99 seconds – Hohelied 8,6

Ein Kurzimpuls zu Hohelied 8,6 von Ruth Anhorn

Thema: Liebe

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

1. Erklärungen zum Text

V.4-8:

Im Buch der Prediger spielt das Thema „Vergänglichkeit“ eine wichtige Rolle. Der Prediger fängt seine Gedanken ein und lenkt sie auf ein besonders sinnloses Unterfangen. Es geht um Arbeit, Reichtum und Erbe. Und es geht um einen Menschen, der nichts anderes im Leben hat. Keinen anderen Menschen, der mit ihm unterwegs ist. Das Leben dreht sich um Arbeit und Reichtum. Es ist sein ganzer Lebensinhalt. Doch irgendwann kommt die Frage: „Warum mache ich das? Für wen arbeite ich? Warum tue ich mir nichts Gutes?“ Das Ergebnis, zu dem der Prediger kommt, ist erschreckend: Es ist alles vergeblich. Ein äußerst schlechtes Geschäft, auf das sich dieser Mensch eingelassen hat. Es ist wohl der Inbegriff für Sinnlosigkeit: Ein Mensch sammelt pausenlos Reichtümer, gönnt sich nichts Gutes und hat am Ende niemanden, dem er seinen Reichtum überlassen könnte.

V.9-11:

Der Prediger sucht einen Schlüssel – und er findet ihn! Er erkennt, dass eine gute Beziehung ein weitaus höheres Gut ist als alle Reichtümer der Welt. Es lebt sich nicht nur besser zusammen. Es arbeitet sich auch besser gemeinsam. Aber nicht nur in guten Zeiten ist es die bessere Option. Auch wenn das Leben uns zusetzt, sind andere Menschen entscheidend. Denn an manchen Stellen können wir uns selbst nicht helfen. Wir brauchen einen anderen Menschen, der uns zur Seite steht und uns wieder auf die Beine stellt, wenn wir fallen. Denn auch das ist klar: Wenn uns niemand hilft, nützt uns unser ganzes Geld nichts. Jesus greift im Gleichnis vom reichen Kornbauern (Lk 12) eine ähnliche Geschichte auf und spitzt sie im Blick auf ein verfehltes Lebensziel zu.

V.12:

Der Prediger greift hier ein altes Sprichwort auf, das deutlich macht, dass ein aus drei Schnüren geflochtenes Seil stabiler ist und möglichen Beschädigungen besser standhält. Auch wenn es nicht explizit benannt ist, könnte die dreifache Schnur ein Hinweis darauf sein, dass Gott in einer solchen Beziehung ein stabiler Faktor ist und die Festigkeit erhöht.

2. Bedeutung für heute

Man könnte diese Geschichte 1:1 ins Heute übertragen. Wie oft dreht sich das Leben um diese Dinge: Wir mühen uns um eine gute Bildung, einen lukrativen Beruf. Wir suchen nach einem gutbezahlten Job und opfern diesem Beruf unser Privatleben. Beziehungen kommen zu kurz, weil sie binden und nicht in das Konzept passen. Es fällt vor lauter Geschäftigkeit nicht auf, bis irgendwann klar ist: Da ist niemand, dem ich meinen Reichtum vererben kann. Letztlich habe ich vergeblich gelebt.

Es gibt viele Lebensbereiche und Nöte, die hier anklingen und sehr aktuell sind:

  • Alte Menschen vereinsamen, weil sie keine Familie und keine Freunde haben. Die Pflege wird professionalisiert und zehrt ein vorhandenes Vermögen schnell auf.
  • Die Zahl der Singles nimmt beständig zu. Gerade im städtischen Bereich leben viele Menschen allein. Die Pandemie hat zu einer regelrechten Vereinsamung von Menschen geführt. Sogar das verbliebene Sozialleben am Arbeitsplatz musste dem Homeoffice weichen. Und an vielen Stellen wird künftig aus dieser Not eine vermeintliche Tugend.
  • Manche Unternehmenskonzepte verlagern das Leben komplett an den Arbeitsplatz.
  • Für viele Menschen ist es nach wie vor das höchste Ziel Wohlstand zu erlangen. Wir hören von Topmanagern, die Millionen verdienen, aber sich nichts Gutes tun können, sondern sich in 70-Stunden-Wochen systematisch verheizen.
  • Diana Kinnert beschreibt in ihrem Buch „Die neue Einsamkeit“, die um sich gegriffen hat. Offensichtlich ist es ein brandaktuelles Thema. (Diana Kinnert: Die neue Einsamkeit: Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können, Hoffmann und Campe-Verlag)
  • Gerade bei der Berufswahl junger Menschen werden wichtige Weichen gestellt. Welches Ziel wird definiert? Möglichst schnell zu Reichtum zu kommen? In Ellenbogenmanier und im Alleingang die oberen Etagen erklimmen, um zu den „Reichen und Schönen“ zu gehören?
  • Immer mehr junge Menschen erleiden erschreckend früh einen Burnout. Diese Krankheit ist nicht unbedingt auf eine Überlastung zurückzuführen, sondern hängt stark mit der Frage der Sinnhaftigkeit zusammen. Erfüllt mich das, wofür ich mich einsetze? Bereichert es mein Leben? Ist es meine Berufung, in der ich mich auch für Gott und andere Menschen einsetzen kann? Oder macht es mich zunehmend einsam? Ich kenne manche Führungskräfte, die Sinnkrisen erleben und in der Folge ausbrennen.

