4 Phasen einer Gruppe

Warum es manchmal einfach Stress gibt

Manchmal fällt es einem auf, in der Gruppenstunde oder auf Freizeiten: Plötzlich verhält die Jungschargruppe sich schon komisch. Eben noch schien alles palletti und auf einmal ist ein riesigen Streit in der Gruppe. Wie konnte das geschehen? Im ersten Moment hat man keine Erklärung dafür. Und gerade auf Freizeiten erlebt man immer wieder dasselbe Phänomen. Doch eigentlich ist das sehr einfach zu erklären, und wenn man die Mechanismen dahinter kennt, wird man beim nächsten Mal gut vorbereitet reagieren können. Dasselbe gilt übrigens auch für Mitarbeiterkreise.

Tuckmans 4-Phasenmodell

Das sind vier Phasen, die eine Gruppe durchlaufen kann. Meistert sie alle Hürden und gelangt zur vierte Phase, entwickelt sich eine stabile Gruppe, die auch mit Niederlagen gut umgehen kann und deren Zusammenhalt sehr groß ist.

Orientierungsphase (Forming)

Die Gruppen-Mitglieder sehen sich das erste Mal. Man lernt sich kennen. Vorfreude und Begeisterung macht sich breit. Jeder in der Gruppe hat seine Erwartungen. Aber jeder ist auch ein bisschen unsicher. Da gibt es viele ungeklärte Fragen. Werde ich meinen Platz in der Gruppe finden? Werde ich meine Gaben einsetzen können? Werde ich akzeptiert und respektiert? Die Beziehungen untereinander sind noch unklar und völlig offen.

Konfilktphase (Storming)

Nach einiger Zeit (auf Freizeiten ca. der 2. bis 3. Tag) entstehen Frust und Ärger. Die eigenen Erwartungen werden nicht erfüllt. Kritik wird offen und verdeckt angebracht. Manche ziehen sich aber auch zurück. Es entstehen Revier- und Machtkämpfe, um die einzelnen Posten in der Gruppe. Wer hat was zu sagen, wer nimmt welche Rolle ein, welche Regeln sollen in der Gruppe gelten, wie erreicht man am besten das nächste Ziel? Es können auch Allianzen geschlossen werden, um die Macht auszubauen.

Organisationsphase (Norming)

Wenn die Phase der Konflikte abgeschlossen ist, kann das Team zusammenwachsen. Man hat sich jetzt gründlich kennengelernt. Jeder kennt die Stärken und Schwächen der Anderen. Es werden Regeln festgelegt, die in der Gruppe respektiert werden. Jeder unterstützt und motiviert die anderen in der Gruppe. Jeder wird da eingesetzt, wo er die größten Stärken hat.

Integrationsphase (Performing)

Jetzt erst beginnt die Gruppe als TEAM zu funktionieren. In den ersten Phasen ist die Gruppe mit sich beschäftigt. Jetzt zeigt das Team was es kann. Es ist auf einmal hoch motiviert. Jeder in der Gruppe hat seinen Platz gefunden und kann seine Gaben voll entfalten und bekommt von der Gruppe dafür positives Feedback.

Was kann schiefgehen?

Verschiedene Dinge können dafür sorgen das eine Gruppe in einer Phase stecken bleibt, z.B. in der Konfliktphase. Sollte das der Fall sein, wird die Gruppe weiterhin nur mit sich selbst beschäftigt sein. Man demotiviert sich. Es kann zur Eskalation des Konfliktes führen. Zu einer Abwärtsspirale. Auch hier gibt es ein gutes Modell: „Die 9 Stufen der Konflikteskalation“, von Friedrich Glasl

Siehe: Konfliktlösung: Die 9 Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl (hubspot.de)

Was kann man tun?

Erst einmal ist es wichtig dieses Modell zu kennen. Anschließend kann man zu Beispiel sein Freizeitprogramm entsprechend auslegen. Man sollte sich Zeiten einräumen, um die Phasen in der Gruppe zu begleiten.

Phase 1

In der ersten Phase ist es wichtig, dass man mit der Gruppe die Ziele bespricht, die es zu erreichen gilt. Jeder sollte eine Aufgabe bekommen die er gut erledigen kann. Außerdem sollte man der Gruppe deutlich machen, dass jeder seine Schwächen hat und dass man damit rücksichtsvoll umgehen sollte.

Phase 2

Konflikte sollte man nicht unbedingt negativ sehen. Wenn sie gut geleitet sind, bieten sich immer neue Chancen, Möglichkeiten und Wege, die man vorher vielleicht nicht gesehen hat. Eine gute Mediation kann hier echt helfen. Manchmal hilft es einfach, wenn man sich mal richtig ausspricht.

Phase 3

In Phase 3 sollte man dann strukturiert Werte und Ziele festlegen und von allen Gruppenmitgliedern bestätigen lassen. Auch hier, wie in Phase 1, sind die Aufgaben deutlich an die Gruppenmitglieder zu verteilen. Die Verteilung kann auch aus der Gruppe kommen.

Phase 4

Jetzt kann es richtig losgehen. Es ist darauf zu achten, dass die Gruppennormen eingehalten werden und dass jeder jeden motiviert.

Natürlich helfen in allen Phase Kooperationsspiele. Die machen jede Menge Spaß und helfen der Gruppe ein Team zu werden.

1. Das Bibel Projekt

„Das Bibel Projekt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die biblischen Erzählungen und Themen in kurzen, kreativen Videos anschaulich zu vermitteln.

Diese Videos helfen dir, den Aufbau eines biblischen Buches oder ein biblisches Thema besser zu verstehen und anderen weiterzugeben. Die kurzen Videos sind besonders für junge Menschen hilfreich, um die komplexen Zusammenhänge der biblischen Erzählungen zu verstehen. Die Videos können aber auch in Gottesdiensten, Jungschar- und Teenkreisen, im biblischen Unterricht oder in vielen anderen Kontexten verwendet werden. Mir helfen sie persönlich in der Vorbereitung einer Bibelarbeit, um schnell und unterhaltsam große Zusammenhänge zu verstehen. Aktuell gibt es die fünf Bücher Mose und die vier Evangelien als Serie. In Zukunft sollen weitere Videos folgen.

http://www.dasbibelprojekt.de

2. Stay on fire

Du kennst keine christlichen YouTuber? Dann solltest du dir mal Thaddäus Schindler von „Stay on fire“ reinziehen. Ein unglaublich flippiger und begeisternder Typ, der mit kurzen Motivationsclips Evangelium auf den Punkt bringt. Seine Videos finden immer mehr Follower und seine Themen reichen von Alltagsthemen wie Angst und Reichtum bis hin zu Gottes Versöhnung durch Jesus am Kreuz. Die Machart der Videos ist professionell und passt super in die Teen- und Jugendarbeit. Für Leitende ist der Blog gut, denn dort kommen auch andere Autoren zu Wort und schreiben über Veränderung, Scheitern und Gemeinde. Mich persönlich begeistern seine Videos, seine kurzen Erklärungen und es sind auch Clips, die ich gern mit meinen Jungen Erwachsenen und Mitarbeitern teile.

Youtube: Stay on fire

3. Bibelentdeckungen.de

Der Geheimtipp für guten und unterhaltsamen Input zur Welt der Bibel. Guido Baltes, Dozent am Marburger Bibelseminar, reist nach Israel und filmt historische Orte und Schauplätze biblischer Geschichten. Die Videos sind nicht professionell, aber durch Selfiestick, Sonnenbrille und 3-Tage Bart nimmt dich Guido mit in eine interessante Zeitreise. Die Videos erklären viel Kontext, zeigen, wie es heute dort aussieht und Guido hat immer auch ein FunFact dabei, den ich so noch nie gehört habe. Außerdem verlinkt er zu interessanten Büchern und Veröffentlichungen. Auch einige seiner Vorträge und Texte findest du auf diesem Blog. Was für mich besonders interessant ist, sind die historischen Texte aus der Zeit Jesu. Für alle historisch Interessierten und Hobby-Archäologen eine tolle Seite.

http://www.dasbibelprojekt.de

4. The Bible Tool

Das ultimative Hilfsmittel für alle sprachbegeisterten Bibelforscher. Das „Bible Tool“ zeigt dir die parallele Darstellung der Bibeltexte von Englisch, Hebräisch und Griechisch. Vielleicht nicht für den kurzen Einstieg in eine Jungscharandacht geeignet, aber zur Vorbereitung von sprachlichen Nuancen einer Bibelarbeit. Du findest dieses mächtige Werkzeug unter

www.crosswire.org/study/parallelstudy.jsp

5. Bibelwissenschaft.de

Das Nachschlagewerk, das weltweit Maßstäbe in Sachen Qualität und Wissenschaftlichkeit setzt. Die wissenschaftlichen Textausgaben vom wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex) zählen zu den international anerkannten Standardwerken. Es ist fundiert und wird regelmäßig mit den neuesten Erkenntnissen der Bibelwissenschaft aktualisiert. Das Beste daran: Diese hochqualitativen Texte gibt es kostenlos. Es entsteht als Projekt der Bibelgesellschaft, um ein umfangreiches wissenschaftliches Lexikon zur gesamten Bibel zusammenzustellen. Aktuell sind über 1700 Artikel, vor allem zum Alten Testament, eingestellt. Bei seiner Fertigstellung wird das Lexikon über 3000 Artikel zum Alten und Neuen Testament umfassen. Die Stichwortsuche und der Themenkatalog führen dich zu deinem gewünschten Text voller Hintergrundinfos aus mehreren Hundert Jahren der Bibelforschung. Ich nutze das WiBiLex gern zu Predigtvorbereitungen oder Bibelarbeiten, wo ich historischen Kontext, Lebensumstände und Denkweisen der Menschen der Bibel nacherzählen will. Und es ist mal was anderes als ständig Wikipedia zu fragen.

http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/

Das winterliche Turnier im Wüstenstaat erhitzt die Gemüter bereits jetzt. Während Christinnen und Christen hierzulande in der Adventszeit der Feier der Geburt Jesu Christi entgegenfiebern, werden die weltbesten Fußballer ab dem 20. November unter sengender Sonne um die Krone ihrer Sportart ringen. Das Endspiel im Emirat am Persischen Golf wird pünktlich am 4. Advent ausgetragen. Hinzu kommen Menschenrechtsverletzungen im autoritären Königreich, fragwürdige Arbeitsbedingungen und weltweite Boykottforderungen. Das alles stellt die kirchliche Arbeit im Advent 2022 vor besondere Herausforderungen.

