KON 2.2018 berührt

Der Mensch ist ein »taktiles« Wesen: Das Tasten und Fühlen ist für uns eine ganz wichtige Sinneswahrnehmung – schon von klein auf, wenn wir die Welt um uns herum entdecken, wollen wir sie be-greifen. Berührung brauchen wir nicht nur, um unsere Neugier zu stillen, sondern auch ganz existentiell, um zufrieden leben zu können. Und bei Jesus können wir viele heilsame Berührungen sehen.

Themenartikel, Biblisches, Stundenentwürfe und Kreatives entfalten das Thema für Mitarbeiterinnen und ihre Mädchengruppen (Zielgruppe ca. 12–17 Jahre).

Kann man Gott spüren? Ihn vielleicht sogar berühren? Fragen, die ich mir selbst schon gestellt habe und ihr und die Mädchen vielleicht auch. Es sind Fragen danach, wie nah oder fern Gott uns eigentlich ist. Wie real er ist. Jesus hat damals als Mensch gelebt. Wer ihn getroffen hat, konnte ihn auch anfassen, ihm die Hand reichen. Eine Frau hat Jesus gesalbt. Aber Jesus lebt nicht mehr als Mensch unter uns. Wie ist es also für uns? Und wie war es vor Jesus? Unser Gott ist nicht sichtbar, wir können ihn nicht anfassen. Er ist keine Buddha-Statue. Wir kennen zwar Symbole wie das Kreuz, die in unseren Kirchen sicht- und berührbar sind, aber unser Gott selbst ist es nicht. Er unterscheidet sich darin von den Göttern manch anderer Religionen und von Talismanen. Warum ist unser Gott so? Und kann ich ihn deshalb nicht spüren und berühren? Diesen Fragen möchte diese Bibelarbeit auf den Grund gehen.

Spiel zum Einstieg: Ja oder Nein

Mit diesem Spiel könnt ihr den Abend gut beginnen. Teilt die Mädchen in zwei etwa gleich große Gruppen ein, in zwei Reihen gegenüber aufstellen. Am Ende ihrer Gasse stehen zwei Stühle, einer mit einem großen »Nein«-Schild, einer mit einem »Ja«-Schild. Die Mädchen haben in ihren Gruppen durchgezählt, sodass jedes Mädchen eine Nummer hat. Die Spielleiterin stellt nun eine beliebige Frage (Wissensfrage oder auch Scherzfrage), die man mit »ja« oder »nein« beantworten kann, und nennt eine Nummer. Die beiden aufgerufenen Mädchen überlegen sich die richtige Antwort und rennen zum entsprechenden Stuhl und setzen sich auf ihn. Wer zuerst auf dem richtigen Stuhl sitzt, holt einen Punkt für sein Team. Nach einigen Durchgängen, wenn alle Mädchen an der Reihe waren, kommt die Frage »Kann man Gott spüren?« Nachdem die zwei aufgerufenen Mädchen ihre Entscheidung getroffen haben, könnt ihr auch die anderen fragen, auf welchen Stuhl sie sich denn bei der Frage gesetzt hätten.

Mit dem Gespräch, das nun entsteht, seid ihr schon mitten im Thema. Lasst die Mädchen ihre Antworten begründen und bringt weitere Fragen in die Diskussion ein wie zum Beispiel »Hast du Gott schon mal irgendwie gespürt? Wie war das?«, »Gibt es Orte, an denen du dich Gott näher fühlst als vielleicht an anderen Orten?«, »Gibt es bestimmte Gegenstände oder Situationen, die dich mit Gott in Verbindung bringen?«

Mose und der unberührbare Gott

Die Bibel erzählt uns von vielen Begebenheiten, in denen Gott handelt. Aber nur selten berichtet sie uns dabei, dass Gott eine bestimmte Gestalt oder Form dafür angenommen hat.

Lest gemeinsam mit den Mädchen die Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch (2. Mose 3,1–12). Mose begegnet hier dem unberührbaren Gott, der sich ihm in einem brennenden, aber nicht verbrennenden Busch offenbart. Eine der wenigen Situationen, in denen Gott sich für uns sichtbar macht. Sichtbar, ja. Mose kann den brennenden Busch und die hohen Flammen deutlich sehen, wahrscheinlich auch die von ihnen ausgehende Wärme spüren. Aber Gott bleibt unberührbar. Mose würde sich schwere Verletzungen zuziehen, wenn er versuchen würde, Gott in den Flammen zu berühren.

Warum handelt Gott so? Was denken die Mädchen dazu? Tragt eure Antworten zusammen und schreibt sie auf ein großes Plakat oder ein Flipchart. So habt ihr sie den Abend über vor euch, könnt sie immer wieder ansehen, durchlesen und Gott vielleicht Stück für Stück mehr verstehen.

Zwei Verse im Bibeltext machen besonders deutlich, wieso Gott unantastbar für uns bleibt: Vers 5 und Vers 6b: 5 »Komm nicht näher!« sagte der Herr. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.« 6b Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen. Gott ist heilig und wo Gott ist, da ist heiliger Boden.

Was bedeutet »heilig«? Lasst die Mädchen sagen, wie sie dieses alte Wort verstehen, und schreibt auch diese Antworten auf ein Plakat, damit ihr sie weiter vor euch habt.

Was ist mir heilig?