3. Methodik für die Gruppe

Impulsfrage:

Schreibt auf ein großes Papier: „Gott der HERR sprach:

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.“ (Genesis 2,18). Legt das Blatt in die Mitte und überlegt miteinander, warum es nicht gut ist und warum Gemeinschaft für uns Menschen so wichtig ist. Anschließend lest den Text aus Prediger 4,7-12.

Schlagzeilen:

Sucht im Internet oder in Zeitungen nach Schlagzeilen, in denen es um Reichtum, Einsamkeit und Sinnlosigkeit geht.

Bildkarten:

(z. B. Claus Heragon: Emotionen, Bildimpulse maxi, Heragon-Verlag)

Lest den Bibeltext. Anschließend legt die Bildkarten in die Mitte und wählt die Karten, die eurer Meinung nach am besten zum Ausdruck bringen, was der Bibeltext aussagt. Begründet eure Auswahl.

Genießen:

Der Text spricht davon, sich etwas Gutes zu Gönnen. Gestaltet den Abend mit einem guten Essen, schönen Cocktails, guter Musik, etc., um anschaulich zu machen, dass Genießen ebenfalls eine Form des Gottesdienstes ist, wenn wir die Dinge dankbar aus Gottes Hand nehmen.

Fragen zum Text:

  • Welche Schlagzeilen, Personen und Geschichten fallen euch zu diesem Thema ein?
  • Gott ist ein Gott der Gemeinschaft. Glaube ist keine Solodisziplin, sondern eine „Mannschaftssportart“. Welche biblischen Geschichten fallen euch ein, die einen Gegensatz zu dem Text in Prediger bilden?
  • Wie können wir Beziehungen fördern und dafür sorgen, dass Menschen nicht in die „Einsamkeits- und Sinnlosigkeitsfalle“ tappen, die der Prediger beschreibt?
  • Der Bibeltext wird oft als Trauspruch verwendet. Was lernen wir aus dem Text für eine gesunde und tragfähige Partnerschaft?

4. Ergänzendes Material

Videoclip: Ein Seil entsteht

Ein Seil entsteht – YouTube

Dieser kurze Videoclip beschreibt die Entstehung von Seilbahn-Seilen, die eine enorme Tragkraft aufweisen. Dieser Clip kann als Einstieg für den Bibeltext genutzt werden.

Viktor E. Frankl und der Sinn des Lebens

Videoclip: Viktor Frankl – Der Sinn des Lebens – YouTube

Viktor Frankl ist der Begründer der Logotherapie. Er hat sich sehr grundlegend mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt. Schaut gemeinsam den Videoclip und tauscht euch aus: Wie hängen Frankls Erkenntnisse mit dem Bibeltext zusammen. Welche Antworten trägt der christliche Glaube dazu bei?

Filmtipp: „Dein Weg“ – Martin Sheen

Ein erfolgreicher Arzt begibt sich nach dem Unfalltod seines Sohnes auf dessen Spuren und wandert den Jakobsweg.

Leitgedanken/Leitverse

Aussage: Angenommen durch Jesus! Deshalb will ich um jeden Preis mit Gott verbunden sein.
Sarg von Jesus, sein voller Einsatz, sein Sterben, sein Möglichmachen, seine Annahme für uns, Zeugnis: Deshalb will ich um jeden Preis mit ihm verbunden sein, Gott ist das, was dich hält, wenn alles wegbricht, …

Aussage: Jesus nachfolgen – Komme was will!