Anti-Turnier und Fußball auf der Kanzel

Die evangelische Kirche hat deshalb jetzt spezielle Hilfsmaterialien für Kirchengemeinden herausgegeben. Unter der Überschrift „Macht hoch die Tür, die Tooor macht weit“ gibt ein Arbeitsheft auf 36 Seiten Tipps für einen konstruktiv-kritischen Umgang mit der umstrittenen WM. Die Broschüre mit dem Titel in Anlehnung an das bekannte Adventslied enthält Anregungen für Gottesdienste an den vier Adventssonntagen im Schatten der WM und Aktionsvorschläge für die Gemeindearbeit. Warum nicht mit lokalen Vereinen ein „Anti-Turnier“ organisieren oder Fußballerinnen und Fußballer zur Predigt auf die Kanzel bitten?

Gastbeitrag von DFB-Präsident Neuendorf

Ergänzt wird das Heft durch Gastbeiträge unter anderem von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, ZDF-Sportmoderatorin Claudia Neumann oder Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung sowie dem EKD-Sportbeauftragten und rheinischen Präses Thorsten Latzel. Zudem gibt es auch Impulse rund um das jüdische Lichterfest Chanukka, auf das die WM ebenfalls fällt. Das Heft will dabei keine endgültigen ethischen Antworten und Lösungen rund um die WM in Katar präsentieren, sondern die Licht- und Schattenseiten des Turniers beleuchten und vor allem zu einem praxisorientierten Umgang vor Ort ermutigen.

Tipps als Gemeinschaftsproduktion

Gedacht ist die Broschüre vornehmlich für das Gemeindeleben vor Ort, für Gottesdienste, die Arbeit mit Jugendlichen und Gesprächskreise. Entwickelt und herausgegeben haben das Heft der Evangelische Bund und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Kirche und Sport sowie der Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung „midi“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 

Sooo viele Baustellen! Sooo viele Ideen! Sooo viele Möglichkeiten!

Es gibt Menschen, die sprudeln permanent über vor Ideen. – Gehörst du zu ihnen? Dann kennst du bestimmt den Schmerz, wenn wundervolle Ideen, Träume und Visionen nicht ins Leben kommen. Da ist einfach zu wenig Zeit, um all die tollen Gedanken umzusetzen, die dir im Kopf rumspuken. Vom Geld und von der Manpower ganz abgesehen. Manchmal ist es auch ein „zu viel“ an Widerstand oder „zu wenig“ Begeisterungsfähigkeit bei anderen. Oder zu wenig Entscheider-Mut. Das kann sehr viel Kraft kosten – mehr, als Projekte umzusetzen. Und du merkst, wie sich Bitterkeit, Frust, Enttäuschung & Co. breit machen.

Wie kann ich einen – für mich und andere – guten Weg finden, damit umzugehen, wenn ich ein vor Ideen sprudelnder Mensch bin?

Sooo viel zu erledigen! Sooo eine lange To Do-Liste! Sooo viele unsortierte Stapel!

Vielleicht sind die Visionen und Ideen ja gar nicht dein Problem?! Du kämpfst viel mehr mit dem vielen Kleinkram, der sich in jeder Ecke sammelt. Oder mit den Tagesordnungspunkten auf der Sitzungsliste. Mit organisatorischen Dingen im Hintergrund, die halt sein müssen, damit der Laden läuft. Mit all dem Kram, den außer dir irgendwie keiner zu sehen scheint, an dem du aber nicht vorbeikommst.

Wie kann ich einen auf Dauer gesunden Umgang mit all diesen Dingen finden, damit ich nicht still und heimlich ausbrenne?

Sooo viel zu entscheiden! Sooo viel anzupacken! Sooo viel Verantwortung zu tragen!

Manchmal kann sich das ganz schön einsam anfühlen, wenn man jemand ist, dem es leicht fällt, Entscheidungen zu treffen. Denn natürlich finden nicht immer alle das Ergebnis toll. Und da kann schon mal Frust aufkommen, wenn keiner eine klare Meinung hat – bis du eine Entscheidung getroffen hast. Es ist so leicht, die Entscheidung eines anderen zu kritisieren und es besser zu wissen. Vor allem, wenn ich mich in der Menge verstecken kann. Und es braucht Rückgrat, sich in eine exponierte Position zu begeben und notfalls alleine da zu stehen, wenn es Kritik oder Häme hagelt.
Wie kann ich da die Freude behalten und nicht alles hinschmeißen, wenn es zu viel wird?

Sooo viele Menschen! Sooo viele Bedürfnisse! Sooo viele Erwartungen!

Den Juden eine Jude, den Griechen ein Grieche – allen alles sein?! Alle Ansprüche aller Menschen erfüllen – und ihre Erwartungen noch dazu! All ihren Bedürfnissen gerecht werden und allen Nöten begegnen.

Wie kann ich da fröhlich engagiert bleiben ohne unter den (vermuteten) Erwartungen der anderen und der Not der Welt zusammenzubrechen?

Ich vermute mal, du hast dich in einer der vier Beschreibungen zumindest ein Stück weit wiedergefunden. Hintergrund ist das DISG-Modell. Mehr dazu in der Literatur- und Linkliste.

Auch vom Guten kann es ein „zu viel“ geben.

Immer wieder stoßen wir auf die Frage der Balance. Und da geht es mehr darum, mich gut zu kennen und zu reflektieren, als etwas nach „Schema F“ zu machen. Viel Arbeit ist ja per se nicht schlecht. Mich beflügelt das, wenn ich ordentlich was zu tun habe und dadurch was bewegen kann. Es kommt aber sehr darauf an, was ich zu tun habe und wie leicht mir das fällt. Wie viel Unwägbarkeiten dabei sind oder wie überschaubar meine Aufgabe ist. Und, ob ich alleine arbeite oder ein Team an meiner Seite habe, das mich unterstützt und beflügelt.

Energiekiller

Manchmal wird aus „viel“ einfach dadurch ein „zu viel“, weil da zu viele ungeklärte Fragezeichen sind. Oder zu viele Menschen, die da auch noch mitreden wollen. Ich habe gelernt, auch darauf zu achten, ob sich „Energiekiller“ an Aufgaben dranhängen und welche das sind. Das ist so eine Mischung aus allgemeinen und individuellen Komponenten. Kennst du deine Energiekiller? Es lohnt sich, Zeit darauf zu verwenden, sie zu identifizieren. Achte in den nächsten Tagen mal darauf, was dich frustriert oder dir die Freude an einer Aufgabe nimmt. Alternativ kannst du auch ein bereits abgeschlossenes Projekt reflektieren, an das du dich gut erinnerst. Schreibe die „Energiekiller“ auf und male zu jedem eine Skala, die von „0 = macht mir nichts aus“ bis „10 = macht mir sehr zu schaffen“ reicht. Dann kreuze aus dem Bauch raus für jeden einzelnen Faktor an, wie sehr er dich belastet. (Siehe Schaubild)

Was machst du jetzt damit? Wähle die Faktoren aus, die dir am meisten Energie rauben und überlege, was du ändern kannst, damit du günstigere Arbeitsbedingungen schaffen kannst. Vielleicht sprichst du mit deinem Team darüber? Dann bitte alle, für sich selbst so eine Übersicht zu erstellen, und dann tauscht euch aus, wie ihr euch gegenseitig unterstützen wollt, dass ihr mehr Energie in euer gemeinsames Projekt stecken könnt.

Du kannst für dich oder mit deinem Team zusammen Strategien entwickeln, damit ihr eure „Energiekiller“ zumindest in Schach halten könnt. Meine beschreibe ich gleich in Kombination mit meiner Strategie, ihnen wirksam entgegenzutreten:

Verzetteln

Da hilft mir ein sehr praktisches Tool aus Papier: mein Schreibtischkalender. Da trage ich keine Termine ein, sondern alle To Do’s, wenn sie mir einfallen. Dann haben sie einen Platz und sind terminiert. Und ich brauche mich nicht mehr sorgen, ob ich auch ja nichts vergesse.

