Wertschätzende Willkommens- und Verabschiedungskultur in einer Gruppe

Einheit | Hintergrund/ Grundsatz
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Wertschätzende Willkommens- und Verabschiedungskultur in einer Gruppe

Enthalten in:
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Mitarbeitende
Einsatzgebiet: Schulung
Verband: CVJM Westbund
Redaktion: KON
Zeitbedarf: 10-15 Min. (Vorbereitung: 5-5 Min.)
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Du kommst das erste Mal zu einer Gruppenstunde, weil dich deine Freundin eingeladen hat oder du von der Gruppenleiterin gefragt wurdest: »Hey, komm doch mal vorbei!«. Dein Puls steigt, viele Fragen schießen durch deinen Kopf und du willst auf keinen Fall etwas falsch machen oder als »Dummie« dastehen. Du entdeckst bekannte Gesichter, die Gruppenleitung nimmt dich auch nach kurzer Zeit wahr und kommt auf dich zu, sie heißen dich herzlich willkommen.

»Schön, dass du da bist!« – wer hört diesen Satz nicht gerne? Eine Wertschätzung »instant« und einfach so, weil die anderen sich echt freuen, dich zu sehen. Willkommen zu sein ist ein schönes Gefühl.

»Du bist willkommen!«

Das geht sogar online! Ich habe mich letztens getraut, in einen Livestream-Chat eines Hillsong-Germany-Gottesdienstes zu schreiben »Hallo, ich bin zum ersten Mal dabei.« Da gab es Teamer von der Kirche, die direkt positiv reagiert haben, mich willkommen hießen und mir das Gefühl von diesem Foyer-Moment gaben: Die Türen sind weit offen. Du wirst gesehen, man kommt mit strahlendem Gesicht auf dich zu und sagt: »Wie schön, dass du heute da bist!« – unbezahlbar.

Probier‘s doch mal: Falls es Livestreams von deiner Kirchengemeinde oder Verein gibt, dann sorge dafür, dass der Chat (wenn er offen ist) von zuvorkommender Freundlichkeit gefüllt ist! Begrüße die, die zum ersten Mal oder seit langem mal wieder da sind und zeige (mit Smileys 😉 ) deine Freude und deine offenen Arme. Fang zur Not einfach an mit Fragen, wer das erste Mal dabei ist, oder wo die Leute vorm Bildschirm sitzen.

Nach dem Eingangsbereich kommst du langsam in den Gruppenraum. Viele neue Eindrücke, Gesichter, vielleicht nimmst du den Geruch der Sofas oder der Chips wahr. Es folgt die Begrüßungsrunde oder sogar ein Kennenlernspiel. Dann hab keine Angst davor, dich vorzustellen – wer ist schon sauer, wenn eine Neue in die Gruppe kommt?!

Im Artikel »Welcome & Goodbye« gibt es viele gute Ideen für eine richtige Willkommensparty!

»Du darfst gehen!«

Wichtig ist: Es sollte Raum dafür sein – fürs Ankommen und fürs Weggehen!

Ein wertvoller Satz in meiner eigenen Geschichte ist »Du darfst gehen!«. Ich war seit den Teenager-Jahren in einer der Bands meiner Gemeinde. Es gab fast keinen Sonntag, an dem nicht irgendjemand nach dem Gottesdienst auf mich zukam und Dankbarkeit zeigte, das machte mich auch stolz. Es hat immer Spaß gemacht, Gott mit meinem Talent in meiner eigenen Gemeinde zu loben und dadurch auch mit den Bandmitgliedern die Gemeinschaft anzuleiten, Gott in der Musik zu begegnen.

Als ich wegen der Ausbildung etwas weiter wegziehen musste, konnte ich diesen Dienst nicht mehr übernehmen. Es gab meinen Abschieds-Sonntag, an dem der Pastor mich nach vorn holte und mir dankte und mich mit der Gemeinde sozusagen »ausgesandt« hatte. Ein großes Stück Wertschätzung für mich! Er signalisierte auch, dass es natürlich schade ist, dass ich gehen musste und es war für mich persönlich auch schwer, aber es war eine weise Entscheidung. Nach diesem Gottesdienst kam eine Freundin, mit der ich ab und zu Musik gemacht hatte, auf mich zu. Sie legte eine Hand auf meine Schulter, sah mir in die Augen und versicherte mir: »Du darfst gehen!«. Das tat gut und stärkte mich auch in dem Beschluss, diesen Dienst zu beenden.

Ein paar Monate später besuchte ich meine Heimatgemeinde wieder und an diesem Sonntag war »mein« Team dran. Erst da wurde mir so richtig bewusst: Die Hauptaufgabe einer Leiterin ist, sich überflüssig zu machen. »Mein« Team war so gut und es war schön, das Wachstum zu sehen.

