Lärm im KopfLärm im Kopf

Einheit: Lärm im Kopf

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-45 Min. (Vorbereitung: 15-20 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene, Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Schulung
Redaktion: echt.

Bibelarbeit zu Markus 6,30-46 (mit Augenmerk auf Vers 45+46)

Thema

In unserem Leben ist immer etwas los. Hier ein Onlinemeeting, da ein Heimwerkerprojekt und gleichzeitig muss man auf Instagram up to date bleiben. Durch die Corona-Beschränkungen, sagt man, würden sich die Dinge entschleunigen. Doch ist das wirklich so? Vielleicht ist der Lärm der Stadt leiser geworden, doch wie sieht es mit dem Lärm in unserem Kopf aus? Haben wir noch Zeit für Stille und Gebet?

Erklärung zum Aufbau

Weil es wegen Corona noch immer schwer ist, sich im real life zu treffen, ist diese Bibelarbeit dafür ausgelegt, sie den Teilnehmern des Jugendkreises per Mail oder Post zuzuschicken. Diese können das Thema entweder alleine erarbeiten und in einem Online-Meeting wird im Nachhinein darüber gesprochen oder das Thema wird gemeinsam im Online-Meeting angegangen.

Zum Einstieg

Bevor du weiterliest, setze dich für 5 Minuten hin und schließe deine Augen. Versuche in der Zeit nichts zu machen und nichts zu denken.

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Nichts machen … das ist gar nicht so leicht.
Nichts denken … das ist doch unmöglich?!

Vermutlich ging es dir in den 5 Minuten ähnlich wie mir. Um meinen Verlauf zusammenzufassen:

Ich setze mich im Schneidersitz auf meinen Schreibtischstuhl, schließe die Augen und atme tief aus. Und los! Schon nach ein paar Sekunden kommen mir die ersten To-dos in den Kopf.
„Später ist noch ein Online-Meeting, darauf bist du noch gar nicht vorbereitet.“ „Du hast immer noch nicht auf die letzten paar WhatsApp-Nachrichten geantwortet.“ „Ach und übrigens, morgen hat Oma Geburtstag. Wieder mal kein Geschenk … hmm?“
Shit! Voll vergessen! Ich werde hibbelig und muss mich zurückhalten, nicht aufzuspringen, um nach einem Geschenk zu suchen. Eigentlich wollte ich doch nichts denken?! Ich versuche mich zu konzentrieren.
„Wenn du an nichts denken willst, auf was konzentrierst du dich dann? Konzentrierst du dich auf DAS NICHTS? Wenn man sich auf DAS NICHTS konzentriert, dann konzentriert man sich doch NICHT, oder? Konzentrierst du dich dann überhaupt noch?“
Langsam wird es suspekt. Es fühlt sich so an, als würden meine Gedanken gegen mich arbeiten. Ich konzentriere mich auf meine Atmung. Einatmen, ausatmen, einatmen, …
„Spürst du das Stechen in der Nähe deiner Leber? Fühlt sich an wie Seitenstechen. Da hat sich wohl jemand veratmet.“
Ich will doch einfach nur nichts denken und nichts machen … ist denn das so schwer?!
„Sag du es mir. Aber anscheinend schon.“
Ich denke jetzt einfach an ein schwarzes Loch. Das ist quasi nichts.
„Denk mal nicht an einen rosa Elefanten. Haaa! Du hast dran gedacht!“
Bitte … kannst du einfach ruhig sein?!
„Na gut. Ab jetzt bin ich ruhig.“
Danke.
„Bitte.“

„Musst du nicht aufs Klo?“

 
Vielleicht ist das ein Grund, warum ich nie nichts mache. Wenn man ungeübt darin ist, kann es viel anstrengender sein, als beschäftigt zu sein. Ich merke bei mir, dass ich jedes Mal nach dem Handy greife, sobald es in meinem Leben eine kleine Pause gibt. Sobald ich an der Bushaltestelle bin und warten muss, zücke ich mein Handy. Falls ich alleine in der Küche bin und etwas esse, schaue ich nebenher YouTube. Wenn ich mich nach einem langen Tag kaputt auf mein Bett werfe, öffne ich Instagram. Ich laufe vor der Stille davon und beschalle meinen Kopf dauerhaft mit Input.

Wie ist das in deinem Leben? Womit verbringst du deine Zeit? Gibt es in deinem Leben Platz für Stille? (Und damit ist nicht die akustische Stille gemeint, sondern Stille für deinen Kopf. Zeit, in der er keinen Input bekommt.) Hier hast du Platz, deine Gedanken aufzuschreiben:



Lies nun Markus 6, 30-46 (das Augenmerk soll hier vor allem auf den Versen 45+46 liegen).

