Gemeinsam mehr Sommer – Alternative Freizeiten und Programme

Eure Freizeit kann im Sommer nicht wie geplant stattfinden. Hey, mach doch eines oder mehrere dieser Alternativprogramme. Wir haben euch hier ein paar Dinge zusammengestellt, die ihr in diesem Sommer machen könnt.

KON 01.2020 hat das Thema Aufbruch. Aufbrechen – das ist spannend, aufregend, manchmal auch schmerzlich. Es macht neugierig, nervös oder traurig – je nachdem, was man hinter sich lässt und was vor einem liegt. Menschen sind sehr unterschiedlich gestrickt, was das Aufbrechen angeht: Manchen fällt es eher schwer, sich zu verabschieden und auf einen neuen Weg zu begeben, andere stehen eigentlich permanent in den Startlöchern und können es gar nicht erwarten, endlich wieder aufzubrechen.

Eine Themenreihe mit Artikeln für Mitarbeiterinnen, Bibelarbeiten, Andachten, Stundenentwürfen und Kreativangeboten, ausgedacht für Mädchen von 12 bis 17, meistens aber auch in gemischten Gruppen zu verwenden.

Der Mensch ist ein »taktiles« Wesen: Das Tasten und Fühlen ist für uns eine ganz wichtige Sinneswahrnehmung – schon von klein auf, wenn wir die Welt um uns herum entdecken, wollen wir sie be-greifen. Berührung brauchen wir nicht nur, um unsere Neugier zu stillen, sondern auch ganz existentiell, um zufrieden leben zu können. Und bei Jesus können wir viele heilsame Berührungen sehen.

Themenartikel, Biblisches, Stundenentwürfe und Kreatives entfalten das Thema für Mitarbeiterinnen und ihre Mädchengruppen (Zielgruppe ca. 12–17 Jahre).

Ablauf der längeren Version (ca. 130 Minuten)

Element 1 Abschalten, Bilder kommen lassen, Ankommen für das Bibliorama (ca. 8 Minuten)

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer suchen sich eine gemütliche Ecke/eine bequeme Sitz- oder Liegeposition. Die Jugendlichen schließen die Augen und lassen die Bilder des vergangenen Tages/der vergangenen Woche vor ihrem inneren Auge Revue passieren. Währenddessen erklingt eine meditative Musik. Nach einigen Minuten werden sie von der Mitarbeiterin/vom Mitarbeiter aufgefordert, eines dieser inneren Bilder festzuhalten. Anschließend setzen sich immer zwei Jugendliche zusammen und erzählen sich von ihrem „Bild“ und von dem Erlebnis, welches hinter diesem Bild steht. Wenn die Zeit eher kurz bemessen ist, ist es auch möglich, das gegenseitige Erzählen wegzulassen.

Element 2 Text hören (ca. 5 Minuten)

Noch einmal machen es sich die Teilnehmenden bequem, schließen die Augen und hören auf den Bibeltext, der nun von der Mitarbeiterin/vom Mitarbeiter zweimal langsam vorgelesen wird. Vor dem inneren Auge soll der Text lebendig werden. Die Hörenden sollen sich ausmalen, wie die Personen des Textes ausgesehen haben: ihre Mimik, Körperhaltung, die Umgebung, Ablauf des Geschehens.

Element 3 Tagebucheintrag (ca. 5 Minuten)

Nun erhalten alle Teilnehmenden ein „Tagebuch“. In das Tagebuch sollen die Bilder eingetragen werden, die man sich besonders gut vorstellen konnte und was spontan und was den Betreffenden jetzt in diesem Moment zum Bibeltext einfällt. Keine Nacherzählung, sondern ein Meinungsbild zum Text sowie die Bilder, die hier und heute persönlich wichtig waren. Im Hintergrund läuft leise meditative Musik.

Element 4 Gehen im Raum mit Leitungsimpulsen (ca. 5 Minuten)

Die Jugendlichen bewegen sich zu etwas lebhafterer Musik (ohne Text) im Raum. Nun erfolgen Impulse durch die Mitarbeiterin/den Mitarbeiter: gehe „normal“ durch den Raum – drücke in deiner Gangart, Körperhaltung und Mimik Traurigkeit aus (aber jede/r ganz für sich) – nachdenklich stehen bleiben – losgehen und aufbrechen, zuerst langsam, dann schneller gehen, ein interessantes Ziel liegt vor dir – Erschrecken mit Körperhaltung und Mimik ausdrücken – zuerst erschrecken, dann schnell zu einem bestimmten Punkt laufen – beruhigend nach links und rechts schauen, beschwichtigend mit den Händen gestikulieren, dabei langsam weitergehen – eine bestimmte Person zuerst mit den Augen fixieren, dann schnell auf diese Person zugehen – vor der Person stehen bleiben, genau anschauen, dann wieder abwenden und zurückgehen – dies mehrmals hintereinander mit verschiedenen Personen machen… – zuletzt wieder eine bestimmte Person fixieren, auf sie zugehen, genau anschauen, dann umarmen – jubelnd und beschwingt weiterlaufen, hüpfen, freuen (langsam dann die Musik ausblenden)

Element 5 Text bearbeiten (ca. 5-7 Minuten)

Nun erhalten alle den Bibeltext (hochkopiert auf DIN A3-Größe) und viele verschiedene Farbstifte oder Wachsfarben. Jede/r kann nun den Bibeltext bunt bearbeiten: Fragezeichen oder Ausrufezeichen in den Text malen, bestimmte Worte oder Sätze hervorheben, Strichmännchen in oder neben den Text zeichnen, farblich jeweils die Stimungen des Textes/der Personen hervorheben, etc. Dadurch vertiefen sich die Jugendlichen in den Text und der Text wird zum „eigenen Text“.

