Nicht ohne Gott

Wir sitzen in vertrauensvoller Runde mit Mutter Pamphilia und Schwester Tatiana im Kloster Piatra Fontanele in Rumänien. Wir sprechen über das Leben im Kloster, stellen Fragen und drücken unsere Bewunderung für ihre Hingabe aus.

Die Nonnen des orthodoxen Klosters leben in Gehorsam und nach dem Motto Ora et labora – bete und arbeite. Sie schneidern und besticken Gewänder für orthodoxe Gottesdienste, sie schreiben Ikonen und beleben das alte Klostergelände mit der Kirche, der besonderen Klosterküche und dem Stall. Es gibt immer viel zu tun. Trotz der Arbeit und der Tageszeitengebete finden die Frauen immer Zeit für die Menschen im Ort, für Besucherinnen, die Pilger und ganz besonders für die Kinder. Sie haben dauerhaft sechs Kinder aufgenommen, da deren Eltern sich nicht um sie kümmern können, sei es, weil sie nicht genug Geld haben oder in solch herausfordernden Umständen leben, dass die Fürsorge für ihr Kind nicht möglich ist. Während der Schulzeit wohnen weitere 15 Kinder im Kloster, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen. Wir spüren den Nonnen ab: Sie kümmern sich aus ganzem Herzen um die Kinder – nicht nur, dass sie satt und versorgt sind, sondern dass aus ihnen starke Persönlichkeiten werden, die sich ganz bei Gott bergen.

Wir fragen diese lebensfreudigen Frauen, wie sie –ganz praktisch- all diese Aufgaben bewältigen. Und sie antworten uns mit der Geschichte Gideons: Gideon steht der Armee der Midianiter gegenüber, als Gott zu ihm spricht: »Du hast zu viele Soldaten! Diesem großen Heer will ich nicht den Sieg über die Midianiter schenken! Sonst werden die Israeliten mir gegenüber prahlen: ›Wir haben uns aus eigener Kraft befreit!‹ (Richter 7, 2) Ungeachtet der Tatsache, dass Gideon mit seinen Männern einer übermächtigen Armee gegenübersteht, weißt Gott ihn tatsächlich an, seine Armee zu verringern! Gott zeigt, dass ER Gott ist, ein Gott der stärkt und befreit, egal wie mächtig der Feind ist. Er ist die Quelle der Kraft. Das er-leben die Nonnen des Klosters in Piatra Fontanele – nicht sie wirken, sondern Gott. Das spüren wir ihnen und diesem besonderen Ort ab.

PS.: Diese Andacht ist ein Teil der CHANGEMAKER-Aktion des EJW-Weltdienstes (www.change-maker.info). Auf der Homepage findet ihr weitere ermutigende Beispiele.

Den Song hören und den Liedtext wahrnehmen

Das Lied von A. Frey findest du auch hier auf YouTube als bilderreiches Video.

1. Unsere Geduld ist schnell am Ende
Deine Langmut reicht für alle Zeit
Unsere Vorrat geht so schnell zur Neige
Deine Fülle reicht unendlich weit
Unsere Liebeskraft kommt schnell an Grenzen
Deine Liebe ist bedingungslos
Unsere Vergebung ist oft kleinlich
Deine Gnade ist unendlich groß

Bridge: Der Mond scheint nur wenn ihn die Sonne trifft
So leuchten wir in deinem Angesicht

Refrain: Du bist barmherzig
Vater dein Herz ist immer offen
Du bist barmherzig
Vater das lässt mich wieder hoffen
Du bist barmherzig
Jetzt kann mein Herz sich wieder öffnen

2. Wir verlieren dich schnell aus den Augen
Du hältst Ausschau nach uns jeden Tag
Wir wollen unseren Platz bei dir verdienen
Du nimmst uns als deine Kinder an
Wir wollen unsere Schulden selbst begleichen
Du vergibst in einem Augenblick
Wir können nur selbst barmherzig werden
Weil dein Blick auf uns barmherzig ist
-> Bridge & Refrain

“Barmherzigkeit”: Was soll das überhaupt bedeuten?

Im Duden findet man, wenn man nach „Barmherzigkeit“ sucht, die Angaben “mitfühlend, mildtätig gegenüber Notleidenden und Verständnis für die Not anderer zeigend”. Für Martin Luther zeigt sich Barmherzigkeit daran, dass man mit dem Herzen bei den Armen ist. Barmherzigkeit ist mehr als nur Mitgefühl, lange nicht so oberflächlich.
Aber wer von uns ist heute noch barmherzig? Sind uns unsere eigenen Probleme nicht viel wichtiger? Nehmen wir uns noch die Zeit, um Verständnis für andere Notleidende zu zeigen? Oft geht das doch vollkommen unter im Alltagsstress!

Was schwingt in MIR?

Wir sehen, dass die Corona-Zahlen wieder steigen, viele hamstern schnell wieder etwas Klopapier und verlieren dabei ganz aus dem Blick, wie es den Anderen um uns herumgeht. Seien es unsere Nachbarn, die durch unsere Hamsterkäufe keine Nudeln mehr bekommen oder aber die Menschen in ärmeren Ländern, die durch ein viel schlechteres Gesundheitswesen erst gar nicht auf den Gedanken kommen, sich mit Hamsterkäufen zu beschäftigen.

Wenn wir bemerken, dass unser Handy nach einem Jahr etwas langsamer läuft und man auf vieles länger warten muss oder ein neues noch viel besseres Handy auf dem Markt ist, kaufen wir uns schnell dieses. Dabei verlieren wir aber alle Anderen und alles Andere aus dem Blickfeld! Nur damit wir ein paar Sekunden weniger warten müssen, bis unser Handy hochgefahren ist. Wie geht es unserer Umwelt damit und den Kindern, die in den Coltan-Mienen arbeiten müssen?

Barmherzig leben wie der Vater…

Mit der Jahreslosung 2021 spricht ER deutlich, Jesus Christus: “Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!” (Lukas 6,36) Gott ist barmherzig!

So singt es auch Albert Frey in diesem Lied: „Du bist barmherzig // Vater, dein Herz ist immer offen“. In der Jahreslosung fordert Jesus uns auf, auch barmherzig zu sein, egal, wie Andere leben, und egal, ob wir dadurch einen persönlichen Vorteil haben.
In dem Lied wird der Gegensatz zwischen den Menschen und Gott deutlich. ER ist liebevoll, gnädig und geduldig, ER nimmt uns an und verliert uns nicht aus dem Blick. Und DADURCH können wir das Licht Gottes reflektieren, wie es in der Song-Bridge dann ausgesagt ist: „Der Mond scheint nur, wenn ihn die Sonne trifft // So leuchten wir in deinem Angesicht.“

Ein schöner Vergleich wie ich finde. Ohne Gott wäre alles dunkel, und wir könnten auch nicht leuchten. Aber Gott ist barmherzig! Und durch seine Barmherzigkeit können und sollen auch wir barmherzig sein!
Wann warst du zuletzt barmherzig?

