Gott ist hier

Ich bin, der ich bin. (Ex 3,14)

Mose, ein Adoptivsohn der Tochter des Pharaos, war ein gebildeter junger Mann. Doch in seinem Innern blieb er, wer er war: Nachkomme hebräischer Sklaven. Eines Tages schlug ein ägyptischer Aufseher einen seiner hebräischen Brüder. Außer sich tötete Mose ihn und musste fliehen. Im Nirgendwo ist er ein Niemand, ein Fremder.

Eines Tages ein brennender Dornbusch! Mose erstarrt. Neugierig geht er hin. Plötzlich hört er eine Stimme: „Mose!“ Erschrocken antwortet er: „Hier bin ich.“ Wieder diese Stimme: „Tritt nicht herzu, ziehe deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.“ Haben wir noch eine Ahnung für heilige Orte, wo wir Gottes Nähe spüren? Ich erinnere mich an den Besuch der Krypta in einem romanischen Dom des 12. Jahrhunderts. Eine wunderbare Erfahrung: Gott ist hier.

Gott gibt sich Mose zu erkennen: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“. Mose ist für Gott nicht der Niemand, der Fremde. Er ist ein Nachkomme Abrahams. Gott fordert ihn auf, zum Pharao zu gehen. Ohne Absicherung. Mose reicht das nicht. Er widerspricht: „Wenn sie mich dann fragen, wie ist sein Name? Was soll ich ihnen sagen?“

Gott geht auf Moses Einwand ein. Er nennt ihm seinen Namen: „Ich bin, der ich bin.“ Ein geheimnisvolles hebräisches Wort, bis heute verschieden übersetzt. Es ist ein Name, der mehr ist. Es ist eine sehr präzise Beschreibung, wer der Gott der Bibel ist. Die vier hebräischen Buchstaben will ich so auslegen: Mose, vertraue mir. Mache dich auf den Weg. Und du wirst erleben, dass ich keine leeren Versprechungen mache. Es wird sich erfüllen, was ich dir sage. Ich bin mit dir. Wage es.

Gebet:
Mein Gott,
ich danke dir, du siehst mich.
Ich war am Boden, du richtest mich auf.
Ich war ohne Mut, du gibst mir eine Aufgabe.
Lass mich Vertrauen finden und Vertrauen schenken. Amen

Wenn der HERR nicht das Haus baut, dann ist alle Mühe der Bauleute umsonst. Wenn der HERR nicht die Stadt bewacht, dann wachen die Wächter vergeblich. (Ps 127,1 HfA)

Während einer Australienreise im letzten Jahr besuchte ich die Deutsche Gemeinde in Melbourne, in der ich mal für zwei Jahre gearbeitet hatte. Beim Besichtigen des inzwischen umgebauten Gemeindekomplexes entdeckte ich im Giebel des Neubaus ein großes Holzschild mit der Inschrift „JESUS CHRISTUS – Unsere Hoffnung und Zuversicht“.

Es hing früher an der Außenwand des Gemeindesaals und rief ein Erlebnis wach: Damals klingelte eine Frau an der Tür des Pfarrbüros. Sie überprüfte für die aktuelle Volkszählung die Gebäude, Adressen und Namen. Sie hatte vermerkt, dass in dem großen Gebäude Jesus Christus wohnen würde. Für sie war das Schild ein Namensschild gewesen. Lächelnd erwiderte ich: „Ja, Jesus Christus wohnt hier.“

Der Psalm 127 rät uns, Gott in alle Lebensbereiche einzubeziehen. Es beginnt mit dem privaten Lebenshaus. Wie gut ist es, dies aus der das Haus baut, dann ist Beziehung zu Gott aufzubauen und zu gestalten. Gott möchte Bauherr sein, bietet durch Jesus Christus ein sicheres Fundament und will durch seinen Heiligen Geist in uns wohnen. Er bewacht, dann wachen hilft uns, Prioritäten im Leben zu setzen und die Wächter vergeblich. bewahrt uns vor manchem Frust. Wir müssen unser Leben nicht mühsam allein aus eigener Kraft aufbauen.

Im zweiten Teil richtet sich der Blick auf die Stadt und markiert den Übergang vom privaten zum öffentlichen Leben. Hier wird unsere Begrenztheit besonders deutlich. Wie wenig können wir für die Sicherheit unserer Stadt und Gesellschaft tun! Gott bietet einen Schutz, der über alle menschlichen Sicherheitsmaßnahmen hinausgeht. Deshalb beten wir um seinen Schutz für unsere Stadt und unser Zusammenleben, um Frieden und Sicherheit.

