Ganserer ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) und war von 2021 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Zuvor gehörte sie von 2013 bis 2021 dem Bayerischen Landtag an. 2018 war sie die erste Abgeordnete in Deutschland, die ihre Transidentität publik machte. Bei Ganserer und Nyke Slawik handelt es sich um die ersten offen lebenden Transfrauen im Bundestag. Valerie Wilms, die bereits von 2009 bis 2017 Mitglied des Bundestags war, outete sich erst 2025.«
  • Shirley Ann Jackson: »Schätze deine Neugierde und nähre deine Fantasie. Habe Vertrauen in dich selbst. (…) Wage es, dir das Unvorstellbare vorzustellen.«
    • »Shirley Ann Jackson ist eine amerikanische Physikerin.
    • Sie wurde als zweites von drei Kindern in Washington D.C. geboren. Ihre Mutter Beatrice war eine Sozialarbeiterin und ihr Vater George hatte eine leitende Position im United States Postal Service inne. Jacksons Eltern förderten die schulische Entwicklung ihrer Tochter und befürworteten ihr Interesse an Naturwissenschaften. Der Vater unterstützte sie bei naturwissenschaftlichen Schulprojekten. In der Schule besuchte sie Unterrichtsklassen für Fortgeschrittene in Mathematik und Naturwissenschaft.
    • Nach ihrem Schulabschluss begann Jackson ein Studium am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Im Studienjahr 1964 waren 43 der 900 Studienanfänger Frauen und unter den 8000 Bachelor-Studierenden waren etwa 20 Schwarze. Jackson fühlte sich anfangs isoliert, entwickelte aber im Laufe des Studiums Freundschaften zu anderen Studierenden. Als Antwort auf den Ratschlag eines Professors, dass »farbige Mädchen« ein Handwerk lernen sollten, entschied sie sich für Physik als Studienfach.Sie finanzierte ihr Studium durch Stipendien sowie einen Nebenjob im MIT-Labor für Ernährungswissenschaften.“
  • Derya Yıldırım: »Ich habe immer (…) in Communitys Musik gemacht, in denen es viel um Zusammenhalt geht, darum, Menschen zusammenzubringen (…).«
    • »Derya Yıldırım ist eine deutsche Singer-Songwriterin, Komponistin und Musikproduzentin. Die Multiinstrumentalistin ist besonders der Bağlama (auch »Saz« – Langhalslaute) verbunden. Yıldırım singt in türkischer Sprache und bezieht sich musikalisch auf die anatolische Volks- und Popmusik. Sie tritt zusammen mit der Band Grup Şimşek oder solo auf und wirkt auch als Dozentin und Jurymitglied.«
  • Minh-Khai Phan-Thi: »Wenn ich durch meine Arbeit erreiche, dass Leute sensibilisiert werden, dann habe ich schon einiges gewonnen.«
    • »Minh-Khai Phan-Thi ist eine deutsche Schauspielerin, Fernsehmoderatorin, Regisseurin und Drehbuchautorin. Erstmals bekannt wurde sie durch ihre Arbeit beim Musiksender VIVA, später profilierte sie sich als Darstellerin in Film und Fernsehen.
    • Minh-Khai Phan-Thi ist Tochter vietnamesischer Einwanderer. Sie zog mit zehn Jahren mit ihrer Familie nach München. Nach dem Abitur begann sie ihre Fernsehkarriere als Moderatorin beim Sender Kabel eins und wurde wenig später beim Musiksender VIVA einem breiteren Publikum bekannt.
    • Als Schauspielerin trat sie 1997 im Fernsehfilm »Jagdsaison« in Erscheinung. Unter der Regie von Lars Becker ermittelte sie von 2003 bis 2020 als erste deutsch-asiatische Kommissarin in der ZDF-Krimireihe »Nachtschicht«.
  • Gilda Sahebi: »Ich bin die Welle und ich bin der Ozean. Nur eine Gesellschaft, die das verstanden hat, ist demokratisch, gleichberechtigt und resilient.«
    • »Gilda Sahebi ist eine deutsch-iranische Journalistin, Autorin und Podcasterin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind autoritäre Systeme, gesellschaftliche Polarisierung sowie deutsche Innen- und Außenpolitik. Sie veröffentlicht Beiträge für verschiedene Medien, darunter die ARD, Der Spiegel und die Tageszeitung taz. Gemeinsam mit Arne Semsrott moderiert sie den wöchentlichen Politik-Podcast Gilda con Arne.«
  • Ruha Benjamin: »Denk daran, dir die Welten, ohne die du nicht leben kannst, vorzustellen und zu gestalten, so wie du die Welten, in denen du nicht leben kannst, abschaffst.«
    • »Ruha Benjamin ist eine Soziologin und Professorin am Institut für African American Studies der Princeton University.
    • Benjamin wurde als Tochter einer persisch-indischen Mutter und eines afroamerikanischen Vaters in der indischen Stadt Wai im Bundesstaat Maharashtra geboren. Ihre Familie gehört der Religion der Bahá’í an. Als Benjamin drei Jahre alt war, zogen sie und ihre Eltern nach Los Angeles. Sie lebte und arbeitete an zahlreichen Orten, wie etwa South Central Los Angeles, Conway (South Carolina), Majuro (Südpazifik) und Eswatini. Sie selbst bezeichnet diese Orte als die »vielen Süden« und bezieht sich damit auf die Marginalisierung der Perspektiven von Menschen aus südlicheren Ländern, die sie in ihren wissenschaftlichen Arbeiten thematisiert.«
    • Instagram: Ruha Benjamin (@ruha9)
  • Bibi Titi Mohamed: »Wir (…) fordern unser Land zurück.«
    • »Bibi Titi Mohammed war eine Bürgerrechtlerin und Politikerin aus Tansania.
    • Sie wurde als Tochter einer muslimischen Arbeiterfamilie in Dar es Salaam geboren und besuchte in ihrer Kindheit eine Koranschule. Nach ihrer ersten Heirat (mit 14 Jahren) lebte sie zunächst sehr zurückgezogen als Hausfrau und bekam ihr erstes Kind.
    • Durch einen Bekannten wurde in Bibi das Interesse an Politik erweckt. Sie wurde 1955 Organisatorin der Frauenarbeit und später auch Gründungsmitglied der Tanganyika African National Union (TANU).
    • Auf meist unkonventionellen Wegen – beispielsweise durch das Organisieren von Tanzkursen und Haushaltsberatungen – konnte Bibi die einfache Bevölkerung und hier besonders Frauen und Muslime zur Wahl der TANU-Partei motivieren. Allein Bibi gelang es in einer dreimonatigen Werbekampagne über 5000 Frauen als Parteimitglieder der TANU in Dar es Saalam anzuwerben. Im späteren Wahlkampf verhalf Bibi ihre große Bekanntheit in der Bevölkerung und der beträchtliche Einfluss auf das Wahlverhalten der Frauen zu einem kometenhaften Aufstieg in der TANU-Partei. Später wurde sie Ministerin für Familie und Frauenangelegenheiten in der Regierung. In dieser Funktion konnte sie energisch für die weitere Emanzipation der afrikanischen Frauen kämpfen.«
  • Anasuya Sengupta: »Wir werden über die Grenzen hinweg singen, wir werden jenseits der Spaltungen marschieren, wir werden unseren Frieden wie eine Flagge hissen.«
    • »Anasuya Sengupta ist Co-Direktorin und Mitbegründerin von »Whose Knowledge?«, einer globalen, mehrsprachigen Kampagne, die Wissen marginalisierter Gemeinschaften im digitalen Raum ins Zentrum stellt.
    • Seit über 25 Jahren leitet sie Initiativen im Globalen Süden und auf internationaler Ebene, um zu einer feministischen Gegenwart und Zukunft der Liebe, Gerechtigkeit und Befreiung beizutragen. Sie engagiert sich für eine kritische Auseinandersetzung mit Fragen von Macht, Privilegien und Zugang und reflektiert dabei auch auf ihre eigenen Erfahrungen als Savarna-Frau, die aus einer anderen Kaste stammt. Sie ist Mitbegründerin und Beraterin des Numun Fund, des ersten feministischen Tech-Fonds für und aus dem Globalen Süden.«
  • Domiziana: »Queere Menschen und Girls verstehen einfach, was ich versuche zu machen. Da entsteht eine wichtige Synergie für mich. Wir feiern zusammen.«
    • »Domiziana Helga Gibbels ist eine deutsche Musikerin mit italienischen Wurzeln.
    • Sie verbrachte ihre Kindheit zunächst in Freiburg im Breisgau. Ihre Eltern sind Weinhändler, die Mutter betrieb Leistungssport. Als sie sieben Jahre alt war, zogen die Eltern mit ihr und ihrer jüngeren Schwester nach Catania auf Sizilien, wo sie eine katholische Schule besuchte. Zehn Jahre später zog die Familie aus geschäftlichen Gründen nach Berlin, wo Domiziana seither lebt. Domiziana wurde im Kunstturnen ausgebildet und betrieb Leichtathletik im Verein. Als Kind spielte sie außerdem Geige. Bereits in Italien fand sie Anschluss an Fangemeinden von One Direction und Lady Gaga. Nach dem Abitur in Berlin begann sie ein Jurastudium, das sie innerhalb der Regelstudienzeit mit dem Bachelor of Laws abschloss.
    • Mit dem Produzenten Jan Paul Olthoff alias Replay Okay nahm sie im November 2021 das Lied »Ohne Benzin« auf, dessen Text sie selbst verfasste. Es handelt sich um ihren ersten deutschsprachigen Liedtext. 2022 wurde »Ohne Benzin« als erste Single der Künstlerin veröffentlicht. Ein Musikvideo erschien am selben Tag auf YouTube. Durch Dance-Challenges bei TikTok gewann der Titel an Bekanntheit. Ende Mai 2022 stieg der Song auf Platz acht in die deutschen Singlecharts ein und hielt sich viele Wochen unter den Top Ten.«
  • Anna Dushime: »Ich sage immer ganz gerne, dass ich in Deutschland festgestellt habe, dass ich Schwarz bin, weil es davor keine Rolle gespielt hat.«
    • »Anna Dushime ist eine deutsche Journalistin, Moderatorin und Podcasterin.
    • Sie ist in Ruanda geboren, 1994 im Alter von fünf Jahren mit ihrer Mutter und ihren Schwestern vor dem Völkermord in Ruanda geflohen und mit zehn Jahren nach Deutschland migriert. Bevor sie nach Deutschland kam, lebte sie in Großbritannien, wo sie auch die Schule begann. Sie studierte internationales Marketing in den Niederlanden und Ungarn.
    • Für die Berliner Tageszeitung taz verfasste Anna Dushime von 2019 bis 2022 die Kolumne »Bei aller Liebe«, die sich mit Themen rund um Beziehungen, aber auch Rassismus beschäftigte. Ebenfalls seit 2019 moderierte sie für Ärzte ohne Grenzen den Podcast »Notaufnahme«. Anna Dushime hat außer für die taz auch journalistische Texte für die Zeit online, Edition F und für BuzzFeed verfasst. Im Fernsehen war sie in mehreren Talkshows zu Gast.
    • Als Redaktionsleitung ist Anna Dushime für das mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Satireformat »Browser Ballett« und für die Sendung »Aurel Original« mit Aurel Mertz verantwortlich.
  • Zoe Wees: »Musik ist für mich eine Lebenskraft, Musik heilt, Musik ist immer ein Ausweg.«
    • »Zoe Wees ist eine deutsche Sängerin und Songwriterin. Sie wurde 2020 mit dem Song »Control« bekannt.
    • Zoe Wees wurde in Hamburg geboren. Sie wuchs in Dulsberg bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf und besuchte dort die Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg. Ihren Vater lernte sie im Alter von 16 Jahren kennen. In ihrer Kindheit trat bei Zoe Wees eine »Rolando-Epilepsie« auf. Mit 12 Jahren begann sie, Gesangsunterricht zu nehmen. Wees wurde bereits in der Schule von ihrem Musiklehrer gefördert, der heute ihr Manager ist.
    • Nach ihrem Schulabschluss konzentrierte sie sich auf ihre Musikkarriere. Anfangs sprach die Sängerin bei öffentlichen Auftritten nur Englisch und kein Deutsch: »Ich spreche Deutsch, wenn ich muss, und Englisch, wenn ich mich wohlfühle.« Mittlerweile macht sie ihre Ansagen bei Konzerten auch auf Deutsch, singt aber nur auf Englisch.«
  • Nujeen Mustafa: »Der Einbezug von Geflüchteten und Menschen mit Behinderungen in Entscheidungsprozesse ist keine Wohltätigkeit. Es ist unser Recht.«
    • »Die Kurdin Nujeen Mustafa floh 2015 gemeinsam mit ihrer Schwester aus Syrien. Sie lebt mit einer spastischen Lähmung. Als Botschafterin für die Initiative »Empowerment Now« von Handicap International setzt sie sich für die Rechte von geflüchteten Menschen mit Behinderung ein.
    • Nujeen Mustafa erzählt: Insgesamt hat meine Flucht nach Deutschland eineinhalb Jahre gedauert. Ich bin allein mit einer meiner Schwestern geflohen, der Rest der Familie musste in Syrien bleiben. Ein Jahr lang waren wir in der Türkei. Dort waren wir zwar vor dem Krieg sicher. Aber ansonsten hatte sich nichts geändert. Schon in Syrien konnte ich wegen meiner Behinderung nicht eingeschult werden. Und auch in der Türkei hatten meine Schwester und ich keinen Zugang zu Bildung oder Arbeit. Und für Menschen mit Behinderung gab es keine Infrastruktur. Dann hörten wir, dass die Grenzen offen waren und dass es einfacher war, nach Deutschland zu reisen. Das war unsere letzte Chance, deshalb brachen wir auf. Unser Weg führte über viele Grenzen: von der Türkei nach Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich bis nach Deutschland. Wir benutzen viele verschiedene Transportmöglichkeiten. Ich wurde oft im Rollstuhl geschoben. Wir fuhren mit Bussen und Zügen. Und auch mit einem Boot, das uns von der Türkei nach Griechenland brachte. Es war nicht einfach. Oft waren die Leute überrascht, mich zu sehen. Das verstehe ich nicht. Im Krieg kann man sich doch auch schnell verletzen und verliert vielleicht einen Arm, ein Bein oder die Sehkraft. Die Wahrscheinlichkeit, dass da mehr Menschen mit Behinderung kommen, ist doch groß. Denken die Leute, behinderte Menschen werden einfach zurück gelassen?«
  • Roxanna-Lorraine Witt: »Das hier ist auch mein Zuhause. Wir haben dieses Land, diese Gesellschaft mit aufgebaut. Ich will nirgendwo anders hin.«
    • »Roxy represents Minden. Hier ist Roxanna-Lorraine, so ihr voller Name, geboren und aufgewachsen. »In Minden gibt es viele Witts. Jeder weiß, du bist!« Was sie meint, ist: Zwar geht sie als Weiß durch (»White passing«), in Minden jedoch wisse jede*r zumindest dem Namen nach, dass sie zur Gruppe der Sinti gehört.
    • Roxy wächst in einem Haushalt ohne Vater aber dafür mit starken Frauen auf – weibliche Vorbilder wie ihre Großmutter, die den Holocaust überlebte. Sie merkt früh, dass ihre Familie »anders« ist. Trauma, Krieg, Genozid sind Themen, die allgegenwärtig sind. »Aber am meisten hat mich genervt, dass ich arm bin.«
  • Parshad: »Humor kann eine Therapie, ein Heilmittel sein.«
    • Parshad Esmaeili ist eine deutsche Entertainerin und Stand-up-Comedienne.
    • Esmaeili, deren Mutter aus dem Iran stammt, wuchs in Südhessen auf. Während ihrer Schulzeit erhielt sie das START-Stipendium für »motivierte Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte« der Hertie-Stiftung. Nach dem Abitur studierte sie Politikwissenschaft und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, brach das Studium nach einem Burn-out jedoch ab. Ein zweites Studium, Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, beendete sie ebenfalls vorzeitig.
    • Noch während des Studiums begann Esmaeili beim Hörfunksender Planet Radio zu arbeiten. Dort moderierte sie ihre eigene Sendung, PUSH – Parshi’s Urban Shit, bei der sie wöchentlich Deutschrap und Hip-Hop präsentierte. Gleichzeitig trat sie mit eigenen Texten bei diversen Open-Mic-Bühnen auf und baute mit ihren Comedy-Programmen in den Sozialen Medien Reichweite auf.«
    • Instagram: ‎️☁️پَرشاد‎ (@parshad)