  • mit ihm unterwegs/verbunden sein
  • all in
  • voller Einsatz
  • loslassen, …

Aussage: Kraft seiner Auferstehung!
Durch einen Sarg als Tür in die Kirche gehen. Kirche als Symbol für das Anteilhaben an Gottes Kraft. Selbst der Tod kann uns nicht trennen. Wir leben mit der Perspektive Ewigkeit schon hier und jetzt.

Aussagen aus dem Philipperbrief, die dem inhaltlichen Fokus zugrundeliegen

  • Meine Gefangenschaft hat die Botschaft nicht aufgehalten. Ganz im Gegenteil: die Menschen, die Paulus gefangen gehalten haben, haben erkannt, warum Paulus gefangen wurde: Weil er an Jesus glaubt.
  • Christus ist mein Leben. Am liebsten würde ich jetzt sterben, andererseits habe ich noch eine wichtige Aufgabe, damit auch ihr fest im Glauben bleibt. (Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn)
  • Lasst euch nicht von euren Gegnern einschüchtern: Jesus war Gott, gehorsam bis hin zum Tod. Er erniedrigt sich selbst.
  • Was immer geschehen mag, freut euch, weil ihr zu Gott gehört. Das ist eine tiefe Gewissheit.
  • Wir verlassen uns nicht mehr auf uns selbst, sondern verlassen uns auf Gott. Gegenüber dem Gewinn, dass Christus mein Herr ist, ist alles andere belanglos geworden! Um jeden Preis möchte ich mit Gott verbunden sein. Macht euch keine Sorgen, ihr könnt in jeder Lage zu Gott beten, sagt ihm, wie es euch geht. Und dankt ihm, denn ihr seid mit Christus verbunden!
  • Was zählt, ist dass ich von Gott angenommen bin. Wir haben unsere Heimat im Himmel, wir sind nicht darauf angewiesen, alles, was unser Leben gerade ausmacht, so wichtig zu bewerten und zwanghaft daran festzuhalten.
  • Ich will die Kraft seiner Auferstehung erfahren!! (Aber auch sein Leid mittragen)

RealLIFE Programm

Rahmen:

Audioguide

  • per Handy der TN

Modus

  • Pro Min. geht eine Person los
  • Flexibles Losgehen und Ankommen möglich
  • Jeder geht für sich alleine / Kleine Gruppe sind aber möglich

Mitarbeitende

  • zusätzliche Personen für die Seelsorge am Ende des Weges
  • 1 Person am Checkpoint
  • 1-2 Personen am Check in
  • je Station mind. 1 Person

Stationen:

Im Downloadbereich gibt es ein Dokument mit den Texten des jeweiligen Audiotracks. Hier nur die Kurzbeschreibungen der Stationspunkte.

Station 1: Checkpoint

  • Backstein/Ziegelstein als Eintrittskarte aushändigen (Erleben eine Last zu tragen / Unangenehm) TN-Zahlen dadurch kontrollieren z. B. an jeder Station gibt es max. 60 Backsteine zum frei rausgeben
  • Wegbeschreibung zum Ankommen
  • 15-30 Min. Wegziel: Ankommen auf dem Friedhofsvorplatz / Stein ablegen

Station 2: Check in

  • Audioguide aushändigen und für technische Funktionen sorgen –> Hinweis beim Aushändigen: ihr seid solo unterwegs, macht es für euch oder maximal zu zweit, nicht in großen Gruppen.
  • Erhalten Friedhofsplan / Wegplan und Schreibzeug inkl. Unterlage / beim Schreibzeug
  • Offene Frage: Kommt jemand ohne Stein, bekommt er mit dem Audiogerät dann direkt einen ausgehändigt, den er dann auch gleich wieder ablegen kann?

Station 3: Blick auf Kreuz

  • Bei Punkt, wo Blick aufs Kreuz gut ist, stehen bleiben, dort Audio hören;
  • Der Punkt sollte markiert sein (auf dem Schild dazu sollte stehen, in welche Richtung sie blicken sollen)
  • Lediglich Erinnerung, keine extra Aktion

Station 4: Lebensinhalt

  • Stifte, Zettel, Schreibunterlage (bekommen sie schon zu Beginn mit)
  • Schreibe Sachen drauf, die dir wichtig sind.

