Alles ist aber auch ganz schön viel!

Sooo viele Baustellen! Sooo viele Ideen! Sooo viele Möglichkeiten!

Es gibt Menschen, die sprudeln permanent über vor Ideen. – Gehörst du zu ihnen? Dann kennst du bestimmt den Schmerz, wenn wundervolle Ideen, Träume und Visionen nicht ins Leben kommen. Da ist einfach zu wenig Zeit, um all die tollen Gedanken umzusetzen, die dir im Kopf rumspuken. Vom Geld und von der Manpower ganz abgesehen. Manchmal ist es auch ein „zu viel“ an Widerstand oder „zu wenig“ Begeisterungsfähigkeit bei anderen. Oder zu wenig Entscheider-Mut. Das kann sehr viel Kraft kosten – mehr, als Projekte umzusetzen. Und du merkst, wie sich Bitterkeit, Frust, Enttäuschung & Co. breit machen.

Wie kann ich einen – für mich und andere – guten Weg finden, damit umzugehen, wenn ich ein vor Ideen sprudelnder Mensch bin?

Sooo viel zu erledigen! Sooo eine lange To Do-Liste! Sooo viele unsortierte Stapel!

Vielleicht sind die Visionen und Ideen ja gar nicht dein Problem?! Du kämpfst viel mehr mit dem vielen Kleinkram, der sich in jeder Ecke sammelt. Oder mit den Tagesordnungspunkten auf der Sitzungsliste. Mit organisatorischen Dingen im Hintergrund, die halt sein müssen, damit der Laden läuft. Mit all dem Kram, den außer dir irgendwie keiner zu sehen scheint, an dem du aber nicht vorbeikommst.

Wie kann ich einen auf Dauer gesunden Umgang mit all diesen Dingen finden, damit ich nicht still und heimlich ausbrenne?

Sooo viel zu entscheiden! Sooo viel anzupacken! Sooo viel Verantwortung zu tragen!

Manchmal kann sich das ganz schön einsam anfühlen, wenn man jemand ist, dem es leicht fällt, Entscheidungen zu treffen. Denn natürlich finden nicht immer alle das Ergebnis toll. Und da kann schon mal Frust aufkommen, wenn keiner eine klare Meinung hat – bis du eine Entscheidung getroffen hast. Es ist so leicht, die Entscheidung eines anderen zu kritisieren und es besser zu wissen. Vor allem, wenn ich mich in der Menge verstecken kann. Und es braucht Rückgrat, sich in eine exponierte Position zu begeben und notfalls alleine da zu stehen, wenn es Kritik oder Häme hagelt.
Wie kann ich da die Freude behalten und nicht alles hinschmeißen, wenn es zu viel wird?

Sooo viele Menschen! Sooo viele Bedürfnisse! Sooo viele Erwartungen!

Den Juden eine Jude, den Griechen ein Grieche – allen alles sein?! Alle Ansprüche aller Menschen erfüllen – und ihre Erwartungen noch dazu! All ihren Bedürfnissen gerecht werden und allen Nöten begegnen.

Wie kann ich da fröhlich engagiert bleiben ohne unter den (vermuteten) Erwartungen der anderen und der Not der Welt zusammenzubrechen?

Ich vermute mal, du hast dich in einer der vier Beschreibungen zumindest ein Stück weit wiedergefunden. Hintergrund ist das DISG-Modell. Mehr dazu in der Literatur- und Linkliste.

Auch vom Guten kann es ein „zu viel“ geben.

Immer wieder stoßen wir auf die Frage der Balance. Und da geht es mehr darum, mich gut zu kennen und zu reflektieren, als etwas nach „Schema F“ zu machen. Viel Arbeit ist ja per se nicht schlecht. Mich beflügelt das, wenn ich ordentlich was zu tun habe und dadurch was bewegen kann. Es kommt aber sehr darauf an, was ich zu tun habe und wie leicht mir das fällt. Wie viel Unwägbarkeiten dabei sind oder wie überschaubar meine Aufgabe ist. Und, ob ich alleine arbeite oder ein Team an meiner Seite habe, das mich unterstützt und beflügelt.

Energiekiller

Manchmal wird aus „viel“ einfach dadurch ein „zu viel“, weil da zu viele ungeklärte Fragezeichen sind. Oder zu viele Menschen, die da auch noch mitreden wollen. Ich habe gelernt, auch darauf zu achten, ob sich „Energiekiller“ an Aufgaben dranhängen und welche das sind. Das ist so eine Mischung aus allgemeinen und individuellen Komponenten. Kennst du deine Energiekiller? Es lohnt sich, Zeit darauf zu verwenden, sie zu identifizieren. Achte in den nächsten Tagen mal darauf, was dich frustriert oder dir die Freude an einer Aufgabe nimmt. Alternativ kannst du auch ein bereits abgeschlossenes Projekt reflektieren, an das du dich gut erinnerst. Schreibe die „Energiekiller“ auf und male zu jedem eine Skala, die von „0 = macht mir nichts aus“ bis „10 = macht mir sehr zu schaffen“ reicht. Dann kreuze aus dem Bauch raus für jeden einzelnen Faktor an, wie sehr er dich belastet. (Siehe Schaubild)

Was machst du jetzt damit? Wähle die Faktoren aus, die dir am meisten Energie rauben und überlege, was du ändern kannst, damit du günstigere Arbeitsbedingungen schaffen kannst. Vielleicht sprichst du mit deinem Team darüber? Dann bitte alle, für sich selbst so eine Übersicht zu erstellen, und dann tauscht euch aus, wie ihr euch gegenseitig unterstützen wollt, dass ihr mehr Energie in euer gemeinsames Projekt stecken könnt.

Du kannst für dich oder mit deinem Team zusammen Strategien entwickeln, damit ihr eure „Energiekiller“ zumindest in Schach halten könnt. Meine beschreibe ich gleich in Kombination mit meiner Strategie, ihnen wirksam entgegenzutreten:

Verzetteln

Da hilft mir ein sehr praktisches Tool aus Papier: mein Schreibtischkalender. Da trage ich keine Termine ein, sondern alle To Do’s, wenn sie mir einfallen. Dann haben sie einen Platz und sind terminiert. Und ich brauche mich nicht mehr sorgen, ob ich auch ja nichts vergesse.

Sorgen machen

Ein allgemein sehr beliebter Energiefresser, den ich mittlerweile weitgehend in Schach halten kann. Durch Logik: Kann ich etwas daran ändern? Wenn ja, was und wann mache ich das? Wenn nein: Weg damit. Beten und konsequent bei Gott ablegen hilft mir sehr. Da sind die Dinge, die mir Sorgen machen in kompetenten Händen. Und ich habe Kopf, Herz und Hände frei, um mich um meine Aufgaben zu kümmern.

Unklare Absprachen

Ich frage nochmal nach und bitte mein Gegenüber, sich klar auszudrücken. Wenn ich eine Rückmeldung per E-Mail möchte, schreibe ich Tag – und manchmal Uhrzeit – bis wann ich die brauche. Danach treffe ich eine Entscheidung anhand der Rückmeldungen, die bis dahin eingegangen sind.

Unklare Erwartungen

Ich frage nach: „Was wünschst du dir?“ Und wenn sich herausstellt, dass es keine Wünsche sondern Forderungen sind, die ich zu erfüllen habe, dann lohnt es sich, mit meinem Gegenüber eine Runde zu drehen und zu klären, was davon in meinem Verantwortungsbereich liegt und was nicht. Wer sagt denn, dass ich alle Forderungen anderer zu erfüllen habe? Wenn du an diesem Punkt immer wieder Schwierigkeiten hast, lohnt es sich, dich mal mit deinem „inneren Team“ auseinanderzusetzen. Entweder zusammen mit einem Coach oder einer Mentorin. Oder auch mit diesem kleinen Übungsbuch von Jutta Heller: „So bin ich stark. Gut aufgestellt mit dem inneren Team.“

Missstimmung im Team

Offen ansprechen: „Ich nehme wahr, dass …“ – „Wie nehmt ihr das wahr?“ Sag auch, was dir wichtig ist für eine gelingende Zusammenarbeit und gib den anderen ebenfalls die Gelegenheit, sich dazu zu äußern. Und dann findet einen Konsens.

Übergehen wir Missstimmung im Team auf Dauer, schadet das allen im Team: denen mit denen ihr unterwegs seid – und eurem Auftrag könnt ihr auch nicht richtig gerecht werden. Die Zeit und Kraft und den Mut, die ihr an dieser Stelle in Aussprachen investiert, die lohnen sich wirklich. Und wenn am Ende dabei herauskommt, dass ihr eigentlich gar nicht zusammenarbeiten wollt/könnt, dann ist das nicht unbedingt ein Scheitern – auch wenn es sich zuerst so anfühlt.