Sorgen machen

Ein allgemein sehr beliebter Energiefresser, den ich mittlerweile weitgehend in Schach halten kann. Durch Logik: Kann ich etwas daran ändern? Wenn ja, was und wann mache ich das? Wenn nein: Weg damit. Beten und konsequent bei Gott ablegen hilft mir sehr. Da sind die Dinge, die mir Sorgen machen in kompetenten Händen. Und ich habe Kopf, Herz und Hände frei, um mich um meine Aufgaben zu kümmern.

Unklare Absprachen

Ich frage nochmal nach und bitte mein Gegenüber, sich klar auszudrücken. Wenn ich eine Rückmeldung per E-Mail möchte, schreibe ich Tag – und manchmal Uhrzeit – bis wann ich die brauche. Danach treffe ich eine Entscheidung anhand der Rückmeldungen, die bis dahin eingegangen sind.

Unklare Erwartungen

Ich frage nach: „Was wünschst du dir?“ Und wenn sich herausstellt, dass es keine Wünsche sondern Forderungen sind, die ich zu erfüllen habe, dann lohnt es sich, mit meinem Gegenüber eine Runde zu drehen und zu klären, was davon in meinem Verantwortungsbereich liegt und was nicht. Wer sagt denn, dass ich alle Forderungen anderer zu erfüllen habe? Wenn du an diesem Punkt immer wieder Schwierigkeiten hast, lohnt es sich, dich mal mit deinem „inneren Team“ auseinanderzusetzen. Entweder zusammen mit einem Coach oder einer Mentorin. Oder auch mit diesem kleinen Übungsbuch von Jutta Heller: „So bin ich stark. Gut aufgestellt mit dem inneren Team.“

Missstimmung im Team

Offen ansprechen: „Ich nehme wahr, dass …“ – „Wie nehmt ihr das wahr?“ Sag auch, was dir wichtig ist für eine gelingende Zusammenarbeit und gib den anderen ebenfalls die Gelegenheit, sich dazu zu äußern. Und dann findet einen Konsens.

Übergehen wir Missstimmung im Team auf Dauer, schadet das allen im Team: denen mit denen ihr unterwegs seid – und eurem Auftrag könnt ihr auch nicht richtig gerecht werden. Die Zeit und Kraft und den Mut, die ihr an dieser Stelle in Aussprachen investiert, die lohnen sich wirklich. Und wenn am Ende dabei herauskommt, dass ihr eigentlich gar nicht zusammenarbeiten wollt/könnt, dann ist das nicht unbedingt ein Scheitern – auch wenn es sich zuerst so anfühlt.

Leute wollen sich möglichst lange alle Optionen offen halten.

Mir hilft es zu prüfen, wo ich gut mit Ungewissheit leben kann und wo ich Klarheit brauche, um mich konzentriert und effizient vorzubereiten. Umgekehrt achte ich darauf, dass ich selbst in Absprachen möglichst klar bin und den anderen nicht hinhalte, nur weil es mir schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen.

Apropos Entscheidungen treffen: KEINE Entscheidung zu treffen, bzw. es möglichst lange rauszuziehen habe ich für mich als großen Energiekiller identifiziert. Immer wieder kreisen die Gedanken darum. Ich wäge ab, prüfe, eiere rum… Und heimlich still und leise verpufft dabei einiges an Energie. Also: einmal Zeit nehmen, Optionen prüfen und abwägen, in mich reinhören, Entscheidung treffen, Entscheidung kundtun. Und dann dazu stehen. Nicht verknöchert ein Gesetz draus machen. Es gibt Situationen, da habe ich Ja gesagt und dann ändert sich auf dem Weg etwas Entscheidendes. Da wäge ich dann so gut wie es mir möglich ist nach allen Seiten ab und überprüfe meine Entscheidung unter diesen neuen Voraussetzungen noch einmal. Und dann kommuniziere ich sie zeitnah und klar.

Das A & O bei der Auseinandersetzung mit den Energiekillern: Sei barmherzig. Mit dir selbst. Mit anderen. Wir sind alle unvollkommen. Uns wird nie alles 100% so gelingen, wie wir das gerne hätten.

Prävention

Wir haben uns angeschaut, wie wir mit Energiekillern umgehen können. Jetzt möchte ich dein Augenmerk noch auf drei Komponenten lenken, die deine seelische Gesundheit und deine Lebensfreude auf Dauer stärken können. Komponenten also, die dich widerstandsfähiger, resilienter gegen negativen Stress machen, der dir Motivation, Schaffenskraft und Freude raubt. Und damit sind wir mitten drin in der Prävention. Wie kann ich als engagierte Person so mit meinen Ressourcen umgehen, dass sie für die ganze Strecke reichen? Es gibt weit mehr, doch mir liegen diese drei besonders am Herzen:

Resilienzfaktor „Gesehen werden“

Kurz gesagt steckt hinter vielen ausgebrannten Menschen ein Mangel an „gesehen werden“. Ihnen fehlt schlicht die Rückmeldung von anderen:

Ich sehe dich. Ich sehe deine Gaben. Ich sehe, was du in die Gemeinschaft einbringst. Mir ist auch wichtig zu verstehen was du brauchst, damit es dir in unserer Gemeinschaft gut geht. Ich bin bereit, genau hinzuschauen und hinzuhören, um dich besser kennen zu lernen. Ich habe Interesse an dir. Ich schätze dich. In deiner Einzigartigkeit – inklusive deiner Eigenarten. Ich sehe und achte deinen Wert und deine Würde.

Es ist von unschätzbarem Wert für uns als Gemeinschaftswesen erschaffene Menschen, von unserem Gegenüber genau diese Botschaft zu bekommen. Also lasst uns einander positive Rückmeldungen geben, wo immer wir eine Gelegenheit dafür finden. Lasst uns kreativ darin werden, anderen unsere Wertschätzung auszudrücken.

Resilienzfaktor „Dankbarkeit“

Und das lässt sich wunderbar verknüpfen mit dem „Danke sagen“. Eine wertschätzende Rückmeldung auf Augenhöhe enthält diese drei Bausteine:

1) Beobachtung. 2) Wie es dir damit geht/Was es dir bedeutet. 3) Danke.

Beispiel gefällig? „Ich habe mich so über den aufgeräumten Bastelschrank gefreut – hast du das gemacht? Vielen Dank für die Zeit, die du uns allen geschenkt hast!“ Oder: „Danke, dass du meine Mails innerhalb eines Tages beantwortest. Es ist mir eine wertvolle Unterstützung, so zügig und zuverlässig deine Rückmeldung zu meinen Fragen zu bekommen.“
Sowohl das mit der Wertschätzung als auch mit der Dankbarkeit ist weit mehr als eine Einbahnstraße. Dankbare Menschen treffen auf dankbare Menschen. Wer Wertschätzung verschenkt wird Wertschätzung ernten. Frei nach dem Motto: „Liebe ist das einzige, was wächst, wenn wir es verschwenden.“ (Ricarda Huch)

Resilienzfaktor „TEAM“

TEAM = together everyone achieves more

Ich liebe dieses „Wortspiel“. Gemeinsam sind wir nicht nur stärker. Leben wir tatsächlich den Teamgeist „Einer für alle – alle für einen“, wird jeder von uns durch die anderen so ergänzt, dass er dank dieses Teams mehr erreicht als alleine. Und wertvolle Ergänzung und dadurch auch Entlastung erlebt. Wenn ich Teil eines Teams bin, muss ich nicht alles wissen, können oder tun. Ich muss nicht allen alles sein – es gibt ja noch die anderen. Wo mir die Geduld oder Kraft fehlt und ich einen Schritt zurücktrete und den anderen Raum gebe, blüht vielleicht meine Teamkollegin voll auf, weil die Herausforderung ihren Stärken entspricht. Viele Jahre unterwegs zu sein in unterschiedlichsten Teams hat mir gezeigt: Da, wo Menschen gerne, wertschätzend, gabenorientiert und zielgerichtet miteinander unterwegs sind, können wir oftmals viel mehr erreichen, als manch ein Skeptiker für möglich halten würde. UND wir mögen nach einem großen langen Camp zwar fix und fertig, aber eben auch glücklich und zufrieden sein. Und beflügelt für weitere Abenteuer.

Es braucht Pausen

Ausruhen. Nichts leisten müssen. Genießen. Kraftreserven auffüllen – zwischendurch braucht es auch die Pausen. „Batterie fast leer!“, zeigt mein Laptop gerade an. Wie merkst du, dass deine Akkufüllung sich dem Ende entgegen neigt, deine Kraftreserven sich erschöpfen? Wie zeigt dir dein Körper, dass eine Pause dran ist? Und schenkst du dem Beachtung? Planst du Pausenzeiten von vorneherein mit ein? Wie schnell bist du bereit, über deine Grenzen zu gehen?