Element 6 Handlungsworte heraussuchen (ca. 5-7 Minuten)

Mit einem Stift sollen nun alle Handlungsworte in dem Text umkreist werden und jede/r sucht sich für sich ein Handlungswort heraus, das sie/ihn jetzt im Moment am meisten anspricht.

Element 7 Wort gestalten (ca. 10 Minuten)

Auf einem DIN A3-Blatt (alternativ: Plakat) haben die Einzelnen nun die Möglichkeit, „ihr“ Handlungswort zu gestalten. Dazu werden Wachsmalfarben benutzt. Das Wort kann als Bild gestaltet werden, es ist aber auch möglich, das betreffende Wort in einer angemessenen Farbe, Schriftart oder in unterschiedlichen Größen zu schreiben (z.B. könnte „Angst“ ganz klein, zittrig und schwarz umrandet in eine Ecke geschrieben werden, „warm“ mit vielen warmen Farben und fließenden Formen…).

Element 8 Bibeltext auslegen (ca. 7-10 Minuten)

In der Raummitte wird viel Platz geschaffen, alle setzen sich mit ihrem gestalteten Wort um die noch leere Mitte im Kreis. Die Mitarbeiterin/derMitarbeiter liest noch einmal langsam den Bibeltext vor. Wenn das Wort, das gestaltet wurde, genannt wird, wird das gestaltete Blatt von der betreffenden Person in die Mitte gelegt. Bewusst einen Platz wählen, der zum Wort passt (z.B. eher an den Rand des Kreises, oder genau in die Mitte, oder neben ein anderes Wort, auf das es Bezug nimmt, erhöht auf einen Stuhl, o.ä.). Wichtig ist, dass die Worte nicht ausschließlich in der Reihenfolge abgelegt werden, sondern dass sie bewusst in Beziehung zu dem Platz und den anderen Worten gesetzt werden. So geschieht eine eindrückliche Textauslegung der besonderen Art…Danach Zeit lassen, damit alle sich die ausgelegten Wörter anschauen können.

Element 9 Worte finden sich (ca. 10 Minuten)

Immer 3-5 Personen (je nach Gesamtgruppengröße) bilden eine Kleingruppe. Die Kleingruppen finden sich dadurch, dass sich die Einzelnen mit denjenigen zusammenfinden, deren Bild besonders interessiert. Sinnvoll ist, wenn sich Personen mit unterschiedlichen Worten zusammenfinden. In der Kleingruppe berichten die Einzelnen nun, warum sie gerade dieses Wort angesprochen hat, was sie damit verbindet und warum sie es gerade so gestaltet haben. Die anderen können gerne nachfragen. Im Hintergrund läuft leise Musik, damit niemand das Gefühl hat, die anderen Gruppen hören der Erzählung in der eigenen Kleingruppe zu.

Element 10 Tagebuch (ca. 5 Minuten)

Der bearbeitete Bibeltext wird ins Tagebuch eingeklebt. Danach bekommen die Jugendlichen kurz Zeit, um mit wenigen Sätzen aufzuschreiben, warum gerade dieses Wort gewählt wurde. Das gestaltete Wort wird ebenfalls eingeklebt.

Element 11 Bewegungseinheit erarbeiten (ca. 10-12 Minuten)

Nun überlegen die Einzelnen, wie sie ihr Wort in einer kurzen Bewegung darstellen könnten. Anschließend stellen die Teilnehmenden ihre Bewegung in der Kleingruppe vor. Diese gibt Tipps, wie die Bewegung evtl. noch klarer darzustellen wäre. Nun werden die einzelnen Bewegungen der Kleingruppe zu einer Bewegungseinheit zusammengebaut: eine Bewegung geht in die nächste über, so, dass es einen fließenden Übergang gibt –auch vom Sinn passend (passt auf jeden Fall, schließlich sind alle „Handlungs-Bewegungen“ aus dem gleichen Bibeltext…). Alle Mitglieder einer Kleingruppe stellen sich in eine Reihe nebeneinander. Der/die erste Jugendliche beginnt mit der ersten Bewegung (z.B. suchend hin- und herschauen), dann wird diese Bewegung „eingefroren“, die zweite Person schließt ihre Bewegung an (z.B. etwas entdecken und aufspringen), diese wird wieder eingefroren, etc. Impuls an die Kleingruppen: überlegt euch, was ihr darstellen wollt – worauf kommt es euch an? Anschließend treffen sich die Kleingruppen im Plenum. Jede Kleinruppe führt den anderen ihre Bewegungseinheit vor und nennt die zugehörigen Handlungsworte aus dem Bibeltext. Gerade diese Phase ist sehr eindrücklich und hebt nochmals auf besondere Art und Weise die einzelnen Stellen des Bibeltextes auf ganz neue Weise hervor!

Element 12 Austausch über den Bibeltext (ca. 5 Minuten)

Anschließend wird der Bibeltext noch einmal vorgelesen. Danach wird im Plenum oder in den Kleingruppen noch einmal über den Bibeltext und die dargestellten Handlungsworte geredet. Was sagt mir der Text jetzt? Was ist mir in der näheren Auseinandersetzung mit dem Bibeltext aufgefallen? Welche Worte/Handlungen beschäftigen mich besonders?

Element 13 Tagebuch (ca. 5 Minuten)

Nun werden nochmals die Tagebücher gebraucht. Impulse für den Tagebucheintrag könnten sein (müssen nicht alle „bearbeitet“ werden, jede/r kann wählen, zu welchem Impuls sie/er etwas aufschreiben möchte):
Welche Handlungsworte aus dem Text sprechen mich besonders an?
Was ärgert mich an dem Text?
Was gefällt mir an dem Text?
Wo sehe ich Parallelen zu meinem Leben?
Was sagt mir der Text jetzt?

Element 14 Bemerkungen zum Text (ca. 5 Minuten)

Es folgen einige exegetische Anmerkungen zu dem Bibeltext, die von der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter vorgetragen werden. Wer möchte, kann sich Notizen im Tagebuch machen.