Rufen wir seinen Namen aus und bekennen ihn als Herrn über unserem privaten Leben, unserer Gemeinschaft und Gesellschaft.

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. (Sach 4,6 L)

Stell dir ein Segelboot auf einem stillen See vor. Die Segel sind gesetzt, aber ohne Wind bleiben sie regungslos. Was tun? Paddeln wäre anstrengend und wenig effektiv. Erst wenn der Wind aufkommt, gewinnt das Boot an Fahrt. Ganz ähnlich ist es in unserem Glauben und unserer Arbeit: Wir können uns abmühen, Pläne machen und Programme entwickeln – aber ohne Gottes Geist bleibt sie häufig kraftlos.

In der Jugendarbeit sind wir oft voller Tatendrang: Wir organisieren Freizeiten, gestalten Andachten, entwickeln kreative Projekte. Doch oftmals glauben wir, alles allein stemmen zu müssen. Sacharja erinnert uns daran, dass echte Veränderung und Gottes Wirken nicht durch unsere Kraft geschieht, sondern durch seinen Geist.

Das Volk Israel war müde, der Tempelbau ins Stocken geraten. Doch Gott sagt: Meine Kraft wird euch leiten. Auch wir sehnen uns nach Veränderung, nach der „neuen Erde“ (Offb 21,1) und einer
Jugendarbeit, die junge Menschen berührt. Doch es geht nicht darum, immer mehr zu leisten. Vielmehr dürfen wir unser Tun mit Gottes Geist in Einklang bringen – wie ein Segelboot, das sich dem Wind anvertraut.

Unsere Aufgabe: Segel setzen – im Gebet, in der Stille, im Vertrauen auf Gott, auch wenn sich dadurch vielleicht die Richtung ändert.

Ich erlebe in Sitzungen häufig, dass wir nach einer kurzen Andacht sofort zur Tagesordnung übergehen. In zwei Gremien dagegen nehmen wir uns Zeit für hörendes Gebet. Wir fragen Gott nach seinem Willen und erleben, dass wir gezielter und in seinem Timing handeln. Nicht unser eigener Aktionismus, sondern seine Führung bringt uns weiter.

Gebet: Herr, oft versuchen wir, aus eigener Kraft dein Reich zu bauen. Hilf uns dabei, dass wir uns auf dich fokussieren, dass wir zu deiner Zeit tun, was du segnen wirst. Bewahre uns vor eigenem Aktionismus. Amen.

Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. (Gen 1,3 L)

Du betrittst einen dunklen Raum und wie automatisch gleitet deine Hand neben den Türrahmen, um einen wichtigen, gar nicht so richtig wahrgenommenen Gegenstand des Alltags zu benutzen. Gut einen Meter über dem Boden wartet er auf Berührung und revanchiert sich für den „Händedruck“ mit einer Erleuchtung. Du hast ihn sicher erkannt – den Lichtschalter.

Er ist so selbstverständlich. Wie das Licht, das er auslöst. Licht, Leuchten, Laser, LED, Glühbirnen, Taschenlampen in Handys – immer leuchtet, flimmert und strahlt irgendetwas um uns herum. Das war nicht immer so. Ganz am Anfang war Dunkel, war Chaos – Tohuwabohu. Und dann sprach Gott. Es werde Licht! Jetzt kommt Orientierung in die Welt. Wie beim Betreten des Raumes mit dem Anschalten des Lichtschalters.

Das Licht ist die Voraussetzung für alles, was danach kommt. Ein göttliches Prinzip, das sich durch die ganze Schöpfung zieht. Bis heute. Ohne Licht keine Fotosynthese. Ohne Licht sehe ich nicht nur die Hand vor Augen nicht, sondern auch den Mitmenschen nicht mehr. Auch den Legostein am Boden, der zum Stolperstein werden kann, sehe ich nicht. Kurz: Es fehlt alles, was dabei hilft, sich in dieser Welt zurechtzufinden und sie zu gestalten. Wie gut, dass Gottes Wort hier zum Lichtschalter wird – zur Möglichkeit der Orientierung.

Das gilt auch auf einer anderen Ebene: Gottes Wort bringt Licht ins Dunkel, Orientierung in der Welt und im Leben, auch in deinem.

Vielleicht liegt auf deinem Nachttisch oder in deinem Bücherregal ein häufig unscheinbarer Gegenstand, der Orientierung bietet und dessen Nutzung sich absolut lohnt. Schalte doch mal dein Licht ein und lies in der Bibel, Gottes Wort. Es erwarten dich Licht und Orientierung.

