99 seconds – Hohelied 8,6

Ein Kurzimpuls zu Hohelied 8,6 von Ruth Anhorn

Thema: Liebe

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

BORN FOR MORE – das interkulturelle Traineeprogramm für junge Leute. Mehr Infos findest du auf www.born-for-more.de

Materialien

Ein Kurzimpuls zu 3. Johannes 1,2 von Tobi Wörner

Thema: Gesundheit, Wohlergehen

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

LGBITQ+ – was bedeutet diese Abkürzung? Die einzelnen Buchstaben stehen für unterschiedliche sexuelle Orientierungen:

  • Lesbisch
  • Gay=schwul
  • Bisexuell
  • Intergeschlechtlich
  • Transgeschlechtlich
  • Queer

Das »+«-Zeichen, (häufig stattdessen auch »*« oder »_«) wird verwendet, um auch alle anderen Identitäten und Geschlechter sichtbar miteinzuschließen.

Dass das Thema LGBTIQ+ mittlerweile in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist, hat zum Beispiel die letzte Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2021 gezeigt. In ganz Europa wurde während dieses Turniers teils heftig diskutiert: beispielsweise darüber, ob Stadien in den Regenbogenfarben leuchten dürfen, um ein Zeichen zu setzen und zu signalisieren, dass auch LGTIQ+-Menschen zum Fußball dazugehören und herzlich willkommen sind. Die UEFA entschied, dass solches, von ihr als politische Aktion angesehen, nicht sein darf und sah sich aufgrund dieses Beschlusses scharfer Kritik und europaweiten Fan-Protesten ausgesetzt. Stadien durften also nicht in den Regenbogenfarben erstrahlen.

Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, wurde aber von der UEFA gestattet, eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde zu tragen. Zahlreiche Fans strömte mit Regenbogenfahren zu den Spielen und auch viele Sponsoren wollten ein positives Signal setzen und warben in den Stadien in Regenbogenfarben. All das wurde von der UEFA toleriert, zumindest an fast allen Spielorten der europaweit ausgetragenen EM. In Baku (Aserbaidschan) und St. Petersburg (Russland) allerdings wurden Regenbogenfahnen verboten und den Fans abgenommen und auch Sponsoren mussten ihre Werbung anpassen und auf Regenbogenfarben verzichten.

Diese kontinentale und auch generationenübergreifende Debatte hat verdeutlicht, wie wichtig und gesellschaftlich präsent das Thema LGBTIQ+ geworden ist.

Meine persönlichen Erfahrungen als Jugend-Diakonin

Auch in meinem Beruf als Jugend-Diakonin spielt dieses Thema eine wachsende Rolle und Jugendliche bewegt es heutzutage mitunter sehr. Mir begegnen regelmäßig Jugendliche, die sich selbst nicht als heterosexuell oder cisgeschlechtlich bezeichnen.

Während der letzten zehn Jahre habe ich hauptberuflich in verschiedenen evangelischen Kirchengemeinden bzw. Organisationen wie dem CVJM in unterschiedlichen Bundesländern gearbeitet (NRW, Baden-Württemberg, Hamburg) und überall ähnliche Eindrücke gesammelt. Ich habe erlebt, wie Jugendliche sich mit Fragen zu diesem Themenkomplex auseinandergesetzt und beschäftigt haben. Zum Teil haben sie mich auch selbst angesprochen und sich von mir Rat und Hilfe gewünscht und erhofft.

Fast ausschließlich habe ich junge Menschen getroffen, die mit meiner eigenen Homosexualität sehr offen und positiv umgegangen sind und bei denen ich keinerlei Berührungsängste mit mir oder diesem Thema wahrgenommen habe – ganz im Gegenteil. Es kam immer wieder vor, dass Jugendliche mir von ihrer eigenen sexuellen Orientierung erzählt haben oder diesbezüglich Fragen an mich hatten und beispielsweise wissen wollten, ob ich wirklich mit einer Frau verheiratet bin.