Leute wollen sich möglichst lange alle Optionen offen halten.

Mir hilft es zu prüfen, wo ich gut mit Ungewissheit leben kann und wo ich Klarheit brauche, um mich konzentriert und effizient vorzubereiten. Umgekehrt achte ich darauf, dass ich selbst in Absprachen möglichst klar bin und den anderen nicht hinhalte, nur weil es mir schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen.

Apropos Entscheidungen treffen: KEINE Entscheidung zu treffen, bzw. es möglichst lange rauszuziehen habe ich für mich als großen Energiekiller identifiziert. Immer wieder kreisen die Gedanken darum. Ich wäge ab, prüfe, eiere rum… Und heimlich still und leise verpufft dabei einiges an Energie. Also: einmal Zeit nehmen, Optionen prüfen und abwägen, in mich reinhören, Entscheidung treffen, Entscheidung kundtun. Und dann dazu stehen. Nicht verknöchert ein Gesetz draus machen. Es gibt Situationen, da habe ich Ja gesagt und dann ändert sich auf dem Weg etwas Entscheidendes. Da wäge ich dann so gut wie es mir möglich ist nach allen Seiten ab und überprüfe meine Entscheidung unter diesen neuen Voraussetzungen noch einmal. Und dann kommuniziere ich sie zeitnah und klar.

Das A & O bei der Auseinandersetzung mit den Energiekillern: Sei barmherzig. Mit dir selbst. Mit anderen. Wir sind alle unvollkommen. Uns wird nie alles 100% so gelingen, wie wir das gerne hätten.

Prävention

Wir haben uns angeschaut, wie wir mit Energiekillern umgehen können. Jetzt möchte ich dein Augenmerk noch auf drei Komponenten lenken, die deine seelische Gesundheit und deine Lebensfreude auf Dauer stärken können. Komponenten also, die dich widerstandsfähiger, resilienter gegen negativen Stress machen, der dir Motivation, Schaffenskraft und Freude raubt. Und damit sind wir mitten drin in der Prävention. Wie kann ich als engagierte Person so mit meinen Ressourcen umgehen, dass sie für die ganze Strecke reichen? Es gibt weit mehr, doch mir liegen diese drei besonders am Herzen:

Resilienzfaktor „Gesehen werden“

Kurz gesagt steckt hinter vielen ausgebrannten Menschen ein Mangel an „gesehen werden“. Ihnen fehlt schlicht die Rückmeldung von anderen:

Ich sehe dich. Ich sehe deine Gaben. Ich sehe, was du in die Gemeinschaft einbringst. Mir ist auch wichtig zu verstehen was du brauchst, damit es dir in unserer Gemeinschaft gut geht. Ich bin bereit, genau hinzuschauen und hinzuhören, um dich besser kennen zu lernen. Ich habe Interesse an dir. Ich schätze dich. In deiner Einzigartigkeit – inklusive deiner Eigenarten. Ich sehe und achte deinen Wert und deine Würde.

Es ist von unschätzbarem Wert für uns als Gemeinschaftswesen erschaffene Menschen, von unserem Gegenüber genau diese Botschaft zu bekommen. Also lasst uns einander positive Rückmeldungen geben, wo immer wir eine Gelegenheit dafür finden. Lasst uns kreativ darin werden, anderen unsere Wertschätzung auszudrücken.

Resilienzfaktor „Dankbarkeit“

Und das lässt sich wunderbar verknüpfen mit dem „Danke sagen“. Eine wertschätzende Rückmeldung auf Augenhöhe enthält diese drei Bausteine:

1) Beobachtung. 2) Wie es dir damit geht/Was es dir bedeutet. 3) Danke.

Beispiel gefällig? „Ich habe mich so über den aufgeräumten Bastelschrank gefreut – hast du das gemacht? Vielen Dank für die Zeit, die du uns allen geschenkt hast!“ Oder: „Danke, dass du meine Mails innerhalb eines Tages beantwortest. Es ist mir eine wertvolle Unterstützung, so zügig und zuverlässig deine Rückmeldung zu meinen Fragen zu bekommen.“
Sowohl das mit der Wertschätzung als auch mit der Dankbarkeit ist weit mehr als eine Einbahnstraße. Dankbare Menschen treffen auf dankbare Menschen. Wer Wertschätzung verschenkt wird Wertschätzung ernten. Frei nach dem Motto: „Liebe ist das einzige, was wächst, wenn wir es verschwenden.“ (Ricarda Huch)

Resilienzfaktor „TEAM“

TEAM = together everyone achieves more

Ich liebe dieses „Wortspiel“. Gemeinsam sind wir nicht nur stärker. Leben wir tatsächlich den Teamgeist „Einer für alle – alle für einen“, wird jeder von uns durch die anderen so ergänzt, dass er dank dieses Teams mehr erreicht als alleine. Und wertvolle Ergänzung und dadurch auch Entlastung erlebt. Wenn ich Teil eines Teams bin, muss ich nicht alles wissen, können oder tun. Ich muss nicht allen alles sein – es gibt ja noch die anderen. Wo mir die Geduld oder Kraft fehlt und ich einen Schritt zurücktrete und den anderen Raum gebe, blüht vielleicht meine Teamkollegin voll auf, weil die Herausforderung ihren Stärken entspricht. Viele Jahre unterwegs zu sein in unterschiedlichsten Teams hat mir gezeigt: Da, wo Menschen gerne, wertschätzend, gabenorientiert und zielgerichtet miteinander unterwegs sind, können wir oftmals viel mehr erreichen, als manch ein Skeptiker für möglich halten würde. UND wir mögen nach einem großen langen Camp zwar fix und fertig, aber eben auch glücklich und zufrieden sein. Und beflügelt für weitere Abenteuer.

Es braucht Pausen

Ausruhen. Nichts leisten müssen. Genießen. Kraftreserven auffüllen – zwischendurch braucht es auch die Pausen. „Batterie fast leer!“, zeigt mein Laptop gerade an. Wie merkst du, dass deine Akkufüllung sich dem Ende entgegen neigt, deine Kraftreserven sich erschöpfen? Wie zeigt dir dein Körper, dass eine Pause dran ist? Und schenkst du dem Beachtung? Planst du Pausenzeiten von vorneherein mit ein? Wie schnell bist du bereit, über deine Grenzen zu gehen?

In einer Zeit der grenzenlosen Möglichkeiten und eines grenzenlosen Angebotes an Abenteuern, Aufgaben und Ablenkung tun wir uns logischerweise schwer mit dem Abgrenzen. Und doch brauchen wir sie dringend, die Grenzen, die uns schützen. So wie die Mauern deiner Wohnung deinen Rückzugsort markieren und dich vor Wind und Wetter, Hitze und Kälte schützen, kann auch ein Nein eine wichtige Schutzfunktion haben. An der richtigen Stelle „Nein“ sagen schützt dein „Ja“. Wenn du dich schwertust, anderen eine Bitte auszuschlagen, dann frag dich, bevor du das nächste Mal Ja sagst: „Wenn ich jetzt hierzu Ja sage – wozu sage ich dann Nein?“ Wenn ich zu dieser Aufgabe in der Gemeinde Ja sage – was bedeutet das für meine Freundschaften, meine Zeit für mich, meine Arbeit …? Wenn ich den letzten freien Abend in der Woche für diese Sitzung hergebe – wozu sage ich dann Nein? Und was hat das für Auswirkungen?

Wir sind permanent herausgefordert, das, was uns wichtig ist, zu schützen. Je klarer du dir darüber bist, was dir das Kostbarste im Leben ist und was dir auch noch wichtig ist, desto leichter fällt es dir, deine Entscheidungen danach auszurichten. Es lohnt sich, dir Zeit zu nehmen um deine Vision für deine aktuelle Lebensphase zu klären. Eine Klarheit an diesem Punkt bringt Einfachheit und Freiheit mit sich. Das wiederum wirkt sich positiv auf dein Energielevel aus und auf deine Freude an deinem Tun.

Alles hat seine Zeit

Gott hat die Zeit eingeteilt. In Tag und Nacht, Sommer und Winter. Werktag und Sonntag. Und als Extra obendrauf gibt’s noch die Feiertage! Ich liebe Feiertage! Vor allem die, an denen ich als engagierte Christin nichts zu tun habe. Kein Gottesdienst – einfach mal ausschlafen! Davon schwärmte ich am 3. Oktober, von diesem extra geschenkten freien Tag gestern. Für den ich mir Werken im Kreativkeller vorgenommen hatte. Und dann schien nach einem Regentag die Sonne und ein Spaziergang mit Freundinnen lockte in die bunt gefärbten Weinberge! Hach, ist das schön, einfach in den Tag leben und sich überraschen lassen können. Weil heute alles darf, aber nichts muss. Und rate mal, was meine Freundin, die engagierte Lehrerin und Ehrenamtliche, antwortete? „Bisher war das für mich ein extra Tag, an dem ich ungestört Klausuren korrigieren konnte. Erinnere mich nächstes Jahr daran, dass ich mich entschieden habe, mir zwischendurch mal extra frei zu gönnen!“

Wann gönnst du dir das nächste Mal frei? Um dich selbst mit der Feststellung zu überraschen: Die Welt dreht sich weiter – auch wenn ich Pause mache.

