„(R)auszeit | Jesus und Wasser“ – eine Freizeit für Kinder

„(R)auszeit“ – eine Freizeit für Kinder

Das Thema

Unter dem Titel „(R)auszeit – mein Sommer mit Jesus“ haben wir zwei Freizeitwochen für Kinder konzipiert. „(R)auszeit“, weil es für viele Kinder ein Bedürfnis ist, in den Ferien einfach mal rauszugehen aus dem eigenen Zuhause; „Auszeit“, weil die Freizeit eine Auszeit vom Alltag sein soll. Kinder lernen in den Bibelgeschichten Jesus (näher) kennen. Wir lassen die Geschichten in Anspielen lebendig werden. Eine Freizeitwoche wird es um „Jesus und das Wasser“ gehen, die andere Woche um „Jesus und die Berge“. Ihr könnt wählen, welche Woche ihr machen wollt, natürlich sind auch beide Wochen nacheinander machbar, in diesem Fall müsste zuerst die Wasserwoche veranstaltet werden, dann die Bergwoche.
Um die Geschichten in die Jetzt-Zeit zu übertragen, haben wir eine Rahmengeschichte geschrieben. Ein Seebär und eine Landratte reisen per Zeitmaschine nach Israel und erleben dort ihr ganz persönliches Reiseabenteuer. Die beiden Figuren nehmen Kinderfragen auf und schaffen eine Klammer um die Bibelgeschichte. Jeden Tag gehen die Rahmenfiguren auch auf einen Gegenstand ein, der zu einem Wasser-/Bergurlaub und zur Geschichte passt. Diese Gegenstände sind auch ein guter Aufhänger, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen oder ihnen den Gegenstand als Erinnerung mitzugeben. Zu jeder biblischen Geschichte findet ihr eine „Vertiefung“, d.h. ein Programmvorschlag für Kleingruppengespräche + Kreativ/ Spielideen zum biblischen Thema.

Filmclips

Bibelanspiele und Rahmengeschichte werden momentan verfilmt, ihr könnt die Clips ab Mitte Juli hier herunterladen. Die Anspiele und die Rahmengeschichte werden als Extradateien abgespeichert, sodass ihr entscheidet, was ihr den Kindern zeigt bzw. selber spielt. Die Anspiele findet ihr schriftlich bereits hier auf der Seite.

Programm

Im Programmplan findet ihr Ideen, was ihr mit den Kindern machen könnt. Wir haben nicht alle Ideen ausgearbeitet, sie sollen euch inspirieren für eigene Ideen. Ebenso findet ihr fertig ausgearbeitete Workshops für kreative Momente. Die Zeitangaben sind nicht in Beton gegossen, macht und gestaltet auch das Programm so, wie es zu den örtlichen Gegebenheiten passt.

Um mit eventuell geplanten oder spontan möglichen Familien-Urlauben nicht zu kollidieren (Wechsel-Rhythmen Samstag – Samstag), empfehlen wir eine Durchführung des Ferien-Konzeptes von Sonntag-Nachmittag bis Freitag-Abend.

Das (R)auszeit-Team

Wir sind dankbar, dass sich in kurzer Zeit unser Freizeitvorbereitungsteam gebildet hat. Dieses Konzept haben entwickelt und erarbeitet (in alphabetischer Reihenfolge):

Aus dem CVJM Baden
Damaris Dietelbach, Hendrik Schneider

Aus dem EJW Württemberg
Jan Bechle, Jana Hinderer, Julia Hofer, Michael Hummel, Anna Mader, Julian Meinhardt, Antje Metzger, Julia Peter, Sascha Petzold, Markus RöckerHanna Sperrer, Jakob Seibold, Dominik Strey

Nun wünschen wir euch gute Freizeitvorbereitungen, tolle Ideen, bereichernde Momente mit den Kindern, viel Mut und Entschlossenheit in der Umsetzung mit aller nötigen Vorsicht und Gottes reichen Segen,