Auch bin ich in meiner Arbeit bereits einmal einem jungen Menschen begegnet, der sich nicht direkt angesprochen gefühlt hat, als die Teamer:innen* und ich unüberlegt Gruppeneinteilungen nach dem männlichen und weiblichen Geschlecht vornehmen wollten. Auf die Frage »Wollen wir Mädchen gegen Jungen spielen? Mädchen gehen auf die linke Seite der Wiese, Jungen auf die rechte.« lautete seine Antwort dann: »Okay und ich stell mich dann in die Mitte, oder?«. Glücklicherweise konnte dieser junge Mensch sehr offen mit dieser Situation umgehen und mit einem Augenzwinkern antworten, bevor er sich einfach frei einem der beiden Teams zuteilte. Mich und die Teamer:innen* hat diese Situation allerdings noch einmal mehr nachdenklich und aufmerksam für die Thematik LGBTIQ+ gemacht.

Orte und Möglichkeiten für Gespräche bieten

Jugendliche machen besonders in der Zeit ihrer Pubertät eine turbulente Entwicklungsphase durch. Sie erleben ihre körperlichen und auch seelischen Veränderungen und müssen neu lernen, wer und wie sie sind, sich selbst neu kennenlernen und sich neu akzeptieren lernen mit all den Veränderungen, den unterschiedlichen Gefühlen, den entstehenden Fragen und Zweifeln. Es ist für sie und ihre Entwicklung in dieser Zeit sehr wichtig, Orte und Menschen zu haben, mit denen sie sprechen können und bei denen sie sich angenommen fühlen, so wie sie sind. Das belegen auch Forschungen und Umfragen unter Jugendlichen.

Prof. Dr. Konrad Weller stellte in seiner Studie von 2013 heraus, dass nicht heterosexuelle Jugendliche sich oft mit Angst vor Stigmatisierung, Mobbing und Diskriminierung plagen, obwohl Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen zunehmend gesellschaftliche Akzeptanz erfahren. Dem stimmt u. a. auch der Entwicklungspsychologe Johannes Jungbauer zu.

Jugendliche machen sich viele Gedanken über ihre eigene sexuelle Orientierung und Entwicklung. Und sie brauchen Orte, an denen sie darüber sprechen können und dürfen: an denen sie ihre Fragen stellen und ihre Gedanken, Gefühle und Zweifel zum Ausdruck bringen können und ganz unabhängig von ihrer sexuellen Identität vorurteilsfrei als tolle Menschen willkommen geheißen werden.

Für einige Jugendliche ist vielleicht das Elternhaus ein solcher Ort. Viele Jugendliche, die ich kennengelernt habe, sprechen aber gerade mit ihren Eltern eher ungern über solche Themen. Im Freundeskreis kann dafür gut Platz sein. Oder eben auch in unserer Jugendarbeit. Denn es ist doch Aufgabe und Ziel unserer Arbeit, die jungen Menschen so anzunehmen, wie sie sind und ihnen sichere Orte für Gespräche, auch über Sorgen, Nöte, Zweifel und persönliche Fragen zu bieten. Solche Orte, Möglichkeiten für Gespräche oder auch konkrete Angebote zum Thema LGBTIQ+ sind sowohl für heterosexuell orientierte Jugendliche von Bedeutung, als auch für queere junge Menschen. Heterosexuelle Jugendliche haben vielleicht auch viele Fragen und können im Austausch mit queeren Jugendlichen Wissen generieren und Vorurteile abbauen. Und queeren Jugendlichen fehlt es, gerade im kirchlichen Raum, oft an positiven Vorbilder aus der LGBTIQ+-Community, an denen sie sich ein Stück weit orientieren können und die dazu beitragen, dass sie sich als völlig gleichberechtigt und gleichgestellt wahrnehmen können.

Die Jugendarbeit – auch und gerade die kirchliche bzw. christliche – kann und sollte Jugendlichen solche Räume bieten!

Wir als Mitarbeitende können und wollen die Jugendlichen, die den Weg zu uns finden, so annehmen, wie sie sind – wie Gott uns alle bedingungslos annimmt.

Oftmals können wir, anders als Eltern oder Lehrer*innen, leichter und »unbeschwerter« tragfähige Vertrauensverhältnisse zu den Jugendlichen aufbauen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Wir müssen nicht benoten und können ungezwungen auch über unsere eigenen Erfahrungen, Gedanken, Gefühle sprechen.