Für alles gibt es ein Buch

Und nicht nur eins! Hier eine kleine Liste, wenn du das eine oder andere Thema, das ich angerissen habe, weiter vertiefen willst:

  • Härry, Thomas: Von der Kunst, sich selbst zu führen. SCM-Verlag
  • Heller, Jutta: So bin ich stark. Gut aufgestellt mit dem inneren Team. Kösel-Verlag
  • MacDonald, Gordon: Warum Jesus kein Burnout hatte. Von innen heraus stark sein. Brunnen-Verlag
  • Niemeyer, Susanne: Soviel du brauchst. Sieben Sachen zum besseren Leben
  • Seiwert, Lothar; Gay, Friedbert: Das neue 1×1 der Persönlichkeit. Sich selbst und andere besser verstehen mit dem DISG-Modell. Der Praxisleitfaden zu mehr Menschenkenntnis und Erfolg. G&U-Verlag
  • Sellin, Rolf: Bis hierher und nicht weiter. Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen. Kösel-Verlag

Und als Zugabe noch ein Link:www.persolog.de – mehr zum DISG-Modell und zum Thema Resilienz

Ziel: Sexualität ist ein großartiges Geschenk Gottes und betrifft den ganzen Menschen mit allen Dimensionen. Man zieht sich beim Sex nicht nur körperlich, sondern auch seelisch vor einem anderen Menschen aus und macht sich dadurch verwundbar.

Hintergrundinfos/ Fakten

In dieser Einheit geht es darum, dass das Geschenk der Sexualität ganzheitlich zu verstehen ist und man sich dabei verwundbar macht.

  • Mit 16,5 Jahren haben die meisten Deutschen ihr erstes Mal gehabt (Alter geht tendenziell runter). Bedeutet: Die meisten Menschen hatten bereits ihr erstes Mal, bevor sie heiraten.[1]
    • Der „Durchschnittsmann“ hat bereits 5-7 verschiedene Geschlechtspartnerinnen
    • Die „Durchschnittsfrau“ 2-5 Geschlechtspartner
  • Das bedeutet, dass für die meisten Sexualität nicht mehr nur mit Beziehung und Vertrautheit einhergeht, sondern mit Lust und ohne Bindung.  
  • Die meisten werden mit Sexualität auch Frusterfahrungen gemacht haben.
  • Dadurch kann Sexualität zum Produkt werden, was man erwerben kann und zugänglich ist nach Lust und Laune. Weswegen auch in den letzten Jahren Pornografie und die ganze Sexindustrie stark gewachsen ist.  
  • Die meisten jungen Menschen wünschen sich nun gelingende Beziehungen und dennoch hat es kaum eine Generation so schwer, wie diese.
  • „Sie werden von einer Gesellschaft geformt, die nach TikTok süchtig ist, die von Pornhub erzogen wurde, in der jeder für seine eigene Art von Glück verantwortlich ist und in der Sex so einfach wie ein Swipe nach rechts ist.“[2]
  • Sexualität ist aber nicht nur biblisch, sondern auch psychologisch und neurobiologisch nichts nur „körperliches“, sondern betrifft den ganzen Menschen und das Gegenüber – denn zum Sex gehört ein Gegenüber.
  • Außerdem haben Leute außerhalb von Kirche ein großes Misstrauen gegenüber der „christlichen Lehre“ zum Thema Sex. Auch wenn es das nicht einheitlich gibt, heißt es oft, dass sie moralisch verwerflich sei, weil die Selbstbestimmung eingeschränkt wird. Dabei haben wir aus christlicher Perspektive hier etwas Gutes zu sagen! Eine gute Nachricht, weil Sexualität in Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe gegründet ist.
  • Sexualität wird in der Bibel positiv bejaht.
  • Sexualität bindet und stärkt Beziehung.
  • Sexualität ist ganzheitlich (Körper, Seele. Geist).
  • Sexualität hat aber auch zerstörerische Macht, wenn sie ausgenutzt wird! Daher haben wir eine Verantwortung für uns und andere!

[1] https://www.youtube.com/watch?v=m7VqS0dvuqs

[2] https://www.mrjugendarbeit.com/finger-weg-was-lehrt-netflix-uber-sex-wahrend-corona-isolation/

Aktion/Hinführung

Material: Ausgedruckte Statements mit Skala, Klebepunkte/Stifte

Zum Einstieg ins Thema haben die Teens die Möglichkeit, sich selbst mit ein paar Statements zu beschäftigen. Dafür dürfen sie anhand einer Skala von 1-10 angeben, wie stark sie der Aussage zustimmen (1 = stimme überhaupt nicht zu; 10 = stimme voll und ganz zu). Zur Umsetzung empfehlen wir, die einzelnen Aussagen jeweils auf ein DIN-A4-Blatt mit einer Skala auszudrucken, sodass die Teens mit Klebepunkten oder einem Stift einen Punkt auf der Skala setzen können. Alternativ kann auch mit Mentimeter gearbeitet werden. Folgende Statements können dafür passen. Wähle am besten selbst aus, welche zu der Gruppe passen und welche nicht. Sensibilisiere die Teens dafür, dass es sich um ein vertrauensvolles Thema handelt und so auch mit den Aussagen jeder/s Einzelnen umgegangen wird. Ermutige die Teens, das zu teilen, womit sie sich wohlfühlen, und gleichzeitig nichts teilen zu müssen.

  • Sex ist etwas rein „Körperliches“.
  • Beim Sex baue ich eine Bindung zu meiner/m Sexualpartner:in auf.
  • Gott findet Sex gut.
  • Sex ist ein Geschenk Gottes.
  • Beim Sex mache ich mich seelisch verwundbar.
  • Für Sex brauche ich Vertrauen zu meiner/m Partner/in.
  • Beim Sex mache ich mich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch nackig.
  • Sex ist erst so richtig schön, wenn er von gegenseitiger Liebe und Vertrauen geprägt ist.

Fragen/Kleingruppen

Im Anschluss an diese Aktion geht ihr je nach Gruppengröße und Anzahl der Mitarbeitenden in Kleingruppen. Es sollte pro Gruppe ein:e Mitarbeiter:in dabei sein, der/die das Gespräch leitet. Falls möglich, könnt ihr die Gruppen auch geschlechtergetrennt aufteilen. Das bietet häufig noch mehr Raum, um ehrlich ins Gespräch zu kommen. Ihr tauscht euch dann zunächst über die Statements und das Ergebnis aus. Fragt die Teens, wie sie zu den Aussagen stehen. Seid auch bereit dafür, dass zu manchen Statements vielleicht keine Rückmeldung kommen kann. Das ist in Ordnung. 

Kommt im Anschluss über folgende Fragen ins Gespräch:

  • Was bedeutet es für dich, sich seelisch verwundbar zu machen?
  • Findest du das eher gut oder schlecht? Warum?
  • Ist das bei Sexualität notwendig?
  • Was wäre, wenn Sexualität nur etwas rein Körperliches wäre? Wäre es dann noch genauso schön?

Impuls „verpacktes Geschenk in 3D“

Die meisten Menschen sehnen sich nach intimen Beziehungen, die vertraut und tiefgehend sind. So wie auch Gott sich nach solchen Beziehungen sehnt. Gott erschafft den Menschen nicht nur als ein Gegenüber zu sich, sondern auch zueinander. Beeindruckend ist es doch, dass die Sexualität etwas ist, bei dem diese Nähe zum Ausdruck kommt. Und wie tiefgründig das geht, erschließt sich, wenn man das hebräische Wort für „miteinander schlafen“ anschaut. Dafür steht nämlich „erkennen“ (1.Mose 4,1). „Erkennen“ meint nicht nur, dass ich meine:n Partner:in nackt vor mir sehe, also körperlich erkenne. Es bedeutet vielmehr, dass ich meine:n Partner:in ganzheitlich nahe bin. Denn bei der Sexualität bringe ich mich als ganzen Menschen ein. Mit dem, was mich mit meinem Gegenüber verbindet und dem, was uns unterscheidet. Ich zeige mich, wie ich wirklich bin.
Sexuelle Intimität setzt daher voraus, dass ich mich immer mehr dem Partner oder der Partnerin zeige und mich ihm und ihr zumute, Das wiederum setzt voraus, dass ich mich mit mir selbst auseinandersetze. Je versöhnter ich demnach mit mir bin, desto einfacher ist das. Dementsprechend beginnt die Vorbereitung bereits vor einer Beziehung. Sich mit seiner Persönlichkeit und seinem Körper annehmen lernen, ist eine Aufgabe, um so sich selbst und jemand anderes näherzukommen. Es braucht also Risiko und Reife sich einer Person so ehrlich zu zeigen. Mit meinen echten Gefühlen, meinen Erfahrungen, meinen Defiziten. So kann tiefe Vertrautheit und Verbundenheit entstehen. Man zieht sich beim Sex nicht nur körperlich, sondern auch seelisch vor einem anderen Menschen aus und macht sich dadurch verwundbar. Denn Sexualität ist ein großartiges Geschenk Gottes und betrifft den ganzen Menschen mit allen Dimensionen.[1]


[1] Vgl. Schmidt Veronika, Liebeslust – unverschämt und echt genießen, S.150ff.