In der Bibel können wir immer wieder davon lesen, dass Jesus sich in die Stille zurückgezogen hat. Am Morgen, nachdem er viele Menschen heilte, „verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort“ (Lk 4,42), bis er von den Menschen gefunden wurde. Nachdem er ein bisschen später einen Aussätzigen heilte, „zog [er] sich [wieder] an einen einsamen Ort zurück, um zu beten“ (Lk 5,16). Er verbrachte sogar einmal allein „die ganze Nacht im Gebet zu Gott“ (Lk 6,12) auf einem Berg.
Und was machte er nach der Speisung der 5000? Israel war zu dieser Zeit besetzt von den Römern. Viele Israeliten warteten auf den Messias, von dem sie hofften, er würde sie im Kampf gegen die Besatzungsmacht anführen. Jesus hatte soeben 5000 Menschen mit ein paar Fischen und Broten satt bekommen und war somit der Superstar (und vermutlich Kandidat Nummer 1 als Anführer im Kampf gegen die Römer). Doch anstatt die Menge gegen die Römer aufzuwiegeln und eine Revolution gegen die Unterdrücker zu starten, schickte er seine Jünger mit dem Boot schon mal voraus und sein Publikum nach Hause. Freiwillig verließ er das Rampenlicht, um alleine zu sein und zu beten (Mk 6,30-46).

Wenn ich das lese, finde ich es einfach nur erstaunlich. Jesus wurde in diesem Moment nicht größenwahnsinnig. Er dachte sich nicht: „So, jetzt muss ich noch das und das und das machen …“ Nein, er machte das krasse Gegenteil: Er suchte die Stille und die Begegnung mit Gott. Er richtete sich wieder neu auf Gott aus und war in stetigem Kontakt mit ihm.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, was das Lieblingsessen von Jesus war? Oder welche Hobbies er sonst so hatte neben Wundervollbringen? Was war seine Lieblingskleidung? Egal, wie sehr man in der Bibel danach sucht, man kann die Antworten nur vermuten. Dass Jesus aber allein irgendwo hingeht, um zu beten und bewusst die Stille sucht (was erstmal nicht so interessant scheint wie sein Lieblingsessen), steht gleich mehrmals in der Bibel.

Zeigt uns das nicht, wie wichtig es ist, sich für das Gebet zurückzuziehen? Einfach mal die ganzen Verpflichtungen, den Stress und das Handy beiseitezulassen. Wie Jesus sich aus dem großen Trubel zurückzuziehen und bewusst die Stille und die Begegnung mit Gott zu suchen.

Während der Corona-Beschränkungen habe ich immer wieder gehört, dass sie unseren Alltag entschleunigen würden. Doch ist das wirklich so? Bei mir kam nicht viel von dieser Entschleunigung an. Hier ein Online-Meeting, da eine Vorbereitung für ein coronakonformes Jungscharprogramm, irgendwo noch ein Haufen Matheaufgaben, zwischendrin ein paar Videochats und je mehr ich zu Hause war, desto mehr fiel mir auf, was ich alles ausmisten sollte. Auf einmal summieren sich so viele To-dos auf, dass man gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Das kann ziemlich an den Kräften zehren. Wenn ich dann mal nichts zu tun hatte, war ich am Handy oder schaute Netflix. Und Gott? Habe ich bei all dem Lärm in meinem Kopf noch ein Ohr für die Stimme Gottes gehabt?

Jesus wusste genau, woher er seine Kraft bekam. Nicht aus all der Geschäftigkeit oder den YouTube-Videos, sondern aus der Begegnung mit Gott, für die er sich in die Stille zurückzog. Jesus war (und ist) für seine Wunder bekannt, seine Kreuzigung und vor allem die Auferstehung. Doch wie bereitete er sich auf diese ganzen großen Taten vor? In der Stille im Gebet.

Wenn ich immer alles im Leben mitnehmen und nichts verpassen will, besteht die Gefahr, dass etwas ganz anderes – viel wichtigeres! – auf der Strecke bleibt. Nämlich das Gebet. Manchmal ist weniger mehr. Deshalb sollten wir immer wieder bewusst Pausen einlegen, in denen wir uns neu auf Gott ausrichten. Danach können wir dann wieder neu ausgerichtet und mit neuer Kraft durchstarten.

Challenge für die Woche

  1. Nimm dir Zeit für Stille, in der du Gott begegnen kannst.
  2. Probiere einmal aus, keinen Gebetsmonolog zu führen. Sei einfach still und gib Gott Platz, zu dir zu sprechen.
  3. Greife nicht zu deinem Handy, wenn du die Chance auf Stille hast. Wenn du auf den Bus wartest, warte einfach ohne am Handy zu sein. Wenn du auf der Toilette bist, nimm das Handy nicht mit. Oder wenn du beim Online-Unterricht eine Pause hast, dann gib deinem Kopf ebenfalls eine Pause, in der er keinen Input bekommt.

Alle Bibelangaben: Einheitsübersetzung 2016

  • Autor / Autorin: Daniel Siewert
  • © Deutscher EC-Verband