Grundwissen aneignen

Um den jungen Menschen solche Orte bieten zu können, ist es unabdingbar, dass uns als haupt- oder ehrenamtlich Tätige der Themenkomplex LGBTIQ+ nicht völlig fremd ist. Natürlich muss man als Mitarbeiter*in in der Jugendarbeit nicht immer alles wissen und den Jugendlichen nicht jede Frage, die sie stellen ganz eindeutig beantworten können. Aber ein gewisses Grundwissen, was beispielsweise die unterschiedlichen Begrifflichkeiten und Abkürzungen in diesem Bereich angeht, ist wichtig, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Diese kennen sich da übrigens oft viel besser aus als wir und sind viel sprachfähiger.

Gerade bei diesem sensiblen Thema ist es von großer Bedeutung, genau zu wissen, was mit welchem Begriff gemeint ist und wie welche Ausdrücke zu verstehen sind oder auch falsch verstanden werden könnten. »Sprache ist ein wirkmächtiges Mittel um Gedanken und Ansichten zu formen, Denkräume zu öffnen oder zu schließen«. So heißt es in einem Leitfaden zum Thema des TransInterQueer-Projekt aus dem Jahr 2015. Eine positive Sprache ist daher unerlässlich, damit queere Jugendliche ein positives Selbstbild entwickeln können.

Viele Angehörige der LGBTIQ+-Community haben schmerzhafte Erfahrung mit Vorurteilen und/oder Diskriminierung gemacht. Auch deshalb ist es wichtig, sich verständlich, möglichst eindeutig und angemessen ausdrücken zu können.

Alle wichtigen Begriffe und Abkürzungen zu erklären, würde allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen. Deswegen an dieser Stelle vor allem 2 Literaturempfehlungen dafür:

Die Fibel der vielen kleinen Unterschiede

Heft der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW; erklärt die wichtigsten Begriffe kurz und präzise und kann kostenlos runtergeladen werden: https://www.aug.nrw/app/download/8998203275/AuG_Fibel_klein.pdf?t=1553857661

Bildung für alle – Vielfalt anerkennen, Gleichstellung fördern

Sehr informative Broschüre der Stadt Kiel; Kostenloser Download: https://kiel.de/de/bildung_wissenschaft/bildungsregion/_dokumente_bildungsregion/Publikation_Bildung-fuer-alle_barrierefrei.pdf

Aktuelle wissenschaftliche Forschung

Neben den Begrifflichkeiten ist es für mich außerdem auch sinnvoll gewesen, mich mit der aktuellen wissenschaftlichen Forschung zum Thema zu beschäftigen.

Wie auch z. B. in der Fibel der kleinen Unterschiede benannt wird (Seite 51), ist nach wie vor nicht abschließend untersucht, wie sich die sexuelle Orientierung eines Menschen entwickelt. Stand der sexualwissenschaftlichen Forschung ist allerdings, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen keine eigenständige Entscheidung ist, sondern es sich um eine unabänderliche Prägung handelt (ebenfalls Seite 51). »Je weniger eine Gesellschaft das Rollen- und Sexualverhalten normiert oder sanktioniert, desto eher ist es für Menschen denk-, fühl- und lebbar, ihre sexuelle Identität auch jenseits der mehrheitlichen Heterosexualität und der binären Geschlechtsrollen zu leben.«, so die Broschüre weiter.

Forscher*innen kamen bisher immer wieder zu dem Schluss, dass das Sexualverhalten eines Menschen eine sehr komplexe Angelegenheit ist. Sie konnten aber keine Muster in den Genen oder den Hirnstrukturen eines Menschen erkennen, die dessen sexuelle Orientierung vorhersagen oder mit Hilfe deren sie identifiziert werden konnte.

Viel mehr setzt sich die Überzeugung durch, dass sich biologische, kulturelle und soziale Faktoren nicht getrennt voneinander betrachten lassen und alle ihre Rolle bei der Ausprägung der sexuellen Orientierung eines Menschen spielen.

Um das zum Ausdruck zu bringen, entstand die sogenannte Genderbread-Person – eine Figur von Jack Killerman, die den Unterschied zwischen sexueller Identität, Geschlechtsausdruck, anatomischem Geschlecht, Geburtsgeschlecht, Geschlechtsausdruck und sexueller Orientierung mit Hilfe eines Lebkuchenmännchens erklärt.

Weitere Infos und erklärende Videos zum aktuellen Forschungsstand gibt’s bei Planet Wissen und Quarks:

  • Genderbread-Person:

oder

Die rechtliche und gesellschaftliche Lage von LGBTIQ+- Menschen

Um weiteres Hintergrundwissen zum Thema LGBTIQ+ zu generieren, lohnt es sich auch, einen Blick auf die rechtliche und gesellschaftliche Lage von LGBTIQ+-Menschen in Deutschland und auch weltweit zu werfen.