euer (R)auszeit-Team

Programmplan: Jesus und Wasser

Sonntag Montag
Komm mit (Berufung Fischer) / Mk. 1,16-20 / Gegenstand: Flip-Flop
Dienstag
Jesus schenkt dir mehr (Hochzeit zu Kana) / Joh. 2,1-12 / Gegenstand: Wasserflasche
Mittwoch
Jesus ist stärker, als Angst (Sturmstillung) / Mk. 4,35-41 / Gegenstand: Reisekissen
Donnerstag
Jesus sieht deine Not (Teich Bethesda) / Joh. 5,1-16 / Gegenstand: Sonnenbrille
Freitag
Jesus gibt dir ein Beispiel (Fußwaschung) / Joh. 13,1-20 / Gegenstand: Sonnenmilch
8:30 Frühstück Frühstück Frühstück Frühstück Frühstück
9:00 Beginn: Begrüßung, Spiel … Beginn Beginn Beginn Beginn
9:30 Video:
Rahmengeschichte
Bibelanspiel
Rahmengeschichte
Video:
Rahmengeschichte
Bibelanspiel
Rahmengeschichte
Video:
Rahmengeschichte
Bibelanspiel
Rahmengeschichte
Video:
Rahmengeschichte
Bibelanspiel
Rahmengeschichte
Video:
Rahmengeschichte
Bibelanspiel
Rahmengeschichte
09:45 Vertiefung Vertiefung Vertiefung Vertiefung Vertiefung
10:15 Schnitzeljagd Fotorallye Brett- und Kartenspiele Sportvormittag: Scooter, Badminton, Wikinger Schach, Cross Boule Fotobox: Urlaubsoutfit Meer + Requisiten für alle
12:00 Mittagessen Mittagessen Mittagessen Mittagessen Mittagessen
12:30 13:30 Beginn mit Begrüßung (und Snack?) Workshops Workshops Workshops Workshops Workshops
14:00   Snack Snack Snack Snack Snack
14:15/14:30 14:00 Kennenlern-Action + in Wochenablauf reinnehmen Fang- und Staffelspiele SchwimmnudelAusflug Radtour vielleicht schon ab Mittagessen Wasserolympiade
Alternativ: Das Wunderrezept
Soziale Aktion Eis essen gehen + alle Gruppen hinterlassen sich gegenseitig Geschenke
17:00 Video:
Abschlussgeschichte
Video:
Abschlussgeschichte
Video:
Abschlussgeschichte
Video:
Abschlussgeschichte
Video:
Abschlussgeschichte
Video:
Abschlussgeschichte
17:10 Ende Ende Ende Ende Ende Ende

Ablauf Woche A als Word-Datei herunterladen

Mk.4, 35-41

Zielgedanke:

Jesus ist stärker, als alles, was uns Angst macht.

Begriffserklärungen/ Hintergründe zur Geschichte für Mitarbeitende

  • Jesus ist nach wie vor in Galiläa. Die Geschichte spielt auf dem See Genezareth.
  • Jesus bittet die Jünger, abends noch über den See zu fahren. Warum setzt er die Jünger dieser Gefahr aus? Denn er konnte als Gottes Sohn wissen, dass Fallwinde/ Stürme kommen. Ausleger dieses Textes sagen, Jesus wollte seinen Jüngern etwas beibringen, wie gute Lehrer ihren Schülern. Sie erleben, dass Jesus sie in der größten Not nicht alleine lässt. Diese Erfahrung ist prägend für sie.
  • Plötzliche Wetteränderungen („Fallwinde“) gibt es auf dem See Genezareth durch die Berge auf der einen Seite des Sees. Hier kann der Wind, der sich an den Bergen „ansammelt“ plötzlich in den See übergehen.
  • Jesus schlägt im Heck des Bootes. In den 1980-er Jahren wurde im See ein Boot gefunden, das darauf hinweist, dass es zu Jesu Zeiten kleine hölzerne Kabinen im Heck gab. Das erklärt auch, warum Jesus nicht vom Wasser geweckt wurde.
  • Das (Ruhe-)Kissen bildet einen krassen Kontrast zum lauten Sturm. Darin kann man ein Symbol sehen: Jesus ist souverän und ruhig. Er ist mächtiger als alle Bedrohung. Warum soll er also nicht schlafen? Der Spruch „in der Ruhe liegt die Kraft“ bekommt in Jesus ein Gesicht.
  • Die Angst der Jünger ist hier nicht zu verurteilen. Angst ist ein normales Gefühl bei Bedrohungen. Was die Jünger „falsch“ machen: Sie denken erst spät dran zu Jesus zu gehen und mit ihm die Situation zu durchleben. Stattdessen bauen sie auf ihre eigene Kraft. Und sie sehen nur ihre eigene Not (fragst du nicht danach, wie es UNS geht…), statt die Macht und Stärke, die Jesus hat.
  • Was tröstet: die Jünger sind hier echt menschlich. Wir können uns gut in sie hineinversetzen. Die Geschichte zeigt uns, was wir tun sollen, wenn wir Angst haben: Zu Jesus gehen, ihm ehrlich sagen was uns Angst macht und ihm „das Ruder“ darüber in die Hand geben. Er soll unser Lebensboot durch die angstmachenden Situationen führen. Weil er es kann.  