Textgrundlage Matthäus 7,24-27:

24»Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. 25Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. 26Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. 27 Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flüsse über ihre Ufer treten und der Sturm um das Haus tobt, wird es einstürzen; kein Stein wird auf dem anderen bleiben.«

Einstiegsgedanke

Das Fundament ist entscheidend. Dies gilt nicht nur beim Hausbau, dass man sich weise überlegen sollte, worauf man sein Haus baut (das wussten die Leute in der Bibel schon): Dieses Wissen über mein WORAUF ist auch entscheidend für Beziehungen, die ich baue. Und da ist es erst mal egal, ob wir über die rein platonische Freundschaft reden, oder die partnerschaftliche Beziehung zwischen Mann und Frau. Ein Fundament ist nicht gleich ein Fundament.

Stell dir vor, jede Beziehung (wir konzentrieren uns jetzt mal auf die Beziehung zwischen Mann und Frau) ist wie ein Haus. Ein Haus, das ihr gemeinsam gestaltet, kreiert und einrichtet – mit eurem Charakter, euren Erlebnissen und Abenteuern. Damit dieses Haus überhaupt gebaut werden kann, sollte der Untergrund gleichmäßig und gut zu bebauen sein.

Gruppenarbeit:

  1. Lest gemeinsam das Gleichnis vom Hausbau! (Matthäus 7,24-27)
  2. Im Gleichnis haben wir schon gehört, dass für den Hausbau sich der felsige Boden besser eignet, als der sandige Boden. Woraus sollte deiner Meinung nach dieses Fundament für dein Beziehungshaus bestehen? (= Was gibt Halt // schafft Grundlage?) Was ist absolut notwendig? Sammelt die Begriffe in einer Wortwolke (digital z.B. über Mentimeter) oder auf einer Flipchart.
  3. Stellt euch gegenseitig eure Ergebnisse vor!

Impuls

Eine Beziehung anzufangen, ist das eine. Eine Beziehung gut zu erhalten ist oft nicht ganz so leicht. Gerade wenn die rosa Brille so langsam verblasst und die Ecken und Kanten des Partners erkenntlich werden, kommt der Punkt, in dem Beziehung etwas kostet: Zeit, Kraft, Energie und viel Geduld und Ausdauer – ähnlich wie bei einem Hausbau. Damit dieser gemeinsame Hausbau gelingen kann und die Beziehung stabil wachsen kann, ist es gut zu wissen, was du und dein Partner brauchen und vor allem wollen. Welche Werte sollen in und durch eure Beziehung sichtbar werden? Wie wollt ihr miteinander reden und umgehen? Wie möchtet ihr euer Umfeld gestalten? In welche Freundschaften wollt ihr investieren – und wer darf in euch investieren? Wie stellt ihr euch eure gemeinsame Zukunft vor? Wie stärkt ihr euch gegenseitig und selbst? Wie möchtet ihr euren Glauben gestalten? All das sind Fragen, die mich immer wieder herausfordern, die Mut und Liebe brauchen, in einigen Punkten Kompromissbereitschaft aber vor allem auch ehrliche Antworten. Macht euch bewusst, dass dieser Hausbau ein gemeinsames Projekt ist. Ihr beide seid – im Team – die Bauarbeiter, die das Haus bauen, auf dem Fundament Jesus – deinem / eurem BauHERRn. Jesus steht für Liebe – das hat er am Kreuz bewiesen. Und diese Liebe soll auch eure Beziehung durchfluten. Vergebt einander immer wieder, seid nicht nachtragend und unterstützt einander. Und warum? Weil Jesus dies am Kreuz für uns getan hat. Das ist das Evangelium – die gute Nachricht.

Und gerade dann, wenn Jesus euer Fundament ist, wird er auch einzelne Säulen in eurem Beziehungshaus ausgleichen, wenn ihr es mal nicht könnt. Ladet ihn dafür immer wieder in eure Beziehung ein und sucht gemeinsam seine Nähe.

Evtl. als Zusatzimpuls: Zu guter Letzt ist es auch wichtig sich zu überlegen, in welcher Nachbarschaft euer Haus gebaut werden soll. Gibt es ein Ehepaar, das euch inspiriert und von dem ihr lernen könnt? Gibt es für jeden von euch einen Mentor,[1] der euch in eurer Beziehung eine Hilfestellung geben können? Macht euch gemeinsam auf die Suche und bestärkt euch gegenseitig, dieses Bauprojekt nicht alleine anzugehen! Es lohnt sich!

So könnte euer Beziehungshaus aussehen – evtl. fallen euch noch weitere Säulen ein …


Abschlussaktion:

Aktion für Paare:

  • Beziehungshaus bauen (gemeinsames Foto); darunter eure tragenden Säulen / das gemeinsame Fundament legen (aufmalen)
  • Was müsst ihr gemeinsam tun, damit euer Beziehungshaus stabil ist? Welches Element eures Untergrunds braucht in nächster Zeit Fokussierung?
  • Was nehmt ihr euch als Paar konkret vor, damit euer Haus stabil ist? Notiert euch eure To-dos in einem gemeinsamen Kalender/einer gemeinsamen Notiz!

Aktion für Singles / Paare, deren Partner nicht anwesend ist:

  • Wie soll dein Beziehungshaus aussehen, wenn du in einer Beziehung bist? Was ist deine Grundlage? Welche Säulen sind dir wichtig?
  • Wie kannst du jetzt schon an deinem Haus bauen? Notiere dir, was du in deine nächste Woche als Challenge mitnimmst.

[1] Nähere Infos unter: ONE2ONE Niedersachsen ONE2ONE Niedersachsen (one2one-niedersachsen.de)

1. Erklärung zum Text

Auf den Weg von Galiläa nach Jerusalem erzählte Jesus zahlreiche Gleichnisse, unter anderem auch das Gleichnis über den verlorenen Sohn. Unser Gleichnis wird mit zwei anderen Gleichnissen in Kapitel 15 verpackt. Die ersten beiden Gleichnisse sollen uns zeigen, wie sehr sich Gott darüber freut, wenn ein schuldbeladener Mensch zu ihm zurückkehrt (siehe Verse 7 und 10). Ebenso geht es auch im dritten Gleichnis um die große Freude des Vaters über die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Doch diesmal handelt es sich beim Verlorenen nicht um einen Gegenstand, sondern um einen Menschen. Das dritte Gleichnis wirft nochmal ein anderes Licht auf die große Liebe Gottes zu den Verlorenen. Um die Situation zu verstehen, beginnen wir mit den Versen 1 und 2. Jesus ist dafür bekannt, dass er keine Berührungsängste mit Zolleinnehmer oder Sünder hat. Es handelt sich hier aus jüdischer perspektive, um verachtete Bevölkerungsgruppen mit denen er sich abgibt. Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, weil sie ein lasterhaftes Leben führen. Sie waren in den Augen der Juden Gesetzeslose, mit denen man keinen Kontakt wollte. Aber Jesus war nicht nur von den sogenannten Sündern umgeben, sondern auch von den Pharisäern. Das waren Schriftgehlehrte, die die Tora in und auswendig kannten und denen die Gesetze sehr wichtig waren. Die gesetzesliebenden Pharisäer können die Sünder daher nicht ausstehen und verstehen nicht, warum Jesus sich mit ihnen beschäftigt. Und da beginnt Jesus mit seinen 3 Gleichnissen.

Im Gleichnis über den verlorenen Sohn gibt es 3 Hauptfiguren: der Vater, der jüngere Sohn und der ältere Sohn.

Der jüngere Sohn verlangt zu Beginn des Gleichnisses seinen Erbteil vom Vater und entscheidet sich, sein Zuhause zu verlassen (V.11-12). Diese Entscheidung, sich vom Vater abzuwenden, führt zu schwerwiegenden Konsequenzen. Von seinem Erbe bleibt schließlich nichts mehr übrig (V.13-15). Er sinkt tiefer und tiefer, bis er hungernotleidend über seine Fehler nachzudenken beginnt. Er bereut, was er getan hat und würde es gerne rückgängig machen. Doch er erkennt, dass er es nicht mehr vollständig rückgängig machen kann und kehrt demütig zum Vater zurück (V.16-20).