Aus der bereits erwähnten Broschüre der Stadt Kiel geht hervor, dass auch heute noch Angehörige der LGBTIQ+-Community diskriminiert und ihre Rechte zum Teil stark missachtet und eingeschränkt werden. In manchen Regionen der Welt gelten andere als die mehrheitlich heterosexuelle Orientierung als Sünde, Schande, Rechtswidrigkeit oder Straftat. Neben körperlichen Strafen wie Auspeitschung oder Amputationen sind sogar Todesstrafen in manchen Ländern möglich, z. B. in Saudi-Arabien oder Tschetschenien, in Nigeria oder Katar und einigen anderen Ländern vorwiegend in Afrika, dem Nahen Osten und Asien.

Haftstrafen aufgrund einer nicht heterosexuellen Orientierung sind in sage und schreibe 65 Ländern auch heute im 21. Jahrhundert noch an der Tagesordnung, u. a. in Russland. Das heißt, auch bei uns in Europa sind LGBTIQ+-Menschen längst nicht überall gleichgestellt gegenüber ihren heterosexuellen Mitbürger*innen. Einige Länder wie Polen und Ungarn verzeichnen aktuell sogar große Rückschritte auf diesem Gebiet. Bereits 2019 hat sich eine erste polnische Gemeinde zur »LGBTIQ+-freien Zone« erklärt, mittlerweile haben mehr als 100 Landkreise und Gemeinden in Polen ebenfalls eine solche Erklärung abgegeben, nach Auskunft des Europäischen Parlaments. Auch in Ungarn hat sich die Situation für LGBTIQ+-Menschen demnach deutlich verschlechtert. Dort hat Ende 2020 das Parlament »Verfassungsänderungen, in deren Zuge die Rechte von LGBTIQ-Personen weiter eingeschränkt werden« verabschiedet.

Als Reaktion auf diese Entwicklungen hat das Europäische Parlament am 11. März 2021 »in einer mit 491 Stimmen bei 141 Nein-Stimmen und 46 Enthaltungen angenommenen Entschließung« die EU zum »Freiheitsraum für LGBTIQ-Personen« ausgerufen, in dem LGBTIQ+-Personen ohne Angst vor Verfolgung und Schlimmerem leben können.

Homosexualität und auch Transsexualität wurden bis vor wenigen Jahren von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) auch noch als psychische Störungen bezeichnet. Homosexualität wurde von der Liste solcher Krankheiten 1991 gestrichen, Transsexualität erst 2019.

In Deutschland ist die Situation für LGBTIQ+-Menschen verglichen mit weiten Teilen der Erde sehr gut. Dennoch herrscht auch bei uns nicht in allen Punkten Gleichberechtigung, die LGBTIQ+-Community ist nicht überall vor Diskriminierung geschützt und allen positiven Entwicklungen liegt eine lange Entwicklung zugrunde.

Der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches beispielsweise verbot gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Männern. Er wurde erst 1994 mit der Zusammenlegung der Rechtssysteme der Bundesrepublik Deutschland und der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik aus dem Gesetzbuch verbannt. Bis dahin wurde er weiterhin angewendet und Männern wurden bis Mitte der 90er Jahre aufgrund von §175 StGB verurteilt und inhaftiert.

Am 30.6.2017 beschloss der Deutsche Bundestag die »Ehe für alle« – ein großer Tag für viele nicht heterosexuelle Paare und ein weiterer Schritt in Richtung Gleichberechtigung und weg von Diskriminierung.

Verschiedene Abstammungsfragen sind allerdings weiterhin offen und zu klären. Im Adoptionsrecht gibt es ebenfalls Nachholbedarf und fragwürdig ist auch das Blutspendeverbot für homosexuelle Männer, das mittlerweile allerdings ebenfalls abgemildert wurde.

Auch das sogenannte Transsexuellengesetz, das regelt, unter welchen Voraussetzungen trans*-Menschen ihren Vornamen, ihr bei der Geburt eingetragenes Geschlecht ändern oder ihr Geschlecht medizinisch angleichen lassen können, ist umstritten und soll in der aktuellen Legislaturperiode diskutiert werden.