Geschehen vor 1.Sam. 16: Das Volk Israel hat manche Höhen und Tiefen erlebt. Sie wünschen sich einen König, weil auch alle Nachbarvölker einen solchen König haben. Saul wird von Gott ausgewählt und durch Samuel, der in Gottes Auftrag handelt, zum König über Israel gesalbt. Saul herrscht als König, doch mit der Zeit gehorcht er Gott nicht mehr. Samuel ist darüber traurig. Daran schließt der Text 1.Sam. 16 an.
Vers 1-3: Gott lenkt Samuels trauernden Blick in eine hoffnungsvolle Zukunft. Der neue Auftrag an Samuel eröffnet einen neuen Abschnitt in der Geschichte mit dem Volk Israel. Die Erwählung von David soll noch ein Geheimnis bleiben, seine offizielle Salbung vor dem Volk folgt erst viel später. Damit die Salbung verborgen bleibt – vor allem vor Saul – bildet ein Opferfest einen unverfänglichen Anlass.
Vers 4-5: Da die Propheten Israels oft Unheil vorherzusagen hatten, fragen die Ältesten ängstlich nach dem Grund seines Kommens.
Vers 6-7: Die Söhne Isais werden vorgeführt, bevor man sich zum Opfermahl setzt. Da Eliab sehr groß ist, erinnert er an Saul (vgl. 9,2; 10,23). Aber Gottes Wahl folgt einem anderen Maßstab. Das Herz ist die unsichtbare Mitte des Menschen, der Ort, wo er sich für oder gegen Gott entscheidet.
Vers 8-13: David ist gar nicht da. Einer, an den keiner gedacht hat, ist der Erwählte. Auch wenn Gott das Herz ansieht, muss es nicht heißen, dass seine auserwählten Menschen nicht auch optisch etwas hermachen – aber es ist für Gott nicht die Voraussetzung, er lässt sich dadurch nicht beeindrucken oder blenden, wie es bei uns Menschen oft geschieht. David wird als Gesalbter Gottes dauerhaft zum Träger des Geistes Gottes (vgl. 2.Sam. 23,2) – so, wie es dann noch im gesteigerten Sinne von dem Davidsnachkommen Jesus gesagt wird (Mk 1, 10;Lk 4, 1; 14, 18). Nachdem Samuel seinen Auftrag erfüllt hat, geht er wieder. Immer wieder geht es in diesem Text um das Sehen, um die Wahrnehmung. Samuel hat zuerst immer noch Saul vor Augen. Dann werden ihm die optisch vor Kraft strotzenden und schönen älteren Söhne Isais vorgeführt. Sie symbolisieren Macht und Stärke – das, was man sich von einem künftigen König wünscht. Samuel (und wir auch!) hätte bestimmt einen dieser Männer ausgewählt. Gott hat aber eine andere Wahrnehmung. Er macht uns vor, was wirklich zählt. Er kennt jeden Menschen. Sein Blick fällt auf einen einfachen Hirtenjungen. Wie schwierig ist oft die richtige Deutung dessen, was vor Augen ist. Und doch wäre manches zu erkennen, wenn wir genauer hinschauten und uns nicht nur vom Äußeren blenden ließen.

Element 15 Fragen- und Meinungskörbchen (ca. 5-10 Minuten)

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen eine Karteikarte und notieren darauf eine Meinung oder eine Frage zum Bibeltext, die sie jetzt gerade bewegt. Je nach Gesamtgruppengröße werden alle Kärtchen der Reihe nach gezogen und Antworten gesucht oder Meinungen darüber ausgetauscht. Bei größeren Gruppen ist es sinnvoll an dieser Stelle wieder Kleingruppen zu bilden. Ähnliche Kärtchen werden zusammen genommen. Es ist eine sehr interessante Runde, sie sollte aber nicht extrem in die Länge gezogen werden. Wer möchte, kann sich wiederum Notizen im eigenen Tagebuch machen. Wichtig sollte aber das Gespräch und der Austausch sein, nicht ein stures Mitschreiben wie in der Schule…

Element 16 Die verschiedenen Rollen in mir selbst suchen (ca. 5-7 Minuten)

Der Bibeltext wird nochmals gelesen. Dabei wird besonders auf die Personen geachtet, die evtl. mit einer besonderen Farbe markiert werden. Anschließend suchen die Teilnehmenden die verschiedenen Rollen in sich selbst (evtl. Notizen im Tagebuch machen).

Als Anregung: Bei Samuel: wo habe ich um altes getrauert und Gott öffnete mir den Blick für neues? Bei der Auswahlszene: wann habe ich ein Auswählen erlebt (Schule/Beruf/Partnerschaft/Geschwister…)? In welcher Rolle war ich? Wie habe ich mich gefühlt, wenn ich nicht gewählt wurde, wie, als ich ausgewählt wurde? In welchen Situationen geht es auch mir so, dass ich nur das sehe, was „vor Augen ist“? Wann war es für mich wichtig, einen neuen Aufbruch gewagt zu haben? Und wann war es wichtig, ein „Eliab“ zu sein, der in der alten Umgebung bleibt und auch dort wirkt und wichtig ist? Wie kann ich merken, was jeweils für mich richtig ist? Was hilft mir dabei?

Diese Impulse sind auf Tageslichtprojektor oder Flip Chart nachzulesen. Jeder hat wieder sein Tagebuch zur Hand und macht sich Notizen zu seinen Gedanken. Wichtig: Genügend Zeit lassen!!