Vertiefungsideen

Falls ihr den Kindern heute eine Anti-Angst-Gedächtnishilfe mitgeben wollt, gibt es heute unten eine Anleitung (siehe unten) für Minikissen. Die sind im Vorfeld anzufertigen.

6-9 Jahre

Einstieg*:

Auf dem Boden zieht man 2 Linien mit Kreppklebeband in einer Länge von 1,80m und einem Abstand von 10 cm. Ein Kind versucht, einen Tischtennisball zwischen beiden Linien von Anfang bis Ende mit einem Teelöffel zu rollen. Zwei andere Kinder versuchen mit dem Fön von rechts und links den Ball aus den Linien zu bringen. Das Spiel sollte so enden, dass das Kind mit dem Ball das gar nicht schaffen kann.

  • Die Jünger hatten große Angst. Sie wurden hin und hergeschaukelt, wie der Ball eben. Angst ist ein ganz normales Gefühl. Jeder Mensch hat Angst. Ich habe z.B. Angst vor… (eigene wenige Dinge aufzählen).
  • Hast du auch schon mal richtig Angst gehabt? Wann? Warum?
  • Was machen die Jünger als sie Angst haben? (Sie bitten Jesus um Hilfe, aber erst ganz spät).
  • Wie handelt Jesus in dieser Geschichte? (er hilft sofort, als man ihn bittet)
  • Was hat dir geholfen, dich wieder sicher zu fühlen und keine Angst mehr zu

haben? (z.B. zugeben, dass man Angst hat; zu Mama oder Papa gehen, Beten)

  • Jesus sagt: Ich bin immer für dich da. Du kannst immer zu mir kommen und ich helfe dir. Wie können wir Jesus unsere Ängste sagen?

Gebetsaktion: Jesus Ängste sagen und abgeben:

  • Auf Wellen Angst schreiben (wer schon schreiben kann, ansonsten steht die Welle für die Angst). Gebet: Jesus, manchmal haben wir große Angst. Da gibt es Dinge, die sind so groß wie mächtige Wellen oder ein starker Sturm. Und manchmal haben wir das Gefühl, wir müssen ganz alleine durch. Aber so ist das ja gar nicht. Du bist immer für uns da, auch wenn der Sturm tobt. Jetzt bringen wir dir, was uns Angst macht und bitten dich, dass du dich um unsere hohen Wellen und den Sturm kümmerst.
  • AKTION: Angst-Wellen ins „Jesus-Boot“ (DinA3-Blatt gefaltet als Boot, evtl. liegt darin das Give-away-Kissen) in die Mitte des Raums bringen.
  • Gebet: Danke, dass du für uns da bist und uns magst. Mit dir kann uns nichts passieren, auch wenn ein Sturm tobt. Denn du bist stärker, als alles, was uns Angst macht. Gut, dass wir dich haben. Amen.

Ausstieg:

Nochmal das Spiel vom Einstieg. Jedoch liegen jetzt rechts und links Bettdecken längs gerollt hoch genug (Alternativ können auch je 2 Kinder die Bettdecken halten, so dass aber der Boden gut abgedeckt ist). Wieder versucht ein Kind, den Ball durchzubringen gegen den Fönwind. Die Winde haben nicht genug Kraft, durch die Decken zu blasen.

Give-away: Wenn du Angst hast, denke daran, Jesus ist da für dich. Als Erinnerung daran bekommst du dieses kleine Kissen. Halt es fest, wenn du wieder Angst hast und sage Jesus, er soll sich darum kümmern.

Vertiefungsideen 10-12 Jahre

Einstieg*:

Auf dem Boden zieht man 2 Linien mit Kreppklebeband in einer Länge von 1,80m und einem Abstand von 10 cm. Ein Kind versucht, einen Tischtennisball zwischen beiden Linien von Anfang bis Ende mit einem Teelöffel zu rollen. Zwei andere Kinder versuchen mit dem Fön von rechts und links den Ball aus den Linien zu bringen. Das Spiel sollte so enden, dass das Kind mit dem Ball das gar nicht schaffen kann.

  • Der Ball hatte eben wenig Chancen, ans Ziel zu kommen. Er war dem Wind ausgeliefert. Gibt es Situationen in deinem Leben, in denen du dich ausgeliefert und machtlos gefühlt hast? Welche waren das?

Die Jünger waren Sturm und Wellen ausgeliefert, sie hatten große Angst. Angst ist ein ganz normales Gefühl. Jeder Mensch hat Angst. Auch wenn du an Jesus glaubst, wirst du immer wieder Angst haben. Nicht an jedem Tag scheint die Sonne.