Fazit

Die eigene sexuelle Orientierung und der ganze Themenkomplex LGBTIQ+ interessieren viele Jugendliche in unseren Gruppen und Kreisen. Deswegen sollten wir diese Themen auch ernst und wichtig nehmen und nicht aus unserer Arbeit ausschließen.

Wir haben in unserer christlichen Jugendarbeit die große Chance, den jungen Menschen Räume zu eröffnen, in denen sie willkommen sind – so wie sie eben sind – mit all den Veränderungen, die sie durchmachen, mit all ihren Erfahrungen, Gedanken, Fragen, Zweifeln und Gefühlen. Sie sind bei uns richtig und wir können und sollten ihnen zeigen, dass sie bei uns und bei Gott gern gesehen und angenommen sind. Wir können ihnen bei uns den Platz einräumen, den sie eventuell woanders nicht bekommen – Platz, um sich selbst zu suchen, zu finden und auszudrücken. Wichtig für uns ist – und dazu sollte dieser Artikel ein kleiner Anfang sein – uns auch auf diesem Gebiet zu informieren, damit wir den Jugendlichen gut zur Seiten stehen und mit ihnen ins Gespräch kommen können.

Zu Beginn möchte ich nicht gleich die schlagenden Argumente für und gegen ehrenamtliches Engagement präsentieren, sondern einen Blick auf ein Bild für Gemeinde in der Bibel werfen:

Die Gemeinde wird beschrieben als »ein Leib, viele Glieder«. Im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 12, 12–31 vergleicht Paulus die Gemeinde mit einem Körper. Das ist recht simpel zu verstehen: So, wie ein Körper aus ganz unterschiedlichen Körperteilen besteht, so gibt es auch in der Gemeinde viele verschiedene Menschen, die alle zusammengehören. Er pickt ein paar Beispiele heraus und zeigt auf, dass jedes Körperteil auch seinen einzigartigen Job hat, damit der gesamte Körper funktioniert.

Mit Blick in die Gemeinde (Synonym für Verein, Kirche, Organisation) lässt sich das einfach übertragen. Das schreibt Paulus gegen Ende dieses Absatzes, indem er über die Vielfalt der Gaben schreibt: Es gibt Apostel, Lehrer, Propheten, Menschen mit der Begabung zu heilen, zu beten, praktische Hilfe zu leisten oder zu leiten.

Was bringt es der Gemeinde/Organisation?

Ohne diese Beispiele von Paulus näher beschreiben zu müssen, können wir uns vorstellen, dass es auch heute noch verschiedene (und sogar viel mehr) Aufgaben in einer Gemeinde zu bewältigen gibt.

Und jetzt kommt’s: Nicht alle davon können und werden bezahlt. Dafür braucht es dann diejenigen, die ehrenamtlich mitarbeiten. In den meisten Gemeinden gibt es vielleicht die Leitungspersonen, Pastor*innen, Jugendreferent*innen, Bürofachkräfte, Küster*innen oder ähnliche Berufe, die sich mittlerweile etabliert haben. Aber dann wird es mit der Bezahlung in Form von Geld schon weniger.

Der Profit für die Gemeinde ist klar: Es gibt unbezahlte Mitarbeiter, die die Arbeit von Hauptamtlichen (bezahlten Fachkräften) unterstützen oder sogar gänzlich übernehmen. Das heißt: Es ist »günstig«, viele Menschen im Ehrenamt zu haben. Darüber hinaus bringt es der Gemeinde aber auch eine gewaltige Kraft von jungen Menschen, die Potential haben und die Gemeinde voranbringen können. Menschen, die sich mit brennendem Herzen einsetzen, und dafür nichts oder nicht viel verlangen, sind unbezahlbar, weil sie ganz viel hineinbringen: Kreativität, Mut, Freigeist, und so weiter.

Ich muss also feststellen, dass eine Organisation, ein Verein oder eine Kirchengemeinde unfassbar gut aufgestellt ist, wenn es darin Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren. Hoffentlich werden sie/werdet IHR auch dementsprechend wie Gold behandelt und wertgeschätzt!