Element 17 Austauschrunde – was mich bewegt (ca. 10 Minuten)

Da es in dieser Phase sehr tief gehen kann, sollten nun die Kleingruppen selbst gewählt werden können. Nun wird sich über die letzte Phase ausgetauscht. Mögliche Fragestellungen: Was beschäftigt mich gerade besonders von den Impulsen? In welcher Rolle/welchen Rollen habe ich mich wiedergefunden, was hat mich am meisten bewegt? Was sagt mir der Bibeltext dazu?

Element 18 Brief an mich (ca. 7 Minuten):

Jede/r nimmt zum Abschluss noch einmal das Tagebuch und stellt sich vor, dass Gott selbst einen Brief an sie/ihn persönlich schreibt (so auch ins Tagebuch formulieren: Liebe/r XY, Dich bewegt im Moment …. Ich möchte Dir … Eine Hilfe ist, sich vorzustellen, was Gott mir im Moment zusprechen würde).

Element 19 Abschluss (ca. 2 Minuten)

Zum Abschluss treffen sich alle noch einmal im Plenum. Die Mitarbeiterin/der Mitarbeiter spricht der Gruppe einen Segen zu und schenkt allen zur Erinnerung die Jahreslosung, die im neu erarbeiteten und sehr persönlich gewordenen Zusammenhang nun eine ganz neue Bedeutung und Tiefe gewonnen hat. Das Tagebuch dürfen alle als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Als Anregung für die Jugendlichen: Das Tagebuch zu Hause für sich alleine weiterführen (Bilder malen, Texte schreiben, aufschreiben, was bewegt,… Eine besondere Hilfe wäre es, wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter bereits eine kleine Auswahl an Texten erstellt hat, welche dann von den Jugendlichen mitgenommen werden können.

Anmerkungen

Je nach Gruppengröße, Vertrautheit untereinander und Offenheit/Redelust der Jugendlichen, kann die Dauer der einzelnen Einheiten sehr unterschiedlich ausfallen. Die Zeitangaben sind daher nur Richtwerte und sind je nach Gruppe zu überprüfen. Um eine kleine Hilfe zu geben, stellen wir in Kurzform einen Vorschlag für einen kürzeren Abend vor (ca. 90 Minuten). Bibliodrama ist eine Form der intensiven persönlichen Bibelbegegnung. Ich befasse mich nicht nur kognitiv mit einem Bibeltext, sondern setze mich sehr persönlich damit auseinander und versuche, herauszufinden, wo ich mich selbst im Text wieder finde. Dies kann sehr in die Tiefe gehen und muss berücksichtigt werden.

Es ist sinnvoll, wenn nicht nur eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter diesen Abend gestaltet. Falls eine Teilnehmerin/ein Teilnehmer besonders berührt werden sollte, kann hier durch Gespräch und Begleitung vieles aufgefangen werden. Aber keine Angst, die einzelnen Formen sind so ausgewählt, dass man nicht psychologisch geschult sein muss… Nur Mut, was kann es schöneres geben, als dass Bibeltexte neu entdeckt und persönlich relevant werden!!

Ablauf kürzere Version (ca. 90 Minuten):

• Text hören

• Tagebuch

• Gehen im Raum mit Spielleiterimpulsen

• Handlungsworte heraussuchen

• Wort gestalten

• Bibeltext auslegen

• Worte finden sich

• Bewegungseinheit erarbeiten

• Tagebuch

• Austausch über den Bibeltext

• Bemerkungen zum Text

• Brief an mich

• Abschluss

Pilgern – Eine kleine Einführung

Mit Mädchen bzw. Jugendlichen pilgern, d.h. freiwillig und zu Fuß ein Ziel vor Augen haben und los – geht denn das? Ja, das geht! Im wahrsten Sinne des Wortes. 

Pilgern mit Mädchen bzw. Jugendlichen ist eine große Herausforderung, weil es auf den ersten Blick wenig Spektakuläres und wenig Spannung verspricht! Die Langsamkeit des Pilgerns ist ein Gegenpol zur Schnelllebigkeit unserer Zeit! 

Die größte Herausforderung beginnt bei uns Mitarbeitenden. Wir haben oft viele Ideen im Kopf, warum Pilgern mit dieser Zielgruppe nicht funktionieren kann. Sicher gibt es Mädchen bzw. Jugendliche, die nicht ganz so leicht zu begeistern sind, aber das ist oft eine Grundhaltung, die meist wenig mit dem eigentlichem Angebot zu tun hat. 

»Dem Glauben Beine machen«, so heißt ein Buch (von Elisabeth Lidell & Anette Foged Schultz) über das Pilgern mit Kindern und Jugendlichen. »Dem Glauben Beine machen« ist gleichzeitig eine wunderbare Beschreibung für das Pilgern mit dieser Zielgruppe. Da kommt etwas in Bewegung. Glauben kann anders als in Indoor-Angeboten erlebt und erfahren werden. Die Heranwachsenden können ihr Durchhalten und ihre Leistung selbst spüren und »sehen«. Sie lernen auf dem Weg, sich selbst zu vertrauen. Sie erleben einen neuen Zugang zur Natur, zu sich selbst, zu ihren Mitmenschen und zu Gott.

Wir haben gute Erfahrungen mit dem begleiteten Pilgern gemacht. Pilgernde setzen sich währenddessen mit verschiedenen Themen auseinander. Dies geschieht durch Stationen mit wiederkehrenden biblischen Texten, erlebnispädagogischen Impulsen und einfachen Liedern. Diese Pilgertouren sind unterschiedlich lang. Es gibt Tages- (12–18 km) und Mehrtagestouren, aber auch Pilgerspaziergänge wie der vorliegende Stundenentwurf (4 km). 

Die Erfahrungen, die wir auf unseren Pilgertouren machen, lassen uns immer wieder staunen – sehr intensive Gespräche und bewegende Erlebnisse. Das erleben wir, die wir die Touren leiten und begleiten und auch die Menschen, mit denen wir unterwegs sind. So berichten die Pilger wie sich ihr Leben mit Gott nachhaltig verändert hat. Sie sind Gott auf ihrem ganz persönlichen Pilgerweg begegnet.

