Die Notwendigkeit eines Vertrages

Einheit | Ideensammlung
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Die Notwendigkeit eines Vertrages

Enthalten in:
Kategorie: Demokratiebildung, Feedback, Gespräch, Gruppendynamik
Thema: Freundschaft, Gebote, Gerechtigkeit, Vertrauen
Gruppengröße: bis 10, 10 – 20, 20+
Alter: ab 12
Anspruch für Leitung: herausfordernd
Anspruch für Gruppe: herausfordernd
Aufwand: mittel
Sozialform: Plenum
Zeitbedarf: 50 Min.
Verband: Praxisverlag buch+musik bm gGmbH
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Die Teilnehmenden erhalten eine personalisierte Stimmkarte und gestalten einen Prozess der Regelvereinbarung.

Material: 1 Karteikarte pro Person, Stifte, ggf. 1 Flipchart

Beschreibung

Bei der Methode geht es nicht um „richtiges“ oder „falsches“ Verhalten, sondern darum, dass die Gruppe eine Anweisung erhält, deren Umsetzung offen und frei gestaltbar ist. Die Methode besteht aus nur einer Anweisung, welche zu Beginn benannt wird, sowie einer Auswertung und Reflexion. Die Anweisung kann mündlich gegeben und/oder für alle sichtbar aufgeschrieben werden. Die Anweisung lautet lediglich: „Dort, wo nach 15 Minuten die meisten Karten sind, darf eine Regel verkündet werden, die bis zum Ende des Tages für die gesamte Gruppe gilt. Die Regel muss während des Tages unmittelbar umsetzbar sein und darf die anschließende Auswertung der Aufgabe nicht verhindern.“ Alles Weitere bleibt der Gruppe überlassen.

Anschließend werden die Teilnehmenden gebeten, mit der Aufgabe zu beginnen. Für den nun laufenden Gruppenprozess ist es wichtig, dass die Gruppe allein und unbeeinflusst agiert. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass es nicht zu körperlichen Auseinandersetzungen in der Aushandlungsphase kommt. Nach 15 Minuten wird überprüft, wo die meisten Karten sind, und die Person/Personen werden gebeten, die Regel zu verkünden. Diese wird für alle Teilnehmenden sichtbar auf einem Flipchart festgehalten. Im Anschluss beginnt die Auswertung.

Reflexion: In der Auswertungsrunde soll Folgendes thematisiert werden:

  1. Die emotionale Befindlichkeit der Teilnehmenden.
  2. Der Prozess bis zur Verkündung der Regel.
  3. Der Charakter der Regel.
  4. Die Verantwortung der Teilnehmenden für den Ablauf der Aufgabe.

Der offene Verlauf dieser Aufgabe stellt besondere Anforderungen an die Auswertung, da durch den unklaren Verlauf nicht vorher feststeht, was die Auswertung beinhalten wird. Es empfiehlt sich, die emotionale Befindlichkeit der Teilnehmenden in einer Runde der Methode „Blitzlicht“ aussprechen zu lassen.

Anschließend wird der Verlauf der Aufgabe betrachtet. Dabei spielen vor allem die unterschiedlichen Strategien, Verhaltensweisen und damit verbundenen Motive eine Rolle. In der Auswertung könnten Konflikte zur Sprache kommen, da die Verhaltensweisen der Teilnehmenden während der Aufgabe in der Regel sehr unterschiedlich wahrgenommen wurden. Deshalb sollten alle Teilnehmenden die Chance bekommen, ihre Perspektive darzulegen.

Im nächsten Schritt der Auswertung könnte der Charakter der Regel diskutiert werden. Dabei könnten folgende Aspekte von Interesse sein:

  • Die Klarheit der Regel.
  • Die Auswirkung der Regel auf die Teilnehmenden (oder andere betroffene Personen).
  • Die Bereitschaft der Teilnehmenden, sich an die Regel zu halten.

Daraus können allgemeinen Fragestellungen abgeleitet werden:

  • Wann werden Regeln eingehalten und wann nicht?
  • Welche Prozesse machen eine Regel oder ein Gesetz für die Betroffenen akzeptabel?

In den meisten Fällen stellen die Teilnehmenden sehr rasch selbstständig eine Verbindung zu gesellschaftlichen Vorgängen her. Diese können im Rahmen der Auswertung aufgenommen und mit den Teilnehmenden diskutiert werden.

Anwendungsbeispiel

Achtung: Das Verhalten während der Aufgabe ist durch eine Vielzahl von stillschweigenden, nicht geklärten Annahmen bestimmt. Beispielsweise denken manche Teilnehmenden, dass sie ihre Karte an jemanden anderen abgeben müssen oder dass sie, um das Spiel zu gewinnen, alle Karten in der Hand haben müssen. Die daraus entstehenden Verhaltensweisen sollten nicht bewertet oder verallgemeinert werden. Besser wäre es, zu reflektieren, wie sich diese Vorannahmen auf den Entscheidungsprozess ausgewirkt haben und wie sich diese Erfahrung auf gesellschaftliche Prozesse übertragen lässt.

  • Eine Methode aus: Ebinger, Thomas / Haller, Judith / Sohn, Stephan (Hg.): Tool Pool. 200 bewährte und neue Methoden für die Konfi- und Jugendarbeit, buch+musik, Stuttgart 2023
  • „Tool Pool“ – © 2023 Praxisverlag buch+musik, Stuttgart.
    Nutzung nur zur Vorbereitung und Durchführung der Inhalte dieses Buches gestattet.
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