Mission Media: Digitale Barrierefreiheit

Stell Dir vor, jemand heißt Dich herzlich willkommen und versperrt Dir gleichzeitig den Weg! Nicht anders ist es, wenn wir online kommunizieren und Barrierefreiheit im digitalen Raum vergessen.

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites und digitale Dienste so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen genutzt werden können – unabhängig davon, ob sie körperliche oder geistige Beeinträchtigungen haben. Auch ältere Menschen, Personen mit Sprachbarrieren oder temporären Einschränkungen – etwa nach einem Unfall – profitieren davon.

Dazu gehört, dass sich eine Website auf dem Handy automatisch an den Bildschirm anpasst und ausreichend Farbkontrast und logische Struktur vorhanden ist. Untertitel in Videos, Alternativtexte für Bilder und einfache Sprache machen Inhalte zugänglicher. 

Wenn Du Dir die Grenzen und den Abbau derer immer wieder bewusst machst, wird es leichter, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken. Vieles ist schnell gemacht und dank KI wird die Umsetzung in Zukunft immer einfacher.

Wer Barrieren abbaut, zeigt: Alle sind willkommen! Ich finde es gerade im kirchlichen Kontext wichtig, dass niemand außen vor bleibt.

Prüfe doch mal Deinen nächsten Post! Wer kann ihn lesen, hören, verstehen – oder eben nicht?

Weiterführende Links:

Alle reden über Intelligenz – aber was meinen Psychologie und Informatik eigentlich damit? Für Psycholog:innen heißt Intelligenz: Aus Erfahrung lernen, Probleme lösen, Wissen in neuen Situationen einsetzen.

Einige Menschen sprechen von einer allgemeinen Intelligenz. Andere unterscheiden verschiedene Intelligenzarten – sprachlich, sozial, musikalisch usw. Allerdings: Intelligenz ist immer mit Bedeutung, mit Verstehen verbunden.

Für die Informatik bedeutet ‚Künstliche Intelligenz‘: Muster in Daten erkennen, Wahrscheinlichkeiten berechnen, Zuordnungen vornehmen. Ob regelbasiert oder mit Hilfe von neuronalen Netzen. Die KI versteht weder die Eingaben noch das, was sie ausgibt. Die Antworten haben nur eine bestimmte Wahrscheinlichkeit wahr zu sein.

Das Gehirn versteht Bedeutung. KI erkennt Muster. Beide wirken ‚intelligent‘ –  sie funktionieren aber sehr unterschiedlich. Wenn wir von künstlicher Intelligenz sprechen, werten wir den Menschen, der zu echter Intelligenz in der Lage ist ab und stellen ihn mit Maschinen auf eine Stufe, die letztlich nur statistische Berechnungen durchführen. Frage an deine Jugendgruppe: Wann handelt jemand wirklich intelligent – braucht es dafür nicht ein Bewusstsein, besser noch ein Selbstbewusstsein, über das KI-Systeme nicht verfügen?

Weiterführende Links:

https://www.die-tagespost.de/kultur/feuilleton/kuenstliche-intelligenz-bedeutet-nicht-kuenstliche-vernunft-art-250894?utm

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8108480

https://www.iks.fraunhofer.de/de/themen/kuenstliche-intelligenz.html

https://www.transcript-verlag.de/shopMedia/openaccess/pdf/oa9783839444689.pdf?utm

Stratmann, J.  (2025). Künstliche Intelligenz im interdisziplinären Dialog und ihre Potentia-le für die Hochschullehre aus einer lerntheoretischen Betrachtung. In Preiss, F., Reichle, H. & Wendorff , J. (Hrsg.), Dynamische Hochschule entwickeln – ein multiperspektivischer Ansatz. Waxmann

Einheit: Leben in Gemeinschaft

Wo ist mein Platz in der Gemeinschaft und wie kann ich ihn finden? Wo gerate ich an die Grenzen anderer Menschen und wie gehe ich mit Konflikten um?

Kein Mensch lebt für sich allein. Mit anderen zusammenleben, das bringt große Freude, kann aber auch zu Konflikten führen. Die Einheit widmet sich der Frage, wie Individuen, einzelne Ichs, mit ihren Stärken und Schwächen, Freiheiten und Grenzen zu einer Gemeinschaft finden können und welche Hürden sie auf dem Weg dorthin überwinden müssen. Zusammenleben, das ist sowohl im Kleinen, in der Familie, im Verein oder in Schulklassen als auch im gesellschaftlichen großen Rahmen relevant. Konflikte, so unsere Überzeugung, gehören mit zum Leben in Gemeinschaft dazu. Sie weisen uns auf unsere Grenzen hin, eröffnen aber im besten Fall auch Möglichkeiten, wie wir besser und anders miteinander umgehen können. Deshalb lohnt es sich, dass sich Jugendliche auch mit diesen scheinbaren Schattenseiten der Gemeinschaft auseinandersetzen und daraus Ideen für einen guten Umgang mit ihnen finden lernen. Weil sich über Zusammenleben viel reden lässt, aber zwischen Sagen und Tun häufig ein großer Unterschied liegt, geht es uns um das Erleben. Deshalb werden in dieser Einheit viele erlebnispädagogische Elemente eingebracht. Zwei Wege zur Gemeinschaft scheinen dabei zielführend: der Beginn bei der kritischen Selbstreflexion, die sich vor der Offenlegung von Unvollkommenheiten nicht scheut, und die Einübung in den Umgang mit der Andersartigkeit des anderen.

Was Jugendliche mitbringen

Vom ersten Tag ihres Lebens an sind Menschen in ein Geflecht von Beziehungen zu anderen Menschen eingebunden. Als Jugendliche sind Menschen dann in der Lage, sich auch kritisch und distanzierend mit dem Beziehungsgeflecht, das sie umgibt, auseinanderzusetzen. Gleichzeitig erleben Jugendliche in ihren unterschiedlichen Lebens- und damit Beziehungskontexten wie z. B. in Schule, Familie und vor allem im Freundeskreis, wie existenziell Beziehungen für ihr Leben sind.

Das Zusammenleben in einer Gesellschaft ist nicht nur harmonisch. Diese Erfahrung bringen auch Jugendliche mit. Täglich erleben sie große und kleine Konflikte mit Eltern, Lehrern, Geschwistern, Freunden. Die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung und die Angst vor dem Gefühl (im realen und virtuellen Leben) nicht dazuzugehören und als Außenseiter oder Außenseiterin nicht akzeptiert und damit sozial isoliert zu werden, kennen sie. Die Erfahrung, sich fremd zu fühlen – in der neuen Klasse, während eines (schulischen) Auslandsaufenthalts, im Umgang mit dem eigenen Körper –, ist für Jugendliche gut nachzuvollziehen. Unserer Erfahrung nach prägen diese Gefühle das Erleben und Verhalten von Jugendlichen stark. Daher greifen die Methoden dieser Einheit auf spielerische Weise diese Erfahrungen auf (Dilemma live). Eng verbunden mit den geschilderten Emotionen ist die Frage, wer man ist und wie man in diese Gesellschaft passt. Weitere Methoden zu diesem Themenkomplex finden sich im Kapitel „Wer bin ich?“. Ein Selbstbild zu formen, das für einen selbst und für die Welt gut ist – auf diesem Wege können Jugendliche begleitet werden. Ein konstruktiver und positiver Umgang mit Konflikten kann dazu beitragen, diese Entwicklungsaufgabe erfolgreich zu bewältigen.

Auch eine Tagung oder Freizeit ist kein konfliktfreier Raum. Unsere Erfahrung ist deshalb, dass bereits vor der Tagung/Freizeit vorhandene Gruppenkonflikte und/oder auf der Tagung selbst entstandene oder entstehende Konflikte stets im Blick behalten und bearbeitet werden sollten.

Was wir Jugendlichen mitgeben wollen

Die vorliegende Einheit „Leben in Gemeinschaft“ beschäftigt sich mit der Gruppe als Einheit, mit der Zusammenarbeit ihrer Mitglieder und deren Zusammenhalt, aber auch mit ihren Konflikten und Prozessen der Auseinandersetzung. Dabei soll die Sicht des Einzelnen auf die Gruppe und seine Position und Rolle in der Gruppe nicht zu kurz kommen. Voraussetzung dafür ist die Annäherung an die eigene Rolle im Beziehungsgeflecht. Dazu beschäftigen sich die Jugendlichen reflektierend und spielerisch mit ihrem Selbstbild und erhalten Rückmeldung über die Wahrnehmung der anderen (siehe Kapitel „Wer bin ich?“). Sie sollen darüber nachdenken, wie Selbstbild und Fremdbild zustande kommen und ob und inwiefern sie bereit sind, ihr Bild von sich und anderen zu verändern. Ein positives Erleben der eigenen Rolle stärkt auch die Gemeinschaft. Die Frage nach der Rolle oder Position innerhalb der Gemeinschaft kann z. B. durch erlebnispädagogische Spiele bearbeitet werden.

Gruppen, die sich mit dieser Themeneinheit beschäftigen, tun das meist nicht ohne Grund. Häufig brechen auf den Tagungen Konflikte auf, die schon vorher unterschwellig existierten. Die Mitarbeitenden haben die wichtige Aufgabe, Konflikte zur Sprache zu bringen und zu moderieren. Elementar sind in diesem Zusammenhang eine solide Vertrauensbasis in der Gruppe und eine hohe Sensibilität im Erkennen und Thematisieren von Konflikten. Die Lösung von lange schwelenden Konflikten ist im Rahmen einer Freizeit/Tagung in aller Regel nicht möglich. Eine Tagung gibt aber den Rahmen, Dinge zur Sprache zu bringen, damit der Weg der Klärung angetreten werden kann. Aber auch funktionierende und gut zusammenarbeitende Gruppen können von den Bausteinen profitieren, gestärkt und unterstützt werden.