Pilgern mit Heranwachsenden ist ein Abenteuer. Dem Glauben Beine machen, Zeit zum Innehalten – ich kann nur sagen, es lohnt sich! Denn ER stellt unsere Füße auf weiten Raum. 

Impulse für die eigene Vorbereitung 

Ich empfehle für die Vorbereitung auf jeden Fall, einmal selbst zu pilgern bzw. mit dem Text vorzupilgern. Es ist nicht nur für die Wegkompetenz wichtig (Ist der Weg begehbar? Liegen Bäume quer? Sind alle Wegstreckenschilder vorhanden?), sondern auch zum Festlegen der Orte der einzelnen Stationen. Außerdem ist es gut, offen für den Weg zu sein, denn dieser predigt immer mit. 

Tipps für die Vorbereitung

Es ist gut, diesen Tag nicht allein durchzuführen, denn wir sagen unseren Pilgerbegleitern: Geht zu dritt. Eine Person geht vorne mit Wegkompetenz, eine in der Mitte (dicht an der Gruppe), eine Person hinten, damit niemand verloren geht (falls jemand ins Gebüsch muss oder sich gar verletzt).

Das Pilgern sollte geregelt werden. Pilger brauchen für den äußeren Weg Markierungen (Wegzeichen) und auch für den inneren Weg einer Gruppe bedarf es der ausdrücklich verabredeten Form, die in Pilgerregeln zusammengefasst werden können.

Die Verabredungen in der Gruppe können auf zweierlei Weise gefunden werden: 

  1. Die Gruppe erarbeitet sich Regeln und erprobt sie auf dem Weg
  2. Die Gruppe nimmt vorhandene Pilgerregeln und beherzigt diese. (Kann ich gerne per Mail zusenden.) 

Material 

  • Rede-Herz
  • Tücher bzw. Augenbinden 
  • Klangschale/Glöckchen
  • Kopie des Liedes und der Fragen oder eine Faltkarte, auf der auch das Thema drauf ist.
  • Meditative Musik oder eine Sansula (Instrument)
  • Stifte und kleine Zettel
  • Bibelverse auf Kärtchen für die Schweigephase
  • Teelichter und Streichhölzer
  • Mutmachenden Bibelvers für jede Teilnehmerin
  • Erste Hilfe Pack mit Rettungsdecke, Blasenpflastern & Kühlpacks zum Kneten

Liedvorschläge: Du Gott stützt mich (findet sich in folgenden Liederbüchern: Kommt und singt, Liederbuch für die Jugend Nr. 463; Das Liederbuch, Glauben – Leben – Lieben – Hoffen Nr. 8; Haste Töne, Ein Liederbuch für Kinder und Jugendliche Nr. 15) 

Im nachfolgenden Entwurf habe ich eine Mädchengruppe ab 12 Jahren im Blick. Die Gruppenstärke sollte nicht über 20 liegen.

Pilgerentwurf:

Begrüßung 

Wenn an einer Kirche/ Kapelle gestartet wird, dann am besten vor der Kirche und die 1. Station dann bewusst in der Kirche

Rede-Herz- Runde: 

Vorstellungsrunde mit Namen und was ich vom Schnupper-Pilgern erwarte. Was stelle ich mir vor? (In diesen Runden gebe ich ein Handschmeichler Herz aus Holz herum. Es hilft den Mädchen, sich zu fokussieren. Vorher vereinbaren wir, dass wir einander zuhören wollen. Wer das Rede-Herz hat, darf sprechen, die anderen hören, ohne zu kommentieren.)

  • Vorstellung des Schnupper-Pilgerweges (Wo gehen wir her? Wie wird es ablaufen?)
  • Pilgerregeln

1. Station:

Drei wichtige Pilgerstrecken führten nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela. Das neue Pilgern geschieht nicht, wie früher, zur Buße, sondern um sich wandernd auf den Weg zu machen, um sich selbst und Gott auf die Spur zu kommen. Diese Art kommt aus Spanien seit den 1990er Jahren. Pilgernde aber kennen nicht nur den Weg, sondern auch das Ziel. Das macht den Weg zum Abenteuer. 

Wir werden heute auch unterwegs sein. Unsere Strecke ist klar, aber der Weg kann für jeden einzelnen anders sein. Lasst euch darauf ein. Legt Sorgen und Zweifel ab. Lasst euch auf das Abenteuer Pilgern ein. 

Unser Pilgerspaziergang ist überschrieben mit den Worten: Du führst mich den Weg zum Leben. In deiner Nähe finde ich ungetrübte Freude; aus deiner Hand kommt mir ewiges Glück. (Übersetzung der Guten Nachricht Psalm 16,11)

In Vers 1 heißt es: Schütze mich, Gott! Ich vertraue dir. Darauf vertrauen wir, wenn wir uns auf den Weg machen. 

Wir beten: Guter Gott, wir machen uns auf den Pilgerweg, so wie viele Pilgernde vor uns. Wir laden dich ein: Geh du mit uns. Begegne uns. Segne uns, stärke uns und beschütze uns auf unserem Weg, dass wir wohlbehalten ankommen. Amen.

2. Station:

In deiner Nähe finde ich ungetrübte Freude; aus deiner Hand kommt mir ewiges Glück. 

Was ist Glück? Glück wird allgemein als subjektive Einschätzung der Lebenszufriedenheit verstanden. Der Mensch definiert sich in der modernen Gesellschaft stark über materielle Werte. Wer hat das größte Haus, das schnellste Auto, den bestbezahlten Beruf? Die etymologische Wortbedeutung von Glück ist von »Gelucke« abgeleitet und bedeutet Gelingen – Glück als gelingendes Leben. 

Gespräch zu zweit: Was ist also gelingendes Leben? Was gehört für mich dazu?