Station 5: Loslassen

  • Vor einem der großen Mülleimer

Station 6: Alles weg? Feld namenloser Gräber 

  • Bei einem Ort von namenlosen Urnengräbern

Station 7: Grabrede

  • Ausgabe von Stiften, Zettel, Unterlage, Briefumschläge zum Mitnehmen
  • Eine eigenen Grabrede über sich selber schreiben
  • Bei finanziellen Spielraum wollen wir die Briefe zentrale ein paar Wochen später an sie versenden

Themensammlung mit Bausteinen und Einheiten zum großen Oberthema „Beziehungen“ – zwischen Mensch und Mensch, aber auch zwischen Gott und Mensch – mit dabei Bibelarbeiten, Hintergrundartikel und ein Verweis auf ein Video

Abba (Keine Worte) – Poetry von Marco Michalzik & Manuel Steinhoff

Link zum offiziellen YouTube Video

Perfekt geeignet als Gesprächseinstieg für die Gruppenstunde

Die Geschichte von Juda und Tamar

Erklärungen und Gedanken zum Bibeltext

Was für ein spannender und voller Text, oder? Ich habe beim Vorbereiten dieser Bibelarbeit nochmal ganz neu Begeisterung und Feuer für diese Stelle gefangen und hoffe, euch geht es auch so!

Spannend finde ich ihn deshalb, weil er so viele verschiedene Identifikationsmöglichkeiten bietet: Ist der Leser*in für Onan? Hat Tamar richtig gehandelt oder ist sie eine Lügnerin? Und warum legt sich Juda, der erst vor kurzer Zeit seine Frau verloren hat zu einer vermeintlichen Prostituierten? Kann das überhaupt „richtig“ sein?

Voll ist er deshalb, weil er uns dadurch so viel über das damalige Verständnis von Ehe, Sexualität, Familie und Recht lehrt. Und gleichzeitig so lebensbejahend ist.

Doch eins nach dem anderen. Zunächst mal eine kurze Erklärung, weshalb dieser Text ermöglicht, über „toxische“ oder „ungesunde“ Beziehungen zu sprechen und wer hier überhaupt mit wem eine solche Beziehung hat. Denn eines ist klar: In diesem Text geht es eigentlich nur um Beziehungen. Und die meisten sind in irgendeiner Form ungesund.

Denn direkt am Anfang trennt sich Juda von seiner Familie, in der Beziehung mit Tamar sterben zwei Söhne von Juda und auch zwischen Juda und Tamar scheint nicht alles so sauber zu laufen. Wir könnten also auch andersrum fragen: Welche Beziehung ist in dieser Geschichte überhaut „gesund“?

Wichtig zu wissen ist, dass sich Tamar korrekt verhält und durch ihr Handeln ihr „Recht“ geltend macht. Sie wird in die Familie von Juda verheiratet und bleibt kinderlos. Eine, für die damaligen Verhältnisse, sehr schlechte Situation für Tamar. Denn sowohl waren Kinder damals, viel mehr noch als heute, Altersvorsorge als auch Zeichen der Zugehörigkeit zum Haus von Juda. Nachdem ihr erster und eigentlicher Mann ihr also keine Kinder schenkt, ihr Schwager ihr offensichtlich keine Kinder schenken will und ihr Schwiegervater ihr dann seinen jüngsten Sohn nicht zum Mann macht … sieht Tamar ihr Leben und ihre Existenz bedroht.

Als dann Juda die angemessene Zeit nach dem Tod seiner Frau getrauert hat, auch hier zeigt sich, wie korrekt Tamar handelt, nimmt Tamar die Zügel selbst in die Hand. Sie gibt sich als Prostituierte aus und verschafft sich dadurch das, was ihr zusteht: Kinder vom Hause Juda. Dass Tamars Handeln richtig und sogar das von Juda falsch war, erkennt dann am Ende sogar Juda selbst. Reumütig und mit schlechtem Gewissen gesteht er ein: „Sie ist gerechter als ich; denn ich habe sie meinem Sohn Schela nicht gegeben.“

Die Kinder, die dann als erste Zwillinge der Bibel auf die Welt kommen, werden in Matthäus 1 als direkte Vorfahren von Jesus genannt. Hätte Tamar hier also nicht auf ihr Recht bestanden und es eingefordert… Wer weiß, wie und wann Jesus dann auf die Welt gekommen wäre?

Und das macht den Text für mich so spannend! Auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick interpretieren wir die Geschichte auf die eine oder andere Art und Weise. Aber wenn wir mehr Wissen über die damaligen Verhältnisse, das damalige Leben erlangen, eröffnen sich neue Dimensionen des Textes und damit neue Deutungen.

Bedeutung für Jugendliche und Junge Erwachsene

Beim Lesen der Geschichte habe ich an mehreren Stellen gedacht: Leute, warum redet ihr nicht einfach mal miteinander und klärt das alles?