Die Rolle der Mitarbeitenden

Mitarbeitende stellen mit ihrem Handeln Orientierungspunkte für die Jugendlichen dar. Sie sollten deshalb im Blick behalten, dass ihr Handeln in der Gruppe und damit auch ihr Umgang mit Konflikten von den Jugendlichen sehr genau beobachtet werden. Nicht nur Jugendliche kennen die Angst vor der sozialen Isolation. Auch als Mitarbeiterin und Mitarbeiter möchte man „sympathisch rüberkommen“ und einen Draht zu den Jugendlichen aufbauen. Unserer Erfahrung nach gelingt dies am besten, wenn die Mitarbeitenden dabei authentisch und damit glaubwürdig bleiben. Dies bedeutet auch, als Mitarbeitende zu unseren Schwächen zu stehen und um Vergebung bzw. Entschuldigung bitten zu können.

Manches Mal brechen in außeralltäglichen Situationen wie einer Tagung oder Freizeit bereits im Vorfeld schwelende Konflikte auf. Der Umgang mit diesen erfordert von den Mitarbeitenden ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, kritischer Selbstprüfung (Bin ich der richtige Ansprechpartner / die richtige Ansprechpartnerin?) und Sensibilität für die Bedürfnisse der am Konflikt Beteiligten.

Der Bezug zum Glauben

Der christliche Glaube fußt im Vertrauen darauf, dass unser Leben auf eine Gemeinschaft hin ausgelegt ist. Gott sucht den Menschen, weil er in eine Beziehung mit seinem Geschöpf treten möchte. Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Der gemeinsame Glaube an einen sich den Menschen zuwendenden Gott stiftet rückwirkend auch wieder Gemeinschaft zwischen den Menschen. Das Neue Testament findet dafür das Bild eines Leibes mit vielen Gliedern (1. Kor 12). Aber auch innerhalb dieses Leibes, dieser Gemeinschaft gibt es Streit, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. Dennoch hoffen wir darauf, dass es in diesem Leib mit seinen vielen unterschiedlichen Gliedern auch immer wieder Vergebung, Versöhnung, Akzeptanz und einen respektvollen Umgang mit (andersgläubigen) Mitmenschen geben kann, weil Gott, der Versöhnung möglich macht, diesen Leib „zusammengesetzt“ hat.

Leider weckt der Gedanke an Religion im Kontext von Konflikten auch viele negative Assoziationen. Das Thema des Glaubens als Ursache von Krieg und Gewalt sollte deshalb ebenfalls angemessen aufgegriffen werden.

Wir vertrauen darauf, dass gelingendes Leben in Gemeinschaft, trotz aller Unvollkommenheit dieser Welt, möglich ist. Deshalb wollen wir dazu ermutigen, die eigenen Haltungen, Überzeugungen und Handlungen immer wieder kritisch zu reflektieren. Dabei dürfen wir darauf vertrauen, dass Vergebung jederzeit möglich ist.

Der rote Faden im Thema

Die Idee dieser Themeneinheit ist der Weg vom „Ich“ zum gelingenden „Wir“. Jugendliche üben zunächst in einer ersten Phase, Bedürfnisse von sich und anderen wahrzunehmen als essenzielle Voraussetzung für den Umgang mit Konfliktsituationen.

Zunächst wird die Eigenwahrnehmung, die eigene Rolle in der Gruppe betrachtet. Methoden, die das Selbstbild des oder der Einzelnen stärken und ihn oder sie für seine eigene Wahrnehmung sensibel werden lassen, eignen sich deshalb besonders zu Beginn dieser Themeneinheit. Die eigene Rolle in der Gruppe lässt sich besonders eindrücklich bei erlebnispädagogischen Spielen erfahren, die sowohl Zusammenarbeit (z. B. Hausbau der Kulturen) als auch Konflikte (Menschenschach) thematisieren. Auch andere hier nicht erwähnte kooperative oder konfliktlösende Spiele/Übungen aus der Erlebnispädagogik können eingebaut werden. Wir empfehlen den Balltransport oder eine andere kooperative Übung aus der Erlebnispädagogik.

Davon ausgehend wird anschließend in einer zweiten Phase die Wahrnehmung eigener, aber auch fremder Bedürfnisse untersucht, die beim Aufeinandertreffen verschiedener Gruppen durchaus im Widerspruch stehen und zu Konflikten führen können. Das Interkulturelle Mau-Mau eignen sich als Methoden dafür sehr gut. Im Dilemma live kann dann umgekehrt auch hautnah erfahren werden, wie eine Gruppe den Einzelnen beeinflussen kann. Abschließend soll theoretisch im Gespräch und praktisch in Rollenspielen erprobt und reflektiert werden, wie sich Konflikte bewältigen lassen.

Landtagswahl in Baden-Württemberg – und wieder einmal müssen wir über Medien sprechen. Warum? Ganz einfach: Weil junge Menschen heute vor allem online entscheiden, wem sie vertrauen!

Am 8. März wird der baden-württembergische Landtag gewählt und zum ersten Mal dürfen auch 16- und 17-Jährige ihr Kreuzchen setzen. Viele von diesen jungen „Neuwähler:innen“ informieren sich über die sozialen Medien, stolpern dabei über Wahlwerbung, Memes, Meinungen und Desinformation. Und genau da kommst du ins Spiel. Du musst kein Medienprofi sein, um junge Menschen auf ihre demokratische Teilhabe vorzubereiten, aber du kannst ihnen helfen, den Überblick zu behalten.

Hier kommen drei einfache Tipps, wie du Jugendliche im digitalen Raum fit für die Wahl machen kannst:

1. Nicht alles verteufeln, was auf Social Media passiert. Viele politische Infos, Meinungen und Diskussionen gelangen zu jungen Menschen heute über Instagram, TikTok oder YouTube. Frag doch einfach mal: Welche politischen Inhalte bekommt ihr eigentlich in eurem Feed angezeigt – und welche Reaktionen rufen sie bei euch hervor? Was spricht euch an, was nicht? Was weckt Begeisterung, was lässt euch kalt, was ärgert euch vielleicht auch?

2. Gemeinsam hirnen statt alleine predigen. Schaut gemeinsam unterschiedlichen politischen Content an und stellt dabei diese Fragen: Wer spricht oder schreibt? Was wird gesagt? Und was will die Person oder die Partei mit diesem Inhalt bezwecken?

3. Fake News entlarven. Zeig den Menschen, mit denen du unterwegs bist, einfache Faktencheckseiten wie „Korrektiv“, „Mimikama“, „Quellencheck“ oder die Angebote der Zentralen für politische Bildung. Das regelmäßige Prüfen von Inhalten fördert oft erstaunliche Ergebnisse zutage. Menschen vergessen leicht, dass man auch deutlich schlauer lügen kann als so mancher US-Politiker mit roter Basecap.

Und ganz wichtig bei alledem: Am besten, soweit es geht, neutral bleiben. Deine Aufgabe sollte nicht sein, Meinungen anderer zu formen, sondern Räume zu öffnen, in denen Jugendliche und junge Erwachsene valide Informationen erhalten, ein sprachfähiges Gegenüber erleben und so eine Grundlage schaffen können für die Entwicklung von eigenen Standpunkten. Das heißt natürlich nicht, dass du zum rückgratlosen Werkzeug werden musst. Wenn es um Spaltung, Menschenfeindlichkeit und Hetze geht, sind nämlich klare Worte von Bezugspersonen unerlässlich. Gerade wenn man als Christ oder Christin in dieser Welt unterwegs ist, steht man hier – meiner Auffassung nach – in einer ganz klaren Verantwortung.

Weiterführende Links:

Jugendgerechtes Erklärvideo zum Ablauf der Landtagswahl in BW 2026 von der Landeszentrale für politische Bildung.
https://www.youtube.com/watch?v=3r2jby0Lpzc

Gruppenstunden-Entwurf zum Thema Landtagswahl BW 2026 vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg.
https://www.jugendarbeit.online/dpf_thema/nutze-deine-stimme/

Seite zur Kampagne „Spaltung Sucks“ vom Landesjugendring BW – Für Zusammenhalt und Solidarität in Baden-Württemberg.
https://spaltung-sucks.de

Wahlprogramm-Check der antretenden Parteien für die Landtagswahl BW 2026 vom Landesjugendring BW.
https://www.ljrbw.de/kampagnen/visionen-2026-bis-2031/detail/wahlprogramm-check-zur-landtagswahl-2026

Gestaltungsvorlagen für Jugend-Bildungs-Einheiten zum Thema Landtagswahl BW 2026 von der „Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg“ (SKJB).
https://kinder-jugendbeteiligung-bw.de/angebote/wahlalter-16/landtagswahl-bw-2026/

Sonderseite der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Landtagswahl BW 2026 inklusive Kampagnen-Templates („Für Alle – mit Herz und Verstand“).
https://www.elk-wue.de/gesellschaft/landtagswahl-2026#c84127

Erstwähler-Guide der Initiative „Medien-Fokus BW“.
https://www.medienfokus-bw.de/landtagswahl-2026-ein-guide-fuer-erstwaehler/

Wahl-O-Mat zur Landtagswahl BW (Zwar nicht explizit für Jugendliche – aber sehr verständlich formuliert).
https://wahl-o-mat.de/bw2026

Einheit: Zeit

Wofür setze ich meine Zeit ein? Wofür würde ich mir gern mehr Zeit nehmen? Wie kann ich meine Zeit gut einteilen? Wie kann ich lernen, gut mit Stress umzugehen?