3. Station:

Du führst mich den Weg zum Leben. Wenn ich mich auf Gott einlasse, dann heißt das, Vertrauen in Gott zu haben. 

Blind vertrauen, das wollen wir auf dem Weg zur nächsten Station: »Vertrauen haben – Blindenführung«. Sucht Euch eine Partnerin. Diese Übung soll möglichst ohne Worte geschehen. Nach einer Zeit hört ihr unser Zeichen (Klangschale/ Glöckchen) und dann wechselt ihr. Beim zweiten Mal sammeln wir uns. 

Rede-Herz-Runde: War es schwer für mich? Was war einfach? Ist meine Erfahrung auf Gott übertragbar? Kann es bei Gott auch so sein?

Bei all dem, was manchmal schwierig in unserem Leben ist, wo uns das Vertrauen schwer fällt, dürfen wir wissen: Gott geht mit und passt auf uns auf, denn: Du führst mich den Weg zum Leben.  Danach gehen wir weiter.

4. Station:

Wir wollen auf der nächsten Strecke Schweigen (20–30 min je nach Gruppe). Dazu gehen wir hintereinander her im Gänsemarsch. Mit 3–5 m Abstand zur Vorherigen ist es einfacher, mit sich zu schweigen. Die Schweigephase wird mit einem Lied eingeleitet und auch wieder ausgeleitet. Ich möchte euch bitten, in dieser Zeit nicht miteinander zu reden und möglichst den Abstand einzuhalten. Das heißt, die Mädchen, die wissen, dass sie schneller gehen, gehen gerne vorne. 

Folgende Bibelverse auf kleinen Kärtchen werden für die Schweigezeit gezogen:

  • Ich habe Pläne für dich, die voller Zukunft und Hoffnung sind. Jeremia 29,11
  • Habe deine Freude an mir – ich will dir das geben, wonach du dich sehnst. Psalm 37,4
  • Wer sich auf Gott, den Herrn, verlässt, der ist wie ein Baum, der nah am Wasser steht, der Frucht trägt jedes Jahr und dessen Blätter nie verwelken. Was diese Menschen auch tun, es gelingt ihnen! Gott, der Herr, begleitet sie auf ihren Wegen. Psalm 1,3

In der Schweigezeit wollen wir schweigend nachdenken: über den gezogenen Bibelvers und unser Leitwort des Pilgerweges »Du führst mich den Weg zum Leben. In deiner Nähe finde ich ungetrübte Freude; aus deiner Hand kommt mir ewiges Glück.«

Wir singen und starten nacheinander unsere Schweigezeit. Wer auf die Strecke geht, schweigt, bis das Lied »Du Gott stützt mich« wieder gesungen wird, erst dann wird das Schweigen aufgehoben. 

5. Station:

Du führst mich den Weg zum Leben. Gott spricht es uns zu. Das kann sehr entlastend sein. Ich brauche nichts zu leisten.

Rede-Herz-Runde: Fiel dir das Schweigen schwer? Gibt es Gedanken oder Fragen, die ich gerne mit der Gruppe teilen möchte?

Für die nächste Strecke sucht euch eine Partnerin, die den gleichen Bibelvers gezogen hat, und tauscht euch aus.

6. Station:

Vor der Kirche/Kapelle 

Ich lade euch ein, innezuhalten.
Ihr dürft euch setzen oder stehen bleiben und die Augen schließen. 

Vieles ist dir heute durch den Kopf gegangen – heute Morgen noch in der Schule, dann unser Treffen und der kleine Schnupperpilgerweg.
Du hast einen anstrengenden Weg hinter dir. 
Aber jetzt bist du am Ziel. 
Du bist da. Du hast es geschafft. 
Atme tief ein. Atme Zielluft ein. 
Atme das Leben, das diesen Ort umgibt, ein. 
Atme, als hättest du noch nie bessere Luft geatmet. 
Atme neue Kraft in dich hinein. 
Wenn du genug Kraft gesammelt hast, dann hör dich um. 
Hör dich in das Leben hinein. 
(Text: Auschnitte aus »Erschöpft am Ziel«, S. 97 aus AbenteuerPilgern, Das PraxisHandBuch, überarbeitet von Miriam Hähnel) 

Neue Kraft schöpfen, das wollen wir jetzt, wenn wir diese Kirche betreten. 

Ich stehe an der Schwelle einer Kirche. 
Für die Pilger waren die Kirchen wichtig als Ort der Rast, des Schutzes, wichtig auch als heilige Stationen auf ihrem Weg. Sie können auch heute noch Orientierung und Schutz bieten.
Ich stehe an der Schwelle einer Kirche, lasse mich öffnen, für die andere Dimension.
Ich will dort umhergehen um zu spüren, wie es mir dabei geht.
Ich will auf meinen Atem Acht geben um den Geist des Raumes zu atmen.
Ich will mein Herz öffnen, für die raumgewordene Gegenwart dessen, der allen Raum übersteigt.
(Michael Schindler, »An der Schwelle einer Kirche« S. 83 aus AbenteuerPilgern, Der spirituelle Wegbegleiter) 

Wir betreten diese Kirche im Schweigen. Jede kann leise umhergehen und die Kirche neu kennenlernen – die Stille spüren und aushalten, nicht zu reden. Achtet auf eure Gedanken – was kommen euch für Gedanken. Wer möchte, entzündet eine Kerze im stillen Gebet. Wer fertig ist, setzt sich still in eine Bank. Wenn alle sitzen, singen wir gemeinsam.