Sicherlich werden zwischen den einzelnen Ehen und Schritten auch Gespräche geführt worden sein, aber davon lesen wir (leider) nichts in der Bibel.

Und so ist davon auszugehen, dass sowohl Tamar als auch Juda wenig miteinander gesprochen haben. Juda wendet sich erst an Tamar, als er Angst um Schela hat und setzt sie dann vor vollendete Tatsachen: Ich habe Angst um meinen Sohn, daher gebe ich ihn dir nicht zum Mann. Kein Gespräch miteinander, kein gegenseitiges Verständnis und nicht der Versuch, eine gemeinsame Lösung zu finden. Und so muss Tamar einen eigenen Weg gehen und sich selber eine Lösung suchen. Auf den starken Impuls von Juda lässt Tamar einen ähnlich starken Impuls folgen: Sie verkleidet sich als Prostituierte und kommt so zu ihren Kindern.

„Bis einer weint.“ Ein Spruch, den ich oft von meiner Mama gehört habe, wenn meine Brüder und ich mal wieder zu doll miteinander gekämpft haben. Eskalation, bis einer weint, bis sich einer entschuldigt und sich zurückzieht.

Auch Juda und Tamar erleben dieses „bis einer weint.“ In dieser Geschichte ist es Juda, der einen Rückzieher macht und erkennen muss, wohin ihn seine Handlungen geführt haben. Er hat Tamar vor Tatsachen gestellt und wird jetzt von ihr vor Tatsachen gestellt: Du bist der Vater meiner Kinder.

Es grenzt tatsächlich schon an ein Wunder, dass aus dieser ungesunden Beziehung dann noch so großer Segen erwächst.

Dabei waren die jeweiligen Motive total nachvollziehbar und logisch: Tamar wollte ihr (Über)leben sichern und Juda seinen letzten Sohn und damit Stammhalter nicht verlieren. Beides für sich gesehen nachvollziehbare, sogar gute Gründe. Aber wie die beiden damit umgehen ist, was ihre Beziehung ungesund oder toxisch macht: Sie äußern ihre Bedürfnisse nicht. Sie bleiben damit alleine und suchen eigene Wege.

Warum äußert Tamar nicht ihre Bedürfnisse? Sie wird als so starke und eigenständige Frau dargestellt. Doch hier bleibt sie in der Kommunikation passiv.
Warum sucht Juda nicht einen gemeinsamen Weg mit Tamar? Er muss Tamar geschätzt und geachtet haben, sonst hätte er sie nicht seinem Sohn Er zur Frau gegeben. Doch hier setzt er sich über ihren Kopf hinweg.

Warum habe ich im letzten Gespräch mit meiner Frau nicht klar geäußert, was meine Bedürfnisse sind? Warum habe ich beim letzten Mal, als mich ein Mensch auf offener Straße um Geld gebeten hat, gelogen und ihm gesagt, ich hätte gerade kein Geld da? Warum, warum, warum?

Alles Fragen, auf die es schwer möglich ist, eine Antwort zu finden. Diese Dinge passieren, in den meisten Fällen unbewusst, weil wir uns selber unserer Bedürfnisse vielleicht nicht bewusst sind.  Und es auch unmöglich ist, sich jederzeit seiner Bedürfnisse bewusst zu sein.

Aber wie wäre die Geschichte wohl ausgegangen, wenn Juda gesagt hätte:
„Tamar, ich verstehe deinen Wunsch nach Kindern. Aber bitte verstehe auch meine Angst um meinen Sohn. Wie können wir es schaffen, dass du Teil unserer Familie bist und bleibst?“

Oder wenn Tamar gesagt hätte:
„Juda, so langsam mache ich mir Sorgen, dass du mir deinen Sohn nicht zum Mann geben wirst. Ich mache mir Sorgen um meine Gesundheit und meine Zukunft. Wäre es für dich denkbar, dass wir gemeinsam an einem Weg arbeiten, mir diese Sorgen zu nehmen?“

Ich-Botschaften senden, Bedürfnisse kommunizieren, Verständnis füreinander aufbringen. Alles Dinge, die wir theoretisch wissen, die wir schon hundertmal gehört haben. Und doch müssen wir es immer wieder hören und neu einüben.

Ideen für die Umsetzung in der Gruppenstunde, im Hauskreis

Eine Möglichkeit für eine Gruppenstunde kann die Beschäftigung mit der so genannten „Gewaltfreien Kommunikation“ sein. Diese Art der Kommunikation geht davon aus, dass Empathie, also das Einfühlen in die Gedanken und Gefühle des Gegenübers, Grundpfeiler eines gelungenen, gemeinsamen Lebens sein sollte. Und damit auch Grundpfeiler von Kommunikation und gesunden Beziehungen.