Oft erwarten die Jugendlichen, von einer Tagung/Einheit „Meine Zeit“, ein Stressbewältigungsseminar. „Wie kann ich lernen, besonders schnell ‚runterzukommen‘, zu entspannen, um neue Kraft und Energie zu gewinnen, um noch schneller und effizienter arbeiten zu können?“ oder „Wie kann ich meine Zeit noch effizienter nutzen, noch besser vorankommen?“ sind häufig gestellte Fragen.

Diese Einheit hat jedoch eine andere Schwerpunktsetzung, die auf zwei Grundpfeilern ruht:

  • Wofür man seine Zeit einsetzt, hat viel mit Identität zu tun: was einem wichtig ist, wo man investieren möchte, wie die persönlichen Prioritäten liegen.
  • Was als „Stress“ empfunden wird, ist subjektiv. Oft stressen äußere Faktoren wie die Erwartungen der anderen (vielleicht der Lehrer oder der Eltern), manchmal auch innere Faktoren wie das Gefühl, nur durch Leistung etwas wert zu sein.

Was Jugendliche mitbringen

Viele Jugendliche erleben ihren Alltag als stressig. Daher kann mit dem Thema „Meine Zeit“ eng an die Erfahrungswelt der Jugendlichen angeknüpft werden. Zu den Stressfaktoren
zählt häufig die Schule: Etliche leben unter einem enormen Leistungsdruck, den sie sich selbst aufbauen oder der von anderen an sie herangetragen wird. Der Lebenslauf
sollte möglichst perfekt, geradlinig und lückenlos verlaufen – so ist es oft zu hören. Insbesondere Jugendliche vor dem Abitur klagen häufig über die hohe Arbeitsbelastung.

Manche Jugendliche erfahren sich auch als fremdbestimmt. Sie haben viele Verpflichtungen – sowohl in der Schule als auch außerhalb – und hätten gern mehr Zeit für Hobbys und Freundschaften. Andere hingegen würden am liebsten den ganzen Tag chillen und reagieren genervt auf Anforderungen und vorgegebene Aufgaben.

Auf der anderen Seite bringt die heutige Zeit auch viel Freiheit in der Lebensgestaltung mit sich. Dies geht allerdings mit der Verantwortung einher, selbst Prioritäten zu setzen, sein Leben zu gestalten und gut mit der zur Verfügung stehenden Zeit umzugehen. Nicht alle Jugendlichen können gut mit dieser Freiheit und Verantwortung umgehen.

Ein wichtiges Thema ist außerdem der Umgang mit Medien und mit der kommunikativen Vernetzung, die dadurch möglich ist: Viele Jugendliche sind permanent online, immer erreichbar und ständig zur Kommunikation bereit. Zeit für sich zu haben und das Smartphone für einen bestimmten Zeitraum abzugeben (kann in Absprache mit den Jugendlichen angeboten werden) kann für einige eine neue und eindrückliche Erfahrung sein.

Was wir Jugendlichen mitgeben wollen

Die in dieser Einheit vorgestellten Methoden haben nicht zum Ziel, dass die Jugendlichen effektiver und zielgerichteter in ihrer Zeiteinteilung werden. Vielmehr sollen sie dazu angeregt werden, sich Gedanken über die eigene Person, die eigenen Wünsche und Prioritäten im Leben zu machen. Sie sollen ein Gespür dafür bekommen, wofür sie im Alltag wieviel der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit einsetzen. Dieser „Realitäts-Check“ kann dann mit dem Wunschbild abgeglichen werden. Oftmals erschrecken die Jugendlichen über die Abweichungen und über manche Zeitfresser wie z. B. Computerspiele, Smartphone usw. In manchen Gruppen kann es sich anbieten, dass sich die Jugendlichen am Ende der Tagung zwei oder drei konkrete Vorsätze mitnehmen, um besser mit ihrer Zeit umzugehen und mehr Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung zu übernehmen.

Beim Thema „Meine Zeit“ ist auch der Umgang mit Stress zu berücksichtigen, da sich viele Jugendliche gestresst fühlen. Die Mitarbeitenden sollten darauf achten, dass der von den Jugendlichen empfundene Stress ernst genommen wird. Zugleich sollte deutlich werden, dass Stress zunächst einmal subjektiv ist. Stressoren sind oft Erwartungen, Leistungsdruck oder Versagensangst. Stress hat bis zu einem gewissen Maß zunächst einmal auch positive Auswirkungen, z. B. nimmt die Leistungsfähigkeit zu. Ab einem gewissen Maß und einer bestimmten Dauer wirkt sich Stress jedoch negativ aus, insbesondere wenn er mit Schlaflosigkeit, Angstzuständen oder Ähnlichem einhergeht. Ziel sollte deshalb zunächst einmal sein, ein Gespür für das eigene Stresslevel zu bekommen. Anschließend kann dann Raum dafür gegeben werden, dass die Jugendlichen den verschiedenen Stressoren in ihrem eigenen Leben nachgehen und sich die Frage stellen, woran es liegen könnte, dass sie gerade an dieser Stelle und Situation Stress empfinden. Hier kann das Thema „Erwartungen“ eine wichtige Rolle spielen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Jugendlichen Strategien zu entwickeln, wie sie mit dem empfundenen Druck umgehen können. Wichtig ist in diesem Kontext auch die Frage, wie Freiräume und Pausen geschaffen werden können. Den Jugendlichen sollte das Gefühl gegeben werden, dass sie der Zeit nicht nur ausgeliefert sind, sondern dass sie selbst mitbestimmen und Schwerpunkte setzen können. In manchen Fällen kann hier auch ein Einzelgespräch mit einem Mitarbeitenden sinnvoll sein.

Insgesamt sollte die Einheit zum Thema „Meine Zeit“ den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich sowohl in der Gruppe, als auch individuell mit dem Thema auseinandersetzen zu können.

Die Rolle der Mitarbeitenden

Die Mitarbeitenden sollten auf jeden Fall für Gespräche und eventuelle Seelsorge zur Verfügung stehen, da beim Umgang mit dem Thema Ängste und Verletzungen aufbrechen können. Wichtig dabei ist, dass sie die Stresssituationen, die die Jugendlichen einbringen, ernst nehmen.
Auch für die Mitarbeitenden selbst kann eine solche Tagung stressig sein. Unvorhergesehene Zwischenfälle kann es viele geben. Gut ist es deshalb, wenn sich die Mitarbeitenden im Vorfeld selbst Gedanken zu den eigenen Stressoren und ihrem Umgang mit Zeit gemacht haben.

Der Bezug zum Glauben

Das eigene Leben und die zur Verfügung stehende Zeit sind ein kostbares Geschenk Gottes. In diesem Bewusstsein kann eine Wertschätzung und eine Dankbarkeit für das eigene Leben gelernt werden. Passend ist in diesem Kontext das Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Peter Strauch). Zudem kann Raum für Meditation und Gebet gegeben werden.

Viele Jugendliche sehnen sich nach einem Freiraum, nach einem Ort, an dem sie sein können, wie sie sind, nach einem Platz, an dem sie einfach da sein können und angenommen werden und sich nicht beweisen müssen. Jesus Christus nimmt jede und jeden an und liebt bedingungslos. Er misst nicht am Erfolg, macht keinen Leistungsdruck. Mit allen Problemen können die Jugendlichen zu ihm kommen. Im Glauben kann ein solcher Zeit- und Freiraum erfahren werden. Der Glaube bietet die Möglichkeit, aus dem vielen Tun des Alltags auszusteigen und beim Sein anzukommen, alle Stressoren ruhen zu lassen und so mehr zu Gott und zu sich selbst zu finden.

Der rote Faden im Thema

Als spielerischer und bildhafter Einstieg eignet sich die Methode Traum-Zeit – Alltags-Zeit. Es bietet sich an, mit der Methode Stress-Barometer zur Bestimmung des persönlichen Stresslevels fortzufahren. Die Jugendlichen können so zu Beginn der Einheit ein Bewusstsein dafür entwickeln, ob und durch was sie sich gestresst fühlen. Es können gut einige Stress-Spiele folgen, die den Jugendlichen helfen, sich selbst in einer Stresssituation zu erleben. Dies kann auch eine Grundlage für die weitere Arbeit bieten. Anschließend können sich die Jugendlichen mit ihrer persönlichen Zeiteinteilung befassen. Hierbei helfen Zeit im Glas sowie der Workshop Zeitmanagement. Das Ressourcen-Karussell stellt verschiedene Möglichkeiten zur Entspannung und zum Umgang mit Stress vor und eignet sich als Abschluss der Einheit/Tagung. Es kann sich eine Reflexionsrunde anschließen.

Die Schönheit der Teilhabe

Ein Kind steht auf einem Hocker in der Küche, neben dem dampfenden Topf. Der Duft von Tomatensauce liegt in der Luft. „Willst du mal probieren?“, fragt eine*r der Erwachsenen – und das Kind nimmt den Löffel, pustet, kostet. Dann kommt dieser Satz, zögerlich, aber bestimmt: „Da fehlt noch Salz.“ 
Die Erwachsenen halten inne. Schauen sich an. Und sagen: „Stimmt. Mach du mal.“ Das Kind greift zur Salzdose, streut vorsichtig, rührt um. Noch mal probieren. Jetzt ein Nicken. „Genau richtig.“

In diesem kleinen Moment liegt eine tiefe Erfahrung: Ich habe etwas bemerkt, etwas benannt – und es wurde ernst genommen. Noch mehr: Ich habe das Ergebnis verbessert.