Abschluss (5–20 Minuten)

Hier sind drei Vorschläge für den Abschluss dieser Einheit

  1. Die »Honigdusche« oder der »warme Rücken«: Als Übung der »positiven Resonanz« gegen Hate Speech etc. – positiv formulieren, Komplimente machen. Jede*r hat ein A4-Blatt mit bspw. Malereikrepp auf dem Rücken befestigt. Alle andere dürfen auf dieses Blatt Komplimente, positive Beobachtungen und Eigenschaften der oder über die betreffende Person schreiben.
  • Als Teil einer Feminismus-Kampagne der Frauenarbeit in der Nordkirche 2025 hat die Hamburger Karikaturistin und Illustratorin Maren Amini 5 Motivkarten zum Thema Feminismus gestaltet (siehe Insta-Posts im Download. (Die Rechte für die Nutzung liegen beim Frauenwerk der Nordkirche und werden im Rahmen der Nutzung dieses UE-Entwurfs freigestellt). Jede*r kann sich zum Abschluss eines der Motive aussuchen und einen Satz dazu formulieren: z.B. Das spricht mich an diesem Post an (Motiv/ Statement), das finde ich gut, das ärgert mich, irritiert mich oder verstehe ich nicht …
  • Folgender Segen wird zum Abschluss gesprochen, verbunden mit einem kleinen Stärkungsritual und einem Lied. Folgender Satz kann einander zugesprochen oder auch selbst gesprochen werden (vor dem Segen z.B.): GOTT sieht mich/sieht dich (mit meinen/deinen Stärken und Schwächen) und ich bin/du bist gut und richtig, so wie ich bin/du bist!

GOTT segne und beschütze dich!
GOTT lasse dich vertrauen in dich selbst und in GOTT.
GOTT umgebe dich mit Liebe und Fürsprache.
GOTTES weiter Himmel leuchte hell über allem, was du liebst und was dir Freude macht.
GOTTES Wärme umgebe dich in Dunkelheit, Zweifel und Angst.
GOTT ebne dir den Weg und begleite dich.
GOTTES Nähe und Kraft sollen dich stärken.

Amen.

[Franziska Pätzold nach einem Irischen Segenswort]

Im Anschluss kann folgendes Lied gesungen werden:

Mercy is falling, is falling, is falling,
mercy it falls like the sweet spring rain.
Mery is falling, is falling all over me.
Hey oh, I receive your mercy,
hey oh, I receive your grace.
Hey oh, I will dance forevermore.

Hoffnung soll regnen, soll regnen, soll regnen,
Hoffnung soll regnen in Angst und Streit.
Hoffnung soll regnen, soll regnen ganz über dich!
Hey Gott, lass es Hoffnung regnen,
hey Gott, gegen Angst und Streit.
Hey Gott, Deine Hoffnung brauchen wir!

Freude soll regnen, soll regnen, soll regnen,
Freude soll regnen in Traurigkeit.
Freude soll regnen, soll regnen ganz über dich!
Hey Gott, lass es Freude regnen,
hey Gott, gegen Traurigkeit
Hey Gott, Deine Freude brauchen wir!

Liebe soll regnen, soll regnen, soll regnen,
Liebe soll regnen in Einsamkeit.
Liebe soll regnen, soll regnen ganz über dich!
Hey Gott, lass es Liebe regnen,
hey Gott, gegen Einsamkeit.
Hey Gott, deine Liebe brauchen wir!