Eine ganz wichtige Aufgabe von Hauptamtlichen sei an dieser Stelle erwähnt: Ehrenamtliche brauchen Wertschätzung. Das ist uns allen klar, aber nicht immer bewusst. Viele Organisationen feiern einmal im Jahr mit einer »Mitarbeiter-Dankeschön-Party« die Ehrenamtlichen. Dabei dürfen diese sich auch feiern lassen! Und sie dürfen genießen, heute mal nicht noch mit abwaschen zu müssen, keine Muffins gebacken und auch keinen Besen in der Hand gehabt zu haben.

Darin können Gemeinden sicherlich immer noch stärker werden und vor allem auch  zwischendurch Ermutigung und Aufmerksamkeit schenken. Wichtig ist, die Investitionen der Ehrenamtlichen wahrzunehmen.

Was bringt es mir, mich ehrenamtlich einzusetzen?

Das ist auf jeden Fall eine berechtigte Frage, zu der wir einmal einen Vergleich herstellen müssen zwischen beispielsweise einer Pastorin und einer Jugendlichen, die sich in der Jungschar einsetzt.

Eine Pastorin hat in den allermeisten Fällen eine theologische Ausbildung, ein bisschen Erfahrung unter Anleitung gesammelt und unglaublich viele Aufgaben. Sieh dir auf Instagram mal die verschiedenen Pastor*innen an, die – um es mal deutlich zu sagen – für diese Social Media-Präsenz wahrscheinlich nie beauftragt oder ausgebildet wurden. Die machen unfassbar viel, um »dran« zu bleiben. Und ganz viele nehmen die Follower auch unglaublich nah mit durch ihren Alltag (@theresaliebt ,@patricksenner oder @pfarrerausplastik finde ich da total interessant). Das Ding ist: die werden eigentlich für viel mehr bezahlt und müssen dementsprechend auch viele Todo-Listen abarbeiten, einfach weil es ihr Job ist. Ob sie Lust haben, oder nicht. Dazu gehören Begegnungen mit Menschen aus jeder Altersstufe, eine  Menge an Schreibtisch-Arbeit, Bibelstudium und Output-geben.

Eine Jugendliche, die in der Jungschar-Gruppe eines CVJM mitarbeitet, hat viel weniger Aufgaben, keinen offiziellen Dienstauftrag und natürlich auch keine Bezahlung am Ende des Monats. Für sie ist es ein Einsatz »einfach so«.

Ich habe einige ehrenamtliche Mitarbeiter mal gefragt: »Warum macht ihr das denn überhaupt?« Die Antworten haben nicht lang auf sich warten lassen: Es macht Spaß. Es ist eine Bereicherung. Man kann viel lernen: zum Beispiel, wie man vor einer Gruppe spricht und diese evtl. auch leitet, wie man ein Spiel durchführt, und man hat immer noch die hauptamtliche Kraft, die einen zur Not unterstützen kann (der Pastor, die Jugendreferentin oder ähnliche).

Ich sehe darin noch viel mehr: Ehrenamtlich engagiert hat man eine gewisse Freiheit, sich auszuprobieren, Fehler zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Nicht, dass man als Hauptamtliche*r nichts mehr falsch machen darf, aber wahrscheinlich wird nicht ganz so nachsichtig mit einem umgegangen, weil man’s ja eigentlich gelernt haben sollte.

In den meisten Fällen wird man als Ehrenamtliche*r angeleitet, bekommt Feedback und Tipps, sowie Hilfestellungen. Das haben Hauptamtliche eher selten; sie müssen sich häufig selbst die Hilfe suchen und haben Glück, wenn es Kolleg*innen gibt oder sie eine*n Mentor*in / Supervisor*in haben.

Auch die Persönlichkeit wird stark geschult: Man darf neue Kompetenzen entwickeln und nutzen. Die soziale Kompetenz steht natürlich an erster Stelle: Wie verhalte ich mich, wie kann ich mein Verhalten verbessern? Was passiert in einer Gruppe? Worauf kommt es an, wenn ich ein Spiel erkläre, oder die Gruppe beruhigen muss?

Darüberhinaus wird die körperliche und mentale Kompetenz gestärkt. Man bleibt in Bewegung, aktiv und hat eine Gruppe (entweder von anderen Mitarbeitenden oder den Kindern), die eine gewisse Art von Halt bietet, ein soziales Netzwerk.