Zum Nachdenken: Nutz doch die nächsten Male, die du das Licht anmachst, für ein kurzes Gebet, ein „Lichtschalter-Gebet“, oder setz dich in einen gemütlichen Sessel, schalte das Licht ein und nimm dir Zeit für Gottes Wort.

Niemals so lange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören. (Gen 8,22 E)

Niemals anders. Immer dasselbe. Nichts Neues. Wie langweilig! Die Stories in den Nachrichten unserer Zeit scheinen uns anzutreiben: immer dasselbe – das geht nicht! Aber will ich wirklich ständig etwas verändern, neu und mehr machen? Wenn ich ehrlich bin: Nein! Schöne Dinge zu wiederholen, macht auch glücklich. Ich will wieder lernen das Hier und Heute bewusst wahrzunehmen und für die Verlässlichkeit und kleinen Dinge dankbar zu sein.

Viel zu oft nehmen wir scheinbar Selbstverständliches einfach hin. Wir machen uns nicht bewusst, dass wir all das aus Gottes Schöpfung heraus geschenkt bekommen. Dass es gut ist, wie es ist. Mit seinen Gegensätzen und Wiederholungen. Man kann nicht nur säen und nicht nur ernten.

Es darf nicht nur kalt sein und nicht nur heiß. Es braucht den Sommer und den Winter, den Tag und die Nacht. Die Aufzählung des Verses lässt sich beliebig fortsetzen für viele weitere Bereiche des Lebens. Die Wiederholung ist alles andere als langweilig.

Es ist unendlich wertvoll, dass uns all das immer wieder geschenkt wird, dass sich das Leben immer wieder erneuert. Gott hat es uns so gegeben und zugesagt. Das ist seine Schöpfung. Ohne sie und ihre stete Wiederholung funktioniert das Leben nicht.

Seien wir dankbar für alles, was Gott uns schenkt. Nehmen wir es bewusst wahr und nicht als selbstverständlich hin. Die Schöpfung und das, was täglich, monatlich, jährlich neu entsteht, ist etwas ganz Besonderes.

Gebet: Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern. Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde. Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist.

Ich will dich segnen und deinen Namen groß machen, sodass du ein Segen sein wirst. (Gen 12,2 BB)

Mein Opa war sehr präsent in meinem Leben. Bis zu seinem Tod habe ich viel Zeit mit ihm verbracht. Mit seinen Liedern prägte er meine Kindheit. Als Jugendliche und Erwachsene haben sich mir seine Sprüche eingeprägt. Für jede Lebenssituation hatte mein Opa einen Spruch oder humoristischen Satz auf Lager. Als es in hohem Alter einmal um seinen möglichen Umzug in ein Altersheim ging, hörte ich, wie er sagte: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“.

Bevor Gott Abraham verspricht, seinen Namen groß zu machen und ihn zum Segen werden zu lassen, fordert er ihn auf, sein Land zu verlassen und sich aufzumachen ins Unbekannte, in ein Land, das Gott ihm zeigen würde. Abraham war da schon sehr alt und hatte in Haran fast alles, was es für einen erfüllten Lebensabend brauchte: Frau, Land, Tiere, Arbeit.

Der Bibeltext lässt offen, ob Abraham Zweifel an Gottes Wort hatte. Wir wissen nicht, ob Abraham dachte: „In diesem Alter ziehe ich doch nicht los und fange noch einmal woanders von vorn an.“ Vielleicht dachte er: „Einen alten Baum wie mich nochmal zu verpflanzen – verrückt!“ Doch er vertraute dem Versprechen Gottes, packte zusammen und zog los.

Gott hielt sein Wort! Sara und Abraham bekamen einen Sohn, eine neue Heimat. Abraham wurde der Vater eines großen Volkes, welches gesegnet war und zum Segen wurde.
Wenn Gott ruft, lohnt es, sich auf den Weg zu machen. Auch wenn es einem seltsam erscheint, die Umstände vermeintlich nicht passen, das Alter oder der Beruf hemmen. Das braucht eine Menge Mut und großes Vertrauen in Gott. Das fällt uns nicht immer leicht. Für Abraham hat es sich am Ende bezahlt gemacht. Warum nicht auch für uns?