Glitzer soll regnen, soll regnen, soll regnen,
Glitzer soll regnen in Dunkelheit.
Glitzer soll regnen, soll regnen ganz über dich!
Hey Gott, lass es Glitzer regnen,
hey Gott, in die Dunkelheit.
Hey Gott, deinen Glitzer brauchen wir!

Mercy is falling… (wdh.)

[Music & Lyrics: David RuisMercy is falling“ / Str. 2-5 Franziska Pätzold]

Gott spricht: »Siehe, ich mache alles neu.« Und mit dieser Jahreslosung für 2026 wird deutlich: Gott ist ein Gott der Veränderung. Sein Wirken bewegt und erneuert. Genauso ist auch unser eigenes Leben ständig im Wandel. Doch Neues entsteht nicht im luftleeren Raum. Oft braucht es dafür die Freiheit, Altes loszulassen, anzupassen oder auch bewusst zu beenden.

Genau hier setzt Exnovation an. Während Innovation nach vorne denkt und Neues entwickelt, richtet sich Exnovation darauf, Überholtes oder Eingeschlafenes gezielt abzubauen. Mit dem Ziel, Freiraum für Neues zu schaffen. Die Arbeitsstelle MIDI stellt unter www.exmove.de hilfreiches Material dazu bereit, das viele Methoden, Beispiele und Reflexionshilfen übersichtlich sammelt.

Für Jugendgottesdienst-Teams können besonders folgende Methoden hilfreich sein, um mutig und miteinander Schritte der Veränderung zu gehen:

1. Müllbeseitigung: Was blockiert uns eigentlich?
Mit dieser Methode könnt ihr als Team überlegen, welche Traditionen und Gewohnheiten im Jugendgottesdienst oder im Team nicht mehr hilfreich sind. Der Schwerpunkt liegt darauf, hinderliche Elemente sichtbar zu machen. So wie beim Ausmisten, um wieder Platz zum Gestalten zu haben. 

2. Warum noch?: Sinn und Ziel neu prüfen
Diese Methode hilft, indem sie euch an das ursprüngliche Ziel von eurem Jugendgottesdienst und seiner konkreten Gestaltung erinnert. So könnt ihr ehrlich prüfen: Erfüllt das heute noch seinen Zweck? Oder hat sich die Situation verändert? So entsteht Klarheit, was aktualisiert, angepasst oder beendet werden sollte.

3. Stop-Light-Tool: Was darf bleiben, was muss gehen?
Dieses Tool ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Bewertungsinstrument: Rot steht für „loslassen“, Gelb für „überdenken und anpassen“, Grün für „behalten und stärken“. Dadurch wird sichtbar, wie ihr als Team bestimmte Bereiche rund um euren Jugendgottesdienst einschätzt – und es entsteht eine gemeinsame Entscheidungsbasis.

4. Anerkennung von Widerständen: Gefühle ernst nehmen
Veränderungen lösen oft Unsicherheit oder Ablehnung aus – und das ist normal. Diese Methode lädt euch als Teams dazu ein, Widerstände nicht als Problem, sondern als wichtige Hinweise zu verstehen. Indem ihr offen darüber sprecht, welche Sorgen oder inneren Widerstände im Raum stehen, entsteht Vertrauen. So kann das Team gemeinsam Wege finden, Ängste zu benennen und konstruktiv mit ihnen umzugehen.

5. Sabbat – heilige Unterbrechung: Pause als geistliche Praxis
Diese Methode lädt dazu ein, innezuhalten, bevor Entscheidungen getroffen oder Veränderungen umgesetzt werden. Eine bewusste Pause – sei es ein spiritueller Impuls oder eine zeitliche Unterbrechung – hilft Teams, Abstand zu gewinnen. Diese heilige Unterbrechung verschiebt aber keine Entscheidungen, sondern öffnet Raum für Klarheit, neue Perspektiven und geistliches Hören.

5. Danke und Tschüss: wenn der Abschied wirklich gekommen ist 
Manches hat lange gedient, war wertvoll und hat Menschen geprägt. Wenn etwas zu Ende geht, sollte das gewürdigt werden. Diese Methode verbindet das bewusste „Dankeschön“ für Vergangenes mit einem kleinen Ritual oder einer Feier des Abschieds. Dadurch wird deutlich: Wir lassen nicht achtlos los, sondern verabschieden uns dankbar – und schaffen einen guten Übergang zu Neuem.

Ausführliche Beschreibungen dieser und vieler weiterer Methoden sowie passende Bibeltexte und Impulse findet ihr unter www.exmove.de. Viel Segen beim mutigen Aufbrechen und beim Gestalten von euren Jugendgottesdiensten!

Martin Luther war überzeugt, dass die Bibel für alle Menschen zugänglich und verständlich sein soll. Er entwickelte Fragen, die helfen, den Text nicht nur zu lesen, sondern persönlich zu verstehen und auf das eigene Leben zu beziehen. Diese Fragen fördern eine aktive Auseinandersetzung mit Gottes Wort und regen zum Nachdenken über Glauben und Anwendung im Alltag an.

Die folgenden Fragen dienen als Hilfestellung, um beim Bibellesen tiefer in den Text einzutauchen. Nimm dir Zeit, jede Frage persönlich zu beantworten und die Gedanken aufzuschreiben. Versuche sie so zu beantworten, als wenn der Bibeltext direkt an dich gerichtet wäre. So wird das Lesen nicht nur informativ, sondern zu einem persönlichen Gespräch mit Gott.

1. Beginnt mit einem Gebet.

2. Lies den Bibeltext laut vor.

3. Lies den Text persönlich in der Stille und gehe die folgenden Schritte durch:

  • Was lerne ich aus diesem Text?
  • Welche Information enthält er für mich?
  • An welchen Stellen ermutigt er mich, Gott DANKE zu sagen?
  • Welche Schuld oder welches Versagen sollte ich Gott bekennen?
  • Wie kann ich mit dem Text beten?

4. Wenn ihr es als Gruppe durchführt, könnt ihr je nach Zeit und Situation über die Fragen ins Gespräch kommen.

5. Beendet die Zeit mit einem Gebet.

HINWEIS:
Diese Methode basiert auf Martin Luthers Anleitung zum Beten, die er in dem Text „Eine einfältige Weise zu beten“ beschreibt. Sie ist auch unter dem Begriff „Vierfach gedrehtes Kränzlein“ bekannt.

Eine von vielen Methoden im Bibl‑o‑mat, die Lust machen, Bibel neu zu entdecken: www.bibl-o-mat.de

Lukas Live ist ein kooperatives, lustiges und kommunikatives Partyspiel. Du liest einen Bibeltext bis zu einem bestimmten Punkt. Und genau an dieser Stelle tauchst du ein in die Bibel, ganz so also du dabei gewesen wärst. 
In der Situation musst du dann eine Reaktion zeigen, entsprechend einem Wert, den du zufällig erhältst. Überforderung, Lachanfälle und begeisterte Gesichter sind vorprogrammiert.  

Erklärung des Spielmaterials: 

Erklärung (siehe weiter unten) 

Hier ist beschrieben, wie Lukas Live funktioniert! 

Lukas Live-Bibelstellen mit entsprechenden Situationen (siehe Anhang) 

Ihr findet Situationen zu fast jedem Bibelabschnitt im Lukasevangelium. Jeder Abschnitt in der Bibel entspricht einer Spielpartie. Jede der 3-6 Situationen ist eine Spielrunde. Insgesamt gibt es über 250 Situationen, die wir euch im Lukasevangelium mit Lukas Live anbieten. 

12 Zahlenkarten (Karten 1-12, siehe Anhang) 

Auf diesen Karten ist je eine Zahl von 1-12 abgedruckt, die einer Skala von 1 bis 12 entsprechen. Die Karten werden gemischt, an jede mitspielende Person wird eine verteilt und die Reaktion in der Situation muss dem Wert der Zahl entsprechen.  

8-10 Spielvarianten (siehe unten) 

Hier werden weitere Spielvarianten beschrieben, die ihr mit etwas Erfahrung in der Grundversion ebenso spielen könnt. 

12 Machartkarten „Kreativ“ (siehe Anhang) 

Diese Karten sind Teil der Spielvariante „Machart: kreativ“ 

12 Machartkarten „Kommunikativ“ (siehe Anhang) 

Diese Karten sind Teil der Spielvariante „Machart: kommunikativ“ 

12 Auftragskarten (siehe Anhang) 

Diese Karten sind Teil der Spielvariante „Zusatzauftrag“ 

Vorbereitung: 

Jede mitspielende Person benötigt zusätzlich Einblick in eine Bibel (Buch oder digitale Form). Am besten hat jede Person eine für sich. Wir haben uns bei der Entwicklung auf die BasisBibel festgelegt. Natürlich könnt ihr auch eine andere Übersetzung nutzen, die Situationen sind jedoch passend zu dieser Übersetzung erarbeitet. 

Du kannst die BasisBibel z.B. online lesen unter: https://www.die-bibel.de/bibel/BB  

Wenn ihr alle eine Bibel habt, könnt ihr mit der Basisvariante loslegen. Dafür benötigt ihr die erste Lukas Live-Bibelstelle mit den angegebenen Situationen. 

Es wäre aber natürlich ebenso möglich, einfach eine beliebige Bibeltextstelle aus dem Lukas Live-Dokument zu suchen und diese zu spielen. 

Spielablauf: 

Jede Partie des Spiels besteht aus einer Lukas Live-Karte, die aus 3-6 Runden, je nach Anzahl der Situationen, besteht. 