Wenn ihr wollt, schaut euch doch mal dieses Video an, welches sehr gut die Annahmen der Gewaltfreien Kommunikation erläutert: https://www.youtube.com/watch?v=r40L9NiH-ZY

Im Anschluss könntet ihr euch gegenseitig diese Fragen beantworten:

  • Welche Vorteile hat die gewaltfreie Kommunikation?
  • Wie wäre das Leben in deiner Familie, Partnerschaft, Stadt oder Schule, wenn die Menschen gewaltfrei kommunizieren würden?
  • Haben Juda und Tamar gewaltfrei miteinander kommuniziert? Haben die beiden Empathie füreinander aufgebaut?
  • Wie fördert und fordert der Glaube an Jesus eine gewaltfreie Kommunikation? Hat Jesus gewaltfrei kommuniziert?
  • Wie kannst du es schaffen die Gewaltfreie Kommunikation mehr in deinem Leben aktiv zu nutzen?
  • Wie wollt ihr innherhalb der Gruppe/des Hauskreises miteinander kommunizieren?
  • Wann fällt es dir leicht und wann fällt es dir schwer über deine eigenen Bedürfnisse zu reden?
  • In welchen Situationen bist du dir deiner Bedürfnisse bewusst und in welchen nicht?
  • Welchen Rahmen braucht Kommunikation, damit sie so gelingen kann, wie die “gewaltfreie Kommunikation” das vorschlägt?
  • Weshalb kann “gewaltfreie Kommunikation” ein Modell für gesunde Beziehung sein?

Über die Möglichkeit, anders zu leben. Ehe und Ehelosigkeit in der Bibel

Allgemeine Einordnung und Erklärungen

  • Der 1. Korintherbrief ist keine christliche Dogmatik. Paulus schreibt hier nicht allgemein gültige christliche Ethik. Er hat aus Korinth Fragen erhalten, in denen es um das ganz praktische Leben von Christen geht. Darunter Fragen zu den Themen der Ehe. Was sollen wir mit den Unverheirateten machen, welchen Rat ihnen geben? Was ist mit den Witwen? D.h. Paulus beantwortet konkrete lebenspraktische Fragen. Seine Absicht beschreibt er in Vers 35 Ich sage das, um euch zu helfen, und nicht, um euch zu bedrängen. Ich möchte, dass ihr anständig lebt und zuverlässig dem Herrn dient, ohne euch ablenken zu lassen.
  • Für Menschen, die aus dem Judentum kommen ist klar: Gott hat gesagt: Seid fruchtbar und vermehrt euch… (1. Mose 1, :28) Der Schöpfungsauftrag ist gesetzt und gilt als verbindlich. Männer haben Kinder zu zeugen. Der Wert einer Frau ist deutlich davon abhängig, dass sie fruchtbar ist und Kinder gebiert (vgl. Das Elend unfruchtbarer Frauen in der Bibel z.B. Sara, Rahel, Hanna, Elisabeth). Es ist also in den Gemeinden der frühen Christenheit eher undenkbar, dass jemand nicht heiratet.

Für nicht-jüdische Christen war im heidnischen Umfeld eine sexuelle Beliebigkeit viel näherliegend. Die Fragen um eine Ethik für das menschliche Zusammenleben waren also drängend. (Das ist der heutigen Situation doch sehr ähnlich, oder?)

  • Jesus eröffnet auf vielfache Weise völlig neue Lebensmöglichkeiten, so auch im Blick auf diesen Lebensbereich. Als jüdischer Rabbi unverheiratet zu leben und keine Kinder zu zeugen, war eigentlich ein Unding. Jesus sagte: Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken. (Johannes 10,10). Seit Jesus ist die Fülle des Lebens nicht mehr abhängig von Lebensstand oder Beziehungsstatus.

Dass Jesus als „Single“ gelebt hat, ist vielen nicht bewusst. Allerdings war er nicht als „einsamer Guru unterwegs, sondern hat Gemeinschaft gegründet, denn es gilt weiterhin, was auch im 1. Mose gesagt wird: Es ist nicht gut für den Menschen allein zu sein. (1. Mose 2,18a).