Erwartungen an Ehrenamtliche

Mit dem Ehrenamt geht allerdings auch eine Verpflichtung einher: Als ehrenamtliche Person ist man nicht davon befreit, sich zuverlässig zu verhalten, authentisch zu sein und moralisch zu handeln. Die Aufgabe, die man freiwillig übernimmt, sollte erfüllt werden. Das ist das Einzige, das man von Ehrenamtlichen erwarten kann. Ohne die Zuverlässigkeit ist es schwer, zusammenzuarbeiten. Denn auch die Hauptamtlichen müssen sich an ihre Aufgaben halten – mit dem Bild vom Körper gesprochen: Jedes Körperteil muss seinen Teil beitragen, damit der Körper funktioniert. Paulus schreibt: »Wenn der ganze Körper nur aus Augen bestünde, wo bliebe dann das Gehör? […] Tatsache ist, dass Gott, entsprechend seinem Plan, jedem einzelnen Teil eine besondere Aufgabe innerhalb des Ganzen zugewiesen hat. Was wäre das für ein Körper, wenn alle Teile dieselbe Aufgabe hätten? Aber so ist es nicht, es gibt einerseits viele verschiedene Teile und andererseits nur einen Körper.« (1. Kor. 12, 17–20)

»Schätze im Himmel sammeln«

On Top gibt es noch einen Begriff, den ich für das Thema Ehrenamt sehr wichtig finde: »Schätze im Himmel sammeln« (Bergpredigt von Jesus Christus in Matthäus 6, 19–21)

Die Menschen verdienen Geld und sammeln Reichtümer auf der Erde an. Doch es gibt Reichtümer im Himmel, die niemand stehlen kann und die nicht vergehen.

Jesus rät uns, keine Reichtümer hier auf der Erde zu sammeln. Das heißt nicht, dass man überhaupt kein Geld verdienen darf, sondern dass man nicht für jede Tat (z. B. für ‚ehrenamtliche Aufgaben) Geld verlangt und dieses hortet – oder sich unendlichen Luxus gönnt. Er sieht uns! Er sieht das, was wir tun, weil es uns Spaß macht, ausfüllt, ermutigt, fördert oder uns selbst auch irgendwie guttut. Mit dem sozialen Engagement sammeln wir »Schätze im Himmel«, nicht auf der Erde. Wir geben ganz viel von unseren Gaben, Kräften, Ideen und Zeit, weil wir Teile des Ganzen sind. Jede und jeder hat seine/ihre Aufgabe und ist von Gott dafür vorbereitet worden. Diese gilt es zu finden – ob mit oder ohne dafür Geld zu bekommen. Finde sie, setze dich ein und sei dir gewiss: Jesus sieht dich.

Krieg, Klima, Corona – die Welt verändert sich … Der Ton wird rauer, der Umgang miteinander oft auch – bleibt die Mitmenschlichkeit immer mehr auf der Strecke?

Mit unserem neuen KON-Thema »mit menschlich« möchten wir die Bereitschaft fördern, Empfindungen, Emotionen, Gedanken und Motive anderer Menschen zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden.

Hilfreiche und kreative Impulse findet ihr in Themenartikeln für euch als Mitarbeiterinnen sowie in Bibelarbeiten und Stundenentwürfen für eure (Mädchen-)Gruppe.

Ein Kurzimpuls zu Johannes 20,18 von Katharina Schöpflin

Thema: Ostern, ewiges Leben

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

Wir kämpfen mit den Gefühlen der Ohnmacht und der Fassungslosigkeit über den Krieg in der Ukraine. Während die weltpolitische Kriegsbühne uns medial in Atem hält, gibt es hunderttausende Schicksale, die uns durch Menschen auf der Flucht nahekommen. 

3 Dinge die du tun kannst, um zu helfen:

Beten

Als Christ:innen glauben wir an die Kraft des Gebets. Nicht weil Gott sonst nicht handeln würde oder es von uns braucht, um zu helfen, sondern weil im Gebet eine Kraft verborgen liegt, die unsere Vernunft und unsere logischen Systeme übersteigt. In aller Ohnmacht, Trauer und Wut ist Gebet das Erste, was wir tun können. Im Gebet verbinden wir uns mit Gott und seinem „Mittendrin-Sein“ dort wo Menschen leiden und in Angst nach ihm rufen. Wir verbinden uns mit einer Kraft, die bereits handelt und uns aufruft, mitzumachen.

Vielleicht als Jugendkreis oder in deiner Familie, als Gemeinde oder unter Freund:innen: Trefft euch und betet regelmäßig. Auch online gibt es einige Angebote für gemeinsames Gebet für Frieden und Menschen in Not.