Eine beliebige Person beginnt mit der „Spielleitung“ 

  1. Die Spielleitung liest den für die Lukas Live-Bibelstelle angegebenen Bibeltext aus der Bibel vor, bis die erste Situation zu der Lukas Live-Bibelstelle angegeben ist, dort hört sie mit dem Lesen auf. 
  1. Nun liest die Spielleitung die passende Situation vor. Jede Situation hat eine Skala für die Reaktionen von 1… bis 12…! 
  1. Mischt alle 12 Zahlenkarten. Jetzt verteilt die Spielleitung an jede Person (auch sich selbst) eine Zahlenkarte verdeckt. Die Zahlen, die nicht verteilt werden, bleiben verdeckt liegen. 
  1. Dann schauen sich alle ihre Zahlenkarte im Geheimen an.  
  1. Jetzt bist du als Spielleitung als erstes dran. Du warst dabei: Lukas Live! Mitten in dem Bibeltext. Ihr habt den Bibeltext und auch die Situation gehört. Du reagierst jetzt entsprechend der Situation. Die Reaktion (Worte, Gesten, Bewegungen) muss deinem geheimen Zahlenwert in der Skala entsprechen: von 1… bis 12…! Der Zahlenwert darf dabei nicht genannt oder angedeutet werden. Danach macht ihr im Uhrzeigersinn weiter, bis alle ihre Reaktionen vollzogen haben. 
  1. Danach musst du als Spielleitung versuchen, die Reihenfolge der Reaktionen (gemäß ihrer Zahlenkarten) zu erraten. Fange mit der kleinsten Zahl an bis zur größten! Du kannst dafür einfach die Person benennen, die du an der Reihe glaubst. Die Person deckt ihre geheime Zahlenkarte nun auf. Das wiederholt sich bis alle Zahlenkarten aufgedeckt vor euch liegen. 
  1. In diesem Spiel geht es nicht um Punkte. Der Spaß und das Eintauchen in die Bibel stehen im Vordergrund. Dennoch könnt ihr euch, wenn ihr wollt, pro richtige Karte, einen Punkt notieren. 

Beispiel einer Lukas Live-Bibelstelle: „01 -Lukas 1,1-25“  

  1. Lies Lukas 1,1-7 
    Zacharias und Elisabeth waren schon alt. Was haben sie gemacht von 1: „entspanntes Rentnerleben“ bis 12: „wir haben viel zu tun“?
  1. Lies Lukas 1,8-10 
    Stell dir vor, du musst selbst ein Räucheropfer darbringen. Spiele dies nach von 1: „Sehr wohltuender Geruch“ bis 12: „dieser Geruch ist ja kaum auszuhalten“. 
  1. Lies Lukas 1,11-13 
    Ein Engel schreibt dir vor wie du dein Kind nennen sollst. Reagiere von 1: „ich wollte mein Kind sowieso Johannes nennen, der Name ist voll schön“ bis 12: „der Engel hat mir gar nichts zu sagen“. 
  1. Lies Lukas 1,14-15  
    Das Baby wurde im Mutterleib schon vom Heiligen Geist erfüllt. Spiele es nach von 1: „Oh wie angenehm und wohltuend“ bis 12: „warum kribbelt es in meinem Körper so komisch“. 
  1. Lies Lukas 1,16-22 
    Zacharias kann nicht mehr sprechen. Wie versucht er, das deutlich zu machen von 1: „regungslos unklar“ bis 12: „wild gestikulierend“?
  1. Lies Lukas 1,23-25 
    Wie reagiert Elisabeth auf die Schwangerschaft von 1: „ich habe mir mein ganzes Leben ein Kind gewünscht“ bis 12: „Oh man, ich bin schon so alt, das wird richtig anstrengend“.?

Beispiel: für eine Lukas Live-Situation & entsprechende Reaktion der Mitspielenden 

  • Die Spielleitung liest Lukas 7,13-15 vor. 
  • Du als Spielleitung liest die Situation vor: Jesus hat dich von den Toten erweckt. Was sind deine 1. Worte von 1: „total unspektakulär“ bis 12: „pure Freude wieder mit deiner Mutter vereint zu sein“?
  • In unserem Beispiel spielen 5 Personen mit und jede/r bekommt nun eine verdeckte Zahlenkarte und schaut sie sich so an, dass niemand anderes die Zahl sieht. 
  • Jetzt bist du als Spielleitung als erstes dran. Du reagierst entsprechend der Situation und deiner Zahl 2: „Was war hier los?“ Danach macht ihr im Uhrzeigersinn weiter: 
  • Person B mit der Nummer 9: „Wow, das ist ja schön. Mama, ich war tot und nun… unfassbar“ 
  • Person C mit Wert 5: „Danke dir!“ 
  • Person D mit dem höchsten Wert 12: „Hast du das gesehen. Unglaublich. Das werde ich allen erzählen. Ein Wunder!!!“ 
  • Person E mit einer 6 als Zahl: „Sehr cool. Wie geht sowas?“ 
  • Du als Spielleitung glaubst, du hast den niedrigsten Wert und beginnst mit dir selbst (1 Punkt). Danach tippst du auf Person E (kein Punkt). Jetzt bist du dir sicher, dass Person C an der Reihe sein muss (1Punkt). Danach ist es einfach für dich. Du nennst erst Person B und dann Person D (je 1 Punkt).
Spielende: 

Wenn ihr auf alle Situationen aus einer Lukas Live-Bibelgeschichte reagiert habt, ist die Partie beendet. Ihr könnt aber sofort mit der nächsten Lukas Live-Bibelgeschichte weitermachen 😊. 

Spielvarianten: 

Die Spielvarianten können wie beim „Freischalten“ eines nächsten Levels genutzt werden. Diese müssen dann nicht gespielt werden, machen das Spiel aber noch abwechslungsreicher. 

Natürlich können sie auch je nach Interesse jederzeit genutzt werden, indem sie aus dem Kartenstapel rausgesucht werden. 

  1. Karten legen ohne Spielleitung 

In dieser Variante gibt es keine Spielleitung, der die Reihenfolge der Zahlenkarten nach dem Präsentieren der Reaktionen bestimmt. Die Spielenden müssen hier alle aufmerksam auf die Reaktionen der anderen achten und sich selbst einsortieren. Die Person, die denkt, sie habe die niedrigste Karte, legt diese als erste verdeckt in die Mitte. Die Person, die denkt, sie sei die, dessen Karte als nächstes kommt, legt ihre Karte auf die Karte in der Mitte. Das geht immer so weiter, bis alle Spielenden ihre Karten verdeckt in der Mitte abgelegt haben. Jetzt wird der verdeckte Kartestapel umgedreht und der Reihe nach überprüft, ob sich jede Person richtig eingeschätzt hat.   

  1. Alle raten  

Bei dieser Variante müssen wieder alle aufmerksam sein. Hier geht es darum, dass jede Person auf einem Schmierzettel notiert: Welche Person hat welche Zahl? Dafür kannst du dir eine kleine Tabelle mit Namen aufzeichnen, in der du dann die Zahlen zu den Namen schreibst. Für jede Person, die deine Zahl richtig erraten hat, bekommst du einen Punkt. Für jede Person, die du richtig erraten hast, bekommst du auch je einen Punkt. 

  1. Alle raten in Echtzeit 

Auch hier müssen alle Spielende aufmerksam sein. Hier geht es darum, nach jeder Reaktion sich gemeinsam auf eine Zahl zu einigen und diese dann danach auch direkt aufzulösen.  

  1. Macharten „Kreativ“ 

Für diese Variante gibt es weitere Zusatzkarten: Machart-Kreativ. Es wird mit dem Grundprinzip gespielt. Zusätzlich zum Vorlesen der Bibelstelle zieht der Spielleitende noch eine „Machartkarte“ dazu. Die Reaktion auf die Bibelstelle erfolgt also nicht wie gewohnt durch Worte, Gesten oder ähnliches, sondern durch die jeweils gezogene Machart wie: „Malen“, „Pantomime“ oder „Fingerspiel“. 

  • Malen: Du musst deine Reaktion aufmalen. 
  • Pantomime: Du musst deine Reaktion nur mit Bewegungen ohne Worte darstellen. 
  • Fingerspiel: Du darfst nur deine Finger für die Reaktion bewegen und nutzen. 
  1. Macharten „Kommunikativ“ 

Identisch mit der Variante „Kreativ“ muss man hier eingeschränkt reagieren. Diesmal jedoch auf eine kommunikative Machart wie: „Ein Wort“, „10 Sekunden“ oder „Bullshit-Wörter“ 

  • Ein Wort: Du darfst nur ein Wort sagen und keine Handlung oder Geste machen. 
  • 10 Sekunden: Du hast 10 Sekunden Zeit für deine Antwort. 
  • Bullshit-Wörter: Du musst drei Worte in deine Reaktion integrieren, die die anderen Mitspielenden dir davor nennen. 
  1. 2 Teams und Zahlencodes 

Mithilfe der Zahlenkarten werden alle Spielenden in zwei Teams eingeteilt. Dazu werden die Karten, passend der Spieleranzahl, verteilt. Die Personen mit den geraden Zahlen bilden das Team A. Dementsprechend sind die Personen, die eine ungerade Zahl haben, das zweite Team B. Hier ist es wichtig bei z.B. 6 Personen auch nur die Zahlen 1-6 zu verteilen.  

Danach bekommt jedes Team jeweils 3 Zahlenkarten, z.B. 1-5-7. Ein Team startet und führt die drei Reaktionen nacheinander entsprechend der drei Zahlen in der Zahlenreihenfolge ab. Jetzt notiert das nicht aktive Team ihre erste Vermutung. Dann ist das zweite die mit ihren drei Zahlen in der aufsteigenden Reihenfolge dran.  

Nun beraten sich beide Teams nochmal gleichzeitig und notieren die drei Zahlen auf einem Schmierzettel. Jetzt werden die getippten Zahlencodes laut geteilt.  

Ablaufübersicht: 

  • Team 1 Reaktionen  
  • Team 2 bespricht und notiert  
  • Team 2 Reaktionen 
  • Team 1&2 besprechen und notieren (final) 
  • Auflösung der Codes 
  1. Zusatzauftrag für eine Person  

Eine Person aus der Runde bekommt einen Zusatzauftrag, den sie während der Reaktion erfüllen muss, ohne dabei als auftragsausführende Person erkannt zu werden. Die Person mischt alle Zusatzaufträge und zieht eine Karte. Auf dieser Karte sucht sie sich, nach dem Verlesen der Lukas Live-Situation, einen Auftrag aus. Auch die Lukas Live-Situation hat eine Auswirkung auf die Auswahl. Die Mitspielenden müssen erraten, welchen Auftrag die Person erfüllt. Wenn eine Person den Zusatzauftrag errät, haben alle Personen ohne Zusatzauftrag gewonnen. Sonst die Person mit Zusatzauftrag. 