-> Hinweis: Will sich ein Gespräch ergeben?

Jedes Jahr veröffentlicht das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) eigens einen Song zur Jahreslosung. “Das ist das Wunder!” ist der Titel des Liedes für die Jahreslosung 2021 mit Jesu Wort: “Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.” (Lukas 6,36)

Dieses Wunder der Barmherzigkeit besteht darin, dass Gottes Liebe unsere Gedanken und Herzen immer wieder neu weit macht – und entdecken lässt, dass wir einander brauchen. So werden wir fähig, Zeit zu verschenken, Schweres mitzutragen, Brücken zu bauen und wachsam die Menschenfeindlichkeit vertreiben – wie in den Strophen des Liedes dann ausgeführt ist.

Der Text stammt von Gottfried Heinzmann, die Musik wurde von Hans-Joachim Eißler komponiert. Das Notensheet findest du zum direkten Download hier mit dieser PDF. (Bitte beachte, dass durch deinen Klick hier die PDF direkt – im Hintergrund – in deinen Download-Ordner geladen wird.)

Start

Stellt euch mal vor, ihr seid von der Schule auf dem Weg nach Hause. Vor euch läuft eine alte Frau. Sie geht ganz gebückt, weil sie schwere Einkaufstaschen trägt. Plötzlich reißt eine der Plastiktüten, und alles kullert davon: Äpfel, Karotten und alles, was sonst noch in der Tasche war. Was würdet ihr machen? (Zeit für “stille Antworten” lassen)
Die Situation noch verschärfen und fragen: Und was, wenn die alte Frau eure unfreundliche Nachbarin ist, die euch früher immer geschimpft hat, weil ihr zu laut wart oder euer Ball beim Spielen in ihren Garten geflogen ist? Würdet ihr dann auch helfen? Oder was wäre, wenn ihr ganz dringend nach Hause müsstet, weil ihr noch einen Termin beim Zahnarzt habt?

Story

Heiß ist es – und ganz still. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel auf einen staubigen Weg. Zwischen den braun roten Steinen und verdorrten Büschen bewegt sich etwas. Es ist ein Mann, der dort liegt und gerade mühsam die Augen öffnet. Stöhnend versucht er sich aufzusetzen, doch vor Schmerz schreit er auf. Jede Bewegung schmerzt. Sein linker Fuß scheint gebrochen zu sein. Wie ist er hierher gelangt? Was ist passiert? Er versucht sich zu erinnern. „Mein Name … ist Aram…“, denkt er und ist froh, dass er sich zumindest das noch ins Gedächtnis rufen kann. Heute morgen hatte er sich in aller Frühe aufgemacht, um nach Jericho zu reisen. Voll gepackt waren die Satteltaschen seines Esels mit wertvollen Gewürzen, schönen bunten Stoffen, Schmuck und anderen Waren, die er in Jerusalem gekauft hatte.

Sein Esel! Erschreckt schaut Aram sich um. Doch um ihn herum türmen sich nur rauhe Felsen auf. Von seinem Esel ist weit und breit nichts zusehen. Aram wendet suchend den Kopf. Das schmerzt! Er betastet seine Stirn. Eine riesige Beule ist zuspüren, und als er die Finger wieder wegzieht, merkt er, dass die Wunde blutet. Er schaut an sich hinunter und stellt fest, dass er nur ein paar zerrissene Kleidungsstücke trägt. Die Mittagssonne brennt auf seiner Haut. Wie ist er nur in diese Lage geraten? Hat der Esel ihn etwa abgeworfen und ist davongelaufen? Angestrengt denkt Aram nach. „Ich bin hier auf dem Weg geritten …“, murmelt er vor sich hin, „… und dann… da, hinter dem Fels, da war jemand! Ich habe gerufen, aber niemand ist herausgekommen…“

Aram wird es ganz mulmig. Langsam fällt ihm wieder ein, wie es weiterging: Er war näher an den Felsen geritten, als plötzlich ein paar Männer hervorsprangen. Sie schwangen große Knüppel. Sein Esel wollte erschreckt lospreschen, doch da hatten die Männer schon die Zügel gefasst und ihn heruntergezerrt. „Lass mal sehen, was du dabei hast! Her mit deinen Sachen!“, riefen sie, und schon prasselten die Schläge auf ihn ein. Das Letzte, woran er sich erinnern kann, ist ein besonders harter Knüppelhieb auf den Kopf und Schritte, die sich eilig entfernen. Dann: Dunkelheit. „Ein Überfall… ich bin überfallen worden…“, murmelt Aram fassungslos.

Er tastet nach dem kleinen Beutel mit Geld, den er immer am Gürtel trägt, doch der ist verschwunden. Sein Mantel, seine Schuhe, sein ganzes Gepäck – alles wurde gestohlen! Nicht einmal seine Wasserflasche ist ihm geblieben. Notdürftig reißt Aram ein Stück von seinem zerfetzten Gewand ab und legt es auf die blutende Wunde am Kopf. Mehr kann er nicht tun.

„Hilfe!“, ruft er, erst leise, dann immer lauter. „Hilfe! Hilfe! Ist denn da niemand? Ich brauche Hilfe!“ Ihm kommt es vor wie eine kleine Ewigkeit, als er endlich gegen die Sonne auf dem Weg eine Person sieht. Er hebt die Hand und beschattet seine Augen. Ein Mann ist es, der auf einem hübschen Esel reitet. Er trägt eine weiße Kopfbedeckung und hat ein buntes Gewand an. Das ist ein Priester! Erleichtert sinkt Aram zurück. Jetzt wird er Hilfe bekommen. Der Priester reitet näher und betrachtet den Verletzten. Er streicht sich mit der Hand durch den Bart und murmelt etwas, das Aram nicht versteht. Plötzlich zieht er am Zügel, und der Esel trabt eilig mit ihm davon. „He! Du kannst mich doch hier nicht einfach liegen lassen! Komm zurück!“, ruft Aram entsetzt. Vergeblich! Bald schon ist von dem Priester und seinem Esel nichts mehr zu sehen. Aram kann es nicht glauben. Der Priester hat ihn einfach hier liegen lassen! Er sinkt zurück und schließt die Augen. Was jetzt? In der Zwischenzeit ist es bereits Nachmittag. Aram hat seit Stunden nichts gegessen und getrunken, und sein ganzer Körper schmerzt. Seine Stimme hört sich vom vielen Schreien schon ganz heiser an, doch Aram will nicht aufgeben. „Hilfe! Hilfe!“, ruft er wieder. Erschöpft versucht er, nicht wegzudösen, sondern den Weg im Auge zu behalten. Und seine Hoffnung erfüllt sich: Ein zweiter Mann erscheint mit zügigen Schritten. Er scheint ganz in Gedanken versunken und bemerkt Aram erst, als er schon beinahe an ihm vorbei ist. Aram will erklären, was passiert ist, aber seine Stimme versagt, und er kann nur noch wimmern. Er sieht den Mann nur an, doch dieser blickt schnell weg, schaut sich unruhig um und windet nervös die Hände. Schließlich geht er schnell weiter, ohne Aram zu helfen. An der Kleidung erkennt Aram, dass der Andere ein Levit war, ein Tempeldiener, der dafür zuständig ist, den Priestern zu helfen und mit Musik und Gesang Gott zu loben. „Warum hat er mir nur nicht geholfen?“, denkt Aram verzweifelt.