Die meisten von uns kennen solche Momente aus der eigenen Kindheit oder Jugend. Situationen, in denen ich mich plötzlich nicht mehr klein fühle, sondern gesehen und gehört. Vielleicht war es die Auswahl des Kinofilms im Freundeskreis oder ein Vorschlag bei einer Gruppenfahrt, der angenommen wurde. Solche frühen Erfahrungen von Beteiligung sind mehr als schöne Erinnerungen. Sie prägen das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit – und damit die Bereitschaft, sich auch später im Leben einzubringen. Besonders in der Jugendzeit kann solche Wirksamkeit zu einem regelrechten Funkenflug werden: das erste Engagement im Verein oder in der Gemeinde, eine Protestaktion, eine Idee, die im Freundeskreis Kreise zieht.

Partizipation ist keine Belastung, sondern ein Geschenk – für jede Generation. Menschen wachsen zu sehen, ist wunderschön. Natürlich für diejenigen, die etwas ausprobieren, Mut beweisen und aufblühen. Aber genauso für die Ermöglicher*innen, die Raum geben und ­Vertrauen schenken.

Umbruch und Aufbruch

Kirche steht heute vor echten Erschütterungen. Die Herausforderungen sind vielfältig und existenziell: Die Mitgliederzahlen sinken kontinuierlich, finanzielle Spielräume werden enger. Gebäude – jahrzehntelange Identitätsorte – stehen zur Disposition. Das schmerzt und es verunsichert auch.

Gleichzeitig wirkt Kirche auf viele junge Menschen wie aus der Zeit gefallen. Formate, Sprache, Entscheidungswege – das ist nicht ihre Lebensrealität. Sie erwarten Transparenz, Mitsprache, Sinn – zu Recht übrigens. Hinzu kommt die wachsende gesellschaftliche Komplexität: Klimakrise, globale Ungleichheiten, Fragen von Vielfalt und Zusammenhalt fordern heraus, Stellung zu beziehen und gleichzeitig Räume für ein gemeinsames Ringen zu öffnen.

Partizipation ist hier keine Option, sondern die Antwort. Ein Weg, mit den Umbrüchen konstruktiv umzugehen. Beteiligung schafft neue Verbindungen, verlagert Verantwortung auf viele Schultern – und kann helfen, nicht nur Gebäude, sondern auch Haltungen und Strukturen neu zu denken. Es geht um die Bewältigung von Komplexität, um veränderte Denk- und Handlungsweisen. Heraus aus den oft noch hierarchischen Mustern, weg vom „Das haben wir schon immer so gemacht“.

In der Umsetzung von Beteiligung stecken große Chancen für die Kirche. Im Erfolgsfall werden erhebliche neue und zusätzliche Energien und Potenziale freigesetzt. Teilhabe bleibt dabei ein Change-Projekt mit allen damit verbundenen Anforderungen, Erfordernissen und Reibungspunkten.

Verstehbar. Handhabbar. Sinnvoll

Die Transformationsforscherin Maja Göpel beschreibt, wie bedeutsam ein sogenanntes Kohärenzgefühl ist – gerade in Zeiten des Umbruchs, der Unsicherheit oder der gesellschaftlichen Komplexität. Um sich in solchen Zeiten sicher und handlungsfähig zu fühlen, braucht es drei Dinge:

Verstehbarkeit: Ich kann die Welt um mich herum grob einordnen, erkenne Muster, Ursachen und Wirkungen. Wenn junge Menschen zum Beispiel nachvollziehen, warum ein Gremium eine Entscheidung trifft, stärkt das ihre Orientierung. Und wenn sie merken, dass ihre Fragen ernst genommen werden, wachsen Verständnis und Vertrauen.

Handhabbarkeit: Ich habe Zugang zu wirksamen Aktivitäten. Ich kann etwas tun – und das, was ich tue, zählt. Beteiligung heißt hier: Ich darf mich mit meinen Möglichkeiten ­einbringen, werde gehört, kann Einfluss nehmen.

Sinnhaftigkeit: Mein Beitrag lohnt sich. Ich bin nicht allein, andere engagieren sich auch. Wir sitzen im selben Boot. Gerade für junge Menschen ist dieses Gemeinschaftsgefühl entscheidend: dass man sich gemeinsam für etwas einsetzt, für eine Sache, die größer ist als man selbst – und dabei nicht ausgelacht oder übergangen wird (vgl. Göpel 2024).

Kraftquelle Beteiligung

Wenn Beteiligung gelingt, kann sie in den Flow führen – jenes Gefühl der völligen Vertiefung in eine Aufgabe (vgl. Csíkszentmihályi 1992). In solchen Momenten spürt man: Ich bin genau am richtigen Ort, tue genau das Richtige, in einer Gruppe, die gemeinsam etwas bewegt. Diese Lebendigkeit zeigt sich in Kreativität, Tatkraft, Ausdauer, Intuition, Präsenz, Ehrlichkeit, Spontanität, Freude, Entschlossenheit, Mut, Demut – und tiefer Verbundenheit. Lebendig, wach und wirksam – so träume ich von Gremien und Teams.

In meinen Erfahrungen mit Teamarbeit haben mir einige innere Entscheidungen geholfen, gut mit Menschen zusammenzuarbeiten, mit denen ich zumindest für eine Wegstrecke (z. B. eine Wahlperiode) unterwegs bin. Daher versuche ich, Folgendes zu leben:

  • Ich gehe davon aus, dass Menschen kompetent,
  • leistungsfähig und vertrauenswürdig sind.
  • Ich frage mich immer wieder: Was ist mein Beitrag zur gemeinsamen Aufgabe?
  • Ich bin bereit, Macht und Status abzugeben, wenn es der Sache dient.
  • Meine Bedeutung ergibt sich aus meinem Beitrag,
  • nicht aus meiner Position oder meinem Titel.
  • Ich übernehme Verantwortung – auch über den eigenen Bereich hinaus.
  • Ich denke mit, stelle Fragen und mache Verbesserungsvorschläge.
  • Ich wünsche mir und gebe wertschätzendes Feedback.
  • Wir sprechen auch offen über Fehler.

Spoiler: Das lässt sich nicht verordnen. Aber: Ich kann dich einladen, es Schritt für Schritt einzuüben. Im Team. Im Jugendausschuss. Im Kirchenvorstand. Denn, wie Maja Göpel sagt: „Jede Veränderung, die wir heute vornehmen, wird ein Teil zukünftiger Entwicklung sein” (Göpel 2024).

Partizipation ist schön – weil sie Menschen stärkt, Gemeinschaft vertieft und Kirche verwandelt. Sie verwandelt Gremien von starren Versammlungen in Orte kreativer ­Gemeinschaft und nachhaltiger Wirkung.

Und sie ist wie Salz: Man spürt sie zuerst als kleine Körnchen, doch ihr Geschmack trägt weit. Jede Beteiligungserfahrung ist wie jener Löffel Tomatensauce auf dem Küchenhocker. Ein Moment, in dem jemand merkt: Ich kann etwas bewirken. Ich werde gebraucht.

Literatur

Csíkszentmihályi, Mihály: Flow. Das Geheimnis des Glücks, Klett-Cotta, Stuttgart 1992.
Göpel, Maja: Lost in Ego-Fixation. Vortrag auf der re:publica 2024, 27. Mai 2024, Berlin.

120 Fragen für mehr Tiefe im Glauben – Impulse für Austausch und Reflexion

Was glaubst du eigentlich? Hast du deinen Glauben schon einmal hinterfragt? Und wie gehst du mit anderen Glaubensüberzeugungen um?

Um sich über diese Fragen auszutauschen und so richtig tief in die Diskussion darüber einzutauchen, wurde Dive Deep entwickelt. Die Fragen sind eingeteilt in 12 Fragekategorien:

  • Schöpfung
  • Mensch
  • Sünde und das Böse
  • Kreuz und Auferstehung
  • Wesen Gottes
  • Jesus
  • Nachfolge
  • Berufung
  • Klage und Leid
  • Bibel
  • Hoffnung
  • Endzeit und Gericht

Im Folgenden stellen wir eine Methode und je eine Frage pro Fragekategorie zur Verfügung. Weitere Methoden und Fragen sowie jede Menge Tipps für gelingende Diskussionen findest du im Kartenset.

Kartenset nutzen zur persönlichen Glaubensreflexion

Du kannst dieses Kartenset für deine persönliche Glaubensreflexion verwenden. Dafür hast du zwei Möglichkeiten: Entweder suchst du dir spontan eine Frage aus, die dich anspricht, oder – besonders, wenn du das Kartenset regelmäßig nutzt – du legst eine Reihenfolge fest, in der du die Fragen beantworten möchtest.

Du kannst zum Beispiel alle Fragen einer Kategorie nacheinander bearbeiten oder abwechselnd Fragen aus verschiedenen Kategorien ziehen. Für jede Reflexionszeit empfehle ich dir jedoch, dich
intensiv nur mit einer Frage zu beschäftigen. So kannst du dich besser auf das Thema einlassen und deine Gedanken vertiefen.

Folgende Fragen können dir bei deiner Reflexion helfen:

  • Was denke ich zu der Frage?
  • Warum antworte ich so?
  • Was wären andere Antwortmöglichkeiten?
  • Was spricht dafür/dagegen?
  • Was für Gefühle nehme ich dabei wahr?
  • Was kann ich aus den anderen Positionen lernen?
  • Welche Gedanken oder Aspekte davon möchte ich mitnehmen?

Einheit: Wer bin ich?

Wie bin ich geworden, wie ich bin? Wie kann ich mich selbst neu entdecken? Wie sehen mich andere? Wer bin ich in meinem Netz aus Beziehungen?