7. Station:

In der Kirche/Kapelle
  • Meditative Musik
  • Lied

Es ist nun die Zeit des Aufbruchs. Dieser kann uneben werden, wenn wir an eine aufgebrochene Teerdecke denken. Aufbruch kann aber auch »in etwas hineinschauen« bedeuten. Es kommt etwas von unten nach oben, geistiges Erwachen und das Sich-Erheben. Es bricht etwas auf, damit Neues entstehen kann, wenn aus der Teerdecke eine Blume emporwächst. Das wünschen wir uns allen – wenn wir jetzt aufbrechen und für alle Aufbrüche in unserem Leben. Möge etwas Neues, Mutmachendes entstehen. Ich möchte jeder einzelnen einen Bibelvers mitgeben für ihre Zeit des Aufbruchs.

Abschlussrunde im Kreis:

Bibelvers zusprechen und Karte mit Bibelvers übergeben

Rede-Herz-Runde (Feedback): Jede Teilnehmerin überlegt, wie sie ihre persönliche Erfahrung mit einem Wort zusammenfassen kann. Dies bleibt unkommentiert stehen.

Gebet und Vater Unser
Segen zum Abschluss:

Gott, wie viele Wege habe ich schon hinter mich gebracht, wie viele Schritte liegen noch vor mir? Selten mache ich mir klar, vor wie vielen Gefahren du mich schon behütet hast, von Kindesbeinen an. Nichts war selbstverständlich. Nichts wird selbstverständlich sein. Dir vertraue ich mich an, meine Zeit, meine Zukunft, meine Wege. Dich bitte ich um Schutz und Segen für jeden Schritt an jedem neuen Tag. Amen. (Antje Rösener)

Kann man Gott spüren? Ihn vielleicht sogar berühren? Fragen, die ich mir selbst schon gestellt habe und ihr und die Mädchen vielleicht auch. Es sind Fragen danach, wie nah oder fern Gott uns eigentlich ist. Wie real er ist. Jesus hat damals als Mensch gelebt. Wer ihn getroffen hat, konnte ihn auch anfassen, ihm die Hand reichen. Eine Frau hat Jesus gesalbt. Aber Jesus lebt nicht mehr als Mensch unter uns. Wie ist es also für uns? Und wie war es vor Jesus? Unser Gott ist nicht sichtbar, wir können ihn nicht anfassen. Er ist keine Buddha-Statue. Wir kennen zwar Symbole wie das Kreuz, die in unseren Kirchen sicht- und berührbar sind, aber unser Gott selbst ist es nicht. Er unterscheidet sich darin von den Göttern manch anderer Religionen und von Talismanen. Warum ist unser Gott so? Und kann ich ihn deshalb nicht spüren und berühren? Diesen Fragen möchte diese Bibelarbeit auf den Grund gehen.

Spiel zum Einstieg: Ja oder Nein

Mit diesem Spiel könnt ihr den Abend gut beginnen. Teilt die Mädchen in zwei etwa gleich große Gruppen ein, in zwei Reihen gegenüber aufstellen. Am Ende ihrer Gasse stehen zwei Stühle, einer mit einem großen »Nein«-Schild, einer mit einem »Ja«-Schild. Die Mädchen haben in ihren Gruppen durchgezählt, sodass jedes Mädchen eine Nummer hat. Die Spielleiterin stellt nun eine beliebige Frage (Wissensfrage oder auch Scherzfrage), die man mit »ja« oder »nein« beantworten kann, und nennt eine Nummer. Die beiden aufgerufenen Mädchen überlegen sich die richtige Antwort und rennen zum entsprechenden Stuhl und setzen sich auf ihn. Wer zuerst auf dem richtigen Stuhl sitzt, holt einen Punkt für sein Team. Nach einigen Durchgängen, wenn alle Mädchen an der Reihe waren, kommt die Frage »Kann man Gott spüren?« Nachdem die zwei aufgerufenen Mädchen ihre Entscheidung getroffen haben, könnt ihr auch die anderen fragen, auf welchen Stuhl sie sich denn bei der Frage gesetzt hätten.

Mit dem Gespräch, das nun entsteht, seid ihr schon mitten im Thema. Lasst die Mädchen ihre Antworten begründen und bringt weitere Fragen in die Diskussion ein wie zum Beispiel »Hast du Gott schon mal irgendwie gespürt? Wie war das?«, »Gibt es Orte, an denen du dich Gott näher fühlst als vielleicht an anderen Orten?«, »Gibt es bestimmte Gegenstände oder Situationen, die dich mit Gott in Verbindung bringen?«

Mose und der unberührbare Gott

Die Bibel erzählt uns von vielen Begebenheiten, in denen Gott handelt. Aber nur selten berichtet sie uns dabei, dass Gott eine bestimmte Gestalt oder Form dafür angenommen hat.

Lest gemeinsam mit den Mädchen die Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch (2. Mose 3,1–12). Mose begegnet hier dem unberührbaren Gott, der sich ihm in einem brennenden, aber nicht verbrennenden Busch offenbart. Eine der wenigen Situationen, in denen Gott sich für uns sichtbar macht. Sichtbar, ja. Mose kann den brennenden Busch und die hohen Flammen deutlich sehen, wahrscheinlich auch die von ihnen ausgehende Wärme spüren. Aber Gott bleibt unberührbar. Mose würde sich schwere Verletzungen zuziehen, wenn er versuchen würde, Gott in den Flammen zu berühren.

Warum handelt Gott so? Was denken die Mädchen dazu? Tragt eure Antworten zusammen und schreibt sie auf ein großes Plakat oder ein Flipchart. So habt ihr sie den Abend über vor euch, könnt sie immer wieder ansehen, durchlesen und Gott vielleicht Stück für Stück mehr verstehen.

Zwei Verse im Bibeltext machen besonders deutlich, wieso Gott unantastbar für uns bleibt: Vers 5 und Vers 6b: 5 »Komm nicht näher!« sagte der Herr. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.« 6b Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen. Gott ist heilig und wo Gott ist, da ist heiliger Boden.