  1. Zusatzaufträge für alle  

Schlussendlich sind alle, die bis zu dieser Variation gekommen sind, richtige Profis in dem Spiel. In dieser Variation bekommt jede Person einen Zusatzauftrag für jede Spielrunde, den sie während der Reaktion ausführen muss, wie in “Zusatzauftrag für eine Person” beschrieben.  

Mögliche Zusatzaufträge (es stehen immer zwei sehr unterschiedliche auf einer Karte zur Auswahl: 

  1. Rück-/Verständnisfragen stellen  
  1. Stottern 
  1. Verräter/Imposter (Macht etwas, was gar nicht zur Zahl passt) 
  1. Verkleidung sehr kreativ 
  1. Mit EINEM Gegenstand erklären/als Hilfe nutzen 
  1. Hände nicht benutzen/bewegen 
  1. 5x Klatschen 
  1. Sitzplatz ändern 
  1. Fragend antworten 
  1. Kopieren 

Macken: 

  1. Blind 
  1. Zunge rausstrecken 
  1. Boden/Tisch anschauen/keinen Augenkontakt 
  1. Kopf nicht bewegen 
  1. Nur zu einer Person reden/nur eine Person anschauen 

Sprechen: 

  1. Einen Satz 
  1. Satzzeichen sprechen 
  1. Pausen einbauen mind. 5 Sek. 
  1. 3x Jesus sagen 
  1. Flüstern 
  1. Singend  
  1. 3 Zahlen zwischen 1-12 integrieren  
  1. 5x Ähmmmm, genau o. Mhmm sagen 
  1. Nicht ähmmmm, genau o. Mhmm sagen  
  1. Silbe/Wort betonen, sehr deutlich sprechen 
  1. Wenn jemand anderes dran ist, immer ja, mhm, ohhhhh sagen 

Eine von vielen Methoden im Bibl‑o‑mat, die Lust machen, Bibel neu zu entdecken: www.bibl-o-mat.de

Texte aus der Bibel gemeinsam in einer Gruppe zu erkunden, ist super spannend und eröffnet vielfältige Perspektiven. Anderen fallen Aspekte auf, über die ich selbst vielleicht gar nicht gestolpert wäre. Doch einfach immer nur den Text zu lesen und dann in einen Austausch zu gehen, wird auf Dauer auch eintönig.

In dem Buch „Liest du mich noch? 69 Methoden zum Bibellesen mit Gruppen“ findest du eine Fülle an unterschiedlichen Methoden, einen Bibeltext mit einer Gruppe gemeinsam zu erkunden.

Wenn gerne schon mal eine davon anschauen willst: hier auf jo haben wir die Methode „Echolesen“ beschrieben. Die Methoden aus dem Buch sind fast alle ohne großen Vorbereitungsaufwand umsetzbar und schließen euch biblische Texte vielleicht nochmal ganz neu auf.

Wie ihr mit diesen Methoden vorgeht:

Sucht euch vor dem Treffen mit der Gruppe einen Bibeltext aus. Vielleicht seid ihr gerade mit einem bestimmten Thema unterwegs und findet dazu passend einen Bibeltext. Oder ihr nehmt den Text, der aktuell in der Tageslese dran ist. Den Leseplan zur Tageslese findet ihr zum Beispiel hier.

Dann sucht ihr euch eine Methode zum gemeinsamen Lesen aus dem Buch aus.

Alles zu finden in:Karsten Hüttmann / Bernd Pfalzer, Liest du mich noch? 69 Methoden zum Bibellesen mit Gruppen. Ein Ideenbuch für Mitarbeitende. © 2021 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn.

Erhältlich ist „Liest du mich noch?“ zum Beispiel hier: https://neukirchener-verlage.de/liest-du-mich-noch-9783761568057

Eine von vielen Methoden im Bibl‑o‑mat, die Lust machen, Bibel neu zu entdecken: www.bibl-o-mat.de

Biblische Survivaltipps für Mitarbeiterinnen (und andere Überlastete)

Ein wahrscheinlich nicht ganz so bekannter Bibeltext ist die Grundlage für diesen Programmvorschlag. Und weil er eine lange, lange Vorgeschichte hat, stellen wir vor allem einen einzigen Satz in den Mittelpunkt, der es aber durchaus in sich hat: »Mach dir’s leichter!«. Aber auch der Rest des Textes hält einige »Nuggets« bereit, kleine Schätze für Menschen, denen etwas Entlastung guttun würde.

Gut passen würde diese Bibelarbeit zum Beispiel im Rahmen eines Mitarbeiterkreises oder MA-Wochenendes, auch eines kleineren Teams oder z. B. eines Frauenabends.

Optionaler Einstieg: Eine Belastungs-Challenge

Gerade wenn ihr viele Jüngere im Team habt, kann diese Aktion zu Beginn dabei helfen, das Thema zu veranschaulichen und erlebbar zu machen:

Ihr braucht einen oder eine Freiwillige, gerne jemanden mit etwas Belastungspotenzial. Für einen bestimmten, begrenzten Zeitraum (beispielsweise 10–15 Minuten) bekommt sie oder er eine Reihe von Aufgaben und Auflagen, die zu erledigen sind, z. B. während ihr mit der gesamten Gruppe noch vor dem eigentlichen Programmstart einen Abendimbiss genießt oder eine Austauschrunde zum Ankommen macht. Die Person kann gerne dabei sein und mitmachen/mitessen, muss aber dabei ihre Aufgaben für die Challenge innerhalb des festgesetzten Zeitraums erledigen. Vielleicht überreicht ihr dazu sogar eine To-Do-Liste, damit nichts vergessen wird. Das Material für die Aufgaben habt ihr zuvor bereitgelegt, eventuell läuft irgendwo (über Beamer?) sichtbar ein Countdown mit – oder die Zeit ist irgendwann einfach ganz überraschend vorbei, das hat auch einen guten Effekt.

Zu den To-Do’s könnte z. B. gehören:

  • Einen richtig, richtig schweren Tourenrucksack während der ganzen Challenge auf dem Rücken tragen (gefüllt mit Büchern, Steinen oder anderen schweren Gegenständen)
  • Einen Kerzenhalter oder ein Teelicht (bitte mit »Tropfschutz«!) die ganze Zeit in der Hand halten, dessen Flamme nicht ausgehen darf und das aber nicht abgesetzt werden darf – ansonsten: sofort zurück zum Auftraggeber und sich dort neues Feuer holen!
  • 15 Kniebeugen machen (müssen nicht alle hintereinander sein, aber alle innerhalb des Zeitrahmens)
  • Eine Mandarine schälen (ja, mit dem Teelicht in der anderen Hand!) und essen
  • Jemanden aus der Gruppe erkennbar portraitieren
  • Einen längeren Bibelvers auswendig lernen und am Ende der Challenge aufsagen
  • Einen flugfähigen Papierflieger falten
  • Einmal das Gemeindehaus außen umrunden (evtl. mit Begleitung zum Flamme-Überwachen)
  • Einen Faden einfädeln
  • Drei Leuten aus der Gruppe ein originelles Kompliment machen
  • Insgesamt 3x unter einem Tisch durchkriechen
  • Ein Bilderrätsel lösen
  • Jemandem ein Glas zu trinken eingießen
  • … oder vielleicht habt ihr noch ganz andere Ideen …

Was der Kandidat bzw. die Kandidatin vorher nicht gesagt bekommt: Es ist natürlich nicht schlimm, wenn nicht alle Aufgaben geschafft werden – im Gegenteil, das unterstreicht ja das Gefühl von Überforderung und das Ziel der Challenge.

Anschließend darf die Person berichten, wie es ihr ergangen ist und wie sich das angefühlt hat – und in einem zweiten Schritt überlegen, was vielleicht geholfen hätte, es leichter zu machen: z. B. den blöden Rucksack absetzen oder zumindest teilweise entleeren; jemanden bitten dürfen, zwischendurch mal die Kerze zu übernehmen und so die Flamme am Leben zu halten; überhaupt: mal jemanden als »dritte Hand« zur Unterstützung zu haben; die To-Do-Liste abkürzen; einen Anhaltspunkt haben, welche Aufgaben die Wichtigsten sind; usw.

Gegebenenfalls können anschließend noch andere aus der Gruppe Ideen beisteuern, was es dem- oder derjenigen leichter gemacht hätte. Und letztendlich hätte es ja immer noch die Möglichkeit gegeben zu sagen: »Nö! Es reicht mir jetzt! Warum mache ich das hier eigentlich?!«

Mose: Eine Blitz-Biografie

In unserem Bibeltext geht es um einen Mitarbeiter, der ebenfalls am Rande seiner Belastungsgrenze agiert und es anscheinend noch nicht so richtig gemerkt hat: Es geht um Mose. Und weil sein persönlicher Hintergrund nicht ganz unwichtig für die Geschichte ist, um die es gleich geht, hier ein kurzer Blick auf seine Lebensgeschichte in ganz groben Zügen:

Mose wurde als Sohn einer Israelitin geboren, während das Volk Israel in Ägypten in der Gefangenschaft lebte. Weil der Pharao alle jüdischen Jungen umbringen lassen wollte, setzte Moses Mutter ihn – aus Angst um sein Leben – in einem kleinen Korb im Fluss aus. Die Tochter des Pharaos fand ihn dort und nahm ihn bei sich auf, so dass er am ägyptischen Königshof aufwuchs. Als er später von seiner israelischen Herkunft erfuhr und miterlebte, wie brutal die Ägypter sein Volk behandelten und wie ein Aufseher einen israelischen Sklaven erschlug, brachte er den Ägypter um. Daraufhin musste er fliehen, kam in das Land Midian und verdiente sich dort seinen Lebensunterhalt als Schafhirte bei dem Priester Jitro. Er heiratete dessen Tochter Zipporah und bekam mit ihr zwei Söhne.