Das Fragen nach der und die Ausbildung der eigenen Identität ist zentral im Entwicklungsprozess von Jugendlichen und Jungen Erwachsenen. Entsprechend zentral ist auch die Aufgabe der Unterstützung und Förderung der Identitätsbildung in der Jugendarbeit. Die Beschäftigung mit diesem Thema soll Jugendlichen auf der Suche nach der eigenen Identität Räume eröffnen, sich mit identitätsbestimmenden Faktoren wie Beziehungen, Lebensgeschichten und -entwürfen, Charaktereigenschaften, Werten usw. und schließlich auch religiös-weltanschaulichen Überzeugungen auseinanderzusetzen. Warum ist gelingende Identitätsbildung heute besonders wichtig? Wie können Jugendliche bei der Suche nach Identität unterstützt werden? Wie lässt sich das methodisch gestalten?

Wer bin ich, wer sind wir heute? Eine Frage, die sich nicht nur Jugendliche, sondern Menschen jeden Lebensalters seit Tausenden von Jahren stellen. Verhältnismäßig neu ist jedoch in unserer Zeit die Betonung und zentrale Stellung des Ich in dieser Frage. Die Emanzipation des einzelnen Menschen aus Traditionszusammenhängen und gesellschaftlichen Normen wie etwa Geschlechterrollen, Berufs- und Gesellschaftsschichten und Religionszugehörigkeiten hat ihm ermöglicht, seinen ganz eigenen Weg zu gehen, sein Leben in einer multikulturellen und pluralen Welt mit unzähligen Möglichkeiten, Chancen und Angeboten selbst zu bestimmen und zu entfalten. Auch wenn viele der Angebote zur eigenen Lebensgestaltung im Gewand in Stein gemeißelter oder natürlicher Gesetzmäßigkeiten normativ, bisweilen auch autoritativ auftreten – etwa seitens der Eltern, Lehrer, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Freunde oder religiösen und anderen Gemeinschaften –, wird heute in unserer Gesellschaft jedem Menschen das Recht und die Freiheit zugesprochen und zugemutet, selbst zu wählen und zu entscheiden, wie er oder sie leben und wer er oder sie sein möchte. Wir können frei wählen und das ist gut so. Es ist uns überlassen selbst zu entscheiden, wo wir leben, welchen Beruf wir ergreifen, wen und ob überhaupt wir heiraten, womit wir unsere Freizeit verbringen, wofür wir uns einsetzen und engagieren möchten.

Die Kehrseite dieser Freiheit ist, dass auch die Verantwortung für das eigene Leben auf den Einzelnen und die Einzelne konzentriert ist. Freiheit geht Hand in Hand mit der Verantwortung und der Erwartung, selbst etwas aus seinem Leben zu machen. Nicht von ungefähr nehmen individuelle Leistung und Erfolg in allen Lebensbereichen, sei es in Beruf und Karriere, in der Familie oder in der Freizeit, einen zentralen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Auch darüber, was wir tun, was wir aus uns machen wollen, dürfen wir nicht nur, sondern müssen wir selbst entscheiden, und das ohne einen festen Rahmen, der uns klare Wege bereits vorgibt, an die wir uns halten können. Auch wenn wir tun, was etwa unsere Eltern, Lehrerinnen und Lehrer oder Freunde und Freundinnen vorschlagen, weil sie es für erstrebenswert halten, bleibt es letztlich unsere eigene Entscheidung. Denn die Verantwortung dafür, was wir aus unserem Leben machen, können sie uns nicht abnehmen. Weil heute im Zeichen individueller Freiheit und Würde allgemein normative Autoritätsansprüche von Traditionen nicht mehr als verbindlich erachtet werden können, ist auch die Antwort auf die grundlegende Frage „Was ist ein gutes Leben, was ist eigentlich gut, was ist das Gute?“ ganz in individuelle „Ver-Antwortung“ gebracht. Antworten darauf gibt es so viele, wie es Menschen gibt. Dies beschreibt die plurale Grundsituation heute, die in ihrer Freiheit und Offenheit zugleich auch eine Überforderung individueller Freiheit und Verantwortung darstellt.

Diese Situation nehmen wir im Alltag glücklicherweise kaum oder nur selten wahr. Hier überwiegt meist eine positive Bewertung. Wir können heute freier über unser Leben bestimmen und sind dabei in ein Beziehungsnetz von Familie, Freunden, Kolleginnen und Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschülern, Lehrerinnen und Lehrern usw. eingebunden, von denen einige direkte Rollenvorbilder sein können, das jedoch vor allem als Ganzes Halt und Orientierung im Leben geben kann. Ebenso gibt es nach wie vor auch Institutionen und Traditionen – nicht nur religiöse –, die uns leiten und Verlässlichkeit bieten. Jedoch bleibt, dass es im Zeitalter von Pluralität und Individualität wichtig ist, sich seiner selbst, seiner Identität, der eigenen Freiheit und Verantwortung zusammen mit deren Grenzen und Einschränkungen bewusst zu werden, um am Leben teilhaben und es aktiv und „gut“ gestalten zu können. Ebenso kann eine selbstbewusste Identität davor schützen, aus dem Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung auf fundamentalistische Parolen und Ideologien jedweder Art hereinzufallen. Die Suche nach Identität birgt also gleichzeitig Chancen wie Herausforderungen für den einzelnen Menschen.

Was Jugendliche mitbringen

Identitätsbildung

Die Adoleszenz ist eine Lebensphase, die durch Identitätsfindung und -bildung gekennzeichnet ist. Zwischen Kindheits- und Erwachsenenalter stellt sie eine Zeit sowohl körperlicher als auch psychischer Veränderungen und Umbrüche dar, die nicht selten von Krisen, Rebellion und Selbstzweifeln begleitet wird. Während die Kindheit eine prägende Zeit ist, in der sich viele Persönlichkeits- und Charaktereigenschaften ausbilden, stellt die Adoleszenz die Phase dar, in der diese bewusst als die eigenen im Unterschied zu anderen angeeignet werden und weitere darauf aufbauend ausgebildet werden. Jugendliche werden sich hier zunehmend ihres Selbsts bewusst, ihrer eigenen unverwechselbaren Identität, Person und Würde, die als solche Gehör und Achtung einfordern darf. Ihre Identität ist dabei immer auch durch funktionale und relationale Rollen bestimmt (Schüler der Klasse 10b, Auszubildende im Elektrofachbetrieb Maier, Söhne oder Töchter, Geschwister, Freunde, Fußballer, Christen, Atheisten usw.). Es weist vieles darauf hin, dass es nicht, wie man denken könnte, ein unveränderlicher innerer „Identitätskern“ ist, der die Eigenart einer Person bestimmt. Stattdessen entsteht die eigene Persönlichkeit in und aus den Beziehungen zu anderen Menschen, in verschiedenen Rollen und aus der besonderen Art, wie man in dieses Beziehungsgeflecht eingebunden ist.

Weitere wichtige Faktoren für die Identitätsbildung stellen Erwartungen und spezifische Rollenbilder der Gesellschaft dar, die durch Medien an uns herangetragen werden, aber auch traditionell vermittelt sein können über Familie, Kirche, Schule, Vereine, Ortsgemeinschaften, Peergroups und Milieus, in denen wir aufwachsen und in denen eine bestimmte Weltsicht maßgeblich ist.

Ausprobieren und Position beziehen zwischen Selbstzweifeln und Selbstsicherheit

Die eigene Identität auszuprobieren und zu erkunden geht Hand in Hand mit dem Versuch, sich selbst zu erkennen und sich irgendwie zu verstehen. Die Phase der Identitätsbildung bringt so auch Verwirrung und Verunsicherung mit sich. Aber aus dieser Selbsterkundung entwickeln sich auch eigene Positionen und Ansichten in Übereinstimmung mit oder im Gegenüber zu unseren Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und vielem von dem, was wir als Kinder ungeprüft übernommen haben, und es bilden sich Selbstsicherheit und Selbstvertrauen aus. Manchmal kann dies allerdings auch zu übersteigerten Formen führen. Jugendliche und Junge Erwachsene – und nicht nur sie – sind dann der festen Überzeugung und Gewissheit, sie hätten nun verstanden, was die Welt im Innern zusammenhält, wüssten nun, „wie der Hase läuft“, hätten ihr eigenes Selbst samt Welt „fest in der Hand“. Auf der Suche nach dem eigenen Platz in der gemeinsamen Welt spielt sich der Identitätsbildungsprozess schwankend zwischen den Polen großer Verunsicherung und übersteigertem Selbstbewusstsein ab.

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Besonders wichtig für die Ausbildung der eigenen Identität in der Jugendzeit ist die in jeder sozialen Situation zum Tragen kommende Selbst- und Fremdwahrnehmung. Der Entwicklungspsychologe Erik Erikson hat herausgestellt, dass besonders Jugendliche einen permanenten Abgleich ihres Selbstbildes mit dem Fremdbild, das sie von außen (von Freunden, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern usw.) gespiegelt bekommen, durchführen. Im Abgleichen können Übereinstimmungen verbunden, aber auch Abgrenzungen erforderlich und Handlungsbedarf angezeigt werden: „So wie mich andere wahrnehmen, sehe ich mich nicht.“ Oder: „Tatsächlich, das stimmt ja und ist mir bisher gar nicht aufgefallen.“ In beiden Situationen kann eine Einsicht wie „So will ich nicht sein“ oder „So will ich nicht wahrgenommen werden“ folgen. Grundlegend geht es darum, dass eine Übereinstimmung von Selbst- und Fremdwahrnehmung angestrebt wird. Es ergeben sich Fragen, weshalb man so wahrgenommen wird („Bin ich vielleicht doch so?“), und dann schließlich, wie man denn sein und wahrgenommen werden will.