  • Was hilft den Jüngern in der Geschichte nicht? Was hilft ihnen?
  • Wie geht ihr mit Ängsten um? Was hilft euch?
  • Jesus bittet die Jünger über den See zu fahren. Sie kommen in Gefahr. Er schläft. Könnt ihr euch vorstellen, warum Jesus so handelt? (die Jünger sollen lernen und erleben, dass Jesus immer für sie da ist).
  • Hast du schon mal erlebt, dass Jesus dir geholfen hat, als du Angst hattest? Wie war das?
  • Jesus sagt: Warum habt ihr mir nicht vertraut, dass ich euch helfen kann? Darin liegt der Schlüssel: Angst ist menschlich. Aber wie wir damit umgehen, da sagt Jesus: Ich bin für dich da. Ich bin stärker, als alles, was dir Angst macht. Komm zu mir, ich helfe dir da durch. Wie wäre es, wenn wir das selber erleben, dass Jesus durch unsere Stürme und Wellen durchhilft?

Gebetsaktion: Jesus Ängste sagen und abgeben:

  • Auf Wellen Angst schreiben. Gebet: Jesus, manchmal haben wir große Angst. Da gibt es Dinge, die sind so groß wie mächtige Wellen oder ein starker Sturm. Und manchmal haben wir das Gefühl, wir müssen ganz alleine durch den Sturm. Manchmal sind wir auch nicht sicher, ob du wirklich da bist oder ob es dich kümmert, wie es uns geht. Aber so ist das ja gar nicht. Du bist immer für uns da, auch wenn der Sturm tobt. Jetzt bringen wir dir, was uns Angst macht und bitten dich, dass du dich um unsere hohen Wellen und den Sturm kümmerst.
  • AKTION: Angst-Wellen ins „Jesus-Boot“ (DinA3-Blatt gefaltet als Boot, evtl. liegt darin das Give-away-Kissen) in die Mitte des Raums bringen.
  • Gebet: Danke, dass du immer für uns da bist. Mit dir kann uns nichts passieren, auch wenn ein Sturm tobt. Denn du bist stärker, als alles, was uns Angst macht. Gut, dass wir dich haben. Amen.

Ausstieg:

Nochmal das Spiel vom Einstieg. Jedoch liegen jetzt rechts und links Bettdecken längs gerollt hoch genug (Alternativ können auch je 2 Kinder die Bettdecken halten, aber so, dass der Boden gut abgedeckt ist). Wieder versucht ein Kind, den Ball durchzubringen gegen den Fönwind. Die Winde haben nicht genug Kraft, durch die Decken zu blasen.

Give-away: Wenn du Angst hast, denke daran, Jesus ist da für dich. Als Erinnerung daran bekommst du dieses kleine Kissen. Halt es fest, wenn du wieder Angst hast und sage Jesus, er soll sich darum kümmern. (evtl. noch Spruch mit Stoffstift schreiben lassen: No fear – Jesus is here/ Jesus ist stärker…).

Material für beide Vertiefungsgruppen: Kreppklebeband, Tischtennisball, 2 Föhne, 2 Verlängerungskabel, 2 dicke Bettdecken, pro Kind eine ausgeschnittene Welle aus Papier, Stift, (für Give-away: Minikissen, Stoffstift).

Ein großes Papierschiff aus DinA3-Papier.

Idee: Give-away Minikissen:

Kissen im Vorfeld selbst nähen (lassen). Jedes Kind bekommt nach der Vertiefung ein kleines Kissen als Erinnerung, dass Jesus da ist in allen Bedrohungen.

Das braucht ihr für ein Kissen:

  • 2 Stoffquadrate à 13 cm (Stoffreste oder aus Stoffgeschäft)
  • Füllwatte
  • Nähmaschine

Anleitung für ein kleines Kissen:

Aus dem Stoffrest zwei Quadrate à 13 x 13 cm ausschneiden und auf links zusammennähen, eine ca. 5 cm große Öffnung lassen. Kissen wenden, mit Stopfwatte ausstopfen und zusammennähen. Fertig!

*Spielidee aus dem Buch „Ab geht die Post“, Birgit Götz, buch&musik ejw-service-GmbH Stuttgart.