Eines Tages beim Hüten der Schafe hat Mose eine eindrückliche Begegnung mit Gott (die Geschichte mit dem brennenden Dornbusch …) und bekommt von ihm den Auftrag, nach Ägypten zurückzukehren und das Volk der Israeliten in die Freiheit zu führen. Obwohl er ein sprachliches Handicap hat und ziemlich Respekt vor der Aufgabe, stellt Mose sich der Herausforderung. Es folgen 40 Jahre Wanderung durch die Wüste auf der Suche nach dem verheißenen Land, inklusive der spektakulären Flucht durchs Rote Meer, täglichem Brot vom Himmel, mit dem Gott sein Volk versorgt, viel Nörgelei und Zoff unter den Israeliten – und später (erst nach unserer heutigen Geschichte) dann die Zehn Gebote, das Goldenen Kalb, die Bundeslade und andere Abenteuer.

Wüste Zeiten in der Wüste – und ein Familienbesuch

Mitten in dieser langen, langen Wanderung durch die Wüste als Anführer eines ganzen Volkes, das nicht ganz pflegeleicht ist und Mose viel Mühe und Kopfzerbrechen bereitet, ergibt sich die Gelegenheit, dass er Besuch von seiner Familie bekommt: Sein Schwiegervater Jitro macht sich gemeinsam mit Moses Frau und ihren beiden Söhnen auf den Weg, um Mose zu treffen. Und dieser Besuch wird zu einem Wendepunkt in Moses Art zu leiten und Gott zu dienen – und das genau zur richtigen Zeit.

Wir lesen gemeinsam den Bibeltext: 2. Mose 18, 1–27.

Ein gutes Gespräch, ein weiser Rat – und eine entlastende Veränderung

Im Grunde ist es ein einziger zentraler Satz, ein einzelner kluger Rat, der den Knoten löst und Mose dabei hilft, wieder mit neuer Kraft seinen Dienst zu tun: »Mach dir‘s leichter!«. Gar nicht so einfach, wenn man bis zum Hals in Verantwortung steckt… Aber die Geschichte gibt uns ein paar kleine Schätze und Tipps mit, wie das mit dem »es sich leichter machen« gehen kann.

(An dieser Stelle könnt ihr – je nachdem, wie es für eure Gruppe am besten passt – einzeln oder in kleinen 2er/3er-Gruppen am Text und den folgenden Punkten arbeiten und hinterher zusammentragen – oder ihr geht gemeinsam die Punkte durch, die sich aus dem Text ergeben, und gebt als Leitung den Impuls in die Gesamtgruppe hinein. Die Fragen dienen als Anregung zum Austausch miteinander, können aber auch zuvor jeweils von jeder und jedem für sich bearbeitet werden.)

Platz schaffen in einem vollen Alltag (Vers 5-7)

Obwohl Mose alle Hände voll zu tun hat und mit seiner Leitungsaufgabe stark gefordert ist, nimmt er sich in diesem Moment Zeit für seine Familie, die er so lange nicht gesehen hat – seine Frau, die ihn vermisst hat, und die Söhne, die ihn vermutlich kaum kennen, weil er schon so lange weg ist. Sein Zelt bietet einen geschützten Raum für Begegnung und Gespräche. Mose hat erkannt, was jetzt gerade »dran« und wichtig ist und Priorität hat.

Fragen: Wann ist bei mir eine Pause dran? Wann nehme ich mir Zeit für Beziehungen, die mir wichtig sind – obwohl ich vielleicht gerade wirklich viel zu tun habe? Wann bräuchten wir als Team mal wieder eine Unterbrechung, um nicht atemlos von Einem ins Andere zu stolpern? Wie schaffen wir uns Pausen-Raum?

Einfach mal erzählen tut gut! (Vers 8)

Mose nimmt sich die Zeit, von all den Erlebnissen und Ereignissen der letzten Zeit zu erzählen – vielleicht auch, wie es ihm selbst dabei ergangen ist. Vermutlich hat er gemerkt, wie gut das tut. Gerade auch, wenn jemand echtes Interesse zeigt, der oder die selbst nicht zum »System« gehört und deshalb neutral und unvoreingenommen ein offenes Ohr hat. Und: Mose schreibt sich die Erfolge und das Positive nicht nur auf die eigene Fahne, sondern weiß und bezeugt, dass in allem Gott derjenige ist, der sein Tun gelenkt hat und seine Hand über das Volk gehalten hat.

Fragen: Bei wem kann ich mal unbefangen erzählen, wie es mir geht? Meine Highlights, aber auch Misserfolge offen und ehrlich teilen? Verantwortung kann einsam machen – wem möchte ich vertrauen und mich anvertrauen? Wo kann ich mich – ohne falsche Bescheidenheit – über Gelungenes freuen, und gleichzeitig Gott die Ehre dafür geben? Wer freut sich mit?

Zwischendurch: dankbarer Rückblick und das Gute feiern (Vers 9–12a)

Jitro scheint ein empathischer und aktiver Zuhörer zu sein: Er freut sich über die guten Erfahrungen, die die Israeliten unterwegs mit Gott gemacht haben. Das verändert sogar sein eigenes Bild, das er von Gott hatte (»jetzt weiß ich: Der Herr ist größer!«), und bewegt ihn dazu, einen spontanen Dankgottesdienst zu feiern. Weitere Verantwortungsträger kommen dazu und feiern mit einem Festmahl Gottes Treue auf dem bisherigen, herausfordernden Weg.

Fragen: Wie sieht es mit unserer Dank- und Feierkultur aus in unserem Vorstand, MA-Team, im CVJM, in der Gemeinde? Gönnen wir uns dankbaren Rückblick, gemeinsames Feiern, sich gegenseitig ruhig auch mal loben, und Gott die Ehre geben für alles Gelungene? Wofür hat Gott (und haben wir) längst mal wieder eine Party verdient?

Transparenz: Einblick gewähren in Leitungsarbeit (Vers 13)

Nach dem Fest, dem Gottesdienst, dem »Sonntag«, geht der Alltag wieder los: Bei Mose ist es hier das Sortieren, Vermitteln, Schlichten, Beruhigen, Brückenbauen, Ermahnen und Urteilen in Streitfällen – und das waren wohl nicht wenige, wenn man bedenkt, dass er die Verantwortung für ein großes Volk hatte in einer lange andauernden Situation höchster Anspannung. Sein Schwiegervater Jitro ist dabei anwesend, bekommt den Stress mit, die Anspannung, unter der Mose steht, die Ungeduld der Menschen, die logistischen Herausforderungen bei solchen Menschenmassen – kurz: Er bekommt keine makellose Hochglanz-Performance zu sehen, sondern einen überforderten Menschen in seiner alltäglichen Arbeit.

Fragen: Wem gewähren wir einen ehrlichen und auch schonungslosen Einblick in unsere Abläufe als Verantwortungsträger? Wer darf mitbekommen, wo wir überfordert sind oder auch mal scheitern trotz unserer guten Absichten? Bei wem ist ein ehrliches Bild von uns gut aufgehoben? Wo könnte uns – persönlich oder als Team – mehr Transparenz guttun?

Offenheit für Korrektur und guten Rat (Vers 14–16)

Jitro schreibt keine seitenlange Unternehmens-Analyse, sondern stellt dem Mose ganz einfache Fragen: Warum machst du es dir selbst so schwer? Warum machst du das alles alleine? Dadurch hilft er ihm, einen Schritt zurückzutreten, quasi auf eine Meta-Ebene, und mit etwas Abstand sein eigenes Handeln und die Situation anzuschauen und zu reflektieren – und auch, für seine Überforderung und Ratlosigkeit Worte zu finden.

Fragen: Von wem lasse ich mich hinterfragen und mir etwas sagen, ohne mich dauernd rechtfertigen zu müssen? Wer darf mir reinreden? Wem gebe ich Autorität, mein Handeln wohlwollend anzuschauen, kritische Fragen zu stellen und zu korrigieren?

Von »So geht’s nicht mehr!« hin zu »Mach dir’s leichter!“« (Vers 17–23)

»Es ist nicht gut, wie du das tust.« – So schonungslos und ehrlich ist Jitros Feedback. Sicher nicht das, was man gerne hören möchte – aber es ist realistisch: Es tut dir nicht gut, du verheizt dich selber. Und den anderen Menschen tut es auch nicht gut – sie müssen lange warten, bis ihr Anliegen bearbeitet wird, und erleben einen angespannten und irgendwann wahrscheinlich ausgebrannten Leiter. Aber Jitro kritisiert nicht einfach stumpf, sondern hat auch konkrete und hilfreiche Vorschläge, was Mose verändern könnte, um es sich »leichter zu machen«: Delegieren, sortieren, priorisieren, ausmisten, loslassen, sich entbehrlich machen … Alles Dinge, die vielen Leitungspersönlichkeiten nicht unbedingt leicht fallen oder die sie gar nicht erst hören wollen. Geteilte Verantwortung bedeutet ja letztendlich z. B. auch geteilte Macht und geteilte Anerkennung. Wenn ich andere mehr beteilige, kann es auch durchaus sein, dass etwas nicht so oder so gut gemacht wird, wie ich es gerne hätte oder selber machen würde.


Fragen: Wann ist bei mir oder bei uns der Zeitpunkt, wo es so nicht mehr geht? Haben wir selbst ein Gespür dafür, oder brauchen wir vielleicht den Impuls von außen? Wer könnte konstruktive Ideen beisteuern, wie Entlastung möglich wäre? Woran hänge ich besonders, was würde mir schwerfallen loszulassen? Wo steht mir vielleicht mein Perfektionismus im Weg? Wem könnte ich/könnten wir durchaus mehr zutrauen bzw. zumuten? Wenn nicht Überforderung oder Überlastung – was könnten andere Faktoren sein, die ein gesundes, effektives und fröhliches Weiterarbeiten erschweren? Welche Veränderung würde mir/uns und unseren Abläufen mal guttun? Was würde passieren, wenn sich nichts ändert, bzw. wenn wir nichts ändern?