Zoom

  • Der Priester und der Levit sehen den Verletzten, aber sie helfen ihm nicht. Welche Gründe könnten sie haben?
  • Hast du auch schon mal gehofft, dass andere dir helfen, aber nichts ist passiert?
  • Wo würdest du helfen, auch wenn dich das selbst in Gefahr bringen würde?

Der Priester und der Levit wissen nicht, was sie tun sollen. Vielleicht denken sie, der Verletzte wird zu Recht bestraft. Sie kennen ihn ja gar nicht. Oder sie haben Angst, dass die Räuber noch in der Nähe sind und auch sie überfallen könnten. Vielleicht ist das nur eine Falle und der Verletzte gar nicht wirklich verletzt?! Oder sie wollen sich am Blut des Überfallenen nicht verunreinigen. Der Priester kommt aus Jerusalem, er hat im Tempel gearbeitet und geht nach Hause. Wahrscheinlich ist er müde. Der Levit geht zum Tempel. Wenn er Blut oder gar einen Toten berührt, wird er unrein und darf dort nicht arbeiten.

Die Sonne steht schon tief. Aram hat Schmerzen und seine Kehle ist vor Durst ganz ausgetrocknet. Er kann keinen klaren Gedanken mehr fassen und verliert immer wieder das Bewusstsein. Plötzlich fühlt er eine Hand, die das Tuch von seiner Kopfwunde wegnimmt. Erschrocken reißt er die Augen auf und blickt in ein fremdes Gesicht. In der Dämmerung kann er nicht viel von dem Anderen erkennen. Doch der Fremde redet beruhigend mit ihm und lässt ihn aus seiner Wasserflasche trinken. Das tut gut! Dann umwickelt er die Kopfwunde mit einem sauberen Tuch. Auf die schlimmsten Verletzungen träufelt er Wein, damit sie sich nicht entzünden. Vorsichtig macht er auch etwas Öl darauf, und Aram spürt, wie gut das tut.
Alles kommt ihm vor wie im Traum. „Wahrscheinlich habe ich Fieber und bilde mir das gerade nur ein“, denkt er. Doch als der andere ihn auf seinen Esel hievt und ein zuckender Schmerz durch sein Bein fährt, weiß er, dass ihm tatsächlich endlich jemand hilft. Aram klammert sich mit Mühe an dem Esel fest, während der Fremde schweigend nebenher läuft und das Tier führt. Es wird immer dunkler und schließlich sind die ersten Sterne am Himmel zu sehen. In der Ferne hören sie Hundegebell. Bald erreichen sie ein Dorf.

Der Fremde pocht an die Tür eines Gasthauses. Gemeinsam mit dem Wirt zieht er Aram von seinem Esel herunter und trägt ihn hinein. Aram merkt noch, dass er in ein sauberes und bequemes Bett gelegt wird und dass jemand beginnt, seine Wunden zu verbinden. Doch dann fällt er in einen tiefen Schlaf.

Zoom

  • Warum hilft der Fremde dem Überfallenen?
  • Das Mitleid des Fremden hat Aram gerettet. Wessen Not berührt dich?
  • Wer hat dir schon mal so geholfen, von dem du es gar nicht erwartet hättest?

Am nächsten Morgen wird Aram von Gemurmel vor seiner Zimmertür geweckt. „Ich muss weiter“, hört er die Stimme seines Retters sagen. Eine andere Stimme, wahrscheinlich der Wirt, fragt: „Und was soll aus dem Verletzten werden?“ Erschrocken hält Aram die Luft an und lauscht auf die Antwort. „Kümmere dich um ihn!“, sagt die Stimme des Mannes, der ihm geholfen hat. Er hört Münzen klirren. „Hier, das gebe ich dir, damit du ihn gut versorgst. Wenn du mehr Kosten hast, ersetze ich dir das Geld, wenn ich beim nächsten Mal wieder hier bin.“ Aram hört Schritte und Stimmen, die sich entfernen.

Erleichtert schließt Aram die Augen und schläft wieder ein. Es ist schon Nachmittag, als er aufwacht. Die Sonne scheint freundlich in sein Zimmer, vor seinem Fenster sieht er blauen Himmel und Palmblätter, die sich im Wind wiegen. Er hört aufgeregte Rufe von Reisenden und das Blöken von Kamelen. Es klopft an seiner Tür. Ein kleiner, ziemlich dicker Mann mit freundlichen Augen kommt herein. Er stellt sich als der Wirt des Gasthauses vor. Er versorgt Arams Wunden, flößt ihm frisches Wasser ein und hat leckere Datteln, Käse und Brot dabei.
Aram kaut hungrig, während er dem Wirt erzählt, was ihm passiert ist. Dieser blickt ihn nachdenklich an: „Ich habe mich schon gewundert, dass du mit einem Samariter unterwegs warst. Aber anscheinend kanntest du den Mann gar nicht, der dir geholfen hat.“ „Nein“, bestätigt Aram. „Aber – Moment mal! Er ist ein Samariter, sagst du?“ „Ja, das ist er“, bestätigt der Wirt. „Ich kenne ihn gut. Er ist ein Händler und kommt bei seinen Reisen immer wieder in meinem Gasthaus vorbei.“

„Ein Samariter? “, hakt Aram fassungslos nach. „Aber – die Samariter mögen uns Juden nicht. Und wir mögen sie auch nicht. Wusste er denn nicht …warum hat er…?“ „Ich weiß nicht, warum er dir geholfen hat“, antwortet der Wirt und zuckt mit den Schultern. „Er hat nur gesagt, dass er dich verletzt am Wegrand liegen sah und Mitleid mit dir hatte. Sei froh! Er hat auch Geld dagelassen für deine Verpflegung. Du kannst hier bleiben, bis du wieder ganz gesund bist. Ich werde mich gut um dich kümmern. Jetzt muss ich aber zurück zu meinen anderen Gästen, sonst bekomme ich noch Ärger mit meiner Frau, wenn ich sie die ganze Arbeit allein machen lasse!“, sagt er lächelnd und verabschiedet sich. „Ein Samariter! Dass er mir einfach so geholfen hat … ich kann es noch immer nicht fassen“, sagt Aram zu sich selbst.

Zoom

  • Der Samariter hilft jemandem, den er eigentlich nicht leiden kann. Was denkst du, wenn du das hörst?
  • Jesus erzählt diese Geschichte in der Bibel. Warum legt er Wert darauf, dass ausgerechnet ein Außenseiter hilft?
  • Der Samariter hat konkret geholfen. Wie kann ich helfen? Was kann ich heute tun?