Der Vater handelt durchgehend barmherzig, liebevoll und geduldig. Und das sieht man im Gleichnis, wie er dem jüngeren verlorenen Sohn entgegenläuft und ihn herzlich umarmt (V.20). Bevor der jüngere Sohn irgendetwas sagen kann, wird er mit Liebe überhäuft. Ohne Tadel, ohne Wenn und Aber begegnet der Vater dem Sohn. Seine Freude über die Rückkehr ist größer als jeder Groll.

Der ältere Sohn taucht erst später im Gleichnis auf. Er fühlte sich ungerecht behandelt. Er war schließlich der, der den Regeln des Vaters gefolgt ist, nicht sein Bruder. Er war der, der nicht abgehauen ist oder sein ganzes Geld verprasst hat. Eigentlich sollte ihm eine solche Party gebühren (V.25-31).

Der Vater begegnet dem älteren Sohn ebenso liebevoll und barmherzig wie dem jüngeren Sohn. Er lädt ihn ein, sich für seinen Bruder zu freuen (V.31-32).

Springen wir nochmal zurück zu Vers 2. Dort beschweren sich die Pharisäer, dass Jesus sich mit den Sündern abgibt. Und daraufhin erzählt Jesus das Gleichnis vom verlorenen Sohn, wo beide, Pharisäer und Gesetzlose, in einer verschlüsselten Botschaft vorkommen. Der jüngere Sohn soll ein Bild für die Gesetzlosen sein. Der ältere Sohn ist das Bild für die Pharisäer. Beide Söhne wenden sich vom Vater ab, nur auf unterschiedliche Arten und Weisen. Der eine wendet sich vom Vater ab, indem er ein zügelloses Leben führt. Der andere wendet sich ebenso vom Vater ab, indem er die Einhaltung der Gebote über die Liebe stellt. Beide blicken weg vom Vater. Der eine blickt auf sein scheinbar erschwingliches freies Leben (wie die Gesetzeslosen) und der andere klammert sich an die scheinbar freimachenden Gebote (wie die Pharisäer). Doch in Wirklichkeit machen beide Wege nicht frei und tragen schwerwiegende Folgen mit sich. Beide, der Gesetzeslose und der Pharisäer, stehen am Ende als Sünder da. Beide haben ihren Fokus verloren.  Die dritte Hauptfigur des Gleichnisses ist der Vater. Immer wenn von ihm die Rede ist, tritt er als versöhnender liebender Vater auf. Ein Vater, der nicht zuerst an Tadel denkt, wenn sein Sohn etwas falsch gemacht hat. Nein, er ist ein Vater, der seine Söhne überhäuft mit Liebe und Barmherzigkeit. Ohne Wenn und Aber. Er begegnet dem älteren und dem jüngeren Sohn liebevoll und versöhnend. Das bedeutet, Gott begegnet den Pharisäern und den Gesetzeslosen gleichermaßen ohne Wenn und Aber mit all seiner Liebe. Und das möchte Jesus seinen Zuhörern klar machen: Keiner ist ohne Schuld. Nicht einmal die Pharisäer. Aber es gibt Hoffnung für beide. Denn der Vater möchte sich mit beiden Versöhnen.

2. Bedeutung für Heute:

Zunächst finden wir Versöhnung zwischen dem Vater und dem jüngeren Sohn. Blicken wir auf das Handeln des jüngeren Sohns, können wir einiges für unser heutiges Leben lernen. Sein Handeln kann man in 3 Abschnitte teilen:

  1. Sünde: Er wendet sich vom Vater ab. Es folgen im Gleichnis eine Reihe von Fehlschlägen bis hin zu Hungersnot. Auch wir wenden uns oft von Gott ab, gehen falsche Wege und meinen, es selbst besser zu wissen. Am Ende bemerken wir auch, dass so ziemlich viel schiefläuft.
  2. Buße: „Buße tun“ – Was für ein altes Wort. Aber genau das macht der jüngere Sohn. Er erkennt, dass sein Handeln falsch war. Noch mehr, er erkennt, dass er sich von Gott und dem Vater abgewandt hat. Er erkennt, dass es ihm nicht guttut, ohne Gott und ohne den Vater unterwegs zu sein. Wir nennen es oft „schlechtes Gewissen“, wenn wir unser eigenes Handeln bereuen. Am liebsten wollen wir es rückgängig machen, doch wir wissen, dass die Zeit nicht zurückgedreht werden kann.
  3. Versöhnung: Nach der Zeit des Umdenkens folgt ein Fest. Ein Fest? Keine Strafe? Keine Standpauke? Nein, der Vater wartet auf den jüngeren Sohn mit offenen Armen. Und überhäuft ihn mit all seiner Liebe, weil er sich über die Rückkehr freut. Genau diese Liebe kommt uns auch entgegengestürmt, wenn wir unsere Fehler einsehen, wenn wir unseren Blick wieder auf Gott richten.

Schließlich erkennt man auch einen Versöhnungsversuch zwischen dem Vater und dem älteren Sohn. Der Vater sieht, wie verbittert der ältere Sohn die Gerechtigkeit des Vaters kritisiert. Sein Verhalten zeigt, dass am Ende die äußere schön geputzte Fassade bröckelt und die Liebe zu kurz kommt. Auch er benötigt die liebende Hand des Vaters entgegengestreckt. So geht es auch uns manchmal. Wir setzen uns für die Gemeinde ein, gehen jede Woche in die Kirche, sind bei jeder Jugendstunde aktiv dabei und versuchen die 10 Gebote zu halten. Genau in den Momenten, wo wir dann erschöpft von der Arbeit dasitzen und man womöglich keine Anerkennung spürt, genau da fängt es in uns zu brodeln an. Im Gleichnis begegnet der Vater dem älteren Sohn barmherzig und ohne Tadel. Und so begegnet er auch uns in solchen bitteren Situationen. Wir wissen nicht, wie der ältere Sohn sich entschieden hat. Aber ich wünsche uns, dass wir in solchen Situationen mit dem Vater auf die Versöhnungs-Party gehen und feiern. Solch eine Liebe übersteigt menschlichen Verstand.

3. Methodik für die Gruppe

Einstieg: Brainstorming

Ihr könnt gemeinsam Brainstormen und euch mit der Frage auseinandersetzen: „Was ist Versöhnung?“ Die Antworten können auf ein Blatt Papier oder auf eine Flipchart gesammelt werden.

Bibeltext gemeinsam lesen

Entweder liest einer den gesamten Text vor oder man liest der Reihe nach ein paar Verse.

Austausch

In Kleingruppen wird der Bibeltext nochmal gemeinsam gelesen und anschließend wird über folgende Fragen diskutiert (Dauer ca. 30 Min):

  • Wie kommt der jüngere Sohn auf seine neuen Gedanken? Was bewegt ihn? (V. 17-19)
  • Mit welcher inneren Einstellung kehrt er zum Vater zurück?
  • Aus welchen Gründen wird der ältere Bruder zornig? Ist es berechtigt?
  • Sucht alle Verse, in denen der Vater handelt oder redet. Wie reagiert er auf den jüngeren und auf den älteren Sohn?
  • Was war bisher der Tiefpunkt in deinem Leben? Bei welchen „Schweinen“ bist du vorbeigekommen? (finanziell, schulisch, Beziehungskrise, Tod, Glaubenskrise etc.)
  • Wo stehst du gerade in deiner Beziehung zu Gott? Und was hat Gott zu geben, das du bisher noch nicht angenommen hast? (V. 31)

Anschließend kann über die Entdeckungen im Plenum gesprochen werden.

Ergänzendes Material:

  • Falls Begriffe wie Sünde, Buße, Versöhnung, Pharisäer, Gesetz nicht ganz klar sind, kann im Bibelserver nachgeschlagen werden (https://www.bibleserver.com/)
  • Liedvorschläge aus „Feiert Jesus 5“
    • Nr. 73 Guter Vater / Good Good Father
    • Nr. 21 Krüge aus Ton / Broken Vessels
    • Nr. 22 Die Liebe des Retters
    • Nr. 68 Gnade, so wunderbar / This is amazing Grace

Heute steigen wir in die Geschichte von Zachäus ein. Ja, die aus der Kinderbibel. Mit dem kleinen Mann, dem Steuerhinterzieher. Aber mach den Artikel nicht gleich wieder zu. Lass uns die Geschichte anschauen aus einem “erwachsenen” Blickwinkel. Versprochen (!), die Moral von der Geschichte wird nicht sein, dass Gott auch die kleinen Leute sieht (Obwohl das natürlich weiterhin stimmt!