Barmherziger Gott,
wir haben Angst vor dem Krieg, der so viel Leid bringen wird –
für Menschen in der Ukraine, in Russland und in ganz Europa.
Wir beten für all die Verantwortlichen in Russland, der Ukraine,
Belarus, den USA und der EU,
dass sie Wege aus der Eskalation finden.
Lass uns alle abrüsten mit Worten und Taten.
Erweiche die Herzen derer, die hart geworden sind.
Bewahre uns vor der Willkür der Mächtigen dieser Welt
und bringe sie zur Erkenntnis ihrer Grenzen.
Segne uns mit deinem Frieden, damit dein Friede sich auf Erden ausbreite!

Auszug aus dem Friedensgebet von der EKD, 24. Februar 2022

Organisieren

Als christliche Gemeinschaften, Gemeinden und Kirchen haben wir wichtige Ressourcen dieser Herausforderung zu begegnen: Wir sind schon organisierte Gruppen, wir haben Raum und wir sind bereit zu helfen.

Hier ein paar Ideen, wie ihr das tun könnt:

  1. Erstellt eine Messenger-Gruppe für alle aus eurer Gemeinde/Gruppe, die helfen möchten und tragt zusammen, was ihr an Ressourcen habt (Zeit, Güter, Wohnplätze).
  2. Tragt alles Wissen über regionale Hilfsinitiativen und Möglichkeiten zusammen und recherchiert, wenn nötig, nach weiteren.
  3. Kontaktiert eure regionalen Gemeindeverbände / Kirchenleitung und fragt, wo es vielleicht schon Möglichkeiten gibt zu helfen und ob sie schon Kontakt zu Behörden aufgenommen haben.
  4. Vernetzt euch mit Organisationen in eurer Stadt oder Region, die sich auf die Hilfe für Geflüchtete spezialisieren und fragt nach konkreten Nöten und wo sie Unterstützung gebrauchen könnten. TIPP: Schreibt ihnen wie viele ihr seid, was ihr anbieten könnt und bittet um konkrete Aufgaben, die ihr untereinander verteilen könnt.
  5. Kontaktiert die lokalen Behörden und Zuständigen, die für die Organisation der Geflüchteten zuständig sind und bietet ihnen Unterstützung in Form von Ehrenamt und  – wenn möglich –  Raum für Unterbringung an.
  6. Sammelt Kleidung, Dinge des täglichen Bedarfs, Spielzeug für Kinder. Wenn es schon Aufnahmestellen gibt, ruft vorher an und fragt nach, was gerade benötigt wird oder ob sie schon zu viel bekommen haben. Die Bereitschaft zu helfen ist insgesamt sehr hoch.
  7. Die Behörden können oftmals – wenn überhaupt  – nur für die grundlegenden Bedürfnisse sorgen: Unterkunft, Essen, Medizin. Menschen brauchen aber auch Beistand, Herzenswärme und offene Arme. Wenn sich in eurer Gegend ein Geflüchteten-Aufnahmeort etabliert, organisiert in Absprache mit der Leitung Besuchsdienste. Übersetzer:innen sind immer eine wichtige und knappe Ressource.

TIPP: Es gibt eine einfache bundesweite Liste, in welcher man Privatunterkünfte/ Unterbringungen anbieten kann: www.unterkunft-ukraine.de

Spenden

In diesen Tagen unter Beschuss benötigen die Menschen in der Ukraine und auch die Menschen auf der Flucht dringend und akut Hilfe zum Überleben.

Dieser Überblick zeigt euch, wer aus unserem Netzwerk gerade wie hilft und wie ihr ihre Arbeit finanziell unterstützen könnt: 

Neugierig auf mehr?

Jetzt reicht´s!
Online-Sammlung mit Ideen und Anregungen für dein Engagement für eine Welt, in der wir gut und nicht auf Kosten anderer Menschen und der Umwelt leben. weiterlesen

Aufgrund der aktuellen Situation haben wir hier ein paar Materialien zusammengestellt, die mit Krieg und Frieden zusammenhängen. Wir hoffen euch können die Einheiten und Bausteine für die Arbeit vor Ort mit der Zielgruppe helfen.

Ein Kurzimpuls zu Epheser 6,18 von Chris Pahl

Thema: Gebet, Fürbitte

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

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