1. Erklärungen zum Text

In Korinth tobt das wilde Leben: Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Menschen in die Hafenstadt, die zur Zeit des Paulus ein wichtiges Handelszentrum ist. Unterschiedlichste Kulturen und Religionen treffen hier aufeinander – ein Ort, an dem alles möglich ist. Jeder hat die Freiheit, sein Leben nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. In diesem bunten Umfeld hat Paulus eine christliche Gemeinde gegründet. Dieser schreibt er in 1. Korinther 9,19-23 seine persönlichen Tipps und Tricks, wie sie mit den vielfältigen Lebensentwürfen und Moralvorstellungen der Menschen in ihrer Stadt am besten umgehen können. Wie wichtig Freiheit dabei ist, macht er am Beispiel seines eigenen Dienstes als Missionar deutlich.

V.19-22: Als Christ ist Paulus dazu berufen, andere für den Glauben zu gewinnen. Nicht der Rückzug in die Sicherheit der christlichen Gemeinde, sondern die dienende Zuwendung zu den Menschen ist sein Auftrag. Er sucht sie dort auf, wo sie stehen. Im Wissen, dass er allein Jesus verpflichtet ist, kann er sich den gesetzestreuen Juden ebenso zuwenden wie den „gesetzlosen“ Griechen und den „Schwachen“ am Rand der Gesellschaft. Diese Annäherung an Menschen, die für ihr Leben ganz andere Spielregeln aufgestellt haben, funktioniert für Paulus nur, weil er Anknüpfungspunkte zum Glauben an Jesus sucht: Als beschnittener Jude und ehemaliger Pharisäer war er ein Experte, was das Gesetz anbelangt (Gal 1,13.14). Dieses Wissen nutzt er, um den Juden in Korinth seinen Glauben an Jesus zu erklären. Als einer, der sein Gesetz nun in Christus hat, kann er den Griechen zeigen, was Freiheit für ihn bedeutet: auch ohne das jüdische Gesetz kommt er zu klaren Normen für sein Leben (Gal 5,13.14). Im Wissen um seine eigene Schwachheit (2. Kor 12,9), kann er auch für die Ausgegrenzten und Benachteiligten in Korinth eintreten.

V.23 macht deutlich: Paulus geht es dabei auch ums Wachsen im Glauben. „Am Evangelium teilhaben“ heißt, eine Haltung zu gewinnen, in der der eigene Glaube vertieft wird. Das Bemühen um die Menschen außerhalb der Gemeinde und die praktische Weitergabe des Glaubens sind entscheidend für das geistliche Leben eines Christen.

2. Bedeutung für heute

Pluralität ist ein Schlagwort unserer postmodernen Lebenswelt: „anything goes“ – und der Glaube an Jesus stellt nur eines von vielen möglichen Lebenskonzepten dar. Christliche Freunde und der sichere Hafen der Gemeinde scheinen auf den ersten Blick vor Verunsicherung und Orientierungslosigkeit zu schützen. Doch Paulus macht deutlich: Wir sollen raus aus dieser Komfortzone – hin zu den Menschen. Als Christen ist unser Platz in der Welt. Dort sollen wir unsere Hoffnung, das Evangelium von Jesus Christus, bezeugen. Lange haben wir in unseren Gemeinden eine „Komm-Struktur“ gelebt und Menschen zu unseren Veranstaltungen eingeladen. Es ist Zeit, uns wieder neu auf den Weg zu machen: eine „Geh-Struktur“ zu entwickeln und wie Paulus Menschen in ihren Lebenskontexten zu begegnen.

Oft sehen wir nur das Negative an anderen Lebensentwürfen, kritisieren und werten ab, was uns „nicht christlich genug“ erscheint. Statt Liebe bestimmt uns die Angst vor dem Fremden und Unbekannten. Paulus macht deutlich: Eine solche Einstellung steht im Widerspruch zu der Freiheit, die wir in Jesus Christus haben. Wir sind aufgefordert, unsere Haltung zu prüfen – und uns an unseren Auftrag zu erinnern: jedermann dienen.

Wo begegne ich im Alltag Menschen, die Jesus noch nicht kennen? Genau um sie und ihre Themen geht es. Was bewegt meine Nachbarn? Wie verbringen meine Arbeitskollegen ihre Freizeit? Welche Themen beschäftigen meine Kommilitonen? Nur wenn wir wissen, was für die Menschen um uns herum wichtig ist, können wir Gemeinsamkeiten entdecken. Wenn wir uns bemühen, ihre Sicht auf die Welt zu verstehen, dann können wir auch Anknüpfungspunkte finden, um von unserer Hoffnung zu erzählen.