Zum Nachdenken: Wann hast du dich das letzte Mal einfach so auf den Weg gemacht? Ohne Kompass, ohne Navi, nur auf Gottes Wort hörend? Lass dich leiten und höre hin, wo Gott dir im Gebet oder im Gespräch mit anderen Menschen den Weg weisen möchte.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auferlegen. (Gal 5,1)

Der Tag beginnt, der Wecker klingelt, die To do-Liste wartet. Schnell rutschen wir hinein in den Modus des Tages: etwas leisten, funktionieren, eigene oder fremde Erwartungen erfüllen – im Job, in der Familie, vielleicht sogar im Glauben. Freiheit fühlt sich da oft weit weg an.

Für unseren Alltag weist Paulus uns in diesem Vers auf etwas Entscheidendes hin: Du bist frei – durch Christus. Nicht, weil du alles im Griff hast oder stark genug bist. Sondern weil er dich befreit hat. Jesus hat uns durch seine Liebe aus dem herausgeholt, was uns gefangen hält und klein macht.

Er befreit uns von dem Zwang, sich beweisen zu müssen. Von dem Druck, perfekt zu sein. Von Gedanken wie: „Ich bin nicht genug.“

Diese Freiheit ist nicht theoretisch. Sie entfaltet ihre Wirkung in unserem Alltag und in den Herausforderungen, die sich so stellen. Wenn du also denkst, du musst mehr tun, um gut dazustehen, wenn Schuldgefühle dich festhalten oder wenn du meinst, du solltest stärker glauben, dann erinnere dich: Jesus ist für dich! Du bist angenommen und geliebt, mit allem, was dich ausmacht. Du darfst frei, aufrecht und mutig leben.

„Zur Freiheit befreit“ heißt nicht, dass alles einfach läuft. Doch es ermutigt uns, uns darin zu üben, dieser Freiheit mehr Platz in uns und in unserem Leben zu geben: nichts leisten zu müssen, um wertvoll zu sein. Fehler machen zu dürfen. Anderen Menschen aus dieser Freiheit heraus zu begegnen – vielleicht geduldiger, liebevoller oder freier. Freiheit wächst, wenn wir Gottes Stimme lauter werden lassen als die anderen Stimmen in und um uns.

Nimm dir ein paar Minuten Zeit. Erinnere dich daran, wer du in Jesus Christus bist.

Gebet: Jesus, danke, dass du mich frei machst. Hilf mir, dies im Alltag nicht zu vergessen. Zeig mir, wo ich mich immer wieder einsperren lasse. Und hilf mir, heute aufrecht und mutig zu leben. Amen.

Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Schwerter zu Pflugscharen umschieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. (Jes 2,4 E)

Was ist heute deine Vision? Jetzt, in Zeiten, wo das Licht schwindet? Stellst du eine Kerze in dein Schaufenster und zeigst, was dir wichtig ist? Wo steht dein Glaube heute?

Jesaja hat eine kraftvolle Vision Gottes für unsere Zukunft. Eine, die uns Hoffnung und eine tiefere Einsicht in Gottes Plan für uns Menschen gibt. In einer Welt, die oft von Konflikten, Gewalt und Ungerechtigkeit geprägt ist, erinnert uns Jesaja daran, dass Gott einen anderen Weg für uns vorgesehen hat. Es ist der Gott des Friedens, der uns aufruft, die Waffen des Krieges abzulegen und stattdessen Werkzeuge des Lebens und des Wachstums zu schaffen.

Die Metapher von Schwertern zu Pflugscharen ist besonders eindrücklich. Sie zeigt, dass der Frieden nicht nur das Fehlen von Krieg ist, sondern Schaffung von Bedingungen, die das Leben fördern. Wenn wir unsere Konflikte in Dialog und Verständnis umwandeln, tragen wir zur Verwirklichung dieser Vision bei. Wir sind eingeladen, in unseren eigenen Beziehungen und Gemeinschaften Frieden zu stiften, anstatt uns in Streitigkeiten zu verlieren.

Gerade heute, wo wir mit Spannungen und Konflikten konfrontiert sind, erinnern wir uns an die Verheißung: Wir sind berufen, Botschafterinnen und Botschafter des Friedens zu sein. Das bedeutet, dass wir nicht nur für unseren eigenen Frieden sorgen, sondern auch aktiv für den Frieden eintreten.

Gebet: Gott, gib uns die Kraft, Frieden zu stiften. Hilf uns, die Vision von Jesaja in unserem Leben und in der Welt umzusetzen. Mach uns bereit, dass wir die Werkzeuge des Lebens in die Hand nehmen und gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, in der Frieden und Gerechtigkeit herrschen. Damit dein Wille auf unserer Erde sichtbar wird. Amen.

Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. (Jes 11,7 L)

„Stellt euch vor, ihr befindet euch im Jahr 2030. In eurer Jugendarbeit hat sich alles erfüllt, was ihr euch erträumt habt!“ So beschreiben wir Szenarien in unseren Lernenden Gemeinschaften.

In dieser Phase begeben sich die Teilnehmenden in die „Futur II“, die vollendete Zukunft. Sie werden ermutigt, über den eigenen Horizont hinaus zu denken und sich eine wundervolle Zukunft vorzustellen. Es ist die Einladung, sich in Gottes Zeitzone hineinnehmen zu lassen. Diese setzt die Vollendung bereits voraus: Es wird gut ausgegangen sein! Das setzt Mut und Kraft frei für Veränderungsprozesse. Es entstehen verheißungsvolle Bilder von einer kraftvollen Jugendarbeit, in der junge Menschen in eine lebendige Beziehung zu Jesus finden und aus dieser heraus ihr Leben gestalten.

„Stellt euch vor, ihr seid Teil der neuen Schöpfung, wo Kuh und Bärin zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen.“ Die Worte in Jesaja 11 sind Futur II-Worte. Sie malen ein Bild der neuen Schöpfung, in der Frieden herrscht, Gerechtigkeit für alle Völker und sogar die ganze Schöpfung mit sich versöhnt ist. Statt „fressen und gefressen werden“ ist es ein friedvolles und heilvolles Miteinander aller Kreaturen. Dieser umfassende Frieden ist mehr als ein frommer Wunsch. Es ist Schalom, Gottes Wirklichkeit.

Mit der Geburt von Jesus dem Heiland hat diese Wirklichkeit in unserer Welt Einzug gehalten – so unwirklich es uns erscheint angesichts von Aufrüstung, Kriegen und zunehmendem Hass im kleinen wie im großen Weltgeschehen. Mit dem Glauben an Jesus zieht sein Schalom in unser Herz ein und breitet sich von dort aus in unser Leben und unsere Umgebung. Dieser Friede lässt uns über den eigenen Horizont hinausdenken und aktiv für ein gerechtes Miteinander einsetzen.

Gebet: Betet, dass Gottes Wirklichkeit sichtbar und erfahrbar wird in eurem Leben und eurer Jugendarbeit!

Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie eine nie versiegender Bach. (Am 5,24 L)

„We will not be satisfied until justice rolls down like waters and righteousness like a mighty stream.“ Mit diesen Worten erhob Martin Luther King Jr. seine Stimme vor Hunderttausenden auf den Stufen des Lincoln Memorials in seiner Rede „I have a dream“. Es war nicht nur eine politische Rede, sondern ein prophetischer Ruf – tief verwurzelt in der Heiligen Schrift zitiert er Amos 5,24.

Der Prophet Amos wurde von Gott berufen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Er kritisierte ein Volk, das prachtvolle Gottesdienste feierte und zugleich Ungerechtigkeit duldete. Er sprach gegen ein System, das Äußerlichkeit vor Echtheit stellte – Religion ohne Rückgrat, Frömmigkeit ohne Gerechtigkeit.

Martin Luther King Jr. nahm diese Worte auf. In einer Zeit, in der Menschen wegen ihrer Hautfarbe benachteiligt wurden, in der Gewalt, Armut und Ausgrenzung herrschten, sagte er, dass Gottes Gerechtigkeit sich nicht durch schöne Worte ersetzen lässt.

Mit Blick auf unsere Welt sollten diese Rede und das Bibelwort geradezu hinausgeschrien werden. Wo das Recht oft eine Frage der Herkunft, des Geldbeutels oder des Passes ist. Wo Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und rechte Gewalt wieder laut werden. Und wir sind mittendrin.

Das Bild von Wasser und Bach gefällt mir. Das Eintreten für die Rechte aller soll fließen, nicht tröpfeln. Der Strom der Gerechtigkeit soll nie versiegen, sondern soll uns dauerhaft durchströmen. Wir müssen eine innere Haltung der Treue, Barmherzigkeit und Verantwortung für andere entwickeln. Für Amos und Martin Luther King Jr. ist eine Gesellschaft, die sich christlich nennt und zugleich Rassentrennung, Armut und Ungleichheit duldet, nicht gottgefällig. Für sie ist Glaube und Gerechtigkeit untrennbar verbunden. Damit sind auch wir heute gefragt.

Amos hatte eine Vision.
Martin Luther King Jr. hatte einen Traum.
Wir haben einen Auftrag.

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