Aber für heute, eine (hoffentlich) neue Perspektive.

Einzige Anmerkung zur Durchführung meinerseits: Lass dich berühren, merke auf, wenn dich etwas anspricht, oder dir jemand einfällt oder auffällt. Vielleicht hat gerade da Gott etwas mit dir vor?

1 Jesus kam nach Jericho; sein Weg führte ihn mitten durch die Stadt. 2 Zachäus, der oberste Zolleinnehmer, ein reicher Mann, 3 wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war. Aber es gelang ihm nicht, weil er klein war und die vielen Leute ihm die Sicht versperrten. 4 Da lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum; Jesus musste dort vorbeikommen, und Zachäus hoffte, ihn dann sehen zu können. 5 Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.« 6 So schnell er konnte, stieg Zachäus vom Baum herab, und er nahm Jesus voller Freude bei sich auf. 7 Die Leute waren alle empört, als sie das sahen. »Wie kann er sich nur von solch einem Sünder einladen lassen!«, sagten sie. 8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sagte zu ihm: »Herr, die Hälfte meines Besitzes will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand etwas erpresst habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. 9 Da sagte Jesus zu Zachäus: »Der heutige Tag hat diesem Haus Rettung gebracht. Denn«, fügte er hinzu, »dieser Mann ist doch auch ein Sohn Abrahams. 10 Und der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Ihr habt diese Geschichte sicherlich schon tausend mal gehört und gerade deshalb wollen wir ganz strategisch an die Sache heran gehen, ok? Ok.

Ich werde das mal mit den Gedanken ausfüllen, die mir kommen. Wenn du es in deinem Jugend- oder Hauskreis anleitest oder du dir das selbst einmal durchliest, starte doch mit einer leeren Tabelle und mach dir vorerst deine eigenen Gedanken. Wenn dir die Tabelle doof vorkommt, redet doch einfach drüber oder wählt 2 aus eurer Gruppe aus, die den beiden Seiten ihre Stimme und Worte geben (quasi als Improtheater, wo laut gedacht wird).

Was passiert?Was denkt/fühlt/sieht Zachäus?Was denkt/fühlt/sieht das Volk?
Zachäus klettert auf einen Baum, um Jesus zu sehen.Große Menschenmenge und er sieht nichts. Warum dann nicht auf einen Baum klettern und es versuchen? Er ist doch so neugierig zu sehen, ob dieser Jesus tatsächlich so besondere Sachen machen kann, die er so gehört hat.Wahrscheinlich sind nur wenige allein unterwegs, Zachäus fällt in diesem Trubel gar nicht auf, bis er auf den Baum klettert. Muss das denn sein? Dieser Schnösel klettert einen Baum hoch, wieso? Ist er verrückt geworden?
Jesus sieht Zachäus.Wow. Jesus sieht ihn. In dieser Menge, schaut er zu ihm hoch, er wird gesehen, wert geschätzt, bei seinem Namen genannt.Warum weiß Jesus seinen Namen? Warum spricht er nicht die Familie dort drüben an, die ist doch total rechtschaffen? Übersieht er uns? 
Jesus lädt sich bei Zachäus ein.Es scheint wahr zu sein, dieser Jesus stülpt alles auf den Kopf. Jetzt kommt er zu ihm zum Essen.Warum er? Wir hätten ihn doch aufnehmen können. Bei diesem Zöllner gibt es zwar sicherlich alles, aber netter hätte es bei jemandem von uns sein können.
Hinterm Rück von Z&J wird getuscheltJesus hat sein Leben umgedreht. Er zahlt seine Schulden zurück und ist gerettet. Was für ein Fest.Zu so einem schlimmen Typen geht er. Hat er sich das gut überlegt? Als ob Zachäus auf einmal alles richtig macht.

1. Jesus verändert Leben, radikal und direkt

Tief im Inneren spürt Zachäus, dass Jesus etwas Besonderes ist. Wie viel er von ihm vorher gehört hat, können wir nur raten. Zachäus möchte mehr sehen und wagt den Perspektivwechsel. Er will sehen, warum dieser Jesus so einen Hype macht.

Das erinnert mich sehr an meine ersten richtigen Schritte im Glauben. Irgendwann, ich kann es gar nicht mehr so richtig festmachen wann, habe ich kapiert, dass Jesus Leben verändert – Aber mein Leben auch? Ich bin auf die Suche gegangen, habe selbst die Bibel gelesen, mich mit Freunden unterhalten, neue Perspektiven gesucht.

Wie war das bei dir?

Was wahrscheinlich gleich ist, bei mir, Zachäus, dir und allen anderen Menschen ist: → Jesus kehrt bei ihm ein, gibt ihm alle Möglichkeiten

Und er nimmt diese Möglichkeiten, zahlt seine Schulden zurück.

Was würde passieren, wenn Jesus bei dir praktisch einkehrt? Welche Schulden würdest du dann am liebsten sofort begleichen? Und wie würde es sich anfühlen, wenn Jesus sagt, dass diese schon beglichen sind? 

2. Das Volk kommt nicht ganz mit

Andere Leute sind neidisch oder verwirrt: “Bei einem Sünder ist er eingekehrt.” Wer kennt das nicht aus manchen Gemeinden. Jesus verändert Leben, nicht nur das eigene, sondern auch das anderer Menschen in deinem Leben. Und das überrascht, weil man selbst oder andere nicht mehr damit gerechnet haben. Zachäus war abgeschrieben von der Gesellschaft, verstoßen, angeschwiegen, nicht willkommen.

Ich finde das spannend, da ich diese Muster im Kontext von Jugendlichen und Jungen Erwachsenen immer wieder sehe. Man darf sich verändern, auch fernab jeglicher Erwartung des Umfeldes.

  • Zachäus fühlt den Lernerfolg, es schwappt in sein tägliches Leben über, nachdem sein Herz berührt wurde. Er geht seinen Weg, mit Blick auf Jesus, ohne davon abzulassen. Anfangs noch recht unperfekt – aber die Herzenseinstellung ist da.
  • Das Volk kann ihm jedoch nicht in den Kopf schauen, wahrscheinlich ist noch einiges an Misstrauen da, dass sich nicht so schnell wieder herstellen lässt.

Am Ende ist es doch so: Niemand von uns kann in die Herzen und Köpfe unseres Gegenüber schauen. Außerdem hat jeder von uns Baustellen, an denen noch verändert, gebohrt, zertrümmert und wieder aufgerichtet wird.

Aber was wäre, wenn wir wirklich daran glauben, dass Jesus Herzen verändert? Musst du vielleicht deine Haltung gegenüber jemandem nochmal überdenken?

(Dabei sage ich ganz klar “überdenken” – es gibt leider auch immer wieder Menschen, die unser Vertrauen mutwillig ausnutzen und uns verletzen.)

Was wäre, wenn wir anfangen die Begegnungen, die wir mit Gott haben, wirklich Ernst zu nehmen und zu feiern?

Was wäre, wenn wir uns für unterschiedliche Fähigkeiten und Perspektiven wert schätzen, statt um die Wahrheit zu diskutieren?

Bei dieser besonderen Versteigerung, teilt ihr eure möglichst große Gruppe (mind. 4-5 Kleingruppen, 12+Personen) in kleine 3-4er Gruppen. Die Kleingruppen müssen so sein, dass innerhalb ihres Teams eine Diskussion über ihre Werte entstehen kann.

In der 1. Phase ziehen sich alle Kleingruppen zurück und erhalten eine Anzahl von identischen Werte. Hier eine beispielhafte Liste:

  • Abenteuer – Abwechslung – Achtsamkeit – Akzeptanz – Anerkennung – Anpassungsfähigkeit – Authentizität – Ästhetik 
  • Begeisterung –  Beliebtheit – Bewegung – Bewusstheit 
  • Dankbarkeit – Disziplin 
  • Echtheit – Ehrlichkeit – Einzigartigkeit – Engagement – Entspannung – Erfolg – Ernährung
  • Familie – Fantasie – Feinfühligkeit – Flexibilität – Freiheit – Freunde – Fülle – Furchtlosigkeit
  • Genauigkeit – Genuss – Gerechtigkeit – Glaube – glückliche Beziehungen – Großzügigkeit
  • Harmonie – Heilung – Hilfsbereitschaft – Humor 
  • innerer Friede – Integrität – Intelligenz – Intuition
  • Kompetenz – Kreativität
  • Lebendigkeit – Leichtigkeit – Leidenschaft – Leistungsfähigkeit – Lernbereitschaft – Liebe – Loyalität – Luxus
  • Mäßigkeit – Minimalismus – Mitgefühl – Mut
  • Nachhaltigkeit – Nächstenliebe – Nähe – Naturliebe – Neidlosigkeit – Neugierde
  • Offenheit – Optimismus – Ordnungsliebe 
  • Redegewandtheit – Reichtum – Reife – Respekt 
  • Selbstbestimmung – Selbsterkenntnis – Selbstliebe – Selbstmitgefühl – Selbstständigkeit – Selbstwert – Sex – Sicherheit – Sinn – Solidarität – Spaß – Spiritualität
  • Toleranz – Tradition – Transparenz – Treue
  • Unabhängigkeit
  • Verantwortung – Verbundenheit – Verlässlichkeit – Vertrauen
  • Weisheit – Wertschätzung – Wissen – Wohlstand
  • Zivilcourage – Zufriedenheit – Zugehörigkeit – Zuverlässigkeit

Für die Kleingruppen können diese Werte auf einer Liste sein. Für die Versteigerung könnt ihr Urkunden bereit halten auf denen ihr dann einen gerade ersteigerten Wert notiert. Das gibt dem Wert eine Aufwertung.