In einer Zeit der grenzenlosen Möglichkeiten und eines grenzenlosen Angebotes an Abenteuern, Aufgaben und Ablenkung tun wir uns logischerweise schwer mit dem Abgrenzen. Und doch brauchen wir sie dringend, die Grenzen, die uns schützen. So wie die Mauern deiner Wohnung deinen Rückzugsort markieren und dich vor Wind und Wetter, Hitze und Kälte schützen, kann auch ein Nein eine wichtige Schutzfunktion haben. An der richtigen Stelle „Nein“ sagen schützt dein „Ja“. Wenn du dich schwertust, anderen eine Bitte auszuschlagen, dann frag dich, bevor du das nächste Mal Ja sagst: „Wenn ich jetzt hierzu Ja sage – wozu sage ich dann Nein?“ Wenn ich zu dieser Aufgabe in der Gemeinde Ja sage – was bedeutet das für meine Freundschaften, meine Zeit für mich, meine Arbeit …? Wenn ich den letzten freien Abend in der Woche für diese Sitzung hergebe – wozu sage ich dann Nein? Und was hat das für Auswirkungen?

Wir sind permanent herausgefordert, das, was uns wichtig ist, zu schützen. Je klarer du dir darüber bist, was dir das Kostbarste im Leben ist und was dir auch noch wichtig ist, desto leichter fällt es dir, deine Entscheidungen danach auszurichten. Es lohnt sich, dir Zeit zu nehmen um deine Vision für deine aktuelle Lebensphase zu klären. Eine Klarheit an diesem Punkt bringt Einfachheit und Freiheit mit sich. Das wiederum wirkt sich positiv auf dein Energielevel aus und auf deine Freude an deinem Tun.

Alles hat seine Zeit

Gott hat die Zeit eingeteilt. In Tag und Nacht, Sommer und Winter. Werktag und Sonntag. Und als Extra obendrauf gibt’s noch die Feiertage! Ich liebe Feiertage! Vor allem die, an denen ich als engagierte Christin nichts zu tun habe. Kein Gottesdienst – einfach mal ausschlafen! Davon schwärmte ich am 3. Oktober, von diesem extra geschenkten freien Tag gestern. Für den ich mir Werken im Kreativkeller vorgenommen hatte. Und dann schien nach einem Regentag die Sonne und ein Spaziergang mit Freundinnen lockte in die bunt gefärbten Weinberge! Hach, ist das schön, einfach in den Tag leben und sich überraschen lassen können. Weil heute alles darf, aber nichts muss. Und rate mal, was meine Freundin, die engagierte Lehrerin und Ehrenamtliche, antwortete? „Bisher war das für mich ein extra Tag, an dem ich ungestört Klausuren korrigieren konnte. Erinnere mich nächstes Jahr daran, dass ich mich entschieden habe, mir zwischendurch mal extra frei zu gönnen!“

Wann gönnst du dir das nächste Mal frei? Um dich selbst mit der Feststellung zu überraschen: Die Welt dreht sich weiter – auch wenn ich Pause mache.

Für alles gibt es ein Buch

Und nicht nur eins! Hier eine kleine Liste, wenn du das eine oder andere Thema, das ich angerissen habe, weiter vertiefen willst:

  • Härry, Thomas: Von der Kunst, sich selbst zu führen. SCM-Verlag
  • Heller, Jutta: So bin ich stark. Gut aufgestellt mit dem inneren Team. Kösel-Verlag
  • MacDonald, Gordon: Warum Jesus kein Burnout hatte. Von innen heraus stark sein. Brunnen-Verlag
  • Niemeyer, Susanne: Soviel du brauchst. Sieben Sachen zum besseren Leben
  • Seiwert, Lothar; Gay, Friedbert: Das neue 1×1 der Persönlichkeit. Sich selbst und andere besser verstehen mit dem DISG-Modell. Der Praxisleitfaden zu mehr Menschenkenntnis und Erfolg. G&U-Verlag
  • Sellin, Rolf: Bis hierher und nicht weiter. Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen. Kösel-Verlag

Und als Zugabe noch ein Link:www.persolog.de – mehr zum DISG-Modell und zum Thema Resilienz

Dies ist eine persönlich gefärbte Auseinandersetzung mit „Kirche“ und dem schönsten Fest des Jahres.

Es ist ein offenes Geheimnis: Den großen Kirchen laufen die Mitglieder davon. Nicht weltweit, keine Angst. Es gibt immer noch Regionen in der Welt, wo sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche wächst und sich keine Sorgen um die Zukunft machen muss. Besonders auf dem afrikanischen Kontinent sowie in Asien lassen sich die Menschen zum Glauben einladen, aller Not und Verfolgung zum Trotz.

Deutlich anders und düsterer sieht es aber in Westeuropa aus. In Deutschland waren Ende 2021 erstmals weniger als die Hälfte der Menschen Angehörige einer der beiden Kirchen. Und die Experten befürchten, dass diese Zahl noch weiter steigen wird. Insgesamt alarmierend, scheint es doch zugleich widersprüchlich zu sein, denn viele Deutsche sehen sich durchaus als spirituell und auf der Suche nach Sinn-Antworten für ihr Leben. Doch diese finden sie zunehmend auch außerhalb der Kirchen, finden sie in sozialen Netzwerken, in selbst zusammengestelltem „Patchwork-Glauben“ – und kehren den altbackenen Strukturen und Antworten der offiziellen Kirchen den Rücken.

Warum laufen den Kirchen die Mitglieder davon?

Was mag der Auslöser für diese Entwicklung sein? Die erste Antwort, die vielen einfällt: der Kirchenaustritt als Reaktion auf die systematische Missbrauchsvertuschung der Kirche. Immerhin sind die Austrittszahlen der katholischen Kirche ja auch noch schlechter als die der evangelischen. An dieser Antwort ist auch etwas dran, aber sie greift dennoch zu kurz bzw. beleuchtet nur einen Teil der Gründe. Die „Evangelische Kirche Deutschlands“ (EKD) hat zu der Austrittsentwicklung 2021 eine Studie veröffentlicht, die einen differenzierteren Blick auf die Austrittszahlen wirft – sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche. Sie stellte fest, dass die Missbrauchsskandale und der kirchliche Umgang damit nur für 24% der ehemals evangelischen und 37% der vormals katholischen Kirchenmitglieder der Grund zum Austritt gewesen sind.

Auf beiden Seiten überwiegt das Gefühl, dass die Kirche nicht länger relevant für ihr Leben ist. Und das ist ein viel tiefgreifenderer Punkt: dass „Kirche“ nicht länger die Antworten auf die Sinnfragen geben kann, die man sucht, dass Kirche nicht mehr mit den Werten und Überzeugungen in Einklang zu bringen ist, die man selber vertritt – und dass es sich unter diesen Umständen, mit Blick auf die automatisch eingezogene Kirchensteuer, auch finanziell nicht länger lohnt, Mitglied der Kirche zu sein.

Es ist ein schleichender Prozess gewesen, dass die Kirchen über die letzten Jahrzehnte hinweg sich immer schwerer damit getan haben, eine tiefe und tragfähige Beziehung zu ihren Mitgliedern aufzubauen. Das religiöse Selbstverständnis derer, die seit 2018 aus der Kirche ausgetreten sind, ist auf einem kritischen Tiefpunkt. Viele bezeichnen sich nicht als religiös, obwohl die Hälfte der Befragten in ihrer Erziehung noch religiöse Elemente wahrgenommen und erlebt haben. Und die Konfirmation war dann für viele der Moment, der als Höhe- und zugleich Endpunkt der persönlichen Gottes-Beziehung wahrgenommen wurde.

Es zeigt sich: Kinder, die zunehmend areligiös aufgewachsen sind, die Taufe und Konfirmation maximal noch als gesellschaftliches Fest wahrnehmen, trennen sich von der Kirche. Eine ganze Generation an Menschen, die wir für die Gemeinschaft der Heiligen (vorerst) verloren haben. Die Werte, die diese junge Generation vertritt, finden sich zwar auch in der Kirche, aber eben genauso in alternativen Weltanschauungen.

Doch hier mag ein Ansatzpunkt sein. „Kirche“ hat erkannt, dass ein Wandel stattfinden muss. Nicht nur, aber auch im Inhalt. Die systematische Ausgrenzung transidenter Personen, homosexuell lebender Menschen und anderer, die heute eine Alternative zum traditionellen binären Lebensentwurf ersehnen – das lässt sich nicht länger mit dem Gott in Einklang bringen, der in Jesus Christus doch vor allem die bedingungslose Liebe gepredigt hat. Und dann haben wir über eher „katholische Themen“ wie die Rolle der Frau und das Zölibat noch gar nicht nachgedacht.

Über den Inhalt hinaus geht es auch um die Frage der Form. „Kirche“ kann nicht länger existieren oder gar wachsen, wenn sie sich einfach darauf verlässt, dass „Mensch“ schon zu ihr kommen wird. »Kirche« muss raus zu den Menschen, muss mal wieder das tun, wozu Jesus von Anfang an unmissverständlich aufgefordert hat: „Gehet hin!“ Zu den Menschen gehen, sie in ihren Nöten sehen und darin begleiten und zur Not auch mal „dem Rad in die Speichen fallen“, wie Bonhoeffer es formuliert hat.