Für diese Aktion bekommen die Mädchen fünf Minuten Zeit, um alleine, jede für sich, zu überlegen, was oder wer ihr heilig ist. Anschließend sammelt euch im Kreis und lasst die Mädchen erzählen. Vielleicht haben sie bestimmte, für sie heilige Gegenstände dabei oder Bilder der ihnen heiligen Personen. Dann können sie die Gegenstände und Bilder in die eure Mitte legen. Oder sie malen oder schreiben die Menschen oder Sachen kurz auf und legen die Zettel vor sich hin.

Mose soll in der Bibelgeschichte seine Schuhe ausziehen, weil er Gott so nahe kommt, dass er heiligen Boden betritt. Heiligen Boden zu betreten erfordert ein besonderes Verhalten. Das kennen wir auch heute noch. Wir ziehen nicht mehr unsere Schuhe aus, aber bei den Muslimen beispielsweise ist das üblich, wenn sie in der Moschee beten. Katholiken knien in ihren Messen und evangelische Christen stehen zum Beispiel beim Vater Unser auf.

Die Mädchen werden sich sicher auch den Menschen oder Dingen gegenüber anders verhalten, die ihnen heilig sind. Wenn einem Mädchen seine Freundinnen heilig sind, wird es versuchen, sich ihnen gegenüber immer respektvoll, ehrlich und verlässlich zu verhalten. Das wird ihm wichtig sein. Einem anderen Menschen oder zum Beispiel Mitschülern gegenüber wird das Mädchen darauf vielleicht nicht so viel achten wie bei ihren besten Freundinnen.

Wenn einem Mädchen beispielsweise sein Handy heilig ist, wird es sehr darauf achten. Es wird aufpassen, es nicht zu verlieren und dafür Sorge tragen, dass es nicht kaputt geht. Es wird ihm vielleicht wichtig sein, schöne Handyhüllen zu kaufen, damit das Handy gut geschützt ist. Bei einem Gegenstand, der dem Mädchen nicht heilig ist, wird es nicht so viel Sorge darauf verwenden. Sein Fahrrad ist ihm womöglich schon mal geklaut worden und das fand es nicht so besonders schlimm. Ein geklautes Handy hätte es deutlich mehr getroffen.

Unser Gott ist groß, mächtig und heilig. Er ist besonders und deshalb zeigt er sich auch auf besondere Arten und Weisen. Aber kann ich Gott deswegen nicht spüren?

Kann ich Gott spüren?

Wenn ihr die Möglichkeit habt, geht nun mit eurer Gruppe in die Kirche. Die Kirche ist der Ort, an dem wir uns zu Gottesdiensten treffen, an dem wir gemeinsam zu Gott beten, singen, von ihm hören. Kirchen sind genau dazu gebaut. Es sind keine Räume, in denen auch Gottesdienste gefeiert werden, es sind ganz speziell für Gottesdienste gebaute und gestaltete Räume – heilige Räume. Hier sollen wir Menschen Zugang zu Gott finden und mit ihm gut in Verbindung treten können. Natürlich können wir auch in der Natur oder in unserem Gruppenraum, zu Hause, in der Schule oder wo auch immer zu Gott beten. Gott ist nicht nur in Kirchen zu finden. Aber gerade weil Kirchen extra dafür gemacht sind, mit Gott in Kontakt zu kommen, eignen sie sich für die nächste Aktion besser als andere Räume.

Sammelt die Gruppe draußen vor der Eingangstür. Dort gebt ihr jedem Mädchen einen Stift und einen verschlossenen Briefumschlag, in dem sich ein Arbeitsblatt befindet. Erklärt den Mädchen kurz ihre Aufgabe und lasst sie dann eintreten: Sie sollen schweigend und einzeln durch die Kirche gehen und sich irgendwo einen Platz suchen, an dem sie sich ganz wohl fühlen. Sie dürfen in der Kirche überall hingehen, um diesen Platz zu finden, in alle Sitzreihen, auf die Empore, in die Sakristei, zum Taufbecken, vor den Altar, hinter den Altar, auf die Kanzel, … Wenn sie ihren Platz gefunden haben, dürfen die Mädchen den Umschlag öffnen und die Aufgaben auf dem Arbeitsblatt bearbeiten. Wichtig ist, dass die gesamte Zeit nicht geredet wird und jedes Mädchen für sich ist.

Wenn ihr nicht die Möglichkeit habt, mit den Mädchen in eine Kirche zu gehen, könnt ihr die Aktion aber auch in eurem Gemeinde- oder CVJM-Haus durchführen.

Auf dem Arbeitsblatt stehen ein paar Fragen an die Mädchen:

  1. Wo ist DEIN Ort in dieser Kirche? Wo fühlst du dich besonders wohl und kannst vielleicht Gott spüren?
  2. Was macht diesen Platz für dich aus?
  3. Wie könnte man diesen Platz weiter gestalten, damit allen deutlich wird: Hier ist Gott zu spüren?

In dieser Zeit kann leise Musik in der Kirche laufen. Nach ca. 15 Minuten sollten die Mädchen soweit sein. Fordert sie auf, an ihrem Platz zu bleiben, aber dort aufzustehen, damit die anderen sie sehen können. Wenn es akustisch möglich ist, ist es schön, wenn die Mädchen von ihren Plätzen aus ihre Orte kurz vorstellen (Frage 1 und 2).

Versammelt euch anschließend im Altarraum. Hier könnt ihr euch noch über die dritte Frage austauschen und dann die Aktion und den Abend mit einem Ritual abschließen, in dem Gott spürbar wird, zum Beispiel einem Segen, bei dem ihr euch gegenseitig die Hände auflegt (Vom Segen berührt).

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