Jede Kleingruppe verständigt sich in einer internen Diskussion auf 5-10 Werte, die ihnen am wichtigsten sind. Das Ziel dieser Gruppe ist es, nun möglichst diese Werte bei der Auktion zu ersteigern. Diese Werte werden noch mal übersichtlich auf einem Zetteln notiert. Da die Gruppe später ein Budget für ihre Werte-Ersteigerung bekommt, können sie nun grob absprechen, wie sie bei der Versteigerung agieren wollen (viel Geld für die wichtigsten Werte, oder weniger Geld für viele, all in, …)

Wenn nun alle zusammenkommen und sich in den Kleingruppen sitzend der großen Versteigerung widmen, versucht sich jeder seinen ausgesuchten Werten gemäß zu verhalten. Vielleicht ist auch eine kleine Verkleidung möglich. Nun bekommt jede Gruppe Spielgeld ausgehändigt. Jede Gruppe bekommt 20.000€.

Als Option der Verknappung, kann parallel zum Geldaushändigen eine mitarbeitenden Person alle Werte von der Versteigerungsliste streichen für die sich keine Gruppe entschieden hat. Dann sind spontane Umentscheidungen nicht mehr möglich und die Versteigerung geht vermutlich schneller, da weniger Werte im Rennen sind. Die Verknappung sorgt zusätzlich für Dynamik.

Die Versteigerung beginnt mit einer Einführung und Begrüßung. Wenn alle bereit sind übernimmt eine fitte und wortgewandte Person die Versteigerungen. Diese hat wie bei einer Auktion im Fernsehen einen Hammer oder Klingel bei der amerikanischen Variante in der Hand. Sie liest die aktuelle Auktion vor und versteigert diese dann. Ziel ist es, die Werte an den Höstbietenden zu verkaufen.

Für den konkreten Ablauf einer Auktion gibt es zwei Varianten:

  1. Die Auktion wird vorgelesen. Es wird ein Startgebot von 1.000€ genannt und um wie viel Euro, wieder mind. 500€ es immer überboten werden muss. Derjenige, der am Ende das meiste bietet, bekommt den Zuschlag und gewinnt bzw. bezahlt seinen ersteigerten Wert.
  2. Eine alternative Variante ist ein geheimer Höchstbetrag. Dabei legt jede Gruppe einen Geldbetragfest, den er bereit ist für diesen Wert zu bezahlen. Die Gruppe mit dem höchsten Geldbetrag ersteigert den Wert und zahlt den Betrag für den Wert ein.

Bei beiden Varianten ist es wichtig, dass der Moderator dynamisch erzählt und motiviert vorgeht. Er möchte den Leuten ja das Geld aus der Tasche ziehen. „Was ist es euch wert….“ „Überlegt noch mal gut, letzte Chance, … “ Mit den Worten 3, 2, 1, vorbei. beendet er die Auktion und die Abwicklung folgt mit der Übergabe der Urkunde und dem bezahlen des Preises. Danach ist der nächste Wert an der Reihe.

Nachdem die Versteigerung abgeschlossen ist, sprechen immer 2-3 Kleingruppen zusammen über das Erlebte. Hierzu ein paar mögliche Fragen:

  • Habt ihr eure Werte bekommen, für die ihr euch vorher entschieden habt?
  • Wie hat sich das angefühlt einen Wert zu ersteigern/bzw. nicht zu bekommen?
  • Habt ihr eure Meinung im Laufe der Auktionen angepasst und verändert?
  • Wie ist eure Strategie aufgegangen?
  • Was ist euch jetzt wichtig, wenn ihr an die Werte und euer Leben denkt?
  • Für welchen Wert würdet ihr „all in“ gehen?
  • Bei welchen Werten habt ihr euch gewundert, das Gruppen dafür Geld gegeben haben?
  • Welche Werte sind für euch so wichtig, dass ihr eure Leben danach ausrichten würdet?
  • Welche zwei-fünf Werte möchtest du als Lebensgrundlage für dich persönlich festlegen?
Der Dreibeinhocker als Bild für gelingende Paarbeziehungen und Sexualität

Hintergrundinfos/Fakten

Wir leben in einer Gesellschaft, die nach dem Motto „nimm dir, was du willst” eine Fantasie von Intimität und Sexualität vermittelt, die mit einem „normalen Leben” kaum etwas zu tun hat. Dadurch entstehen Bilder und Eindrücke, wie Menschen Sexualität erleben, die oft gar nicht zutreffen.

Sex spielt eine prozentual große Rolle:

Fünfundneunzig Prozent der Ehepaare haben vor ihrer Hochzeit schon miteinander geschlafen. Heutzutage bringen die meisten Erwachsenen sexuelle Erfahrung mit in ihre Beziehung. Denn mehr als die Hälfte der deutschen Jugend zwischen 14 und 17 Jahren hat bereits mehr als einen Sexpartner gehabt. Jeder zweite Heranwachsende hat schon vor dem 18. Lebensjahr Geschlechtsverkehr mit einem Partner, den er später nicht heiratet.

Ohne Liebe kann Sex zum Albtraum werden. Wenn die Partner egoistisch handeln und lediglich auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse schauen, wird Sex zum Machtinstrument. Sexualität braucht folglich einen sensiblen Wachstumsprozess und Schutzraum, um als Ausdruck der Liebe erlernt zu werden.

Um diesen Wachstumsprozess soll es hier gehen. Einen Prozess, den man gut mit einem Hocker mit drei Beinen vergleichen kann. Ein Wachstum, der sich auf alle Bereiche unserer Paarbeziehung auswirkt. Kurz zusammengefasst könnte man sagen:

Je weniger Verbindlichkeit, desto weniger Intimität. Je mehr Verbindlichkeit, desto mehr Intimität. Und maximale Intimität verlangt maximale Verbindlichkeit. Die Weiterentwicklung einer Beziehung sollte auf allen Ebenen – Körper, Geist und Seele – ähnlich weit entwickelt sein.

Die Realität zeigt oft, dass der körperliche Teil schnell weit vorauseilt. Wenn wir unseren Partner aber sehen wollen, wie er ist, dann ist es hilfreich, hier auf eine ausgewogene Entwicklung zu achten.

In der Bibel finden wir ein schönes Bild vom Nacktsein. Auf dieses möchte ich hier hinweisen: Nach der Schöpfung war es kein Problem, nackt zu sein. Die Menschen konnten es genießen nackt zu sein, ohne Scham dabei zu empfinden.  
„Gott der Herr sprach: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.“ […] Der Mann und seine Frau waren beide nackt, doch sie schämten sich nicht voreinander. 
(1. Mose 2,18.24.25) 

Sie schämten sich nicht. Das ist ein toller Satz. Sie sahen sich sehr vertraut und intim an. Aber wenn man sich kennt und nichts zu verbergen hat, keine Masken aufziehen muss, dann kann man sich auch gut anschauen und das ohne Scham aushalten. Eine solche Beziehung ist total gesund und tut gut. Dieser Moment, der in der Bibel beschrieben worden ist, spricht nicht nur für ein körperliches Sehen, sondern ein ganzheitliches.

Körper, Geist und Seele:

  • Der Körper steht dabei für das Körperliche, was wir sehen, wenn wir in den Spiegel schauen und auch natürlich auch das Sexuelle. Es beginnt bei Zärtlichkeiten und Küssen bis zum Geschlechtsakt.
  • Der Geist steht oft fürs das „Denken“ unsere Verstandsebene. Wie wir uns tatsächlich verstehen. Nicht, ob man sich mag, sondern ob auch unser „Denken“ zusammenpasst. Haben wir ähnliche Vorstellungen und Werte vom Leben.
  • Die Seele für unsere emotionale Komponente, was wir fühlen. Die Verbindung zu Gott und unseren Glauben könnte man auch hier mit ansiedeln.