Selbstkonstruierte Identität

Zur Frage, wie man sein will, gehört auch die Frage, wie man dahin kommt und was man tun kann, um so zu werden, wie man gern wäre. Die selbstkonstruierte Identität basiert auf Bestimmungen und Bildungen der Identität durch eigene Entscheidungen. Anders als im Fall der Identitätsbildung findet hier eine Reflexion auf die bereits gebildete Identität statt, die aus verschiedenen Gründen veränderungsbedürftig und -fähig erscheint: vielleicht deshalb, weil man unzufrieden ist mit sich oder bestimmten Eigenschaften und das Bedürfnis nach Veränderung verspürt, oder weil man sich beruflich und persönlich weiterentwickeln will. In jedem Fall setzt die Identitätskonstruktion die Erkenntnis voraus, dass man hier selbst handeln kann. Kein Mensch muss einfach hinnehmen, wie er nun mal ist, sondern für jede und jeden besteht die Möglichkeit, aktiv sowohl darüber zu entscheiden, welchen Menschen er sich anschließt, welchen Beruf, Sport, Verein usw. er oder sie wählt, als auch worauf er seine Charakter- und Persönlichkeitsbildung ausrichten will.

Was wir Jugendlichen mitgeben wollen

Die Förderung der Selbstbestimmungsfähigkeit der eigenen Identität ist daher eine wichtige Aufgabe der Arbeit mit Jugendlichen. Dass Jugendliche Vertrauen in sich selbst und in ihre Fähigkeiten gewinnen, dass sie zuversichtlich und mutig ein eigenständiges und eigenverantwortliches Leben in einer pluralen Welt führen und dass sie für ihre Überzeugungen und Ziele sowohl einzustehen als auch diese und deren Herkunft immer wieder kritisch zu reflektieren lernen, ist ein zentrales Ziel der Beschäftigung mit der eigenen Identität. Die Jugendlichen sollen dazu ermutigt werden, sich auszuprobieren und Neues zu entdecken. Nur so kann man etwas über sich erfahren. Fehler zu machen und zeitweise in die falsche Richtung zu gehen, gehört ebenso zum Leben, wie sich Fehler einzugestehen und neue Wege einschlagen zu dürfen. Hierin können Jugendliche ihre Stärken und Schwächen, Fähigkeiten und Neigungen erkennen und weitere Schritte zu deren Akzeptanz oder Veränderung gehen. Schließlich sollen Jugendliche sich selbst wie auch andere annehmen, tolerieren und respektieren lernen sowie sich selbst wie anderen die Freiheit geben, die eigene Identität zu entdecken, zur Entfaltung zu bringen und selbst mitzubestimmen.

Die Rolle der Mitarbeitenden

Jeder Jugendliche und jede Jugendliche ist anders, jeder Lebensweg ist individuell. Sollte man das für die Jugendarbeit generell im Hinterkopf behalten, so besonders bei einer Tagung zum Thema „Wer bin ich?“. Die Mitarbeitenden können bei der Identitätssuche eine begleitende und unterstützende Rolle einnehmen, abschließende Antworten geben können sie jedoch nicht. Aber sie können für sie individuell zentral gewordene identitätsstiftende Faktoren, Werte, Überzeugungen und Erfahrungen mitteilen und so den Jugendlichen Möglichkeiten der Orientierung und Selbstentfaltung aufzeigen.

Insgesamt geht es für die Mitarbeitenden darum, Jugendliche dazu zu ermuntern und zu ermutigen, sich auch in neuen und vielleicht befremdlich wirkenden Rollen auszuprobieren und selbst zu entdecken, sowie darum, durch Bestätigung und Annahme dazu zu befähigen, Selbstvertrauen auszubauen und sich selbst anzunehmen. Wenngleich die Ausbildung der eigenen Identität charakteristisch für die Jugendzeit ist, ist sich dennoch kein Mensch, egal welchen Alters, jemals vollständig im Klaren darüber, wer er ist. Wir alle erleben Zeiten, in denen wir nicht wissen, was wir tun sollen oder wer wir sind: Zeiten des Umbruchs, der Unterbrechung und Veränderung, der Um- und Neuorientierung, Zeiten der Herausforderung, aber zugleich auch immer der Chancen.

Der Bezug zum Glauben

Der Glaube spielt für Jugendliche nach wie vor eine große Rolle. Allerdings sind es meist nicht mehr traditionell religiöse Gemeinschaften und deren Praxis, die dabei im Zentrum stehen, sondern zunehmend individualisierte Glaubensformen. Besonders in einer scheinbar aus den Angeln gehobenen heutigen Welt wird die grundlegend haltgebende Rolle des Glaubens für die Lebensorientierung sichtbar. Dies gilt insbesondere für den christlichen Glauben, da es hier gerade allein der Glaube ist, der Freiheit schenkt und wirkt. Der Glaube an Jesus Christus befreit den Menschen von der Last, dem eigenen Leben selbst einen Sinn geben und sich selbst verwirklichen zu müssen, woran jeder Mensch ultimativ nur scheitern kann. Er gibt demgegenüber Mut und Zuversicht zur freien Selbstbestimmung, die etwas anderes ist als Selbstverwirklichung: Indem ich mich im Glauben als vor all meiner Eigenaktivität geliebt und bereits von Gott sehr gut „verwirklicht“ erfahre, erfahre ich mich zugleich auf dem Boden dieser von Gott getragenen Wirklichkeit dazu befreit, mich frei selbstzubestimmen. Der Glaube kann für Jugendliche als Freiraum erfahren werden, in dem sie sich entdecken können und in dem der Glaube identitätsstiftend wirkt. Im Glauben können Jugendliche die Erfahrung des Geliebt- und Angenommenseins vor aller Infragestellung durch die und in der Welt machen und so mutig und offen auf die Welt und auf andere Menschen zugehen lernen.

Gleichzeitig kann der Glaube auch zu Unsicherheiten führen. Hierzu gehören Zweifel am Glauben selbst wie „Stimmt das, kann das überhaupt sein?“, aber auch Fragen, die das soziale Umfeld betreffen, wie „Bin ich uncool, wenn ich glaube?“ oder die eigene Herkunft, wie „Bin ich Zufall oder gewollt?“, und schließlich auch aufs Ganze gehende Fragen wie etwa, ob der Mensch überhaupt frei oder alles vorherbestimmt ist. Wie diese Fragen auch beantwortet werden, wichtiger ist es verständlich zu machen, dass kritische Fragen im Glauben nicht nur erlaubt, sondern gewollt sind. Der Glaube will und muss ebenso erwachsen werden wie die Jugendlichen selbst.

Der rote Faden im Thema

In der Praxis hat sich ein dreigliedriges Grundgerüst für den Aufbau einer Einheit zum Thema „Wer bin ich?“ bewährt. Es nimmt wesentliche Aspekte der Identitätsbildung und Identitätskonstruktion auf und konzentriert sich auf die Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdwahrnehmungen (1. Phase), identitätsprägenden und -bestimmenden Faktoren (2. Phase) und der Aufgabe und Möglichkeit der Selbstbestimmung (3. Phase).

In der ersten Phase wird die Selbst- und Fremdwahrnehmung zum Thema: Wie sehe ich mich, wie sehen mich die anderen? Als Einstieg bietet sich das Eigenschaftenspiel als eine gute Möglichkeit an, sich damit auseinanderzusetzen, wie man von anderen wahrgenommen wird. Im Anschluss kann ein Persönlichkeitsfragebogen als weitere Methode der Selbstwahrnehmung dienen. Insgesamt sollen Selbst- und Fremdwahrnehmung in Bezug gesetzt werden.

In der zweiten Phase geht es um identitätsprägende und -bestimmende Faktoren: Was ist mir wichtig? Was prägt mich? In diesem Teil sollen sich die Jugendlichen mit den ihr Leben prägenden und bestimmenden Werten und Wünschen sowie Beziehungen und äußeren Faktoren auseinandersetzen. Der Lebens-Lauf bietet hier eine gute Möglichkeit zur biographischen, erlebnishaften Vergegenwärtigung bedeutender Stationen im Leben. Der Solospaziergang unterstützt einen reflektierenden Blick auf die eigene Gegenwart in ihrem Zusammenspiel von Vergangenheit und Zukunft, Wünschen, Werten, Beziehungen und Fähigkeiten.

Die dritte Phase behandelt die Selbstbestimmung: Wer will ich sein? Was kann und will ich tun? Dass Veränderung in sozialen Rollen möglich ist und auch in die eigenen Hände genommen werden kann, zeigt der Baustein Rollenwechsel. Ein Brief an sich selbst mit Post für mich! kann vielfältig eingesetzt werden. Hier kann er helfen, sich bestimmte Ziele und Wünsche für die eigene Entwicklung vorzunehmen, um später, bei Erhalt des Briefes, einen erneuten Reflexionsprozess anzuregen.

Die Identitätsbildung im Prozess des Erwachsenwerdens ist eine anspruchsvolle und kritische Herausforderung für alle Jugendlichen. Es ist nicht garantiert, dass sie dahingehend gelingt, dass die entwickelte Identität auch tatsächlich dem Leben in seinem ganzen Verlauf zuträglich ist. Eine aktive und reflektierende Beschäftigung mit der eigenen Identität im Rahmen einer Tagung oder Freizeit hilft Jugendlichen dabei, ihre eigene Identität selbstbewusst und lebensdienlich auszubilden.