Erstveröffentlichung dieser Nacherzählung in Matthias Kerschbaum, Antje Metzger (Hg.): Bei dir – Gott, Ich und die anderen. Ein Glaubenskurs für YoungTeens; buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart 2015, S.86-90. Originaltitel dort: “Wie gehe ich mit anderen um? Ich in berührt. Jesus leidet mit.”

“Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!” (Lukas 6,36), so lautet die biblische Jahreslosung für das Jahr 2021. Ein Andachtsbüchlein des EJW nähert sich diesen Worten aus verschiedensten Richtungen. Exemplarisch findest du hier eine Andacht von Dieter Braun, dem Fachlichen Lieiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.

Schnell gelesen, aber nur langsam umgesetzt

Manchmal muss man einen langen Weg gehen, bevor man zu verstehen beginnt. Mein Weg hat bis nach Israel geführt – bis hinein in die engen Gassen der Altstadt von Jerusalem. Dort, im Gewirr der kleinen Sträßchen, habe ich zum ersten Mal erahnt, was es bedeutet, barmherzig zu sein. 

Ich hatte diese Begegnung nicht geplant. Im Vorbeigehen sah ich an einer schmalen Holztür das Zeichen der „Kleinen Schwestern Jesu“, eines katholischen Ordens. Die Tür stand offen, ich ging hinein und traf zu meiner Überraschung auf eine junge, deutsche Ordensfrau in einem schlichten Gewand. Sie lachte mich an und wir kamen ins Gespräch. 

An diesem Morgen begann ich die schmalen Straßen der Jerusalemer Altstadt mit anderen Augen zu sehen. Überall hier wohnten Menschen. Versteckt hinter kleinen Türen. Christen, Juden, Muslime. Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, mit unterschiedlichen Religionen, Überzeugungen und Weltanschauungen. Fast jede dieser Familien hatte in den großen Konflikten des Landes Angehörige verloren und Grund genug, irgendjemanden anderen in der Straße zu hassen. 

Aufbrechen und Grenzen überwinden…

Hier lebte sie als „Kleine Schwester Jesu“ – keine 30 Jahre alt – und erzählte mir, wie sie eines Tages zu einer alten Muslima gerufen wurde. Die Frauen kannten sich vom Sehen – gerade genug, um zu wissen: Die jeweils andere glaubt anders, lebt anders und scheint einer völlig anderen Welt zu entstammen. Und doch bat die alte Muslima sie, nun zu kommen. 

Die „Kleine Schwester“ macht sich auf den Weg. Ihr klopft das Herz, als sie vor der grün gestrichenen Holztür steht, deren Farbe abblättert – ein Zeichen, dass niemand im Haus sich mehr kümmert. Kurz kommt ihr der Gedanke: „Das könnte ein Hinterhalt sein.“ Dann fasst sie Mut und öffnet vorsichtig die Tür. Der Geruch von Schweiß und Urin schlägt ihr entgegen. Nimmt ihr für einen Augenblick den Atem. Dann sieht sie die alte Frau auf ihrer fleckigen Matratze liegen.

…mit Barmherzigkeit

Barmherzigkeit – sagt Martin Luther – heißt, mit seinem Herzen bei den Armen zu sein. So sperrig das Wort im Deutschen ist, so tiefgründig ist seine Bedeutung. Es taugt nicht für Oberflächliches. Barmherzig-Sein beschreibt eine Liebe, die so tief geht, dass sie es nicht mehr schafft, beim bloßem Mitgefühl über das Elend anderer stehen zu bleiben. Barmherzig-Sein kann nicht anders als handeln. 

Barmherzigkeit kann man nicht beschreiben und nicht in Vorlesungen lehren. Barmherzig-Sein kann man nur leben. In tausend Varianten. Weil es Elend und Armut in unzähligen Facetten gibt. Hier bei uns. In unserer Stadt und unserem Dorf. In unserer Nachbarschaft. Vielleicht in unserer eigenen Familie, unserem engsten Freundeskreis. Versteckt hinter strahlenden Fassaden, unbemerkt hinter verschämtem Schweigen und eintrainiertem Lächeln sitzt das Elend neben uns – und wir sehen es nicht. Die muffigen Räume verletzter Herzen und Seelen wird nur finden, wer mit den Augen Gottes zu sehen beginnt und wer – von seiner Liebe angesteckt – den Mut gewinnt, kleine Türen sanft zu öffnen. Damit frische Luft den Muff der Verletzung vertreibt. 

Das kann man nicht einfach so. Das muss man lernen. Und wir werden zeitlebens Anfänger darin bleiben – weil es in Sachen Barmherzig-Sein nur einen Meister gibt. Und das ist der, den Jesus den „Vater im Himmel“ nennt.

Von ihm war sie berührt, die „Kleine Schwester Jesu“ in der Altstadt von Jerusalem. Sie trat an die ranzige Schlafmatte der alten Muslima und setzte sich zu ihr auf den Boden. Da lag die Frau – in einem er-bärmlichen Zustand. Niemand war mehr da, der sich um sie kümmerte. Ihre Stunden waren gezählt. Die „Kleine Schwester“ sagte nichts, nahm nur die Hand der Frau. Sie hielt sie. Stundenlang. Bevor sie starb, schon abgewandt von dieser Welt, flüsterte die alte Muslima ihr zu: „Was heute zwischen dir und mir war – das versteht nur Gott.“

So ist das mit dem Barmherzig-Sein. Wie das geht, das versteht nur Gott. Wer etwas darüber lernen will, kann bei ihm in die Schule gehen. Er ist ein großartiger Lehrer. Er hat keine großen Worte über das Barmherzig-Sein verloren, sondern uns in Jesus ein lebendiges Beispiel gegeben. So wie Jesus mit Menschen umgeht – so lebt sich Barmherzig-Sein in dieser Welt. 

-> Hinweis: Das Büchlein ist über “buch+musik” für 3,50 € hier zu bestellen.

Leben sorgt für Spannungsfelder, die uns in Krisen und an Grenzen bringen können. Darum kann es bei ganz verschiedenen Themen in Gottesdiensten angebracht sein, kraftspendende seelsorgerliche Gebetsstationen oder -aktionen anzubieten. Die drei hier beschriebenen Gebetsstationen bzw. -aktionen wollen Gottes Barmherzigkeit sinnenfreundlich erfahrbar machen und die Seele entlasten.

a) Schuld loswerden

Beschreibung
Auf einem Tisch liegen kleine beschreibbare Folien und ein wasserlöslicher Stift. Hier kann man seine Schuld bekennen, indem man sie auf die Folie schreibt. Beim Kreuz steht ein Wassergefäß (mit Spülmittel), in das man die Folie eintauchen und auch wieder abwaschen kann.

Anmoderation
Schreibe, was dich belastet, auf ein Stück Folie. Diese kannst du dann „im Meer“ am Kreuz versenken.