Und wenn sich Menschen zunehmend auch im digitalen Raum begegnen, dann gehört Kirche dort auch rein. Mitten hinein. Dann hilft es nicht, an den liebgewonnenen alten „realen“ Strukturen und Gemeindeformen festzuhalten, sondern die Erfahrungsgewinne durch Corona weiter auszubauen und Gemeinde-Leben zu exportieren ins world wide web. Dafür muss dann aber auch das Geld vorhanden sein, um ernstzunehmenden Content zu produzieren. „Digitale Kirche“ ist keine Nische, keine Konkurrenz, sondern Schwester im Glauben, Gegenüber für Kirchenfremde, Gemeinschaft der Heiligen.

Osterhasen und Weihnachtsmänner

Ein anderer Aspekt: In einer Kolumne während der Vorbereitung habe ich gelesen, dass sich der Niedergang der Kirchen in Deutschland mitnichten an der Anzahl der Minarette im Land abzählen lässt, sondern eher an der Zahl der Osterhasen (und ich möchte ergänzen „der Weihnachtsmänner“) im Supermarktregal. Wir verkaufen den Glauben, alles wird Konsum. Die religiösen Feiertage in unserem Land verlieren an Bedeutung. Nicht wenigen fällt es immer schwerer zu erklären, was an den einzelnen Feiertagen überhaupt gefeiert wird. Ostern und Weihnachten sind noch verhältnismäßig einfach, aber Pfingsten, Karfreitag und dann vor allem Himmelfahrt sind für viele vor allem einfach „arbeitsfreie“ Tage, die keine religiöse Anbindung haben. Es ist schließlich nicht ohne Grund, dass der Karfreitag als „stiller Feiertag“ regelmäßig zumindest in den Medien auf den Prüfstand gestellt wird.

Was an den großen Feiertagen jedoch nach wie vor eine besondere Bedeutung hat, ist die Erwartungshaltung der Menschen an diese freien Tage. Weihnachten ist das Fest der Liebe, hier soll alles perfekt, harmonisch und besinnlich sein. Einfach wie im Bilderbuch bzw. wie im Werbespot. Und auch die Adventszeit wird mit einer Emotionalität überfrachtet, dass der eigentliche Kern „Advent“ = „Ankunft“ = „Vorbereitung auf die Geburt Jesu“ gar nicht weiter wahrgenommen wird. Bedeutsamer ist da der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, der auch bitte nicht umbenannt werden soll. Hier ist die „christlich-abendländisch-deutsche Bevölkerung“ dann auf einmal doch sehr sensibel und wenig gesprächsbereit. Dazu gehört ebenso das Kaffeetrinken am Adventssonntag mit der Oma im Altenheim (dann muss man Weihnachten nicht schon wieder los) und die fristgerechte Lieferung aller Internet-Einkäufe bis zum 24.12. – gerne natürlich über Nacht, denn Weihnachten kommt immer so plötzlich.

In dieser Gemengelage wundere ich mich darüber, dass Weihnachten überhaupt noch kommt. Ich meine, wenn ich ohnehin „die Krippe leer lasse“, kann ich Weihnachten doch auch einfach verschieben?! Auf den Sommer, wenn ich mit einem kalten Bier am Grill stehen kann und nicht Gefahr laufen muss, vielleicht bei Eis und Schnee auf der Autobahn festzustecken?

Auf den Herbst, weil dann das Kartoffelfeuer so einladend brennt und in der Jahreszeit sowieso nicht so viel los ist? Oder ich feiere einfach ganz individuell – und verteile alle meine Wünsche und Geschenke das ganze Jahr über an die Menschen, die mir wichtig sind?!

Damit Weihnachten nicht ohne „Inhalt“ bleibt

Genug gelästert. Wie will ich also umgehen mit dieser Situation – die mich wütend und traurig zugleich macht?
Wie will ich reagieren in einem Umfeld, dass sich vielleicht zunehmend von dem entfernt, den ich als König und Retter über mein Leben anerkannt habe?
Wie will ich einen relevanten Unterschied machen in einer Gesellschaft, die doch gerade die Diversität und Unterschiedlichkeit feiert?
Wie will ich Weihnachten feiern?
Wie will ich zu Weihnachten einladen?

Ich möchte leben, was ich glaube. Ich möchte die Zeiten feiern, wie sie fallen: Advent ist Advent und beginnt nicht vor dem Ewigkeitssonntag.
Der Heilige Abend und Weihnachten sind nicht beliebige Namen für Familienfeste – sondern SIND Feste der Liebe.
Ich möchte erzählen von dem, der als Kind auf diese Welt und in die Not des Lebens gekommen ist. Ich möchte erzählen, was sich in meinem Leben als tragfähig erwiesen hat.
Ich möchte erzählen, wie sich Frieden anfühlen kann, wenn er im Herzen ankommt.
Ich möchte unbequem sein und nicht schweigen. Ich möchte singen und beten.
Ich möchte die Menschen einladen, sich auf diese Beziehung einzulassen, die Jesus bietet – und nicht länger nur auf die Fehler und Katastrophen zu schauen, die Menschen im Rahmen der Institution „Kirche“ fabriziert haben und weiter fabrizieren. Gehen wir weg von dem starren Rahmen, den Kirche heute repräsentiert und wenden wir uns dem Gott zu, der heute noch lebt und wirkt und liebt.

Dieses Infoblatt wurde von individualpsychologischen Beraterin Luise Hilckmann hergestellt.

Über die Referentin:

Schwerpunkte in ihrer IP-Praxis:

  • Erziehungsberatung
  • Ermutigungstrainings
  • Paarberatung und -therapie
  • Lebensstilanalyse
  • Vorträge und Workshops


Stationen der beruflichen Erfahrungen von Luise Hilckmann:

  • Ausbildung zur Erzieherin
  • Ausbildung zur Encouraging-Trainerin
  • Ausbildung zur Individualpsychologischen Beraterin
  • Seit 2005 Arbeit als Erzieherin in einer Jugendhilfeeinrichtung
  • Ausbildung in der Lebensstilanalyse
  • Dozentin in der Ausbildung Individualpsychologischer Berater am Adler-Schoenaker-Institut

Es ist nicht einfach über bedrückende Themen zu sprechen, doch sie zu meiden kann dazu führen, dass sich Kinder allein gelassen fühlen und ihre Angst noch größer wird.

Was man wissen muss, um eine Wahrnehmung zu erklären. Sie spielt sich auf drei Ebenen ab:

  • Außenwahrnehmung der Realität mit allen Sinnen
  • Innenwahrnehmung der eigenen Gefühle, also Körperwahrnehmungen, Befindlichkeit
  • Phantasiewelt
  • Alle Wahrnehmungen unterliegen einem Prozess des Beurteilens und Vergleichens
  • Unsere Erfahrungen und Erlebnisse verbinden sich mit Zukunftsvorstellungen
  • Die Ebenen vermischen sich und beeinflussen sich, z.B. Wirkung der Dunkelheit

Das ist wichtig, um uns und andere zu verstehen und um gut für sich und andere zu sorgen.

Das große Gefühl von Solidarität, wie wir sie gerade erleben, ist hilfreich, um nicht ausschließlich den Aggressionen und Nachrichten der aktuellen Ereignisse ausgesetzt zu sein.

Tipp 1: Ehrlich reden und keinen Platz für Fantasien lassen
Die meisten Kinder merken, dass etwas passiert, was die Erwachsenen in Sorge versetzt und ängstigt. Alfred Adler sagt: Kinder sind sehr gute Beobachter, aber schlechte Deuter. (Beispiel: Der Bruder vom Flüchtlingskind spielt nicht mehr mit ihr, obwohl früher ein enger Kontakt vorhanden war. Es denkt, er hat mich nicht mehr lieb – dabei orientiert er sich nur anders, neue Freunde, weiterführende Schule)
Die Persönlichkeit eines Kindes entwickelt sich vor allem in den ersten 4- 6 Jahren, hier werden die Grundlagen für eine gesunde psychische Entwicklung gelegt. Die Kinder interpretieren alles, was auf sie einwirkt. Daher ist es sehr wichtig, dass die Deutungen des Kindes nicht seiner Fantasie überlassen werden. Nichts ist schlimmer, als Kinder ihren Fantasien und den damit verbundenen Gefühle zu überlassen, denn wenn sie keine Erklärungen bekommen, blühen die Fantasien und Ängste. Deshalb ist es wichtig, die Gefühle zu benennen oder Erlebtes z.B. malen zu lassen. Dies gilt nicht nur für Eltern, sondern für alle Erwachsenen, die sich um die Erziehung/Betreuung von Kindern kümmern.

Drängen Sie dem Kind aber keine Gespräche über den Krieg auf, wenn es nicht darüber sprechen möchte.
Wenn Kinder z.B. bedrückt sind, sich absondern, oder zurückziehen oder wenn sie die Sprache noch nicht sprechen können, ist es wichtig einfach da zu sein und nonverbale Kommunikation einzusetzen.

Was, wenn Sie selbst stark belastet sind?
Starke Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut und Ohnmacht angesichts der Geschehnisse in der Ukraine sind normal. Die sollten Sie aber mit anderen Erwachsenen besprechen.
Als Eltern/ Erwachsener ist es Ihre Aufgabe, Halt zu geben, indem Sie Orientierung und Sicherheit vermitteln. Was Kinder brauchen, um sich zu entwickeln ist: Verbundenheit (das ich mich verbunden fühle, dazu gehöre), Geborgenheit (mich angenommen fühle, geborgen bin), Sicherheit (um Vertrauen aufzubauen und entspannen zu können).