Und dann: einfach mal machen! (Vers 24–26)

In der Geschichte passiert etwas Erstaunliches: Mose ist nicht eingeschnappt, verärgert oder frustriert, als ihm gesagt wird »Es ist nicht gut, wie du das tust«. Zum einen kommt diese Rückmeldung von einem Menschen, der ihm wohlgesonnen ist und nicht will, dass er irgendwann komplett ausbrennt. Und zum anderen hört Mose genau hin: Die Botschaft lautet nicht »Es ist nicht gut, was du tust«, sondern »wie du es tust«. Und es folgen ganz konkrete Ideen und Vorschläge, was er ändern könnte, um die Situation zu verbessern. Mose gehört nicht zu denen, die sich endlos viele Expertenmeinungen und Gutachten einholen, aber nicht bereit sind, etwas zu ändern; oder die haufenweise Selbstoptimierungs-Ratgeber ansammeln, aber es dann bei der Theorie belassen. Stattdessen probiert er die Idee seines Schwiegervaters einfach mal aus: strukturiert die Arbeit, die er bisher alleine gemacht hat, neu und verteilt sie auf mehrere Schultern; holt Menschen mit ins Boot, die das Potenzial haben, Verantwortung zu übernehmen, schafft sich selbst damit Entlastung und den Anderen die Möglichkeit, in Aufgaben hineinzuwachsen. Eine wichtige Aufgabe von Leitungsmenschen übrigens: das Potenzial in anderen entdecken, sie fördern und ihnen Möglichkeiten und Handlungsfelder eröffnen.

Fragen: Wie reagiere ich persönlich bzw. reagieren wir als Team, als Gemeinschaft, auf kritische Rückmeldungen? Lassen wir uns davon entmutigen und ziehen wir uns zurück? Ignorieren wir sie, weil sie unsere Abläufe stören könnten oder wir vielleicht zu überzeugt sind von unseren gewohnten Abläufen? Welche Rückmeldung sollten wir ernst nehmen, und welche konkrete Idee von außen sollten wir einfach mal ausprobieren, welche Anregung umsetzen? Was hätten wir zu verlieren? Und wen sollten wir endlich ins Boot holen, wem etwas zutrauen, wen empowern für neue Aufgaben? An welcher Stelle könnte uns das entlasten – wofür könnten wir die freiwerdende Energie nutzen?

Und schließlich: Begleitung auf Zeit (Vers 27)

Nach diesem Besuch mitten in der Wüste, der sich – unerwarteterweise – zu einer so intensiven Begegnung mit Elementen von Coaching, Seelsorge, Therapie, geistlicher Gemeinschaft und Unternehmensberatung entwickelt hat, verabschiedet Mose seinen Schwiegervater, als die ersten Umsetzungsschritte Wirklichkeit geworden sind und die Veränderungen greifen. Er lässt ihn ziehen und Jitro kehrt zurück in sein eigenes Land. Ein schönes Bild dafür, dass Begleitung »auf Zeit« geschehen kann – intensiv, situationsangepasst. Und dass Mose als kompetenter, mündiger, selbständiger Leitungsverantwortlicher ernstgenommen wird, der mit dieser kleinen Hilfestellung seines weisen Beraters im Gepäck seinen Weg neu und erfrischt und selbst ein bisschen weiser weitergeht.

Fragen: Wer könnte mich, könnte uns eine Zeitlang auf unserem Weg begleiten? Was könnte unsere konkrete Fragestellung sein? Welche Kompetenzen oder Perspektive könnte jemand mitbringen, der uns auf unserem Weg ein Stück weiterhilft? Welche Art von »Weisheit« bräuchten wir? Und woran würden wir merken, dass sich etwas verändert hat?

Und ein Fazit?

»Mach dir’s leichter« – sagt sich so leicht, aber mit Offenheit und Ehrlichkeit von beiden Seiten ist in dieser Geschichte viel möglich geworden. Der Rucksack wurde leichter, die müden Schultern entlastet, die To-Do-Liste etwas kürzer und menschenfreundlicher, die eigene Überforderung wurde weniger und die Förderung Anderer nahm zu – und die Flamme ist nicht verloschen. Und wo war Gott in dem ganzen Prozess? Mittendrin. Im dankbaren Rückblick und Feiern wurde er in den Mittelpunkt gerückt, und in allem, was danach kam, war er der entscheidende Faktor: »Ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein.« (Vers 19). Jitro hat seine Begleitung, sein Zuhören, seine Kritik, seinen Rat immer ganz eng an Gottes Begleitung und Rat angebunden gesehen. So wurde Neues, Frisches, Befreiendes möglich im Leben und Wirken von Mose.

Die interaktivste, umfassendste, benutzerfreundlichste und gründlichste Bibel-Karten-App im App Store. 

Die Bible Map App verstehen wir eher als ein Ergänzung zu einer anderen Methode.  

Die Bibel wird lebendig, wenn man das Land der Bibel sieht und erkennt, wie viele Artefakte wir heute haben, die die biblische Geschichte belegen. 

Was ist die Bible Map App – und was kann sie? 

Die Bible Maps App ist eine interaktive Anwendung, die dir hilft, die Welt der Bibel besser zu verstehen. Sie verbindet biblische Texte mit echten geografischen Orten und zeigt dir, wo bestimmte Ereignisse in der Bibel stattgefunden haben. So wird die Bibel anschaulicher, greifbarer und lebendiger. 

Was die App kann: 

  • Kartenansicht biblischer Orte: Du siehst direkt auf einer Landkarte, wo sich wichtige Orte der Bibel befinden – z. B. Jerusalem, Bethlehem oder das Rote Meer. 
  • Zeitliche Einordnung: Die App zeigt, wann und wo etwas passiert ist – z. B. die Reisen von Mose, Jesus oder Paulus. 
  • Verbindung mit Bibeltexten: Du kannst die entsprechenden Bibelstellen direkt aufrufen und lesen. 
  • Hintergrundwissen & Archäologie: Viele Orte sind mit Erklärungen, historischen Bildern und archäologischen Funden verknüpft, die zeigen, wie real und gut belegt die biblische Geschichte ist. 
  • Interaktiv und leicht zu bedienen: Die App ist so aufgebaut, dass man sich einfach zurechtfindet – ideal für Jugendliche, Erwachsene, Bibelgruppen oder den Schulunterricht. 

Warum ist die App hilfreich? 

Weil sie zeigt, dass die Bibel kein Märchenbuch ist, sondern auf echten Orten, Zeiten und Menschen basiert. Wer die geografischen Zusammenhänge versteht, erkennt vieles im Bibeltext klarer und bekommt ein besseres Gesamtbild. 

Eine von vielen Methoden im Bibl‑o‑mat, die Lust machen, Bibel neu zu entdecken: www.bibl-o-mat.de

Vieles in der Welt und im persönlichen Leben macht ratlos und braucht die Unterstützung guter Berater. Das gilt für Erwachsene genauso, wie für junge Menschen in ihren zahlreichen Entscheidungsprozessen. Wo gibt es Orientierung? Wer oder was ist noch vertrauenswürdig?

Die neue KON-Einheit »Rat-Los!« bietet vielfältige Anregungen, der Ratlosigkeit entgegenzutreten: in Themenartikeln, Bibelarbeiten und Stundenentwürfen gibt es »weise Ratschläge« und ist »guter Rat nicht teuer« . Eine umfangreiche Ideensammlung, die spielerische, biblische und thematisch ausgearbeitete Konzepte für die Arbeit mit Gruppen bietet und in interaktiven Themenartikeln auch Mitarbeitenden persönlich Hilfestellung für Seelsorge- und Beratungsangebote gibt.

Es ist so eine Sache mit dem »Rat«

»Guter Rat ist teuer!« – »Ratschläge sind auch Schläge!« Diese Sätze gehören schon fast zu den Klassikern, wenn es ums Rat geben und bekommen geht. Wie geht’s dir mit diesen Worten?

Ein bisschen Wahrheit steckt in beiden. Wenn man nicht mehr weiterweiß und einiges richtig im Argen liegt, kann es teuer werden – weil man sich vielleicht von Expertinnen beraten lassen möchte … und die arbeiten nicht umsonst.

Rat»schläge« können weh tun, gerade, wenn sie von jemandem kommen, die dich nicht kennt, sich womöglich aber als Fachfrau für dich sieht oder ihre Erfahrungen raushängen lässt.

Wie kann es im Team unter Mitarbeiterinnen und im Miteinander einer Gemeinschaft gelingen, dass in wunderbarer Weise Rat gegeben oder angenommen werden kann? Grundsätzlich gilt für mich: miteinander als Team oder mit mehreren Teams zusammen zu arbeiten und gute Jugendarbeit zu machen, ist ein Ort für alle, voneinander und miteinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam zu wachsen. Dabei passiert manchmal automatisch, dass man sich schon gut kennt.

Damit ihr euch noch besser kennenlernen und einschätzen könnt, probiert einfach folgende Spielidee: 

Positive Eigenschaften zuordnen

Ein Spiel zu Fremd- und Selbsteinschätzung

So geht’s:

Sammelt positive Eigenschaftsworte und schreibt sie auf Karten. Legt den Kartenstapel verdeckt in die Mitte des Tisches.

Gebt pro ca. vier Personen einen Würfel in die Runde – in gleichmäßigem Abstand. Es wird nun mit allen Würfeln gleichzeitig und in der gleichen Richtung gewürfelt. Legt vorher die Richtung fest. Wer eine sechs würfelt, zieht eine Karte aus der Mitte, liest das Wort nur für sich (nicht laut) und legt es verdeckt vor jemandem ab, von dem sie denkt, dass es auf die Person zutrifft. Die zugeordneten Karten bleiben verdeckt liegen, bis der Stapel leer ist.

Die Zuordnung muss schnell erfolgen – am besten, bevor der nächste Wurf gemacht ist. Die Würfel dürfen sich nicht überholen, wer zu lange zögert, behält die Karte bei sich (verdeckt).