Angesichts der Vielfalt von Lebensentwürfen müssen wir keine Angst haben, wenn wir wissen, wer der Herr unseres Lebens ist. Wir dürfen mutig Brücken bauen, denn Jesus selbst sendet uns, Menschen seine rettende Botschaft zu bringen (Mt 28,19.20). Im Glauben wachsen wir nicht allein durch Bibellesen und Beten: es geht darum, das Gelesene im Alltag umzusetzen. Um anderen Menschen dienen zu können und ihnen das Evangelium zu bringen, sind wir zuerst aufgefordert, sie kennenzulernen.

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg

Startet eine Gesprächsrunde zur Frage: Was bedeutet Freiheit für dich?

3.2 Arbeit am Bibeltext

Lest gemeinsam 1. Korinther 9,19-23. Nachdem jeder den Text noch einmal für sich durchgesehen hat, könnt ihr euch über die folgenden Fragen austauschen:

  • Was bedeutet Freiheit für Paulus? Paulus ist frei und zugleich jedermanns Diener: Wie passt das für dich zusammen?
  • Welches Ziel hat Paulus vor Augen?
  • Wie sieht das Evangelisationskonzept von Paulus aus? Wie und wo sagen wir die gute Nachricht von Jesus weiter?
  • Warum muss Paulus noch „am Evangelium teilhaben“ (V.23)? Was verändert sich vielleicht in unserem Glauben, wenn wir das Evangelium weitersagen? Habt ihr da bereits Erfahrungen gesammelt?

3.3 Vertiefung

Anschließend untersucht den Text, was er zu den drei folgenden Dimensionen sagt:

UP – Meine Beziehung zu Gott

IN – Die Gemeinschaft in unserer Gruppe

OUT – Der Dienst für andere

Dazu könnt ihr drei Expertengruppen bilden, die sich jeweils mit einer dieser Dimensionen beschäftigen. Gebt in jede Gruppe einen Zettel mit dem jeweiligen Begriff (UP, IN, OUT) – und sammelt darauf eure Ideen. Was erfahren wir in 1. Korinther 9,19-23 über diese Dimension? Was heißt das für uns? Stellt eure Erkenntnisse dann den anderen vor.

3.4 Kurzer Impuls

Zur Veranschaulichung kann ein Papierboot auf einem blauen Tuch in die Mitte gelegt werden. „Ein Schiff, das im Hafen liegt ist zwar sicher. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.“ Paulus macht in seinem Brief an die Korinther deutlich: Wenn wir als Christen in der Freiheit, die Jesus uns schenkt, leben wollen, müssen wir mutig aufbrechen. Uns aus dem sicheren Hafen der Gemeinde und der eigenen Komfortzone hinauswagen – das ist unser Auftrag. Als Christen sind wir wie Schiffe: Wir sind dazu geschaffen, zu den Menschen hinzugehen.

Im Glauben wachsen wir erst, wenn wir unsere Beziehung zu Gott nicht nur durch Bibellesen und Beten vertiefen wie in einem sicheren Hafen, sondern auch ganz praktisch umsetzen, was wir gelesen haben. Der erste Schritt dazu ist es, die Menschen kennenzulernen, ihre Lebenswelt zu erkunden. Das erfordert Mut und Entdeckerdrang. Eine so verstandene Art von Evangelisation hat nichts mit zwanghaftem Weitersagen oder Angstmachen zu tun. Es ist vielmehr das Abenteuer, das eigene Leben mit Menschen zu teilen, die Jesus noch nicht kennen.

3.5 Anwendung

In der Theorie klingt das alles gut, aber: Wie schafft man es, tatsächlich so Paulus-mäßig mutig loszugehen? Zwei Ideen:

  • Jeder überlegt sich eine Person, die ihm irgendwo in seinem Alltag begegnet und über die er mehr erfahren möchte. Nehmt euch vor, bis zum nächsten Treffen ein kurzes Gespräch mit dieser Person zu führen und mehr über sie und ihre Sicht der Dinge zu erfahren. Schreibt den Namen der Person als Erinnerung auf einen Zettel. Anschließend kann jeder, der möchte, kurz etwas zu „seiner Person“ sagen. Betet in der Gruppe gemeinsam um Mut, auf die Menschen zuzugehen und für gute Begegnungen.
  • Wenn ihr mehr Zeit zur Verfügung habt: Macht einen (Gebets-) Spaziergang durch die Nachbarschaft eurer Gemeinde. Betet und nehmt die Menschen wahr, die dort leben. Fragt nach, was sie bewegt. Überlegt, was das für eure Gruppe bedeuten könnte: Wo könnt ihr aktiv werden, dabei sein oder helfen?