Was bedeutet »heilig«? Lasst die Mädchen sagen, wie sie dieses alte Wort verstehen, und schreibt auch diese Antworten auf ein Plakat, damit ihr sie weiter vor euch habt.

Was ist mir heilig?

Für diese Aktion bekommen die Mädchen fünf Minuten Zeit, um alleine, jede für sich, zu überlegen, was oder wer ihr heilig ist. Anschließend sammelt euch im Kreis und lasst die Mädchen erzählen. Vielleicht haben sie bestimmte, für sie heilige Gegenstände dabei oder Bilder der ihnen heiligen Personen. Dann können sie die Gegenstände und Bilder in die eure Mitte legen. Oder sie malen oder schreiben die Menschen oder Sachen kurz auf und legen die Zettel vor sich hin.

Mose soll in der Bibelgeschichte seine Schuhe ausziehen, weil er Gott so nahe kommt, dass er heiligen Boden betritt. Heiligen Boden zu betreten erfordert ein besonderes Verhalten. Das kennen wir auch heute noch. Wir ziehen nicht mehr unsere Schuhe aus, aber bei den Muslimen beispielsweise ist das üblich, wenn sie in der Moschee beten. Katholiken knien in ihren Messen und evangelische Christen stehen zum Beispiel beim Vater Unser auf.

Die Mädchen werden sich sicher auch den Menschen oder Dingen gegenüber anders verhalten, die ihnen heilig sind. Wenn einem Mädchen seine Freundinnen heilig sind, wird es versuchen, sich ihnen gegenüber immer respektvoll, ehrlich und verlässlich zu verhalten. Das wird ihm wichtig sein. Einem anderen Menschen oder zum Beispiel Mitschülern gegenüber wird das Mädchen darauf vielleicht nicht so viel achten wie bei ihren besten Freundinnen.

Wenn einem Mädchen beispielsweise sein Handy heilig ist, wird es sehr darauf achten. Es wird aufpassen, es nicht zu verlieren und dafür Sorge tragen, dass es nicht kaputt geht. Es wird ihm vielleicht wichtig sein, schöne Handyhüllen zu kaufen, damit das Handy gut geschützt ist. Bei einem Gegenstand, der dem Mädchen nicht heilig ist, wird es nicht so viel Sorge darauf verwenden. Sein Fahrrad ist ihm womöglich schon mal geklaut worden und das fand es nicht so besonders schlimm. Ein geklautes Handy hätte es deutlich mehr getroffen.

Unser Gott ist groß, mächtig und heilig. Er ist besonders und deshalb zeigt er sich auch auf besondere Arten und Weisen. Aber kann ich Gott deswegen nicht spüren?

Kann ich Gott spüren?

Wenn ihr die Möglichkeit habt, geht nun mit eurer Gruppe in die Kirche. Die Kirche ist der Ort, an dem wir uns zu Gottesdiensten treffen, an dem wir gemeinsam zu Gott beten, singen, von ihm hören. Kirchen sind genau dazu gebaut. Es sind keine Räume, in denen auch Gottesdienste gefeiert werden, es sind ganz speziell für Gottesdienste gebaute und gestaltete Räume – heilige Räume. Hier sollen wir Menschen Zugang zu Gott finden und mit ihm gut in Verbindung treten können. Natürlich können wir auch in der Natur oder in unserem Gruppenraum, zu Hause, in der Schule oder wo auch immer zu Gott beten. Gott ist nicht nur in Kirchen zu finden. Aber gerade weil Kirchen extra dafür gemacht sind, mit Gott in Kontakt zu kommen, eignen sie sich für die nächste Aktion besser als andere Räume.

Sammelt die Gruppe draußen vor der Eingangstür. Dort gebt ihr jedem Mädchen einen Stift und einen verschlossenen Briefumschlag, in dem sich ein Arbeitsblatt befindet. Erklärt den Mädchen kurz ihre Aufgabe und lasst sie dann eintreten: Sie sollen schweigend und einzeln durch die Kirche gehen und sich irgendwo einen Platz suchen, an dem sie sich ganz wohl fühlen. Sie dürfen in der Kirche überall hingehen, um diesen Platz zu finden, in alle Sitzreihen, auf die Empore, in die Sakristei, zum Taufbecken, vor den Altar, hinter den Altar, auf die Kanzel, … Wenn sie ihren Platz gefunden haben, dürfen die Mädchen den Umschlag öffnen und die Aufgaben auf dem Arbeitsblatt bearbeiten. Wichtig ist, dass die gesamte Zeit nicht geredet wird und jedes Mädchen für sich ist.

Wenn ihr nicht die Möglichkeit habt, mit den Mädchen in eine Kirche zu gehen, könnt ihr die Aktion aber auch in eurem Gemeinde- oder CVJM-Haus durchführen.

Auf dem Arbeitsblatt stehen ein paar Fragen an die Mädchen:

  1. Wo ist DEIN Ort in dieser Kirche? Wo fühlst du dich besonders wohl und kannst vielleicht Gott spüren?
  2. Was macht diesen Platz für dich aus?
  3. Wie könnte man diesen Platz weiter gestalten, damit allen deutlich wird: Hier ist Gott zu spüren?

In dieser Zeit kann leise Musik in der Kirche laufen. Nach ca. 15 Minuten sollten die Mädchen soweit sein. Fordert sie auf, an ihrem Platz zu bleiben, aber dort aufzustehen, damit die anderen sie sehen können. Wenn es akustisch möglich ist, ist es schön, wenn die Mädchen von ihren Plätzen aus ihre Orte kurz vorstellen (Frage 1 und 2).

Versammelt euch anschließend im Altarraum. Hier könnt ihr euch noch über die dritte Frage austauschen und dann die Aktion und den Abend mit einem Ritual abschließen, in dem Gott spürbar wird, zum Beispiel einem Segen, bei dem ihr euch gegenseitig die Hände auflegt (Vom Segen berührt).

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