Biblische Bezüge

  • 1. Johannes 1,8-9: Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
  • Psalm 32: Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zu rechnet, in dessen Geist kein Trug ist! Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

b) Klagemauer

Beschreibung
Mauer mit Ytongsteinen aufbauen (auf Lücke, um Zettel hineinstecken zu können). Auf der Mauer steht eine einzelne rote Rose (als Trauer- bzw. Klagesymbol).

Anmoderation
Hier an dieser Klagemauer kannst du Gott dein Leid klagen. Du kannst es auch aufschreiben und deine Klage in eine Ritze der Klagemauer stecken. (Die Zettel werden am Ende der Veranstaltung ungelesen(!) vernichtet.)

Biblischer Bezug

  • Psalm 69,2-4: Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

c) Geklärte Beziehungen

Beschreibung & Anmoderation
Hier kann man jemandem einen Brief schreiben. Ein Tisch mit Stühlen, Papier, Stiften und Briefumschlägen stehen bereit, ebenso ein Postkasten zum Einwerfen der Briefumschläge. Gibt es in deinem Leben Beziehungen, die du gerne klären möchtest? – Wenn ja, kannst du Hier und Jetzt einen Brief schreiben und mit einem Briefumschlag in die nebenstehende Box werfen. Schreibe die Adresse auf den Umschlag und lege – wenn du kannst – das Geld für die Briefmarke mit hinein. Wir werden den Brief für dich losschicken.

Biblischer Bezug

  • Matthäus 5,23-24: (Christus sagt:) Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.

Hier findet ihr den groben Ablauf wie der Abschluss des Abend-Livestreams in der ersten 5 Sterne Sommer – Woche in etwas aussieht.
Als Material braucht ihr eine große Kerze und Teelichtle.

Ein Augenblick, der nie vergeht

Und Gott sah an, alles was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.  (1.Mose 1, 31)

Das muss ein ganz besonderer Augenblick gewesen sein.
Als Gott sich… nachdem er die Welt geschaffen hat, Pflanzen, Tiere, Menschen…
als Gott sich dann zurücklehnt,
um sich seine Schöpfung noch einmal kritisch anzuschauen.
Jetzt, wo alles fertig ist.

Sein Blick wandert nochmal prüfend über die Welt.
Gott kennt jedes Detail.
Er weiß, auf was es ankommt.
Er weiß auch, wo die heiklen Punkte liegen.
Nicht umsonst schaut er sich den Menschen noch mal ganz genau an…
und dann, nach allem Abwägen, sein abschließendes Urteil: „Es ist…sehr gut!“

Der Hammer.
Gott hat nicht gesagt: Naja… im Großen und Ganzen, der Kosmos, die Welt, alles wirklich toll, aber der Mensch… also…wenn ich beide Augen zudrücke: 3-4 oder so!
Hat er nicht gesagt!
Er hat gesagt: sehr gut.
Und das hat er nie zurückgenommen.
Das steht so bis heute – auch über dir und mir: Gott sagt: Du bist sehr gut!

Das können wir manchmal gar nicht richtig glauben.
Sehr gut?
So wie ich aussehe, bei den Pickeln, der schiefen Nase und den irgendwie viel zu groß geratenen Ohren?

„Sehr gut“ – sagt Gott

Und meine Ecken und Kanten?
Wie ich mich manchmal aufführe… lebe, als gäbe es Gott gar nicht… das kann Gott nicht wirklich „sehr gut“ finden, oder?

Stimmt… tut er auch nicht.
Das sieht er alles, das entgeht ihm nicht… und trotzdem… er nimmt das „sehr gut“ über deinem Leben nicht zurück.

Vergiss es nicht, wenn du heute an einem Spiegel vorbeiläufst:
Du bist ein Meisterwerk Gottes.
Gott hat dieses Urteil über dich nie zurückgenommen: Du bist die Eins!

Du bist in seinen Augen… rundherum gelungen!

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Getragen

Du hast gesehen, dass der Herr, dein Gott, dich getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt. (5.Mose 1,31)

Vierzig Jahre sind sie durch die Wüste gelaufen.
Vierzig Jahre hat Mose das Volk Israel geführt.
Jetzt steht er vor ihnen, alt geworden, am Ende seiner eigenen Kräfte, aber mit hellwachen Augen.

Und sie…sie spüren es: dies ist ein besonderer Augenblick.
Jetzt beginnt etwas Neues.
Jetzt nach all den Jahren sind sie kurz davor, Neuland zu betreten.
Endlich!
Das Land, das ihnen Gott versprochen hat, es liegt vor ihnen.

Diesen Moment haben sie herbeigesehnt.
Vierzig Jahre… zerschlissene Kleider, wundgelaufene Füße, diese ewig brennende Sonne auf der Haut… immer das Ziel vor Augen…
und jetzt, jetzt ist der Augenblick da.
Nur noch über diesen Fluss… und dann…

Dann… ja, was dann… was wird da drüben auf sie warten?
Was kommt auf sie zu?
Bei aller Freude macht sich tief in ihnen Unsicherheit breit…

Mose spürt das: Ihr habt Angst?
Ihr habt Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten?
Dann seht doch mal auf das, was war.
Dreht euch um, schaut zurück, woher ihr kommt…

Schau auf deine Geschichte, die du hast.
Wie oft warst du am Verzweifeln?
Wie oft wusstest du nicht, wie‘s werden wird?
Wie oft hattest du keine Ahnung, wohin dich dein Weg führt…
und wie oft hast du dann erlebt… dass dich Gott getragen hat, durchgetragen hat… wie ein Vater sein Kind trägt… warum sollte sich das ändern?

Du hast es erlebt.
Du hast es mit deinen eigenen Augen gesehen: Gott ist da.
Er trägt dich durch.
Du… du bist ein Getragener.

Jetzt, in diesem Augenblick.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Unfassbar

Wir haben so etwas noch nie gesehen. (Markus 2, 12)

Eine Fischerhütte… eine Fischerhütte am See Genezareth.
Vollgestopft wie eine Sardinenbüchse.
Die Leute darin stehen eng zusammengedrängt.
Sie hören auf das, was Jesus erzählt.

Plötzlich beginnen die Öllampen zu wackeln.
Man hört dumpfe Schläge.
Risse zeigen sich in der Decke.
Der Kalk beginnt zu rieseln.
Und dann fällt plötzlich das Licht von oben in den kleinen, dunklen Raum.
Eine Lücke entsteht – grad so groß, dass man eine Matratze hindurchzwängen und hinunterlassen kann.
Und dann liegt er da… ein gelähmter Mann… direkt vor den Füssen von Jesus.

Was für ein Augenblick!

Der Hauseigentümer ist fassungslos… wer soll den Sachschaden bezahlen?
Die anderen Leute sind nicht weniger entsetzt…
Alle sehen sie nach oben, starren auf die vier Männer, die dort durch das Loch in der Decke sehen und alle, alle sind sich einig: Das… ist eine Unverschämtheit!

Nur Jesus steht da und sagt: Das? Das ist nicht unverschämt. Das ist Glauben!
Glauben, der sich was traut, der ihm… der Jesus… alles zutraut.