Jeder Mensch hat Grundbedürfnisse sagt Adler:

  1. Wachsen zu dürfen, und sein Potential zu entfalten,
  2. Dazu zu gehören. (vor allem Kinder)
    ➔ Es gibt nur eine Beziehungsform, die beides leisten kann, und das ist Liebe.

Trauer hat viele Gesichter. Erwachsene sind häufig mit sich selbst beschäftigt. Ihre Gefühle werden oft nicht gezeigt. Wie schon gesagt: Kinder sind sehr gute Beobachter. und so beobachten sie auch, wie Erwachsene damit umgehen. Wenn sie merken, dass Sie selbst zu stark durch die Kriegsgeschehnisse belastet sind und möglicherweise Ihre eigene Angst auf Ihr Kind übertragen, suchen Sie am besten den Austausch und die Unterstützung in Ihrem sozialen Umfeld. Oder suchen Sie fachliche psychologische Hilfe.

Tipp 2: Die richtigen Worte finden


Es ist wichtig, dem Kind die Wahrheit zu sagen, (wenn es danach fragt) aber die Wahrheit muss unbedingt dem Alter, also der kognitiven und somit emotionalen Bewältigungsmöglichkeit des Kindes angepasst werden.

Auf dramatische Zuspitzungen, Anschuldigungen und Flüche sollte verzichtet werden. Je nach Altersgruppe, können den Kindern auch mehr Details zu dem Thema gegeben werden. Mit Pubertierenden kann über Krieg rational und offen gesprochen werden, mit einem z.B. fünfjährigen Kind nicht.

Krieg kann zum besseren Verständnis bei jüngeren Kindern mit Streit verglichen werden, z.B. kann man sagen: Krieg kann entstehen, wenn Regierungen und Politiker nicht mehr miteinander reden, um ihre Konflikte auf friedliche Weise zu lösen. Dann versuchen diese Staaten, den Streit gewaltsam mit Waffen und Militär zu lösen. Dann kommt es zum Krieg, es wird viel zerstört und es leiden oft viele Menschen.

Tipp 3: Kindern Sicherheit und Orientierung vermitteln

Auch wenn man als erwachsene Person selbst in Sorge ist und sich hilflos fühlt, sollte man versuchen, Kindern in dieser Situation ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Kleineren Kindern (Vorschulalter und frühes Grundschulalter) könnte man zum Beispiel sagen, dass in der Welt gerade ein großer Streit stattfindet. Aber dass dort, wo es Streit gibt, auch Lösungen gesucht und gefunden werden, und dass die Kinder diese nicht selbst finden müssen. Sie sind nicht dafür verantwortlich.

Tipp 4: Hoffnung machen
Bei älteren Schulkindern, die bereits wissen was Waffen sind und auch den Begriff Krieg kennen, könnte man als Eltern erklären, dass Erwachsene im Streit oft schlimmer sind als Kinder und dass es im Moment einen Bestimmer / Mächtigen in einem Lande gibt, der unbedingt den Konflikt gewinnen will. Dass aber fast alle Länder auf der ganzen Welt versuchen, dass er damit aufhört. Denn daran müssen Kinder glauben, egal wie schwierig die Umstände sind, es gibt immer eine Lösung. Kriege hat es in der Geschichte schon öfter gegeben, und auch dieser Krieg wird irgendwann ein Ende haben. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir den Fokus auf den Frieden legen. Wenn ein Krieg zu Ende ist beginnt die Arbeit am Frieden. Die Menschen müssen wieder Wege für ein Zusammenleben und Versöhnung finden. Kindern soll vermittelt werden, dass es nur eine Sorte Menschen gibt, die sich eine Heimat teilen, diesen Planeten! Wir sollen Einheit in der Vielfalt leben! (Damit leisten wir Präventionsarbeit gegen Vorurteile!)

Frieden beginnt im Kleinen (Familie, Schule, Kindergarten, Freunde u.s.w)

Was kann jeder dazu beitragen, dass wir friedlich miteinander umgehen? Mit den Kindern gemeinsam überlegen, wie wir im Kleinen anfangen können, zum Frieden beizutragen, wie sie zu Weltverbesserer werden können? Für Kinder ist es wichtig beizutragen und etwas zu tun, das macht weniger ohnmächtig. Zusammen etwas zu tun, macht stark und selbstbewusst!

Tipp 5: Nicht pauschalisieren!
Ich denke man sollte vermeiden, bei den kleineren Kindern das Land oder Namen zu nennen, von denen die Aggression ausgeht, um zukünftige Zuschreibungen, Vorurteile und Ausgrenzungen zu vermeiden.

Tipp 6: Beziehungsqualitäten anwenden!
Ganz konkret üben! Sich eine Qualität vornehmen und selbst mitmachen!

  • Der freundliche Blick
  • Die freundliche Stimme
  • Interesse zeigen
  • Aufmerksam zuhören
  • Humor
  • Für sich selbst gut sorgen

Die wichtigsten Punkte aus der Schulsozialarbeit
Kurz zusammengefasst zu der Fragestellung, was Schulen beachten sollten, wenn Schülerinnen und Schüler aus dem ukrainischen Kriegsgebiet aufgenommen werden:

Kinder und Jugendliche, die aktuell aus Kriegsgebieten fliehen müssen, werden mit einer Vielzahl von Belastungserfahrungen in den Schulklassen ankommen, die sich von Fall zu Fall sehr stark unterscheiden. Tod naher Angehöriger bzw. Unklarheit darüber, ob diese noch leben, Ungewissheit, wo sie wohnen können, oder die Frage nach dem weiteren Schicksal ihres Heimatlandes sind nur einige Beispiele für stark belastende Erlebnisse, die unter Umständen zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen können. (Geflüchtete Schüler verarbeiten auch auf dem Schulhof Kriegserlebnisse durch Nachspielen). -> Aufgreifen und mit allen Kindern darüber sprechen.

Doch längst nicht alle geflüchteten Kinder und Jugendliche sind traumatisiert. Selbst wenn die Erlebnisse auf der Flucht weniger belastend sind, stellen allein die Erfahrung von Entwurzelung von der Heimat und der Kulturschock, (Beispiel: Schwimmbad-Erleben von afghanischen Flüchtlingen) in einem fremden Land zu sein, dessen Sprache man nicht versteht, eine enorme Herausforderung dar.

In diesem Kontext ist der Schulbesuch dieser Kinder und Jugendlichen ein enorm wichtiges, stützendes Element, das im günstigen Fall durch die routinierten, strukturierten Abläufe einen Erlebnisraum von Sicherheit und Stabilität bieten kann.

Den betroffenen Schülerinnen und Schülern trotz der Sprachbarriere dieses Erlebnis zu ermöglichen, ist eine wichtige Aufgabe der Lehrkräfte. In diesem Zuge kann die Schulsozialarbeit an den Schulen vor Ort beratende Unterstützung bieten. Für die Geflohenen wie auch für alle anderen Schülerinnen und Schüler ist es jederzeit möglich, dass bei auftretenden Verhaltensauffälligkeiten in der Schule die schulpsychologische Beratung sowohl von Schulen als auch von den Erziehungsberechtigten angefordert wird.

Bei vermuteten Anzeichen einer Traumatisierung einer Schülerin oder eines Schülers ist in jedem Fall eine schulpsychologische Beratung sinnvoll und notwendig. Die weiterführende Diagnostik und Behandlung können nur durch approbierte Psychologinnen und Psychologen erfolgen.

Allgemeine Hinweise zum Umgang mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen in der Schule

  • Zusammengehörigkeit und Klassengemeinschaft fördern
  • Lernen durch Gleichaltrige, bspw. durch Patenschaften oder Lern-Buddies
  • Lernerfolge ermöglichen, auch im Kleinen: Es muss und darf weitergehen im Leben – Schule als heilsame Normalität.
  • Keine überbehütende, aber eine sensible Behandlung
  • Sensibilisiert sein für mögliche kulturelle Missverständnisse
  • Mitgefühl, nicht Mitleid: Mitleid erzeugt zwei Leidende, Mitgefühl hilft
  • Interesse am Kind bzw. Jugendlichen und ihrem/seinem Leben bekunden
  • Wertschätzung, Herstellen von Erfolgserlebnissen
  • Vorsicht: bestimmte Unterrichtsthemen (z. B. Krieg, Gewalt) könnten traumatische Erlebnisse „triggern“. In diesen Fällen wäre ein sensibler und behutsamer Umgang ratsam, bspw. sollte auf das Zeigen von entsprechenden Bildern verzichtet werden.
  • Spracherwerb fördern,
  • bei anhaltenden Auffälligkeiten oder Veränderungen Gespräch mit dem Kind/ Jugendlichen und deren Eltern suchen
  • bei Bedarf Einbeziehung von Schulsozialarbeit und Schulpsychologen

Selbst ohne traumapädagogische Kenntnisse kann durch die Schaffung eines sichereren Ortes in der Schule den Ankommenden schon viel geholfen werden.