Was haben das Ende eines Zuges, der 18. Tabellenplatz der Fußballbundesliga und die letzte Platzierung bei der Tour de France gemeinsam? Alle drei werden mit der »roten Laterne« verbunden – und wem die »rote Laterne« zugesprochen wird, der hat so richtig »abgeloost«, wie die Jugend vor noch nicht wenigen Jahren zu sagen pflegte. Und das bedeutet nichts anderes, als dass man etwas verloren bzw. verpasst hat. – ganz egal, ob es sich dabei um ein wichtiges Spiel, um eine Wettbewerbsplatzierung, um eine wichtige Chance oder schlicht die letzte Bahn nach Hause handelt.

Niemand möchte gerne verlieren. Oder? Und so geben wir uns größte Mühe, der »roten Laterne« zu entgehen. Das kann aber manchmal auch dazu führen, dass wir bestimmte Dinge unseres Lebens gar nicht mehr angehen und sie direkt unversucht lassen. Das ist auch nicht immer clever. Darum lohnt es sich vielleicht, das Ganze etwas differenzierter zu betrachten. Dabei sollen uns zwei Zitate helfen.

Das eine wird dem deutschen Dramatiker Berthold Brecht zugeschrieben (wobei andere Quellen es eher der Studentenbewegung der 1970er Jahre zuordnen): »Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.«

Das andere Zitat stammt vom ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill: »Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht früh zu machen.«

Doch wie sollen uns nun diese Sätze aus dem letzten Jahrhundert in der heutigen Zeit helfen? Gehen wir rein …

Wer sich die Mühe macht und es noch selbst in die Suchmaschine eingibt, wird zum Thema »verlieren« vor allem Einträge finden, die sich mit der Themenkombination »verlieren/Kind« beschäftigen. Warum es gerade für Kinder schwierig ist, zu verlieren – und warum es gleichzeitig so wichtig ist, dass Menschen in jungen Jahren lernen zu verlieren. Denn nicht wenige Probleme von Erwachsenen im Umgang miteinander lassen sich auf Fehlentwicklungen von sozialen Kompetenzen zurückführen, die im Kindes- und Jugendalter nicht entsprechend ausgebaut wurden. Doch wir machen mal langsam …

Ganz grob kommen Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren in die sogenannte »Trotzphase« (eigentlich »Autonomiephase« genannt), die meist bis zum Eintritt in die Grundschule durchlaufen wird. In dieser Phase beginnen Kinder, bekannte Grenzen und Regeln zu hinterfragen und zu überschreiten – und mitunter mit heftigen Verhaltensweisen auf die Anweisungen bzw. Handlungen der Eltern zu reagieren. Vielleicht hast du das selbst schon erlebt, wenn Kleinkinder mit Quengeln an der Kasse beginnen, weil sie so gerne noch etwas Süßes haben wollen – und sich mit lautem Geschrei auf den Boden werfen, weil die Eltern »Nein« gesagt haben?! Oder nur unter lautem Protest und Geheule den Spielplatz verlassen, weil sie gerne noch bleiben möchten – die Eltern aber aufbrechen? Oder lautstark zeigen, dass sie keine Lust haben, sich dem Wetter entsprechend noch eine Jacke anziehen zu lassen, nur weil die Eltern meinen, es sei zu kalt?

Diese heftigen Verhaltensweisen lassen sich häufig darauf zurückführen, dass die Kinder in diesen Momenten eine große Reizüberflutung erleben, sich hilflos fühlen oder ganz verzweifelt sind. Sie werden mit so einer Wucht von Emotionen überrannt, dass der innen aufgestaute Druck sich dann ganz plötzlich entlädt, wie bei einem Schnellkochtopf.

Dass Kinder nicht immer ihren Willen bekommen, dass sie auch mal warten müssen, dass sie eben auch mal ein Spiel verlieren oder im Wettlauf nicht die ersten sind – all das sind Situationen, in denen die Kinder langsam, aber Schritt für Schritt lernen, dass so etwas a) in Ordnung ist und sie b) angemessen darauf reagieren können. Und so entwickeln die Kinder eine Frustrationstoleranz, die für ihr weiteres Leben eine wichtige Bedeutung hat.

Schwierig wird es, wenn dieser Entwicklungsprozess von den Eltern verhindert oder eingeengt wird: Wenn Eltern mit Härte und Strafen reagieren, sobald das Kind in so einen wütenden Trotzanfall gerät, lernen Kinder nicht, mit ihren Emotionen umzugehen, sondern der innere Druck wird immer stärker und damit auch die Reaktionen, wenn diesem Druck dann nachgegeben wird. Wenn die Eltern weiteren Druck dadurch aufbauen, dass die Kinder nur bei »Leistung« Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit erhalten und Kinder dadurch nicht lernen, dass sie einfach für ihr »Sein« geliebt werden und genug sind. Wenn Eltern aus einer Überfürsorge heraus versuchen, den Kindern alle Hürden und Herausforderungen aus dem Weg zu räumen, haben die Kinder keine Chance, ein angemessenes Verhalten in solchen Situationen zu erlernen und werden später als schlechte Verlierer immer wieder anecken.

Jetzt haben wir also einen Eindruck davon bekommen, warum manche Mitmenschen (und vielleicht auch wir?) als schlechte Verlierer gelten und was dazu geführt hat. Aber wie gehen wir mit diesem Wissen um?

Manche versuchen, sich möglichst in keine Situation mehr zu bringen, in der sie verlieren könnten. Sie scheuen den Wettkampf (egal ob im Sport, im Spiel oder der Schule) und igeln sich regelrecht ein. Das ist aber auch mit negativen Konsequenzen belegt: man verliert unter Umständen soziale Kontakte, erlebt kaum persönliches Wachstum und kommt darum nicht wirklich weiter in seinem Leben.

Andere haben für sich erkannt: nicht die Niederlage, nicht der persönliche Fehler ist das Problem. Dass uns so etwas passieren kann, ist zutiefst menschlich. Der Wirtschaftspsychologe Michael Frese drückt es so aus: »Wir müssen scheitern, weil Scheitern eine natürliche Begleiterscheinung menschlichen Handelns ist. Weil die Komplexität unserer Umwelt immer größer ist als unser Verständnis davon.« Darum ist der Umgang mit dem Scheitern entscheidend dafür, wie das eigene Leben weitergeht.

Erfolgreiche Menschen versuchen, die Niederlagen als eine Art persönliche Wachstumschance zu sehen und daraus zu lernen. Auch Bill Gates, Steve Jobs und Walt Disney haben ihre ganz persönlichen Niederlagen erlebt, »gescheiterte Geschichten« geschrieben und dann doch noch große Erfolge gefeiert: Bill Gates erstes Unternehmen »Traf-O-Data« konnte sich am Markt nicht behaupten. Steve Jobs wurde 1985 wurde aus seinem eigenen Unternehmen gedrängt, bevor er 1997 zu Apple zurückkehrte und das Unternehmen zu dem machte, was wir heute kennen. Walt Disney wurde in seinen Anfängen als Cartoon- und Comiczeichner unter anderem bei einer Zeitung abgelehnt, weil er dort nicht als kreativ genug erachtet wurde.

Was kann uns und anderen helfen, mit dem Scheitern, den Niederlagen und Fehlern unseres Lebens, umzugehen?

Simon Sinek (US-amerikanischer Hochschullehrer, Autor [u.a. »Frage immer erst: Warum?«] und Unternehmensberater) empfiehlt, darin nach »vier Geschenken« zu suchen:

1) Demut: nicht als Schwäche, sondern als Kraft anzusehen, die es uns ermöglicht, Feedback einzuholen und lernbereit in unseren Beziehungen zu agieren.

2) Klarheit: die echten Prioritäten und Werte zu erkennen, die in unserem Leben eine Rolle spielen.

3) Resilienz: die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen und dadurch unser Vertrauen zu verstärken, auch künftige Herausforderungen zu meistern.

4) Authentizität: als Erkenntnis, zu verstehen, wer wir in all unseren Stärken und Schwächen wirklich sind und daraus resultierend die Grundlage für unsere Beziehungen zu anderen Menschen.

Darüber hinaus kann es helfen, wenn ich anderen Menschen die Möglichkeit gebe, aus meinen Fehlern zu lernen. Da gibt es zum Beispiel die »FuckUp-Nights«: wenn Menschen einander vom Scheitern eigener Ideen erzählen. So kommt das Thema aus dem Tabu-Bereich unserer Gesellschaft heraus. Hier gilt: gerne mal selbst im Internet suchen.

Doch zurück zu Brecht und Churchill und dem, was die beiden schon vor Jahrzehnten erkannt haben. Ihre Lebensweisheiten würde ich heute so formulieren: Wer immer nur zögert, sich für seine Sache einzusetzen, wird sie nie erlangen. Je eher ich auf diesem Weg aus meinen Fehlern lerne (oder die Fehler anderer zum Lernen nutze), umso schneller komme ich an mein Ziel. Dann markiert die »rote Laterne« nicht mehr den Endpunkt, sondern nur einen Zwischenstand.

»Fair sein« – ein besonders im Sport tief verankerter Gedanke. Da gibt es z. B. die »Fair Play«-Medaillen, die der DFB am Saisonende an Spieler*innen, Mannschaften und sogar Funktionär*innen verleiht und so besonderes faires Verhalten belohnt. Aber auch in anderen Sportbereichen wird »Fair Play« gelebt und gelobt Es soll verdeutlicht werden, dass faires Verhalten nicht den Erfolg im Sport gefährdet. Im Sport ist das für uns auch ein sehr nachvollziehbarer Gedanke, dem sich wohl die meisten von uns anschließen können. Egal, ob besonders »robuste« Fouls im Spiel, Doping in der Tour de France oder zu große Anzüge im Skispringen: Wir wollen, dass es fair zugeht und alle Athlet*innen die gleichen Chancen haben.