Als Jesus die vier Freunde dort oben auf dem Dach sieht,
die alle Hoffnung auf ihn setzen,
da sagt er zu dem Mann vor sich: „Deine Sünden sind dir vergeben“.
Und dann… heilt er ihn auch körperlich.

So ist Jesus.
Er macht immer ganze Sache.
Er sieht den ganzen Menschen –  den inneren und den äußeren.
Er sieht unsere Schuld, die Krankheit, die uns von innen zerfrisst,
und er sieht das, was den Körper leiden lässt.

Damals in Kapernaum ist der Gelähmte am Schluss aufrecht hinausgegangen.
Innerlich und äußerlich geheilt.

Und die Leute standen da und sagten: Augenblick… das gibt’s doch gar nicht!
Das ist unfassbar!
So etwas haben wir noch nie gesehen!

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Da geht was

 „…dass ich sehend werde“ (Markus 10, 51)

Es war nicht geplant.
Niemand hatte es vorhergesehen – keiner damit gerechnet.
Er selber wäre vermutlich nie auf den Gedanken gekommen,
dass er einmal in so eine Situation geraten könnte… und doch befand er sich nun plötzlich mitten drin.
Er fühlte wie sein Herz schlug,
wie seine Kehle schlagartig trocken wurde vor Aufregung.
Seine Hände wurden feucht; er spürte: es geschieht etwas…
aber er wusste noch nicht was.

Seine Vorgeschichte liegt im Dunkeln – wir wissen nicht viel von ihm.
Wir wissen wo er wohnte, wie er hieß, dass er blind und in Folge dessen auch arm war und… dass er am Wegrand saß, als Jesus Jericho verlassen wollte.

Ein Riesentumult, Stimmengewirr, Schritte, Wortfetzen…
Wer hat ihm was erklärt? Woher wusste er, wer Jesus war?
Was hatte er von ihm gehört?
Und woher eigentlich nahm er den Mut,
auf einmal so laut er nur konnte nach Jesus zu rufen?

Die Reaktion der Menschen in seiner Umgebung war die übliche: er solle ruhig sein, es sei unangemessen so rumzuschreien, ob es nicht etwas weniger emotional ginge, was das überhaupt solle…
Und er? Er schrie!

Da bleibt Jesus stehen.
Er geht nicht vorbei wenn einer zu ihm will.
Wenn einer zu schreien beginnt, weil er nicht mehr anders kann.
„Ruft ihn her!“ sagt Jesus.

Der Blinde wirft seinen Mantel von sich, springt auf, geht auf Jesus zu…
„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ fragt Jesus ihn
Und er sagt: „Dass ich sehen kann.“

Heute stehst du vor Jesus.
Er sieht dich an und fragt dich: Was… kann ich für dich tun?
Was wirst du ihm sagen?
Was wirst du ihm zutrauen?
Was es auch ist… Jesus wird damit nicht überfordert sein.
Keinen Augenblick!

Übrigens: den Blinden damals hat Jesus geheilt… weil er ihm vertraut hat.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Ein Mensch

Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen… (Matthäus 9,9)

Die Situation war milde gesagt… bescheiden.
Die Römische Armee stand als Besatzungsmacht im Land.
Die eigenen Leute hatten nichts mehr zu sagen.
Die Weltmacht Rom hat alles diktiert und… hat abkassiert.
An jedes Eck, an jede wichtige Straße, an jedes Stadttor haben sie einen Zolleinnehmer gesetzt und den dazu verdonnert die Leute abzukassieren.

Matthäus war so einer.
Wer durch wollte musste bei ihm blechen – so einfach war das.
Nur für ihn war das alles andere als einfach.
Denn er… er war eigentlich ein armer Kerl.
Er hat selbst von dem ganzen Zaster, den er da reingescheffelt hat,
keine müde Münze zu sehen bekommen.
Er musste alles fein säuberlich an Rom abdrücken.

Naja, wirst du sagen… die Römer werden ihn fürstlich belohnt haben, dafür, dass er das Geld in ihre Staatskassen geschaufelt hat… Pustekuchen!
Zolleinnehmer bekamen keinen Lohn.

Ja toll, von was haben die dann gelebt?
Eben!
Die waren dazu gezwungen mehr zu verlangen, als nötig, um überhaupt leben zu können…
Ein ganz mieser Trick, den die Römer angewandt haben, um Menschen abhängig zu machen.
Aber das hat die Leute, die von den Zöllnern abkassiert wurden, nicht interessiert.
Für die waren alle Zöllner Verbrecher,
mit die verrufensten Leute überhaupt.
Zöllner waren abgeschrieben…

Umso erstaunlicher:
Als Jesus an die Zollstation von Matthäus kommt, beschreibt die Bibel diesen Augenblick so: Jesus kam und sah… einen Menschen am Zoll sitzen…

Einen Menschen – verstehst du – keinen Betrüger – keinen miesen Kerl – einen Menschen!
Einen… wie du und ich.
Er sieht dich an… und egal, was andere über dich sagen…
egal was für eine Geschichte du hast… Jesus sieht einen Menschen in dir.

Er hat dich nicht abgeschrieben – keinen Augenblick.
Er geht auf dich zu und sagt es zu dir, was er damals einem Matthäus gesagt hat: Komm mit – folge mir nach – ich will mein Leben mit dir teilen.

Was für ein Augenblick.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Unterwegs

1. Mose 12, 1-9

Als er die Anhöhe erreicht… sieht er noch einmal zurück.
Zurück auf den Ort,
in dem er Jahre seines Lebens verbracht hat.
Nun war er im Begriff, diesen Ort für immer zu verlassen.

Vielleicht… vielleicht zögert er in diesem Moment noch einmal.
Vielleicht hat Abram sich in diesem Augenblick noch einmal gefragt, ob er es wohl irgendwann bereuen würde…
alles hinter sich zu lassen…
seine Heimat, seine Familie, die Freunde, die Sicherheiten, all das Vertraute… das alles loszulassen, zurückzulassen, um…
ja… um… um was eigentlich?

Was war das Ziel?
Was würde er gewinnen?

„Geh“ – hatte Gott gesagt – „Geh… in ein Land das ich dir zeigen werde.
Und ich werde dich zu einem großen Volk machen und dich segnen.“

Abram wusste so wenig.
Wo würde dieses Land sein?
Wie lange würde die Reise gehen?
Was heißt „zu einem großen Volk machen“?
Was heißt gesegnet werden?

1000 offene Fragen und kaum Antworten…
und dennoch hatte Abram… obwohl er nicht wusste, wohin es gehen würde… alles zusammengepackt, sich verabschiedet… und war aufgebrochen.

Wer Neuland betreten will, muss Altes loslassen.
Muss sich auf den Weg machen… innerlich und äußerlich… wie Abram.
Das geht nicht ohne Risiko.
Du weißt nie, was hinter der nächsten Kurve auf dich wartet.
Aber wer nicht aufbricht, erlebt das Neue nicht.