Hilfreiche Internetseiten für Kinder und Erwachsene:

  • Frieden-Fragen.de
  • Frag Finn.de
  • Blinde Kuh
  • Logo Nachrichten für Schulkinder

Hilfreiche Bücher:

  • Mama, Papa…. Wie passiert Krieg (Gabriele Liesenfeld)
  • Wie ist es, wenn es Krieg gibt, (Louise Spilsbury)
  • Wie ist es, wenn man arm ist (Louise Spilsbury)
  • Wie ist es, wenn man kein Zuhause mehr hat (Louise Spilsbury)
  • Mit einem Koffer voller Bücher (Muzoon Almellehan)
  • Akim rennt (Claude K. Dubois)

Liest die Jugend die Bibel?

Manche Jugendlichen lesen regelmäßig in der Bibel, aber die meisten tun sich schwer damit. Eine wichtige Rolle spielt das Umfeld, in dem sie aufgewachsen sind. Wer dort mit der Bibel in Berührung kommt, findet auch als junger Mensch leichter Zugang zum Bibellesen.

Wir befinden uns im Jahre 2021 n. Chr. Eine ganze Generation Jugendlicher wirkt in die Gesellschaft hinein. Sie setzt sich für Klimagerechtigkeit ein. Sie meistert den Lockdown und die Schulschließungen der Corona-Pandemie mit Bravour. Sie ist eine Generation voller Lobpreis und sie liest die Bibel. Eine ganze Generation? Nein! Ebenso wie nicht ganz Gallien von den Römern besetzt ist, weil ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf um Asterix und Obelix dem Eindringling Widerstand leistet, so ist es schwer, eine ganze Generation Jugendlicher über einen Kamm zu scheren. Denn die Jugend gibt es nicht! Auch wenn einigende Ereignisse wie die Corona-Pandemie Jugendliche zu einer Generation zusammenschließen, ist die Lebensphase „Jugend“ in unserer Gesellschaft sehr divers. Die Lebenswirklichkeiten und religiösen Einstellungen von Jugendlichen sind unterschiedlich und sie beeinflussen, ob und wie die jungen Menschen mit der Bibel umgehen.

Jugendstudien

Da liest die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland nie selbstständig in der Bibel, während es auch junge Menschen gibt, die sogar jeden Tag die Bibel aufschlagen. Insbesondere hochreligiöse Jugendliche lesen häufig, 27,8% sogar täglich in der Bibel und versuchen ihren Alltag nach biblischen Ideen auszurichten. Das hat die Empirica Jugendstudie (2018) von Tobias Faix und Tobias Künkler herausgefunden. Die beiden Gruppen unterscheiden sich in ihrer Religiosität: Während viele Jugendliche sich von Glaube und Kirche distanziert haben, gibt es religiöse Jugendliche, die selbstständiges Bibellesen in ihrem Glaubensleben verankert haben. Es gehört für sie neben Gottesdienstbesuch und Gebet zu ihrer eigenen Frömmigkeit dazu. Bedeutsam scheint hier, dass die gelingende Anwendung von biblischen Inhalten im Leben von Jugendlichen dazu beiträgt, dass sie die Bibel positiv wahrnehmen, so eine Studie von Carsten Gennerich und Mirjam Zimmermann (2020).  

Diese Studie zeigt außerdem, dass gute Erfahrungen in der Kindheit das selbstständige Bibellesen fördern: Jugendliche lesen eher in der Bibel, wenn sie in ihrem Elternhaus eine Bibel vorfanden, sie eine verständliche Bibel hatten (das war zumeist eine Kinderbibel in ihrer Kindheit) und ihnen biblische Geschichten vorgelesen oder erzählt wurden. Es beeinflusst also die Einstellung von jungen Menschen zum Bibellesen, wenn ihnen ihre Eltern, Großeltern oder auch Mitarbeitende im Kindergottesdienst Geschichten aus der Bibel weitergeben. Jugendliche, die in einem frommen Umfeld aufwachsen und so schon erste Erfahrungen mit diesem Buch gemacht haben, die eine eigene Religiosität entwickeln konnten und erfahren haben, dass die Bibel für ihre Lebenswirklichkeit relevant ist, lesen also häufiger darin.

Zudem weist die Studie einige geschlechtsgebundene Unterschiede im Bibellesen und Bibelwissen nach. Mädchen lesen mehr in der Bibel als Jungen und haben deshalb ein größeres Bibelwissen. Sie haben andere Lieblingsgeschichten als Jungen, wie zum Beispiel die Geschichte der Geburt Jesu, und identifizieren sich eher mit biblischen Frauengestalten. Für Jungen sind Computerspiele ein Zugang zur Bibel.

Anleitung und Begleitung

Liest die Jugend Bibel? Nein! Lesen Jugendliche Bibel? Ja! Die Jugend ist so vielfältig wie unsere Gesellschaft es ist. Daher ist es notwendig, näher hinzusehen, welche Jugendliche warum und unter welchen Umständen die Bibel gerne zur Hand nehmen und wie man sie darin unterstützen kann. Aber auch, welche Jugendlichen wenig mit dem Buch der Bücher anfangen können und was sie brauchen, damit sie vielleicht doch noch einen Zugang dazu finden.

Aus der Perspektive der evangelischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen heißt das für mich, biblische Geschichten kreativ und methodisch durchdacht vorzulesen, gemeinsam zu lesen oder zu erzählen und so Bezüge zur Bibel zu schaffen und zu zeigen, dass die Botschaft dieses Buchs für ihr Leben bedeutsam ist. Es braucht Anleitung und Begleitung! Es ist nicht selbstverständlich, dass Jugendliche Begriffe und Texte der Bibel verstehen, weder semantisch noch inhaltlich, und dass sie die Aussagen als für sie relevant ansehen. Hauptberuflich und ehrenamtlich Mitarbeitende können ihnen dabei helfen, erklären, versuchen, ihre Fragen zu beantworten. Sie können mit den verschiedenen jungen Menschen verschiedene Zugänge zur Bibel suchen. Entscheidend ist, die Verschiedenheit der Jugendlichen wahr- und ernst zu nehmen. Denn nur so können wir junge Menschen unterstützen, die Bibel selber zu lesen.


 

 

„Morgen ist auch noch ein Tag“ – vielleicht kennst du noch das Zitat von Scarett O’Hara aus dem Filmklassiker „Vom Winde verweht“? Vielleicht kennst du den Satz aber auch von dir selber oder einer guten Freundin? Da steht eine besondere Aufgabe an: ein Referat, eine Klausur, die Uni-Bewerbung, ein Abgabetermin auf der Arbeit… und du hast noch einige Tage oder gar Wochen Zeit, mit dieser Aufgabe zu beginnen.

Die meisten von uns beginnen natürlich nicht sofort, sondern nutzen das Zeitfenster aus – um erst noch eine andere Aufgabe abzuschließen, um ein wenig Freizeit zu genießen, um erst noch Ideen zu sammeln … Sie fangen später an, aber meist noch rechtzeitig genug, um nicht in den totalen Stress zu verfallen und Panik zu schieben, wie alles noch geschafft werden muss. Manche verpassen jedoch diesen Startpunkt und bei denen wird es echt knapp, dass die Aufgabe noch zu dem verlangten Zeitpunkt fertig wird. Und manches Mal beginnt sogar die Qualität zu leiden, weil man für sorgfältiges Arbeiten einfach keine Zeit mehr hatte. Und wieder andere schaffen es gar nicht. Sie fangen gar nicht erst an oder sind tatsächlich so spät, dass die Aufgabe nicht erfolgreich erfüllt werden kann. Und jetzt gibt es dafür die Quittung: schlechte Noten, Ärger, vielleicht sogar im schlimmsten Fall Abbruch des Studiums oder Verlust der Arbeitsstelle. Darum ist Prokrastination in ihrer ausgeprägtesten Form definitiv eine Krankheit, die von Profis behandelt werden muss – und hat nichts mit Faulheit zu tun.

Wenn du nach der Definition dieser Krankheit im Internet suchst, findest du z. B. bei Wikipedia folgende Erklärung:

„Prokrastination (vom lateinischen Substantiv procrastinatio („Aufschub“, „Vertagung“), das zusammengesetzt ist aus dem Präfix pro- („vor-„, vorwärts-“) und dem Substantiv crastinum,-i („morgiger Tag“; vgl. das Adverb cras = „morgen“)), auch „extremes Aufschieben“, ist eine pathologische Störung, die durch ein unnötiges Vertagen des Beginns oder durch Unterbrechen von Aufgaben gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustande kommt“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Prokrastination, Stand: 11. Juni 2022)

Viele von uns kennen die Anfänge der Prokrastination, denn Untersuchungen zeigen, dass fast alle Menschen bestimmte Aufgaben erst einmal aufschieben. Die Forschung definiert dabei zwei unterschiedliche Typen und trennt damit die „Erregungsaufschieber“, die scheinbar erst unter einem gewissen Druck gut und erfolgreich arbeiten können, von den „Vermeidungsaufschiebern“, die sich ihrerseits aus Versagensängsten nicht rechtzeitig oder sogar gar nicht an die Bewältigung der Aufgabe machen. Bei dem zweiten Typ entwickelt sich dann ganz schnell ein Kreislauf. Aus der Angst heraus zu versagen, beginnt man mit der Aufgabe zu spät:

  • hat nicht mehr genug Zeit, um ein zufriedenstellendes Ergebnis vorzulegen
  • erhält eine schlechte Note/Beurteilung
  • empfindet persönliches Versagen und hat Angst, dieses Versagen zu wiederholen usw.