Aber wie sieht es in unserem Alltag aus, außerhalb der bunten Welt des Sports? Wie weit geht da unsere Bereitschaft, dass wir uns fair verhalten? Und was bedeutet es überhaupt, fair zu sein?

Über Moral, Ethik und Gerechtigkeit

In der Begriffsdeutung fällt uns auf, dass der im Laufe des 19. Jahrhunderts »eingedeutschte« Begriff »fair« eigentlich aus dem Englischen stammt und übersetzt so viel wie »hübsch, schön, ehrlich, gerecht, angemessen« bedeutet. In der deutschen Sprache wird »fair« aber vor allem als Synonym für die moralischen bzw. ethischen Begriffe »ehrlich«, »gerecht« und »angemessen« genutzt und nicht für die ästhetischen Eigenschaften wie »hübsch« oder »schön«.

Diese Erkenntnis führt uns zu der Frage: Was sind Moral und Ethik?

Laut dem Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de) haben wir es hier mit zwei Begriffen zu tun, die das Handeln von Personen in den Blick nehmen. Dabei versteht sich unter »Ethik« die wissenschaftliche Betrachtung des menschlichen Handelns vor der Fragestellung, nach welchen Werten das Handeln als »gut« oder »böse« eingeschätzt wird. »Moral« ist ein verwandter Begriff, der das Handeln des Menschen mehr aus der Praxis heraus bewertet und fragt, ob es den in der Gesellschaft geltenden Regeln und Werten entspricht.

Für diese Regeln und Werte ist der Aspekt der Gerechtigkeit ganz wichtig. Aber auch dieses Wort ist mehr eine Hülle, die von den Menschen ganz individuell gefüllt wird, als denn ein festverankerter Begriff, der von allen genau gleich verstanden wird. Auch hier verweise ich auf die Definition, die man bei der bpd findet. Danach geht es darum, dass zwischen zwei verschiedenen Arten von Gerechtigkeit unterschieden werden kann: der ausgleichenden Gerechtigkeit, die zwischen verschiedenen Individuen herrscht und zum Beispiel in Kaufverträgen Gestalt gewinnt (ich gebe dir Geld und du gibst mir die Ware) und der austeilenden Gerechtigkeit, die das Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft gestaltet. Zum Beispiel, wenn ich im Rahmen meiner Möglichkeiten Steuern zahle und der Staat das Geld nutzt, um zum Beispiel Sozialleistungen zu zahlen, die ich im Notfall auch erhalten würde.

Die Herausforderung in der Frage nach »Ist das gerecht?« liegt also nicht in der Unterscheidung dieser zwei Arten, sondern in der konkreten Umsetzung. Das, was Menschen als gerecht empfinden, hängt häufig von der persönlichen Betroffenheit ab. Das erleben wir immer wieder in politischen Diskussionen, wenn es zum Beispiel um die Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Generationsgerechtigkeit oder Klimagerechtigkeit geht. Und das erleben wir auch im persönlichen Miteinander mit unseren Nachbarn, Familienmitgliedern oder Kollegen.

Menschen, die auf der durch den Klimawandel vom Untergang bedrohten Insel Kiribati leben, haben da vielleicht ganz andere Gedanken zum Thema Klimagerechtigkeit als Deutsche, die Angst davor haben, kein neues Dieselauto mehr kaufen zu können.

Menschen, die allein durch ein Erbe zu Millionären werden, haben einen ganz anderen Blick auf die Fragen der sozialen Gerechtigkeit als Menschen, denen es aufgrund ihrer sozialen Herkunft kaum gelingt, die Armutsbarrieren zu durchbrechen, weil sie schon mit der Ungerechtigkeit der Bildungschancen in diesem Land hadern.

Menschen, die in diesem Land unter Armut leiden, haben vielleicht eher Angst davor, finanziell weniger Unterstützung vom Staat zu bekommen, wenn der auch Asylsuchende und Geflüchtete finanziell unterstützt als jemand, dessen Geldsorgen nicht in existentielle Krisen führen – sondern mehr darüber entscheiden, wie oft man dieses Jahr in den Urlaub fährt.

Das klingt alles ganz schön schwierig, abstrakt und theoretisch, oder? Ich würde sagen, das ist es gar nicht – aber … Trotzdem möchte ich versuchen, dir an Beispielen zu erläutern, dass diese Verhaltenstheorien für deinen Alltag eine große Relevanz haben – und es gleichzeitig wichtige Bausteine sind, um das Gesicht unserer Welt zu verändern. Los geht’s!

»Fairtrade« im Alltag leben

Bestimmt kennst du das »Fairtrade«-Logo, oder? Beim Einkaufen triffst du immer wieder darauf. Vielleicht wohnst du sogar in einer »Fairtrade«-Stadt oder hast eine »Fairtrade«-Schule besucht? »Fairtrade« ist aber mehr als das hübsche Logo. Es ist das Versprechen, das Leben von Menschen zu verändern. Und im Grunde gehörst du dazu. Zu den Menschen, deren Leben verändert wird. Zu denen, die das Leben anderer verändern.

»Fairtrade« ist ein Sozial-Siegel, dass dafür einsteht, dass die Menschen auf der produzierenden Seite in angemessener, ehrlicher und gerechter Art behandelt und bezahlt werden. Die Unternehmen, die dieses Siegel für ihre Produkte verliehen bekommen, setzen sich für fairen Handel ein, der dabei die Aspekte »Soziales«, »Ökonomie« und »Ökologie« besonders in den Blick nimmt.

Auf der Homepage www.fairtrade.net findest du dazu noch eine Vielzahl an Informationen, was das im Einzelnen bedeutet und wie sich das genau auf die Menschen in den produzierenden Ländern (vor allem im globalen Süden) auswirkt und wie dieses Siegel dazu beiträgt, ihr Leben positiv zu verändern.

Veränderungen in der Produktion und in der Entlohnung kosten jedoch Geld, darum sind diese Dinge teurer als andere. Aber wenn du dazu bereit bist, deinen Konsum an solchen Fairtrade-Produkten zu erhöhen, bist du Teil der Veränderung, die diese Welt braucht – und deine Anteilnahme an dem Leben und Leiden anderer Menschen verändert auch dich und dein Herz.

Dabei ist klar: Vielleicht möchtest du gerne mehr fair gehandelte Produkte kaufen, aber deine eigenen finanziellen Ressourcen sind dafür zu knapp – auf keinen Fall will ich dir kein schlechtes Gewissen machen. Aber ich möchte dich ermutigen, dieses Thema einfach mitzunehmen und andere Menschen und Institutionen damit in Kontakt zu bringen, die den Fairtrade-Gedanken auch finanziell unterstützen können. Oder dir wenigstes ein Produkt auszusuchen, dass du zukünftig fair gehandelt kaufst. Bei uns zu Hause ist das übrigens Kaffee 😊

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, einen eigenen Beitrag zu leisten, um diese Welt fairer und gerechter zu gestalten, zum Beispiel

  • Konsum überdenken und reduzieren (mehr Second Hand, weniger Fast Fashion, nicht immer alles neu kaufen …)
  • CO2 verringern (mehr ÖPNV, mehr Fahrrad, weniger Fliegen …)

All unsere Entscheidungen haben eine Auswirkung auf andere Menschen – so ist das, wenn man in einer Gesellschaft lebt. Niemand lebt allein für sich, man steckt immer auch in einem sozialen Netzwerk. Und selbst, wenn ich nicht alle Auswirkungen direkt miterlebe, hat mein Handeln Konsequenzen. Für andere – und damit auch für mich.

Fair zu sein und mich für Gerechtigkeit einzusetzen, macht Arbeit. Aber fair zu sein und mich für Gerechtigkeit einzusetzen, macht (besonders gemeinsam mit Freunden) auch Spaß. Und es ergibt Sinn. Für die Welt und für mein Leben.

Immer dann, wenn du nicht genau weißt, ob dein Verhalten fair ist, empfehle ich dir die »3-Fragen-Methode«, die ich bei der »Fachstelle Jugendschutz Niedersachsen« gefunden habe:

  1. Geht es mir gut damit?
  2. Geht es anderen gut damit?
  3. Ist es erlaubt?

Und damit verbunden der Rat: Bei einem Nein – lass es sein!

Der deutscher Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels hat in seinen Studien übrigens herausgefunden, dass Fairness ein Verhalten ist, das einem in den meisten Situationen auch persönlich nutzt. Denn immer dann, wenn ich als Teil einer Gruppe unterwegs bin, verhilft mir mein faires und kooperatives Verhalten dazu, dass die anderen auch in Zukunft vertrauensvoll mit mir kooperieren.

Es braucht übrigens nicht viel, um eine Gesellschaft zu einem fairen und gerechten Umgang miteinander zu begeistern, wenn sie solche Werte noch nicht lebt – oder einfach noch fairer werden könnte. Studien zum Thema »committed minority« (engagierte Minderheit) kommen zu dem Schluss, dass es maximal 25 Prozent Beteiligte einer Gruppe braucht, um die Werte und Normen der Gruppe zu beeinflussen. Je engagierter diese Menschen sind, umso weniger Menschen braucht es. Die niedrigste Zahl ermittelte eine Studie mit dem Schwerpunkt »soziale Bewegung und ziviler Ungehorsam«: Hier war nur die Beteiligung von 3,5% der Bevölkerung nötig, um erfolgreich zu sein. Darum würde ich sagen: Fangen wir an!

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