Denn… erst…
…unterwegs hat Gott Abram gezeigt, wie gut er es mit ihm meint.
…unterwegs hat Abram erlebt, dass er sich auf Gott verlassen kann.
…unterwegs hat er begriffen: Ich bin nirgends geborgener, als in Gottes Armen.

Unterwegs – zeigt sich, dass du Gott vertrauen kannst – heute vertrauen kannst…
Unterwegs – auf deinem Weg.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Behütet

2. Mose 23, 20

Seit Wochen…
seit Monaten sind sie unterwegs…
Geflohen aus der Knechtschaft in Ägypten
lagert das Volk Israel in einem Wüstental auf der Sinai-Halbinsel.

Eine unwirtliche Gegend.
Steinwüste
Steine und Sand, soweit das Auge reicht.
Und die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel.

Mose holt die Männer und Frauen im Schatten der Zelte zusammen.
Stück um Stück versucht er ihnen beizubringen,
was Gott ihm aufgetragen hat, ihnen zu sagen.

So spricht der Herr – sagt Mose,
so spricht Gott mitten in deinen Alltag hinein:

„Siehe… ich sende einen Engel vor dir her,
einen, der dich behütet
und dich an den Ort bringt,
den ich für dich bereitet… vor-bereitet habe.“

Wohin immer du unterwegs bist in deinem Leben…
du kommst in vorbereitete Verhältnisse.
Wohin du innerlich oder äußerlich rennst, wohin du flüchtest… in welche Sackgasse du gerätst… wohin du dich auch verlaufen wirst … du kommst immer, immer an einen Ort, an dem Gott schon auf dich wartet.

Auf dem mühsamen Weg durch die Wüste hat das Volk Israel das unzählige Male erlebt.
Warum solltest du anderes erleben?
Warum?

Gott hat sich nicht geändert.
Er sendet seinen Boten auch vor dir her, damit der dich behütet
und dich an den Ort bringt, den er… Gott… für dich vorbereitet hat.

Nein… du bist nicht allein auf deinem Weg.
Nicht heute, nicht morgen, an keinem einzigen Tag deines Lebens.
Wohin dich dein Weg auch führen wird:
Du bist behütet – auf deinem Weg.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Boden unter den Füssen

Matthäus 4, 18-22

Wie oft sie sich unterwegs wohl daran zurückerinnert haben?
Die Fischer, die Jünger vom See Genezareth…
Wie oft sie unterwegs wohl daran gedacht haben,
wie alles angefangen hatte mit Jesus…
an jenem Abend, damals…

Ganz leise war er gekommen und ans Ufer des Sees getreten.
Sie waren gerade am Fischen.
Keine Ahnung ob sie ihn schon kannten.
Keine Ahnung, ob sie ihn da zum ersten Mal gesehen haben.
Wir wissen es nicht.
Vielleicht ergab sich ein ganz zwangloses Gespräch.
Vielleicht redeten sie lange miteinander
und Jesus blieb einfach sitzen,
während sie die Fische ausnahmen und die Netze zu prüfen begannen.

Irgendwann an diesem Abend sagte er es.
Kommt mit.
Macht euch auf den Weg.
Macht euch auf, offen, folgt mir nach…
ich will euch zu Menschenfischern machen – auf dem Weg.

Haben sie gestutzt?
Habe sie gelacht und gesagt: Menschenfischer? Was ist das denn?
Menschenfischer?
Irgendwann unterwegs muss er es ihnen erklärt haben, dass Menschenfischer heißt… Menschen die am Untergehen sind, ans Land zu ziehen…
damit sie wieder Boden unter die Füße bekommen.

Irgendwo unterwegs hat er es ihnen erklärt… zu was er seine Jünger beruft.
Du bist dazu berufen… Menschen zu fischen.
Damit Menschen, die abzusaufen drohen, wieder Boden unter die Füße bekommen.

Was für ein Auftrag.
Man kann ihn nur schwer erfüllen, wenn man nicht in Bewegung kommt.
Es ist ein Auftrag für Menschen, die sich auf den Weg machen.

Also mach dich auf…
Geh zu Menschen hin, die dich brauchen.
Denn du hast einen Auftrag.
Heute. 

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Die große Frage

Markus 8, 27-30

Es war im Norden Israels.
Am Fuß des Hermon-Gebirges… bei den Quellen des Jordans.
Seit Wochen zogen Jesus und seine Jünger durch die Dörfer und Städte der Gegend.
Jesus predigte, heilte Kranke, stritt sich mit den Pharisäern, rief Menschen in seine Nachfolge…
Und wohin sie auch kamen… die Leute redeten über ihn.

Irgendwo unterwegs hat er seine Jünger gefragt:
Wer… wer eigentlich sagen die Leute, dass ich bin?
Was denken sie über mich?
Was halten sie von mir?

Und ich stell mir vor, wie die Jünger im Weiterlaufen etwas näher zusammenrücken und zu erzählen beginnen: Nun… die einen sagen dies, die anderen das….

Als Jesus das hört, bleibt er stehen,
dreht sich zu seinen Jüngern um,
sieht sie an und fragt sie: „Und ihr? Wer sagt ihr, dass ich bin?“

Schweigen!
Sie sind alle stehen geblieben.
Und jedem ist in diesem Augenblick klar… jetzt… jetzt ist eine schnelle, eine billige Antwort völlig unangemessen… weil jeder spürt: Das ist die entscheidende Frage.
Wer ist Jesus für mich?

Wer ist Jesus eigentlich für dich?
Wer?
Ein Vorbild, eine geschichtliche Größe, ein cooler Typ – wer ist er?

Damals war es Petrus, der als erster Worte fand:
Er sagte: Du?
Du bist der Christus…
Du bist kein anderer, als der Mensch gewordene Gott selbst.
Und Jesus gibt ihm recht.

Was glaubst du?
Wer ist Jesus für dich?
Was würdest du ihm antworten, wenn er dich heute fragen würde?

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Blind

Lukas 24,13 f

Sie waren unterwegs…
auf dem Weg heim – in den kleinen Ort Emmaus.
Und die Stimmung war schlecht.
Kein Wunder, wenn man bedenkt, was sie hinter sich hatten.

Jahrelang waren die beiden Männer mit Jesus unterwegs gewesen,
waren mit ihm durchs Land gezogen,
hatten mit eigenen Augen gesehen, wie er Kranke geheilt, sogar Tote auferweckt hatte…
und nun… alles vorbei.
Jesus war gekreuzigt worden, die Jünger hatten sich versteckt…
was blieb ihnen schon anderes übrig, als nach Hause zu gehen… also gingen sie… zurück nach Emmaus.

Lag es daran, dass sie so sehr mit sich selbst beschäftigt waren?
Lag es an der tiefstehenden Sonne, die sie geblendet hat?
Warum eigentlich erkannten sie den Mann nicht der unterwegs zu ihnen gestoßen war.
Oder hielten sie es einfach gar nicht für möglich,
dass Jesus den Tod überlebt hatte und auferstanden war…?