  • Jesus ruft Menschen in die Nachfolge und jeder spürt: Hier geht es um alles. Alle Lebensbereiche sind davon betroffen. Paulus ist einer der ersten an dem wir erkennen können, was das bedeutet. Viele sind ihm gefolgt und haben die Nachfolge Jesu in Radikalität ausgelebt. Menschen zogen zunächst in die Wüste, und lebten als Eremiten. Dann bildeten sich zunehmend Gemeinschaften, die zunächst predigend und helfend durchs Land zogen. Später entstanden daraus die Orden und Klöster. Menschen weihten ihr Leben Gott und dem Dienst an den Menschen. Sie lebten ehelos und folgten damit dem Rat des Paulus.

Zum Text

  • Paulus spricht von der Ehelosigkeit als GABE. Im griechischen steht hier CHARISMA=Gnadengabe. Gnadengaben (CHARISMEN) sind konkreten Ausprägungen der Gnade Gottes für konkrete Lebenssituationen oder Aufträge. Diese Gaben machen es möglich, so zu leben und zu dienen, wie es gerade jetzt nötig ist. Zum Beispiel mit prophetischer Rede oder den Gaben der Heilungen o.a. Insofern ist die Gabe der Ehelosigkeit die Gnadengabe, die Gott denen gibt, die ohne Ehe leben, dass sie fröhlich und erfüllt so leben können, solange wie sie unverheiratet sind. Es steht nirgends, dass diese Gabe etwas ist, was Gott willkürlich verteilt und dann muss man sein Leben lang damit klarkommen. Wer unverheiratet ist, braucht die Gnade Gottes für diese Situation, wer verheiratet ist braucht die Gnade für diese andere Situation. Manche fürchten, dass Gott ihnen die Gabe der Ehelosigkeit geben könnte. Weil sie viel lieber heiraten möchten, wäre das für sie nichts Schönes, sondern eine Gabe, die sie gar nicht haben wollen. Während andere Gnadengaben (1. Kor. 12 und 1. Kor. 14) mitunter begehrt sind und Begeisterung hervorrufen, scheint die Gabe der Ehelosigkeit für manche wie eine Drohung, oder ein Trost für die, die keinen Partner abbekommen haben. Das ist ein großes Missverständnis.
  • Paulus begründet den Vorzug der Ehelosigkeit auf zweifache Weise: Zum einen geht es ihm um die bevorstehenden Notzeiten. Wegen der schweren Zeiten, die uns bevorstehen, halte ich es für das Beste, wenn ein Mensch unverheiratet bleibt. (V. 26). Dies ist eine ganz praktische Begründung.

Zum anderen hält er es im Blick auf die nahende Wiederkunft Jesu für besser, sein Herz nicht teilen zu müssen, sondern ungeteilt für Jesus leben zu können. Die Zeit, die noch bleibt, ist kurz; deshalb sollen die Männer ihre Ehe nicht zu ihrem wichtigsten Lebensinhalt machen. Weder Traurigkeit noch Freude oder Wohlstand sollen jemanden davon abhalten, Gott mit allen Kräften zu dienen. (Vv.29f). Dies ist eine theologische Begründung im Blick auf die Endzeit.

Bedeutung für heute

Während gesellschaftlich die Vielfalt an Lebensformen immer mehr zunimmt, ist in unseren Gemeinden häufig eine Vereinseitigung auf Ehe und Familie wahrzunehmen. Die Ehe ist eine „geniale Idee Gottes“. Dies sollte immer deutlich gemacht werden, aber biblisch gesehen gibt es immer auch noch was Anderes.

Gerade junge Menschen, die noch keinen Partner oder Partnerin haben, fühlen sich mitunter „außen vor“. In den christlichen Familien entsteht mitunter ein gewisser Druck, wenn ausgesprochen oder unausgesprochen die Frage im Raum steht: „Warum hast du noch keine/n“. Je nach Prägung werden verschiedene Ratschläge gegeben: „Du musst mehr beten!“ oder „Geh doch mal tanzen!“. Noch schwieriger wird es, wenn die Eltern ihren Wunsch nach Enkelkindern immer wieder ausdrücken. Dies kann zu einer unerträglichen Last werden.

Für junge Erwachsene birgt dies Thema viel Stoff für eine allgemeine Verunsicherung, Minderwertigkeitsgefühle schleichen sich ein. Die Frage: Was mache ich falsch? Warum werde ich nicht begehrt, bin ich nicht geliebt.

Manche ziehen sich ganz zurück Sie fühlen sich „übrig geblieben“, minderwertig. Das kann Leben zerstören oder auch zu unguten Kurzschlusshandlungen führen.

Hier ist die große Aufgabe, deutlich zu machen, dass Ehelosigkeit in der christlichen Gemeinde ein gleichwertiger Lebensstand ist.