1. Erklärungen zum Text

1.1 Vorgeschichte

Paulus sollte als Gefangener nach Rom überführt und dort vor Gericht gestellt werden. Deswegen wurden er und seine Begleiter auf ein Handelsschiff verfrachtet, dass sie nach Italien bringen sollte (Apg 27,1.6). Bei einem Zwischenstopp auf der Südseite der Insel Kreta warnte Paulus vor der Weiterreise (V.10). Aber nachdem das Wetter günstig aussah, entschied sich die Crew, weiterzusegeln (V.12.13).

1.2 Gliederung

Der Text enthält im Wesentlichen zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt (V.13-21a) berichtet von den äußeren Bedingungen und Herausforderungen des Segeltörns. Das Wetter und das Verhalten der Crew stehen im Mittelpunkt. Ab Vers 21b beginnt mit dem Auftritt von Paulus der zweite Abschnitt, in dessen Mittelpunkt es um die Zusagen Gottes geht.

1.3 Hinweise zu einzelnen Versen/Begriffe

Der Sturm, von dem ab Vers 14 die Rede ist, wird im griechischen als Typhon (Typhonikos) bezeichnet: ein heftiger Sturm, was um diese Jahreszeit keine Seltenheit war.

Kauda (V.16) ist die heutige Insel Gavdos, südwestlich vor Kreta gelegen.

Die (große) Syrte (V.17) ist eine breite Bucht vor der Küste Libyens (mit mehreren Untiefen), auch Golf von Sidra genannt. Im lateinischen Sprachgebrauch stand der Begriff Syrte für Sandbänke.

V.17 beschreibt weitere Maßnahmen der Crew zur Sicherung des Schiffes und der Besatzung. Das Umbinden mit Seilen kann bedeuten, dass Seile als eine Art zusätzliche Reling von vorn nach hinten gespannt wurden, um sich daran festhalten zu können. Es kann aber auch gemeint sein, dass Seile unter dem Schiff durchgelassen wurden, um es ähnlich wie bei einem Paket zu verschnüren.

Je nach Übersetzung steht in Vers 17, dass die Segel bzw. ein Treibanker heruntergelassen wurde. Der griechische Begriffe skeuon kann in beide Richtungen übersetzt werden. Wahrscheinlicher ist an der Stelle der Treibanker, der wie eine Art Unterwasserfallschirm hinter dem Schiff hergezogen wurde, um in rauer See Stabilität zu verleihen.

Das Schiffsgerät (V.19) könnten z. B. Sandsäcke gewesen sein, die im Innenraum des Schiffs zur Beschwerung des Kiels gedient haben. Ziel war es, den Tiefgang des Schiffes zu verringern und damit das Auflaufen auf eine Sandbank zu verhindern.

In Vers 21 ist davon die Rede, dass keiner mehr etwas essen wollte. Das lässt sich natürlich auf Seekrankheit zurückführen. Es könnte aber auch eine Art Fasten gewesen sein, denn Stürme wurden oft dem Handeln der Götter zugeschrieben.

2. Bedeutung für heute

Eine solche Erfahrung wie in diesem Bericht geschildert, wird wohl kaum jemand aus der Gruppe schon einmal gemacht haben. Selbst wenn ein Sturm auf See erlebt wurde (ich habe einmal auf einem Segeltörn einen Mastbruch miterlebt), sind unsere modernen Sicherungs- und Rettungssysteme sehr zuverlässig.

Interessant für uns heute ist der Perspektivwechsel ab Vers 21a, wo Paulus in den Mittelpunkt rückt. Seine ersten Worte sollten nicht als Besserwisserei verstanden werden („Ich habe es euch ja gleich gesagt!“), sondern als eine Erinnerung an bereits gesagtes, um seine nächste Aussage über den Engel glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Denn bei aller Religiosität der Menschen damals waren Engelserscheinungen nicht gerade etwas Alltägliches, sondern gehörten eher ins Reich der Mythen.

Die Frage, die uns in diesem zweiten Abschnitt begegnet, lautet: „Wo beachten wir/ich, trotz besseren Wissens, menschliche/gesellschaftliche und göttliche Gebote nicht? Zu schnell in der Stadt unterwegs sein? Alkohol am Steuer? Unterschlagung von Geldern? Falsche Angaben? Unerlaubte Hilfsmittel? So wie der Kapitän und andere Personen besser gleich auf Paulus gehört hätten, so sollten auch wir heute darauf achten, welchen Stimmen wir unser Vertrauen schenken. Am Ende können im Text alle Beteiligten dankbar sein, dass sie nur das Schiff verlieren.