Ziel wäre es, in unseren Paarbeziehungen miteinander auf einem Weg zu sein sich in allen drei Bereichen immer besser kennenzulernen. Und darauf zu achten, dass kein Bereich auf der Strecke bleibt und unterentwickelt ist.

Jedoch muss man sich um Wachstum in allen Bereichen auch kümmern. Wie bei einem Muskel, der trainiert wird, benötigen die Bereiche Aufmerksamkeit und Anwendung, um nicht vom schiefen Hocker zu purzeln. Denn so ein Dreibeinhocker ist nur dann bequem und stabil, wenn er drei relativ gleichgroße Beine hat. Weicht eins stark ab, werden wir vom Stuhl rutschen, wenn wir uns draufsetzten, wollen.

Aktion

Ihr könnt eure Teilnehmenden in kleine Gruppen aufteilen, sodass immer 3-5 zusammenarbeiten. Jede Gruppe bekommt dann andere Materialien und versucht einen „Dreibeinhocker“ zu bauen. Stellt ihnen dafür die unterschiedlichen Materialien zusammen:

Materialoptionen:

  • Holz (3 Rundhölzer, eine Holzplatte, Nägel oder Schrauben, Werkzeug (Säge, Akkuschrauber, …)
  • Duplo (viele 2×2 Duplosteine, und eine Platte für obendrauf)
  • Bücher (viele Bücher und ein großes Buch z.B. Atlas oder Ähnliches für obendrauf als Sitzfläche)
  • Kartons (viele Kartons und stabile Pappen, um die Karton innen zu stabilisieren. Für oben einen starken Karton)

Die Aufgabe ist es nun in 15 Min. einen möglichst stabilen „Dreibeinhocker“ aus den zur Verfügung gestellten Materialien zu bauen.

Also optionales Ziel könnt ihr einen Stabilitätstest ausrufen. Eine Person aus der Gruppe sollte sich also auf diesen Hocker setzten und für 1 Min. sitzen bleiben können, ohne dass der Hocker unter ihr zusammenbricht.

Kurzer Impuls

Du kannst die Hocker für deinen kurzen Impuls stehen lassen und gleich nutzen. Erklärst du an Hand der oben beschriebenen Hintergrundinfos welches Bein für was steht. Die Duplosteine helfen dir für die visuelle Verdeutlichung.

Beschrifte es gerne und mache einige Beispiele wie sich das in einer Beziehung zeigt.

Körper: mir gefällt die Person, ich finde sie anziehend, ich berühre sie, wir tauschen bewusst Zärtlichkeiten aus, Umarmungen, ein Kuss und so weiter bis zu Berührungen der Geschlechtsteile, Petting und dem Sexualakt.

Für jeden Punkt der Aufzählung, kannst du z.B. einen Duplostein zusammensetzten.

Auch für den Geist und die Seele machst du ein paar Beispiele aber deutlich weniger und baust erst mal einen schiefen Stuhl.

Geist: Sichtweise über Politik, kognitives Verständnis. Intellektuelles Interesse, Denkweise über Bildung und Familie, …)

Seele: Empfindungen, die wir uns zeigen, Gefühle, die in uns aufkommen, echte Emotionen keine auf dem Smartphone, das Gespür für den anderen und so weiter.

Wenn ihr euch jetzt den Hocker anschaut, ist er schief und instabil. Führe nun zur Verdeutlichung auch hier den Stabilitätstest durch.

In gesunden Beziehungen, die langfristig und ganzheitlich ausgeprägt sind, versuchen die Partner eine Beziehung hinzubekommen wo alle drei Bereiche ähnlich ausgeprägt sind und kein Teil vorauseilt oder hinterherhinkt.

Fragen o.Ä. für ein Gespräch

Nun folgt eine Phase, in der die Jugendlichen sich mit Fragen darüber unterhalten können, was sie davon halten und wie wir Beziehungen tragfähig gestalten können.

Fragen:

  • Welches Emoji spiegelt gerade deine Sichtweise über das Gehörte wider?
  • Kennst du Menschen, die gut zusammenpassen? Was zeichnet sie aus?
  • Kennst du Menschen, die schon lange glücklich zusammen sind? Warum sind sie das wohl?
  • Was ist die in einer Beziehung wichtig?
  • Was sind deine 5 Bedürfnisse für eine Paarbeziehung?
  • Wie sieht für die eine gesunde Beziehung aus?
  • Wann gehört für dich welche körperlichen Akte in die Beziehung?
  • Wie kannst du deinem Körper angemessen Zeit lassen?
  • Wie schaffst du das, was du möchtest auch zuzulassen? Und das andere nicht?
  • Was für Gefühle hat dein Partner?
  • Wie kannst du dich auf die andere Person einlassen?
  • Was sind deine Überzeugungen und wie kannst du sie mit deinem Partner teilen?
  • Wie bekommt ihr es hin, dass der Dreibeinhocker stabil ist?
  • Notiere für dich, was dein Partner von dir wissen sollte?

Ein Kurzimpuls zu Sirach 1,10 von Samuel Löffler

Thema: Gott lieben, Weisheit

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

Ein Kurzimpuls zu 1. Chronik 16,33 von Stephi Spriegel

Thema: Jubel, Schöpfung

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

Eins der folgenden zehn Bilder kann hilfreich für Mitarbeiter sein, um in Teen- oder Jugendkreisen, sowie im persönlichen Gespräch Sexualität zu thematisieren:

  1. Verpacktes Geschenk in 3D: Sexualität ist ein großartiges Geschenk Gottes und betrifft den ganzen Menschen mit allen Dimensionen.[1] Man zieht sich beim Sex nicht nur körperlich, sondern auch seelisch vor einem anderen Menschen aus und macht sich dadurch verwundbar.[2]
  2. Fallschirm: Eine sichere Bindung an den Partner ermöglicht Intimität und sexuelle Zufriedenheit. Erst in der Kombination von Freiheit und Bindung kommt der Genuss von Sexualität völlig zur Entfaltung.[3]
  3. Spielfeld: Alles, was im Leben sinnvoll ist, bedarf eines passenden Rahmens.[4] Sexualität, insbesondere der Geschlechtsakt, hat so tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Person, dass sie einen stabilen Rahmen benötigt.
  4. Beziehungshaus: Jedes Haus benötigt ein tragfähiges Fundament. Wenn ich mit einer Person ein Haus baue, überlege ich auch vorher, wie dieses aussehen soll, welche Vorstellungen wir haben, was wir brauchen, bevor wir loslegen es zu bauen.[5]
  5. Dreibeinhocker: Je weniger Verbindlichkeit, desto weniger Intimität. Je mehr Verbindlichkeit, desto mehr Intimität. Und maximale Intimität verlangt maximale Verbindlichkeit. Die Weiterentwicklung einer Beziehung sollte auf allen Ebenen – Körper, Geist und Seele – ähnlich weit entwickelt sein. Schnell eilt der körperliche Teil weit voraus.
  6. Der innere Garten: Intimität und Sexualität sind von Scham und Privatsphäre gekennzeichnet. In diesem persönlichen Schutzraum darf nicht jeder machen, was er will.[6]
  7. Lagerfeuer: Ein kontrolliertes Feuer mit Grenzen will gehütet und genährt werden. Es hinterlässt keine Zerstörung und ist langfristig angelegt. Bringe niemanden zu etwas, was jemand eigentlich nicht will. Liebe hat das Beste für den anderen im Sinn, schließt aber auch Selbstliebe mit ein. (Vgl. FFL 116)[7]
  8. Pfeil und Bogen: Tragfähige Beziehungen setzen die Fähigkeit zum Bedürfnisaufschub voraus. Man kann die Spannung aufrechterhalten, um an Ende das Ziel nicht zu verfehlen.[8]
  9. Klebstoff:  Das sogenannte Kuschelhormon: Oxytocin verbindet zwei Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch miteinander bei Zärtlichkeiten, sexueller Erregung und am intensivsten beim Orgasmus. Oxytocin ist ein emotionaler Klebstoff, der die Verbundenheit stärkt.[9]
  10. Kinderwagen: Sexualität ist die intime Begegnung zwischen zwei Menschen. Sie gehen eine Verbindung ein, aus der neues Leben, ein Mensch entstehen kann.[10]

[1] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 141.

[2] Vgl. Joel White, 2020, Was sich Gott dabei gedacht hat, S. 80.

[3] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 118.

[4] Vgl. Joel White, 2020, Was sich Gott dabei gedacht hat, S. 69.

[5] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 132.

[6] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 106/107 &
Joel White, 2020, Was sich Gott dabei gedacht hat, S 86.

[7] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 116.

[8] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 124.

[9] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 138/139.

[10] Vgl. Tabea Freitag, Fit for Love, S. 144.

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