Paulus wirbt für diesen Lebensstand. Er weiß, dass es für diesen Stand die Gnade Gottes braucht, genau wie für die Ehe. Gemeinde sollte ein Ort sein, wo um die Gnade für beide Stände gebetet wird und Menschen damit gesegnet werden.

Methodik

Zum Einstieg: Male ein Bild: Wie träumst du dein Leben? Anhand der Bilder kann die Gruppe ins Gespräch kommen. Was für Bilder sind entstanden? Was sagt das zum Thema aus?

Fragen zum Bibeltext:

  • Welche Lebensform favorisiert Paulus und mit welcher Begründung?
  • Was verstehst du unter der Gabe der Ehe und der Gabe, unverheiratet zu leben?
  • Was würdest du Paulus antworten? (Kleingruppen könnten einen Antwortbrief an Paulus schreiben)

Weiterführende Frage: Welche unverheirateten Menschen bzw. Menschen, die in keiner Partnerschaft leben, kennst du? Was fällt dir an ihnen auf? Jugendliche können erzählen und kommen zum Thema ins Gespräch oder es wird deutlich, dass diese Lebensform ihnen ganz fremd ist. Dabei wird sich auch zeigen, dass Menschen mitunter schon mal verheiratet waren, dass auch Geschiedene und Verwitwete allein leben.

Vorbilder gesucht! Vielleicht ist es möglich, einen oder mehrere unverheiratete Menschen aus der Gemeinde zu einem Interview oder einem Talk einzuladen? Dies muss gut vorbereitet sein, könnte aber, wenn es Menschen sind, die die Fülle des Lebens von Jesus empfangen haben, ein sehr wertvoller Anstoß sein. Wenn es in der Gemeinde keine Personen dafür gibt, könnte man schauen, wo man sie findet (z.B. im geistlichen Gemeinschaften, Klöstern, Diakonissenhäusern, im Netzwerk Solo&Co). Dabei wäre es hilfreich, Menschen zu haben, die freiwillig ehelos leben und welche, die es so nicht gewählt hätten, die aber trotzdem in Fülle leben.

Beispiele aus der Kirchengeschichte darstellen, Bücher und Filme über Menschen die ehelos gelebt haben: z.B. Franz von Assisi, Mutter Theresa, Corrie ten Boom.

Film: Von Götter und Menschen (m.E. für ältere Jugendgruppen geeignet)

Ergänzungen:

  • Natürlich gehört zu diesem Thema auch der Begriff Zölibat, der in unseren Tagen sehr in Verruf geraten ist. Hier könnte Matthäus 19, 11.12 eine wertvolle Ergänzung sein. Jesus spricht über Menschen die aus verschiedenen Gründen ehelos leben. Darunter sind auch die, die um des Reiches Gottes willen auf die Ehe verzichten. Dies ist vom Charisma der Ehelosigkeit zu unterscheiden. Das eine ist die Gnade Gottes, um als Unverheirateter zu leben in der Zeit, in der man in diesem Stand lebt. Das andere ist der Verzicht des Menschen auf die Ehe um des Reiches Gottes willen.
  • Auch wenn ein Mensch ehelos lebt, gilt: Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist. D.h. das Singlesein soll kein Weg sein, ein egoistischer Hedonist zu werden. In Gottes Herzen lebt Gemeinschaft, das ist sein Plan auch für Singles.

Weiterführende Literatur bzw. Material:

  • Astrid Eichler, Es muss was Anderes geben. Lebensperspektiven für Singles. SCM
  • Frauke Bielefeldt, Solo aber nicht allein, Gottes Perspektiven für das Singlessein. Brunnen.
  • Astrid Eicher und Frauke Bielefeldt: Vier Sonntage mit Solo&Co, Singles in Bewegung. Zu beziehen über bestellungen@emwag.net

Themensammlung zu Dingen, Kräften, Mächten, wo wir das Gefühl haben: Die sind nicht von dieser Welt! Konkrete Inhalte des Themenpakets siehe einzelne Einheiten und Bausteine.

Ein Kurzimpuls zu 3. Johannes 1,2 von Tobi Wörner

Thema: Gesundheit, Wohlergehen

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

Ein Kurzimpuls zu Johannes 20,18 von Katharina Schöpflin

Thema: Ostern, ewiges Leben

Die 99seconds bringen kurze, kompakte Impulse in DEIN Leben. Spannende Menschen, spannende Locations, Themen, die DICH interessieren. Viel Spaß!

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