Aber was beeinflusst unsere Entwicklung in diesem Bereich? Welche Faktoren begünstigen Prokrastination?

Es gibt durchaus einige Dinge, die sich auf unseren Prokrastinations-Level auswirken:

  • das eigene Zeitmanagement
  • die Fähigkeit, Dinge zu priorisieren
  • wie realistisch wir unsere Ziele stecken
  • Selbstdisziplin, um sich in den Arbeitsphasen nicht ablenken zu lassen
  • das Kennen des eigenen Bio-Rhythmus

Hier kann man selbst ansetzen, um eingefahrene und vielleicht schädliche Verhaltensmuster zu durchbrechen. Wenn du dazu mehr wissen möchtest, schau einfach mal unseren Stundenentwurf dazu an!

Jetzt kannst du gerne mal versuchen einzuordnen, wo du dich selbst siehst. Gehörst du vielleicht zu denen, die aus ganz praktischen und vielleicht aus egoistischen Gründen erstmal nicht mit der Aufgabe anfangen – in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch jemand anderes tut oder dass es noch gar nicht nötig ist?
Dann kannst du dich zu den so genannten „funktionalen Prokrastiniererinnen“ zählen: In diesem Fall geht es dir vor allem um die sinnvolle Einsparung deiner Ressource „Arbeitskraft“. Das äußerste, was du riskierst, ist der Ärger mit den anderen, weil du dich damit konsequent zum Beispiel um das Ausräumen der Spülmaschine drückst.

Wenn du zu denen gehörst, die bereits in der Schule so spät wie möglich angefangen haben, für Vokabeltests und Klassenarbeiten zu lernen und dieses Verhalten in Studium und Arbeit fortführst, gehörst du eher zu „akademischen Prokrastiniererinnen“: Du hast dieses Verhalten bereits in der Schule verinnerlicht – aber es gibt noch recht einfache Wege, dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen und mit mehr Erfolg durch die Aufgaben zu kommen.

Zu den „adminsitrativen Prokrastiniererinnen“ kannst du dich zählen, wenn es bei dir vor allem unliebsame Verwaltungsaufgaben sind, die du so lange wie möglich vor dir her schiebst: sei es die Abrechnung der Abi-Feier, die Steuererklärung oder das Bezahlen von Rechnungen. Hier könnten, vor allem bei verspäteten Zahlungen, schon mehr negative Folgen zu befürchten sein: Mahngebühren, der Eintrag ins Schufa-Register, etc. – und für manche ist der Weg in die Abwärtsspirale der Prokrastination auch nicht mehr weit. Aber auch hier gibt es noch verschiedene Methoden, mit denen du dir selbst helfen kannst.

Wenn du aber im tiefen Tal der Prokrastination angekommen bist, gehörst du zu den „pathologischen Prokrastiniererinnen“: Du erlebst bei dir ein Verhalten, das geradezu zwanghaft ist und das du auch schon lange nicht mehr unter Kontrolle hast. Du leidest selber sehr stark unter den negativen Auswirkungen deines Verhaltens in den ganz unterschiedlichen Bereichen deines Lebens und hast ein Stadium erreicht, in dem du definitiv professionelle Hilfe benötigst.

Aber hab Hoffnung, denn dieses Krankheitsbild ist behandelbar und es gibt einen Weg hinaus! Erste Anlaufstelle für dich können dann dein Hausarzt oder die psychologische Studienberatung sein.

Wenn du das Gefühl hast, dass dich dieses Thema triggert und du gerne selber mal professionell einschätzen lassen möchtest, wo du gerade stehst, findest du auf dem Internetauftritt der Prokrastinationsambulanz der Westfälische Wilhems-Universität Münster professionelle Hilfe in Form von Diagnostik, Beratung und Therapie bei Prokrastination: https://www.uni-muenster.de/Prokrastinationsambulanz/.

Eins der folgenden zehn Bilder kann hilfreich für Mitarbeiter sein, um in Teen- oder Jugendkreisen, sowie im persönlichen Gespräch Sexualität zu thematisieren:

  1. Verpacktes Geschenk in 3D: Sexualität ist ein großartiges Geschenk Gottes und betrifft den ganzen Menschen mit allen Dimensionen.[1] Man zieht sich beim Sex nicht nur körperlich, sondern auch seelisch vor einem anderen Menschen aus und macht sich dadurch verwundbar.[2]
  2. Fallschirm: Eine sichere Bindung an den Partner ermöglicht Intimität und sexuelle Zufriedenheit. Erst in der Kombination von Freiheit und Bindung kommt der Genuss von Sexualität völlig zur Entfaltung.[3]
  3. Spielfeld: Alles, was im Leben sinnvoll ist, bedarf eines passenden Rahmens.[4] Sexualität, insbesondere der Geschlechtsakt, hat so tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Person, dass sie einen stabilen Rahmen benötigt.
  4. Beziehungshaus: Jedes Haus benötigt ein tragfähiges Fundament. Wenn ich mit einer Person ein Haus baue, überlege ich auch vorher, wie dieses aussehen soll, welche Vorstellungen wir haben, was wir brauchen, bevor wir loslegen es zu bauen.[5]
  5. Dreibeinhocker: Je weniger Verbindlichkeit, desto weniger Intimität. Je mehr Verbindlichkeit, desto mehr Intimität. Und maximale Intimität verlangt maximale Verbindlichkeit. Die Weiterentwicklung einer Beziehung sollte auf allen Ebenen – Körper, Geist und Seele – ähnlich weit entwickelt sein. Schnell eilt der körperliche Teil weit voraus.
  6. Der innere Garten: Intimität und Sexualität sind von Scham und Privatsphäre gekennzeichnet. In diesem persönlichen Schutzraum darf nicht jeder machen, was er will.[6]
  7. Lagerfeuer: Ein kontrolliertes Feuer mit Grenzen will gehütet und genährt werden. Es hinterlässt keine Zerstörung und ist langfristig angelegt. Bringe niemanden zu etwas, was jemand eigentlich nicht will. Liebe hat das Beste für den anderen im Sinn, schließt aber auch Selbstliebe mit ein. (Vgl. FFL 116)[7]
  8. Pfeil und Bogen: Tragfähige Beziehungen setzen die Fähigkeit zum Bedürfnisaufschub voraus. Man kann die Spannung aufrechterhalten, um an Ende das Ziel nicht zu verfehlen.[8]
  9. Klebstoff:  Das sogenannte Kuschelhormon: Oxytocin verbindet zwei Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch miteinander bei Zärtlichkeiten, sexueller Erregung und am intensivsten beim Orgasmus. Oxytocin ist ein emotionaler Klebstoff, der die Verbundenheit stärkt.[9]
  10. Kinderwagen: Sexualität ist die intime Begegnung zwischen zwei Menschen. Sie gehen eine Verbindung ein, aus der neues Leben, ein Mensch entstehen kann.[10]

[1] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 141.

[2] Vgl. Joel White, 2020, Was sich Gott dabei gedacht hat, S. 80.

[3] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 118.

[4] Vgl. Joel White, 2020, Was sich Gott dabei gedacht hat, S. 69.

[5] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 132.

[6] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 106/107 &
Joel White, 2020, Was sich Gott dabei gedacht hat, S 86.

[7] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 116.

[8] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 124.

[9] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 138/139.

[10] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 144.

Kinder aus der Ukraine integrieren

Hier findet du ein paar Ideen, die euch Mut machen sollen, Kinder aus der Ukraine in euren Gruppen willkommen zu heißen.

Grundsätzliches

  • Viele der ukrainischen Kinder haben Unsicherheit und Angst erlebt oder sind in unpassenden Quartieren wie Massenunterkünften untergebracht. An diesen Situationen können wir oft nichts ändern. Aber wir können die Kinder in unseren Gruppen willkommen heißen und ihnen eine unbeschwerte Zeit anbieten, in der sie die Herausforderungen des Alltags vergessen und einfach Kind sein dürfen. Oft reichen dafür schon ganz einfache Spiele und Aktionen wie ein Bällebad, ein Spielplatz, Spielgeräte für draußen o. Ä. aus.   
  • Klare Abläufe oder Rituale, die sich jede Woche wiederholen, geben Kindern Sicherheit. Gerade für Kinder, die durch eine Sprachbarriere nicht alles verstehen, kann das eine Hilfe sein, damit sie sich zurechtfinden und wissen, was als Nächstes passiert. 
  • Spielt einfache Spiele ohne komplizierte Regeln.
  • Verwendet eine einfache Sprache mit einfachen Worten – besonders wenn ihr Geschichten erzählt.

Praktische Hilfsmittel

Du hast weitere Tipps und Tricks aus der Praxis? Dann teile sie gerne mit uns. Schreib einfach eine Mail an: annkatrin.edler@ec.de

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