Dann nimmt sich jede ihre Karten, die sie bekommen hat, liest sie durch und sortiert sie pyramidenartig. Unten (also direkt vor sich) legt sie die Begriffe, von denen sie selbst denkt, dass sie auf sie zutreffen, gleichwertig nebeneinander. Darüber dann die nächsten und so weiter. So wird nach und nach ein Ranking, so dass ganz oben das liegt, was in der Selbstwahrnehmung am wenigsten zutrifft.

Dann stellt jede vor – was und warum sie so geordnet hat, welche Gedanken sie dazu hatte, wo Verwunderung, Freude o.ä. war und auch, welche Karte nicht zugeordnet werden konnte oder welche sie behalten musste, weil sie auf die Schnelle nicht wusste, wem sie diese zuordnen sollte.

Hinweise:

  • Bei einer kleinen Gruppe (z. B. 6 Leute) benutzt einfach nicht alle Karten.
  • Achte drauf, dass jede eine Karte bekommt. Ordne also die Karten, die du gezogen hast, aufmerksam zu und bleibe trotzdem ehrlich dabei.
  • Die Gruppe darf nicht zu groß sein, sonst wird das Spiel zu lang oder zäh.

Einige Beispiele für positive Eigenschaftsworte:

mutig, offen, nachdenklich, gesellig, unabhängig, engagiert, tiefsinnig, zurückhaltend, freundlich, intelligent, flexibel, humorvoll, authentisch, herzlich, respektvoll, motiviert, spontan, zielstrebig, interessiert, hilfsbereit, geduldig, sportlich, musikalisch, kritisch, kreativ, chaotisch, gründlich, fröhlich.

Was ist guter Rat?

»Guter Rat ist wie Schnee. Je sanfter er fällt, desto länger bleibt er liegen und desto tiefer dringt er ein.« Simone Signoret

Guter Rat hat die Person im Blick. Ihre Eigenschaften, ihre Stärken und Fähigkeiten. Gute Ratgeberinnen ahnen etwas davon, was noch in der Person schlummern könnte. Sie sehen schon das, was in ihr schöpferisch zutage kommen könnte. Sie fördern und unterstützen. Das tun sie nicht aus heiterem Himmel, sondern weil es eine gute Verbindung oder Beziehung zwischen dir und ihr gibt.

Auf der anderen Seite ist es auch nicht immer einfach, Rat (ungefragt) zu bekommen und noch etwas schwieriger, diesen auch anzunehmen. Wer darf dir Rat geben? Muss der Rat dann auch umgesetzt werden? Lässt die Ratgeberin dir die Freiheit und auch die Würde, selbst zu entscheiden, was du mit ihrem Rat machst?

Manchmal ist man so im Tunnel, dass man den Weg oder die Lösung nicht sieht. Da kann Rat von jemand anderem unterstützend und gut sein. Ein Fingerzeig, der etwas entwirrt, eine Hilfestellung, die weiterhilft oder ein Hinweis, der etwas erhellt.

Von wem kannst du gut Rat annehmen und wer darf dir auf keinen Fall Rat geben? Überlegt das gerne jede für sich und dann tauscht euch aus. Was sind das für Personen, die euch Rat geben dürfen? In welcher Situation könnt ihr gut einen Rat hören und warum? Welche Art und Weise des Ratens lässt euch wütend werden und warum?

Feedback als Haltung mit Strahlkraft

Feedback ist anders als Rat, aber doch ähnlich. Einen Rat kann ich annehmen und umsetzen, manchmal wird auch genau das erwartet. Feedback hat die Person und ihre Entwicklung im Blick. Feedback bewertet nicht einfach in Gut oder Schlecht oder sieht nur auf das, was wir tun. Im Feedback geht es auch darum, wer und wie wir sind – um uns als Person und um unser Verhalten.

Erzählt euch gerne in der Teamrunde von euren positiven und negativen Erfahrungen mit Ratschlägen und Feedback. Da kommen vielleicht Verletzungen, Gefühle und wunde Punkte zutage. Es ist gut zu wissen, wie die andere das geworden ist, was sie ist. So lernt ihr euch noch besser kennen und v.a. auch, euch gegenseitig zu verstehen. Zusätzlich könnt ihr noch besser dazu beitragen, dass Feedback seine schöpferische und stärkende Kraft und Wärme entfalten kann.

Die Feedback-Sonne

Schaut euch das Foto (Feedback-Sonne) an. Feedback hat zwei Seiten: Geben und Nehmen. Auf jeder Seite findet ihr die jeweiligen Regeln. Wenn du Feedback gibst, finde erst heraus, ob es der richtige Zeitpunkt und die richtige Situation für Feedback ist. Du kannst es keiner aufzwingen und die andere sollte auch offen und bereit sein, etwas zu hören oder zu lernen. Rede von dir, also das, was du gesehen, beobachtet oder empfunden hast. Würdige, was die Andere gut gemacht hat, was gelungen ist und was wertvoll an ihr ist.  Sei konkret und hilfreich, so dass es aufbauend ist und zugleich benannt wird, wo noch etwas möglich sein könnte, damit die Andere sich weiterentwickeln kann. Lass ihr dabei ihre Würde und Persönlichkeit. Erwarte nicht, dass sie sich ändert oder anpasst, denn das muss sie nicht. Sei behutsam, liebevoll und bleib trotzdem ehrlich. 

Wenn du Feedback bekommst, hör gut und in Ruhe zu. Würdige vor allem, dass sich jemand Zeit nimmt und den Mut hat, dir Feedback zu schenken. Bleib lernbereit und offen. Verteidige oder rechtfertige dich  nicht, aber vielleicht könnt ihr am Ende im Gespräch Gründe oder Ursachen besprechen und gemeinsam überlegen, wie es z.B. beim nächsten Mal anders gelöst, kommuniziert oder vorbereitet werden könnte. Du kannst nachfragen, damit du etwas besser verstehst und du darfst dich entscheiden, wie du mit dem Feedback umgehen möchtest. Auch hier ist die Strahlkraft der Feedback-Sonne wichtig: Du musst dich nicht ändern, kannst es aber – kannst es, wenn du willst und wenn es dir sinnvoll erscheint oder du einen anderen Weg ausprobieren willst. Denk immer dran: Es geht im besten Sinne ums Lernen und Weiterkommen.

Was können wir in der Bibel entdecken?

Zwei biblische Rat-Texte

Nehmt euch die Zeit, zusammen in diese Texte reinzulesen.

Jesaja 9,5 -6a:

Dort ist die Rede vom kommenden Messias. Er bekommt dort u.a. den Titel »Wunder-Rat“« Wir beziehen diesen Vers auf Jesus Christus: das erfahrbare Wunder der Liebe Gottes zu uns. Bei Jesus, in seinem Reden und Tun, an seinem Leben, Sterben und Auferweckt-werden, können wir sehen, wie die Liebe Gottes auch uns gewinnt und uns voller Rat begleitet.

2. Mose 18, 13-27:

Dort wird erzählt, wie Mose von seinem Schwiegervater Jitro Besuch bekommt. Jitro beobachtet die Lage, sieht die Überlastung von Mose und hat einen guten Rat für ihn.

Zu guter Letzt

Ich wünsche euch, dass ihr euch gegenseitig wunderbare, schöpferische Ratgeberinnen seid.

Ich hoffe, dass es wunderbare Menschen gibt, die euch begleiten und im besten Sinne (be)raten. Seid und bleibt gesegnet!

Diese Methode ist eine Möglichkeit, wie ihr im gemeinsamen Lesen mit einer Gruppe einen biblischen Text erkunden könnt. Dabei ist es immer hilfreich, mal unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und mit unterschiedlichen Herangehensweisen Aspekte zu entdecken, die man bis jetzt noch nicht so wahrgenommen hat.  

Diese Methode richtet den Blick darauf, in einzelnen Bibeltexten zu entdecken, welchen Zuspruch wir erfahren und welcher Anspruch an uns gestellt wird. 

Wie ihr mit dieser Methode vorgeht: 

Sucht euch vor dem Treffen mit der Gruppe einen Bibeltext aus. Vielleicht seid ihr gerade mit einem bestimmten Thema unterwegs und findet dazu passend einen Bibeltext. Oder ihr nehmt den Text, der aktuell in der Tageslese dran ist. Den Leseplan zur Tageslese findet ihr zum Beispiel hier.  

Ablauf in der Gruppe: 
  1. Beginnt mit einem Gebet. 
  1. Eine/r liest den Abschnitt laut und langsam vor.  
  1. Alle, die möchten, lesen die Worte oder Sätze, in denen für sie ein Zuspruch steckt, laut vor. Kommentiert und diskutiert nicht darüber, sondern hört nur zu. 
  1. Eine/r liest den Abschnitt noch einmal laut vor. 
  1. Alle, die möchten, lesen jetzt die Worte oder Sätze vor, in denen sie einen Anspruch an sich selbst entdecken. Auch jetzt werden die Kommentare nicht diskutiert. 
  1. Eine/r liest den Abschnitt noch einmal laut vor. 
  1. Nehmt vorher genannte Gedanken auf, diskutiert, denkt über Konsequenzen nach und überlegt, was ihr festhalten wollt. 
  1. Sagt Gott zum Abschluss, was euch bewegt. 

Hinweis 

Diese Methode (S. 19) und viele weitere findest du in dem Buch “41 Methoden zum Bibellesen mit Gruppen” Daniel Rempe (Hg.)
Ein Ideenbuch für Mitarbeitende zur Initiative “Liest du mich?” – Gott zum Nachlesen

Mit Beiträgen von: Jörg Bolte, Matthias Kerschbaum, Günter Lücking, Ingo Müller, Hildegard vom Baur, Holger Noack und Katrin Winter
Vorwort von: Roland Werner, , 5. Auflage 2016, Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

Eine von vielen Methoden im Bibl‑o‑mat, die Lust machen, Bibel neu zu entdecken: www.bibl-o-mat.de

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