Frei im Glauben an Christus – befreit zur LiebeFrei im Glauben an Christus – befreit zur Liebe

Frei im Glauben an Christus – befreit zur Liebe

Theologischer Artikel

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-90 Min. (Vorbereitung: 15-45 Min.)
Materialart: Theologischer Artikel
Zielgruppen: Jugendliche, Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene, Junge Erwachsene (18+), Mitarbeit, Mitarbeitende, Studenten
Einsatzgebiete: (Jugend-)Gottesdienst, Gruppenstunde, Predigtvorbereitung, Schulung
Redaktion: echt.

Theologischer Artikel zum Thema Freiheit und zu den Fragen Wenn Jesus und frei gemacht hat, wie mĂĽssten wir dann eigentlich leben? Was verstand Jesus unter dem Begriff Freiheit und was hat die Kirche draus gemacht?


Vorschau:

Eine Tür zur Freiheit öffnet sich schon dann, wenn wir einsehen, wo wir unfrei sind. Wer sich für frei hält, ohne es wirklich zu sein, wird sich kaum um Veränderung bemühen. Im Gegenteil, er kann sogar den Kerker der Unfreiheit, in dem er sich befindet, für Freiheit halten und als solche anpreisen.

Was aber verdient wirklich „Freiheit“ genannt zu werden?

Ute ist für alle da. Wo eine in Not ist, hilft sie. Um ganz für andere da zu sein, übergeht sie ihre eigenen Bedürfnisse total. Sie fühlt sich richtig gut, wenn sie sich für andere aufopfert. Aber: Ist das wirklich Freiheit? Es geht ihr nämlich ziemlich schlecht, wenn sie nicht erfolgreich helfen kann, wenn das Elend bleibt, wie es ist. Sie steht wie unter einem inneren Zwang, sie muss helfen, sie kann nicht anders: „Gott liebt mich nur, wenn ich anderen bis zur Selbstaufgabe helfe.“ Ihre Mutter lobte sie immer, wenn sie für andere Gutes getan hat.

Heinz verdient gut. Seine Frau und er haben sich darauf geeinigt, ein Drittel ihrer Einkünfte für missionarische und soziale Projekte zu opfern – Jesus erwartet doch radikale Nachfolge. Was für eine herrliche Freiheit im Materiellen! Und doch: Sie können sich und ihrer Familie nichts richtig gönnen, den Jahresurlaub können sie nicht genießen, da es doch so viele Menschen gibt, die nicht genug zum Leben haben. Freiheit? Unfreiheit?

In der Zeitung steht: „Er wählte den Freitod“. Was heißt das? Wörtlich verstanden: Er hat frei entschieden, wann er stirbt; er ist weder natürlich gestorben noch Opfer eines Gewaltdelikts geworden. Aber: Wer sich selbst umbringt, macht er das wirklich in Freiheit? Verschiedene und vielfältige Umstände und Gründe bewegen Menschen dazu, sich das Leben zu nehmen: untragbare und unzumutbar empfundene Belastungen, die die eigenen Kräfte übersteigen; die durch Alter oder Krankheit verlorene Fähigkeit, selbstbestimmt zu leben, und ganz auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein; Niederlagen, die man in den Augen der Mitmenschen und in den eigenen als furchtbar und zutiefst beschämend erlebt; psychische Erkrankungen; schwere Lebenskrisen … führen zum „Freitod“ – Freiheit?

Wie immer man auch urteilen mag, eins ist sicher: Wer den Freitod wählt und vollzieht, verliert mit eben dieser Tat seine Freiheit. Danach gibt es für ihn keine Freiheit mehr. Kritisch gefragt: Kann die Unfähigkeit, ein sehr schweres und hartes Schicksal anzunehmen und innerhalb der dadurch gesetzten Grenzen in Würde zu leben, – kann diese Unfähigkeit noch als Freiheit bezeichnet werden, und zwar selbst dann, wenn wir Verständnis für solch einen Schritt haben? Müssen nicht vielmehr diejenigen für wahrhaft frei befunden werden, die ihnen Vorgegebenes und Aufgegebenes akzeptieren und ihr Schicksal achten können? Gehört es nicht grundlegend zu unserem Menschsein, dass wir uns immer in einem bestimmten Rahmen vorfinden, innerhalb dem wir unser Leben gestalten müssen? Wir alle werden in eine bestimmte Zeit, in eine bestimmte Familie und Gesellschaft hineingeboren, mit allen Möglichkeiten und eben auch den damit verbundenen Begrenzungen. Unsere Freiheit ist immer nur relativ, nie absolut. Keinem ist jederzeit alles möglich. Wer grenzenlose Freiheit will, wer sich alle Möglichkeiten offen halten will, der wird dafür einen hohen Preis zahlen müssen: Er kann keine seiner Möglichkeiten ganz verwirklichen, weil das die jeweils anderen Möglichkeiten nicht zulassen. Und am Ende hat er weniger gelebt, als er hätte können.

Der Raum der Freiheit weitet sich erst dann vor uns, wenn wir den Traum einer absoluten Freiheit loslassen und uns mutig dafür entscheiden, vieles zu lassen, um das eine oder andere konkret zu leben. In dieser Selbstbegrenzung liegt in Wahrheit Freiheit. Nur wer frei ist, etwas zu lassen, kann anderes tun. Wir tun also gut daran, uns Gedanken zu machen über Freiheit und Unfreiheit und danach zu fragen, wie wir zu größerer Freiheit finden können und wodurch sie gefährdet wird.

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  • Autor / Autorin: Thomas Maier, Direktor der Evangelischen Missionsschule Unterweissach
  • © Deutscher EC-Verband