Ich weiß es nicht.
Tatsache ist: sie erkannten Jesus nicht,
obwohl er neben ihnen herging… mit ihnen redete,
sich nach ihrer Trauer erkundigte
und ihnen zu erklären begann.

Später fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen.
Sie fassten sich an die Stirn und fragten sich, wie sie nur so blind sein konnten.

Ich fürchte, wir sind die meisten Tage unseres Lebens mindestens genauso blind, wie die beiden Emmaus-Jünger.
Blind dafür, dass Jesus mit uns unterwegs ist.
Mitgeht… selbst durch dunkelste Stunden hindurch.

Er lässt dich nicht im Stich.
Er geht selbst falsche Wege mit, bis du begreifst und umdrehst.
Nicht einmal gottlose Wege sind mehr gottlos, seit er auferstanden ist.

Er ist da – dir ganz nah – jetzt, in diesem Augenblick.
Also mach die Augen auf und wundere dich nicht, wenn du ihm begegnest.
Heute – irgendwann, irgendwo – auf deinem Weg.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Das Leben ist nicht nur fair, es mutet Schmerzen zu. Auch seelische: Wie leicht verlieren wir Heimat, vertraute Beziehungen, gewohnte Gesundheit, bergende Heimat. Mitten unter uns und weltweit werden Tränen vergossen angesichts von Enttäuschungen, Ohnmacht, Unrecht und Ungerechtigkeit.
Doch die Bibel erzählt, dass unsere Tränen nicht einfach vergossen sind und ergebnislos versickern. Sie kennt das ausdrucksstarke Bild des Tränenkrugs. Diese Gebetsaktion macht das alttestamentliche Wort erlebbar und trägt zu Entlastungen bei.

Perspektiven / Hintergründe 

„Zähle die Tage meiner Flucht, sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel: Du zählst sie“, so heißt es in Psalm 56,9. Unser Leben zeigt sich immer wieder auf der Flucht: wie ein Bündel Strandgut dem eigentlichen Ort entrissen, blank und unbehaust. Wir lernen als hochflexible Vagabunden zwischen Tür und Angel zu leben – und fliehen dabei doch all zu leicht vor der eigenen Wahrheit, fliehen in die Ablenkung, fliehen vor unserer notwendigen Verantwortung, fliehen vor Gott und dessen Lieben (vgl. die Jona-Geschichte) in die Egozentrik des eigenen Tuns. Wir erfahren uns in brüchigen Lebenszusammenhängen: aus dem Haus unserer Gewohnheiten all zu leicht Vertriebene. Die seelische Obdachlosigkeit wird dort radikal spürbar, wo wir auf Risse, Umbrüche, Abbrüche, Entlassungen und Verneinungen, eben Schmerzen im Leben stoßen.

Wo ich diese Flucht und meine Heimatlosigkeit erfahre und sie mir eingestehe, wo ich den Alltag in seiner tiefen Brüchigkeit wahrnehme und ansehe, kostet das Mut – und Tränen. Aber an dieser Talsohle stoße ich auch auf Gewissheit: Gott sieht und zählt die Tage meiner Flucht, Gott sieht und sammelt meine Tränen. Tränen werden im Land des Glaubens nicht einfach vergossen und versickern – sie werden von Gott im Tränenkrug gesammelt. Er übersieht nicht, was uns Schmerzen bereitet.

Praxis

Ort im Gottesdienst

Setzt man für den Verlauf eines Gottesdienstes bzw. einer Andacht den klassischen 4-Schritt an (Eröffnung, Verkündigung, Mahlfeier und Sendung), so empfiehlt es sich, die Symbolhandlung dort zu platzieren, wo normalerweise die Mahlfeier vorgesehen ist, also als dritte Phase. Auf diese Weise gewinnt dann die Verkündigung an sinnlicher Tiefe, und es wird eine Art „Verkostung“ des Wortes Gottes erlebt (so hat Ignatius dies genannt). Nach Predigtimpuls und Lied kann man dann folgendermaßen weitergehen:

Anmoderation und Aktion
  • Erläutern, was nun folgt und um was es geht: Dabei kann auf die oben entfalteten Hintergründe zurückgegriffen werden.
  • Exemplarische Anmoderation: “Das Leben ist nicht nur fair, es mutet Schmerzen zu. Auch seelische: Wie leicht verlieren wir Heimat, vertraute Beziehungen, gewohnte Gesundheit, bergende Heimat. Mitten unter uns und weltweit werden Tränen vergossen angesichts von Enttäuschungen, Ohnmacht, Unrecht und Ungerechtigkeit. 

Doch die Bibel erzählt, dass unsere Tränen nicht einfach vergossen sind und ergebnislos versickern. Sie kennt das aussdrucksstarke Bild des Tränenkrugs.

  • Werde einen Moment still, tauche ein in die Stille um dich herum und mache dir klar, wo dir in diesen Tagen eigentlich zum Weinen zumute ist: in deinem eigenen Leben, in dem von Freunden, Verwandten oder vielleicht in dem von unbekannten Anderen, die dir aber durch Medien zum Nächsten werden. Wo wird Schmerz oder Unrecht erfahren und lässt (zumindest innerlich) weinen?
  • Nimm dann eine Träne aus Papier und lasse sie in Gottes Tränenkrug fallen. Du kannst dabei laut sagen (leise flüstern), wofür du diese Träne vergießt und dies mit der kurzen Formel beschließen: „Gott, erbarme dich!“ 

So lasst uns nun beten und durch den Tränenkrug Gottes Kraft schöpfen…”

Weitere Hinweise 

Wer mag, kann diese Gebetsstation / Symbolhandlung ausweiten:

  • “Sprich schweigend ein Gebet für diese Situation, für die darin involvierten Menschen.”
  • “Entzünde als Konsequenz deines Betens ein Teelicht an der Kerze auf dem Tisch und frage in seinem Schein, wie Licht in diese Dunkelheit kommen könnte – evtl. auch durch dein eigenes Tätigwerden.” 

Entscheidend ist bei Gebetsstationen und Symbolhandlungen immer die Atmosphäre: Sie müssen (egal welcher Art) immer freundlich- werbend als Angebot eingeführt werden. Druck und Zwang öffnen keinen Weg!

Meditative sinnenfreundliche Aktionen können tief unter die Haut gehen. Emotional ergriffene Reaktionen sind wahrscheinlich, denn Menschen spüren ja in diesem Moment Belastendes und Befreiendes zugleich! – Haben wir Ressourcen, um sie ggf. darin nicht allein zu lassen (seelsorgerliche Begleitungsangebote)?

Dekoration und Material

Tücher, evtl. Kerze, evtl. Vanitas-Symbole (Scherben, Müll, etc.), Pflanzen (Kaktus, vertrocknete Blumen, Dorngeäste, “Herbstlaub”), Leid- und Tränenbilder aus Zeitungen/ Zeitschriften (Unheilsnachrichten), großer Ton(-boden-)krug, Tränenformen aus Karton geschnitten

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