Was lernen wir daraus? Aufgrund persönlicher, räumlicher oder gesundheitlicher Veränderungen kommt es ganz natürlich dazu, dass wir manche Aufgaben irgendwann abgeben müssen. Als Leiterinnen können wir Güte zeigen und Vertrauen schenken, Dankbarkeit und Wertschätzung an die erste Stelle setzen.

»Die Welt dreht sich auch ohne dich!« – ein Satz, der hart klingen, aber auch erleichtern kann. Es soll kein »Du bist nichts wert / wir brauchen dich eh nicht!« entstehen, sondern ein: »Du hast so gut mitgemacht, dass wir davon lernen konnten und jetzt auch selber machen können.«

Ein Negativ-Beispiel für das Weggehen:

In einem Verband gab es die Situation, dass eine Mitarbeiterin sich persönlich viele Gedanken über ihren Weggang gemacht hatte. Ihr Arbeitsumfang nahm zu, sodass sie bei kaum einer Veranstaltung noch mitwirken konnte. Zu den abendlichen Sitzungen konnte sie wegen des Schichtbetriebs auch nicht mehr kommen und sie verlor somit nach und nach den Kontakt zu allen Beteiligten. Irgendwann, als für sie die Zeit reif war, beschloss sie, eine Nachricht in die WhatsApp-Gruppe zu schreiben, in der sie ihre Entscheidung verkündete. Das kam für alle sehr plötzlich und niemand hatte darauf reagiert. Leider hat sie diese Nicht-Reaktion persönlich genommen und verließ alsbald die Gruppe. Sie ließ sich wegen dieser Verletzung auch nicht zu einer Verabschiedungs-Sitzung einladen und hat nur noch mit einzelnen sporadisch Kontakt.

Was lernen wir daraus?

A) Es gab offensichtlich Veränderungen bei der Teamerin, die keine/r aus der WhatsApp Gruppe mitbekommen hatte.

Tipp: Teile deine Gedanken mit und sag zuerst den Verantwortlichen (z. B. Vorstand / Gruppenleitung / Gemeindeleitung / Pastor*in), was dich bewegt, sobald du es merkst. Wenn etwas an der Situation veränderbar ist, sollten die Verantwortlichen mit dir im Gespräch sein, um die Gesamtsituation zu verbessern. Also melde dich nicht unvermittelt bei allen gleichzeitig mit einer krassen Entscheidung.

B) Der Kontakt fehlte, weil man sich »privat« nicht gesehen hat.

Tipp: Suche auch zwischen den Gruppenstunden und Meetings Kontakt zu den Teamerinnen/Leiterinnen. Vielleicht trefft ihr euch auch mal »einfach nur so«? Das gute Klima unter Freunden ist oft eine Energiebombe für gute Veranstaltungen/Gruppenstunden.

C) Alle waren überfordert, niemand reagierte.

Tipp: Als Gruppenleiterin ist es deine Aufgabe, solchen Nachrichten nachzugehen. (Einige Verantwortliche hatten sich in diesem Beispiel auch persönlich bei der Teamerin gemeldet, aber eben nicht in der Gruppe.) Erfrage die Hintergründe, suche das Gespräch unter vier Augen, halte das Vertrauen aufrecht. Sehr elegant ist es, wenn du dir deiner eigenen Fehler oder denen der Verantwortungspersonen bewusst bist und sie dir eingestehst.

D) Jetzt noch verabschieden?

Tipp: Ja. Es muss wenigstens versucht werden, dass eine offizielle Verabschiedung noch durchgeführt wird. Auch, um vor den anderen die gehende Person wertzuschätzen und, in dem Beispiel, die Person nicht einfach untergehen zu lassen.

Niemand darf einfach so verschwinden. Gerade im Ehrenamt hat jede/r Wertschätzung verdient, weil man Zeit, Energie, Kreativität Ideen und vieles mehr investiert.

Auch für eine Abschiedsparty findet ihr viele gute Ideen im Artikel »Welcome & Goodbye« aus der KON Redaktion.

In der Bibel trennen sich Barnabas und Paulus, weil sie einen Konflikt hatten. (Apg 14) Es wird nicht lange diskutiert (bzw. schreibt die Luther 2017 Übersetzung: »Sie kamen scharf aneinander«, V.39), aber das Problem wird genannt. Die Optionen werden klar und die Entscheidung ist simpel: Wenn wir nicht mehr dieselben Grundsätze, Ansichten und Werte haben, dann geht jeder seinen eigenen Weg. Sieh es mal positiv: Die beiden waren gemeinsam auf einer Missionsreise. Durch den Streit wurden daraus zwei Missionsreisen!

Was lernen wir daraus?

Konflikte können helfen, eine Situation zu klären. Das Gespräch ist aber wichtig, um die Optionen zu betrachten und sich gemeinsam für eine Lösung zu entscheiden.

  • Autor / Autorin: Anna Lange
  • © CVJM Westbund
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