Gott möchte nicht, dass wir mit unserem Leben Schiffbruch erleiden. Deshalb ist es so wichtig zu lernen, auf seine Stimme zu hören, sie überhaupt erst wahrzunehmen. Aber selbst wenn uns Gottes (und menschliche) Gebote bekannt sind, kann es so schnell passieren, dass wir in der einen oder anderen Situation eine falsche Entscheidung treffen. Entscheidungen, die am Anfang und in dem Moment noch logisch waren oder sich richtig angefühlt haben. Deshalb ist es nicht nur wichtig, die Gebote zu kennen, sondern Menschen um sich zu haben, die dann, wenn es ernst wird – wenn man falsch gehandelt hat und Angst hat, das Leben in den Sand zu setzen – für einen da sind, einem helfen können, wieder auf die Spur zu kommen, die auch für einen „glauben“ können (V.25). Das bedeutet dann nicht immer, dass man ohne Schaden aus einer Situation herauskommt (V.26), aber dass das Leben letztlich doch weitergeht. Nur halt anders.

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstiegsfrage

Stellt euch vor, ihr seid auf einem Schiff unterwegs und geratet in einen schweren Sturm. Welche drei Gegenstände würdet ihr versuchen bei euch zu haben, falls ihr über Bord gehen solltet? Warum?

3.2 Geschichte

In dem Film „Der Sturm“ von Wolfgang Petersen wird die wahre Geschichte der Andrea Gail und ihrer Besatzung nacherzählt. Am 27. Oktober 1991 entwickelte sich an der Südostküste Kanadas ein enormer Sturm, im englischen „the perfect Storm“ genannt. Eine Kaltfront traf auf einen sich abschwächenden Hurrikan und beide befeuerten sich sozusagen gegenseitig und entwickelten eine enorme Energie, die sich in einem sogenannten „nor’easter“ (Nordoststurm) austobte. Ein perfekter Sturm, wie es der Bostoner Meteorologe Robert Case später bezeichnete. In diesen Sturm geriet das Fischereiboot Andrea Gain. Am Ende eines dramatischen Kampfes überlebt keiner der Besatzungsmitglieder. Ihr Fehler war es, trotz Warnungen in das Sturmgebiet hineinzufahren.

Empfehlenswert ist das Buch „Der Sturm“ von Sebastian Junger, das die Grundlage für den Film lieferte.

Ein Ausschnitt aus dem Film bzw. der Trailer könnten zu Beginn des Abends gezeigt werden.

3.3 Bibeltext

Der erste Teil des Abschnitts sollte mit entsprechenden Anmerkungen zum Hintergrund bzw. der Vorgeschichte, vorgelesen werden. Dann werden die Vers 21a bis 26 ohne weiteren Kommentar vorgelesen.

Versucht euch nun in die Szene hineinzuversetzen. Idealerweise könnte man Sturmgeräusche in voller Lautstärke wiedergeben. Die Sätze von Paulus müssen dann gegen den Sturm „angeschrien“ werden. Das verdeutlicht die Dramatik der Situation.

Danach sollte es einen Moment der Stille geben. Und jemand stellt leise die Frage: Worauf hätte ich in letzter Zeit mal besser hören sollen? Was hätte ich besser sein lassen sollen?

Je nach Situation der Gruppe, wie sehr das Vertrauen zueinander da ist, kann in der Runde eine Antwort auf die Fragen gegeben werden. Um es leichter zu machen, könnte man Papierschiffchen in einer Schüssel mit Wasser schwimmen lassen. In jedem Schiffchen liegt ein 1-Cent-Stück und jeder, der etwas sagen möchte, nimmt sich eine der Münzen aus dem Papierschiffchen heraus und sagt dabei nur einen oder zwei Sätze. Anschließend lässt er die Münze in die Schüssel fallen.

Beispiele

  • „Ich hätte besser darauf hören sollen, abends kein Handy mit ins Bett zu nehmen!“
  • „Ich hätte besser darauf achten sollen, wie es meiner Freundin geht!“
  • „Ich hätte es besser sein lassen sollen, schlecht über andere zu reden!“

Diese Übung kann auch im Stillen geschehen.

Anschließend sollte es einen Zuspruch von einem der Mitarbeitenden geben. In Anlehnung an die Worte des Paulus sollte es darum gehen, dass Gott mit uns noch nicht am Ende ist und dass er uns an sein Ziel bringen wird. Auch wenn wir im Leben Fehler machen. Am Schluss steht der Zuspruch aus Micha 7,19: „Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen!“

3.4 Passende Lieder

  • Über dem Meer – Arne Kopfermann
  • Oceans – Hillsong united
  • You never let go – Matt Redman

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